Opfer – Bibel-Lexikon

Weitergeleitet von »Brandopfer«.

Die im A.T. beschriebenen Opfer zeigen, auf welchem Weg es möglich ist, sich Gott zu nähern. Die Opfer haben in sich keinen eigenen Wert, sondern sind alle bildlich zu verstehen, denn sie weisen auf Christus hin, der sie - als Gegenbild - alle erfüllte. Es gibt vier Hauptopfer: das Brandopfer, das Speisopfer, das Friedensopfer und das Sündopfer, das mit dem Schuldopfer verbunden werden kann. In dieser Reihenfolge werden sie in den Anfangskapiteln des dritten Buches Mose vorgestellt. Sie sind nach ihrer Wichtigkeit aus Gottes Sicht angeordnet: Von Christus’ Hingabe zur Ehre Gottes bis in den Tod bis zu den Bedürfnissen des schuldigen Menschen. Wäre die Frage, wie sich ein Sünder Gott nähern kann, dann müsste notwendigerweise das Sündopfer zuerst kommen, denn die Sünde muss zuerst behandelt werden, bevor der sich Gott Nahende in die Stellung eines Anbeters treten kann.

Man kann die Opfer auch in zwei Klassen teilen, nämlich die Opfer lieblichen Geruchs und die Sündopfer. Die Opfer lieblichen Geruchs wurden durch Anbeter gebracht, und die Sündopfer von denen, die, weil sie gesündigt hatten, wieder in die Stellung des Anbeters zurückgebracht werden mussten. Doch selbst im Sündopfer wurde das Fett auf dem ehernen Altar verbrannt, und es wird einmal gesagt, dass dies „zum lieblichen Geruch dem HERRN" sein sollte (3. Mo 4,31). Daher besteht durchaus eine Verbindung zum Brandopfer. Die Opfer lieblichen Geruchs zeigen in erster Linie, wie Christus sich selbst vollkommen Gott geopfert hat, und nicht in der Hauptsache, dass Gott dem Stellvertreter die Sünden auferlegt.

Die vielfältigen Arten und die Geschlechter der Tiere, die als Sündopfer dargebracht wurden, entsprechen dem Grad der Verantwortung einer Person (3. Mo 4), und den Möglichkeiten der Person (3. Mo 5). Deshalb musste der Priester oder die ganze Gemeinde als Sündopfer einen Stier bringen, aber für jemanden aus dem Volk reichte ein Ziegenbock oder ein Lamm aus. In den Opfern lieblichen Geruchs konnte der Opfernde die Art des Opfertieres frei wählen, und die verschiedenen Werte der Opfertiere machen deutlich, wieviel Wertschätzung jemand dem Opfer beimaß. Wenn daher ein reicher Mann ein Schaf an Stelle eines Stieres bringen würde, so würde das zeigen, dass er die ihm zur Verfügung stehenden Privilegien unterschätzte.

Das Blut wurde gesprengt und ausgeschüttet; es durfte nicht gegessen werden. Im Blut war die Seele und Gott beanspruchte es (3. Mo 17,11). Das Fett der Opfer musste immer verbrannt werden, denn es repräsentierte das willige und tatkräftige Handeln des Herzens Christi Gott gegenüber (Ps 40,7–9). Sauerteig, der bildlich immer zeigt, was menschlich und daher böse ist (denn das Einführen menschlicher Elemente in die Dinge Gottes ist böse), sollte niemals auf dem Altar für Gott verbrannt werden. Noch durfte es in irgendeinem der Opfer enthalten sein, außer in einer besonderen Form des Speisopfers (3. Mo 23,16–23) und in dem das Friedensopfer begleitende Brot (3. Mo 7,13). Honig war im Speisopfer verboten, da es rein menschliche Süße andeutet. Salz sollte dem Speisopfer hinzugefügt werden und auch bei anderen Opfergaben benutzt werden (3. Mo 2,13; Hes 43,24). Salz wirkt konservierend und gibt Geschmack (4. Mo 18,19; 2. Chr 13,5; Kol 4,6).

Die hauptsächlich benutzten hebräischen Wörter in Bezug auf die Opfer sind:

  1. olah, alah, von ”aufsteigen lassen"; übersetzt mit Brandopfer.
  2. minchah, von ”Geschenk, Opfer"; übersetzt mit Speisopfer.
  3. shelem, von „Ganzes, Vollständiges”, „im Frieden oder in Freundschaft sein mit jemandem"; übersetzt mit Friedensopfer.
  4. chattah, von „sündigen”; übersetzt mit Sündopfer.
  5. asham, von „schuldig sein”; übersetzt mit Schuldopfer.
  6. tenuphah, von „hin und her bewegen"; übersetzt mit Webopfer.
  7. terumah, von „hochheben, abheben”; übersetzt mit Hebopfer.

Was das Verbrennen der Opfer angeht, werden verschiedene hebräische Wörter benutzt. Neben dem oben erwähnten Wort alah ist für das Verbrennen auf dem Altar ebenso das Wort qatar gebräuchlich. Es bedeutet „Weihrauch verbrennen", „räuchern". Aber wenn das Aas des Sündopfers verbrannt wurde, wird das Wort saraph benutzt, das „verbrennen, verzehren" bedeutet. So kann man einen Unterschied sehen zwischen dem, was aufsteigt als lieblicher Geruch und dem, was unter dem Gericht Gottes verzehrt wird.

Das Brandopfer

Dieses Opfer zeigt bildlich, wie Christus sich gemäß dem göttlichen Willen bereitstellt, um Gottes Absichten zu vollbringen und seine Ehre im Hinblick auf die Sünde zu erhalten. Beim eigentlichen Opfer gab es ein Opfer und einen Opfernden, aber in Christus sind beide verbunden. Das freiwillige Brandopfer wurde dargebracht, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen (3. Mo 1,3). Das Opfertier musste männlich sein, und man konnte Rindvieh, Kleinvieh (z. B. ein Schaf), Turteltauben oder junge Tauben opfern - je nachdem, wie vermögend der Opfernde war oder wieviel Wertschätzung er dem Opfer beimaß. Diese Opfer zeigen unterschiedliche Stufen, aber im Prinzip sind sie alle gleicher Art. Das männliche Opfertier hat den höchsten Wert. Weibliche Opfertiere werden beim Brandopfer nicht genannt.

Nachdem der Opfernde seine Hand auf das Tier gelegt hatte, tötete er es (außer im Fall der Vögel, die der Priester tötete). Aus 3. Mose 1 scheint hervorzugehen, dass der Opfernde das Opfertier ebenfalls häutete, in Stücke zerlegte und die Eingeweide und Beine in Wasser wusch. Allerdings könnte der sprachliche Ausdruck auch unpersönlich gedeutet werden: „Es soll gehäutet werden" usw., und möglicherweise wurde diese Arbeit von den Priestern oder Leviten getan (die Leviten häuteten die Opfer in 2. Chronika 29,34, weil es zu wenig Priester gab). Der Priester sprengte das Blut ringsum an den Altar, und außer der Haut, die dem Priester gehörte, wurde das ganze Opfer verbrannt, woraufhin ein lieblicher Geruch vom Altar aufstieg. Das Opfer tat Sühnung für den Opfernden, der durch den Wert des Opfers Wohlgefallen fand vor Gott. Das Brandopfer zeigt bildlich, wie Christus sich selbst auf vollkommene Weise geopfert hat und wie sein Innerstes durch das Feuer des göttlichen Gerichts geprüft wurde. Dieser Aspekt des Kreuzes ist z. B. in folgenden Stellen zu sehen: Philipper 2,8; Johannes 10,14–18; 13,31; 17,4 und Römer 5,18.

3. Mose 6 erläutert das Gesetz des Brandopfers. „Dieses, das Brandopfer, soll auf seiner Feuerstelle sein, auf dem Altar, die ganze Nacht bis zum Morgen; und das Feuer das Altars soll darauf in Brand erhalten werden ... es soll nicht erlöschen" (3. Mo 6,1.5). Das bezieht sich auf die Lämmer, die morgens und abends geopfert wurden; sie waren ein ständiges, immerwährendes Opfer (2. Mo 29,38–41). Es ist bemerkenswert, dass es „die ganze Nacht bis zum Morgen" brannte, zweifellos, um zu zeigen, dass Christus für Israel immer ein lieblicher Geruch für Gott ist, selbst während der gegenwärtigen Zeit der Dunkelheit und Vergessenheit Israels. Aaron musste seine leinenen Kleider anziehen, um die Asche von dem Altar zu heben und neben den Altar zu schütten. Dann wechselte er seine Kleidung und trug die Asche hinaus aus dem Lager. Die Asche war der Beweis, dass das Opfer vollkommen angenommen worden war (Ps 20,3). Am „Morgen" wird Israel wissen, dass sie durch das Werk ihres Messias’ am Kreuz angenommen und gesegnet werden. Das tägliche Opfer wurde von dem Priester stellvertretend für das ganze Volk geopfert, und zeigt bildlich den Grund seiner Segnungen und Vorrechte. Deshalb ist es für den Glauben so bedeutsam (Esra 3,3; Dan 8,11.13.26; Dan 9,27).

Das Speisopfer

In 3. Mose 2 wird das Speisopfer vorgestellt, das dem Brandopfer hingefügt wurde. Bei diesem Opfer fand kein Blutvergießen statt, und folglich auch keine Sühnung. Das Brandopfer zeigt den Herrn Jesus in seiner Hingabe bis zum Tod; das Speisopfer hingegen zeigt ihn in seinem Leben als den reinen, sündlosen Menschen, der in der Macht und Kraft des Heiligen Geistes handelte. Das Speisopfer bestand aus Feinmehl, musste ungesäuert und mit Öl gemengt sein, und sollte schließlich mit Öl und mit Weihrauch gesalbt werden. In der einfachsten Form des Speisopfers wurde eine Hand voll Mehl mit Öl begossen und auf dem Altar verbrannt. Es konnte aber auch als Kuchen im Ofen, in der Pfanne oder im Napf gebacken werden. Vom Mehl und Öl wurde nur ein Teil auf dem Altar verbrannt, wohingegen der ganze Weihrauch als ein lieblicher Geruch für den Herrn verbrannt wurde. Der Rest gehörte dem Priester und seinen Söhnen als Nahrung (aber nicht seinen Töchtern; 3. Mo 16,11). Die Vorzüglichkeit des Herrn Jesus als Mensch, der völlig und vollkommen bis zu seinem Tod für Gott lebte, kann nur in priesterlicher Nähe genossen werden. Es ist ein Opfer, das ganz wesentlich zum Heiligtum gehörte.

Das Leben des Herrn war uneingeschränkt für Gott. Er lebte nicht, um Menschen zu gefallen, noch suchte er deren Anerkennung. Deshalb musste der ganze Weihrauch vom Altar aufsteigen. Das Feinmehl zeigt die Ebenheit und Ausgeglichenheit des Charakters des Herrn. Kein Charakterzug nahm eine unangemessene Dominanz über die anderen Züge ein, wie es beim Menschen im Allgemeinen der Fall ist. Beim Herrn als Menschen war alles vollkommen ausgeglichen und diente zur Ehre Gottes. Er wurde in der Kraft des Heiligen Geistes (Gegenbild des Öls) gezeugt, und gesalbt bei seiner Taufe; seine moralische Herrlichkeit ist in dem Weihrauch zu sehen. So wie das beständige Brandopfer jeden Morgen und jeden Abend geopfert wurde, gab es auch ein beständiges Speisopfer. Es war „hochheilig"; weder Sauerteig noch Honig durften darin enthalten sein, sondern es sollte gesalzen sein. Alle hier symbolisierten Charakterzüge traten in bemerkenswerter Weise im Leben des Herrn Jesus auf (3. Mo 2; 3. Mo 6,7–16; 2. Mo 29, 40.41).

In 3. Mose 23,17 wird Sauerteig im Speiopfer erwähnt, denn hier geht es bildlich um die Kirche (den Erstling von Gottes Geschöpfen), die an Pfingsten durch die Heiligung des Geistes dargestellt wurde.

Das Friedensopfer

Das Friedensopfer unterscheidet sich sowohl vom Brandopfer als auch vom Speisopfer, obwohl es auf sie aufbaut. Der Zweck dieses Opfers war weder dem Sünder den Weg zum Frieden zu zeigen, noch Sühnung zu bewirken. Es war vielmehr die Antwort eines Herzens auf empfangene Segnungen. Die Seele dringt ein in die Hingabe Christi an Gott, in die Liebe und Kraft Christi als die Segnung der priesterlichen Familie und in ihre eigene Erhaltung am Leben, wo der Tod eintritt. Das Friedensopfer konnte ein männliches oder weibliches Herdentier sein. Der Opfernde legte seine Hand auf den Kopf des Opfertieres und tötete es. Dann wurde das Blut rings um den Altar gesprengt. Das ganze Fett, die beiden Nieren und das Netz über der Leber wurden auf dem Altar verbrannt, als Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn. Das alles waren Gottes Anteile, wörtlich „sein Brot" (3. Mo 3,11). Die Brust des Opfertieres wurde als Webopfer gewebt, und diente dann als Nahrung für Aaron und seine Söhne und Töchter. Die rechte Schulter war ein Hebopfer und gehörte dem opfernden Priester. Außer dem Opfernden aßen auch seine Freunde am selben Tag von dem Opfer. Wenn es ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe war, dann konnte es auch am zweiten Tag noch gegessen werden. Was übrig blieb, wurde mit Feuer verbrannt. Das zeigt, dass echte Gemeinschaft frisch sein muss.

Das Friedensopfer wurde von einem Speisopfer begleitet. Dieses bestand aus ungesäuertem Kuchen, gemengt mit Öl, und ungesäuertem Feinmehl mit Öl und gesäuertem Brot. Durch das letztgenannte wurde anerkannt, dass zwar Sünde in dem Anbeter ist (1. Joh 1,8), diese aber, wenn sie inaktiv blieb, ihn nicht vom Opfern ausschloss (während Sünde auf oder an ihm ihn sehr wohl davon ausschloss). Das alles zeigt bildlich, dass Christus ohne Sauerteig - also ohne Sünde - war. Offensichtlich ist, dass das Friedensopfer bildlich von Gemeinschaft spricht, denn das geht aus den Anweisungen bezüglich seiner Entsorgung hervor: Ein Teil davon wurde Gott auf dem Altar geopfert ("Speise des Feueropfers"), ein weiterer Teil diente dem Priester (Christus) und seinen Söhnen (Christen) als Speise, und schließlich wurde ein Teil von dem Opfernden und seinen Freunden gegessen (das Volk; vielleicht auch die Nationen, die sich im 1000jährigen Reich „mit seinem Volk" freuen werden; Röm 15,10). Dieser Gedanke der Gemeinschaft findet Ausdruck im Tisch des Herrn, in der Gemeinschaft seines Blutes und seines Leibes (1. Kor 10,16). Von dem Friedensopfer wird ausdrücklich gesagt, dass es dem HERRN gehört. Ebenso gehört Gott auch alle Anbetung: Es ist die Frucht und der Ausdruck der Tatsache, dass Christus in dem Gläubigen wohnt (3. Mo 3; 7,11–21; 7,28–34).

Das Sündopfer

Das Sünd- und das Schuldopfer stehen etwas für sich unter den Opfern. Im Brandopfer und im Friedensopfer kam der Opfernde als Anbeter, und durch das Auflegen der Hände wurde er eins mit der Annehmbarkeit und Annahme des Opfertieres. Im Gegensatz dazu wurde beim Sündopfer das Opfertier mit der Sünde des Opfernden eins gemacht.

Der Zweck des Sündopfers war es, Sünde zu sühnen und so das Gericht von dem Opfernden abzuwenden. Dieses allgemeine Kennzeichen findet sich durchgängig wieder, auch wenn die Einzelheiten verschieden sind, wie die folgende Tabelle zeigt:

Am Versöhnungstag (3. Mo 16)

Stier für Aaron, zwei Ziegenböcke für das Volk

Das Blut wurde auf und vor den Sühndeckel gesprengt, an die Hörner des Brandopferaltars getan und auf diesen gesprengt.

Alles Fett wurde auf dem Altar verbrannt, der ganze Tierkörper wurde außerhalb des Lagers verbrannt.

Für den gesalbten Priester (3. Mo 4)

Stier

Das Blut wurde in das Heiligtum gesprengt, an die Hörner des Räucheraltars getan und an den Fuß des Brandopferaltars gegossen.

"

Für die ganze Gemeinde

Stier

" "

Für den Fürsten

ein Ziegenbock

Das Blut wurde an die Hörner des Brandopferaltars getan und an den Fuß desselben gegossen.

Das Fett wurde auf dem Altar verbrannt, der Rest wurde von den opfernden Priestern gegessen (3. Mo 6,19.22).

Einer aus dem Volk

eine Ziege

" "

 

Am Versöhnungstag wurde das Blut des Sündopfers in das Allerheiligste gebracht und dort auf und vor den Sühndeckel gesprengt. Der heilige Thron Gottes bestimmte, wie Sühnung getan werden konnte. Diese Art von Sündopfer wurde jährlich wiederholt, um die Beziehung zwischen dem Volk und Gott zu erhalten, denn die Stiftshütte des HERRN blieb unter ihnen inmitten von Unreinheit. Sühnung wurde auch für das Heiligtum und den Altar getan. Alles wurde durch das Blut des Sündopfers versöhnt, und auf der Grundlage desselben Blutes wurden die Sünden des Volkes stellvertretend in ein ödes Land weggetragen (3. Mo 16).

Im Fall der Sünde eines Priesters oder der ganzen Versammlung wurde jeglicher Zutritt unterbrochen. Das Blut musste ins Heiligtum getragen werden, dort siebenmal gesprengt werden, und auf die Hörner des Räucheraltars getan werden - der Ort des Zutritts für den Priester. So wurde der Zugang wiederhergestellt (siehe auch Versöhnungstag). Im Fall eines Fürsten oder eines Menschen aus dem Volk wurde das Blut auf den Brandopferaltar gesprengt, den Ort, wo das Volk nahte. Damit wurde der Zugang für den Einzelnen wiederhergestellt.

Von dem Sündopfer als Ganzes wird nicht gesagt, dass es ein Wohlgeruch war. Sünde ist der vorherrschende Gedanke; dennoch wurde das Fett auf dem Altar zum lieblichen Geruch dem HERRN verbrannt (3. Mo 4,31). Christus war zu allen Zeiten (auf dem Kreuz wie auch sonst in seinem Leben) eine Freude für Gott. Das Sündopfer, das von dem Priester gegessen wurde, wird als „hochheilig" bezeichnet (3. Mo 6,29). Das zeigt bildlich, wie Christus, sowohl Priester als auch Opfer, unsere Sache am Herzen liegt.

In 3. Mose 5,1–13 werden Fälle beschrieben, wo es hauptsächlich um die Sünde der Verletzung einer Verordnung oder Vorschrift ging. Hierbei wurden die materiellen Möglichkeiten des Opfernden berücksichtigt. Wenn jemand finanziell nicht in der Lage war, eine Ziege als Sündopfer zu bringen, dann war es ihm erlaubt, zwei Tauben zu bringen. Und wenn er nicht einmal in der Lage war, zwei Tauben als Opfer zu bringen, dann durfte er ein Zehntel Epha Feinmehl bringen. Dies scheint der Notwendigkeit des Blutvergießens zu widersprechen, aber der auf dem Altar verbrannte Gedächtnisteil symbolisierte das Gericht Gottes im Umgang mit der Sünde. Auf diese Weise gab es für jeden, auch für die Ärmsten, einen Weg, seine Sünde mit Gott ins Reine zu bringen. Bildlich gesehen verdeutlicht Armut Unwissenheit oder nur geringe Erkenntnis, nicht aber Ablehnung oder Gleichgültigkeit gegenüber Christus. Und da das Mehl trotzdem mit dem Feuer des Gerichtes auf dem Altar in Berührung kam, wurde der Tod des Christus für Sünde in dieser einfachsten Form des Sündopfers auch nicht ausgelassen.

Das Schuldopfer

Das Schuldopfer unterscheidet sich von dem Sündopfer darin, dass es Gottes Regierung betrachtet, wohingegen das Sündopfer sich auf Gottes heilige Natur bezieht und daher auf seinen notwendigen Umgang mit Sünde in Gericht. Der Herr ist ebenfalls das wahre Schuldopfer, wie man in Jesaja 53,10–12 und Psalm 69 sehen kann. Er erstattete Gott noch mehr zurück, als die Sünde der Menschen nötig gemacht hatte, und die Auswirkungen des Schuldopfers werden einmal im 1000jährigen Reich deutlich werden.

Das Schuldopfer wird zuerst in 3. Mose 5 und 6 gefunden, wo es um Sünde gegenüber dem Herrn oder dem Nächsten geht. In diesen Fällen musste zum einen ein Schuldopfer gebracht werden, denn eine Übertretung gegenüber dem Nächsten beraubte auch Gott seiner Rechte. Zum anderen musste Wiedergutmachung geleistet werden, indem der Fünfte hinzugefügt wurde. In 3. Mose 5,6–9 wird dasselbe Opfer sowohl ein Schuldopfer als auch ein Sündopfer genannt; und in Kapitel 14, wo es um die Reinigung eines Aussätzigen geht, war sowohl ein Sündopfer als auch ein Schuldopfer nötig, und dieselben zwei Opfer waren ebenfalls zu bringen, wenn sich ein Nasiräer verunreinigte (4. Mo 6,10–12). Es scheint daher, dass das Schuldopfer eine Variation des Sündopfers ist.

Die rote, junge Kuh

Hier handelt es sich ebenfalls um ein Sündopfer. Mit diesem Opfer wurde Verunreinigung weggenommen (4. Mo 19,7.17). Siehe Kuh, rote junge.

Das Trankopfer

Üblicherweise wurde dieses Opfer nicht als einzelnes Opfer dargebracht, sondern zusammen mit dem Morgen- und dem Abendopfer geopfert (siehe aber 1. Mo 35,14). Das Trankopfer bestand aus Wein, dessen Menge je nach dem geopferten Tier variierte (4. Mo 28,14). „Im Heiligtum sollst du das Trankopfer von starkem Getränk dem Herrn spenden” (4. Mo 28,7). Im Land Kanaan sollte ein Trankopfer den Opfern zu einem duftenden Wohlgeruch hinzugefügt werden. Öl und Wein wurden im gleichen Verhältnis verwendet, und die Menge war proportional zur Wichtigkeit des Opfertieres (4. Mo 15,1–11). Das Trankopfer als Bild könnte von der Freude des Geistes sprechen, der den Wert des Gott ehrenden Werkes Christi wahrnimmt. Philipper 2,17 mag auf das Trankopfer anspielen.

Das Hebopfer und das Webopfer

Diese waren keine zusätzlichen Opfer, sondern zu manchen Gelegenheiten wurden Teile eines Opfers vor dem Herrn gehoben oder gewoben. So wurden Aaron und seinen Söhnen bei ihrer Heiligung folgende Teile in die Hände gelegt, um sie als Webopfer vor dem Herrn zu weben: Das Fett, der Fettschwanz, das Fett, das am Eingeweide ist, das Netz der Leber, die beiden Nieren und der rechte Schenkel, zusammen mit einem Laib Brot, einem Ölkuchen, und einem Fladen. Anschließend wurden sie auf dem Altar als Brandopfer verbrannt (3. Mo 8). Die Brust des Widders wurde ebenfalls als Webopfer vor dem Herrn gewebt, und der Schenkel wurde als Hebopfer gehoben; diese Teile wurden dann von Aaron und seinen Söhnen gegessen (2. Mo 29,23–28). Bei den Friedensopfern war die Brust immer ein Webopfer, und der Schenkel ein Hebopfer. Diese Teile gehörten den Priestern (3. Mo 7,30–34).

Die Rabbiner erklären, dass die Schulter des Hebopfers auf und ab bewegt wurde, und die Brust des Webopfers von links nach rechts. Diese Bewegungen wurden „vor dem Herrn” ausgeführt und scheinen zu symbolisieren, dass die, welche die Opfer bewegten, wirklich in seiner Gegenwart waren, die Hände gefüllt mit Christus.

Christus ist daher die Erfüllung aller Opfer. In ihnen wird vorgeschattet:

  1. seine Hingabe bis zum Tod;
  2. die Vollkommenheit und Reinheit seines Gott geweihten Lebens;
  3. die Grundlage für und der Gegenstand der Gemeinschaft seines Volkes;
  4. die Wegnahme der Sünde durch Opfer.

In dem Brief an die Hebräer wird im Detail der Kontrast zwischen der Position des Juden und der des Christen herausgearbeitet. Für den Juden mussten alle Opfer wiederholt werden (das ganze System basierte auf Wiederholung). Der Christ dagegen ist durch das eine Opfer des Christus für immer vollkommen gemacht worden, und hat außerdem Zutritt zum Heiligtum, weil der große Hohepriester hineingetreten ist.

 Im N.T. wird auch in einem moralischen Sinn auf die Opfer angespielt. Christen, die auch Priester sind, werden ermahnt, ihre Leiber als ein lebendiges Schlachtopfer darzustellen, wohlgefällig vor Gott (Röm 12,1). Sie sollen ihr Leben für die Brüder hingeben (1. Joh 3,16). Christen werden eine heilige Priesterschaft genannt, die geistliche Schlachtopfer darbringt (1. Pet 2,5; Phil 4,18; Heb 13,15.16; Mk 9,49). 


Verweise auf diesen Artikel

Brandopfer | Feueropfer | Friedensopfer | Hebopfer | Schlachtopfer | Schuldopfer | Speisopfer | Sündopfer | Trankopfer | Webopfer

Ihre Nachricht