Die Versuchung und die göttlichen Hilfsmittel

2. Die Lust der Augen

Nach der allgemeinen Aussage „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist“, fährt der Apostel Johannes fort: „Alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt“ (1. Joh 2,15.16). Es ist schwierig, zwischen diesen drei Elementen exakt zu unterscheiden, die in den Gläubigen sind und durch die verdorbene und durch die Sünde verunreinigte Welt angesprochen werden.

Es scheint jedoch, dass die Lust der Augen vor allem durch Dinge hervorgerufen wird, die den Blick auf sich ziehen. Sie bewirken den Wunsch, etwas zu besitzen, das Gott uns nicht gegeben hat. Es ist auch möglich, dass die Lust der Augen die Blicke andere durch eine bestimmte Zurschaustellung auf sich selbst lenken möchte.

Die Lust des Fleisches sind fleischliche - und damit sündige - Begierden und sucht nach Gelegenheiten, fleischliches Vergnügen auszuleben.

Der Hochmut des Lebens erhebt sich über das, was man ist oder was man besitzt, um andere zu dominieren. Die Demut dagegen führt den Menschen dahin, sich zu erniedrigen und herabzusteigen.

  

2.1 Die äußere Anziehung für die Augen

Eva ist das erste Beispiel überhaupt für die lüsterne Anziehungskraft der Augen. Auf die Anstachelung der Schlange hin sieht sie, „dass der Baum gut zur Speise und dass er eine Lust für die Augen (…) wäre“ (1. Mo 3,6). Nachdem die Lust erst einmal wachgerufen ist, führt sie zum offenen Ungehorsam gegenüber Gott und dem einzigen Gebot, das Er gegeben hat.

Die Lust der Augen ruft in uns den Wunsch hervor, Dinge zu besitzen, die Gott uns nicht gegeben oder uns sogar untersagt hat. Zur Zeit der Eroberung Jerichos hat der HERR ausdrücklich angeordnet, dass sich das Volk Israel bei der Plünderung der Stadt nichts für sich nehmen darf (Jos 6,18-19). Aber Achan „sah unter der Beute einen schönen Mantel aus Sinear und 200 Sekel Silber und eine goldene Stange …“ (Jos 7,21). Er begehrt diese Dinge und nimmt sie. Er versteckt sie mitten in seinem Zelt. Die Lust wird in ihm durch den Blick seiner Augen hervorgerufen und löste den sündigen Wunsch aus, fremde Reichtümer für sich in Anspruch zu nehmen.

Das Neue Testament nennt diese Begierde, die alles besitzen will, Habsucht (Kol 3,5; Eph 5,3). Die Schrift macht sogar deutlich, dass der Habsüchtige ein Götzendiener ist (Eph 5,5). Dieser sehnliche Wunsch, immer mehr zu besitzen zu wollen, die sog. „pleonexia“, wird in der Schrift auch mit „Gier/Geiz“ wiedergegeben (vgl. Lk 12,15).

Wer fremde Besitztümer mit Missgunst betrachtet, ruft in sich selbst Neid hervor und das maßlose Bedürfnis, darüber verfügen zu können. Der Apostel Paulus warnt uns in 1. Timotheus 6,9-10 vor der „Geldliebe“, die „eine Wurzel alles Bösen“ ist. Man möchte Mittel besitzen, um den „unvernünftigen und schädlichen Begierden“ entsprechen zu können, die in der Seele hervorgerufen werden.

Für Gehasi, der Diener Elisas, macht sein Herrn einen naiven Eindruck, als er die Geschenke Naamans nicht annimmt (2. Kön 5,20-27). Er sieht das Geld, die Kleider und das Gold, die der Heeroberste der syrischen Armee mitgebracht hatte und die Lust wird in ihm geweckt. Er läuft dem geheilten Aussätzigen nach und erhält von den Geschenken - durch einen erlogenen Berichts ! - zwei Talente und zwei Wechselkleider, die er schnell im Haus versteckt. Der Prophet muss ihm vorwerfen: „Ist es Zeit, zu nehmen…?“

Von Bileam wird gesagt, dass er „den Lohn der Ungerechtigkeit liebt“: Er kommt, um für Geld das Volk Gottes zu verfluchen - aber der HERR verwandelt den Fluch in Segen (4. Mo 22; 2. Pet 2,15).

Judas Iskariot überliefert für dreißig Silberstücke den Herrn Jesus an die Kriegsknechte und verrät seinen Meister mit einem Kuss!

Der Besitz von materiellen Gütern kann ein Fallstrick, ja sogar ein Hindernis sein, um in das Reich Gottes einzugehen. Der Herr Jesus sagt: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.“ Die Jünger erstaunen über die Maßen darüber und fragen, wer dann überhaupt errettet werden kann: „Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott“ (Mk 10,24-27).

Zweifellos ist es wahr, dass Gott „uns alles reichlich darreicht zum Genuss“ (1. Tim 6,17). Aber wir werden angehalten, alles mit ihm (Röm 8,32) zu genießen. Wir sollen die Dinge, die der Herr uns in einem mehr oder weniger reichlichen Maß anvertraut hat für Ihn verwalten (vgl. Lk 16,1-12). Der Jünger, der diese geringen Dinge treu verwaltet, der wird auch „in vielem treu sein“ im Hinblick auf die geistlichen und wahren Reichtümer, die für immer sein Eigentum bleiben werden.

Paulus weist Timotheus darauf hin, wie sie die materiellen Gütern, die Gott ihnen anvertraut hat, gebrauchen sollen: „Gutes tun“, „reich sein an guten Werken“, „freigebig“, „mitteilsam“ (1. Tim 6,18). Die ganze Macht Gottes ist nötig, um vor dieser Lust der Augen bewahrt zu bleiben, die „für sich selbst Schätze“ sammeln will und „nicht reich ist in Bezug auf Gott“ (Lk 12,21).

Für den Sieg über die Welt ist Glaube notwendig - und zwar nicht der Glauben zum Heil, der am Anfang des Weges steht, sondern den lebendigen, alltäglichen Glauben. „Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube“ (1. Joh 5,4).

Wenn wir im praktischen Leben in den guten Werken wandeln, die Gott zuvor bereitet hat (vgl. Eph 2,10) und die erforderliche Zeit für den Dienst für den Herrn - sei es im Evangelium oder an den Seinen -weihen, dann werden wir vor zahlreichen Gelegenheiten bewahrt, in denen die Lust der Augen uns weit von ihm fortreißen kann.

2.2 Die Aufmerksamkeit auf sich ziehen

Die Lust der Augen äußert sich außerdem in dem Verlangen, vor anderen glänzen zu wollen. Man möchte mehr aus sich machen, als man wirklich ist. Die Lust der Augen kann sich auch in bezug auf die Kleidung in Eitelkeit oder - im Gegensatz zur Eitelkeit - in der Schlampigkeit zeigen, indem man sich durch das eine oder das andere hervorzuheben sucht.

Die Lust der Augen neigt auch dazu, das zur Schau zu stellen, was man besitzt - wie es Hiskia bei dem Besuch der Gesandten des Königs von Babylon  getan hat (Jes 39).

Sehen die „Hereinkommenden“ in einem christlichen Haushalt das „Licht“ (Lk 8,16)? Werden sie in ein Haus aufgenommen, wo der Herr seinen Platz hat, wo die Eheleute einträchtig zusammenleben und die Kinder fröhlich, aber für Ihn erzogen werden? Oder stellen sie einen übermäßigen Luxus fest, ein Streben nach dem Äußerlichen, nach dem Glanz, um Blicke auf sich zu ziehen?

Dieses Darstellungsfreude kann auch die Form annehmen, dass man versucht, Ehre auf sich zu ziehen. Paulus und Barnabas weisen die Opfer der Einwohner von Lystra energisch zurück (Apg 14,11-18). Herodes jedoch fühlt sich ganz geschmeichelt durch die Schreie des Volkes, das seiner Ansprache applaudierte: „Eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen!“ (Apg 12,22).

Es besteht auch die Gefahr, dass man sich durch seine guten Werke hervorheben möchte (Mt 6,1-4). Es gibt eine (intellektuelle) Erkenntnis, die „aufbläht“ - sich vor anderen groß macht - aber nicht erbaut (1. Kor 8,2). Es ist einfach, eine Menge von biblischen Texten zu zitieren, die untereinander wohl angeordnet sind, ohne dass die Zuhörer davon einen Segen haben - es dient im Wesentlichen nur dazu, seine eigene Erkenntnis gut zu zeigen und sich Geltung zu verschaffen. Obwohl Paulus in den dritten Himmel entrückt worden war und obwohl er etwas hatte, um sich zu rühmen, tat er es nicht, „damit nicht jemand höher von mir denke als das, was er an mir sieht oder was er von mir hört“ (2. Kor 12,6).

Die Pharisäer machten ihre Quasten groß (vgl. Mt 23,5) und beteten in den Ecken der Straßen, damit man auf ihre Frömmigkeit aufmerksam wurde. Im gesellschaftlichen Leben trachtet man danach, intelligenter oder kultivierter als die anderen zu sein, sich selbst zur Geltung zu bringen und dabei die anderen immer herabzusetzen.

Aber „die Liebe neidet nicht, die Liebe tut nicht groß“ (1. Kor 13,4). Die Liebe ist das Gegenmittel einer solchen fleischlichen Zurschaustellung. Wenn man den Herrn liebt und wenn man die Brüder liebt ist man auf Bescheidenheit bedacht. Man achtet auf das, was die Augen nicht auf sich selbst sondern auf Christus richtet.

Ohne Zweifel liegen die Lust der Augen und Lust des Fleisches und der Hochmut des Lebens sehr nahe beieinander. Wenn man nach Geltung strebt, führt das dazu, dass man sich erhebt. Wenn man sich dazu verleiten lässt, die Blicke anderer auf sich zu ziehen, dann mischt sich das Fleisch ein.

Wir haben versucht, die von Johannes erwähnten „Lust-Prinzipien“ ein wenig zu erläutern, damit unsere Gewissen und unsere Herzen sensibel werden und wir die göttlichen Hilfsmittel ergreifen.

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