„Und die Stimme, die ich aus dem Himmel hörte, redete wiederum mit mir und sprach: Geh hin, nimm das geöffnete Buch in der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht. Und ich ging zu dem Engel und sagte ihm, er möge mir das Büchlein geben. Und er spricht zu mir: Nimm es und iss es auf; und es wird deinen Bauch bitter machen, aber in deinem Mund wird es süß sein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Engels und aß es auf; und es war in meinem Mund süß, wie Honig, und als ich es gegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht. Und es wurde mir gesagt: Du musst wiederum weissagen über Völker und Nationen und Sprachen und viele Könige.“ Offenbarung 10,8-11.

Der Prophet Hesekiel hatte ein ähnliches Erlebnis (Hes 3) wie der Apostel Johannes hier auf Patmos. Beide wurden aufgefordert, das „Buch zu essen“. Und in beiden Fällen handelt es sich um dieselbe Lektion: Wir können nur in der richtigen Weise auferbaut und in unserem Glauben gestärkt werden, wenn wir uns von dem Wort Gottes nähren. Wenn dazu die Seele in dem richtigen Zustand ist, so kann aus dem Wort Gottes Hilfe und Belehrung für andere geschöpft werden.

David sagt: „In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige“ (Ps 119,11). Und dann: „Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern, und im Verborgenen wirst du mir Weisheit kundtun“ (Ps 51,8). Diese Verse beschreiben die Erfahrung, die auch Johannes durchlebt hat. Er wurde aufgefordert, das Buch zu essen, das in der Hand des Engels war. Das bedeutet für uns, dass wir über das Gelesene nachdenken, um es sorgfältig zu verinnerlichen. Das stille Sinnen über eine Bibelstelle ist in unseren Tagen fast ausgestorben. Unser Gebet sollte sein, dass diese Tugend doch wieder auflebt, damit das Volk Gottes sich mehr von der Wahrheit nährt. Gott wollte nicht nur von den Männern Hesekiel und Johannes, dass sie das Buch essen, sondern er möchte es auch heute von jedem Gläubigen in gleicher Weise. Gott hat dir das Buch gegeben, damit es Nahrung für deine Seele ist und dich dazu fähig macht, ihm in dieser Zeit zu dienen.

Johannes sagt, dass das Buch in seinem Mund süß war, aber dass es in seinem Bauch bitter war. Das ist sehr lehrreich. Es gibt keinen schöneren Gegenstand in der ganzen Bibel, als das, was Gott uns über seinen Sohn offenbart hat. Auch die Prophetie ist im Allgemeinen „süß“ und attraktiv für solche, die sich dafür interessieren und dadurch aufgeweckt werden. Aber wenn man darüber hinaus das Buch weiter isst, dann führt es zum Selbstgericht und zu der Absonderung vom Bösen. Das wird immer bitter sein. Niemand von uns nimmt schon von vornherein die Haltung ein, in die das Wort Gottes uns in der Zeit der Verwerfung Christi stellen möchte.

Die göttliche Wahrheit stellt immer auch Forderungen an die Seele. Wenn man gewissenhaft in der offenbarten Wahrheit lebt, dann kennt man etwas von der Bitterkeit des Wortes. Wenn man das prophetische Zeugnis entgegen genommen hat und in der Kraft dieser Wahrheit lebt, dann kann man nicht mehr die Dinge genießen, die man vorher genossen hat. Wenn der große Ratschluss Gottes vor dem Herzen entfaltet wird, dann mag dies sehr interessant und „süß“ sein. Aber wenn die göttlichen Grundsätze in das Herz dringen, dann wird das Bewusstsein, dass wir in einer von Satan regierten Welt zur Fremdlingschaft berufen sind, in unseren Herzen geweckt. Es mag bitter für uns sein, wenn die Wahrheit solche Forderungen an uns stellt.

Ich möchte dies noch einmal an einer konkreten Wahrheit des Wortes Gottes zeigen. Manch einer hat sich in dem Inneren seines Herzen gefreut, wenn er das erste Mal etwas über das zweite Kommen des Herrn Jesus gehört hat! Es mag alles so neu, so wunderbar gewesen sein, so viel schöner als all die anderen oberflächlichen Gedanken, die er vorher gehört haben mag. Aber wenn diese Wahrheit sein Herz wirklich erfasst hat und in sein tiefes Inneres eingedrungen ist, dann stellt er fest, dass auch diese konkrete Wahrheit Forderungen an ihn stellt, die er so ohne weiteres nicht erfüllen kann. So etwas ist wirklich bitter. Aber es sind eben nicht immer die süßen Dinge, die für uns das Beste sind. Wir benötigen das Bittere genau so, wie auch das Süße. Jeder, der in der Wahrheit gelebt hat, die Gott ihm offenbart hat, hat festgestellt, welch ein Segen in dem Gehorsam liegt. „Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder“ (1. Sam 15,22).

Es ist ein sehr trauriger Zustand, wenn die Wahrheit nur mit dem Intellekt  aufgenommen wird und keinen Einfluss auf das Leben hat. Der Apostel Johannes sagt uns in Verbindung mit dem zweiten Kommen des Herrn: „Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist“ (1. Joh 3,3). Das ist eine Aussage, die jeden Winkel unseres Lebens  prägen muss. Jeder, der die Wahrheit des Kommens des Herrn wirklich im Glauben annimmt, kann nicht mehr sich selbst oder der Welt leben. Wenn jemand bekennt, dass er an das zweite Kommen Christi in Herrlichkeit glaubt und dennoch wie die Welt lebt, dann ist das ein Beweis dafür, dass diese konkrete Wahrheit ihn nicht ergriffen hat.

Aber wenn diese Wahrheit im Glauben angenommen wird, dann verändert die das Leben:

  1. Aus fleischlichen Christen werden geistliche Christen.
  2. Aus weltlich gesinnten Christen werden himmlisch gesinnte Christen.
  3. Aus geizigen Christen werden großzügige Christen.
  4. Aus oberflächlichen Christen werden ernste Christen.

Ich möchte gerne offen zu meinem Leser sprechen: Wenn du nicht wirklich dein Leben durch die Wahrheit prägen lassen möchtest, dann wäre es besser, wenn du sie nicht studieren würdest, denn die ganze Wahrheit Gottes wird nur durch den Glaubensgehorsam offenbart. Und ich bin sicher, dass diese Wahrheiten das Leben einiger Menschen vollständig verändern würde. Es sei denn, dass sie in ihrem Inneren verhärtet und ihre Gewissen mit einem Brenneisen gehärtet sind.

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