Ährenlese im Alten Testament (Maleachi)

Kapitel 1-3

Ährenlese im Alten Testament (Maleachi)

Maleachi 1,1–14

Das Buch Maleachi ist besonders ernst. Es enthält den letzten göttlichen Aufruf an das Gewissen und an das Herz des jüdischen Volkes, in dessen Mitte Christus vier Jahrhunderte später erscheinen sollte. Was zeigt dieses Zwiegespräch zwischen Jehova und seinem Volk? Von Seiten Gottes macht es von den ersten Worten an die ewige, persönliche Liebe, die Quelle jeder Segnung sichtbar: „Ich habe dich geliebt...“ Und was sehen wir auf Israels Seite? Den Undank, die Gewissenlosigkeit, kurz gesagt: die Unverschämtheit, mit der es sich erlaubt, Beweise dieser göttlichen Güte zu verlangen. Welcher Vater, welcher Meister könnte es ertragen, mit einem solch empörenden Mangel an Achtung behandelt zu werden (Vers 6)? Aber dieses Volk trat nicht nur die Ehre, die Jehova zustand, mit Füssen, sondern auch seine absolut gültigen Vorschriften (Vers 8; 3. Mose 22,17–25) und seine zärtlichsten Gefühle.

Und da brauchen wir nicht lange nach einer Belehrung für uns zu suchen! Hüten wir uns, an der Liebe des Herrn zu zweifeln, zu murren oder uns gar gegen seinen Willen aufzulehnen. Lasst uns nicht gleichgültig oder mit Überdruss (Vers 13) an so vielen Beweisen der Gnade Gottes vorübergehen. Sie beginnen bei dem Kreuz, wo Er seinen Sohn für uns hingegeben hat! Wie viel Wert messen wir den Rechten und der Liebe Gottes bei?

Maleachi 2,1–17

Jehova hat für die Priester eine besondere Unterweisung. Seinem Namen Ehre geben, das ist es, was sie sich hätten zu Herzen nehmen sollen (Vers 2). Der christliche Dienst hat keine andere Daseinsberechtigung. Allzu oft ist es mehr der Diener, als sein Herr, der verherrlicht wird.

Von wem anders als von Christus könnte gesagt werden, dass „Unrecht sich nicht auf seinen Lippen fand“? (Vers 6). Selbst die Diener mussten zugeben: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch“ (Johannes 7,46). Diese Vollkommenheit hebt das traurige Charakterbild der religiösen Führer (Priester, Schriftgelehrte und Pharisäer) zur Zeit des Herrn nur noch mehr hervor. Er hat den Bund gehalten (Vers 5); sie haben ihn gebrochen. Er wandelte in Frieden und Geradheit mit Gott; sie sind vom Weg abgekommen. Er „brachte viele von ihrer Ungerechtigkeit zurück“; sie machten viele straucheln (Verse 7 und 8; Jesaja 9,16). „Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Munde“; sie ermüdeten den Herrn mit ihren Worten (Vers 17; Matthäus 6,7). „So hütet euch in eurem Geiste, dass ihr nicht treulos handelt“, wiederholen die Verse 15 und 16. Unser Geist ist so empfindlich wie ein Magnetband. Und er speichert eine Spur von allem, was darin aufgenommen wird. Wachen wir darüber, uns nur mit dem zu beschäftigen, was wahr..., was rein, was lieblich ist und was wohllautet (Philipper 4,8).

Maleachi 3,1–12

Maleachi bedeutet „Bote Jehovas“. Indem der Herr Jesus den ersten Vers anführt, wendet Er diesen Ehrentitel auf Johannes den Täufer an, der beauftragt worden war, das Herz seines Volkes vor Ihm zuzubereiten (Matthäus 11,10). Die Verwerfung des Messias und seines Wegbereiters hat den Lauf der Prophetie unterbrochen. Die gegenwärtige Zeit der Versammlung wird stillschweigend übergangen, und im 2. Vers sehen wir Jehova seine Wege mit den Söhnen Levis durch ein Werk der Läuterung und Reinigung wieder aufnehmen (Verse 2,3; Psalm 66,10; Hiob 28,1). Manche haben schon einem Silberschmied zugeschaut, der damit beschäftigt war, Silber zu reinigen. Er setzt sich während des Schmelzprozesses neben den Schmelztiegel. Der Vorgang ist erst beendet, wenn sein eigenes Bild sich deutlich in dem glänzenden Metall widerspiegelt. Eine bemerkenswerte Illustration von dem, was der Herr in jedem von uns vollbringt! Er weiß unsere Umstände zu leiten, manchmal das Feuer der Prüfung anzufachen, um uns von jeder unreinen Verbindung zu befreien. Und Er wird seine Geduldsarbeit fortsetzen, bis sein strahlendes Bild sich in uns widerspiegelt (vergleiche Sacharja 13,9; 2. Korinther 3,18). Was mögen die Empfindungen des Herrn sein, wenn wir Ihn der Gaben, des Dienstes und des Vertrauens, die Ihm zukommen, berauben? „Prüfet mich“, sagt Er zu seinem Volk. Ja, der Herr freut sich, wenn unser Glaube Ihm erlaubt, uns zu segnen.

Maleachi 3,13–24

Gott stellt uns hier die wenigen Treuen, Demütigen und Verborgenen vor, denen die Ehre zuteil werden sollte, seinen Sohn bei seinem Kommen auf diese Erde zu empfangen. Sie sind „sein Eigentum“; ihre Namen sind in seinem „Gedenkbuch“ aufgeschrieben, und die Evangelien machen uns mit einigen von ihnen bekannt: Joseph und Maria, Zacharias, Elisabeth, Simeon, Anna... Gehörst du heute zu denen, die den Herrn fürchten, sich über Ihn unterreden und seine Wiederkunft erwarten?

Später, während der großen Drangsalszeit, wird es einen Überrest geben, der den Namen Jehovas fürchten wird (Kapitel 3,20; Offenbarung 12,17). Für sie wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen. Die Tätigkeit der Finsternis wird ein Ende haben, die Übermütigen und die Gesetzlosen werden verzehrt werden (Kapitel 3,15.19). Und das Alte Testament, mit anderen Worten: die völlig enttäuschende Geschichte des ersten Adam, endet mit dem Wort „Bann“ (Fluch). Sein unheilbares Elend, das zum ewigen Verderben führt, hat sich als endgültig erwiesen. Sind wir in unserem Gewissen persönlich davon überzeugt? Dann werden wir von der ersten Seite des Neuen Testaments an den Namen des zweiten Menschen, Jesus, kennen lernen. In Ihm hat Gott sein ganzes Wohlgefallen gefunden, und wir finden in Ihm das Heil und das ewige Glück.

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