Kennzeichen einer wahren Erweckung (Nehemia 6)

Nehemia 6

Im Buch Esra finden wir, wie das aus der babylonischen Gefangenschaft heimgekehrte Volk den Gottesdienst inmitten der Ruinen Jerusalems wieder einrichtete. Es gab wieder eine Beziehung des Volkes zu seinem Gott; der Gottesdienst geschah gemäß dem Gesetz Moses'. Dann wurde der Tempel wieder aufgebaut trotz des Widerstandes der Feinde, die das Volk entmutigt und erreicht hatten, daß das Bauen aufhörte, bis Jehova die Propheten Haggai und Sacharja sandte, um das Volk zu ermutigen, die Arbeit wieder aufzunehmen und dabei auf die Treue und Macht Jehovas zu vertrauen.

Seit jenem Zeitpunkt waren achtzig Jahre vergangen, während derer Jerusalem ohne Mauern geblieben und dadurch der Gefahr ausgesetzt war, von der umgebenden Welt verunreinigt und überfallen zu werden. Gott will, daß die Seinen von der Welt und ihren Grundsätzen in der Praxis abgesondert sind; ohne diese Absonderung können die Anbetung und die Beziehungen zu dem heiligen Gott nicht verwirklicht werden.

Für uns Christen inmitten des Verfalls der Kirche, in die die Welt schon seit Jahrhunderten eindringt, ist die Mauer das Bild für die strikte Absonderung von der religiösen oder der gottlosen Welt, und diese Absonderung ist nur möglich, wenn wir das, was das Wort uns lehrt, in die Tat umsetzen. Um die Versammlung vor allem Bösen zu schützen, müssen wir die Mauer bauen, und zwar jeder vor seinem Haus, wie die Treuen in Nehemia 3,10.28–30, das heißt, das Wort praktisch befolgen und es auf alle Einzelheiten unseres Lebens und unserer Familien anwenden. Täte das jeder, so könnte das Böse nicht in die Versammlung eindringen.

Wie es in der Mauer Jerusalems Tore geben mußte, so muß es auch bei uns das geben, was diese Tore darstellen. Wir sind noch nicht im Himmel, wir leben in einer unreinen, gottfeindlichen Welt. Deshalb muß man die Tore schließen können vor allem, was nicht in die Gegenwart Gottes zugelassen werden kann. Doch darf man sich nicht mit einer äußerlichen Trennung zufriedengeben, wie Eljaschib das tat, der Hohepriester, der mit Großtuerei an der Mauer gebaut hatte (Neh 3,1). Er hatte das mit einer großen Schau äußerer Heiligkeit getan, denn wir lesen in diesem Vers zweimal „sie heiligten es“; die Torflügel wurden eingesetzt, aber es fehlten die Klammern und die Riegel, um das Tor zu schließen. Diese Torflügel boten also keinerlei Schutz gegen das Eindringen des Bösen, das von außen kam. Nehemia 13,28 nennt uns die Ursache: Ein Enkel Eljaschibs, des Hohenpriesters, war Schwiegersohn Sanballats, eines der größten Feinde des Volkes. Die Mauer, die Eljaschib gebaut hatte, war wertlos, weil sich die Torflügel jederzeit öffnen ließen und nichts sich der Einführung eines der größten Feinde des Volkes in die Mitte der Familie Gottes widersetzte.

Wir alle sollten uns vor Gott klar werden, ob die Tore, durch die wir mit der Außenwelt in Verbindung treten, auch mit dem versehen sind, was die Mauern und die Riegel darstellen, damit wir nicht der Welt gegenüber Konzessionen machen, zu denen wir so leicht neigen und die uns beschmutzen, die unser Zeugnis schwächen und uns die Gemeinschaft mit Gott rauben. Es gilt, wachsam zu sein, denn der Feind ist aktiv, um uns daran zu hindern, die Tore für das Böse und die Welt zu verschließen. So verstehen wir, warum seit Beginn des Wiederaufbaus der Mauer unter Nehemia sich die Opposition regte und in dem Maße wuchs, wie die Arbeit Fortschritte machte. Zu Anfang, als die Feinde des Volkes Gottes vernahmen, daß Nehemia gekommen war, um das Wohl der Kinder Israel zu suchen, „verdroß es sie gar sehr“ (Neh 2,10). Als das Werk begann, verspotteten und verachteten sie die, die daran arbeiteten (V. 19). Trotzdem ging die Arbeit weiter. Als Sanballat inne wurde, daß die Mauer tatsächlich gebaut wurde, „wurde er zornig und ärgerte sich sehr“ und spottete über die Juden (Neh 4,1–6). Der Widerstand nahm zu, aber die Arbeit ging voran. Als die Feinde hörten, „dass die Risse sich zu schließen begannen, wurden sie sehr zornig. Und sie verschworen sich alle miteinander zu kommen, um wider Jerusalem zu streiten und Schaden darin anzurichten“ (Neh 4,1.2). Doch diese Wut der Feinde richtete nichts aus, denn sie bewirkte nur, daß die Arbeiter beteten (V. 9) und die Waffen anlegten (V. 15–23). Darin sehen wir ein Bild der Hilfsquellen, die uns im Gebet und im Wort Gottes zur Verfügung stehen, die wir angezogen haben sollen, damit wir in der Gegenwart des Feindes unverwundbar werden und damit das Werk Gottes vollendet werden kann. So wurde die Arbeit schließlich trotz aller Drohungen der Feinde zum Abschluß gebracht.

Doch der Feind gab noch nicht auf. Als er sah, daß Gewalt nichts nützte, änderte er seine Taktik und handelte mit List, um dem Volk Gottes zu schaden, das er von dem Werk der Absonderung nicht hatte abhalten können. Kapitel 6 beschreibt uns die schlauen Versuche, Nehemia von dem Werk, das er in Treue tat, abzubringen. Sehen wir uns diese Versuche einen Augenblick an, denn sie sind ein Bild der Mittel, die der Feind heute anwendet, um dem Zeugnis zu schaden, das Gott in Seiner Gnade seit der Erweckung im vorigen Jahrhundert trotz großer Schwachheit aufrechterhalten hat. Die Brüder, die in diesem Zeugnis tätig waren, besonders zu Beginn, bekamen die Verachtung, den Spott, den Zorn und die Erbitterung der Feinde der Wahrheit zu spüren, doch sie durften sie durch das Gebet und durch das Schwert des Wortes besiegen.

Im ersten Vers von Nehemia 6 stellen die Feinde fest, daß die Mauer keine Risse mehr aufweist; der Wiederaufbau war beendet. Doch wenn es möglich wäre, Nehemia am Einsetzen der Torflügel und der Vollendung dieses wichtigen Teils des Werkes zu hindern, dann hätten die Feinde weiterhin freien Zutritt nach Jerusalem. Deshalb ließen Sanballat und Geschem ihm sagen: „Komm und laß uns in einem der Dörfer im Tale von Ono miteinander zusammentreffen!“ (V. 2). Jetzt ist nicht mehr von Gewalt oder Krieg die Rede. Sie scheinen zu sagen: Wir wollen gute Beziehungen miteinander pflegen. Wir haben gelernt, tolerant zu sein, deshalb schlagen wir vor, daß wir uns außerhalb der Mauern treffen. Das Tal von Ono war das Tal der Werkleute oder Kunstarbeiter (Neh 11,35). Dort kann man eine größere Aktivität entfalten als innerhalb der engen Grenzen von Jerusalem. Wir erkennen hier ohne Schwierigkeit die Sprache der heutigen Zeit: Warum innerhalb der engen Grenzen der Versammlung bleiben, wo ihr nicht alle Christen aufnehmt? Gibt es nicht auch anderswo etwas zu tun? Arbeitet doch mit uns zusammen an der Förderung des Reiches Gottes, um das moralische Niveau der Christenheit zu heben und gegen die vielen Laster und Auswüchse zu kämpfen, die eine Schande für das Christentum sind ... Der Feind möchte uns einflüstern, die Evangelisation sei wichtiger, als in einer Zeit des Niedergangs Versammlungswahrheiten hochzuhalten, die angeblich doch nur Spaltungen verursachen, die aber aufhören würden, wenn wir uns zusammenfänden, um gemeinsam zu arbeiten.

Nehemia antwortet auf die Einladung: „Ich führe ein großes Werk aus und kann nicht hinabkommen. Warum sollte das Werk ruhen, wenn ich es ließe und zu euch hinabkäme?“ (V. 3). Wie er, sollten wir nicht den Boden der Absonderung vom Bösen verlassen, um jenen zu gefallen, die nicht begreifen können, wie wichtig es ist, den Belehrungen der Schrift zu folgen und sie um jeden Preis festzuhalten. Gäben wir die Absonderung auf, so würden wir dadurch dem Feind die Türen weit öffnen, und er versteht es, das Böse mit List einzuschleusen in der Hoffnung, es bald ganz offen und im großen Stil tun zu können. Die geringfügigste Ungewißheit oder Unklarheit in bezug auf eine Wahrheit raubt uns das geistliche Unterscheidungsvermögen und erleichtert die Tätigkeit des Feindes. Man muß sich durch das Wort Gottes belehren lassen. Es überläßt uns nicht uns selbst, unserem eigenen Urteil, um die Gedanken Gottes zu erkennen. Wie zur Zeit des Propheten Haggai haben wir trotz des gegenwärtigen Verfalls das Wort und den Geist Gottes bei uns; sie wollen uns sicher führen und uns ermutigen (Haggai 2,5).

Wir sehen in Nehemia 6,4.5, mit welcher Beharrlichkeit die Feinde Nehemia von seiner Arbeit abziehen wollen. Viermal erneuern sie ihre Einladung, sich mit ihm im Tal Ono zu treffen, und ein fünftes Mal kommen sie mit einem offenen Brief in der Hand, von dem jeder Kenntnis nehmen konnte. Dieser Brief enthielt verleumderische Anklagen gegen Nehemia, er wolle sich zum König in Juda erheben. Den Dienern des Herrn, die fest auf dem Wort Gottes bestehen, wirft man ihnen nicht autoritären Führungsstil vor und behauptet, sie wollten über die Gewissen herrschen? Nehemia ließ sich nicht entmutigen, er antwortete einfach: „Es ist nicht geschehen nach diesen Worten, die du sprichst, sondern aus deinem eigenen Herzen erdichtest du sie“ (V. 8). Das Wort, das den Knecht Gottes leitet, erlaubt ihm, die Irrtümer, mit denen er konfrontiert wird, zu erkennen und aufzuzeigen, und auch deutlich zu machen, woher sie kommen und wohin sie führen. Nehemia sagte: „Denn sie alle wollten uns in Furcht setzen, indem sie sprachen: Ihre Hände werden von dem Werke ablassen, und es wird nicht ausgeführt werden“ (V. 9). Der Feind Christi, der auch unser Feind ist, hat es vor allem darauf abgesehen, daß in diesen Tagen des Ruins der Kirche das Werk der Absonderung vom Bösen in allen seinen Formen nicht weitergeht. Doch unsere Hilfsquellen sind in Gott, zu dem wir, wie Nehemia, sagen dürfen: „Und nun, stärke meine Hände!“ Wir müssen die Absichten des Feindes durchschauen, unter welcher Form er sie auch präsentiert. Wir sind dazu in der Lage, wenn wir die Gedanken Gottes erfaßt haben bezüglich des Zeugnisses, zu dem Er uns berufen hat und für das Er uns stärken will. Wenn der Feind durchschaut ist, ist er auch fast schon besiegt.

Denken wir nicht, der Feind sei mit seinem Latein am Ende, wenn er uns entschieden findet, wenn wir nicht bereit sind, den Boden der Trennung vom Bösen zu verlassen und uns mit den „Werkleuten“ der Christenheit zu vereinen. In dem breiten Tal von Ono (Neh 6,2) wird er andere Mittel anwenden, um dem Zeugnis zu schaden, das jeder treue Christ dem Herrn schuldig ist. Satan hat – wie ein alter Diener Gottes sagte – sechstausend Jahre Erfahrung mit dem Menschen. Er weiß, daß der Mensch, wenn er vor einer Seite eines Irrtums oder einer bösen Sache gewarnt wird, leicht zur entgegengesetzten Seite neigt und sich fortreißen läßt, statt die rechte Mitte einzuhalten. Diese rechte Mitte können wir nur bewahren, wenn wir anhand des Wortes Gottes alles richten, was in uns und von außen her uns veranlassen will, den Maßstab des Heiligtums zu verlassen.

Die Verse 10 bis 14 stellen uns einen neuen Versuch des Feindes vor. Dieses Mal kommt die Gefahr von innen. Um sein Ziel zu erreichen, benutzt er hier einen Mann aus dem Volk Israel, einen gewissen Schemaja. Der hatte sich in seinem Haus eingeschlossen und machte Nehemia den Vorschlag: „Laß uns im Hause Gottes, im Innern des Tempels, zusammenkommen und die Türen des Tempels verschließen, denn sie werden kommen, dich zu ermorden“ (V. 10). Schien das nicht den Grundsätzen der Absonderung zu entsprechen, die Nehemia praktizierte, indem er nicht in das Tal der Werkleute gehen wollte? Wenn man versteht, was das Haus Gottes ist, so müßte man eigentlich dort bleiben; von außen droht Gefahr, aber da drinnen ist man in Sicherheit, so wird man sagen, doch der Feind ist tückisch. Schemaja war von Tobija und Sanballat gedungen, Nehemia mit diesem Schein von Wahrheit nahezulegen, sich im Haus Gottes einzuschließen; sie wollten dadurch ein böses Gerücht über ihn ausbringen, um ihn zu verlästern (V. 12.13). Nehemia ging nicht in diese Falle, er wußte, daß er nicht ins Haus Gottes gehen durfte, was ja damals das ausschließliche Vorrecht der Priester war.

In diesem Versuch der Feinde der Juden, wobei sie sich eines Mannes unter den Juden bedienten, um Nehemia Schaden zuzufügen, liegt eine Belehrung für die gegenwärtige Zeit. Wenn die Gläubigen einerseits die Wahrheit von der Absonderung von allem Bösen nicht aufgeben dürfen und sich nicht auf einen Boden begeben sollen, wo man sich mit allen vereinigen kann, so müssen sie andererseits vor einer Engherzigkeit bewahrt bleiben, in der sie sich gleichsam in die kostbaren Wahrheiten über das, was die Versammlung ist, einschließen, als ob es genügen würde, diese Wahrheiten zu kennen, um ein treuer Christ zu sein, wobei man oft den praktischen Wandel vergißt, der diesen Wahrheiten entsprechen muß. Es genügt nicht zu sagen: Wir befinden uns auf dem Boden der Wahrheit, und sich damit zufrieden zu geben, als ob eine lehrmäßige, mit dem Verstand erfaßte Absonderung genügen würde. Es geziemt uns nicht, Christen, die diese Absonderung nicht verstanden haben, deren Wandel aber in vieler Hinsicht treuer ist als der unsrige, von oben herab zu verurteilen. Die Wahrheit, die uns auf einem schmalen Pfad wandeln heißt, führt nicht zu Engherzigkeit, wenn sie richtig verstanden wird. Trägt man alle Glieder des Leibes Christi auf seinem Herzen, so verwirklicht man die Einheit des Leibes, auch wenn man nicht mit allen den Weg gehen kann. Das Prinzip der Engherzigkeit, das dem „Verschließen der Türen des Tempels“ entspricht, schadet dem Zeugnis, das diejenigen ablegen sollen, die durch Gottes Gnade auf dem schriftgemäßen Boden stehen in bezug auf die Darstellung der Versammlung inmitten des heutigen Niedergangs. Wenn man sich mit dieser Stellung zufriedengibt, vergißt man leicht, daß es in 2. Timotheus 2 nicht nur heißt, man solle von der Ungerechtigkeit abstehen und sich von den Gefäßen zur Unehre wegreinigen, sondern daß weiter gesagt wird: „Die jugendlichen Lüste aber fliehe; strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ (V. 22). Man darf sich also nicht in der Erkenntnis einer Wahrheit abkapseln, und sei sie noch so kostbar, und den praktischen Wandel in Heiligkeit vernachlässigen, der untrennbar zur Wahrheit gehört. Denn die Wahrheit empfiehlt sich durch den treuen praktischen Wandel, der aus ihr hervorgehen muß. Andernfalls wird man im Blick auf die Inkonsequenzen der Christen sagen: „Der Baum wird an seiner Frucht erkannt“, und man verurteilt auf diese Weise eine kostbare Wahrheit wegen der Früchte, die gar nicht von ihr herrühren, sondern von dem Fleisch, das nicht gezügelt wurde. Der praktische Wandel jedes Christen sollte in jeder Hinsicht dem der gläubigen Knechte entsprechen, von denen in Titus 2,10 die Rede ist: „. . . auf daß sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.“

Diese Engherzigkeit, die sektiererisch ist, ohne daß wir uns dessen bewußt sind, weil sie bewirkt, daß man nur an sich selbst und den eigenen Kreis denkt, setzt uns überdies der Gefahr aus, eine wichtige Seite des Werkes des Herrn aus dem Auge zu verlieren, nämlich die Evangelisation. Denn wenn wir den schriftgemäßen Boden der Wahrheit bezüglich der Versammlung nicht verlassen dürfen, um im Tal von Ono zu arbeiten, so dürfen wir ebensowenig das so wichtige Werk der Verkündigung des Evangeliums vernachlässigen, zumal die Zeit der Langmut Gottes gegenüber der Welt zu Ende geht. Dabei kommt es nicht nur auf den Dienst der Evangelisten an, die Gott dazu ausgerüstet hat, sondern es ist Sache eines jeden Gläubigen, mit einem Herzen, das von der Liebe Gottes erfüllt ist, in seiner Umgebung bei jeder Gelegenheit vom Herrn zu reden. Dazu gehört unbedingt ein Wandel, der die Lehre unseres Heiland-Gottes ziert; so empfiehlt sich das Evangelium, das man vorstellt, „beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens“ (Eph 6,15). Das Resultat der sektiererischen Enge, die dem entspricht, daß man sich im Haus Gottes einschließt (Neh 6,10), wird uns in Vers 13 gezeigt: „Darum war er gedungen, damit ich mich fürchten und also tun und mich versündigen sollte, und damit sie ein böses Gerücht hätten, auf daß sie mich verlästern könnten.“ Nehemia erkannte, daß nicht Gott es war, der Schemaja gesandt hatte, denn er sprach diese Weissagung wider ihn, um ihn zur Sünde zu verleiten. Um das, was einer sagt, anzunehmen, genügt es nicht, daß er zum Volk Gottes gehört, was er vorbringt, muß im Licht der Schrift geprüft werden. Der Apostel Johannes sagt: „Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmet ihn nicht ins Haus auf und grüßet ihn nicht“ (2. Joh 1,10). Wenn wir uns nahe beim Herrn aufhalten und uns von Seinem Wort nähren, können wir erkennen, was vom Feind kommt. Dazu müssen wir das Wort lesen, damit wir „vermöge der Gewohnheit geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen“ (Heb 5,14). Es lehrt uns, alle Dinge an ihrem Platz zu lassen. Der Feind sucht entweder die Bedeutung der Worte Gottes abzuschwächen oder etwas hinzuzufügen, das uns angenehm ist. Dadurch will er, wie bei Nehemia, unserem Ruf schaden und Unehre auf den Namen des Herrn bringen. Wie haben wir leider die Wahrheit in Verruf gebracht, indem wir nicht konsequent bei ihr geblieben sind und die Einflüsterungen Satans nicht durchschaut haben! Wir reden nicht von dem Widerstand, den die Wahrheit immer erfährt, sondern von den Waffen, die wir diesem Widerstand durch unsere Inkonsequenz und unser Versagen an die Hand geben.

Die Pilgerschaft der Versammlung geht bald zu Ende. Der Herr kommt. Der Niedergang wird immer deutlicher, doch das Wort Gottes ist noch dasselbe wie in den schönsten Tagen der Versammlung. Der Glaube macht es sich zu eigen und gehorcht. Möchte der Herr uns und allen Gläubigen schenken, in der Wahrheit, die Er ans Licht gestellt hat, zu wandeln, damit wir Ihn in Treue erwarten und aus Seiner Liebe die Motive für unser Handeln schöpfen, so daß wir Sein Wort bewahren und Seinen Namen nicht verleugnen, den Namen des Heiligen und Wahrhaftigen. Er, die personifizierte Weisheit, sagt uns: „Alle Worte meines Mundes sind in Gerechtigkeit; es ist nichts Verdrehtes und Verkehrtes in ihnen. Sie sind alle richtig (geradeaus gehend) dem Verständigen, und gerade denen, die Erkenntnis erlangt haben“ (Spr 8,8.9).

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