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Widersprüchliche Angaben über die Auferstehung?

1. Besuchten die Frauen während der Morgendämmerung oder erst bei Sonnenaufgang das Grab?
2. Wo war der große Stein, als die Frauen zum Grab gingen?
3. Zu welchem Zweck gingen die Frauen zum Grab?
4. Hat jemand den Frauen gesagt, was mit dem Leib Jesu geschah?

Bibelstelle(n): Matthäus 28,1.2; Markus 16,1.2; Lukas 23,55-24,1; Johannes 20,1


1. Besuchten die Frauen während der Morgendämmerung oder erst bei Sonnenaufgang das Grab?

2. Wo war der große Stein, als die Frauen zum Grab gingen?

3. Zu welchem Zweck gingen die Frauen zum Grab?

„Aber nach dem Sabbat, in der Dämmerung des ersten Tages der Woche, kam Maria Magdalene und die andere Maria, um das Grab zu besehen. Und siehe, da geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel herab und trat hinzu, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf“ (Matthäus 28,1.2).

„Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Gewürzsalben, um zu kommen und ihn zu salben. Und sehr früh am ersten Tag der Woche kommen sie zu der Gruft, als die Sonne aufgegangen war“ (Markus 16,1.2; s. a. Lukas 23,55–24,1).

„Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria Magdalene früh, als es noch dunkel war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen“ (Johannes 20,1).

War der Stein weggewälzt, als die Frauen zum Grab kamen?1 Markus 16,4; Lukas 24,2; Johannes 20,1. Oder sahen die Frauen, wie ein Engel den Stein wegwälzte?2 Als Beleg für diese Behauptung wird Matthäus 28,1-6 angeführt. Hier liegt überhaupt keine Schwierigkeit vor. „Maria Magdalene und die andere Maria“ gingen noch amAbend des Sabbats hin, „um das Grab zu besehen“. Die „Dämmerung des ersten Tages der Woche „war am Abend des Sabbats, nicht am Morgen des nächsten Tages, denn nach der Bibel beginnt der Tag mit der Abenddämmerung. Da lag der Stein natürlich noch vor der Öffnung. Matthäus erwähnt ihn deshalb gar nicht. Als diese Frauen mit Salome am nächsten Morgen wiederkamen, um den Herrn zu salben, war der Stein weggewälzt. Es handelt sich also um zwei verschiedene Ereignisse, zwischen denen der Stein weggerollt wurde. Matthäus 28,2 ist eine Einschaltung. Was dort berichtet wird, geschah zwischen dem ersten Besuch der Frauen am Abend und dem zweiten am nächsten Morgen.

Am nächsten Morgen machten sich Maria, die Mutter des Jakobus, Salome und vielleicht noch weitere Frauen auf den Weg zum Grab. Unterwegs überlegten sie: „Wer wird uns den Stein von dem Eingang der Gruft wälzen?“ Doch auf dem Weg – der sicher einige Zeit dauerte – ging langsam die Sonne auf und so erreichten sie das Grab gerade bei Sonnenaufgang. Dort staunten sie, dass der Stein längst weggerollt war, und sahen einen Jüngling in dem offenen Felsengrab sitzen. Ein Engel erklärte ihnen, dass der Herr Jesus Christus auferstanden war und gab ihnen den Auftrag, zu den Jüngern – besonders zu Petrus – zu gehen, um ihnen mitzuteilen, dass Jesus auferstanden ist und vor ihnen her nach Galiläa geht (Matthäus 28,5–7; Markus 16,2–7; Lukas 24,1–8). Die Frauen begaben sich auf den Weg.

Maria hatte vorher schon gesehen, dass die Gruft geöffnet war, konnte das aber den anderen Frauen nicht mehr mitteilen. Matthäus berichtet nämlich gar nicht darüber, was die Frauen auf ihrem Weg sehen konnten, sondern beschreibt einfach, was am Grab geschah, als die Frauen noch unterwegs waren. Die Reihenfolge der ersten Ereignisse am Auferstehungstag war folgende:

  1. Nach der Grablegung kauften die Frauen, Maria Magdalene, Maria (die Mutter des Jakobus) und Salome wohlriechende Gewürzsalben und Salböl (Markus 16,1; Lukas 23,56b).
  2. Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus, gingen noch am Abend zur Gruft und besahen das Grab (Matthäus 28,1). Salome war wahrscheinlich nicht dabei. Nach einer Überprüfung ging sie wieder zurück.
  3. Ein erneutes Erdbeben erschütterte die Gegend. Ein Engel kam und wälzte den Stein weg und setzte sich wie ein Sieger darauf. Zu diesem Zeitpunkt war das Grab ganz sicher leer. Jesus Christus war auferstanden.
  4. Noch in der Dunkelheit des Auferstehungsmorgens ging Maria Magdalene zum Grab und sah, dass der Stein weggerollt war (Johannes 20,1). Maria betrat aber nicht die Gruft und blieb auch nicht länger im Garten, sondern lief zu Petrus und berichtete, was geschehen war (Johannes 20,2). Die anderen Frauen, die einen längeren Weg hatten oder später losgingen, traf sie auf ihrem Rückweg nicht.
  5. Etwa zur gleichen Zeit machten sich Maria, die Mutter des Jakobus, Salome und wohl noch einige weitere Frauen auf den Weg zum Grab, um den Leib Jesu zu salben (Markus 16,1). Unterwegs überlegten sie: „Wer wird uns den Stein von dem Eingang der Gruft wälzen?“(Markus 16,3). Gerade als die Sonne aufgegangen war, kamen sie an der Gruft an, erstaunten, dass der Stein längst weggerollt war, und sahen einen Jüngling in dem offenen Felsengrab sitzen. Ein Engel erklärte ihnen, dass der Herr Jesus Christus auferstanden war, und gab ihnen den Auftrag, zu den Jüngern – besonders zu Petrus – zu gehen, um ihnen mit – zuteilen, dass Jesus auferstanden ist und vor ihnen her nach Galiläa geht (Matthäus 28,5–7; Markus 16,2–7; Lukas 24,1–8). Die Frauen gingen weg.
  6. Petrus und Johannes liefen zum Grab. Maria Magdalene folgte langsamer. Johannes war etwas schneller und blickte sofort in die Gruft. Als Petrus ankam, ging er sofort in die Gruft. Die Tücher lagen gefaltet an Ort und Stelle – keine Spur von Hast. Petrus verwunderte sich und sie verließen das Grab (Lukas 24,12; Johannes 20,3–10).
  7. Maria Magdalene war zum Grab zurückgekehrt. Dort saßen lediglich zwei Engel. Maria interessierte sich kaum für sie. Mit tränenerfüllten Augen suchte sie den Herrn Jesus. Doch dann fand er sie und sprach sie an. Mit dem entsprechenden Auftrag ihres Herrn kam Maria zurück zu den Jüngern, um ihnen diese Begegnung zu berichten (Markus 16,9–11; Johannes 20,11–18).

4. Hat jemand den Frauen gesagt, was mit dem Leib Jesu geschah?

„Der Engel aber hob an und sprach zu den Frauen: Fürchtet ihr euch nicht, denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden“ (Matthäus 28,5.6).

„Und als sie in die Gruft hineingingen, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem weißen Gewand, und sie entsetzten sich. Er aber spricht zu ihnen: Entsetzt euch nicht; ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier“ (Markus 16,5.6).

„Und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. Und es geschah, als sie darüber in Verlegenheit waren, siehe, da traten zwei Männer in strahlenden Kleidern zu ihnen. Als sie aber von Furcht erfüllt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen sie zu ihnen: Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden“ (Lukas 24,3–6).

„Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria Magdalene früh, als es noch dunkel war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen. Sie läuft nun und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben“ (Johannes 20,1.2).

Auch hier liegen keine Widersprüche vor, sondern es handelt sich um zwei verschiedene Ereignisse. Zuerst – noch in der Dunkelheit des Auferstehungsmorgens – ging Maria Magdalene zum Grab und sah, dass der Stein weggerollt war (Johannes 20,1). Maria betrat aber nicht die Gruft und blieb auch nicht länger im Garten, sondern lief zu Petrus und berichtete, was geschehen war (Johannes 20,2). Die anderen Frauen, die einen längeren Weg hatten oder später losgingen, traf sie auf ihrem Rückweg nicht. Etwas später – gerade als die Sonne aufging – trafen die anderen Frauen bei dem Grab ein und waren erstaunt, dass es leer war. Daraufhin erklärten ihnen zwei Engel, dass der Herr Jesus auferstanden ist (Matthäus 28,5–7; Markus 16,2–7; Lukas 24,1–8).

Dass die Engel bei Markus als Jüngling und bei Lukas als Männer bezeichnet werden, passt zum Charakter des jeweiligen Evangeliums. Der Jüngling bei Markus weist hin auf den vollkommenen Diener, wie das Markusevangelium beschreibt. Und die Männer, die eine besondere „Erscheinung von Engeln“ waren (Lukas 24,23), sprechen davon, dass Lukas uns den Herrn Jesus als den Menschen ohne Sünde vorstellt.

Stefan Drüeke und Arend Remmers

Entnommen aus: St. Drüeke, A. Remmers - Widersprüche in der Bibel?, Frage 93

Online seit dem 21.03.2017.


Fußnoten

1 Markus 16,4; Lukas 24,2; Johannes 20,1.

2 Als Beleg für diese Behauptung wird Matthäus 28,1-6 angeführt.