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Ist der Leib des Herrn Jesus nach den jüdischen Bestattungsriten gesalbt worden, bevor man ihn bestattete und wann kauften die Frauen die Gewürzsalben?

Bibelstelle(n): Markus 16,1; Lukas 23,55-24,1; Johannes 19,39.40


„Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Gewürzsalben, um zu kommen und ihn zu salben“ (Markus 16,1).

„Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, und besahen die Gruft und wie sein Leib hineingelegt wurde. Als sie aber zurückgekehrt waren, bereiteten sie Gewürzsalben und Salböle; und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gebot. Am ersten Tag der Woche aber, ganz in der Frühe, kamen sie zu der Gruft und brachten die Gewürzsalben, die sie bereitet hatten“ (Lukas 23,55–24,1).

„Aber auch Nikodemus, der zuerst bei Nacht zu ihm gekommen war, kam und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen nun den Leib Jesu und wickelten ihn in Leinentücher mit den Gewürzsalben, wie es bei den Juden Sitte ist, zum Begräbnis zuzubereiten“ (Johannes 19,39.40).

Der Herr Jesus starb an einem Freitagnachmittag um 15.00 Uhr. Der Folgetag war nicht ein normaler Sabbat, sondern „der Tag jenes Sabbats war groß“ (Johannes 19,31).An diesem speziellen Sabbat sollte das Passah gefeiert werden. Um diesen Tag feiern zu können, musste ein Jude nach dem Gesetz rein sein, also für dieses Passahfest zugerüstet sein. Deshalb wird dieser Tag vor dem Passah auch Rüsttag genannt, weil in jenem Jahr Passah und Sabbat auf einen Tag fielen. Da der Sabbat in etwa drei Stunden – um 18.00 Uhr – beginnen würde, blieb nicht mehr viel Zeit für alle Vorkehrungen. Außerdem schrieb das Gesetz vor: „Wenn an einem Mann eine todeswürdige Sünde ist, und er wird getötet, und du hängst ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn jedenfalls an demselben Tag begraben“ (5. Mose 21,22.23). Darum „bat Joseph von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, aber aus Furcht vor den Juden ein verborgener, den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Er kam nun und nahm seinen Leib ab“ (Johannes 19,38). Nikodemus brachte Gewürzsalben mit und gemeinsam nahmen sie den Leib Jesu vom Kreuz. Da sie sich jetzt sehr beeilen mussten, denn mit Sonnenuntergang würde der Sabbat anbrechen, konnten sie den Leib nur noch in die Leinentücher mit den Gewürzsalben legen und in das Grab legen (Johannes 19,39–42). Einige Frauen sahen das, gingen nach Hause und bereiteten weitere Gewürzsalben und Salböle zu, aber wahrscheinlich nicht in ausreichender Menge, da sie nicht genug Zutaten hatten (Lukas 23,55.56). Hier heißt es übrigens nicht, dass die Frauen Ausgangsstoffe kauften, sondern sie hatten diese aus irgendeinem Grund im Haus. Aber eben nicht genug. Da der Sabbat nun anbrach, stellten sie ihre Tätigkeiten ein und warteten bis zum Sonnenuntergang am Samstagabend, d. h. bis zum Ende des Sabbats. Anschließend kauften sie die noch fehlenden Zutaten dazu, um am nächsten Morgen den Leib Jesu zu salben. Beide angeführten Bibelstellen widersprechen sich nicht, sondern bilden eine Ergänzung.

Stefan Drüeke und Arend Remmers

Entnommen aus: St. Drüeke, A. Remmers - Widersprüche in der Bibel?, Frage 92.2

Online seit dem 20.03.2017.