Warum durften die Israeliten mangelhafte Opfergaben bringen?

Wie ist das zu verstehen: "Und ein Stück Rind- oder Kleinvieh, an dem ein Glied zu lang oder zu kurz ist, das darfst du als freiwillige Gabe opfern; aber zu einem Gelübde wird es nicht wohlgefällig sein.“ (3. Mo 22,23). Warum durften die Israeliten ein Opfer bringen, das offensichtlich ein Makel hatte? Was bedeutet das für uns heute?

Bibelstelle(n): 3. Mose 22,23

Ein solches Opfer durfte nur als freiwillige Gabe geopfert werden, nicht zur Erfüllung eines Gelübdes. Das Opfertier ist ein Bild Christi und Seines Opfers für uns, aber gesehen aus der Perspektive des Gläubigen (d. h., es geht hier um unser Verständnis Seines Opfers). In Christus selbst gab und gibt es ja keine Unvollkommenheit. Die in diesem Fall auf Grund der Gnade Gottes zugestandene Unvollkommenheit enthält wohl einen Hinweis auf eine mangelhafte Unterscheidung verschiedener Gesichtspunkte in der Wertschätzung Christi bei dem, der das Opfer bringt. Das Opfer enthält keine wirklichen Mängel, wie zum Beispiel in Vers 22 und 24. Alles ist vorhanden, aber nicht in den gottgewollten „Proportionen“.

Das bedeutet für uns: In der Vorstellung eines Gläubigen kann eine Seite der Person bzw. des Werkes Christi einen ungebührlich wichtigen Platz einnehmen, während eine andere vielleicht einen zu stark untergeordneten erhält oder vernachlässigt wird. Der betreffende Gläubige hat aber nicht den Gedanken oder die Absicht, Christus herabzusetzen. Ihm fehlt es nur an der rechten geistlichen Beurteilung, ohne böse oder verkehrte Absicht. Kürzlich las ich zum Beispiel, dass ein gläubiger Christ bei der Betrachtung des Opfers Christi die Liebe Gottes zu den Verlorenen über den Gedanken der gerechten Forderung nach Sühnung der Sünden stellte. Das war ein Mangel in den „Proportionen“, denn nach 1. Johannes 4,10 hat beides einen gleich wichtigen Platz: „Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden.“ Bildlich gesprochen, ist bei diesem Gläubigen in seiner Wahrnehmung des Opfers Christi ein Glied länger oder kürzer als andere.

Beim Brandopfer der Taube, wo der Kropf mit dem darin enthaltenen Unrat weggeworfen werden musste, obwohl das Opfer als solches ein lieblicher Geruch war, sehen wir sogar Dinge, die Gott nicht annehmen kann (3. Mo 1,16). Wie dankbar dürfen wir sein, dass Gott solche Mängel bei unseren freiwilligen „geistlichen Schlachtopfern“ (Heb 13,15; 1. Pet 2,5) hinnimmt! Der Vater nimmt diese mangelhaften Opfer an, wenn wir in erster Linie Seinen Sohn dabei vor unseren Herzen haben. Aber Er lässt uns an dieser Stelle auch mitteilen, dass solch ein Opfer nicht ganz dem entspricht, was Er von einem wahrhaft geistlichem Gläubigen erwartet. Letzteres scheint in den Opfern in Verbindung mit einem Gelübde zum Ausdruck zu kommen (obwohl wir natürlich nicht aufgefordert werden, Gelübde abzulegen und zu erfüllen). Die Gelübde im Alten Testament sprechen von geistlicher Hingabe an Gott und von der Kraft, die daraus hervorgeht. Hier gibt es eine Wertschätzung Christi, die mit Verständnis einhergeht, was auch zur Anerkennung von Seiten Gottes führt und zu Seiner Freude dient.


Online seit dem 06.03.2013. Zuletzt bearbeitet am 09.10.2017.


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