Hatte der Herr die Herrlichkeiten von 1. Korinther 1,30 schon immer?

Sind die in 1. Korinther 1,30 geschilderten erhabenen Kostbarkeiten der Person des Herrn uns nur durch das vollbrachte Werk Christi geworden, oder waren sie ihm schon eigen, in Verbindung mit Seiner göttlichen Person, also vor dem Werk, nach Sprüche 8 und 9?

Bibelstelle(n): 1. Korinther 1,30

1. Antwort:

In dieser Stelle handelt es sich nicht darum, was unser hochgelobter Herr in Seinem Leben oder von Ewigkeit war, sondern um das, was Er in Seinem Tod „für uns geworden ist“. Der Apostel sagt: „Aus ihm (Gott) aber seid ihr in Christus Jesus usw.“. Wir sind aber nicht in Christus, wie er vor Seinem Tod war, (jede Verbindung mit einem lebenden Christus war ausgeschlossen; wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fiel und starb, so blieb es allein, Joh 12,24), sondern in Ihm, dem Gestorbenen und Auferstandenen.

Dass unser Herr und Heiland in dem Sinn von Sprüche 8 und 9 von jeher Gottes Weisheit war, ist gewiss; aber uns ist Er es, wie gesagt, erst geworden durch seinen Tod, in welchem alles und alle an den ihnen gebührenden Platz gestellt worden sind, und wo die Erlösung des Sünders mit der Verherrlichung Gottes in einer Weise verbunden wurde, wie die Weisheit des Menschen es sich nie hätte träumen lassen, wie sie es nimmer fassen kann. Der gekreuzigte Christus, in welchem die Menschen nur Schwachheit und Torheit sehen, ist für uns, „die Berufenen“, Gottes Kraft und Gottes Weisheit (V. 23-25). In Ihm allein besitzen wir auch die übrigen drei Stücke: Gerechtigkeit, Heiligkeit, und Erlösung.

Beiläufig sei bemerkt, dass die vier kostbaren Errungenschaften und hier in ihrer Ordnung von Gott aus vorgestellt werden. Wollten wir Sie, von uns ausgehen, aufzählen, so würden wir mit der „Erlösung“ beginnen und mit der „Weisheit von Gott“ enden müssen.

 

2. Antwort:

Die Stelle lautet: „Aus ihm (Gott) aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott (oder von Gott zur Weisheit) und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung“. Aus dem einfachen Wortlaut geht also wohl hervor, dass der Apostel nicht von dem redet, was unser Herr von jeher war, sondern was er als Mensch für uns geworden ist. Nachdem er im Vorhergehenden davon gesprochen hat, wie Gott alle Eitelkeit des Fleisches, allen Stolz des Menschen zunichte gemacht hat („damit sich vor Gott kein Fleisch rühme“), geht er jetzt zu dem über, was Gottes Heiligkeit und Gnade, für den Glaubenden in Christus bereitet haben.

„Aus ihm seid ihr in Christus Jesus“. Ein wunderbarer Wechsel im Blick auf Natur, Stellung und Beziehungen hat mit uns stattgefunden, und zwar in Christus Jesus, dem Mensch gewordenen Sohn Gottes. Gott ist die Quelle, der Ursprung unseres Seins als neue Menschen, aber er ist es in dem für uns gekreuzigten Christus. Nur im Tod konnte Christus all das genannte für uns werden. Ohne den Tod wäre Er „allein“ geblieben.

Doch betrachten wir die Stelle kurz. Zunächst also: Er ist uns geworden „Weisheit von Gott“. Am Kreuz wurde alles und jedes, Personen und Dinge an seinen wahren Platz gestellt und Gott im Blick auf das Böse, die Sünde gerade so vollkommen verherrlicht, wie es im Leben des Herrn hinsichtlich des Guten geschehen war. Nicht nur hat sich alle menschliche Weisheit als Torheit erwiesen, sondern Gottes Weisheit ist ans Licht getreten und uns in Christo geschenkt worden. Die Tatsache, dass er von Ewigkeit her persönlich die Weisheit war nach Sprüche 8 und 9, hat demnach unmittelbar mit unsrer Stelle nichts zu tun.

Noch mehr ist dies so mit den anderen herrlichen Dingen: Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung. Das Christus der Gerechte, der Heilige und der Erlöser auch vor Seinem vollbrachten Werke war (hier kommt das, was er von Ewigkeit her im Schoß des Vaters war, eigentlich gar nicht in Betracht), wird niemand bezweifeln, aber Er hat sich für uns in all diesen Eigenschaften erst wirklich erwiesen am Kreuz, wo wir in Ihm unserem alten Zustand nach voll und ganz zu Ende gekommen sind, und wo Christus uns zur Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung geworden ist. Gott ist jetzt nur gerecht, wenn Er den rechtfertigt, der an Jesus glaubt. Zugleich ist Christus das Mittel, der Maßstab und das Muster unserer Heiligkeit. Indem wir mit aufgedecktem Angesicht Seine Herrlichkeit anschauen, werden wir verwandelt nach demselben Bild (2. Kor 3,18). Schließlich haben wir in Ihm, der uns zur „Erlösung“ geworden ist, nicht nur die Vergebung unserer Sünden, sondern sind auch in Ihm, dem Gestorbenen und Auferstanden, heute schon von der Knechtschaft der Sünde befreit und erwarten bei Seiner baldigen Ankunft auch die Erlösung unseres Leibes, mit anderen Worten die vollkommene Befreiung von allen Folgen und Wirkungen der Sünde.


Online seit dem 21.10.2008.


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