Frage zu Apostelgeschichte 2,36.

Wieso heißt es in Apostelgeschichte 2,36, dass Gott Jesus „zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat“ - war er das nicht schon?

Bibelstelle(n): Apostelgeschichte 2,36

Nein, als der Herr Jesus auf der Erde war, wurde er von dem Volk Israel noch nicht als Herr und auch noch nicht als Christus anerkannt. Das Volk hatte ihn nicht angenommen und ihn stattdessen verworfen und ans Kreuz gebracht. Von einer Herrschaft oder einem Königtum kann in dieser Zeit also nicht gesprochen werden. Um das noch ein bisschen besser zu verstehen, müssen wir kurz auf die Bedeutung der beiden Titel eingehen.

1. Herr. Mit diesem Titel ist die allgemeine Herrschaft des Herrn Jesus gemeint. Dieser Titel ist in seinem Wirkungskreis weder auf das Volk Israel noch auf die Menschen im Gesamten beschränkt, sondern umfasst die komplette Schöpfung. Der Herr bekam diesen Titel, weil er sich bis in den Tod erniedrigt hat. Gott hat dies anerkannt und ihn dafür bis auf den höchsten Herrschaftsplatz im Himmel erhoben (Phil 2,8–11). Dabei ist zu beachten, dass er zwar bereits jetzt schon in seiner Herrschaftsposition zur Rechten Gottes sitzt, aber ihm noch nicht alle Geschöpfe unterworfen sind (Apg 2,34–35). Gott wird dies allerdings tun, so dass sich einmal jeder vor ihm beugen muss (Phil 2,10).

2. Christus. Dieses Wort bedeutet „Gesalbter“ und entspricht dem hebräischen Wort „Messias“ (s. Joh 1,41; 4,25). Es bezeichnet in der Prophetie des Alten Testaments den kommenden König über das Volk Israel, der das Volk retten und eine Herrschaft über die ganze Erde ausüben wird. Im Alten Testament wurden die Könige bevor sie ihre Herrschaft antraten mit Öl gesalbt (z.B. 1. Sam 9,15–17; 16,1.3.11–13). So bezieht sich der Titel „Christus“ des Herrn Jesus in erster Linie darauf, dass er als König über Israel herrschen wird, was auch die Erwartung der Jünger war (Lk 24,21). In seinem Leben auf der Erde wurde er von dem Volk Israel verworfen, wie es schon in Daniel 9,26 vorausgesagt wurde, doch wird er diesen Platz einnehmen, wenn er wiederkommt in „Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,30).

Jesus wurde nach seiner tiefen Erniedrigung auferweckt, zur Rechten Gottes erhöht und von Gott zum „Herrn und Christus" gemacht. Das drückt auch seine erneute Salbung aus (vgl. Apg 10,41 und Heb 1,9), die durch den Empfang der Verheißung des Heiligen Geistes (Apg 2,33), der über die ersten Christen ausgegossen wurde, bezeugt wird. Er ist jetzt der Mann des Wohlgefallen Gottes, der seinen ganzen Ratschluss in Vollkommenheit ausgeführt hat und ausführen wird. Als Haupt der Gemeinde (1. Kor 12,12) und als Haupt über alles (Eph 1,10) drückt er diese Würde des Gesalbten in einer ganz neuen Weise aus. Er ist der auf der Erde verachtete, aber zur Rechten Gottes erhöhte Christus.

Für uns als Christen meinen die beiden Titel „Herr“ und „Christus“, dass er der Herrscher über unser ganzes Leben ist und dass er als das Haupt des Leibes alles lenkt und steuert. Von ihm geht alles aus und er verdient es, dass wir unser ganzes Leben seinem Willen unterordnen und ihm Ehre geben. In Anbetracht der vielen Segnungen, die wir erhalten haben, vergessen wir vielleicht schnell, was es heißt, dass er unser Herr ist. Da sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass er wirklich über alle Bereiche unseres Lebens bestimmen möchte, so wie auch ein Leibeigener ganz der Verfügung seines Herrn unterstand.


Online seit dem 22.07.2008.


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