Kein Frieden auf Erden?

Wie sind Matthäus 10,34-36 zu verstehen?

Bibelstelle(n): Matthäus 10,34-36; vgl. Lukas 12,51-53

Eine Warnung

„Denkt nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert" (Mt 10,34).

Als die Jünger diese Worte des Herrn Jesus hörten, mussten sie zunächst schockiert sein. War ihr Herr nicht der von Gott verheißene Messias? Von Ihm hatte Jesaja geweissagt, dass Sein Name Friedefürst lauten, und dass der Frieden unter Seiner Herrschaft kein Ende haben würde (Jes 9,6.7). Bei Seiner Geburt in Bethlehem hatten himmlische Heerscharen Gott gelobt und die Worte ausgesprochen: „Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!" (Lk 2,14).

Und nun warnte Derjenige, von dem das vorausgesagt worden war, Seine Jünger vor der falschen Hoffnung, Er sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen! Ja, noch mehr, Er sagt ihnen deutlich, dass das Schwert, mit anderen Worten Zwietracht und Kampf, die Folgen Seines Kommens sein würden!

Diese Worte des Herrn Jesus, die in etwas anderer Form auch in Lukas 12,51-53 stehen, bereiten manchen Bibellesern Mühe, weil sie darin einen Widerspruch zu den Weissagungen des Alten Testaments oder den späteren Aussagen der neutestamentlichen Briefe sehen. Doch die Bibel widerspricht sich nicht!

Zwei Arten von Frieden

Zwar war es der Zweck des Kommens des Herrn Jesus, Frieden auf die Erde zu bringen. Aber viele Menschen offenbarten dadurch, wie sie Ihn, den Friedefürsten, behandelten, ihre Feindschaft gegen Ihn und damit gegen Gott, der Ihn gesandt hatte. Auf Golgatha erreichten Hass und Feindschaft der Welt gegen Ihn ihren Höhepunkt. Der Sohn Gottes wurde von Seinen eigenen Geschöpfen getötet (jedenfalls, was ihre Verantwortung betraf). So wurde schon daran, wie Er behandelt wurde, offenbar, dass es noch keinen Frieden unter der Menschheit gab. Unmöglich können Sünder äußeren Frieden von Seiten Gottes erwarten, ehe sie nicht mit Ihm versöhnt sind und dadurch Frieden mit Gott besitzen.

Doch auf Golgatha hat Er durch das Blut Seines Kreuzes Frieden zwischen verlorenen Sündern und dem heiligen Gott gemacht, und dieser Frieden wird seitdem durch das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt (Kol 1,20; Eph 2,14-17; Röm 5,1). Jeder Mensch, der diese Botschaft des Heils im Glauben annimmt, empfängt jetzt Frieden mit Gott. Er darf dadurch wissen, dass Gott keine Forderungen mehr an ihn hat, sondern dass er gerechtfertigt und mit Gott versöhnt ist.

Der Friede, den der Herr Jesus bei Seinem ersten Kommen auf die Erde gebracht hat, ist also ganz anderer Natur, als die alttestamentlichen Propheten vorausgesagt hatten. Er hat nicht den äußeren Frieden auf die Erde gebracht, sondern den Frieden mit Gott für die einzelnen Menschen, die an Ihn glauben.

Die Folge davon ist jedoch, dass jeder, der sich als Jünger oder Nachfolger Christi auf Seine Seite stellt, die Erfahrung machen muss, dass die Feindschaft der Welt sich auch gegen ihn richtet. Innerlich besitzt er zwar Frieden, aber äußerlich gibt es Widerstand und Verfolgung. Das ist die Erklärung für die Äußerung des Herrn: „Ich bin nicht gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert". Das Schwert als Symbol des Streites ist also nicht der Zweck, sondern eine unausweichliche Konsequenz Seines ersten Kommens.

Wir sehen also, dass wir es in den erwähnten Schriftstellen mit zwei verschiedenen Arten von Frieden zu tun haben. Der äußere Frieden unter den Menschen und den Völkern dieser Erde, von dem die Propheten des Alten Testaments so viel gesprochen hatten, ist noch nicht gekommen. Wohl aber besitzt jetzt jeder, der an den Herrn Jesus glaubt, den inneren Frieden mit Gott.

Wenn der Herr Jesus allerdings zum zweiten Mal auf die Erde kommt, wird Er als Friedenskönig erscheinen. Dann werden die Weissagungen über Ihn in Erfüllung gehen, für die bei Seinem ersten Kommen wegen Seiner Verwerfung die Voraussetzung nicht bestand, auch hinsichtlich des Friedens. Dann werden die Schwerter zu Pflugmessern geschmiedet werden (Jes 2,4; Mich 4,3) und alle Völker in Frieden miteinander leben. Für Feinde Gottes wird es auf der Erde keinen dauerhaften, echten Frieden geben können.

Feindschaft von Seiten der Welt

Die Feindschaft der Welt, speziell der religiösen Welt des Judentums, erfuhren die Jünger des Herrn bereits zur damaligen Zeit. Wenn dies im Blick auf die zwölf Apostel auch nicht ausdrücklich bezeugt wird, so doch in zwei anderen Fällen, bei denen zudem noch Menschenfurcht im Spiel war. Die Eltern des Blindgeborenen wagten nicht, den Namen „Christus" zu erwähnen, weil sie fürchteten, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (Joh 9,20-23). Joseph von Arimathia war zwar ein Jünger des Herrn, aber aus Furcht vor den Juden ein verborgener (Joh 19,38). Als Mitglied des Synedriums hatte er nicht in den Rat und die Tat der jüdischen Führer eingewilligt (Lk 23,51). Als aber sein Herr gestorben war, ging er kühn zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu (Mk 15,43).

Auch in der heutigen Zeit erfahren wir als Jünger Christi die Feindschaft der Welt. Paulus schreibt seinem jungen Freund und Mitarbeiter: „Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden" (2. Tim 3,12). Lasst uns deshalb vor jeder Form von Menschenfurcht auf der Hut sein und uns treu zu unserem Erlöser und Herrn bekennen!

In den folgenden Versen führt der Herr Jesus einige Beispiele dafür an, wie weit die Feindschaft der Welt gehen würde: „Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein" (Mt 10,35.36). Diese Verse enthalten zwar kein direktes Zitat, aber doch eine deutliche Anspielung auf Micha 7,6: „Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter lehnt sich auf gegen ihre Mutter, die Schwiegertochter gegen die ihre Schwiegermutter; des Mannes Feinde sind seine Hausgenossen."

Diese alttestamentliche Prophezeiung handelt von der noch zukünftigen Zeit, wenn der gläubige Überrest Israels auf die Erscheinung des Messias warten wird. Auch dann werden die Gläubigen von den Ungläubigen gehasst und verfolgt werden. Die Worte des Herrn Jesus galten also für die damalige Zeit, sie gelten für die heutige Zeit, und sie werden auch in der zukünftigen Drangsalszeit Wirklichkeit werden.

Die Abneigung der Welt wird nicht etwa nur durch das Versagen oder die Sünde der Gläubigen hervorgerufen, sondern ist der Ausdruck davon, dass „jeder, der Böses tut, das Licht hasst und nicht zu dem Licht kommt, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden" (Joh 3,20). Sogar vor den engsten Familienangehörigen macht der Hass der Welt nicht halt, wie manche Kinder Gottes auch heute schmerzlich erfahren müssen. Aber diese Feindschaft auch der nächsten Verwandten sollte kein Kind Gottes entmutigen, seinem Herrn zu folgen und von Ihm zu zeugen. Gerade im Familienkreis kommt es dabei allerdings weniger auf die Worte an als auf das rechte, demütige Verhalten des Jüngers. Dies kann durch die Gnade Gottes auch den härtesten Widerstand brechen. Petrus schreibt den gläubigen Frauen: „Ebenso ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter, damit, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Wort gewonnen werden mögen, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben" (1. Pet 3,1.2).

Gott will ja nicht nur einzelne, sondern „Häuser" retten, wenn auch jeder persönlich sich bekehren muss (vgl. Apg 16,31). 


Online seit dem 19.06.2007.


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