Stellen zur Zucht der Versammlung

Was ist der Charakter und der Zusammenhang zwischen der Zucht, wie sie erwähnt wird in 1. Kor 5; 2. Thes 3,14; Tit 3,10 und Röm 16,17?

Bibelstelle(n): 1. Korinther 5; 2. Thessalonicher 3,14; Titus 3,10; Römer 16,17

1. Korinther 5 spricht über Ausschluss, d.h. einen aus der Versammlung hinauszutun. Das darf die Versammlung nur tun, wenn einer ein Böser ist, also wenn er nicht nur in Sünde gefallen ist, sondern dass sein Zustand böse ist. Wenn es offenbar wird, dass einer jahrelang in groben Sünden gelebt hat, ist die Sache klar. Aber einer kann auch ein Böser sein, also in einem Zustand von Bosheit sein, was seine Gesinnung betrifft. Das wird natürlich nur klar, wenn die Versammlung alles versucht hat, was sie kann um den Betreffenden zu gewinnen. Denn Ausschluss ist das Letzte, was die Versammlung tun kann. Damit sagt sie: wir können nichts mehr tun und müssen es jetzt dem Herrn überlassen. Nach dem Ausschluss erkennen sie den Betreffenden nicht mehr als einen Bruder an. Nicht allein, dass er nicht mehr einen Platz am Tisch des Herrn hat, sondern sie werden ihn nicht mehr Bruder nennen, nicht die Hand geben, nicht mit ihm essen, ihn nicht besuchen u.s.w. Aller Verkehr ist also abgebrochen.

2. Thessalonicher 3,14 geht nicht so weit. Da geht es um den Fall, dass einer unordentlich wandelt. Das heißt, dass er ausdrücklich Aussprüchen im Worte Gottes gegenüber nicht gehorsam ist. Dann muss er öffentlich als solcher bekanntgegeben werden in der Versammlung. Wir dürfen keinen Umgang mit ihm haben, aber nennen ihn Bruder und ermahnen ihn. Und selbstverständlich kann er teilhaben am Brotbrechen.

Titus 3,10 spricht über einen sektiererischen Menschen. Eine Sekte ist eine Gruppe, die sich getrennt hat von den Gläubigen, die versammelt sind zu dem Namen des Herrn Jesus Christus hin. Ein sektiererischer Mensch ist also ein Mensch, der eine Gruppe gebildet hat und damit die Versammlung verlassen hat. Solange er die Versammlung noch nicht verlassen hat, ist es eine Spaltung (vgl. 1. Kor 11,18-19; das Wort „Parteiungen“ dort ist dasselbe Wort wie Sekte in Tit 3,10). Nun, einen solchen musste Titus nach einer ein- oder zweimaligen Zurechtweisung „abweisen“, so wie Timotheus jüngere Witwen abweisen musste, wenn sie um Unterstützung kamen, wie er auch ungöttliche und altweibische Fabeln und törichte und ungereimte Streitfragen abweisen sollte (1. Tim 4,7.11 und 2. Tim 2,23).

Diese Stelle hat also nicht zu tun mit Ausschluss. Der sektiererische Mensch ist schon außerhalb und kann darum nicht mehr ausgeschlossen werden. Wenn es klar ist, dass diese Person aus Böswilligkeit gehandelt hat, kann man es der Versammlung bekanntgeben, so dass die Tür der Versammlung förmlich für ihn geschlossen wird, und er nur zurückkommen kann, wenn er wirklich wiederhergestellt ist. In seiner Auswirkung nähert sich das zwar dem Ausschluss; aber einen der draußen ist, kann man nicht hinaustun.

Römer 16,17 spricht über einen Fall, der dem Fall in Titus 3 vorausgeht. Hier ist die Person noch innerhalb, „einer der Zwiespalt und Ärgernis anrichtet, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt“. Diese Lehre ist, dass wir nicht nur äußerlich zusammengehen sollten, sondern auch innerlich, mit wirklicher Liebe.

Nun, man muss sich diesen Personen entziehen, von ihnen abstehen. Dies ist kein Ausschluss! Aber man soll sich nicht mehr mit ihrem Werk einsmachen, sie nicht mehr einladen. Und wenn sie sich selbst einladen, ihren Dienst nicht mehr annehmen. Natürlich werden sie sich hierdurch getroffen fühlen, und das ist gerade das Ziel. So werden sie vielleicht zur Einkehr kommen. Und wenn nicht, werden sie wahrscheinlich auf ihrem Weg fortgehen und eine Sekte bilden. Dann sind sie die sektiererischen Menschen geworden, worüber Titus 3,10 spricht.

Siehe weiter meine Betrachtung über den Brief des Judas, S. 149-153.


Online seit dem 03.02.2007.


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