Fragen zu Spaltungen und Parteiungen.

Einige Fragen zu den Begriffen Spaltungen und Parteiungen.

Bibelstelle(n): 1. Korinther 1,10; 11,18.19; 12,25

Unter Bezugnahme auf 1. Korinther 1,10; 11,18.19; 12,25 wurden die folgenden Fragen gestellt:

  1. Worin besteht der Unterschied zwischen Spaltungen und Parteiungen? Sind Spaltungen Vorläufer von Parteiungen?

  2. Sind Spaltungen/Parteiungen in Zeiten des Verfalls der Christenheit oder schlechter Zustände in örtlichen Versammlungen von Gott gewollt?

  3. Warum wünscht Paulus in 1. Korinther 1,10, „dass nicht Spaltungen unter euch seien“, während es in Kapitel 11,19 heißt: „Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden“?

  4. Wer sind die Bewährten bei Parteiungen?

  5. Wann und wo werden die Bewährten offenbar?

Beantwortung:

1. Zur Beantwortung der ersten Frage möchte ich zunächst die beiden Worte Spaltungen und Parteiungen und die zugrunde liegenden griechischen Worte schisma und hairesis erklären. Die letzteren kommen nämlich auch an anderen Stellen im Neuen Testament vor, wo sie in der Elberfelder Bibel wir folgt übersetzt wurden:

schisma (8 Vorkommen) hairesis (9 Vorkommen)
Mt 9,16 Riss Apg 5,17 Sekte
Mk 2,21 Riss Apg 15,5 Sekte
Joh 7,43 Spaltung Apg 24,5 Sekte
Joh 9,16 Zwiespalt Apg 24,14 Sekte
Joh 10,19 Zwiespalt Apg 26,5 Sekte
1. Kor 1,10 Spaltung Apg 28,22 Sekte
1. Kor 11,18 Spaltung 1. Kor 11,19 Parteiungen
1. Kor 12,25 Spaltung Gal 5,20 Sekten
    2. Pet 2,1 Sekten

Aus dieser Gegenüberstellung geht bereits hervor, dass die Bedeutung der beiden Worte zwar ähnlich, aber nicht identisch ist. Das wird durch die Betrachtung im jeweiligen Zusammenhang bestätigt. Im allgemeinen Sprachgebrauch haben sie jedoch Bedeutungen bekommen, die sie im Neuen Testament nicht haben. Wir dürfen uns nicht dadurch irreführen lassen, dass heute allgemein unter „Sekte“ eine kleinere, von den Staatskirchen abgespaltene religiöse Gemeinschaft, unter „Schisma“ eine Kirchenspaltung und unter „Häresie“ Irrlehre oder Ketzerei verstanden wird.

Das dem griechischen Wort schisma (Riss, Zwiespalt, Spaltung) zugrunde liegende Tätigkeitswort bedeutet „(zer-)spalten“. Das Substantiv wird daher im konkreten Sinn mit „Riss (in einem Kleid)“ übersetzt (Mt 9,16; Mk 2,21), und im übertragenen Sinn mit „Zwiespalt, Spaltung“, womit Meinungsunterschiede gemeint sind, die zu Streitigkeiten führen. Im Johannesevangelium (Kap. 7,43; 9,16; 10,19) waren verschiedene Auffassungen über die Herkunft, die Taten und die Worte des Herrn Jesus die Ursache von Zwiespalt oder Spaltungen, im 1. Korintherbrief wohl die Sympathie bzw. die Ablehnung im Blick auf bestimmte Brüder, die dem Herrn dienten, und die Ausgrenzung sozial schwächerer Geschwister, sowie die Verachtung gewisser Gnadengaben, die nicht so hervorstechend waren (Kap. 1,10; 10,18; 12;25). Dadurch wurde die Einmütigkeit der Versammlung in Korinth gestört. Deshalb ermahnt Paulus die dortigen Gläubigen, „in denselben Sinn und in derselben Meinung vollendet“ zu sein (Kap. 1,10).

Die Grundbedeutung von hairesis (Parteiung, Sekte) dagegen ist „Einnahme, Wahl, Geneigtheit, Denkweise“. Ohne zuviel in das Wort hineinlegen zu wollen, kann man doch erkennen, dass es nicht nur den Tatbestand der Uneinigkeit wiedergibt, sondern gleichzeitig die Sympathie und Entscheidung für eine bestimmte Auffassung oder Ansicht. Das wird durch die Verwendung des Wortes „Sekte“ im Neuen Testament bestätigt. Die Sekten im Judentum (die Pharisäer und Sadduzäer) waren Gruppierungen innerhalb des Volkes, die sich um bestimmte Lehrauffassungen gebildet hatten und sich scharf voneinander abgrenzten. Sogar die Versammlung Gottes wurde in Verkennung ihres wahren Charakters von den Juden anfänglich als „Sekte der Nazaräer“ (Apg 24,5; vgl. Apg 24,14; 28,22), d.h. nur als eine Gruppierung innerhalb des Judemtums betrachtet!

Zusammenfassend können wir feststellen, dass bei Spaltung (Zwiespalt) der Nachdruck auf der Uneinigkeit unter den Gläubigen liegt, während bei Parteiung (Sekte) mehr die Parteibildung im Vordergrund steht, also ein fortgeschritteneres Stadium sichtbar wird. Spaltung ist eine Vorstufe der Parteiung. In Korinth war beides vorhanden. Trotzdem war die Versammlung äußerlich noch eins und man brach gemeinsam das Brot, wenn auch gerade dabei der gespaltene Zustand der Versammlung offenbart wurde, wie Paulus in seinen anklagenden Worten festellen musste: „Jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg“ (1. Kor 11,21).

Der negative Charakter von Spaltungen und Parteiungen kommt immer wieder zum Ausdruck. Wer durch süße Worte und schöne Reden arglose Herzen verführt und dadurch Zwiespalt anrichtet, dient nicht dem Herrn Jesus, sondern seinem eigenen Bauch (Röm 16,17.18). In Galater 5,20 werden Sekten als Werke des Fleisches verurteilt, und nach Titus 3,10 ist ein sektiererischer Mensch ein verkehrter und sündigender Mensch, der durch sich selbst verurteilt ist. Dabei handelt es sich durchaus nicht um falsche Lehren, sondern um bestimmte Auffassungen, die zu Parteibildung führen. Die einzige Stelle im Neuen Testament, wo gesagt wird, dass verderbliche (d.h. Verderben bringende) Sekten durch falsche Lehrer eingeführt werden, ist 2. Petrus 2,1.

2. Aus dem Gesagten geht hervor, dass sowohl Spaltungen als auch Parteiungen (Sekten) die Einheit der Gläubigen in der Praxis stören und schließlich zerstören. Deshalb verstoßen sie gegen den Willen Gottes und könne niemals von Ihm gewollt sein, auch nicht in Zeiten des Verfalls. Der Herr Jesus hat schon auf der Erde für die Einheit der Seinen gebetet (Joh 17,11.21.22.23), und mehrfach werden wir in den Briefen des Apostels Paulus aufgefordert, einmütig und eines Sinnes zu sein (Röm 15,5.6; 2. Kor 13,11; Eph 4,3; Phil 1,27; 2,2.3; 4,2; 1. Pet 3,8). Das bedeutet nun aber nicht, dass wir als Kinder Gottes „Einheit um jeden Preis“ suchen müssten oder dürften. Gott will, dass die Seinigen eins sind, aber ebenso ist es Sein Wille, dass wir uns von aller Art des Bösen fernhalten. Absonderung vom Bösen ist deshalb das Gegenteil von Spaltung oder Parteiung. Wirkliche christliche Einheit kann es nämlich nur im uneingeschränkten Gehorsam gegenüber Gottes Willen geben.

3. Immer wieder werden wir ermahnt, die durch den Heiligen Geist geschaffene Einheit der Versammlung des lebendigen Gottes, des Leibes Christi, praktisch in brüderlicher Gesinnung zu verwirklichen, so auch in 1. Korinther 1,10. Niemals ruft Gott in einer Versammlung Spaltungen oder Parteiungen hervor; diese entstehen immer dann, wenn wir von Seinem Willen und von unserem Auftrag, „die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“ (Eph 4,3), abweichen. Gott wird aber nicht zulassen, dass verkehrte Dinge wie Spaltungen und Parteiungen beliebig lange verborgen bleiben. Nach Seinem Willen „müssen" diese Dinge einmal offenkundig werden, damit das Ganze wieder gesunden kann. Er selbst wird es dahin kommen lassen, „auf dass“ dann auch „die Bewährten“, die vorher oftmals verkannt werden und die eigentlichen Leidtragenden sind, offenbar werden. Der Apostel sagt das allen zum Trost, die unter den Verhältnissen leiden. Aber Gott muss die Dinge ans Licht ziehen – nicht wir.

4. Wenn aber Zwiespalt, Spaltungen und Parteiungen (wie in Korinth) entstanden und offenkundig geworden sind, ist es die Aufgabe der Geschwister, diesen Abweichungen in geistlicher Haltung zu begegnen, indem sie die Wahrheit in Liebe festhalten, ohne sich in Streit einzulassen. Die folgenden Schritte finden wir in Gottes Wort:

  • die sanftmütige Zurechtweisung oder Unterweisung von solchen, die Streitfragen und Streitigkeiten aufbringen (2. Tim 2,25),
  • das Achthaben auf diejenigen, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten, und die Abwendung von ihnen (Röm 15,17),
  • die Abweisung eines sektiererischen Menschen nach ein- oder zweimaliger Zurechtweisung (Tit 3,10).

Weitere Anweisungen werden uns in diesem Zusammenhang nicht gegeben. Wenn jedoch im oben beschriebenen Geist gehandelt wird, wird es, falls keine Zurechtbringung erreicht wird, immer deutlicher werden, wer nach Gottes Willen handelt und wer nicht. Leider wird das Verkehrte oft mit fleischlichen Mitteln bekämpft. Dann gibt es keine Bewährten. Bewährt sind nur diejenigen, die in Demut und Friedensliebe an den Gedanken Gottes festhalten.

5. Geistliche Bewährung ist das Ergebnis einer Prüfung von Seiten Gottes (vgl. Jak 1,12), und die solcherart Bewährten werden über kurz oder lang auch von anderen Christen erkannt und anerkannt werden. Aber es mag sein, dass ein Fall so schwierig zu beurteilen ist, dass erst vor dem Richterstuhl Christi offenbar wird, wer die Bewährten wirklich sind.


Online seit dem 06.10.2006.


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