Worauf beziehen sich die 430 Jahre in Galater 3,17?

Seit langer Zeit bemühe ich mich, die Zeitrechnung in Galater 3,17 zu verstehen. Wurde der Bund nicht dem Abraham bestätigt? Das war doch vor der Zeit in Ägypten! Dann kamen 430 Jahre der Knechtschaft in Ägypten und erst danach das Gesetz. Aber in Galater 3,17 lese ich, dass von der Verheißung bis zum Gesetz 430 Jahre vergangen sind. Rechenfehler? Druckfehler? Wer kann es mir bitte erklären?

Bibelstelle(n): Galater 3,17

Es gibt in der Bibel vier Stellen, die auf dieses Problem Bezug nehmen: 1. Mose 15,13.14; 2. Mose 12,40.41; Apostelgeschichte 7,6 und Galater 3,17. Die Frage, die schon manche Schriftforscher beschäftigt hat, ist diese: Beziehen sich die Zahlenangaben nur auf den Aufenthalt der Kinder Israel in Ägypten oder ist darin die Patriarchenzeit seit Abraham einbegriffen?

2. Mose 12,40.41 lautet: „Und die Zeit, die die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, ist 430 Jahre. Und es geschah am Ende der 430 Jahre, und es geschah an eben diesem Tag, dass alle Heere des HERRN aus dem Land Ägypten auszogen.“ Die Kinder Israel sind die Nachkommen Jakobs, der von Gott den Namen Israel erhielt, nicht die des Tarah oder Abraham. Die zweimal erwähnte Zahl von 430 Jahren bezieht sich ausdrücklich auf deren Aufenthalt im Land Ägypten.1

In 1. Mose 15,13.14 heißt es: „Du sollst sicher wissen, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist; und sie werden ihnen dienen, und sie werden sie bedrücken 400 Jahre. Aber ich werde die Nation auch richten, der sie dienen werden, und danach werden sie ausziehen mit großer Habe.“ Hier wird von einer 400 Jahre dauernden Zeit der Unterdrückung gesprochen, und zwar „in einem Land, das nicht das ihre ist“. Das kann sich nur auf Ägypten beziehen. Gott nennt Kanaan zwar das Land der Fremdlingschaft, aber es war doch das Land, das Er Abraham und seinen Nachkommen nach ihm geben wollte (1. Mo 17,8). Wenn man bedenkt, dass Jakob und seine Söhne zu Anfang sehr freundlich in Ägypten aufgenommen wurden, ist es verständlich, dass die Zeit der Unterdrückung Israels in Ägypten im Unterschied zu ihrer gesamten Wohnzeit dort mit 400 Jahren angegeben wird.

Diese Stelle wird mit geringfügig abweichendem Wortlaut von Stephanus in Apostelgeschichte 7,6–7 zitiert. Er gibt dazu keinen Kommentar, der eine andere Erklärung als die obige nötig macht.

Die in Galater 3,17 erwähnten 430 Jahre zwischen der Bestätigung des mit Abraham geschlossenen Bundes Gottes und dem Gesetz können daher nicht von dem Zeitpunkt der Errichtung dieses Bundes mit Abraham (1. Mo 15,18; 17,2ff.) oder gar vom Einzug Abrahams in Kanaan (1. Mo 12) gezählt werden. Der Ausgangspunkt für diese 430 Jahre muss die letzte Bestätigung des Bundes gegenüber Jakob sein (1. Mo 46,2–4), als dieser sich mit seiner Familie bereits auf dem Weg nach Ägypten befand. Dort wird zum letzten Mal berichtet, dass Gott zu Jakob redete und ihm bestätigte, dass Er bei ihm sein und ihn und seine Nachkommen bewahren würde. Die Worte „vorher bestätigt“ beziehen sich daher wohl auf die Begegnung Gottes mit Jakob und nicht auf die erste Erwähnung des Bundesschlusses mit Abraham in 1. Mose 15.


Online seit dem 03.10.2006. Zuletzt bearbeitet am 14.10.2017.

Fußnoten

  • 1 In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, heißt es in 2. Mose 12,40 jedoch: „Aber die Wohnzeit der Söhne Israels, die in Ägypten und Kanaan wohnten, war 430 Jahre.“ In manchen Bibel-Chronologien wird daher die Auffassung vertreten, dass die 430 Jahre mit dem Einzug Abrahams in Kanaan beginnen und die 400 Jahre mit der Verspottung Isaaks oder der Vertreibung Hagars (1. Mo 21). Abgesehen von Erklärungsschwierigkeiten bei den übrigen der obigen Stellen bleiben für den Aufenthalt Israels in Ägypten dann nur ungefähr 200 Jahre übrig. In dieser Zeit wäre dann eine Familie von 70 Personen trotz der Kindestötungen derartig angewachsen, dass das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten ca. 600.000 Soldaten über 20 Jahre stellen konnte (4. Mo 2,32), d.h. doch wenigstens 2 Millionen Personen zählen musste.

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