Werden wir im Himmel auch noch essen und trinken?

Werden wir im Himmel auch noch essen und trinken? Ein Bruder behauptet dies auf Grund von Matthäus 26,29 und Offenbarung 2,7.

Bibelstelle(n): Matthäus 26,29; Offenbarung 2,7

Der Bruder überträgt verstandesgemäß irdische Begriffe auf himmlische Zustände, was aber nicht funktionieren kann. Alle Angaben über das Jenseits sind im Wort Gottes ja nur in symbolischen Bildern gegeben, weil wir ja die Wirklichkeit gar nicht fassen könnten. Darum wollen wir uns mit dem Mitgeteilten anbetend genügen lassen und die symbolische Bedeutung der Bilder erfassen.

In Offenbarung 2,7 ist der „Baum des Lebens“ niemand anders als Christus selbst als einzige, unerschöpfliche Quelle alles dessen, was wir im Himmel Geniessen: Gemeinschaft, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Reinheit, Freude, Frieden, Liebe usw. Das „Essen“ bedeutet somit das Empfangen und Genießen all dieser Dinge. Auch im irdischen Paradies war der Baum des Lebens ein Symbol des Herrn Jesus Christus (als Dem, in welchem die Ratschlüsse Gottes mit dem Menschen in Erfüllung gehen sollten). Damals war ja allerdings das Essen ein materielles, der Natur des Menschen gemäß. Im Himmel aber haben wir nicht mehr Symbole, sondern die herrliche Wirklichkeit selber; somit handelt es sich dort auch nicht mehr um materielles Essen und Trinken, sondern um das himmlische Gegenbild, den Genuss alles dessen, was wir vom Herrn droben empfangen werden.

 Ebenso muss auch Matthäus 26,29 verstanden werden. Man beachte die beiden Ausdrücke: „neu trinken“ und „vom Gewächs des Weinstocks“. Wenn im Wort Gottes das Wort „neu“ gebraucht wird in Verbindung mit himmlischen Dingen und Gedanken im Gegensatz zu gewöhnlichen irdischen, dann wird damit der grundsätzliche und wesentliche Unterschied den letzteren gegenüber betont. Somit zeigt auch dieses Wort an, dass der Herr an ein ganz anders geartetes Essen und Trinken im Königreiche des Vaters dachte, als es auf Erden war. Ferner, wenn der Herr vom „Gewächs des Weinstocks“ und nicht einfach vom Wein redete, so gedachte Er der Verordnung für den Nasiräer in 4. Mose 6, wonach dieser weder Wein noch Trauben essen durfte. Wein ist im Wort Gottes das Symbol der irdischen Freude; der Nasiräer aber musste sich streng der irdischen, unreinen Freuden enthalten. Nun, der Herr Jesus war Nasir (= Abgesonderter, Geweihter) im wahren Sinn des Wortes, nicht in formeller Beziehung, denn Er trank ja Wein (vgl. Mt 11,19), sondern in vollkommener, moralischer Weise. Jetzt aber begann Sein Leidensweg, auf dem es keine Freude gab bis zur Vollendung desselben in der Auferstehung im neuen verherrlichten Leib. Damit war Er aber in einem neuen, veränderten Wesenszustand, in dem Er auf Erden, soweit die Bibel berichtet, nur ein einziges Mal gegessen hat, und auch da lediglich, um die Jünger von Seiner wirklichen leiblichen Auferstehung zu überzeugen (Lk 24,41–43). Er konnte wohl essen, musste es aber keineswegs; wir lesen zwar noch ein paar Mal von Ihm in Verbindung mit einer Mahlzeit, aber nicht, dass Er gegessen hätte (Lk 24, 30; Joh 21,1–14). Aber auch diese vierzig Tage bedeuteten nur einen Zwischenzustand; mit Seiner Rückkehr zum Vater hat für den Herrn jede Beziehung zu irdischen Umständen aufgehört, und dasselbe wird auch für uns der Fall sein. Materielles Essen und Trinken steht in enger Beziehung zum Blut, das dadurch genährt und erneuert wird. Aus Lukas 24,39 sehen wir aber, dass im verherrlichten Leibe kein Blut mehr sein wird – nur Fleisch und Bein –, denn jenes ist ja der Träger des irdischen vergänglichen Lebens, das im Tod enden musste. Die Frage lässt sich letztlich nicht vollständig an Hand der Bibel beantworten, da nirgendwo darüber exakt gesprochen wird, ob wir essen werden. Daher müssen wir die Antwort insofern offen lassen, dass wir, was unseren himmlischen Leib angeht, der dem Leib des Herrn Jesus gleicht (Phil 3,21), zwar essen können, aber nicht zwangsläufig werden.

(Der Artikel wurde redaktionell leicht bearbeitet.)


Online seit dem 07.09.2006.


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