Taufe – Bibel-Lexikon

Das griechische Wort für taufen ist βαπτισμα und stammt von βαπτιζω. Es bedeutet: „tauchen", „eintauchen", „untertauchen", „waschen" usw. (Lk 16,24; Joh 13,26; Off 19,13).

Die Einrichtung der Taufe:

1. Die jüdische Taufe

In Hebräer 6,2 (βαπτισμός) werden die Gläubigen aus den Juden ermahnt, die Lehre der Waschungen (Taufe) aufzugeben. In Hebräer 9,10 lesen wir von „verschiedenen Waschungen (oder Taufen)", die ihnen bis „auf die Zeit der Zurechtbringung" auferlegt sind. Diese „Zeit der Zurechtbringung" ist dann, wenn Christus gekommen ist. Dies zeigt, dass sich die erwähnten Waschungen auf einen Teil der jüdischen Riten bezog, in denen es viele Waschungen gab. Aber keine dieser Waschungen stellt als ein Vorbild die Taufe des N.T. dar, die als eine einführende Einrichtung die Getauften in eine neue Stellung versetzt. Das Rote Meer (1. Kor 10,2) dagegen ist ein Bild für die Taufe. Die Gläubigen aus den Juden wurden ermahnt, diese jüdischen Waschungen aufzugeben oder sie nicht wieder neu als Grundlage des Glaubens anzusehen.

Weiterhin ist schon oft gesagt worden, dass die Juden die Proselyten durch Taufe aufnahmen. Davon haben wir aber keinen Bericht im A.T. Auch Josephus, der die erforderlichen Riten zur Aufnahme eines Proselyten einzeln beschreibt, erwähnt die Taufe überhaupt nicht. Maimonides sagt, dass Proselyten so aufgenommen wurden. Jedoch wurde er erst im Jahr 1135 n. Chr. geboren, was viel zu spät war, um wissen zu können, was so lange vorher stattfand, jedenfalls dann, wenn zeitgenössische Schreiber darüber schweigen.

2. Die Taufe durch Johannes den Täufer

Diese Taufe fand im Jordan statt. Dort gingen die Mengen hin, um getauft zu werden. Von dieser Taufe wird immer wieder gesagt, dass es die Taufe „der Buße" (Mk 1,4; Lk 3,8; Apg 13,24; 19,4) ist. Johannes forderte die Mengen auf, „der Buße würdige Frucht" zu bringen (Mt 3, 8; Lk 3,8). Er taufte, während sie „ihre Sünden bekannten" (Mt 3,6). Er ermahnte die Menschen, an den zu glauben, der nach ihm kommen würde, „das ist an Christus Jesus" (Apg 19,4; Joh 1,9.36). Der gottesfürchtige Überrest nahm durch die Taufe des Johannes einen Platz ein, wo sie sich von dem übrigen Volk trennten und das Kommen des Messias erwarteten. Sie richteten sich selbst und reinigten sich von dem sündigen Zustand des Volkes.

Der Herr Jesus wurde auch von Johannes getauft. So nahm der Herr Jesus seinen Platz mit dem Überrest in Israel ein. Dabei hatte er keine Sünden zu bekennen, sondern erfüllte so die Gerechtigkeit: „denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen" (Mt 3,15).

3. Die christliche Taufe

Wir haben gesehen, dass Johannes der Täufer die Taufe der Buße predigte. Während des Dienstes des Herrn vor dem Kreuz wurden einige auf den Herrn Jesus als Messias getauft (Joh 4,1). Nach seinem Tod und der Auferstehung predigte Petrus nicht Buße sondern den verworfenen aber erhöhten Jesus, der zum Herrn und Christus gemacht worden war. Als es ihnen durch das Herz drang, sprach Petrus „Tut Buße …"; aber die Taufe war zur Vergebung der Sünden, weil das Werk des Herrn Jesus jetzt vollbracht war. Dieses Werk allein bewirkte die völlige Vergebung. Sie wurden getauft zur Vergebung der Sünden, was die Verwaltung oder Regierung auf der Erde betrifft (Apg 2,38).

Römer 6,3.4 beschreibt die Bedeutung der christlichen Taufe für Gläubige, die schon lange vorher getauft worden waren. Christus ist der Sünde gestorben. Sein Tod erfolgte in Bezug auf den Zustand, in dem der Mensch sich befindet. Dann beschreibt die Textstelle die Anwendung seiner Auferstehung auf uns. Sie waren auf seinen Tod getauft worden, das heißt, sie haben Anteil an diesem Tod. Sie sind auferweckt und leben jetzt ihrem Gott (in dem Herrn Jesus und nicht in dem Gesetz). Die Sünde sollte nicht länger herrschen. Aber in dieser Stelle wird noch nicht von der Auferweckung mit ihm gesprochen. […] Die Taufe ist rein persönlich und bedeutet die Aufnahme in den Bereich des christlichen Bekenntnisses: „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe". Die Bedeutung der Taufe geht im Kolosserbrief weiter als im Römerbrief, aber sie wird immer verbunden mit der Stellung auf der Erde und nicht mit himmlischen Vorrechten. Im bildlichen Sinne dient die Taufe zur Errettung (1. Pet 3,21), zur Abwaschung der Sünden (Apg 22,26) und wir gehen durch sie in den Tod hinein. Kolosser 2,21 fügt hinzu, dass wir auch auferweckt sind: auch deshalb ist alles persönlich.

Die Versammlung als solche muss nie in den Tod gebracht werden. Ihr Ursprung liegt in der Auferstehung Christi (Kol 1,18): Er ist der Erstgeborene auch in der neuen Schöpfung, und sie ist verbunden mit ihm.

Als Auferstandene haben wir Christus als unser Leben empfangen. Obwohl die Taufe den Täufling in in eine Auferstehungsposition versetzt, so ist es doch klar, dass die Taufe uns niemals aus unserer irdischen Stellung herausnimmt. Die Taufe versetzt uns in die Stellung christlicher Verantwortlichkeit, damit „auch wir in Neuheit des Lebens wandeln" (Röm 6,4). Es gibt in 1. Korinther 10,1-6 eine Warnung. Dort wird von solchen, die bereits getauft waren, gesagt, dass „an den meisten von ihnen Gott kein Wohlgefallen hatte". Eine rein äußerliche Taufhandlung wie ein Sakrament genügt nicht: wir müssen „in dem Glauben gegründet und fest bleiben" (Kol 1,23). Als Getaufte sind wir aufgerufen, in dieser Welt als Gestorbene zu wandeln. Es ist der Ausdruck der äußerlich sichtbaren Kirche in ihrem Bekenntnis: „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" (Eph 4,5). In der Taufe haben wir ein gutes Gewissen durch die Auferstehung (1. Pet 3,21). Durch sie waschen wir unsere Sünden ab, indem wir den Namen des Herrn anrufen (Apg 22,16). Durch die Taufe werden wir an dem verantwortlichen Platz des Volkes Gottes in dieser Welt aufgenommen und an den Platz der Verantwortung gestellt.

Die christliche Taufe scheint bei Petrus mehr mit dem Reich der Himmel verbunden zu sein (Mt 16,19; Apg 2,38; 10,48). Bei Paulus war die Taufe eher mit dem Haus Gottes verbunden. Paulus wirkte nicht wie Petrus in der Mitte eines von Gott anerkannten Volkes, um Seelen zur Buße herauszurufen, damit sie Vergebung empfangen sollten und um von dem „verkehrten" Geschlecht abgesondert zu werden. Paulus geht den Menschen als Geschöpfe nach (obgleich er die Juden anerkennt) und bringt diese in das Licht der Gegenwart Gottes. Für die Heiden war es - auch als Zeugnis - ein völlig neuer Auferstehungszustand, und nicht nur ein gutes Gewissen durch die Taufe. Die Taufe führt zu einer neuen irdischen Stellung, die auf die Auferstehung gegründet ist. Die Taufe selbst gehörte nicht direkt zu dem Dienst des Apostels Paulus. Auch gehörte sie nicht zu dem Auftrag des Herrn an die Jünger in Johannes 20,21-23. Paulus bezeugt uns selbst, dass er nicht ausgesandt war, um zu taufen (1. Kor 1,17).

Der Glaube erkennt, dass wenn Gott einen Menschen in eine bevorzugte Stellung auf der Erde gesetzt hat, Gott diese Person immer im Zusammenhang mit seinem Haus sieht (1. Mo 7,1). Auch in dem Christentum behält dieser Grundsatz seine Gültigkeit. Ganze Häuser (d.h. Familien wurden von Paulus getauft (1. Kor 1,16; 7,14).

Am Ende des Evangeliums nach Matthäus wird der Taufbefehl mit der Sendung der Apostel ausschließlich zu den Nationen verbunden. Aber dort steht nichts von Buße und Vergebung. Es bedeutet einfach, alle Nationen durch die Taufe zu Jüngern zu machen und sie anschließend zu belehren (Mt 28,19.20) 1. Die Anweisung in Lukas 24,47 ist Buße und Vergebung der Sünden. In Markus 16,15.16 ist derjenige gerettet, der glaubte und getauft wurde, denn solche, die die Taufe abgelehnt haben, haben es abgelehnt, ein Christ zu werden.

Die Schrift gibt keine bestimmte Anweisung in Bezug auf die Art und Weise der Taufe. Der wesentliche Punkt damals war, worauf oder auf wen getauft worden wurde (Apg 19, 3). Der Gedanke, den das Wort selbst übermittelt, ist „Waschung" wie bei den Priestern des Alten Bundes (2. Mo 29, 4) und nicht so sehr „Besprengung" wie bei den Leviten (4. Mo 8,7).

In Bezug auf die so genannte Taufformel haben einige vermutet, dass die Anweisung in Matthäus. 28,19 „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" aufgehoben würde, weil wir in der Apostelgeschichte lesen, dass Personen „auf den Namen des Herrn Jesus" getauft wurden. Aber ein solcher Rückschluss wäre nicht zulässig. Es wird immer auf eine Person oder eine Sache getauft. Die Jünger, die Paulus in Ephesus vorfand, waren getauft worden auf die Taufe des Johannes (Apg 19,3). Die Israeliten waren auf Mose getauft worden (1. Kor 10,2). Und die in der Apostelgeschichte Getauften wurden auf den Namen des Herrn Jesus als Heiland und Herrn getauft. Es gibt keinen Grund, warum dieses nicht mit den Worten, die wir in Matthäus finden, verbunden werden könnte, nämlich eine Person zu taufen in dem Namen des Herrn Jesus und auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. In Apostelgeschichte 2,38 ist die Präposition επί (εν in MSS, B, C, D) in Kap 10,48 ist es εν, anderswo ist es εις.

4. Taufe für die Toten

Diese Taufe finden wir in 1. Korinther 15,29. Einige behaupten, dass die Heiligen in Korinth dem Irrtum verfallen waren, dass, wenn einige von ihnen ungetauft entschlafen waren, andere für sie getauft werden konnten und Paulus dies verurteile. Aber in dem Worten, die Paulus benutzt, findet sich keine Verurteilung dieses Gedankens. Wenn wir aber die Verse 20-28 als Einschub lesen, dann erklärt Vers 18 den Vers 29. Und Vers 19 erklärt die Verse 30-32. Also, wenn es keine Auferstehung gibt, sind „die in Christus Entschlafenen verloren gegangen … Was werden sonst die tun, die für die Toten getauft werden?". Warum sollte man also an ihrer Stelle in die Schlachtreihen treten und jede Stunde in Gefahr sein wie Soldaten im Krieg, wenn Tote nicht auferweckt werden? Was nutzte es Paulus, mit wilden Tieren in Ephesus gekämpft zu haben, wenn Tote nicht auferweckt werden? Wie Soldaten in einem Krieg in Gefahr sind, das ist die Anspielung in den Ausdrücken „jede Stunde in Gefahr" (Vers 30) und in dem „Kampf".

Fußnoten

  • 1 Diese Textstelle bezieht sich in ihrem vollen Umfang auf ein Werk, das am Ende des Zeitalters durch den jüdischen Überrest an den Nationen getan werden muss. Die christliche Taufe ist heute sowohl für Juden als auch für Heiden gleich. Wer mit der christlichen Taufe getauft wird verliert seine bisherige Stellung und wird mit Christus in der Gleichheit seines Todes eins gemacht und auf den Boden des christlichen Bekenntnisses gestellt.

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