Ägypten – Bibel-Lexikon

Hebräisch Mizraim (obwohl es tatsächlich Mitsraim heißt). Dies ist eine Doppelform mit der Bedeutung „die zwei Mazors", wie manche denken, wobei dieser Ausdruck für Unter- und Oberägypten steht. Ägypten wird auch Land Hams (Ps 105,23.27; 106,22) und Rahab (Ps 87,4; 89,11; Jes 30,7; 51,9), was „Prahlerei" oder „Großtuer" bedeutet, genannt. (Dieser Name ist im Hebräischen nicht der gleiche wie für Rahab, die Hure, welcher eigentlich „Rachab" lautet.) Oberägypten wird auch mit Pathros bezeichnet, was „Land des Südens" bedeutet (Jes 11,11). Unterägypten wird auch Mazor genannt (2. Kön 19,24; Jes 19,6; 37,25; Mich 7,12), in anderen Übersetzungen wird dieser Ausdruck aber mit „fest" oder „eingedämmt" übersetzt. Ägypten ist eines der ältesten und berühmtesten Länder, aber es ist nicht möglich, irgendeinen Zeitpunkt bezüglich seiner Entstehung zu bestimmen.

Geographie

Die Topographie Ägyptens ist eigentümlich. Der Nil bildet am Mittelmeer ein sogenanntes Delta (vom griechischen Buchstaben Δ abgeleitet). Er hatte früher sieben Mündungen (Jes 11,15), heute teilt er sich jedoch nur in zwei Arme, bevor er ins Mittelmeer mündet. Er hat eine Gesamtlänge von 6671 km und ist damit einer der längsten Flüsse der Welt. Auf jeder Seite des Tales, durch welches der Fluss fließt, liegt eine Hügelkette, an welche meistens die Wüste grenzt. Das Niltal ist selten breiter als 20 km. Das Nildelta und das Niltal sind sehr fruchtbar. Was den Regen betrifft, so unterscheidet sich das Land stark von Palästina, welches Wasser „vom Regen des Himmels trinkt" (5. Mo 11,11), da es in Ägypten, außer an der Küste, selten regnet. Das Land wird vom Nil bewässert, der einmal im Jahr ansteigt, die Ufer an vielen Stellen überflutet und eine reichhaltige Ablagerung auf dem Erdboden hinterlässt, wenn er wieder sinkt. Kanäle befördern das Wasser zu abgelegeneren Stellen. Das Land wird „mit dem Fuß" bewässert, was wohl heißt, dass der Boden abgetragen wird, damit man das Wasser fließen lassen kann (vgl. 5. Mo 11,10 mit Fußnote).

Die Region vom Nildelta bis zur Hautstadt Kairo (30° 3' N) bildet Unterägypten, während sich Oberägypten von Luxor bis Assuan (24° 4' N) 1 erstreckt. Die Kronen der Pharaonen waren in beiden Gebieten unterschiedlich, aber diese wurden zu einer Krone zusammengefasst, wenn ein König über das ganze Land regierte. Da es viele Änderungen durch die verschiedenen Dynastien gab, mögen die Grenzen des Landes nicht immer dieselben geblieben sein. Kusch, oder Äthiopien, erstreckt sich viel weiter südlich, wird aber in der Schrift oft zusammen mit Ägypten erwähnt (Ps 68,32; Jes 11,11; 20,4; 43,3; 45,14; Nah 3,9). Es gab offenbar äthiopische Könige, die über Ägypten regiert haben und in dem Verzeichnis der ägyptischen Könige mit eingeschlossen werden.

Geschichte

Die Geschichte des alten Ägypten wird gewöhnlich in drei Teile unterteilt.

  1. Das Alte Reich: Von seiner Gründung bis zum Einfall der so genannten Hyksos oder Hirtenkönige. Es umfasst die ersten elf Dynastien. Die Könige einiger Dynastien regierten in Memphis, die Könige anderer Dynastien in Theben, sodass heute nicht sichergestellt werden kann, ob einige der Dynastien gleichzeitig existierten oder nicht. Den ersten vier Dynastien wird der Bau der großen Pyramide, der zweiten und dritten Pyramide und der großen Sphinx zugeschrieben.
  2. Das Mittlere Reich begann mit der zwölften Dynastie. Einige Hyksos hatten sich schon während der Herrschaft der sechsten Dynastie in Unterägypten angesiedelt. Zur Zeit der vierzehnten Dynastie weiteten sie ihre Macht aus, und regierten in der 15., 16. und 17. Dynastie an oberster Stelle. Sie waren Semiten aus Asien und ließen sich im Norden Ägyptens, in Zoan oder Tanis und in Avaris nieder, während die ägyptischen Könige im Süden regierten. Man nimmt an, dass sie etwa 500 Jahre lang über den Norden herrschten, aber einige glauben, dass ihr Einfluss sich auf eine viel kürzere Zeit beschränkte.
  3. Das Neue Reich wurde durch die Vertreibung der Hyksos in der achtzehnten Dynastie eingeleitet, als Ägypten seine vorige Macht wiedererlangte, wie es im Alten Testament beschrieben wird.

Die erste Erwähnung Ägyptens in der Schrift finden wir in der Geschichte Abrahams, welcher hinabzog, um sich wegen der Hungersnot dort aufzuhalten. Es war eine Hinwendung zur Welt um Hilfe, wobei sich der Patriarch in ein Verhalten verwickelte, für das er von dem Pharao, dem Fürst der Welt, getadelt wurde (1. Mo 12,10-20). Dies muss sich etwa zur Zeit der zwölften Dynastie zugetragen haben. Um 1728 v.Chr. wurde Joseph nach Ägypten verschleppt und an Potiphar verkauft. Es folgte seine Erhöhung, die Hungersnot begann, und schließlich kam Jakob mit seiner ganzen Familie nach Ägypten. Siehe Joseph. Danach stand ein König auf, der Joseph nicht kannte, was zweifellos auf den Beginn einer neuen Dynastie schließen lässt. Die Kinder Israel wurden zur Sklavenarbeit gezwungen. Mose wurde von Gott gesandt, um Israel zu retten und es folgten die zehn Plagen. Nach dem Tod der Erstgeburt der Ägypter verließ Israel Ägypten. Siehe Israel in Ägypten und Auszug aus Ägypten.

Hier ergeben sich sehr interessante Fragen: Welcher König von Ägypten war es, der Joseph beförderte? Welcher König war es, der Joseph nicht kannte? Und welcher König regierte zur Zeit der Plagen und des Auszuges? Man kommt im Allgemeinen zu dem Ergebnis, dass der Pharao, der Joseph beförderte, einer der Hyksos war, und zwar wahrscheinlich Apepa oder Apepi II,, der letzte dieser Könige. Die Hyksos waren von semitischer Abstammung und Fremden gegenüber besser gesonnen als die einheimischen Ägypter. Den Ägyptern waren Hirten ein Gräuel, wie die Schrift sagt, was für die Hyksos wohl nicht zutraf. Letzteres stimmt auch mit der Bedeutung von „Hyksos", nämlich „Hirten", und mit der Bezeichnung „Hirtenkönige" überein. Dies mag erklären, warum die Israeliten unter der Führung Gottes ein Besitztum „im besten Teil des Landes" erhielten (1. Mo 47,11).

Es wird angenommen, dass der Pharao während der Unterdrückung Ramses II. aus der 19. Dynastie und der Pharao zur Zeit des Auszuges Menephtha, sein Sohn, war. Letzterer hatte einen Sohn, Seti II., der während der letzten Plage über Ägypten getötet worden sein muss, wenn sein Vater der Pharao zur Zeit des Auszuges gewesen ist. Die Inschriften enthalten Berichte von dem Tod des Sohnes, und die Mumie seines Vaters wurde nicht gefunden, aber es wird von ihm gesagt, dass er nach dem Tod seines Sohnes gelebt und geherrscht habe. Dies würde nicht mit seinem Umkommen im Roten Meer übereinstimmen. Die Schrift bestätigt nicht ausdrücklich, dass er unter dem Gericht gefallen sei, sagt aber, dass Gott „den Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stürzte". (Ps 136,15). Gott befahl Mose auch, zu dem Pharao zu sagen: „Du wärest vertilgt worden von der Erde; aber eben deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Kraft zu zeigen" (2. Mo 9,15.16). Menephtha wurde als schwach und unentschlossen beschrieben, ihm fehlte es an körperlichem Mut. Daraus entnimmt man, dass er es nie gewagt hätte, in das Rote Meer zu ziehen. Die Inschriften stellen ihn als jemanden dar, „dessen Sinn beinahe ausschließlich auf Zauberei und Magie gerichtet war". Daher ist es kein Wunder, dass er nur so zögernd die Macht des Herrn erkannte. Da die Schrift die Namen der Pharaonen in den fünf Büchern Mose nicht nennt, gibt es keine eindeutige Verbindung zwischen den hier erwähnten und irgendwelchen bestimmten Herrschern, wie sie in den Inschriften gefunden werden. Einige Ägyptologen halten andere Könige für wahrscheinlicher als die oben erwähnten, indem sie die Zeit Josephs vor der Zeit der Hyksos ansetzten, während andere sie nach deren Vertreibung ansiedeln.

Nach dem Auszug Israels schweigt die Schrift für etwa 500 Jahre über Ägypten, bis zu den Tagen Salomos. Das Archiv der Amarnatafeln enthüllt, dass Kanaan Ägypten unterworfen war, bevor die Israeliten das Land betraten. Pinetem II. aus der 21. Dynastie wird als der Pharao gesehen, der mit Salomo verbündet war.

Der erste Pharao, der mit Namen erwähnt wird, ist Sisak, bei dem es sich um Scheschonk I., den ersten König der 22. Dynastie, handelt, der seine Residenz in Bubastis hatte. Er bot Jerobeam Zuflucht, als dieser vor Salomo floh, und nach Salomos Tod fiel er mit 1.200 Wagen, 60.000 Reitern und Kriegsvolk ohne Zahl in Judäa ein. Er nahm die befestigten Städte ein und plünderte Jerusalem und den Tempel. „Alles nahm er weg; und er nahm die goldenen Schilde weg, die Salomo gemacht hatte" (1. Kön 11,40; 14,25.26; 2. Chr 12,2-9). Es ist demütigend, wenn wir unter den Berichten über die Triumphe Sisaks im Tempel von Karnak das Bild einer Gestalt mit gebundenen Armen finden, welche Juda als Gefangenen verkörpert. Die Inschrift spricht von Juda Melchi, dem Königreich Juda.

Die nächste Person, die erwähnt wird, ist Serach, der Äthiopier, der mit einem Heer von 1.000.000 Soldaten und 300 Wagen gegen Asa den König von Juda auszog. Asa rief in gottesfürchtiger Weise zu dem Herrn um Hilfe und erklärte, dass er sich auf ihn stützte. Gott antwortete auf seinen Glauben, die ägyptischen Heere wurden überwältigt, und Juda trug „sehr viel Beute" davon (2. Chr 14,9-13). Es soll bemerkt werden, dass die Schrift nicht sagt, Serach sei ein Pharao gewesen. Es wird vermutet, dass er der General des Osorkon II., des vierten Königs der 22. Dynastie, war.

Die 25. Dynastie war eine fremde Dynastie von Äthiopiern, die in Nubien herrschten. Ihr erster König, genannt Schabaka oder Sabako, war der So in der Schrift. Hosea, der König von Israel, versuchte ein Bündnis mit diesem König einzugehen, um aus der Tributpflichtigkeit gegenüber Assyrien befreit zu werden. Er machte Ägypten Geschenke, aber das Bündnis kam nicht zustande. Vielmehr führte dies zur Eroberung Samarias und zur Gefangenschaft der zehn Stämme (2. Kön 17,4).

Ein weiterer König dieser Dynastie war Tirhaka oder Taharka (der Tehrak in den Inschriften), welcher im vierzehnten Jahr der Regierung Hiskias in einen Konflikt mit Assyrien geriet. Sanherib war dabei, Libna anzugreifen, als er hörte, dass der König Äthiopiens hinaufzog, um gegen ihn zu kämpfen. Sanherib sandte einen zweiten Drohbrief an Hiskia, aber Gott zerstörte sein Heer bei Nacht auf wunderbare Weise. Tirhaka wurde nachher von Sanherib und ein zweites Mal bei der Eroberung Ägyptens von Esar-Haddon besiegt (2. Kön 19,9; Jes 37,9).

Unter Psammetich I von Sais (26. Dynastie) erholte sich Ägypten von diesen Niederlagen, und in den Tagen Josias zog Pharao Neko aus, um den König von Assyrien anzugreifen, und um die vor langer Zeit verlorene Herrschaft Ägyptens über Syrien wiederzuerlangen. Josia stellte sich Neko entgegen, wurde aber in Megiddo getötet. Neko riss alles mit sich fort und rückte weiter vor bis Karchemis am Euphrat. Bei seiner Rückkehr nach Jerusalem setzte er Joahas ab und brachte ihn nach Ägypten (wo er starb). Er setzte Joahas’ Bruder Eliakim an seiner Stelle ein und nannte ihn Jojakim. Er legte dem Land einen Tribut von hundert Talenten Silber und einem Talent Gold auf (2. Kön 23,29-34; 2. Chr 35,20-24; Jer 26,20-23). Dass Neko in der Lage war, den König von Assyrien an einem so entfernten Ort wie Karchemis anzugreifen, zeigt die Stärke Ägyptens zu dieser Zeit. Aber die Macht Babylons nahm zu, und nach drei Jahren besiegte Nebukadnezar das Heer Nekos bei Karchemis. Er eroberte jeden Ort vom Fluss Ägyptens bis zum Euphrat zurück, und „der König von Ägypten zog fortan nicht mehr aus seinem Land" (2. Kön 24,7; Jer 46,2-12). Der Neko in der Schrift wird in Inschriften „Nekau" genannt, ein König der 26. Dynastie.

Die griechischen Schreiber und die ägyptischen Inschriften erwähnen Psamatik II als den nächsten König nach Neko; ihm folgte dann Apries (Uahabra in den Inschriften, der Buchstabe U wird nur gehaucht), der Hophra in der Schrift. Zedekia wurde von Nebukadnezar zum Befehlshaber über Jerusalem eingesetzt, aber er lehnte sich auf und machte ein Bündnis mit Hophra (Hes 17,15-17). Als die Chaldäer Jerusalem belagerten, kam Hophra, treu seinem Wort, nach Palästina. Nebukadnezar zog von Jerusalem ab, griff ihn an und besiegte ihn, worauf er die Belagerung Jerusalems wiederherstellte. Er nahm die Stadt ein und verbrannte sie mit Feuer (Jer 37,5-11).

Hophra war sehr hochmütig, und es wird berichtet, dass er sagte, dass selbst Gott ihn nicht stürzen könnte. Solch eine Anmaßung konnte nicht ungestraft bleiben. Hesekiel war in Babylon, und in seinen Weissagungen sagt er die Demütigung Ägyptens und seines Königs, des großen Seeungeheuers, „das in seinen Strömen liegt" vorher. Ägypten sollte vierzig Jahre lang zur Einöde gemacht werden, von Migdol bis nach Syene, sogar bis an die Grenze nach Äthiopien (vom Norden bis zum Süden) (Hes 29,1-16). Abdallatif, ein arabischer Schreiber, sagt, dass Nebukadnezar Ägypten verwüstete und das ganze Land zerstörte, weil den Juden, die vor ihm geflohen waren, dort Asyl gewährt wurde, und dass es vierzig Jahre lang in dieser Verwüstung blieb. Weitere Prophezeiungen gegen Ägypten folgten. In Hesekiel 30 - 32 und in Jeremia 44,30 wird Hophra erwähnt. Gott überlieferte ihn in die Hände derer, die „nach seinem Leben trachten" und zu seinen eigenen Leuten gehörten.

Nachdem Nebukadnezar Jerusalem zerstört hatte, ließ er einige Juden unter Gedalja, dem Statthalter, im Land. Als aber Gedalja getötet wurde, flohen sie nach Tachpanches in Ägypten und nahmen Jeremia mit sich (Jer 43,5-7). Dort sprach dieser Prophezeiungen gegen Ägypten aus (Jer 43 - 44). Diese Folge von Prophezeiungen liefert ein ungefähres Datum für die Verwüstung Ägyptens durch Nebukadnezar. Die Einnahme von Tyrus brachte ihm keinen Lohn (die Tyrer hatten ihre Schätze in Schiffen weggeschafft), daher sollte er Ägypten als Belohnung bekommen. Tyrus wurde im Jahr 572 v. Chr. eingenommen und Nebukadnezar starb 562 v. Chr., nach einer Zeitspanne von zehn Jahren (Hes 29,17-20).

Nach Nebukadnezar wurde Ägypten Kores tributpflichtig. Kambyses war Ägyptens erster persischer König, aus der 27. Dynastie. Im Zuge des Untergangs des Persischen Reiches erlangte Alexander der Große die Herrschaft über Ägypten und gründete Alexandria. Nach dem Tod Alexanders regierten die Ptolemäer für etwa 300 Jahre über Ägypten. Einige der Taten der Ptolemäer wurden in Daniel 11 vorhergesagt. Siehe Antiochus. Im Jahr 30 v. Chr. marschierte Octavius Cäsar in Ägypten ein, und es wurde eine römische Provinz. Im Jahr 639 n. Chr. entrissen die Sarazenen Ägypten dem Oströmischen Reich, und es blieb bis 1904 unter der Oberhoheit der Türken. Somit war es ein großes Königreich in der Einöde (Joel 4,19).

Wir haben gesehen, dass Ägypten einst in der Lage war, eine Million Soldaten nach Palästina zu bringen und zu einer anderen Zeit Assyrien anzugreifen. Die Geschichtsschreibung schildert weiterhin den Einfluss der Ägypter über die Phönizier, und dass sie mehrere harte Kriege gegen die Hethiter geführt haben, mit denen sie schließlich ein Abkommen schlossen, welches in voller Länge in den Inschriften zu finden ist.

Es wurde auf einige Prophezeiungen Bezug genommen, und obwohl diese auf Ereignisse zutreffen, die schon weit zurückliegen, mögen sie auch eine zukünftige Erfüllung haben. Zum Beispiel wird gesagt: „Der HERR wird sich den Ägyptern kundgeben, und die Ägypter werden den HERRN erkennen an jenem Tag; und sie werden dienen mit Schlachtopfern und Speisopfern und werden dem HERRN Gelübde tun und bezahlen. [...] An jenem Tag wird Israel das Dritte sein mit Ägypten und mit Assyrien, ein Segen inmitten der Erde; denn der HERR der Heerscharen segnet es und spricht: Gesegnet sei mein Volk Ägypten, und Assyrien, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbteil!" (Jes 19,21-25; vgl. Zeph 3,9.10). Sicherlich treffen diese Aussagen auf eine Zeit zu, in der Gott Ägypten Segen bringen wird. Dies mag man nicht erwartet haben, wenn man berücksichtigt, dass Ägypten ein Bild der Welt ist - des Platzes, an dem die Natur ihren Lüsten nachgibt, und den die Christen verlassen haben. Aber im Tausendjährigen Reich wird Segen auf die Erde herabströmen, und dann werden nur die Nationen gesegnet werden, die den HERRN und seinen König, der über die ganze Erde herrschen wird, anerkennen werden. Über diese Zeit wird gesagt: „Die Großen aus Ägypten werden kommen; Äthiopien wird eilends seine Hände ausstrecken zu Gott" (Ps 68,32).

Auch muss bedacht werden, dass Ägypten der Aufenthaltsort von Gottes auserwähltem Volk Israel war. Es war ein König von Ägypten, der die Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische veranlasste. So entstand die Septuaginta, die vom Herrn selbst zitiert wurde, als er auf der Erde war. Joseph floh mit dem kleinen Kind und seiner Mutter nach Ägypten, um dem Zorn Herodes zu entkommen. Ägypten war ein geknickter Rohrstab, auf den Israel sich stützte (Jes 36,6). Die Ägypter unterdrückten Israel und griffen sogar Jerusalem an und plünderten es. Aber die Nation wurde bestraft und verblieb lange Zeit im Elend. In der Zukunft wird Ägypten noch einmal als Königreich des Südens auftreten und gerichtet werden (vgl. Dan 11,40.42.43). Danach wird Gott es heilen und in den Segen einführen. In seiner Gnade sagt er: „Gesegnet sei mein Volk Ägypten" (Jes 19,25).

Vergleichsweise spät wurde eine Anzahl von Tontafeln in Oberägypten entdeckt - das Archiv der Amarnatafeln. Bei vielen von diesen handelt es sich um Sendungen von Personen in Autorität in Palästina an die Könige von Ägypten. Sie zeigen, dass Ägypten mehr oder weniger Einfluss auf Teile des Landes hatte. Die Inschriften sind in Keilschrift geschrieben, aber in aramäischer Sprache, welche dem Assyrischen ähnelt. Die Schreiber waren Phönizier, Philister und Amoriter, aber keine Hethiter, obwohl diese auf den Tafeln erwähnt werden. Einige dieser Sendungen wurden auf die Zeit nach 1480 v.Chr. datiert; sie waren an die zwei Pharaonen gerichtet, die als Amenophis III. und IV. bekannt sind (18. Dynastie). Sie zeigen, dass Ägypten seine Truppen aus Palästina zurückgezogen hatte und offenbar im Begriff stand, all seine Macht über das Land zu verlieren. Der nördliche Teil Palästinas wurde in dieser Zeit gerade von den Hethitern eingenommen. Die Befehlshaber erwähnen dies in ihren Sendungen und drängen Ägypten, Truppen zu senden, um die Invasion aufzuhalten. Einige der Tafeln stammen aus dem südlichen Palästina und zeugen ebenfalls von Problemen in dieser Region. Es taucht der Name Abiri auf, welcher ein Volk beschreibt, das von der Wüste aus einmarschierte. Damit sind wohl die Hebräer gemeint. Es wird berichtet, dass sie die Festung von Jericho einnahmen und „alle Länder des Königs" plünderten. Der Übersetzer (Major Conder) glaubt, die Namen dreier Könige identifiziert zu haben, welche Josua schlug: Adoni-Zedek, den König von Jerusalem; Japhija, den König von Lachis und Jabin, den König von Hazor (Jos 10,3; 11,1). Auch glaubt er, dass die Regierungszeiten der oben genannten Pharaonen mit der allgemeinen Chronologie der Schrift bezogen auf das Buch Josua übereinstimmen. Wenn seine Annahmen stimmen, kann der Auszug der Israeliten nicht zur Zeit der 19. Dynastie stattgefunden haben. Es soll jedoch noch angemerkt werden, dass auf keiner der Tafeln aus dem Süden Palästinas der Name irgendeines Königs erwähnt wird. Sie sind bloß mit einer Anrede wie z.B. „An den König, meinen Herrn" versehen.

Einige der wesentlichen Ereignisse mit deren ungefähren Zeitangaben sind angefügt:

Dynastie Regierungs-
sitz
Regenten und Ereignisse
Das Alte Reich
1.-3.   Es werden 26 Namen von Königen genannt, beginnend mit Menes, aber einige entspringen wahrscheinlich der Sagenwelt.
4. Memphis
Khufu oder Suphis (Cheops) war der Erbauer der ersten großen Pyramide in Giseh. Khafra oder Shafra (Chephren) erbaute die zweite und Menkaura (Menkewre, Mykerinos) die dritte.
5. Elephantine  
6. Memphis Einige ‘Hirtenkönige’ eroberten Unterägypten.
7.-10.   Die Dynastien regierten gleichzeitig: eine Zeit der Verwirrung.
11. Theben Machtanspruch über ganz Ägypten seitens Antef oder Nentef.
Das Mittlere Reich
12. Theben Amenemhet I. oder Ameres eroberte Nubien (Kusch). Amenemhet III. legte den Mörissee und das Labyrinth an, von welchem angenommen wird, dass es ein nationaler Versammlungsort war. Abrahams Aufenthalt in Ägypten war wahrscheinlich zur Zeit dieser Dynastie.
13. Theben Unruhige Zeit.
14. Xois Die Macht der Hyksos dehnte sich aus.
 
15.-16.
  Hyksos-Könige. Apepa II. wird genannt als der König, der Joseph erhöhte. Die Israeliten kamen um 1706 v. Chr. nach Ägypten.
17. Theben Untergebene Könige unter der Herrschaft der Hyksos.
Das Neue Reich
18. Theben Die Hyksos wurden aus Ägypten vertrieben. Thutmosis I. trug seine Waffen nach Asien. Thutmosis III., der große kriegerische König, erbaute den großen Tempel des Amun in Theben. Amenhotep oder Amenophis III. errichtete die so genannten Memnonskolosse in Theben, eine zweifache Darstellung von sich selbst.
19. Theben Seti I. oder Sethos errichtete die große Halle in Karnak. Ramses II. griff die Hethiter im Norden an, schloss aber dann ein Bündnis. Er wird als der König angesehen, der Israel unterdrückte, und Menephtha als der Pharao während des Auszuges (1491 v. Chr.). Sein Sohn (Seti-Menephtha) starb jung (vielleicht während des Passahs). Eine Periode der Anarchie folgte.
20. Theben Elf Könige mit Namen Ramses. Sie wurden träge und verweichlicht, bis sich schließlich die Priester des Thrones bemächtigten.
21. Tanis Priesterkönige. Pinetem II. wird als der Pharao angesehen, der sich mit Salomo verbündete (um 1014 v. Chr.).
22. Bubastis Scheschonk oder Sisak, der Verbündete Jerobeams von Israel, war der Eroberer zur Zeit Rehabeams von Juda (971 v. Chr.). Osorkon I. und Thekeleth I. hatten Gelingen. Osorkon II. sandte seinen General Serach gegen Asa, den König von Juda, aus (941 v. Chr.).
23. Tanis Zwei Könige regierten zeitgleich zur 22. Dynastie.
24. Sais Zeitgleich zur fünfundzwanzigsten Dynastie.
25. Nubien Äthiopische Könige. Schabaka oder Sabako, der So, der mit Hosea von Samaria verbündet war, wurde von Sargon von Assyrien besiegt (720 v. Chr.). Schabataka wurde von Sanherib besiegt. Taharka oder Tehrak (Tirhaka) wurde von Esar-Haddon bezwungen. Theben wurde durch die Assyrer zerstört (666 v. Chr.). Ägypten wurde eine Provinz Assyriens.
26. Sais Periode mit griechischem Einfluss in Ägypten. Psamatik I. oder Psammetich I. befreite sich aus dem Joch Assyriens und herrschte über ganz Ägypten. Nekau oder Neko tötete Josia in Megiddo (610 v. Chr.) auf seinem Weg zum Angriff gegen die Assyrer in Karchemis. Hophra, oder Apries, der Verbündete Zedekias, wurde von Nebukadnezar besiegt (581 v.Chr.), der anschließend Ägypten bis Elephantine verwüstete. Apries wurde getötet, und Amasis regierte als Untergebener von Babylon (571 v. Chr.). In den folgenden Jahren verbündete sich Amasis mit Krösus von Lydien gegen Kores, den Perser. Psamatik III. wurde von Kambyses besiegt, und Ägypten wurde eine Provinz des Persischen Reiches.
27.   Die Könige von Persien waren Könige über Ägypten (526-487 v. Chr.).
28.-30.   Einheimische Könige regierten, ohne von Persien verdrängt zu werden, bis Artaxerxes III. (Ochus) Ägypten erneut besiegte (350 v. Chr.).
Weitere Entwicklung
    Als das Persische Reich von Alexander dem Großen erobert wurde, wurde Ägypten auch eine Provinz des Griechischen Reiches (332 v. Chr.).
    Nach dem Tod Alexanders wurde Ägypten von den Ptolemäern beherrscht (323 v. Chr.). Siehe Antiochus.
    Ägypten wurde römische Provinz (30 v. Chr.).
    Die Sarazenen entrissen Ägypten dem Oströmischen Reich (639 n. Chr.).
    Ägypten kam unter britische Verwaltung (1904) und wurde britisches Protektorat (1914).
    Mit der Thronbesteigung König Faruks I. wurde Ägypten unabhängig (1936).
    Seit 1954 ist Ägypten eine Präsidialrepublik, die Hauptstadt ist Kairo.

 

Fußnoten


Verweise auf diesen Artikel

Neko


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