Daniel, Das Buch – Bibel-Lexikon

Dieses Buch nimmt unter den Propheten eine besondere Stellung ein. Das Thema ist die „Zeit der Nationen". Es ist kein Appell an die Israeliten, sondern beschäftigt sich mit Prophezeiungen, die die Mächte der Nationen betreffen. Die Zeiten der Herrschaft der Nationen begannen mit Nebukadnezar, als er Jerusalem einnahm. Er wurde König der Könige genannt, dem Gott das Königreich gegeben hatte und ihn zum Herrscher über alle Menschenkinder gemacht hatte. Gottes persönliche Bemühungen mit diesem Herrscher werden beschrieben und die Königreiche, die folgen würden, werden offenbart.

Das Buch besteht aus zwei Teilen: die ersten sechs Kapitel geben Daniels Umgang mit den großen Monarchen wieder; die letzten sechs Kapitel beschreiben die Gesichte und Offenbarungen, die Daniel gezeigt wurden. Die persönliche Geschichte des Propheten findet man unter Daniel. Der prophetische Aspekt des ersten Teiles beginnt mit Nebukadnezars Traum.

Kapitel 2

Mit dem großen Bild werden die 4 Reiche der Nationen beschrieben, die aufeinander folgen sollten. Weitere Einzelheiten wurden Daniel anschließend gezeigt. Es wird deutlich klargestellt, dass diese Reiche an Wert abnehmen würden. Das erste wird verglichen mit Gold, das zweite mit Silber, das dritte mit Kupfer und das vierte mit Eisen und Lehm, welche sich nicht miteinander vermischen. Es ist bemerkenswert, dass nichtsdestotrotz dieser Ankündigung in der heutigen Zeit große Anstrengungen unternommen werden, um das Eisen und Lehm miteinander zu verbinden. Andere sind bestrebt, das Lehm (die Volksmenge) zur herrschenden Macht zu machen. Das vierte Reich wird wiederauferstehen, denn der Herr errichtete bei seiner ersten Ankunft sein Königreich nicht; er wurde verworfen. Aber während des zukünftigen Erneuerung des römischen Reiches wird Gott ein Königreich aufrichten, welches alle anderen unterwerfen wird. Der „Stein" ist Christus, der alles, was widersteht, zerbrechen und in Hoheit regieren wird. Diese Prophetie zeigt den moralischen Niedergang der Macht der Nationen, bis sie ersetzt wird durch das Reich Gottes.

Kapitel 3

Hier finden wir die Einheit der Religion, die durch den König und nicht durch Gott errichtet wird, das Prinzip von Kirche und Staat. Nebukadnezar befahl allen das Bild anzubeten, welches er errichtet hatte, aber drei treue Männer weigerten sich zu gehorchen und sie wurden in den feurigen Ofen geworfen. Der König musste lernen, dass der Gott der Juden der allmächtige Gott war und dass er Macht hatte, um ihm und aller seiner Gewalt zu trotzen. Der König erkannte Gottes Macht an und sandte zu diesem Zweck eine Proklamation durch sein Königreich. Trotzdem zeigt die weitere Geschichte, dass er sich nicht gedemütigt hatte. In den letzten Tagen werden die treuen Juden in dem Ofen der großen Drangsal sein, weil sie sich der neuen Religion des Reiches nicht fügen wollen. Sie werden erlöst werden und Gott wird verherrlicht werden durch die Nationen (vgl. Off 13). Wir sehen also, dass das erste Merkmal der Weltherrschaft der Nationen Götzendienst ist.

Kapitel 4

Der Traum und seine Erklärung zeigen, dass Nebukadnezar selbst der große Baum war, der niedergehauen werden würde. Der Prophet ermahnte ihn, seine Sünden zu bekennen und von seinen bösen Wegen umzukehren, damit das Gericht vielleicht hinausgezögert werden könnte. Aber sein Stolz wurde nicht gedämpft, denn am Ende des Jahres rühmte er die große Stadt, welche er gebaut hatte durch die Größe seiner Macht und die Ehre seiner Majestät, aber er verlor kein Wort über Gott. Er wurde sieben Jahre von den Menschen ausgestoßen und wohnte bei den Tieren. Es ist eine ernste Sache, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Aber Gott hatte Mitleid mit dem König, sein Verstand kehrte zurück und das Königreich wurde ihm zurückgegeben. Jetzt konnte er sagen: „Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Werke allesamt Wahrheit und dessen Wege Recht sind, und der die zu erniedrigen vermag, die in Stolz einhergehen" (Dan 4,34). Er hatte Gottes Lektion gelernt und wir hören weiter nichts mehr von ihm. In den letzten Tagen werden die Herrscher der Nationen, nachdem sie ihre Macht wie „Tiere" benutzt haben, Gott als die Quelle aller Autorität anerkennen und sie werden in Verbindung mit Israel am Segen teilhaben. Das zweite Merkmal, welches die Nationen charakterisiert, ist, dass sie sich weigern, Gott zu besitzen, und auf das Niveau eines Tieres herabfallen.

Kapitel 5

Ungefähr 25 Jahre später regierte Belsazar in Babylon. Die Monumente haben gezeigt, dass er der Sohn von Nabonid war und zusammen mit seinem Vater regierte. Nabonid verteidigte das Königreich außerhalb in offener Schlacht, und obwohl er besiegt wurde, wurde er nicht getötet. Sein Sohn wurde im Zentrum des Reiches belagert und wurde in der Nacht getötet, während er ein Fest für die Götter feierte. Dies erklärt, warum Belsazar Daniel verhieß, dass er der dritte Herrscher im Königreich werden sollte. Die entdeckten Monumente haben deshalb in Bezug auf diesen König die angebliche Diskrepanz zwischen der Bibel und den Ansichten der Historiker beseitigt, denn vorher war der Name Belsazars nicht gefunden worden. Daniel erinnerte Belsazar daran, wie Gott mit seinem Vater (oder besser mit seinem Großvater) wegen dessen Stolzes gehandelt hatte. Er fügte hinzu, dass, obwohl der König dies alles wusste, er sich gegen den Gott des Himmels erhoben hatte. Er hatte die Gefäße aus dem Haus Gottes entehrt, indem er und seine Gäste Wein daraus tranken und dabei ihre Götter rühmten. So prophezeite Daniel ihm seinen Untergang. Dies ist ein Bild des Gerichts über die Welt der Nationen beim Kommen des Christus (vgl. Off 18). Das dritte Merkmal der weltlichen Macht ist, dass es ungläubig und gottlos ist.

Kapitel 6

Darius, der Meder, musste die Macht Gottes und seine eigene Schwachheit sowie die Treue Daniels, des Knechtes Gottes kennen lernen. Daniel wurde errettet von den Löwen und der Gott Daniels wurde im ganzen Königreich als der lebendige Gott verkündigt. Im Bilde steht Darius für den letzten Herrscher aus den Nationen, der angebetet werden wird. Daniel stellt die gottesfürchtigen Juden dar, die errettet werden aus dem Rachen der Zerstörung, seine Gegner die zukünftigen ungläubigen Ankläger des Volkes Gottes. Das vierte Merkmal ist Selbsterhöhung.

Kapitel 7

Hier fängt der zweite Teil des Buches an. Es gibt den Charakter der heidnischen Könige vor Gott wieder, wie es schon in Kapitel 6 angedeutet wird, und ihr Verhalten denen gegenüber, die Gott anerkennen. Die vier Reiche, auf die in Kapitel 2 prophetisch hingewiesen wird, werden hier weiter beschrieben im Bild von „großen Tieren". Der Löwe ist chaldäisch, der Bär medo-persisch, der Gepard griechisch (oder mazedonisch) und das vierte Tier, welches keinem lebenden Tier glich und durch zehn Hörner (zehn Könige; Dan 7,24) gekennzeichnet war, römisch. Aus dem letzteren wächst ein kleines Horn, eine Macht, welche die Heiligen 3½ Jahre lang verfolgt. Er wird aber durch den Alten an Tagen gerichtet und die Heiligen des Allerhöchsten, oder besser gesagt der höchsten Örter, werden schließlich das Königtum übernehmen. Diese Macht ist unzweifelhaft der zukünftige römische Fürst im Westen, der sich verbinden wird mit Satan und dem Antichristen, wie es in Offenbarung 13 beschrieben wird.

Kapitel 8

Es wird erneut über das zweite und dritte der vier Reiche geweissagt. Aus dem dritten Reich, dem griechischen, kam, nachdem es in vier Reiche geteilt worden war, ein kleiner Horn hervor, welches sich selbst erhöhte. Danach folgt die Unterbrechung des täglichen Schlachtopfers in Jerusalem, „dem Land der Zierde". In Daniel 8,17.19 wird in diesem Zusammenhang von der „Zeit des Endes" gesprochen. Obwohl das kleine Horn auf Antiochus Epiphanes hinweist, welcher dafür sorgte, dass die Anbetung in Jerusalem aufhörte, wird hier deutlich auf eine spätere und immer noch zukünftige Zeit hingewiesen. Dann wird ein anderer König aus Syrien gegen den „Fürsten der Fürsten" aufstehen und ohne Menschenhand zerschmettert werden (Dan 8,25). Daniel 8,23-25 ist eindeutig zukünftig: „in den letzten Tagen".

Kapitel 9

Daniel studierte die prophetischen Schriften und entnahm dem Buch Jeremia, dass die Verwüstung Jerusalems 70 Jahre dauern würde. Diese waren fast vorbei und Daniel bekannte seine Sünden und die Sünden seines Volkes. Er betete um Vergebung und für das Heiligtum, welches verwüstet da lag. Er bat Gott ihn zu hören und zu handeln und nicht zu zögern, um seiner selbst willen, weil die Stadt und das Volk nach seinem Namen genannt wurden. Während er noch sprach, wurde Gabriel mit einer Botschaft zu ihm gesandt, die nicht nur den Wiederaufbau Jerusalems in den Tagen Esras und Nehemias beinhaltete, sondern auch das Kommen des Messias und die Taten eines Fürsten (Haupt des römischen Reiches) am Ende der 70 Jahrwochen.

Kapitel 10

Daniel trauerte drei volle Wochen lang. Dies geschah im dritten Jahr Kores‘. Im ersten Jahr hatte Kores verkündigt, dass Gott ihm aufgetragen hatte den Tempel wieder aufzubauen (Esra 1,1). Manche waren freudig erregt über die kleine Erweckung in Esra 1 - 3, aber Daniel stand noch immer vor Gott wegen seines Volkes. Das vorherige Kapitel zeigte, dass 70 Jahrwochen vergehen sollten bis zur Segnung, dass der Messias verworfen werden sollte, usw. Daniel ging nicht nach Jerusalem zurück, sondern verharrte in Trauer um Gottes Volk und war bestrebt die Prophezeiungen zu verstehen. Es wurde jemand gesandt, um Daniel zu trösten, und er enthüllte die Tatsache, dass unsichtbare böse Mächte ihn die ganzen drei Wochen aufgehalten hatten. Der Bote sagte: „Ich bin gekommen, um dich verstehen zu lassen, was deinem Volk am Ende der Tage widerfahren wird; denn das Gesicht geht noch auf ferne Tage. (...) Und jetzt werde ich zurückkehren, um mit dem Fürsten von Persien zu kämpfen; aber wenn ich ausziehe, siehe, so wird der Fürst von Griechenland kommen" (Dan 10,14.20). Dies bildet die Einführung zu den Kapiteln 11 und 12. (Die Kapitel 10, 11 und 12 stellen somit ein Ganzes dar.) Gottes Antwort ist eine Offenbarung, die sich von den Tagen Daniels bis zur endgültigen Segnung von Gottes Volk erstreckt. In Kapitel 9 stehen die Stadt und das Heiligtum im Blickpunkt, hier ist es das Volk.

Kapitel 11

In Daniel 11,1-35 findet sich die Geschichte der Kämpfe zwischen dem König des Nordens (Syrien) und dem König des Südens (Ägypten) - beides Teile, die aus dem griechischen Reich hervorgegangen waren. Die Kämpfe spielten sich häufig im Land Palästina ab, welches zwischen ihnen lag. Die Prophezeiungen sind so deutlich, dass manche Kritiker gesagt haben, dass sie nach diesen Ereignissen geschrieben worden sein müssen. Die Übereinstimmung der Geschichte mit den Besonderheiten, die in diesem Kapitel angegeben werden, findet man unter Antiochus. Daniel 11,21-35 weist auf Antiochus Epiphanes hin, ein Bild vom König des Nordens oder Assyrien in den letzten Tagen (vgl. auch Dan 8).

Verse 36-45: Der Geist geht nun, ebenso wie an anderen Stellen, zur Erfüllung des Prophezeiungen am Ende der Tage über und überspringt dabei die gegenwärtige Zeitspanne. Daniel 11,36-39 bildet eine Einschaltung und verweist auf den Antichristen als König. Er wird ein Jude sein und „den Gott seiner Väter" nicht achten. Weder wird er auf den Messias als „die Sehnsucht der Frauen", noch auf irgendeinen Gott achten, sondern er wird sich selbst über alles erheben. Jedoch wird er offenbar den Gott des Krieges (wörtlich „Gott der Festungen") ehren.

Verse 40-45: Dies ist der letzte Kampf zwischen dem König des Nordens und dem König des Südens. Der König des Nordens (an anderen Stellen wird er „der Assyrer" genannt, ein Gegenbild von Epiphanes) hat Erfolg und kommt ins „Land der Zierde" und ist im Allgemeinen siegreich (aber nicht über Edom und Moab und die Kinder Ammon; diese werden später durch die Hand Israels gerichtet; vgl. Jes 11,14). Wie Sanheribs Armee in der Vergangenheit, so wird er durch die Hand Gottes geschlagen.

Kapitel 12

Hier wird die Erlösung und Segnung des jüdischen Überrestes dargestellt. Michael, ihr Sachwalter in den himmlischen Örtern, kommt den Juden zu Hilfe. Es wird eine Zeit von großer Drangsal sein, wie es sie nie zuvor gegeben hat (vgl. Jer 30,7; Mt 24). Viele aus Israel, die im Staub der Erde schlafen, werden auferstehen, manche zur Segnung im Tausendjährigen Reich und andere zum Gericht. Dies ist nicht die Auferstehung aus den Toten, sondern eine nationale Auferstehung aller Israeliten aus den Völkern, wie die Erweckung im Tal der toten Knochen in Hesekiel 37. Nur ein Überrest wird in das Königreich eingehen. Daniel wurde gesagt, dass er das Buch versiegeln sollte bis zur Endzeit (vgl. Off 22,10). Er hörte jemand fragen: „Wie lange wird das Ende dieser wunderbaren Dinge dauern?" Die Antwort ist: „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit" (Dan 12,6.7) - 3½ Jahre, die letzte halbe Woche aus Daniels 70 Jahrwochen. Zwei andere Zeitspannen werden angegeben: 1290 Tage von der Zeit an, da das beständige Opfer abgeschafft wird: diese Periode geht bis 30 Tage nach den 3½ Jahren. Glückselig wird der genannt, welcher ausharrt und 1335 Tage erreicht, was der vollen Segnung entspricht. Daniel wurde befohlen hinzugehen: er würde ruhen und auferstehen zu seinem Los am Ende der Tage.

Vieles aus dieser bemerkenswerten Prophetie steht allein da, obwohl es viele Verbindungen gibt, die genau mit anderen Prophezeiungen zusammenpassen. Eine allgemeine Kenntnis der Prophetie hilft auf wunderbare Weise jeglichen Teil davon zu verstehen - sei es in diesem oder in irgendeinem anderen Buch. Es ist wichtig zu bedenken, dass Daniels Prophetie die „Zeit der Nationen" umfasst; es umfasst die Zeit von der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar bis zur Wiederherstellung der Juden, wenn sie regiert werden durch den Sohn Davids. Von den jetzigen Regierungen oder Staaten Europas mag gesagt werden, dass sie die Vertreter der Herrschaft der Nationen sind, aber als die minderwertige Form des römischen Reiches durch die Vermischung von Eisen und Lehm. Die Kirche und das Evangelium haben keinen Platz in Daniel.

Das Buch ist nicht komplett in Hebräisch geschrieben. Von Kapitel 2,4 bis Kapitel 7, wo es um die Nationen geht, ist es in Syrisch oder Aramäisch (im Allgemeinen Chaldäisch genannt) geschrieben, die Sprache der Nationen.

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