Hebräer, Der Brief an die – Bibel-Lexikon

Der Brief an die Hebräer ist der einzige Brief, der Paulus zugeschrieben wird, obwohl er nicht seinen Namen als Verfasser trägt. In keiner der alten Handschriften wird sein Name erwähnt, weder am Anfang noch am Ende des Briefes. Die meisten der alten Ausleger schreiben den Brief Paulus zu, obwohl es einige gibt, die Zweifel in Bezug auf die Akzeptanz des Briefes haben. 2. Pet 3,15.16 scheint die Autorschaft von Paulus zu unterstützen, daneben gibt es im Brief selbst einige Hinweise darauf, dass Paulus der Autor ist.

Die Frage, wer die Adressaten des Briefes sind, berührt die Inspiration nicht. Darüber gibt es keinerlei berechtigte Zweifel. Möglicherweise wird der Name von Paulus nicht erwähnt, da er von vielen Juden verleumdet wurde und viele von seinen Widersachern verbunden waren mit den Empfängern des Briefes. Somit hätte es viele Vorurteile gegen den Brief geben können. Zweifellos hatten viele der Adressaten die Worte des Herrn Jesus selbst gehört und dieser Brief stellte selbst eine weitere Ansprache Gottes durch Christus und seinen Apostel dar: „Gott hat zu uns geredet im Sohn" - mit diesen Worten stellt Paulus sich selbst mit den Empfängern auf eine Stufe.

Der Brief richtet sich an Juden, an Menschen also, die bereits in einer Beziehung zu Gott standen. Er stellt jedoch klar, dass nur diejenigen, die den Herrn Jesus als Mittler angenommen haben, in Wahrheit in dieser Beziehung stehen und „Genossen der himmlischen Berufung" sind. Der Brief zeigt auf, dass nicht länger mit den Schatten der himmlischen Dinge vorlieb genommen werden muss, da in Christus Jesus die himmlischen Dinge selbst zum Besitz werden können. Von ewigen Dingen wird gesprochen, die an die Stelle der Dinge treten, die zeitlich sind. Der Brief ist nicht direkt an eine örtliche Versammlung gerichtet, sondern er ist eine Abhandlung, welche die himmlischen Herrlichkeiten Christi vorstellt im Gegensatz zu irdischen Hoffnungen.

Die zarte Art und Weise, in der der Apostel mit den Gewissen der Juden, die noch dem Judentum verbunden waren, umgeht, steht in deutlichem Gegensatz zu der klaren und bestimmten Art und Weise, in der er an die Galater schreibt, die sich als solche, die aus den Nationen kamen, niemals unter Gesetz hätten stellen sollen. Diejenigen aus den Hebräern, die an den Herrn Jesus gläubig geworden waren, sollten von den irdischen Dingen gelöst und mit Christus im Himmel verbunden werden; dabei wird zwar die Verbindung zu Christus gezeigt, jedoch führt der Brief weder die Gemeinschaft mit Christus noch die Beziehung des Glaubenden zu Gott als seinem Vater aus. Die Glaubenden werden in der Wüste gesehen, auf dem Weg zur Ruhe Gottes. Dieser Sichtweise entsprechend wird Bezug genommen zu der Stiftshütte, dem Zelt in der Wüste und nicht zu dem Tempel, der mit dem Reich in Verbindung steht. Wie zu erwarten ist, enthält der Brief viele Anführungen aus dem Alten Testament. Diese Anführungen werden allerdings eher zur Vorstellung eines Gegensatzes als eines Vergleiches gebraucht.

Wann und wo der Brief geschrieben wurde, ist uns unbekannt. Der Dienst im Tempel fand noch statt, so dass das Datum der Abfassung vor dem Jahr 70 n. Chr. liegen muss (vgl. Heb 8,4.5; 10,11; 13,10). Möglicherweise wurde der Brief im Jahr 63 oder 64 n. Chr. geschrieben.

Der große Gegenstand des Briefes an die Hebräer ist der Zugang zu Gott. Das Fundament, das den Zugang zu Gott möglich macht, ist die gesegnete Person und das Werk des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus. Er wird als Apostel und Hoherpriester gesehen, der sein Werk fortsetzt in einer Weise, dass dem Glaubenden Freimütigkeit verliehen wird, ins Heiligtum einzutreten. Dies ist möglich auf einem neuen und lebendigen Weg, den Christus eingeweiht hat. Christus ist gestorben und auferstanden und als großer Hoherpriester über das Haus Gottes ins Heiligtum eingegangen. Dieser Eintritt des Glaubenden in das Heiligtum ist der Höhepunkt, zu dem der Brief den glaubenden Hebräer führt. Dieser Höhepunkt ist zugleich der komplette Gegensatz zu einem System, das, obwohl auch von Gott gegeben, den Anbeter in einer gewissen Distanz hält und in dem das Heiligtum für den Menschen unerreichbar ist. Die Briefempfänger sollten lernen, dass das, was Gott in Christus Jesus gebracht hat, unvergleichlich höher und besser ist als alles, was durch Mose eingeführt wurde. Obwohl alles auf dem Glauben beruht und mit gegenwärtigen Leiden und Verfolgungen verbunden ist, waren die Glaubenden doch zu weit besseren Dingen gebracht: Sie hatten bessere Verheißungen, eine bessere Hoffnung und Vorrechte, auf die diejenigen, die der Hütte dienten, kein Anrecht haben. Dabei hängt alles ab von der Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus.

Kapitel 1

In Kapitel 1 redet Gott im Sohn. Der Sohn ist der Apostel, durch den Gott redet. Er ist Gott selbst und der exakte Ausdruck dessen, was Gott ist. Auch dann, wenn er als Mensch, geboren auf dieser Erde, gezeugt in der Zeit, gesehen wird, ist er doch Sohn Gottes. Er ist sowohl ewige Sohn Gottes als auch als Mensch Sohn Gottes, weil er gezeugt ist von Gott dem Heiligen Geist. In dieser Hinsicht hat er einen vorzüglicheren Namen als die Engel ererbt. Er wird von den Engeln angebetet und er wird als Gott angeredet. Als Mensch hat er Genossen, doch er behält den ersten Platz. Er ist der Schöpfer. Er hat sich gesetzt zur Rechten Gottes - ein Platz, auf den kein Engel ein Anrecht hat.

Kapitel 2

Nachdem der inspirierte Schreiber die herrliche Person des Sohnes Gottes als den, in dem Gott geredet hat, vorgestellt hat, werden nun in Kapitel 2 in einer Einschaltung diejenigen gewarnt, die geglaubt haben. Die Warnung bezieht sich auf die Gefahr des Abfalls von einer so gewaltigen Botschaft und es wird vorgestellt, dass es keine Möglichkeit des Entkommens für die gibt, die eine so große Errettung ablehnen. Diese Errettung wurde zuerst durch den Herrn Jesus selbst verkündigt und dann bestätigt durch die, die seine Worte gehört hatten. Diesen gab Gott Zeugnis durch Erweisung seiner Macht in Zeichen und Wundern. Danach wird das eigentlich Thema, die Person des Sohnes, wieder aufgegriffen.

Einerseits ist Gott offenbart worden im Sohn, der Mensch wurde. Andererseits ist es dieselbe gesegnete Person, die den Menschen zu Gott bringt. Das entspricht der Antwort auf die Frage, die aus Psalm 8,4 zitiert wird: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?" usw. Der Herr Jesus ist der wahre Sohn des Menschen, der zwar ein wenig unter die Engel erniedrigt wurde wegen des Leidens des Todes, jetzt aber mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist. Durch seinen Tod wird alles in Übereinstimmung mit den Gedanken und dem Willen Gottes gebracht.

In dem Ratschluss Gottes bezüglich der Herrlichkeit ist der Herr Jesus ist nicht alleine. Er ist Anführer vieler Söhne, die für diese Segensfülle bestimmt sind und als der Anführer hat er bereits durch Leiden hindurch das Ziel erreicht. Dann wird etwas mitgeteilt, das von größtem Interesse ist. Es ist die Tatsache, dass diejenigen, die geheiligt werden (solche, die an ihn glauben), und der, welcher heiligt, alle von einem sind. Die Glaubenden sind seine Brüder und bilden eine Gemeinschaft, die mit ihm einsgemacht ist: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat." Er hat teilgenommen an Fleisch und Blut und ist gestorben, damit dies alles ausgeführt werden konnte, nachdem er durch seinen Tod den Teufel besiegt und die Macht des Todes für die Seinen gebrochen hat und uns dadurch befreit hat. Er hat sich nicht der Engel angenommen, sondern des Samens Abrahams. Er machte sich in allem den Brüdern gleich, damit er ein gnädiger und barmherziger Hoherpriester sein könnte in den Dingen mit Gott und damit er Sühnung tun könnte für Sünden des Volkes. Als solcher ist er in der Lage, denen zu helfen, die versucht werden, da er selbst gelitten hat, als er versucht wurde.

Kapitel 3 und 4

In Kapitel 1 und 2 haben wir festgestellt, dass Gott zu den Menschen spricht und dass der Mensch zu Gott gebracht wird, und zwar beides in der gleichen gesegneten Person. Dementsprechend werden die Hebräer als Genossen der himmlischen Berufung in Kaptitel 3 und 4 eingeladen, den Apostel und Hohenpriester ihres Bekenntnisses, Jesus, zu betrachten. Christus ist treu gewesen und wird verglichen mit Mose, der tatsächlich ein treuer Diener im Haus Gottes war. Aber Christus ist derjenige, der das Haus baut und er ist Sohn über sein Haus. „Dessen Haus wir sind, wenn wir nämlich die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten." Dieses „wenn" leitet einen Vergleich mit der vierzig Jahre dauernden Wüstenwanderung ein. Das Argument dabei ist, dass die Hebräer zu der Zeit der Wüstenwanderung nicht in der Lage waren, in die Ruhe Gottes einzugehen, da sie dem Wort nicht gehorchten und nicht glaubten. Das ist eine Warnung für die gegenwärtige Zeit. Die Ruhe Gottes ist das, was er für die Seinen vorgesehen hat. Dass niemand als Zurückbleibender erscheine! Die Ruhe, der wir entgegen gehen, ist nicht die Ruhe des siebten Schöpfungstages und auch nicht die Ruhe Kanaans, sondern eine noch zukünftige Ruhe, in welche die eingehen, die geglaubt haben. Lasst uns Fleiß anwenden, in diese Ruhe einzugehen, indem wir auf das Wort hören, das schärfer ist als jedes zweischneidige Schwert und selbst die Motivation unser Herzen aufdeckt.

Um auf den Ausdruck „wenn" zurück zu kommen, nimmt der Schreiber nochmals den Faden von Kapitel 3,6 auf. „Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten." Er ist ein Hoherpriester, der Mitleid zu haben vermag mit allen Schwachheiten des Glaubenden, da er in gleicher Weise versucht worden ist wie die Glaubenden, mit Ausnahme des Prinzips Sünde. Sie sollen dem Thron der Gnade nahen mit Freimütigkeit, um Barmherzigkeit zu empfangen und Gnade zu finden zu rechtzeitiger Hilfe. Diesem Aspekt des Priestertums Christi entsprechend wirkt er, um sie zu befreien von dem, was sie von dem Weg abbringen könnte.

Kapitel 5 bis 8

In den Kapitel 5 bis 8 wird das Thema des Hohenpriestertums Christi weiter fortgesetzt, wobei in den Kapiteln eine weitere Einschaltung gemacht wird, die auf den Zustand der Gläubigen aus den Hebräern eingeht und ihnen eine weitere Warnung ist. Hohepriester aus den Menschen, wie Aaron, hatten durchaus ihre berechtigten Aufgaben und wurden von Gott eingesetzt in ihre Würdenstellung. So ist auch Christus, von Gott als Sohn angeredet, von ihm als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks eingesetzt worden. Dann werden sein völliges Vertrauen und sein Gehorsam in den Tagen seines Fleisches bezeugt. Er ist vollendet worden auf dem Weg, der ihn durch den Tod führte, und für alle, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden. Von ihm gäbe es viel zu sagen, aber der Zustand der Hebräer erforderte zunächst ernste Ermahnungen. Sie machten keinen Fortschritt in ihrem geistlichen Wachstum und waren stattdessen wieder wie Säuglinge geworden.

Kapitel 6

Sie werden aufgefordert, das Wort vom Anfang des Christus hinter sich zu lassen und voranzugehen zu vollem Wachstum. Die Hoffnungslosigkeit derer, die abfallen, wird in allem Ernst vorgestellt. In Bezug auf die Briefempfänger ist der Schreiber jedoch von besseren Dingen überzeugt und er spornt sie an, denen zu folgen, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erlangt haben. Diese Verheißungen waren alle auf der Grundlage der Gnade gegeben und den Erben der Verheißungen durch das Wort und den Eidschwur Gottes bestätigt. Somit hatten sie eine starke Ermunterung. Die vor ihnen liegende Hoffnung war wie ein Anker der Seele, der durch den Vorhang hineingeht in die Gegenwart Gottes, dorthin, wo Christus als Vorläufer eingegangen ist. Er ist Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

Kapitel 7

In Kapitel 7 erfahren wir manche Einzelheiten über Melchisedek. Sein Name bedeutet übersetzt König der Gerechtigkeit und König des Friedens. Es wird gezeigt, dass nichts über seinen Vater, seine Mutter und sein Geschlechtsregister gesagt wird. Ebenso finden wir in dem biblischen Bericht nichts von seiner Geburt oder von seinem Tod. Er wird dem Sohn Gottes verglichen und bleibt für immer Priester. Dann wird die Größe seiner Person gezeigt, was durch das Verhalten Abrahams ihm gegenüber bestätigt ist. Auch ist Melchisedek größer als Levi. Weiter wird gezeigt, dass wenn die Vollkommenheit in Levi gekommen wäre, nicht von einem Priestertum anderer Ordnung gesprochen werden müsste.

Melchisedek bildet tatsächlich das Priestertum Christi vor, das in der Kraft eines unauflöslichen Lebens gestiftet ist. Das aaronitische Priestertum musste beiseite gesetzt werden, da es mit dem Gesetz verbunden war, durch das nichts vollkommen gemacht werden kann. So wurde eine bessere Hoffnung eingeführt, durch die wir Gott nahen. Die Überlegenheit des Priestertums Christi wird weiter gezeigt, indem vorgestellt wird, dass es durch einen Eidschwur eingeführt wurde. So wird seine Unauflöslichkeit bestätigt. Daher ist der Herr Jesus auch völlig in der Lage, die zu bewahren, die durch ihn Gott nahen, denn er lebt allezeit, um sich für sie zu verwenden. Der Hohepriester des Christen ist der Sohn, heilig, unschuldig, unbefleckt und als Mensch höher als die Himmel geworden. Er musste nicht, wie andere Priester, für seine eigenen Sünden opfern; er hat sich selbst ein für allemal für die Sünden des Volkes geopfert.

Kapitel 8

In Kapitel 8 wird eine Zusammenfassung gegeben. Noch einmal wird die Herrlichkeit unseres Hohenpriesters vorgestellt sowie der Platz, an den er sich gesetzt hat und der Dienst, den er ausführt. Alles steht im Gegensatz zu dem, was die Juden in einer alten Ordnung besaßen. Der Dienst ist vortrefflicher; der Bund, von dem er Mittler ist, ist ein besserer Bund, der geschlossen ist aufgrund besserer Verheißungen. Schon die Propheten hatten von einem neuen Bund gesprochen, der von dem ersten Bund verschieden ist, weil er auf dem Grundsatz souveräner Gnade besteht. Der alte Bund ist veraltet und dem Verschwinden nahe.

Wenn Christus ein solcher Hoherprieser ist, dann muss er auch ein „Opfer" haben. In den folgenden Kapiteln wird der Wert seines Opfers vorgestellt. Dieses Opfer brachte er, indem er sich selbst opferte.

Kapitel 9 bis 10,18

In den Kapiteln 9 bis 10,18 wird der Unterschied zwischen den beiden Bündnissen weiter ausgeführt. Bestimmte Einzelheiten der Stiftshütte werden gezeigt, wobei besonderes Augenmerk dem Heiligtum und dem Allerheiligsten gilt. In das Heiligtum durften die Priester jederzeit eingehen, aber in das Allerheiligste ausschließlich der Hohepriester einmal im Jahr. Der Weg in das Allerheiligste war noch nicht offenbart, so lange die erste Hütte Bestand hatte, in der Gaben und Opfer dargebracht wurden, durch die das Gewissen derer, die sie darbrachten, nicht vollkommen gemacht werden konnten. Christus dagegen, gekommen in Verbindung mit einem himmlischen Heiligtum, ist einmal eingegangen in das Heiligtum in der Kraft seines eigenes Blutes, als er eine ewige Erlösung erfunden hat. Das Blut Christi, der sich durch den ewigen Geist ohne Flecken Gott geopfert hat, ist im Gegensatz zu dem Blut oder der Asche von damals absolut wirksam. Die Berufenen haben die Verheißung des ewigen Erbes empfangen. Alles ist eingeführt auf der Grundlage des Todes. Die Hütte war lediglich ein Schatten der Dinge in den Himmeln. Diese Dinge in den Himmeln mussten durch bessere Schlachtopfer gereinigt werden. Christus selbst ist in den Himmel eingegangen, um in der Gegenwart Gottes für uns zu erscheinen. Sein Werk muss nie wiederholt werden, wie die jährlichen Opfer des Hohenpriesters. Er ist einmal erschienen in der Fülle der Zeiten, um die Sünden dadurch hinwegzunehmen, dass er sich selbst geopfert hat. Und so, wie es das Los des Menschen ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so hat der Christus die Sünden vieler getragen. Er hat das Gericht getragen, das sie verdient hatten und er wird denen erscheinen, die ihn erwarten zur Seligkeit, denn er hat die Macht des Todes gebrochen.

Von dem großen Werk Christi und von den guten Dingen, die durch dieses Werk gebracht sind, konnte das Gesetz nur Schatten zeigen, nicht die Wirklichkeit selbst. Durch die jährlichen Opfer konnten diejenigen, die sie darbrachten, nicht vollkommen gemacht werden. Sonst hätten sie nicht mehr geopfert werden müssen, da die Anbeter kein Gewissen mehr von der Sünde gehabt hätten. Es war vielmehr so, dass die Sünden jedes Jahr wieder in Erinnerung gebracht wurden und nicht für immer weggetan wurden. Aber da war einer, der in die Welt kommend davon sprechen konnte, einen für ihn bereiteten Leib zu haben, um in diesem den Willen Gottes ausführen zu können. Schlachtopfer und Speisopfer und Opfer für die Sünde wurden weggetan, damit der Wille Gottes durch seinen eigenen Sohn in dem für ihn bereiteten Leib ausgeführt werden könnte. Durch diesen Willen werden Glaubende in Christus geheiligt durch sein Opfer. Im Gegensatz zu den Priestern, die immer stehen bleiben mussten und immer wieder die gleichen Opfer brachten, die nicht in der Lage waren, Sünden hinwegzunehmen, hat Christus sich, nachdem er ein Opfer für Sünden dargebracht hat, für immer zur Rechten Gottes gesetzt. Seine Verwerfung von der Erde wird angedeutet in dem Psalmwort „von nun an wartend, bis seine Feinde gelegt sind zum Schemel seiner Füße." Die Geheiligten sind nun vollkommen gemacht. Ihrer Sünden wird nie mehr gedacht werden, was der Heilige Geist bezeugt. Daher bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr.

Kapitel 10,19-39

Ab Kapitel 10,19 folgt nun unmittelbar die Anwendung dieser Tatsachen. Wir haben Freimütigkeit, in das Heiligtum - in die Gegenwart Gottes - einzutreten durch das Blut Jesu, auf einem neuen und lebendigen Weg, durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch. Und wir haben einen großen Priester über das Haus Gottes. Lasst uns daher „hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser." Das ist der Höhepunkt des Briefes. Weitere Ergebnisse folgen. „Lasst uns das Bekenntnis des Hoffnung unbeweglich festhalten," und „lasst uns aufeinander Acht haben zur Anreizung zur Liebe und zu guten Werken." Eine zweite ernste Warnung wird in Bezug auf die Gefahr des Abfalls ausgesprochen. Die Hebräer sollten daran denken, wie sie für die Wahrheit gelitten hatten und sollten ihre Zuversicht nicht wegwerfen, die eine große Belohnung hat.

Kapitel 11 und 12

Nachdem bisher die Frage der Errettung der Seele durch Glauben behandelt wurde, wird in den Kapiteln 11 + 12 eine bemerkenswerte Wolke von Zeugen vorgestellt, um Zeugnis zu geben von dem erklärten Prinzip. Beginnend mit Abel werden bis zu Rahab verschiedene individuelle Charakterzüge des Glaubens und seine Konsequenzen gezeigt. In Vers 32 ff dagegen wird eine Menge von Würdenträgern vorgestellt (viele von ihnen werden nicht mit Namen genannt), die auf unterschiedlichste Weise durch Glauben triumphiert und überwunden haben. In Bezug auf diese Überwinder wird gesagt: „Und diese alle, die durch den Glauben Zeugnis erlangten, haben die Verheißung nicht empfangen, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden." Die Anwendung davon auf die Gläubigen Hebräer wird unmittelbar darauf gegeben: „Lasst uns, ... indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens." Er hat durch Leiden hindurch das Ziel, den Platz zur Rechten Gottes, erreicht. Glaubende sollen, wenn erforderlich, bis aufs Blut widerstehen und gegen die Sünde ankämpfen. Züchtigung ist bei allem unbedingt erforderlich und ein Beweis von Gottes Interesse an denen, die seine Söhne sind. Solchen, die durch Zucht geübt sind, wird sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit bringen. Die Hebräer sollten diejenigen ermutigen, die schwach waren; und darauf achten, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide und schließlich Böses unter ihnen eindringen würde.

Im Anschluss wird ein sehr zu Herzen gehender Vergleich zwischen dem Schrecken des Gesetztes und dem Reichtum der Gnade, zu dem Christen bereits heute gekommen sind, vorgestellt. Mögen sie bewahrt bleiben, den abzuweisen, der da redet! Alles wird durch ihn erschüttert werden, mit Ausnahme des Reiches, das er aufrichten wird und das die Glaubenden empfangen werden. Mögen sie ihm dienen in Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Kapitel 13

Einige wenige Ausführungen folgen bezüglich der Liebe, der Gastfreundschaft und der ehelichen Bande. Glaubende sollten an die denken, die in Schwierigkeiten sind, sollten Keuschheit bewahren und genügsam sein in den gegenwärtigen Umständen, denn der Herr ist mit ihnen! Führern, die treu gewesen und bereits abgetreten sind, sollte gedacht werden. Sie sollten ihren Glauben nachahmen. Wenn auch Führer gehen, so bleibt Jesus Christus derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit. Die Hebräer werden vor mancherlei und fremden Lehren gewarnt. Damit ist eine systematische Vermischung zwischen Judentum und Christentum gemeint. Bezugnehmend auf den großen Versöhnungstag wird gezeigt, dass diejenigen, die der Hütte dienen, kein Recht haben, von dem Altar des Christen zu essen. Das Opfer des großen Versöhnungstages musste komplett außerhalb des Lagers verbrannt werden. So hat auch der Herr Jesus außerhalb des Tores - außerhalb des jüdischen Systems, in dem er verworfen war - gelitten. Die, die an ihn glauben, müssen nun zu ihm hinausgehen und seine Schmach tragen. Das deutet den endgültigen Bruch zwischen der Christenheit und dem Judentum an. Opfer des Lobes und des Guten sollen Gott dargebracht werden. Den Führern soll gehorcht werden, da sie über die Seelen wachen. Der Schreiber befielt die Gläubigen dem Gott des Friedens, der den Herrn Jesus, den großen Hirten der Schafe, in dem Blut des ewigen Bundes, aus den Toten wiederbrachte, damit sie in jedem guten Werk vollendet seien, um seinen Willen zu tun.

Ein Wort über die Freilassung von Timotheus und wechselseitige Grüße beenden diesen so wichtigen Brief.


Verweise auf diesen Artikel

Hebräerbrief

Ihre Nachricht