Prophetische Zeitzeichen: Israel und seine arabischen Nachbarstaaten – Schatten prophetischer Ereignisse

3. Die arabischen Staaten

Wenden wir uns nun einigen arabischen Nachbarstaaten Israels zu. Sie spielen in den zukünftigen Ereignissen durchaus eine bedeutende Rolle, werden jedoch häufig in Auslegungen über die biblische Prophetie weniger beachtet.

Bei der Verwendung des Begriffs „Arabische Staaten“ ist eine gewisse Vorsicht nötig. Der Begriff ist nämlich trotz seiner vielfachen Verwendung nicht exakt definiert. Es lassen sich mehrere Kriterien anwenden, um die Zugehörigkeit zur arabischen Welt zu definieren:

  • das sprachliche Kriterium, nämlich die Dominanz der arabischen Sprache
  • das religiöse Kriterium, nämlich der Einfluss der islamischen Religion
  • das politische Kriterium, nämlich die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga1

In der biblischen Prophetie geht es vor allem um die mittelbaren und unmittelbaren Nachbarstaaten von Israel, d. h., es geht vor allem um Nordarabien (Jordanien, Libanon, Palästina, Syrien, Irak, Iran). Hinzu kommen noch Ägypten und die palästinensischen Autonomiegebiete.

Das Alte Testament erwähnt diese Nationen im Umfeld Israels häufig und zeigt ihre Geschichte ebenso wie ihre Zukunft. In Psalm 83,7–9 werden einige von ihnen genannt: Edom, Ismael, Moab, die Hageriter, Gebal, Ammon, Amalek, Philistäa, Tyrus und Assur. Diese alle haben den gemeinsamen Gedanken, Israel zu vertilgen, „damit sie keine Nation mehr seien“. Sie haben sich „mit einmütigem Herzen beraten“ und einen Bund gegen Israel geschlossen (Ps 83,4–6). Hesekiel 32 erwähnt ebenfalls eine Reihe von Nationen, nämlich Ägypten (Vers 18), Assyrien (Vers 22), Elam (Vers 24), Mesech und Tubal (Vers 26), Edom (Vers 29) und die Sidonier (Vers 30). Wir werden später noch sehen, wer sich vermutlich heute hinter diesen Namen verbirgt.

Beim Lesen des prophetischen Wortes erkennen wir deutlich, dass diese alten Nationen und Länder eine Zukunft haben. Ihre Geschichte ist nicht zu Ende, selbst wenn manche von ihnen zeitweilig völlig von der Bildfläche oder zumindest in der politischen Versenkung und Bedeutungslosigkeit verschwunden waren. Sie haben in der Geschichte Israels eine wichtige Rolle gespielt. Sie haben das Volk Gottes bedroht und angefeindet, sie werden es wieder tun. Es wird neue politische und militärische Konflikte geben und zwar besonders in der zweiten Hälfte der letzten Jahrwoche Daniels, d. h. in der Zeit der großen Drangsal für Israel. Am Ende werden sie das gerechte Gericht Gottes empfangen, wenn der Messias in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird. Allerdings werden einige aus diesen Nationen im kommenden Friedensreich ihren Platz haben und dort gesegnet werden2. Andere werden jedoch völlig vernichtet werden.

3.1. Der Ursprung des Konflikts mit den arabischen Anrainerstaaten

Es ist historisch völlig unstrittig, dass es zwischen Israel einerseits und den umliegenden Nationen und Staaten andererseits ständigen Zwist und Konfrontation gegeben hat. Diese Streitigkeiten erleben wir aktuell, und wir finden sie im prophetischen Wort wieder. Schon das Alte Testament berichtet ausführlich über ständige kriegerische Auseinandersetzungen, besonders in der Zeit der Richter und Könige. Im Buch Daniel gibt es ein langes Kapitel (Kapitel 11), das ausführlich über die permanenten syrisch-ägyptischen Kriege und ihre Auswirkungen auf Israel spricht. Bemerkenswert ist, dass einige dieser arabischen Staaten gemeinsame Wurzeln mit dem Stammvater Israels – Abraham – haben, es sich also um Verwandte handelt. Eine Ausnahme bildet jedoch z. B. Ägypten, denn diese Nation gab es bereits, als Abraham lebte.

3.1.1. Lot und seine Nachkommen

Die Geschichte Lots ist sehr traurig. Lot war mit Abraham aus Ur in Chaldäa ausgezogen. Abraham hatte ihn später mit nach Ägypten genommen (1. Mo 12). Es war ein eigener Weg. Dennoch kehrten beide reich aus Ägypten zurück. Der Reichtum bzw. die Größe der Herden wurde dann allerdings der äußere Anlass zu einer Trennung der beiden. Lot entschied sich für Sodom als Wohnort. Weil Gott die Stadt richten wollte, musste er fliehen. Dabei verlor er alles. Nur seine beiden Töchter blieben ihm. Doch genau diese beiden begingen eine schwere Sünde und verführten ihren eigenen Vater zum Geschlechtsverkehr, um auf diese Weise Nachkommen zu bekommen. Der biblische Bericht sagt: „Und die beiden Töchter Lots wurden schwanger von ihrem Vater. Und die Erstgeborene gebar einen Sohn, und sie gab ihm den Namen Moab; dieser ist der Vater der Moabiter bis auf diesen Tag. Und die Jüngere, auch sie gebar einen Sohn, und sie gab ihm den Namen Ben Ammi; dieser ist der Vater der Kinder Ammon bis auf diesen Tag“ (1. Mo 19,36–38). Moab und Ammon finden ihren Ursprung in dieser Sünde. Sie sind Nachkommens Lots. Das Territorium, das diese Nationen bewohnten, liegt östlich des Toten Meeres.

Moab und Ammon sind immer eine Bedrohung für Israel gewesen. In 4. Mose 22 finden wir den Bericht über die Absicht Moabs, Israel durch Bileam verfluchen zu lassen. Der Versuch misslang, weil Gott eingriff. Dennoch kam es in der Folge zu einer unseligen Vermischung beider Nationen. Erneut griff Gott ein. Im Buch der Richter sehen wir, wie Gott Moab und Ammon als Zuchtrute für sein irdisches Volk einsetzte. In der Zeit der Könige finden wir beide Nationen ebenfalls. Zunächst waren sie tributpflichtig, dann befreiten sie sich von dem Joch der Nachkommen Abrahams. Zur Zeit Nehemias gehörten besonders die Ammoniter zu den erklärten Feinden des Überrestes der Juden, der aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt war.

Das Territorium Ammons entspricht heute in etwa Nordjordanien. Moab schließt sich im Süden an und ist in etwa deckungsgleich mit Zentraljordanien. Die Hauptstadt Jordaniens ist Amman. Im Namen der Stadt finden wird den Namen „Ammon“ wieder. In der Bibel ist diese Stadt als Rabba bekannt (vgl. den Ausdruck „Rabba der Kinder Ammon“ in 5. Mo 3,11; 2. Sam 12,26; 17,27; Jer 49,2).

3.1.2. Ismael und seine Nachkommen

Ismael ging aus der unglücklichen Beziehung von Abraham mit seiner Magd Hagar hervor. Letztlich war diese Beziehung erstens eine Folge seines eigenen Weges nach Ägypten (vgl. 1. Mo 12,16 mit 1. Mo 16,1) und zweitens seines Unglaubens im Blick darauf, dass Gott ihm einen Sohn von Sara versprochen hatte. Sara gab ihm den Rat, Hagar als Nebenfrau zu nehmen. So wurde Ismael geboren. Keine Kinder zu haben, war damals eine Schande. Deshalb wurde Sara von Hagar verachtet. Als Folge davon musste Hagar fliegen und hatte in der Wüste eine Begegnung mit dem Engel des Herrn (der niemand anderes als Jahwe selbst war). Sie kehrte zu Abraham zurück, um dort ihren Sohn zu gebären.

1. Mose 16,12 nennt vier Eigenschaften des Sohnes, der geboren werden sollte:

  • Er würde ein Wildesel von Mensch sein, d. h. ein wilder Mensch (es gab damals viele solcher wilden Esel in den Wüsten Sinai und Negev). Ismaels Nachkommen zogen dort umher, ohne an einem Ort sesshaft zu werden. So war es über viele Jahrhunderte hinweg, und so ist es zum Teil bis heute. Viele Araber wohnen als Nachkommen Ismaels zwar in Städten, dennoch gibt es immer noch viele Beduinen, die nirgendwo wirklich sesshaft sind3.
  • Seine Hand würde gegen alle sein. Das zeugt von der Aggression der Araber gegen andere, besonders gegen Israel. Im Kontakt mit anderen Bewohnern der Nahostregion hat es immer wieder Konflikte gegeben, und die Aggressoren sind oft genug gerade die Nachkommen Ismaels gewesen. Die letzten 60 Jahre der Geschichte des Nahen Ostens liefern dazu genügend Beweise.
  • Die Hand aller würde gegen ihn sein. Das ist die Vergeltung anderer Nationen gegen die Nachkommen Ismaels. Auch das zeichnet die letzten 60 Jahre der Geschichte im Nahen Osten aus.
  • Er würde angesichts aller seiner Brüder wohnen. Das Wort „wohnen“ muss hier nicht notwendigerweise eine friedliche Koexistenz bedeuten, sondern kann ebenfalls aussagen, dass man sich im Zustand der Feindschaft gegen seinen Nachbarn befindet. Die Nachkommen Ismaels und die Nachkommen Isaaks haben sich in der Tat nie vertragen. Sie haben immer – mal mehr und mal weniger – in Feindschaft nebeneinander (gegeneinander) gelebt.

Wir sollten bei den Nachkommen Ismaels jedoch nicht nur an die Beduinen denken. Es scheint sich vielmehr um einen Sammelbegriff für die arabischen Völker zu handeln, die Israel umgeben4.

In 1. Mose 21 lesen wir davon, dass Isaak geboren wird. Als er entwöhnt war, machte Abraham – den damaligen Gepflogenheiten folgend – ein großes Mahl, das ein besonderes Freudenfest hätte sein sollen. Doch wir sehen, wie Ismael – der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jugendlicher war – seinen Halbbruder bewusst verspottet (oder „Mutwillen betreibt“). Er hat die Entwöhnungsfeier für Isaak missbraucht, um Isaak zu verspotten. Galater 4,29 sagt sogar, dass er ihn verfolgt hat5. Spott und Verfolgung hat die Nachkommen Ismaels den Nachkommen Isaaks gegenüber immer gekennzeichnet. So musste Hagar mit ihrem Sohn das Haus Abrahams verlassen, und die Prophezeiung über Ismael begann sich zu erfüllen. Er wurde ein Wanderer6. Er wohnte in der Wüste Paran und heiratete eine Frau aus Ägypten7. Von ihm stammten „zwölf Fürsten nach ihren Stämmen“ ab (1. Mo 25,16).

Damit erfüllt sich eine Zusage Gottes an Abraham. In 1. Mose 17,20 hatte Er gesagt: „Und wegen Ismael habe ich dich erhört: Siehe, ich habe ihn gesegnet und werde ihn fruchtbar machen und ihn sehr, sehr mehren; zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich werde ihn zu einer großen Nation machen“. Dennoch fügt Gott hinzu: „Aber meinen Bund werde ich mit Isaak errichten“ (1. Mo 17,21). Der Unterschied ist augenfällig. Ismael sollte einen Segen bekommen, doch den Bund würde Gott mit Isaak errichten. Die Nachkommen Isaaks sind das Bundesvolk Gottes. Dennoch ist Ismael nicht ohne Segen. Dieser Segen wird sich im kommenden Reich erfüllen. Allerdings sehen wir heute schon bereits eine gewisse Vorerfüllung. Wenn wir uns die Nachkommen Ismaels in der Geschichte und heute anschauen, erkennen wir bereits etwas von diesem Segen. Zum einen sind die Araber sehr zahlreich. Zum anderen sind sie zum Teil sehr reich. Denken wir nur an den besonderen Reichtum und die wirtschaftlichen Vorteile arabischer Länder durch große Ölvorkommen. Das Land Palästina war allerdings eindeutig Isaak und seinen Nachkommen versprochen. Doch genau darauf fixieren sich viele Nachkommen Ismaels bis heute. Sie akzeptieren nicht, dass Gott das „verheißene Land“ Israel zugesagt hat, sondern versuchen immer wieder auf unterschiedliche Weise, dieses Land für sich zu bekommen.

In 1. Mose 25 finden wir den Bericht über den Beginn der Nachkommen Isaaks. Dabei fällt auf, dass die Verse 12–18 zunächst über die Nachkommen Ismaels sprechen. Der Kontrast ist auffällig. Während es bei Isaak lange dauerte, bis ihm überhaupt zwei Söhne geboren wurden, war Ismael sehr fruchtbar. Alle 12 Söhne werden mit Namen genannt, und der Bericht endet mit den Worten: „Und sie wohnten von Hawila bis Sur, das vor Ägypten liegt, nach Assyrien hin. Er ließ sich nieder angesichts aller seiner Brüder“ (1. Mo 25,18). Wenn man davon ausgeht, dass Hawila im heutigen Sudan – also südlich von Ägypten – liegt, dann wird klar, dass wir bei den Nachkommen Ismaels nicht so sehr an einen konkreten heute existierenden Staat denken müssen, sondern es handelt sich vielmehr um einen Sammelbegriff für einen großen Teil der Araber.

3.1.3. Esau und seine Nachkommen

Esau und seine Nachkommen haben in der Geschichte des Volkes Israel immer eine besondere Rolle gespielt und werden es in der Zukunft wieder tun. Während die Söhne Lots nur weitläufig mit den Nachkommen Israels verwandt waren (Lot war ein Neffe Abrahams) und Ismael ein Halbbruder Issaks war, ist Esau nicht nur der Bruder Jakobs, sondern sogar sein Zwillingsbruder. Das spricht von besonderer Nähe. Doch von Anfang an gab es zwischen diesen beiden Streit und Auseinandersetzung – einen Streit, den wir aktuell in Palästina erleben und der sich fortsetzen wird. Der Römerbrief illustriert an der Geschichte dieser beiden Brüder die Wahrheit der Wahl Gottes nach Gnade (Röm 9,10–18). Gott wählt nicht das Starke aus, sondern das Schwache. Der Ältere sollte dem Jüngeren dienen. Der Hebräerbrief nennt Esau einen „Ungöttlichen“ (Heb 12,16), den Gott „gehasst“ hat. Dabei ist es wichtig zu sehen, dass Gott ihn nicht vor seiner Geburt gehasst hat, sondern wegen seines ungöttlichen Verhaltens (vgl. Röm 9,13 mit Mal 1,2.3).

In 1. Mose 25 finden wir die Geburts- und Jugendgeschichte der Zwillingsbrüder Jakob und Esau. Esau war der Ältere. Jakob wurde nach ihm geboren und hielt – ungewöhnlich genug – bei der Geburt die Ferse seines Bruders fest. Das brachte ihm den Namen „Fersenhalter“ oder „Überlister“ ein, und leider wurde das im Leben Jakobs – nicht nur seinem Bruder gegenüber – mehr als deutlich. Esau war bei seiner Geburt rötlich und am ganzen Leib wie ein härener Mantel, d. h. ungewöhnlich behaart. Die rote Hautfarbe brachte ihm den Namen Esau (oder Edom) ein8.

Esau und Jakob entwickelten sich von Anfang an sehr unterschiedlich. Jakob war ein häuslicher Mensch, während Esau ein Jäger wurde. Die erste Auseinandersetzung der beiden ergab sich, als Esau ermüdet nach Hause kam und sein Erstgeburtsrecht für ein Gericht roter Linsen an Jakob verkaufte9. Sein Interesse war nicht auf die Zukunft, sondern auf die Gegenwart ausgerichtet. Er missachtete und verachtete sein Erstgeburtsrecht. Sein Interesse war auf das Jetzt gerichtet, auf die Befriedigung seiner materiellen und fleischlichen Bedürfnisse.

Der Bericht in 1. Mose 27 zeigt die eigentliche Ursache für den großen Hass Esaus auf seinen Bruder Jakob. Jakob hatte sich den Segen seines Vaters – der ihm von Gott zugesagt war – auf unrechtmäßige Art und Weise erschlichen. Daraufhin feindete Esau Jakob an und nahm sich in seinem Herzen vor, seinen Bruder zu erschlagen (1. Mo 27,41). Obwohl Esau diesen Plan selbst nie umsetzte, waren seine Nachkommen dem Volk Israel stets feindlich gesinnt.

Esau hatte fünf Söhne (1. Mo 36,5.10.15–19; 1. Chr 1,35). Seine Nachkommen sind als Edomiter bekannt. Der Bericht in 1. Mose 36 sagt dreimal „Esau, das ist Edom“ (1. Mo 36,1.8.19). In 4. Mose 20 erkennen wir, dass die Nachkommen Esaus bereits zu einer großen und sesshaften Nation geworden waren, während die Nachkommen Isaaks eine lange Zeit der Unterdrückung und Sklaverei in Ägypten hinter sich hatten. Als sie schließlich dieses Land verließen, um in das Land zu ziehen, das Gott ihnen zugesagt hatte, wollten sie durch Territorium von Esau ziehen. Dieses Gebiet war das Gebirge Seir, südlich des Toten Meeres. Der biblische Bericht sagt: „Und Mose sandte Boten aus Kades zum König von Edom: So spricht dein Bruder Israel: Du kennst all das Ungemach, das uns betroffen hat ...Lass uns doch durch dein Land ziehen! Wir wollen nicht durch die Felder und durch die Weinberge ziehen und wollen kein Wasser aus den Brunnen trinken; auf der Straße des Königs wollen wir ziehen und weder nach rechts noch nach links abbiegen, bis wir durch dein Gebiet gezogen sind. Aber Edom sprach zu ihm: Du sollst nicht bei mir durchziehen, dass ich dir nicht mit dem Schwert entgegenrücke“ (4. Mo 20, 14–18). Mose bringt seine Bitte auf der Basis der Bruderschaft beider Nationen vor. Zugleich erinnert er an die Not, die sie in Ägypten hatten. Die Edomiter wussten das genau. Es war ihnen nicht unbekannt. Dennoch gab es kein Mitleid, sondern nur Feindschaft. Diese Feindschaft zieht sich durch die Geschichte. Wir finden sie in der Zeit der Richter und besonders des ersten Königs von Israel. David war es, der die Edomiter schließlich besiegte und unterjochte (2. Sam 8,14). Doch schon wenige Jahrzehnte später empörten sie sich. In der Regierungszeit Jorams lesen wir: „In seinen Tagen fielen die Edomiter von der Oberherrschaft Judas ab und setzten einen König über sich“ (2. Kön 8,20; 2. Chr 21,8–10). Der Prophet Obadja erinnert daran, wie die Edomiter tatenlos zusahen, als fremde Nationen Jerusalem einnahmen und sein Vermögen wegführten (Obad 1,10.11)10. Stattdessen verbanden sie sich mit den Feinden Israels.

Edom war später im assyrischen Reich einer der zahlreichen Tributstaaten. Im babylonischen Weltreich war es eine der vielen Provinzen. Im Persischen Reich erhielt Edom eine gewisse Selbstständigkeit zurück. In der Zeit der Makkabäer (im zweiten Jahrhundert vor Christus) wurden die Edomiter von den Juden besiegt und dann bis zu einem gewissen Grad integriert. Von den Römern und Griechen wurden sie als Idumäer (vgl. Mk 3,8) bezeichnet. In der Zeit des Neuen Testamentes kommen mit Antipater und seinem Sohn, Herodes dem Großen, erstmals Edomiter an die Macht in Jerusalem. Nach der Zerstörung Jerusalems gingen die Edomiter ebenso wie die Juden im Meer der Völker unter.

Dennoch sind die Nachkommen Esaus – wie die Jakobs – nicht für immer von der Bildfläche verschwunden. Das Territorium, das sie damals bewohnten, kennen wir heute unter der Bezeichnung Südjordanien. Insofern gibt es eine enge Verbindung zwischen den drei „Verwandten“ Moab, Ammon und Edom. Sie alle decken das Territorium des heutigen Jordanien ab. Dabei ist besonders Südjordanien für seine historischen Orte bekannt. Dazu zählt z. B. die in der Bibel mehrfach erwähnte Stadt Bozra (Buseira oder Bosra) und die 45 km nördlich liegende, verlassene Felsenstadt Petra, auf die die Verse 3 und 4 in Obadja anspielen.

3.2. Konflikte bis heute

Es ist jedem politisch halbwegs Interessierten klar, dass der Nahe Osten heute ein politisches und militärisches Pulverfass ist. Das Konfliktpotential ist groß und die Interessen sind vielfältig. Im Mittelpunkt des Geschehens steht vor allem der relativ kleine Staat Israel. Es gibt besonders zwei Gründe für diese Konfliktsituation:

  1. Wie bereits gezeigt, spielt die Herkunft der dort wohnenden Nationen mit ihren nationalen Eigenheiten, Befindlichkeiten und Ansprüchen eine nicht unerhebliche Rolle. Israel beruft sich auf Gottes Zusagen, während die Nachbarstaaten – jedenfalls mehrheitlich – Israel am liebsten völlig vernichten würden. Einige sprechen das klar aus, andere sagen es weniger deutlich. Das gilt – allen Friedensbemühungen zum Trotz – bis heute. Von Golda Meir, der ehemaligen israelischen Außen- und Premierministerin, stammt die Aussage, dass es im Nahen Osten nur dann Frieden geben wird, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie das Volk Israel hassen11. Bibelleser wissen, dass es spätestens kurz nach der Entrückung der Gläubigen tatsächlich zu großen Kampfhandlungen in Palästina und besonders um Jerusalem kommen wird. Gott sagt: „Siehe, ich mache Jerusalem zu einer Taumelschale für alle Völker ringsum; und auch über Juda wird es kommen bei der Belagerung von Jerusalem“ (Sach 12,2). Den Kampfhandlungen wird erst durch das Erscheinen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit ein Ende gemacht werden12.
  2. Die Spannungslage im Nahen Osten wird zusätzlich dadurch angeheizt, dass es unterschiedliche Religionen gibt. Im Gegensatz zu Israel sind die übrigen Völker, obwohl sie zum großen Teil gleiche Wurzeln haben, durch den Islam geprägt13. Der Gott der Moslems ist nicht der Gott der Juden, es ist nicht der Gott der Patriarchen, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs14. Der Islam ist eine völlig andere Religion, die mit dem, was die Bibel lehrt, völlig unvereinbar ist. Es ist wahr, dass weder die Juden noch die Christen ihrem Gott treu gewesen sind. Doch genau so wahr ist es, dass der Islam kein Ersatz für das Juden- oder Christentum sein kann. Für viele Muslime ist der Islam ein „Haus des Friedens“ (dar al-Islam) und alle, die ihre Religion nicht annehmen, befinden sich im „Haus des Krieges“ (dar al-Harb). Sie werden als Ungläubige bezeichnet und müssen deshalb bekämpft werden. Obwohl es immer wieder behauptet wird, ist es nicht wahr, dass der Islam eine friedliche Religion ist. Friedlich ist der Islam nur dann, wenn alle ihn annehmen. Der Koran fordert unmissverständlich zu Krieg und Terror gegen alle diejenigen auf, die den Islam nicht annehmen. Religiöser Fanatismus ist somit eine starke Motivation im Kampf gegen Israel.

3.3. Die Arabische Liga

Der andauernde Konflikt in der Region wird häufig als Nahostkonflikt bezeichnet. Dennoch ist es mehr als ein auf diese Region begrenzter Konflikt. Er hat eigentlich eine internationale – wenn nicht weltweite – Komponente. Sowohl die westliche Allianz (Europa und USA15) als auch Russland sind mit in diesen Konflikt eingebunden, denn sie haben durchaus eigene Interessen. Dennoch ist es eine Auseinandersetzung um das Land, das Gott seinem irdischen Volk als Erbteil versprochen hat. Der aktuelle Konflikt geht auf Auseinandersetzungen zwischen den Juden einerseits und den Arabern andererseits zurück. Seit der Staatsgründung Israels im Mai 1948 hat es mehrere Kriege zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten sowie zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern gegeben. Man spricht deshalb zu Recht von einem „israelisch-arabischen Konflikt“ und einem „israelisch-palästinensischen Konflikt“.

Bibelleser erkennen darin eine Vorerfüllung von Psalm 83. In diesem Psalm spricht der Autor Asaph von einer Situation, die er damals erlebt hat. Das ist die zeitgeschichtliche Erklärung. Gleichzeitig hat dieser Psalm eine prophetische Komponente. Was für Asaph damals wahr war, wird in Zukunft wieder wahr werden. In der letzten Jahrwoche Daniels (die Zeitperiode der großen Drangsal nach der Entrückung) wird die Aussage Asaphs seine eigentliche Erfüllung finden. Was wir heute sehen, ist eine Vorerfüllung, oder – wie der Titel dieser Ausarbeitung sagt – ein Schatten16. Hier ein Auszug aus diesem Psalm:

„Ein Psalm-Lied von Asaph. Gott, schweige nicht; verstumme nicht und sei nicht still, o Gott! Denn siehe, deine Feinde toben, und deine Hasser erheben das Haupt. Gegen dein Volk entwerfen sie listige Pläne und beraten sich gegen deine Geborgenen. Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie vertilgen, damit sie keine Nation mehr seien, damit nicht mehr gedacht werde des Namens Israels! Denn sie haben sich mit einmütigem Herzen beraten, sie haben einen Bund gegen dich geschlossen: die Zelte Edoms und die Ismaeliter, Moab und die Hageriter, Gebal und Ammon und Amalek, Philistäa samt den Bewohnern von Tyrus; auch Assur hat sich ihnen angeschlossen; sie sind den Söhnen Lots zu einem Arm geworden. – Sela. Tu ihnen wie Midian, wie Sisera, wie Jabin am Bach Kison, die vertilgt wurden in En-Dor, die zum Dünger für den Erdboden wurden! Mache sie, ihre Edlen, wie Oreb und wie Seeb, und wie Sebach und wie Zalmunna alle ihre Herrscher! Weil sie gesagt haben: Lasst uns in Besitz nehmen die Wohnungen Gottes!“(Ps 83,1–13)

Die genannten Staaten schließen einen Bund (einen Abkommen), der ein eindeutiges Ziel hat, nämlich Israel zu vertilgen. Davon spricht Vers 5: „Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie vertilgen, damit sie keine Nation mehr seien, damit nicht mehr gedacht werde des Namens Israels“. Was hier über die Zukunft ausgesagt wird, ist heute bereits deutlich zu erkennen. Die Gründung der Arabischen Liga (ebenso wie die anderer Gruppen und Organisationen) ist ein unverkennbares Zeitzeichen und weist deutlich auf das hin, was die Bibel über die Zukunft sagt.

Die Arabische Liga ist nichts anderes als ein „Bund“. Es handelt sich um eine Internationale Organisation arabischer Staaten, die am 22.03.1945 – also kurze Zeit vor der Gründung des Staates Israel – in Kairo gegründet wurde. Sie besteht aktuell aus 22 Mitgliedern. Hauptziele dieses Staatenbundes sind die Förderung der Beziehungen der Mitglieder und die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitgliedstaaten. Ausdrücklich geht es unter anderem darum, dass ein unabhängiger Staat Palästina entstehen soll, der sich vor allem aus den Palästinensischen Autonomiegebieten (Gazastreifen und Westjordanland) zusammensetzt. Vor allem zu Beginn wurde unverhohlen die Vernichtung Israels als weiteres Ziel des Bündnisses erklärt.

Die Gründung der Arabischen Liga war eine Reaktion auf die politische Situation im Nahen Osten nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Ersten Weltkrieg hatten die Araber an der Seite der Alliierten gegen das damals herrschende Osmanische Reich gekämpft. Ihre Hoffnung auf einen eigenen unabhängigen Staat erfüllte sich jedoch nicht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die betroffenen Gebiete nämlich unter die Franzosen (Syrien, Libanon) und Engländer (Palästina, Irak, Transjordanien) aufgeteilt. Erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erreichten diese Staaten ihre Unabhängigkeit. Gleichzeitig verstärkte sich die Zuwanderung der Juden nach Palästina, die einige Jahrzehnte vorher bereits begonnen hatte. So wurde der „Pakt der Liga der arabischen Staaten“ gegründet. Die sieben Gründungsmitglieder waren Ägypten, Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Syrien, Transjordanien und Jemen.

Die erste Aggression gegen Israel erfolgte unmittelbar nach der Staatsgründung Israels. Die Vereinten Nationen hatten einen Teilungsplan für Palästina beschlossen, der das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat unterteilte und Jerusalem zu einem „neutralen Korpus“ erklärte. Am 14.05.1948 zogen sich die britischen Alliierten zurück. Am gleichen Tag erklärte Israel seine Unabhängigkeit. Unmittelbar darauf erfolgte der erste Angriff auf den jungen Staat Israel (der Unabhängigkeitskrieg). Was für die Juden die Realisierung ihrer Träume war, galt für die Araber als Alptraum („Nakka“, d. h. eine Katastrophe). Noch in der Nacht vom 14. zum 15. Mai 1948 marschierten die Truppen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Iraks und des Libanons in Palästina ein, um die Staatsgründung rückgängig zu machen. Nicht zuletzt dank umfangreicher Waffenlieferungen aus dem Ausland sowie finanzieller Unterstützung aus den USA und anderen Ländern, endete der erste Nahostkrieg unerwartet mit einem militärischen Sieg Israels. Gott hatte ohne Frage seine Hand über sein Volk gehalten. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen kamen Waffenstillstandsverträge mit Ägypten (24. Februar 1949), dem Libanon (23. März 1949), Transjordanien (3. April 1949) und Syrien (20. Juli 1949) zustande. Israel konnte sein Staatsgebiet dabei erheblich erweitern. Nur der Gazastreifen und Westjordanien blieben unter arabischer Kontrolle, Jerusalem wurde geteilt.

Ein zweiter Versuch, Israel zu vernichten, scheiterte 1967 im legendären Sechstagekrieg (5. bis 10. Juni). Israel kontrollierte nun den gesamten Sinai, den Gazastreifen, Westjordanien und die Golanhöhen, sowie die ganz Stadt Jerusalem. Im September 1967 – also drei Monate späte – erklärten die Mitglieder der Arabischen Liga ihre Haltung gegenüber Israel in drei Punkten: Erstens keinen Frieden mit Israel. Zweitens keine Anerkennung Israels und drittens keine Verhandlungen mit Israel. In einem dritten Angriff Syriens und Ägyptens im Oktober 1973 (Jom Kippur Krieg) wurden die Angreifer erneut geschlagen. 1979 wurde Ägypten vorübergehend aus der Liga ausgeschlossen, nachdem Präsident Sadat entgegen der ursprünglichen Absicht doch einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen hatte (Camp-David-Abkommen).

2002 einigte sich die Arabische Liga allerdings doch auf eine Friedensinitiative mit Israel. Unter der Voraussetzung, dass die besetzten Gebiete Palästinas zurückgegeben würden, versprach man die Aufnahme normaler Beziehungen. Die israelische Reaktion war jedoch zurückhaltend. 2007 erneuerten die Führer der Arabischen Liga ihr Angebot, das von Israel allerdings nicht aufgegriffen wurde. Obwohl es in den letzten Jahrzehnten keine unmittelbaren und globalen kriegerischen Auseinandersetzungen gegeben hat, ist Israel permanent durch terroristische Anschläge bedroht. Wirklichen Frieden für die Region gibt es nicht. Die Bibel zeigt deutlich, dass dieser Friede erst kommen wird, wenn der „Friedefürst“ (Jes 9,5) seine Regierung antreten wird. Erst dann wird sich die Weissagung durch Jesaja erfüllen: „... das Werk der Gerechtigkeit wird Frieden sein und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit in Ewigkeit. Und mein Volk wird wohnen an einer Wohnstätte des Friedens und in sicheren Wohnungen und an stillen Ruhestätten“ (Jes 32,17.18). Jeder andere Frieden – sollte er denn kommen – wird nur ein Scheinfriede sein.

3.4. Betroffene Staaten

Wenden wir uns nun der interessanten Frage zu, wer die betroffenen Staaten sind, von denen z. B. Psalm 83 spricht. Bemerkenswerterweise werden dort Edom und die Ismaeliter – also die unmittelbaren Verwandten Israels – zuerst genannt. Es folgen: Moab, die Hageriter, Gebal, Ammon, Amalek, Philistäa, die Bewohner von Tyrus und schließlich als Assoziierte noch Assur. Es sind die alten Feinde Israels aus dem Alten Testament, doch wir werden feststellen, dass sie – zum Teil unter anderem Namen – heute wieder existieren. Das muss auch so sein, denn sie werden in den prophetischen Ereignissen der Zukunft alle ihre Rolle spielen und von dem Herrn ihr gerechtes Gericht empfangen. Weitere Staaten, die in Psalm 83 nicht genannt werden, finden wir in einer Beschreibung in Hesekiel 32. Es sind Ägypten, Elam, Mesech, Tubal und die Sidonier. Es ist in den meisten Fällen mehr oder weniger gut möglich, die genannten Staaten heutigen Ländern oder Völkern zuzuordnen. Vor 100 Jahren wäre das noch sehr schwierig und zum Teil unmöglich gewesen, denn keine Landkarte des Nahen Ostens hätte die Grenzen dieser Nationen und Völker zeigen können. Die Region war damals Teil des Osmanischen Reiches. Erst nach der politischen Neuordnung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist das anders geworden. Nicht nur die Juden sind in ihr Land zurückgekehrt, sondern fast alle feindlichen Nationen, die Israel umgeben, existieren ebenfalls wieder und haben sich – allerdings in der Regel unter anderen Namen – „positioniert“. Das sind unverkennbare Zeitzeichen und Schatten, dass die Zeit des Endes bald gekommen sein wird und die in der Bibel beschriebenen prophetischen Ereignisse stattfinden werden.

3.5. Ägypten und Assyrien

Wir beginnen mit den beiden vielleicht größten Feinden Israels, die in der Zukunft besondere Akteure (Protagonisten) sein werden, nämlich Ägypten und Assyrien. Dabei ist es bemerkenswert, dass diese beiden zwar der Hass gegen Israel eint, sie ansonsten jedoch häufig selbst erbitterte Feinde in der Geschichte gewesen sind und es in Zukunft wieder sein werden.

Dabei ist es relativ unproblematisch, Ägypten zu lokalisieren, weil es diesen Staat heute wieder gibt und er in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Etwas schwieriger ist es, Assyrien klar zu lokalisieren. Das alte assyrische Reich hat als politische Macht völlig aufgehört zu existieren und es gibt keine Hinweise auf eine unmittelbare „Wiederbelebung“ dieses alten assyrischen Reiches in der damaligen Form. Dennoch gibt es Aussagen über Assyrien, die eindeutig prophetischer Natur sind und sich bisher nicht erfüllt haben. Wie und wo finden wir also Assyrien in der Zukunft wieder? Einige Ausleger gehen davon aus, dass es sich dabei um Syrien handelt. Das ist zwar nicht von der Hand zu weisen, scheint aber nur eine Teillösung der Problems zu sein. Es gilt zu berücksichtigen, dass Syrien historisch nicht aus dem assyrischen Reich hervorgegangen ist, sondern aus einem der vier Diadochenreiche der Nachfolger von Alexander dem Großen17. Zudem ist das Territorium von Syrien immer deutlich kleiner gewesen als das des alten assyrischen Reiches.

Es gibt nach meinem Verständnis gute Gründe davon auszugehen, dass sich Assyrien in der Zukunft vor allen in zwei Königen bzw. Mächten wiederfindet, die sich im Norden von Israel und damit jedenfalls teilweise auf dem Territorium des ehemaligen assyrischen Reiches befinden. Zwischen beiden Mächten gibt es eine enge Verbindung. Zum einen handelt es sich um „König des Nordens“, über den wir mehrfach in Daniel 11 lesen (Dan 11,) und zum anderen eine Macht aus dem „äußersten Norden“ (vgl. Hes 38,6.15; 39,2), die Gog und Magog genannt wird18. Der „König des Nordens“ ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich Syrien19 (im Norden von Israel gelegen)20 und die Macht aus dem äußersten Norden vermutlich Russland (Rosch, vgl. Hes 38,2.3; 39,1). Dass es zwischen diesen beiden Mächten eine enge Verbindung geben wird, zeigt uns Daniel 8,22–24. Syrien ist nur deshalb stark, weil es von der Macht im äußersten Norden gestützt wird.

Vor allem das Studium von Daniel 11 macht klar, dass „König des Nordens“ kaum jemand anders als Syrien sein kann. Daniel beschreibt in den Versen 5 bis Vers 35 ausführlich die Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Syrien in der Vergangenheit, während er in den Versen 36–45 einen Blick in die Zukunft wirft. Bemerkenswerterweise werden beide hier nicht mit ihren üblichen Namen (Syrien und Ägypten) genannt, sondern als „König des Nordens“ und „König des Südens“ bezeichnet. Das macht klar, dass Gott diese Länder hier nach seinem Volk Israel misst (vgl. 5. Mo 32,8). Syrien liegt im Norden Israels und Ägypten im Süden. Palästina liegt genau zwischen diesen beiden Mächten und wurde lange Zeit wie ein Spielball hin- und hergeworfen. Das gilt vor allem für die Zeit, bevor das Römische Reich die Macht im Nahen Osten übernahm, d. h. in etwa für die Zeit, die zwischen dem Alten und Neuen Testament liegt. Politisch befand sich Palästina in dieser Zeit zunächst im Herrschaftsbereich Ägyptens (312 bis 198 v. Chr.). Danach übernahmen die Syrer die Herrschaft (bis 164 v.Chr.) 164 v. Chr. gelang es den Juden im Aufstand der Makkabäer, sich für kurze Zeit von dem Joch der Syrer zu befreien. Später übernahmen wieder die Syrer und dann die Römer die Regie, bevor Palästina ab 64 v. Chr. eine römische Provinz wurde.

In der säkularen Geschichtsschreibung werden die Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Syrien in dieser Zeit als „syrische Kriege“ bezeichnet. Neben Machtstreben und Besitz ging es dabei interessanterweise besonders um die heutigen Staaten Israel, Libanon, Jordanien und die palästinensischen Autonomiegebiete. Insgesamt zählt man in dieser Zeit sechs syrische Kriege, die wir zum Teil in Daniel 11 wiederfinden.

In der Zukunft wird es einen weiteren großen Konflikt zwischen dem König des Nordens und dem König des Südens geben. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht erneut Israel. In Daniel 11,40 lesen wird: „Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens (Ägypten) mit ihm (dem Führer der Juden, dem Antichristen) zusammenstoßen, und der König des Nordens (Syrien) wird gegen ihn (den Antichristen) anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen; und er (der König des Nordens) wird in die Länder (Palästina und Anrainerstaaten) eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten“. Ägypten wird vernichtend geschlagen werden, bevor dann Syrien selbst von dem Messias vernichtet werden wird (vgl. Dan 11,45). Das Gericht über den König aus dem äußersten Norden (Gog und Magog) findet etwas später statt und wird in Hesekiel 38 und 39 ausführlich beschrieben

Die Propheten erwähnen das Gericht über Ägypten und Assyrien mehrfach. Sacharja schreibt: „Und er wird durchs Meer der Angst ziehen und die Wellen im Meer schlagen, und alle Tiefen des Stromes werden versiegen; und der Stolz Assyriens wird niedergeworfen werden, und weichen wird das Zepter Ägyptens“ (Sach 10,11). Beide Mächte werden jedoch nicht völlig vernichtet werden. Im kommenden tausendjährigen Reich werden diese beiden ehemaligen Erzfeinde Israels im Norden und im Süden einen Platz haben und an dem Segen des Reiches teilhaben. Darüber schreibt Jesaja: „An jenem Tag wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien; und die Assyrer werden nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen, und die Ägypter werden mit den Assyrern dem Herrn dienen. An jenem Tag wird Israel das Dritte sein mit Ägypten und mit Assyrien, ein Segen inmitten der Erde; denn der Herr der Heerscharen segnet es und spricht: Gesegnet sei mein Volk Ägypten, und Assyrien, meiner Hände Werk, und Israel, mein Erbteil“ (Jes 19,23–25).

3.5.1. Ägypten

Ägypten hat vor allem in der Anfangszeit des Volkes Israel eine bedeutende Rolle gespielt. In diesem Land befanden sich die Nachkommen Abrahams 400 Jahre in Knechtschaft (1. Mo 15,13; Apg 7,6), bevor sie dann aus Ägypten auszogen und von Gott in ihr eigenes Land gebracht wurden. Es gibt kaum einen Tatbestand, an den Gott sein irdisches Volk im Laufe der Geschichte so oft erinnert hat, wie gerade an diese Tatsache, dass Er es gewesen ist, der sie aus dem Land Ägypten befreit und herausgeführt hatte. In der weiteren Geschichte Israels wird Ägypten nicht mehr sehr häufig genannt. Als dominierende Macht im Nahen Osten hatte Ägypten deutlich an Einfluss verloren. König Salomo beging allerdings den schweren Fehler, sich mit dem König von Ägypten zu verschwägern (1. Kön 3,1). In der Zeit der späteren Könige ist besonders das Ende Königs Josia zu erwähnen, der meinte, sich in eine Auseinandersetzung zwischen Ägypten und Assyrien einmischen zu müssen, und dabei selbst den Tod fand (2. Chr 35,20–25). Ebenso tragisch endete die Entscheidung der übriggebliebenen Juden nach der Invasion Nebukadnezars, nach Ägypten zu ziehen, um dort Unterschlupf zu finden. Der Prophet Jeremia hatte eindringlich – jedoch vergeblich – vor dieser Entscheidung gewarnt (Jer 42,19).

Das alte Ägypten gilt bis heute als eine der frühen Hochkulturen der Welt. Die großen und mächtigen Dynastien der Pharaonen gehören längst der Vergangenheit an. Nach einer wechselhaften Geschichte begann vor allem nach Pharao Ramses III (1184–1153 v.Chr.) der Niedergang Ägyptens. 525 v.Chr. wurde Ägypten Teil des Persischen Reiches und somit erstmals die Provinz eines fremden Weltreiches. Später eroberte Alexander der Große Ägypten. Unter seinen Nachfolgern (den vier Diadochen) gab es die legendären Auseinandersetzungen mit Syrien (vgl. Dan 11, 1–39). 30 v.Chr. wurde Ägypten eine römische Provinz. Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n.Chr. kam das Land unter oströmisch-byzantinische Herrschaft und verlor in dieser Zeit auch an wirtschaftlicher Bedeutung.

Etwa ab 640 begann nach und nach der Islam in Ägypten Fuß zu fassen, und der Einfluss arabischer Herrscher machte sich breit. Von 1517–1801 übernahmen die Osmanen die Herrschaft in Ägypten. In dieser Zeit galt Ägypten teilweise als eine der ärmsten Provinzen dieses großen Reiches. Danach erlangte Ägypten unter verschiedenen Regenten eine gewisse Selbstständigkeit. 1882 wurde das Land von England besetzt und 1914 zum Protektorat erklärt. Seit 1936 ist Ägypten ein souveräner Staat, seit 1953 eine Republik. Dennoch blieben britische Truppen bis 1946 dort stationiert. 1945 war Ägypten eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen und auch der Arabischen Liga, die im gleichen Jahr gegründet wurde.

Heute ist Ägypten ein einflussreicher arabischer Staat im Nordosten Afrikas mit einer gemeinsamen Grenze zu Israel. Das Land hat knapp 90 Millionen Einwohner. Nach den weiter oben bereits beschriebenen Auseinandersetzungen und kriegerischen Handlungen schlossen Ägypten und Israel 1979 einen Friedensvertrag. Er wurde am 26.03.1979 in der amerikanischen Hauptstadt Washington zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Begin, dem ägyptischen Präsident Sadat und dem US Präsidenten Carter unterzeichnet21. Beide Staaten erkennen sich seitdem gegenseitig an22. In der arabischen Welt hat sich Ägypten mit diesem Abkommen keine Freunde gemacht, denn es handelte sich aus ihrer Sicht um einen Tabubruch. Eine Folge des Vertrages war, dass Präsident Sadat zwei Jahre später von Islamisten ermordet wurde. Man muss feststellen, dass dieser Friedensvertrag – ebenso wie der mit Jordanien – der Region keinen dauerhaften Frieden gebracht hat und auch nicht bringen wird.

In der Zeit des Endes wird es – wie wir aus Daniel 11 und andere Stellen sehen – erneute Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Israel geben. Der geschlossene Frieden zwischen Israel und Ägypten wird nicht halten. Mehrere Bibelstellen sprechen ausführlich über den Zorn Gottes über Ägypten (so z.B. Jes 19; Jer 46; Hes 29–32). Zum Teil hat sich das historisch (vor)erfüllt, zum Teil steht die endgültige Erfüllung noch aus. Hesekiel 30 bringt das Gericht über Ägypten eindeutig mit den Gerichten am „Tag des Herrn“ (Hes 30,3) in Verbindung, d. h., es geht um etwas, das mit der zukünftigen Erscheinung des Herrn in Macht und Herrlichkeit verbunden ist.

Der Text in Jesaja 19 ist sehr aufschlussreich. Die Verse 1–15 sprechen ausführlich über das Gericht, das Ägypten treffen wird. Es wird im Land einen Bürgerkrieg geben, in dem jeder gegen jeden kämpft. Dann folgt ein kompletter Zusammenbruch der Wirtschaft – eine Folge davon, dass der Nil vertrocknet. Die politische Führung versagt völlig und weiß sich keinen Rat. Es ist ein Gericht Gottes an Ägypten, es ist der „Ratschluss des Herrn der Heerscharen, den er über (gegen) sie beschlossen hat“ (Jes 19,17). Ab Vers 18 sehen wir dann, wie sich Menschen von den Ägyptern zu Gott wenden. Sie werden den Herrn erkennen an jenem Tag; und sie werden dienen...Und der Herr wird die Ägypter schlagen, schlagen und heilen; und sie werden sich zu dem Herrn wenden, und er wird sich von ihnen erbitten lassen und sie heilen“ (Jes 19,21.22). Insgesamt beschreibt der Text sechs Stufen der Besinnung in Ägypten, die jeweils mit den Worten „an jedem Tag“ eingeleitet werden (Verse 16,18,19,21,23,24). Die Ägypter werden nach und nach einsehen, welche Beziehung Gott zu Israel hat und dass es dem Ratschluss Gottes entspricht, dass Er sie segnen wird und sie in ihrem Land wohnen werden. Ganz am Ende des Kapitels nennt Gott Ägypten sogar „mein Volk“ (Vers 25). So wird es zu einem tatsächlichen Frieden zwischen Israel und Ägypten kommen.

Hesekiel 29,13–16 gibt weitere interessante Details. Dort lernen wir, dass die Ägypter wegen ihrer anhaltenden Feindschaft zu Israel zuerst für 40 Jahre über die Erde verstreut sein werden. Dann erst wird Gott sie in ihr Land zurückbringen. Dann erst wird es Segen für Ägypten geben.

3.5.2. Assyrien

In der Zeit, in der Israel noch das anerkannte Volk Gottes war und der Thron Gottes in Jerusalem stand, waren die Assyrer der große Feind des Volkes. Diese alte Macht im Nahen Osten spielt in den prophetischen Ereignissen ebenfalls eine große Rolle und wird in den Propheten häufiger erwähnt als jeder andere Feind Israels.

In den ersten Büchern der Bibel begegnen wir den Assyrern nur relativ selten (nur 1. Mo 2,14; 25,18). Die alte Hauptstadt Babel wird ebenfalls erwähnt (1. Mo 10,10; 11,9). Sehr häufig werden die Assyrer dann in der Geschichte der Könige erwähnt. Gott benutzte dieses Volk als Zuchtrute für sein abtrünniges Volk (Jes 10,5). In 2. Könige 17 lesen wir, wie Salmaneser, der König von Assyrien, im Jahr 727 v. Chr. gegen die zehn Stämme und ihre Hauptstadt Samaria zog und das Volk in Gefangenschaft brachte. Dieses Ereignis war in den prophetischen Schriften als Gericht vorausgesagt worden. Besonders Jesaja (z. B. Jes 7,17; 8,7; 10,5) und andere Propheten, wie Hosea, sprechen mehrfach von dem Assyrer als Feind Israels. Diese Prophezeiungen haben sich teilweise bereits in der Geschichte Israels in der Zeit der Könige erfüllt. In der Endzeit werden sich diese Weissagungen dann vollständig erfüllen. Dann werden besonders Juda und Benjamin – die damals durch Gottes Eingreifen vor der Eroberung durch die Assyrer von Gott bewahrt blieben – die Macht und Gewalt dieses Feindes aus den Norden zu spüren bekommen. Es ist bemerkenswert, dass Jerusalem in der Zeit seiner Könige zwar von Assyrien belagert, jedoch zu keinem Zeitpunkt eingenommen wurde. Das wird erst in der Endzeit geschehen, wenn Jerusalem von dem Angriff des „Königs des Nordens“ überrollt werden wird.

Das ursprüngliche Assyrische Reich existierte über einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren, vom 17. Jahrhundert v. Chr. bis zu seiner Vernichtung etwa 612 v. Chr. Man unterscheidet in der Geschichte drei Zeitperioden: das Altassyrische Reich, das Mittelassyrische Reich und das Neuassyrische Reich. Das Neuassyrische Reich (von ca. 750–612 v. Chr.) gilt allgemein als das erste Großreich der Weltgeschichte. Es umfasste in seiner größten Ausdehnung die heute bekannten Länder Syrien, Irak, Iran, Jordanien, Libanon sowie Teile von Israel, Ägypten und der Türkei. Eine der Hauptstädte des Reiches war Ninive, die Stadt, in die der Prophet Jona gesandt wurde, um das Gericht anzukündigen und gegen die sich vor allem der Prophet Nahum in seiner Weissagung wendet.

Doch dieses Reich fand sein Ende. Vom Propheten Nahum vorausgesagt, besiegte ein Heer aus Medern und Babyloniern Ninive im Jahr 612 v. Chr. und zerstörte die Stadt komplett. Damit war das Assyrische Reich in seiner ursprünglichen Form zu einem endgültigen Ende gekommen. Der Weg für das Neu-Babylonische Großreich, das erste der vier Weltreiche aus dem Buch Daniel, war frei.

Im Buch Daniel wird das Assyrische Reich nicht als eines der vier Weltreiche gesehen23. Dennoch finden wir dort eine politische und militärische Macht, die aus dem Norden kommt, wo einmal Assyrien war. Es handelt sich um den „König des Nordens“ (Dan 11,6.8.11.13.15.40). Wir sahen bereits, dass dieser König des Nordens aus einem der vier Diadochenreiche Alexanders des Großen (dem dritten Weltreich, dem griechischen) hervorgegangen ist. Das Gebiet dieses Reiches beinhaltete Teile des ehemaligen Assyrischen Reiches, war allerdings deutlich kleiner. Es umfasste in etwa das Gebiet des heutigen Syrien, während das ursprüngliche Assyrische Reich eine deutlich größere Ausdehnung hatte. Wir sahen auch schon, dass Daniel 11 im ersten Teil über die permanenten Konflikte zwischen dem König des Nordens (Syrien) und dem König des Südens (Ägypten) berichtet. Beide Reiche kamen durch das aufstrebende Römische Reich zu Ende. Der letzte Herrscher des historischen Syrischen Reiches – bereits in Gnaden Roms – war Philipp II (69 bis 63 v.Chr.).

Als römische Provinz war Syrien reich und bedeutend. 634 n.Chr. wurde das Land islamisiert und stand danach unter der Herrschaft unterschiedlicher arabischer Regenten. Von 1516 bis 1918 gehörte Syrien mit einer kurzen Unterbrechung zum Osmanischen Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg stand Syrien unter französischem Mandat. Bereits 1930 wurde die Syrische Republik gegründet. 1946 wurde das Land dann unabhängig. 1963 gab es einen Staatsstreich. Seitdem regiert die arabisch-sozialistische Barth Partei. Die Mehrheitsbevölkerung im Land bilden die Araber mit ca. 90%, die wiederum überwiegend den Sunniten24 angehören. Die inneren politischen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen Syriens sind Lesern des 21. Jahrhunderts hinreichend bekannt.

Die Geschichte Syriens nach dem Zweiten Weltkrieg steht neben innenpolitischen Konflikten ganz im Zeichen des arabisch-israelischen Konflikts. Syrien gehört zu den Gründungsmitgliedern der Arabischen Liga und steht Israel bis heute feindlich gegenüber. Es unterhält gute bilaterale Beziehungen zum Iran und zum Libanon, die ebenfalls als erklärte Feinde Israels gelten und Syrien militärisch unterstützen. Tatsächlich befinden sich Israel und Syrien formal bis heute im Kriegszustand. Seit 1967 hält Israel die syrischen Golanhöhen besetzt. UN Blauhelmsoldaten sichern das Grenzgebiet seit 1974. Dennoch ist die Situation seit längerer Zeit relativ ruhig. Der Grund mag darin liegen, dass Israel Syrien militärisch aktuell deutlich überlegen ist. Dennoch hat sich Syrien mit russischer Hilfe neue Waffensysteme beschaffen können, mit denen Ziele in Israel durchaus erreicht werden können.

In der Zukunft wird es ganz sicher zu neuen Eskalationen kommen, und gerade Syrien gehört dann zu den erklärten Feinden Israels. Daniel 8 gibt uns eine relativ ausführliche Beschreibung des kommenden Königs des Nordens, der Israel angreifen und besiegen wird. Er wird dort als ein kleines Horn vorgestellt (Vers 9), das ausnehmend groß wird. Dort lernen wir zugleich etwas über den Charakter des politischen Führers dieser Nation kennen. Er wird vorgestellt als ein König frechen Angesichts und ränkekundig. Dieser Mann wird politisch überaus klug agieren und viele verführen.25

Doch Daniel 8,24 macht noch etwas klar. Der König des Nordens wird zwar mächtig sein, doch es wird nicht seine eigene Macht sein. Es wird eine Macht von außen geben, auf die er sich stützen wird. Diese Macht ist sehr wahrscheinlich – wie weiter oben schon angedeutet – Russland sein, die Macht im äußersten Norden (Hes 38,15). Eine Landkarte zeigt, dass im äußersten Norden – über Syrien hinaus -tatsächlich das riesige russische Reich liegt. In Hesekiel 38,2.3 und 39,1 ist von dem Fürsten von Rosch die Rede. Viele Ausleger sehen darin eine Bezeichnung für Russland.

Ein Blick in die aktuelle politische Lage lässt uns drei Dinge schnell erkennen:

  • Erstens: Syrien und Russland verfügen traditionell über sehr gute Beziehungen. Russland liefert Waffen an Syrien und andere Staaten im Nahen Osten, die Israel kritisch gegenüberstehen. Die Kraft Syriens liegt bereits heute in der Kraft Russlands.
  • Zweitens: Die Spannungen zwischen Israel und Syrien waren seit der Staatsgründung Israels vom ersten Tag an immer vorhanden und groß. Wir erinnern an den Unabhängigkeitskrieg 1948, den Sechstagekrieg 1967 und den Jom-Kippur-Krieg 1973. An allen drei Kriegen war Syrien beteiligt.
  • Drittens: Syrien operiert schon seit vielen Jahren politisch sehr geschickt und versucht dabei, eine Vorrangstellung im Nahen Osten zu erreichen.

Dabei wollen wir vorsichtig sein und die heutigen Ereignisse nicht ohne weiteres mit den Weissagungen der Bibel verbinden. Es sind wiederum lediglich Zeitzeichen/Schatten, die wir gleichwohl zur Kenntnis nehmen.

Das Ende der Macht des Königs aus dem Norden wird besonders in Daniel 11, 41–45 beschrieben. Dort lesen wir:

„Und er (der König des Nordens) wird ins Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen; diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon. Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entkommen; und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen, und Libyer und Äthiopier werden in seinem Gefolge sein. Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Grimm, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird seine Palastzelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem Berg der heiligen Zierde. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen“.

Der Feind aus dem Norden kommt also in der Zeit des Endes mit einer gewaltigen Armee nach Palästina (vgl. Jes 10,28–32). Der Angriff scheint plötzlich und unerwartet zu sein. Er wird „anstürmen“, „eindringen“ und „überfluten“ (vgl. ähnliche Ausdrücke in Jes 8,7.8, 10,22; 28,2.15.17.18; 59,19; Dan 9,27). Bis heute hat der 1948 gegründete Staat Israel eigentlich alle Kriege gegen seine Nachbarn gewonnen, doch dann wird das anders sein26. Es gibt eine Reihe prophetischer Aussagen, die ausführlich von diesem ersten Angriff auf Palästina sprechen (z. B. Jes 5,26–30; 28,14–22; Jer 4,5–9; Joel 2,3–11; Sach 12,2–4; 14,1.2).

Nicht nur Israel ist von der beschriebenen Invasion betroffen. Andere Länder werden ebenfalls besiegt bzw. besetzt werden. Dies ist insofern bemerkenswert, als der König des Nordens vorher mit einigen dieser Länder kollaboriert haben wird (vgl. Ps 83,2–9). Welche Länder das genau sind, wird nicht gesagt. Es muss sich um Nachbarländer Israels handeln. Von Edom, Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon, also den Nachkommen Lots und Esaus wird allerdings konkret gesagt, dass sie nicht der Hand der Königs der Nordens entkommen werden. Nach dem Sieg über Israel wird der König des Nordens nach Ägypten ziehen und auch dieses Land besetzen. Darauf scheint Jesaja 19,4 Bezug zu nehmen, wo von einem „harten Herrn“ und einen „grausamen König“ die Rede ist.

Der Aufenthalt in Ägypten wird jedoch nur von kurzer Dauer sein. Es werden Gerüchte aus dem Osten und aus dem Norden aufkommen, die den König des Nordens erschrecken und ihn veranlassen werden, zügig zurückzukehren (Dan 11,44). Die Bibel sagt nicht konkret, um welche Gerüchte es sich handelt. Man kann annehmen, dass es um einen Aufstand in Palästina und um den Truppenaufmarsch westlicher und anderer Heere in Harmagedon geht (Off 16,16; 19,19). Jedenfalls wird die Hauptmacht Syriens im großen Grimm nach Palästina zurückkehren. Der König des Nordens wird das Land mit seinen Truppen füllen, um Jerusalem zum zweiten Mal belagern. Daniel 11,45 sagt: „Und er wird seine Palastzelte aufschlagen zwischen dem Meer (dem Mittelmeer) und dem Berg der heiligen Zierde (die Berge um Jerusalem)“. Die Belagerung selbst wird in Jesaja 29 ausführlich beschrieben. Sacharja 14 spricht ebenfalls darüber. Der Herr selbst wird dann in der größten Not den bedrängten Juden zu Hilfe kommen – und zwar durch sein Erscheinen in Macht und Herrlichkeit. „Und der Herr wird ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen, wie an dem Tag, da er kämpft, an dem Tag der Schlacht. Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, nach Osten und nach Westen hin, zu einem sehr großen Tal, und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen“ (Sach 14,3.4). Die genannten Nationen sind der König des Nordens und sein Gefolge. Das Ende dieser Macht wird im Buch Daniel dreimal erwähnt (vgl. Dan 8,25; 9,27; 11,45). Es wird ein schreckliches Ende sein. Jesaja spricht darüber in Kapitel 14,24–27: „Der Herr der Heerscharen hat geschworen und gesprochen: Ja, wie ich es zuvor bedacht habe, so geschieht es; und wie ich es beschlossen habe, so wird es zustande kommen: dass ich Assyrien in meinem Land zerschmettern und es auf meinen Bergen zertreten werde. Und so wird sein Joch von ihnen weichen, und seine Last wird weichen von ihrer Schulter. Das ist der Ratschluss, der beschlossen ist über die ganze Erde; und das ist die Hand, die ausgestreckt ist über alle Nationen. Denn der Herr der Heerscharen hat es beschlossen, und wer wird es vereiteln? Und seine ausgestreckte Hand – wer könnte sie abwenden?“ In Daniel 11,45 haben wir von seinem Ende gelesen, bei dem ihm niemand helfen wird (vgl. Jes 10,33).27

Das Ende der assyrischen Macht aus dem Norden wird furchtbar sein. Dennoch wird Assyrien nicht völlig ausgelöscht werden. Wir haben uns in Verbindung mit Ägypten bereits daran erinnert, dass es im tausendjährigen Reich eine Zukunft für Assyrien geben wird. Zwischen den drei Hauptakteuren der endzeitlichen Ereignisse – Israel, Ägypten und Assyrien – wird es im tausendjährigen Reich tatsächlich Frieden geben (vgl. Jes 19,23–25; Micha 7,12).

3.6. Edom, Ammon und Moab

Werfen wir jetzt einen Blick auf einige andere arabische Staaten, die in der biblischen Prophetie erwähnt werden und die ebenfalls eine gewisse Rolle im endzeitlichen Geschehen einnehmen werden. Dies sind zunächst die „Verwandten“ Israels, über deren Geschichte wir weiter oben bereits nachgedacht haben.

Wir haben gesehen, dass Edom, Ammon und Moab als „Verwandte“ Israels insofern territorial miteinander verbunden sind, als dass sie das Gebiet des heutigen Staates Jordanien im Osten von Israel abdecken (Ammon im Norden, Moab in der Mitte und Edom im Süden).

Jordanien ist heute eine Erbmonarchie mit knapp 10 Millionen Einwohnern. Mit dem Sieg der Muslime über das Oströmische Reich geriet das Territorium des heutigen Jordanien nach der Zeit der Römer fast ununterbrochen unter islamische Herrschaft und war später ein Teil des Osmanischen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg stand Jordanien (damals Transjordanien) unter englischem Protektorat. Seit 1946 ist Jordanien ein unabhängiger Staat. Wie in anderen Ländern des Nahen Ostens ist der Islam Staatsreligion, wobei sich die meisten Einwohner zum sunnitischen Islam bekennen.

Jordanien steht als Mitglied der Arabischen Liga Israel kritisch gegenüber. Das 1949 nach dem ersten Angriff auf den jungen Staat Israel unter dem Druck der Verhältnisse geschlossene Waffenstillstandsabkommen empfanden vor allem die Jordanier als Niederlage, weil es für sie einen deutlich schlechteren Grenzverlauf festlegte, als er noch zwei Jahre vorher im UN Teilungsplan für den Nahen Osten vorgesehen gewesen war. Im Oktober 1994 schlossen König Hussein von Jordanien und der israelische Ministerpräsident Rabin zwar den israelisch-jordanischen Friedensvertrag (unter Vermittlung von US Präsident Carter). Dennoch gilt das Verhältnis beider Staaten als nicht sehr gut. In Jordanien leben immerhin etwa 1,8 Millionen Palästinenser, denen dieser Friedensvertrag nicht gefällt. Die Eskalation zwischen Israel und den Palästinensergebieten im Westjordanland beeinflusst deshalb die jordanische Innenpolitik. Angesichts der akuten Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern liegt der Friedenvertrag de facto auf Eis. Dieser Vertrag wird ohnehin ganz sicher nicht auf Länge der Zeit halten, denn die Propheten des Alten Testamentes zeigen deutlich, dass es in der Zukunft (d. h. in der der Zeit des Endes, vor dem Kommen des Herrn auf dieser Erde) erhebliche Konflikte zwischen beiden Ländern geben wird.

Die Propheten erwähnen Moab, Ammon und Edom mehrfach. In Jesaja 15 und 16 finden wir einen Ausspruch über Moab. Wir erkennen, wie Gott den Hochmut und die Aggression der Moabiter bestraft. Einen vergleichbaren Ausspruch finden wir in Jeremia 48 (vgl. weiter Hes 25,11; Amos 2,1.2). Die Gründe für das Gericht sind vor allem Stolz und Arroganz und zugleich großes Vertrauen in die eigene Weisheit, die eigene Stärke und den eigenen Reichtum (vgl. Jer 9,22–25). Hinzu kommen Spott und Schadenfreude über das Unglück Judas28.

Jeremia 49,1–6 beinhaltet ein Gesicht (eine Vision) über die Kinder Ammon. Auch Hesekiel sollte sein Angesicht gegen Ammon richten und gegen sie weissagen (Hes 25). Ein wesentlicher Grund für das Gericht ist erneut die Schadenfreude über das Volk Gottes.

Über beide Nationen und Nachkommen Lots – Moab und Ammon – sagt Gott: „Ich habe die Schmähung Moabs und die Lästerungen der Kinder Ammon gehört, womit sie mein Volk geschmäht und gegen dessen Gebiet großgetan haben. Darum, so wahr ich lebe, spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, soll Moab gewiss wie Sodom und die Kinder Ammon wie Gomorra werden, ein Besitztum der Brennnesseln und eine Salzgrube und eine Wüste in Ewigkeit. Der Überrest meines Volkes wird sie berauben, und das Übriggebliebene meiner Nation sie beerben“ (Zeph 2,8.9).

Jeremia 49, 7–22 und viele andere Stellen sprechen über das Gericht über Edom. Es ist festbeschlossen (Vers 7–13). Es ist endgültig (Verse 14–18), und es kommt plötzlich (Verse 19–22). Das komplette Buch Obadja ist einzig und allein dem Gericht Edoms gewidmet. Andere Stellen wie Psalm 137,7; Jesaja 34,8; Hesekiel 25,12–14; Joel 4,19 und Amos 1,11.12 zeigen die Begründung für dieses Gericht. Edom hatte sich – wie Moab und Ammon – vor allem durch Schadenfreude, Denunziation und Beraubung an Juda verschuldet.

Wenn wir die prophetischen Schriften lesen, finden wir Edom, Moab und Ammon mehrfach zusammen erwähnt. In Jeremia 9,24.25 heißt es: „Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da werde ich alle Beschnittenen mit den Unbeschnittenen heimsuchen: Ägypten und Juda und Edom und die Kinder Ammon und Moab und alle mit geschorenen Haarrändern, die in der Wüste wohnen...“ Dieser Ausspruch zeigt, dass keine der Nationen dem Gericht Gottes entkommen wird. Das wird in Jeremia 25,17–21 bestätigt: „Und ich nahm den Becher aus der Hand des Herrn und ließ alle Nationen trinken, zu denen der Herr mich gesandt hatte: ...Edom und Moab und die Kinder Ammon“. Daniel 11,41 macht klar, dass allerdings gerade diese drei Nationen nicht von König des Nordens bei dessen Invasion Richtung Süden erobert werden: „Und er (der König des Nordens) wird ins Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen; diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon.“ Das mag zwei Gründe haben: Erstens wird speziell Moab ein Zufluchtsort für den jüdischen Überrest sein (Jes 16,4). Zweitens wird das Gericht gerade über diese drei „Verwandten“ Israels aufgespart, denn letztlich ist es Christus selbst, der diese Nationen strafen wird. Dennoch wird er sich dabei seines Volkes Israel bedienen. Davon spricht Jesaja 11,14: „Und sie (das Volk Israel) werden den Philistern auf die Schultern fliegen nach Westen, werden miteinander plündern die Söhne des Ostens; an Edom und Moab werden sie ihre Hand legen, und die Kinder Ammon werden ihnen gehorsam sein“. Das wird unmittelbar vor oder zu Beginn der Aufrichtung des tausendjährigen Reiches geschehen. Die Philister sind hier die Feinde im Westen Israels (heute der Gazastreifen). Edom, Moab und Amon liegen im Osten (heute Jordanien).

Danach wird es allerdings eine wichtige Unterscheidung geben. Für Moab und Ammon gibt es eine Wiederherstellung. Sie haben im kommenden Friedensreich einen Platz (ebenso wie Ägypten und Assyrien). Über Moab sagt Gott: „Aber ich werde die Gefangenschaft Moabs wenden am Ende der Tage, spricht der Herr“ (Jer 48,47). Gleiches gilt für Ammon (Jer 49,6). Obwohl Gott gesagt hatte, dass kein Ammoniter oder Moabiter in die Versammlung des Herrn kommen sollte (5. Mo 23,4), erweist Er sich am Ende diesen beiden Nationen gegenüber gnädig.

Für Edom gilt das jedoch ausdrücklich nicht. Gott sagt: „Denn ich habe bei mir geschworen, spricht der Herr, dass Bozra29 zum Entsetzen, zum Hohn, zur Verwüstung und zum Fluch werden soll, und alle seine Städte zu ewigen Einöden“ (Jer 49,13). Edom hat aufgrund des besonderen Bruderhasses (wir erinnern uns: Esau war der Zwillingsbruder Jakobs) keine Zukunft. In Jesaja 34,9.10 sagt Gott: „Und seine Bäche verwandeln sich in Pech und sein Staub in Schwefel; und sein Land wird zu brennendem Pech. Nacht und Tag erlischt es nicht, ewig steigt sein Rauch empor. Von Geschlecht zu Geschlecht liegt es verödet, für immer und ewig zieht niemand hindurch“. Durch Hesekiel lässt Gott sagen: „Und seine Berge werde ich mit seinen Erschlagenen füllen; auf deinen Hügeln und in deinen Tälern und in allen deinen Talgründen sollen vom Schwert Erschlagene fallen. Zu ewigen Wüsteneien werde ich dich machen, und deine Städte sollen nicht mehr bewohnt werden“ (Hes 35,8.9). Edom wird als brennende Pech- und Schwefelstätte beschrieben. Kein Mensch wird sich dort aufhalten wollen und können. Das Gebiet von Edom wird vielmehr eine Wohnstätte unreiner Geister und Dämonen sein (vgl. Jes 34,14).

Das Gericht über Edom wird vermutlich eines der letzten Gerichte sein, bevor das tausendjährige Reich beginnt30. Gott spart es sich bis zum Ende auf31. Stellen, wie Jesaja 11,14 und Hesekiel 25,14, zeigen, dass die Juden an dem Strafgericht über Edom in gewisser Weise beteiligt sind. Dennoch ist es letztlich Christus selbst, der die Kelter des Gerichts Gottes treten wird. Das macht Jesaja 63,1–6 deutlich. Die „hochroten Kleider“ sprechen einerseits von Blut und andererseits von Sieg. Die Farbe Rot hat mit dem Keltern zu tun. Die beiden Namen Edom und Bozra sind eine Anspielung auf die hebräischen Worte „rot“ (adom) und „Winzer“ (bozer). Die Kelter ist ein Bild vom schonungslosen Gericht Gottes, das das Brudervolk Israels treffen wird. Diese Kelter wird, wie bereits gesagt, von Christus selbst getreten (Off 19,15).

3.7. Weitere Staaten

Es sind nicht nur die Hauptakteure – Assyrien und Ägypten – und die „Verwandten“ Israels (Moab, Ammon und Edom), sondern es gibt weitere Staaten und Nationen, die von den endzeitlichen Gerichten getroffen werden. Der Grund ist ihr Hass und ihre Aggression gegen das Volk Gottes. Gott sagt: „Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn ich die Gefangenschaft Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde ich alle Nationen versammeln und sie in die Talebene Josaphat32 hinabführen; und ich werde dort mit ihnen rechten über mein Volk und mein Erbteil Israel, das sie unter die Nationen zerstreut haben“ (Joel 4,1.2; vgl. Sach 12,2–6 und Ps 83). Diese Staaten werden sich zum großen Teil zunächst mit Syrien gegen Israel verbünden, dann allerdings selbst von Syrien besetzt werden. Das sind die „vielen Länder“, von denen Daniel 11,41 sagt, dass sie durch die Invasion des Königs des Nordens zu Fall kommen werden.

3.7.1. Der Libanon

Die Bewohner im Norden Palästinas waren in der Zeit von König Salomo ein Alliierter Israels, wurden jedoch später zu Feinden. In der Zeit der Könige von Juda lesen wir mehrfach davon. Wir begegnen dieser Nation dort unter dem Namen von Tyrus und Sidon (damals mächtige Stadtstaaten mit großer wirtschaftlicher Kraft und heute wichtige Städte im Libanon)33. Der Staat Libanon hat heute ca. 6 Millionen Einwohner, die allermeisten sind arabischer Abstammung. Der Libanon ist ein überwiegend muslimischer Staat mit einem etwa gleich hohen Anteil an Sunniten und Schiiten. Allerdings gibt es in diesem Land einen größeren Anteil von Menschen, die sich zum christlichen Glauben bekennen. Viele Libanesen haben allerdings schon seit vielen Jahrzehnten aufgrund religiöser Repressalien ihre Heimat verlassen34

Der Libanon war wie andere Länder im Nahen Osten Teil des Osmanischen Reiches und stand ab 1920 unter französischem Mandat. Seit 1943 ist der Libanon selbstständig. Seit der Gründung des Staates Israel befinden sich beide Länder im Kriegszustand. Daran hat sich formal bis heute nichts geändert. Tatsächlich hat es außer den drei bereits mehrfach genannten Kriegen (1948, 1967, 1973) weitere unmittelbare militärische Konflikte zwischen Israel und dem Libanon gegeben. 1982 griff Israel den Nachbarn an, weil die PLO35 von dort aus Attacken auf Israel organisierte. Die Tatsache, dass der Libanon die Heimat der Hisbollah36 ist, sorgt für zusätzliches Konfliktpotential. 2006 eskalierte der Konflikt mit der Hisbollah zu einem weiteren Krieg. Gegenseitige Forderungen stehen bis heute im Raum. Allerdings ist die libanesische Armee deutlich schlechter ausgestattet als die Israels.

Der Libanon unterhält enge Beziehungen zu Syrien. 1991 schlossen beide Länder den syrisch-libanesischen Vertrag, womit Syrien seine Vormachtstellung zu festigen suchte. Zum Iran – für seinen besonderen Hass gegen Israel bekannt – gibt es ebenfalls gute diplomatische Beziehungen.

Jesaja 23 enthält einen Ausspruch Gottes über Tyrus und kündigt das Gericht an (Vers 1–14). Sidon wird in diesem Ausspruch ebenfalls erwähnt. Zugleich ist von der Widerherstellung im kommenden Reich die Rede (Verse 15–18). Noch ausführlicher ist die Beschreibung in Hesekiel 26–28, wo Sidon erneut erwähnt wird. Ähnlich wie wir es vorher schon gesehen haben, straft Gott Hochmut, Stolz und Reichtum.

Weil das Territorium des Libanon eigentlich zu Israel gehört (vgl. Jos 1,4) und damit Teil des von Gott verheißenen Landes ist, wird der Libanon im tausendjährigen Reich kein eigener Staat sein, sondern zu Israel gehören. Sidon ist dann die nördlichste Stadt im Stammesgebiet von Aser. Tyrus liegt etwas weiter südlich. In Richter 1,31 lesen wir, dass der Stamm Aser damals unter Josua die Stadt Sidon nicht eingenommen hatte. Im tausendjährigen Reich wird das anders sein. Dann gehört das Gebiet des Libanon zu Israel.

3.7.2. Die Palästinenser

Als Palästinenser galten ursprünglich alle Bewohner in der Region Palästinas. Heute wird diese Bezeichnung vor allem für die arabischen Bewohner der Autonomiegebiete im Gazastreifen und im Westjordanland gebraucht. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass sich das Wort „Palästinenser“ (Land der Philister) von dem Wort „Philistäa“ ableitet. Damit identifizieren wir einen weiteren alten Feind des Volkes Israel, den wir besonders in der Zeit der Richter und frühen Könige von Israel wiederfinden.

Der Ursprung der Philister geht auf Ham, einen der Söhne Noahs zurück (1. Mo 10,14). Dass Hamiten und Semiten (Sem war der Vorvater Abrahams) sich nicht verstehen, ist hinreichend bekannt. Die Philister haben sich offensichtlich zunächst unter der Schirmherrschaft Ägyptens in Palästina niedergelassen und dort eine Art Städtebund gegründet. Die fünf Städte der Philister waren Gaza, Askalon (Aschkelon), Asdod (Aschdod), Ekron und Gat. Als der Einfluss der Ägypter in der Region nachließ, übernahmen die Philister die Vormachtstellung in Teilen Palästinas. Das Buch der Richter berichtet über häufige Auseinandersetzungen mit den Philistern (z. B. in der Geschichte Simsons). Bis zum Ende der Richterzeit und zu Beginn des Königtums in Israel (unter Saul) waren die Philister eine echte Bedrohung. Erst König David besiegte die Philister nachhaltig (wir denken an seinen ersten Sieg, den er gegen Goliath errang). Unter König Salomo waren sie fronpflichtig (1. Kön 5,1). In der Folgezeit der Könige von Israel und Juda lesen wir – von einigen Ausnahmen abgesehen – wenig über die Philister. 732 v. Chr. wurden sie von den Assyrern unterworfen. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. verschwanden sie als eigenständige ethnische Gruppierung.

Das damalige Gebiet der Philister befindet sich dort, wo heute der Gazastreifen ist. Von den fünf Philister Städten existieren immer noch Gaza-Stadt, Aschdod und Aschakelon. Der Gazastreifen hat aktuell ca. 2 Millionen Einwohner und ist Teil des palästinensischen Autonomiegebiets37. Seit etwa 2007 wird der Gazastreifen von der islamischen Terror-Organisation Hamas38 kontrolliert.

Das Westjordanland (manchmal als Westbank bezeichnet) liegt westlich von Jordanien und östlich von Israel. Es bildet zusammen mit dem Gazastreifen die palästinensischen Autonomiegebiete. Von den etwas über 2 Millionen Einwohnern sind über 80% Palästinenser und etwas weniger als 20% Juden, die dort in israelischen Siedlungen wohnen. Dass die israelische Siedlungspolitik den Palästinensern ein Dorn im Auge ist, ist hinreichend bekannt und sorgt für permanenten Zündstoff und Konflikte. Das Westjordanland wird politisch von der Fatah kontrolliert39.

1993 wurde das sogenannte „Oslo-Abkommen“ zur Lösung des Nahost-Konfliktes unterzeichnet. Damals erkannten sich beide Seiten (Israelis und Palästinenser) erstmals an. Israel akzeptierte die PLO als offiziellen Vertreter der Palästinenser und die PLO verpflichtete sich, aus ihrer Charta alle Stellen, die Israels Vernichtung erklärten, zu streichen. Außerdem wurde vereinbart, dass es eine eigene palästinensische Verwaltung für den Gazastreifen und das Westjordanland geben sollte. Wirklichen Frieden hat dieses Abkommen bis heute nicht gebracht, denn das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern ist nach wie vor mehr als angespannt. Dies gilt für den Gazastreifen noch mehr als für das Westjordanland. Israel schottet die Autonomiegebiete so stark ab, dass die Wirtschaft dort am Boden liegt. Die Palästinenser verfügen über deutlich weniger Waffen als Israel, werden jedoch von anderen arabischen Staaten unterstützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu weiteren Eskalationen kommt, gilt als äußerst hoch.

In den Auseinandersetzungen in der Zeit des Endes und im Gericht Gottes über die Nationen spielen die Palästinenser (die Philister) ebenfalls eine Rolle. Sie werden in den prophetischen Schriften mehrfach erwähnt – entweder unter dem Namen „Philister“ oder unter dem Namen ihrer fünf Städte. In Jesaja 9 hat Gott ein Wort gegen Jakob (Israel), und Er droht ihnen an, dass Er Feinde gegen sie aufreizen wird, darunter „die Syrer von Osten und die Philister von Westen; und sie werden Israel fressen mit vollem Maul“ (Jes 9,11). Daraus kann man entnehmen, dass die Palästinenser mit den Syrern gemeinsame Sache gegen Israel machen werden. Bei dem Angriff des Königs des Nordens wird sich das Blatt dann jedoch wenden, und die Palästinenser werden ein Opfer der Invasion der Syrer werden (Dan 11,41). Dennoch wird das Endgericht von dem Herrn Jesus selbst ausgeführt werden. Die Palästinenser werden vollständig vernichtet werden. Im tausendjährigen Reich wird es kein Volk der Philister mehr geben. Das Gebiet, das sie heute bewohnen, ist ein Teil des Erbes Gottes an sein Volk und wird von Ephraim und Juda bewohnt werden (vgl. Obad 1,19). Es fällt auf, dass es viele Stellen gibt, die das Gericht über diesen alten Feind des Volkes Israel beschreiben. Stellvertretend ein Zitat aus Sacharja 9,5.6: „Askalon soll es sehen und sich fürchten; auch Gaza, und soll sehr erzittern, und Ekron, denn seine Zuversicht ist zuschanden geworden. Und der König wird aus Gaza vertilgt, und Askalon wird nicht mehr bewohnt werden. Und ein Bastard wird in Asdod wohnen, und ich werde den Hochmut der Philister ausrotten“ (vgl. Jer 47,7; Hes 25,15.16; Amos 1,8; Zeph 2,4).

3.7.3. Sonstige Mächte

Die Hauptakteure sind damit benannt. Dennoch gibt es noch eine Reihe von anderen Völkern, die in der biblischen Prophetie genannt werden und die ebenfalls eine gewisse Rolle spielen werden. Wir nennen sie hier mit ihren biblischen Namen, weil ihre aktuelle Zuordnung zumindest schwierig ist:

  1. Elam: Die Landschaft Elam liegt östlich des Tigris im heutigen Iran (bis 1935 Persien). Die Hauptstadt von Elam war Susan (Dan 8,2), ca. 1.200 km von Jerusalem entfernt. Die Geschichte Elams ist äußerst wechselhaft verlaufen und kann bis zum Jahr 3000 v. Chr. zurückverfolgt werden. Elam wurde wiederholt von verschiedenen Mächten (Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer) besetzt und wieder verloren. Im 6. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Perser Elam, und es wurde eine persische Provinz. Es ist nicht auszuschließen, dass Elam als Synonym für den Iran (Persien) steht. Diese Aussage ist jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu bewerten. Wir können es nicht sicher behaupten. Der Iran ist im Übrigen kein arabischer Staat. Die Iraner gehören ethnisch zu den Persern und haben eine eigene Sprache. Was sie mit den arabischen Staaten im Nahen Osten verbindet, ist nicht die ethnische Zugehörigkeit, sondern die religiöse Zugehörigkeit zum Islam und besonders ihr Hass gegen Israel. Der Iran spricht Israel bis heute offen das Existenzrecht ab40 und liefert darüber hinaus Waffen an die Feinde Israels, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft, z. B. an die Hisbollah und die Hamas.
    Elam wird in der biblischen Prophetie ein paar Mal erwähnt. In Jesaja 21,1.2 heißt es im Zusammenhang mit der Gerichtsankündigung über Babel: „Ausspruch über die Wüste des Meeres. Wie Stürme, wenn sie im Süden daherfahren, so kommt es aus der Wüste, aus furchtbarem Land. Ein hartes Gesicht ist mir kundgetan worden: Der Räuber raubt, und der Verwüster verwüstet. Zieh hinauf, Elam! Belagere, Medien! All ihrem Seufzen mache ich ein Ende“. Dieses Wort hat sich in der historischen Eroberung Babels durch die Meder und Perser zur Zeit Daniels erfüllt. Jeremia bekam einen Ausspruch über Elam (Jer 49,34–39), der eindeutig in die Zukunft weist, denn im tausendjährigen Reich, „am Ende der Tage“ (Vers 39), wird es eine Zukunft für Elam geben. Am Ende wird der Herr die Gefangenschaft Elams ebenso wenden, wie die anderer Staaten im Nahen Osten. „Aber es wird geschehen am Ende der Tage, da werde ich die Gefangenschaft Elams wenden, spricht der Herr“ (Jer 49,39)
  2. Put: Put wird in der Bibel einige Mal erwähnt. Es ist nicht eindeutig zuzuordnen, um welches Land es genau geht. Denkbar ist, dass es mehrere Länder gibt, die den Namen „Put“ in der Bibel tragen. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus versteht unter Put das heutige Libyen. Er schreibt: „Nach Libyen führte Phutes Kolonisten und nannte sie nach seinem Namen Phuter. Auch gibt es im Maurenlande einen Fluss dieses Namens, den samt dem benachbarten Lande Phute auch viele griechische Geschichtsschreiber erwähnen. Seinen jetzigen Namen hat Libyen von Libys, einem der Söhne des Mestraïm“41. Darüber hinaus gibt es ägyptische Quellen, die diesen Gedanken unterstützen. Dieser Erklärung folgen einige Bibelausleger in ihren Auslegungen. Put wird in den prophetischen Schriften einige Male erwähnt, und zwar meistens als Alliierter anderer Kräfte (Jer 46,9; Hes 27,10; 30,5; 38,5).42
  3. Mesech und Tubal: Es ist fast unmöglich, diese beiden Orte sicher zu lokalisieren. Fachleute, die sich damit intensiv auseinandergesetzt haben, kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Sie stimmen allerdings insofern überein, als dass sie beide Orte nördlich von Israel auf der Strecke zum südlichen Kaukasus suchen43. Das würde durchaus mit einigen Stellen in der Bibel übereinstimmen, wo Mesech und Tubal genannt werden, nämlich in Hesekiel 38.2.3 und 39,1. Sie werden dort jeweils mit dem Fürsten von Rosch verbunden. Rosch ist – wie wir gesehen haben – möglicherweise ein Hinweis auf Russland, die Macht im äußersten Norden44. Die Söhne Japhets (von denen Mesech und Tubal abstammen) ließen sich im Südosten des Schwarzen Meeres nieder.
  4. Die Hageriter: Erneut ist nicht klar, um wen genau es sich handelt. Die Bibel erwähnt die Hageriter nur in 1. Chronika 5, wo der Stamm Juda gegen sie Krieg führt und sie besiegt. Psalm 83,7 sieht sie in der Allianz der Feinde Israels. Wahrscheinlich handelt es sich um ein arabisches Volk, dessen Ursprung und Wohnsitz uns nicht bekannt ist. Einige Ausleger denken daran, dass es Nachkommen von Hagar sind. Andere sehen die Hageriter als Synonym für Ägypten. Beides scheint spekulativ zu sein. Fakt ist, dass sie sich gegen Israel wenden werden.
  5. Gebal: Gebal ist entweder ein Teil der Gebirgskette Edoms oder – was wahrscheinlicher ist – die phönizische Stadt Byblos nordöstlich von Beirut im Libanon. Ihre Einwohner werden Gibliter genannt (Jos 13,5). Einige Gibliter waren erfahrene Steinmetze und halfen bei der Arbeit am Tempel (1. Kön 5,32). Andere waren Ausbesserer von Schiffen (Hes 27,9). Byblos gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Orten der Erde. Der Hafen der Stadt war in der Zeit der Phönizier und Römer sowie während der Kreuzzüge im Mittelalter von großer Bedeutung.
  6. Amalek: Die Amalekiter waren ein Volk und Feind im Land Palästina, mit dem Israel in der Zeit der Richter und der frühen Könige häufig um Landbesitz kämpfte. Die Herkunft der Amalekiter ist nicht eindeutig zu klären. Einerseits war Amalek ein Enkel Esaus (1. Mo 36,12), andererseits lesen wir bereits in 1. Mose 14,7 von Amalekitern. Bereits in der Wüste wurde Israel nach dem Auszug aus Ägypten von Amalekitern angegriffen und geschlagen. Dort hatte Gott gesagt, dass er das Gedächtnis Amaleks „ganz und gar unter dem Himmel austilgen werde“, denn „Krieg hat der Herr gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht“ (2. Mo 17,14.16). Von Bileam stammt der interessante Ausspruch: „Die erste der Nationen war Amalek, aber sein Ende ist zum Untergang“ (4. Mo 24,20). Die Amalekiter siedelten sich im Süden Kanaans an, in der Nähe des heutigen Negev. Sie lebten zwar in Städten, führten jedoch wie die Nomaden kriegerische Überfälle auf Nachbarstämme aus. Amalek war also nach Ägypten zeitlich gesehen der erste Feind des Volkes Gottes. Die Feindschaft blieb bis in die Zeit der frühen Könige. Danach lesen wir – außer in Psalm 83,8 – von Amalek nichts mehr. Gott hatte seine Ankündigung gegen Amalek früh wahrgemacht.
  7. Kedar und Hazor: Kedar war ein Sohn Ismaels (1. Mo 25,13). Seine Nachkommen waren Schafzüchter mit guten Handelsbeziehungen (Hes 27,21). Sie lebten in Zeltdörfern zwischen Palästina und Mesopotamien und waren als geschickte Bogenschützen bekannt (Jes 21,17). Sie zählen somit, aus Israels Sicht, zu den „Söhnen des Ostens“, die im Buch der Richter einige Male erwähnt werden (Ri 6,3.33; 7,12; 8,10). Einige Ausleger denken hier an Saudi-Arabien. Sicher ist das jedoch nicht. Hazor war vermutlich eine nicht befestigte Stadt in Nordpalästina. Jeremia bekam den Auftrag gegen Kedar und Hazor zu weissagen (Jer 49,28–33). Vor allem Hazor sollte völlig zerstört und in Ewigkeit zur Wüste werden, in der sich kein Mensch aufhalten wird.

3.8. Babylon

Das Alte Testament zeigt, dass das Babylonische Reich nach dem Assyrischen Reich eine besondere Zuchtrute Gottes für sein irdisches Volk (hier besonders für die Juden) gewesen ist. Es war Nebukadnezar, der König von Babel, der Jerusalem einnahm und die Juden nach Babel brachte:

Insgesamt fanden drei große Deportationen nach Babel statt, und zwar:

  1. unter König Jojakim im Jahr 606/605 v. Chr.
  2. unter König Jojakin im Jahr 598/597 v. Chr.
  3. unter König Zedekia im Jahr 587/586 v. Chr.

Zedekia war der letzte jüdische König in Jerusalem. Die Zeit der jüdischen Könige endete damit, dass die Stadt und der Tempel komplett zerstört wurden.

Durch den Propheten Jeremia hatte Gott angekündigt, dass die Gefangenschaft in Babel 70 Jahre dauern würde (vgl. Jer 25,11.12; 29,10). Diese Zeit begann mit der ersten Wegführung eines Teils der Juden unter der Regierung Jojakims im Jahr 606/605 v. Chr. (vgl. Dan 1,1)45.

Babel war eine sehr frühe Weltmacht. In 1. Mose 10,8–10 lesen wir in Verbindung mit Nimrod zum ersten Mal von dieser Stadt. Sie war von Anfang an einerseits durch Gewalt und Machtstreben (Nimrod war ein gewaltiger Jäger) und andererseits durch Hochmut, Selbstvergötterung und Verwirrung gekennzeichnet (in Babel bauten die Menschen den Turm, und dort verwirrte Gott die Sprache; 1. Mo 11,1–9). Diese beiden Kennzeichen Babels finden wir in der Offenbarung wieder. In Offenbarung 17 und 18 wird das religiöse „Gegenstück“ zu Babel in der Endzeit ausführlich beschrieben. Es stellt die abgefallene Christenheit dar, deren Charakter und Ende dort sehr facettenreich beschrieben wird. Es gibt in der Tat viele Parallelen zwischen dem historischen Babel im Alten Testament und dem, was die Offenbarung über die abgefallene Kirche sagt. Babel wird also – geistlich gesehen – seinen letzten Repräsentanten in dem großen Babylon der Offenbarung haben. Was dort beschrieben wird, ist zukünftig, allerdings erkennen wir auch hier deutliche Schatten bereits in der Gegenwart.

Politisch gesehen hatte das Babylonische Reich keine direkte Zukunft. Es war das erste der vier Weltreiche, von denen Daniel schreibt. Es folgten das Medo-Persische Reich, das Griechische Reich und das Römische Reich (Westeuropa). Wenn überhaupt, dann kann man in dem letzten Reich, dem römischen, gewisse Wesenszüge des ersten Reiches sehen (vgl. Off 13,2)46. In der „Zeit des Endes“ wird es also auf dieser Erde kein direktes „Gegenstück“ zu Babylon geben, d. h., es ist nicht zu erkennen, dass sich einer der heute existierenden Staaten in dem historischen Babylon wiederfindet47.

Das historische Babel wurde damals von den Medern und Persern besiegt. Das geistliche Babylon wird durch die Könige des kommenden Römischen Reiches vernichtet werden. Damals ebnete der Sieg über Babel den Weg für die Rückkehr des Überrestes der Juden in ihre Heimat. Die Vernichtung der „Hure Babylon“ wird einmal den Weg für die Hochzeit des Lammes im Himmel öffnen (Off 19, 1–9). Babylon nimmt also unter den alttestamentlichen Feinden des Volkes Gottes eine Sonderstellung ein.

Fußnoten

  • 1 Die Arabische Liga ist Organisation arabischer Staaten, die 1945 gegründet wurde. Hauptziele dieses Staatenbundes sind die Förderung der Beziehungen der Mitglieder und die Unabhängigkeit und Souveränität der Mitgliedstaaten (siehe dazu ausführlicher unter 3.3).
  • 2 Persönlichen Anteil an dem Reich kann nur derjenige haben, der eine neue Geburt erlebt (Joh 3,5). Es wird also so sein, dass sich aus diesen Völker Menschen bekehren, genau so, wie das bei dem Überrest der Juden und Israels der Fall sein wird.
  • 3 Als Beduinen (arabisch: nicht sesshaft oder nomadisch) werden heute die Wüstenbewohner der arabischen Halbinsel, der syrischen Wüste, des Sinai, in Teilen der Sahara und im israelischen Negev bezeichnet. Sie selbst bezeichnen sich als „Araber“, um sich von denen zu unterscheiden, die sesshaft geworden sind. In der Tat bezeichnen die Beduinen Ismael als ihren Stammvater. Mittlerweile sesshafte Abkömmlinge der Beduinen unterliegen allerdings in vielen arabischen Staaten erheblicher Diskriminierung.
  • 4 Einige Ausleger denken dabei auch konkret an den Staat Saudi-Arabien, was man nicht ganz auszuschließen kann, was jedoch aus meiner Sicht weniger wahrscheinlich ist.
  • 5 Der Galaterbrief zeigt an dem Beispiel von Isaak und Ismael bzw. Sara und Hagar die unüberbrückbaren Gegensätze von Gnade und Gesetz. Das ist die geistliche Belehrung, die wir für uns aus dieser Begebenheit ziehen. Im Rahmen dieser Ausarbeitung ist das jedoch nicht das Thema.
  • 6 Das ist ein Nomade, also jemand, der mit seinem Volk und seinen Viehherden von Weide zu Weide zieht, um Futter für die Tiere zu finden.
  • 7 Die Ägypter sind aus dem Geschlecht der Hamiten, während Abraham aus dem Geschlecht der Semiten war. Die Geschichte liefert viele Hinweise auf Konflikte zwischen Hamiten und Semiten.
  • 8 Die Farbe Rot bezieht sich nicht auf die Haarfarbe, sondern auf die Hautfarbe. Im Nahen Osten werden keine Kinder mit roten Haaren geboren. Der Name Esau bedeutet „rot“, und den Namen Edom kann man mit „roter Erdling“ übersetzen.
  • 9 Es ist interessant zu sehen, wie sich die Farbe „rot“ wie ein roter Faden durch das Leben Esaus und seiner Nachkommen zieht. Esau wurde rötlich geboren. Dann geht es um ein rotes Linsengericht, das er haben wollte. Schließlich bewohnten die Nachkommen Esau die rötliche Gebirgslandschaft Seir.
  • 10 Es ist nicht ganz eindeutig, auf welches historische Ereignis sich dieser Hinweis aus dem Propheten Obadja bezieht. Einige Ausleger bringen es mit der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar in Verbindung, andere denken an das, was in der Zeit von König Joram geschah. In 2. Chronika 21,16.17 lesen wir, dass die Philister und Araber gegen Juda zogen und dort einbrachen und alle Habe wegführten, die im Haus des Königs war. Aus 2. Könige 8,20 kann man schließen, dass die Edomiter daran nicht unbeteiligt waren.
  • 11 So Golda Meir 1957 vor dem National Press Club in Washington
  • 12 Es ist auffallend, dass wohl um keine andere Stadt der Welt mehr gekämpft worden ist, als um Jerusalem. Ihr Name bedeutet „Stadt des Friedens“, doch es wird noch dauern, bis sich das realisiert. Die New York Times schrieb vor Jahren, dass Jerusalem die „explosivsten Quadratmeter“ der Welt seien. In den letzten 4.000 Jahren soll es rund 120 Konflikte und Kampfhandlungen in und um Jerusalem gegeben haben. Die Stadt wurde über 50 Mal angegriffen, erobert und wieder zurück erobert und dabei mindestens zweimal komplett zerstört. Der letzte Krieg um Jerusalem liegt rund 50 Jahre zurück (Sechstage-Krieg 1967). Doch das ist mit Sicherheit nicht die letzte Kampfhandlung gewesen.
  • 13 Der Islam ist eine Religion, die im frühen 7. Jahrhundert n. Chr. in Arabien durch den Propheten Mohammed ihren Anfang nahm und heute mit über 1,5 Milliarden Anhängern zu einer der ganz großen Weltreligionen gehört. Das arabische Wort „Islam“ bedeutet „Unterwerfung“ oder „Hingabe“. Menschen, die dem Islam angehören, werden als Muslime (oder Moslems) bezeichnet, was nichts anderes bedeutet, als „derjenige, der sich hingibt“. Seinen Anfang nahm der Islam in Mekka, verbreitete sich dann über Arabien. Bereits Mitte des 7. Jahrhunderts herrschte der Islam in den heutigen Gebieten von Palästina, Syrien, Irak und im Iran.
  • 14 Der Gott der Moslems ist damit ebenso wenig der Gott der Christen. Obwohl das in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Islam häufig behauptet wird – besonders von christlicher Seite – ist es nicht so. Dafür können viele Beweise angeführt werden. Das vielleicht deutlichste Argument ist, dass der Gott der Bibel einen Sohn hat und diesen Sohn für Menschen hingegeben hat. Der Gott der Moslems hingegen hat keinen Sohn, aber er verlangt, dass Menschen ihre Söhne für ihn hingeben.
  • 15 Es bleibt offen, welche Rolle die USA in der biblischen Prophetie spielen. Sie werden an keiner Stelle der Bibel ausdrücklich erwähnt. Entweder ziehen sich die USA in einem gewissen Sinn aus dem internationalen Geschehen zurück und überlassen Europa (dem kommenden Römische Reich) die Bühne, oder sie sind stillschweigend in das westliche Bündnis eingebunden, von dem die Bibel spricht. Mir scheint das erste wahrscheinlicher zu sein, ich möchte die Frage jedoch ausdrücklich offen lassen.
  • 16 Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, dass dieser Psalm natürlich ebenso eine praktische Komponente hat, d. h., wir können uns die Frage stellen, was Asaph uns als Christen heute damit sagen möchte.
  • 17 Alexander der Große starb im Jahr 323 v. Chr. Danach zerfiel sein Reich in vier Teile (Diadochenreiche). Es waren Syrien, Ägypten, Mazedonien und Kleinasien. Die Teilung war ca. 281 v. Chr. abgeschlossen.
  • 18 Welche Rolle dabei möglicherweise die Türkei spielt (die ebenfalls im Norden Israels auf dem ehemaligen Territorium des assyrischen Reiches liegt) bleibt offen. In den prophetischen Schriften gibt es dazu m.E. keine Aussagen.
  • 19 Der Irak, an den einige Ausleger ebenfalls denken, liegt nicht im Norden von Palästina, sondern eindeutig im Osten. Es mag allerdings durchaus sein, das Teile des Irak zu diesem Zeitpunkt zu diesem König des Nordens dazu gehören werden. Wichtige Städte des alten Assyrien (z.B. Ninive) liegen im heutigen Staatsgebiet des Irak. Wir dürfen ohnehin nicht zwingend davon ausgehen, dass die aktuell gültigen Grenzverläufe zwischen den Staaten des Nahen Ostens so bleiben wie sie sind. Gerade die Rolle des heutigen Irak ist in der biblischen Prophetie sehr schwierig zu erkennen.
  • 20 Dass sich in dem „König des Nordens“ (Syrien) Weissagungen erfüllen, die in Verbindung mit dem assyrischen Reich gegeben sind, zeigt sich z.B. ganz deutlich darin, dass Assyrien historisch eine Zuchtrute Gottes für sein irdisches Volk Israel war (Jes 10,5). Genau diese Zuchtrute wird in der Zukunft der König des Nordens (Syrien) sein (vgl. Jes 28, 2.15.18, wo von dem überflutenden Wasser und überflutenden Geißel die Rede ist).
  • 21 Das Abkommen ist als „Camp-David-Abkommen“ bekannt. Es umfasst zwei Vereinbarungen. Der erste Teil beinhaltet einen „Rahmen für Frieden im Nahen Osten“ und bekundet den Willen beider Staaten, eine dauerhafte Lösung des Nahostkonflikts zu schaffen. Der zweite Teil behandelt die Frage der Rückgabe des Sinai an Ägypten, die Begrenzung ägyptischer Militärpräsenz auf dem Sinai und die freie Durchfahrt israelischer Schiffe durch den Suezkanal. Außerdem nahmen beide Staaten normale Beziehungen zueinander auf.
  • 22 1994 folgte der israelisch-jordanische Friedensvertrag, für den Jordanien allerdings eine hohe Geldsumme von den USA als Gegenleistung bekam
  • 23 Das mag auf den ersten Blick verwundern, denn faktisch war es natürlich ein Weltreich. Der Grund liegt indes auf der Hand. Es handelt sich nicht um einen historischen Fehler in der Bibel. Gott schreibt die Geschichte anders als Menschen sie schreiben. Assyrien wird deshalb im Buch Daniel nicht als eines der Weltreiche erwähnt, weil in diesem Buch die „Zeiten der Nationen“ (Lk 21,34) beschrieben werden. Das ist die Zeit, in der Israel nicht mehr das anerkannte Volk Gottes ist und der Thron Gottes nicht mehr in Jerusalem steht. Diese Zeit begann erst mit Nebukadnezar und nicht schon vorher mit Assyrien (und sie dauert immer noch an). Deshalb ist aus der Sicht Gottes das babylonische Reich das erste der vier Weltreiche.
  • 24 Im Islam gibt es zwei große Richtungen, nämlich die Sunniten und Schiiten. Die Ursache für diese Spaltung ist in erster Linie eine Folge des politischen Streits um die rechtmäßige Nachfolge des Propheten Mohammed nach seinem Tod im Jahr 632. Die Bezeichnung Sunniten ist die Kurzform für „Anhänger des Brauchs und der Gemeinschaft“. Ihre Anhänger orientieren sich am Brauch der ersten Nachfolger Mohammeds und der Mehrheit der islamischen Gläubigen. Sie differenzieren sich damit von zahlreichen Splittergruppen, die u. a. die Lehre vertraten, dass nur Mohammeds Cousin und Schwiegersohn Ali und seine Nachkommen das Recht hätten, das politische Oberhaupt (Kalif, Imam) der Muslime zu stellen. Das trifft vor allem auf die Schiiten zu. Diese Bezeichnung basiert auf einem Ausdruck, der auf Arabisch „Partei oder Gefolgschaft Alis“ bedeutet. Während die Sunniten die Ansicht vertreten, dass die religiöse und politische Führung der muslimischen Gemeinschaft jeweils dem Fähigsten unter ihnen zusteht, glauben die Schiiten, dass Mohammed zu Lebzeiten seinen Cousin und Schwiegersohn Ali zu einem Nachfolger ernannt hat. In der religiösen Praxis heute gibt es zwischen Sunniten und Schiiten nur relativ geringe Unterschiede. Die größeren Unterschiede zwischen beiden Gruppen liegen heute daher weniger in Fragen der Theologie als vielmehr in ihren politischen Auffassungen. Ungefähr 90% der Muslime weltweit zählen sich heute zu den Sunniten. Es gibt allerdings Staaten, wo die Schiiten in der Mehrheit sind. Dazu zählen z. B. der Iran und der Irak. Weitere Länder mit einem relativ hohen Anteil an Schiiten sind der Libanon, Aserbaidschan und Bahrain.
  • 25 Einige Ausleger gehen davon aus, dass es diesem König durch kluges politisches Taktieren sogar gelingen wird, im Volk der Juden Anhänger zu finden, die dann als eine Art „Kollaborateure“ hinter ihm stehen werden. Umso größer wird die Überraschung sein, wenn dieser Feind dann plötzlich das Land der Juden überschwemmen wird, um es zu besetzen.
  • 26 Es ist bemerkenswert, dass Golda Meir, die ehemalige israelische Außen- und Premierministerin im Jahr 1969 auf eine Pressekonferenz gesagt hat: „Die Moslems können kämpfen und verlieren und dann wiederkommen und erneut kämpfen. Aber Israel kann nur einmal verlieren“.
  • 27 Dieses Gericht über den König des Nordens ist von dem Gericht zu unterscheiden, das den König aus dem „äußersten Norden“ trifft. Das Gericht über diesen König wird in Hesekiel 38 und 39 beschrieben. „Auf den Bergen Israels wirst du fallen, du und alle deine Scharen und die Völker, die mit dir sind; den Raubvögeln jeder Art und den Tieren des Feldes habe ich dich zum Fraß gegeben“ (Hes 39,4). Das Gericht ist ähnlich, findet allerdings eine gewisse Zeit später (d. h. nachdem das kommende Reich bereits begonnen hat) statt und darf deshalb nicht mit dem verwechselt werden, was über den König des Nordens (Syrien) gesagt wird.
  • 28 Allerdings macht Jesaja 16 auch klar, dass Moab einer der Flüchtlingsorte sein wird, wo sich ein Teil des gläubigen Überrestes der kommenden Tage aufhalten wird (Mt 24,15.16; Offb 12,14). Dort werden sie sicher sein, bis der „Verwüster“ (das ist die Macht aus dem Norden) und der „Bedrücker“ (das ist der Antichrist) ihr Ende gefunden haben.
  • 29 Bozra (eine Stadt im Gebirge Edoms) ist hier ein Synonym für Edom
  • 30 Abgesehen von dem Gericht über Gog und Magog (Hes 38 und 39), das erst stattfinden wird, wenn das Reich bereits seinen Anfang genommen hat.
  • 31 Die Chronologie ist ganz grob etwa so: Zunächst kommt der Herr vom Himmel auf die Erde und vernichtet die alliierten westlichen Heere und den Antichristen. Dann wird die assyrische Heeresmacht vernichtet und danach die Nachbarvölker, einschließlich Edom.
  • 32 Es ist nicht ganz klar, wo das erwähnte Tal Josaphat zu suchen ist. Offensichtlich ist es eine Anspielung auf das Tal in 2. Chronika 20,16, wo Josaphat einen gewaltigen Sieg gegen einen übermächtig erscheinenden Feind errungen hatte. Dabei ist es bemerkenswert, dass das Wort Josaphat „Jahwe richtet“ bedeutet. Daher haben einige angenommen, dass das Wort symbolisch gebraucht wird und ein Synonym für das Gericht des Herrn ist.
  • 33 Wenn wir in der Bibel den Ausdruck „Libanon“ finden, ist damit nicht der heute existierende Staat Libanon gemeint, sondern meistens das Gebirge Libanon. Eine spezifische libanesische Identität als Nation gibt es ohnehin erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts.
  • 34 Man schätzt, dass heute mehr Libanesen im Ausland leben als im eigenen Land. Man findet sie fast überall auf dieser Welt
  • 35 Siehe die Erklärung in Fußnote 18
  • 36 Siehe die Erklärung in Fußnote 20
  • 37 Den Namen „Gazastreifen“ gibt es etwa seit 1949, als Israel und Ägypten nach dem ersten arabisch-israelischen Krieg ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichneten.
  • 38 Siehe dazu die Erklärung in Fußnote 21
  • 39 Die Fatah ist deutlich gemäßigter als die Hamas. Es ist dennoch eine „Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas“ Sie verfolgt die „komplette Befreiung Palästinas“ und die „Gründung eines unabhängigen demokratischen Staates mit vollständiger Souveränität über die palästinensischen Gebiete und Jerusalem als Hauptstadt“ sowie die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“. Im Rahmen des Oslo-Abkommens von 1993 bekannte sich die Fatah zum Friedensprozess und lehnte den Terrorismus als politisches Mittel ab. Im Mai 2011 unterschrieben Fatah und Hamas ein Abkommen, in dem sie sich dazu bereit erklären, eine gemeinsame Übergangsregierung zu bilden.
  • 40 2015 veröffentlichte der politische und religiöse Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei ein Buch mit dem Titel „Palästina“. Dort spricht er offen davon, dass das „Krebsgeschwür Israel“ zerstört und Jerusalem von den Juden befreit werden müsse.
  • 41 Flavius Josephus: Antiquitates Ludaicae
  • 42 In Nahum 3,9 wird Put ebenfalls erwähnt, dort jedoch ausdrücklich von Libyen unterschieden. Hier muss es sich jedenfalls um ein anderes Land handeln
  • 43 Psalm 120,5 verbindet Mesech mit Kedar. Dort wird der jüdische Überrest kommender Tage einen Zufluchtsfort finden. Kedar liegt im nordwestlichen Teil der arabischen Halbinsel (vielleicht Saudi-Arabien), während Mesech im Nordosten von Palästina zu suchen ist (dabei ist nicht ganz sicher, ob es mehrere Orte mit dem Namen Mesech gibt)
  • 44 Eher spekulativ scheint es zu sein, den Namen Mesech mit Moskau und den Namen Tubal mit Tobolsk verbinden zu wollen. Diese beiden Städte umfassen zwar den europäischen und asiatischen Teil Russlands, so dass die Erklärung zwar interessant ist, mehr jedoch nicht. Es scheint so zu sein, dass man weder fundierte historische noch sprachkundliche Begründungen für diese Erklärung geben kann.
  • 45 Sie endete mit der Verordnung des Perserkönigs Kores (Cyrus) im Jahr 537/536, als er den Juden erlaubte, nach Jerusalem zurückzukehren, um dort den zerstörten Tempel wieder aufzubauen.
  • 46 Ein Vergleich mit Daniel 7,2–6 zeigt, dass es um die ersten drei Weltreiche geht (das babylonische Reich, das Reich der Meder und Perser und das griechische Reich), die in den Bildern von Tieren (Löwe, Bär, Leopard) vorgesellt werden. In dem vierten Reich (Tier) – dem römischen – finden wir Charakterzüge der ersten drei Reiche wieder, die – für sich gesehen – endgültig der Vergangenheit angehören.
  • 47 Es hat unterschiedliche Versuche gegeben, das doch zu tun. Einige Ausleger bringen Babylon mit dem Irak in Verbindung (vor allem wegen teilweiser territorialer Übereinstimmung). Das lässt sich m. E. jedoch nicht aus den biblischen Belehrungen ableiten. Es gibt in der Bibel keinen Hinweis darauf, Babylon als bedrückende nahöstliche Macht zu sehen, die Israel in der Zeit des Endes bedrängen wird. Babylon ist die einzige Macht aus dem Alten Testament, zu der uns das Neue Testament – in der Offenbarung – eine direkte ausführliche Erklärung gibt- und zwar im Blick auf das, was nach der Entrückung der Gläubigen von der bekennenden Kirche (dem Namenschristentum) übrig bleiben wird.
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