Was ist mit dem neuen Bund gemeint?

Im Neuen Testament lesen wir z. B. in Lukas 22,20 von dem „neuen Bund“. Was ist mit diesem Bund gemeint? Was ist Inhalt und Grundlage dieses neuen Bundes?

Bibelstelle(n): Jeremia 31,31-34; Hebräer 8,7-13; 2. Mose 19; 2. Korinther 3,8.9

Der „Alte“ oder erste Bund

Ein herausragender Unterschied zwischen Israel und den anderen Völkern war, dass Gott mit Seinem Volk einen Bund geschlossen hatte, von dem aller Segen abhängig war. Gott hat Israel aus dem Machtbereich des Pharao erlöst (vgl. 2. Mo 12 – 15) und noch in der Wüste schließt Er mit ihnen einen Bund (vgl. 2. Mo 19,5–7).

Dieser Bund war zweiseitig: Wenn Israel alle Gebote halten würde, dann würde Gott sie reichlich segnen. So musste Israel erst etwas tun und daraufhin würde Gott mit Segen antworten. In maßloser Überschätzung rief das ganze Volk: „Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun!“ (2. Mo 19,8). Zur Bestätigung nahm Mose von dem Blut des Opfers, das zur Besiegelung des Bundes gebracht worden war, und sprengte es auf das Volk (2. Mo 24,5–8; vgl. Heb 9,18–22). „Wenn ihr“, so hatte Gott gesagt, und genau daraus ergibt sich die Schwäche, die Kraftlosigkeit des Alten Bundes (vgl. Röm 8,3a), weil der Segen von dem Menschen abhängt.

Wenn Gott in Seiner Gnade den Menschen in eine neue, privilegierte Stellung bringt, dann kann oft beobachtet werden, wie der Mensch wieder davon abfällt. So war es auch bei Israel, in deren Mitte Gott wohnte. Trotz aller Warnungen sehen wir, wie das Volk innerlich und äußerlich immer weiter abfällt, bis Gott schließlich das endgültige Gericht über sie bringt. Jerusalem (repräsentativ für Israel) wird belagert (vgl. Hes 4 und 5) und, was noch viel schlimmer ist: die Herrlichkeit Gottes weicht von dem Tempel.

Dieses Ereignis ist sehr wichtig in der Heilsgeschichte Gottes mit Israel. All die Jahrhunderte (ca. 2.500 Jahre) ist Israel äußerlich gesehen ein Volk wie alle anderen, wenn auch oft unterdrückt. Aber ohne die gesegnete Anwesenheit des Herrn in ihrer Mitte, sind sie ohne besondere Herrlichkeit. Denn diese Herrlichkeit ist seit Hesekiel 10 und 11 nicht mehr zurückgekehrt. Sie wird erst in Zukunft wiederkommen. Bis dahin wird das Volk nicht nur „Lo-ammi“ (Nicht-mein-Volk) sondern auch „Ikabod“ (Nicht-Herrlichkeit) genannt (vgl. Hos 1,9 und 1. Sam 4,21).

Doch dieser Zustand wird nicht immer so bleiben. Dazu zwei Gründe:

  1. Die Gnadengabe und die Berufung Gottes sind unbereubar (Röm 11,2.29).
  2. Gott hatte mit der Berufung dieses Volkes eine bestimmte Absicht (die Verherrlichung Christi und die Segnung der Erde).

In Daniel 2; Sacharja 6 und auch in Daniel 9,24 wird davon berichtet, dass für Israel wieder eine Segenszeit anbrechen und Gott wieder mit seinem Volk anknüpfen wird.

Der Neue Bund

Der Neue Bund wird sowohl im Alten, wie auch im Neuen Testament erwähnt:

  • „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, da ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen, welchen meinen Bund sie gebrochen haben; und doch hatte ich mich mit ihnen vermählt, spricht der HERR. Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Und sie werden nicht mehr ein jeder seinen Nächsten und ein jeder seinen Bruder lehren und sprechen: Erkennet den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.“ (Jer 31,31–34; vgl. Heb 8,6–13)
  • „Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; dieses ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte und gab ihnen denselben und sprach: Trinket alle daraus. Denn dieses ist mein Blut, das des neuen Bundes, welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26,26–28)

Die Grundlage

Wir haben bereits gesehen, dass das Volk Israel den Bund vom Sinai gebrochen hatte und welche Konsequenzen dies gehabt hat. Es war ein zweiseitiger Bund, in dem die Entscheidung über Segen oder Gericht von dem Handeln Israels abhing. Doch wenn Gott etwas Neues, Vollkommenes anfängt, dann auf einer neuen, vollkommenen Grundlage, zu der der Mensch nichts hinzutun kann. So ist auch der Segen völlig unabhängig von ihm.

Das Blut des Neuen Bundes

Diese Grundlage wird uns unter anderem in Matthäus 26, 28 vorgestellt: „Denn dies ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird.“ Der Tod unseres Herrn Jesus ist die einzige Grundlage, auf der der Neue Bund geschlossen werden kann. Kein „wenn ... dann“ mehr, sondern Gott spricht einfach nur: „ich werde“ (Jer 31,31–34; Hes 16,60–62). Christus ist der Mittler eines Neuen Bundes (Heb 9,15), es ist sein Blut, dass das Blut des Neuen Bundes genannt wird (Mt 26,28).

Das Blut des Alten Bundes

Als der Bund zwischen Gott und dem Volk geschlossen wurde, opferte Mose Brand- und Friedensopfer, nahm von dem Blut und sprengte es auf das Volk (2. Mo 24,5–8). Dies war ein Zeichen, dass dem Volk bei Gehorsam nicht nur Segen verhieß, sondern gleichzeitig bei Ungehorsam Gericht androhte.

Das Blut was hier floss, besiegelte lediglich das Versprechen des Volkes Israels, alle Worte Gottes zu tun und zu gehorchen. Doch es konnte keine Sünden wegnehmen (vgl. Heb 10,4). Sünden können nur auf der Grundlage des Todes des einen vollkommenen, heiligen und den Anforderungen Gottes entsprechenden Opfers vergeben werden.

Kennzeichen des Neuen Bundes

Der Neue Bund ist nach Jeremia 31 durch zwei maßgebliche Kennzeichen charakterisiert:

  1. Es gibt eine Veränderung IN dem Gläubigen: „Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen“ (V. 33). Das bedeutet, dass der Gläubige von neuem geboren wird. (Vgl. das Gespräch zwischen dem Herrn und Nikodemus in Johannes 3.) Er wird dann das kennen, wünschen und tun, was dem Willen Gottes entspricht. Im alten Bund war es dem Volk Israel nicht möglich die Forderungen Gottes aus sich selbst zu erfüllen – dazu hatten sie keine Kraft. Doch jetzt haben sie die Kraft dazu! Es ist kein Zwang mehr, sondern ein Wunsch, ein Verlangen.
  2. Der Bund wird FÜR den Gläubigen geschlossen: „Denn ich werde ihre Schuld vergeben und ihrer Sünden nicht mehr gedenken“ (V. 34). Das, was für uns heute schon gilt, nämlich die Vergebung der Sünden auf der Grundlage von Golgatha, wird dann auch für das wiederhergestellte Volk Israel gelten. Nie konnte das „Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen“ (Heb 10,4). Alle Opfer im Alten Testament waren nur ein Erinnern an die Sünden. Doch aufgrund des Blutes des Herrn Jesus, kann im Neuen Bund auch die Sünde des Volkes Israel vergeben werden. Dann wird die Decke von ihren Herzen genommen werden (2. Kor 3,14.15) und sie alle werden ihn erkennen (Jer 31,34), nachdem sie den angeschaut haben „den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10; Off 1,7) und die ganze Erde wird „voll der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn“ sein (Hab 2,14).

Mit wem wird der Neue Bund geschlossen?

Jeremia 31,31 beantwortet diese Frage eindeutig: „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da werde ich in Bezug auf das Haus Israel und in Bezug auf das Haus Juda einen neuen Bund vollziehen“.

Der Neue Bund wird also nicht mit der Versammlung, der Gemeinde des Christus geschlossen. Wenn das so wäre, dann müsste auch der Alte Bund mit der Versammlung geschlossen worden sein. Da die Versammlung zu der Zeit noch gar nicht existierte ist dieser Gedanke hinfällig.

Gott schließt einen Bund mit seinem irdischen Volk, nicht aber mit seinen Kindern. Jeremia 31,33 sagt hingegen: „... und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein“. Das beschreibt eine ganz andere Beziehung. Wir sind Kinder Gottes und stehen zu Gott in der Beziehung als seine Kinder (Joh 1,12; 1. Joh 3,1).

Die Gläubigen heute und der Neue Bund

Der Neue Bund wird – dem Buchstaben nach – auf der Grundlage des Blutes Christi mit Israel im 1000jährigen Reich geschlossen. Der Neue Bund, der einmal formell mit Israel „vollzogen“ wird, wird jetzt schon an uns „bedient“ (vgl. 2. Kor 3,3.6), d.h. die kennzeichnenden Merkmale des Neuen Bundes werden auch auf uns schon angewendet:

  1. Er wird FÜR uns geschlossen (vgl. 2. Kor3,9: „Dienst der Gerechtigkeit“). Hiermit ist die Vergebung der Sünden gemeint. Was uns jetzt schon zuteil geworden ist, wird unter dem Neuen Bund auch Israel zuteilwerden. Die Grundlage ist das Blut des Neuen Bundes und auch der Mittler ist immer noch der Herr Jesus. Dem „Dienst der Gerechtigkeit“ steht der „Dienst der Verdammnis“ gegenüber: Das unterstreicht noch einmal den Gedanken, den wir bereits oben gesehen haben: Das Gesetz unter dem alten Bund konnte nur verdammen. Der alte Bund war von vorneherein zum Scheitern verurteilt, weil keine Kraft da war, den Forderungen des Gesetzes gerecht zu werden. Der alte Bund konnte die Gerechtigkeit Gottes nicht erfüllen und wurde damit zu einem Bund der Verdammnis; der Neue Bund erfüllt durch unseren Herrn Jesus Gottes Gerechtigkeit (vgl. 2. Kor 5,21).
  2. Es gibt eine Veränderung IN uns (vgl. 2. Kor 3,8: „Dienst des Geistes“). Hier haben wir einen Unterscheid, was uns heute schon und Israel einmal in der Zukunft betrifft. Auch hier sehen wir zwei sich gegenüberstehende Dienste: „der Dienst des Geistes“ und „der Dienst des Todes.“ Im alten Bund wurde das Gesetz Israels auf Steintafeln geschrieben. Es war ihnen wie ein drückendes Joch (Apg 15,10). Sie konnten es nicht halten und die Folge dieser Sünde ist der Tod (Röm 6,23). Daher wird der alte Bund auch „Dienst des Todes“ genannt.

Im Neuen Bund wird Israel eine neue Natur bekommen die sie dazu befähigt, das Gesetz halten zu können. Das Gesetz wird ihnen nicht ein Joch sein, sondern es wird ihnen in ihr Herz geschrieben. Doch in unsere Herzen wird nicht das Gesetz geschrieben, da wir nie formell unter Gesetz waren. Der Geist Gottes „bedient“ uns nicht mit dem Gesetz, sondern mit einer Person, dem Herrn Jesus (vgl. 2. Kor 3,2f).

Im Alten Bund konnte der Mensch sehen, was Gottes Gerechtigkeit, geschrieben im Gesetz, forderte. Heute sollen die Menschen in uns sehen, was die Gnade Gottes im Werk unseres Herrn, bewirkt. Das kann nur dann geschehen, wenn wir auf einen lebenden Christus in der Herrlichkeit sehen und dadurch in sein Bild verwandelt werden.


Online seit dem 17.12.2012. Zuletzt bearbeitet am 05.09.2017.


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