Warum brechen wir gerade am Sonntag das Brot?

Bibelstelle(n): Apostelgeschichte 2,46; 20,7

Übersicht über die Entwicklung

Die Frage, warum wir das Brot gerade sonntags brechen, ist berechtigt, wenn wir uns einmal die Entwicklung des Brotbrechens anschauen:

  1. Aus den Berichten in Matthäus 26, Markus 14 und Lukas 22 können wir entnehmen, dass der Herr das Abendmahl den Jüngern an einem Donnerstag gab. Dieser Tag ergibt sich, wenn man von dem Tag der Auferstehung, der ein Sonntag war, zurückrechnet.
  2. Aus Apostelgeschichte 2,46 können wir entnehmen, dass die ersten Christen in Jerusalem an jedem Tag der Woche das Brot brachen.
  3. Dieser Zustand hat sich wohl bald geändert, denn wir lesen in Apostelgeschichte 20,7 dass die Christen sich am ersten Tag der Woche, d.h. an einem Sonntag trafen, um das Brot zu brechen. Paulus war auf der Reise nach Jerusalem. Er wollte sich beeilen, um am Pfingsttag dort zu sein. Von Philippi war er abgereist und kam nun nach Troas, wo er sieben Tage blieb, um dann mit den Gläubigen das Brot zu brechen. Trotz seiner Eile lässt Paulus es sich nicht nehmen, diesen Tag mit den Gläubigen in Troas zu verbringen und gemäß des Wunsches des Herrn das Brot zu brechen und so Seinen Tod zu verkündigen (Lk 22, 19).

Von nun an finden wir keine Stelle in der Bibel, die uns einen anderen Tag nennt, an dem das Brot gebrochen wurde. Nachdem die ersten Christen es an jedem Tag getan hatten, hat sich der Sonntag wohl bald als der geeignete Tag dafür herausgestellt.

Warum gerade am Sonntag?

Dennoch stellt sich immer noch die Frage, warum es gerade der Sonntag ist, und nicht der Donnerstag oder gar der Samstag (Sabbat), als der letzte Tag der Woche?

Der Sabbat kann es nicht sein, denn er ist ein typisch jüdischer Tag. Er gehört der alten Schöpfung an und ist ein Bundeszeichen zwischen Gott und Israel (2. Mo 31,12.13). Durch die Sünde und schließlich mit dem Tod des Herrn Jesus ist das Ende der sichtbaren Schöpfung besiegelt (2. Pet 3,10-13).

Es wird klar, dass es die übrigen Tage, abgesehen vom Sonntag, auch nicht sein können, wenn wir uns die Bedeutung des Sonntags, dem ersten Tag der Woche, anschauen.

1. Grund: Die Auferstehung des Herrn, der Beginn der neuen Schöpfung

Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung unseres Herrn. Nachdem der Herr gekreuzigt worden ist, wurde Er durch Joseph von Arimathia Freitag Nachmittag in ein Grab gelegt (Lk 23,50-54). Dort lag Er - bezeichnender Weise über den Sabbat hinweg - bis Er am Sonntag in aller Frühe auferstand (Lk 24,1; Mk 16,1.2). Die Auferstehung ist das vollkommene Zeugnis, der sichtbare Beweis davon, dass Gott dieses Werk angenommen hat. Verworfen von den Menschen ist er nun als Haupt einer neuen Schöpfung auferstanden (Eph 1,22; Kol 1,16). Dieser neuen Schöpfung gehört die Versammlung an, dieser eine Leib, bestehend aus allen Gläubigen von Pfingsten bis zum Kommen des Herr, für den der Herr sein Leben am Kreuz gelassen hat. Jetzt ist das erfüllt worden was der Herr in Lukas 22,19 sagte: "Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird." Das darf jeder ganz individuell für sich in Anspruch nehmen (Gal 2,20), wir dürfen es aber auch korporativ auf die Versammlung anwenden (Mt 13,45-46; Eph 5,25). Wenn der Herr dann anschließend sagt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis", dann ist das genau das, was wir in dem Brotbrechen zum Ausdruck bringen dürfen: In dem gebrochenen Brot und dem Kelch mit Wein dürfen wir uns daran erinnern, dass der Herr sich für uns hingegeben hat und in den Tod gegangen ist. Gibt es einen schöneren, besser geeigneten Tag, als den, der von diesem Neubeginn zeugt?

2. Grund: Der Herr erscheint den versammelten Jüngern

Es ist der Tag, an dem der Herr zwei Mal in der Mitte seiner Jünger steht. Die Tatsache, dass der Herr an dem ersten Tag der Woche auferstanden ist, hat diesen Tag zum "Tag des Herrn" (wörtlich: "der dem Herrn gehörende Tag"; Off 1,10) geheiligt. Der Herr selbst zeichnet diesen Tag aus. Nachdem Er u.a. Maria, Petrus und den beiden Jüngern auf der Straße nach Emmaus erschienen war, steht Er nun am Abend des Auferstehungstages in der Mitte der Seinen (Joh 20,19-23). Hierin können wir ein Vorbild auf das Zusammenkommen als Versammlung sehen. Als derjenige, der gerade die Strafe zu unserem Frieden auf sich genommen hat (Jes 53,5) spricht hier: "Friede euch!" Ja, Frieden mit Gott und Ruhe dürfen die Jünger damals und auch wir heute durch sein Opfer genießen. Solange das Werk noch nicht vollbracht war, konnte von einem Frieden mit Gott keine Rede sein. Doch jetzt steht der Herr als der Auferstandene in der Mitte der Seinen, als der sichere Beweis, dass das Werk vollbracht ist und dass Gott dieses Werk vollkommen angenommen hat. Eine Woche später steht der Herr noch einmal in der Mitte der Jünger, dieses Mal ist auch Thomas dabei.

3. Grund: Pfingsten, die Geburtsstunde der Versammlung

Der erste Tag der Woche ist der Tag, an dem der Heilige Geist auf die Erde kam (Apg 2,1-4). In Lukas 24,44-53 dürfen wir die letzten Stunden unseres Herrn sehen, bevor er in den Himmel auffährt. Der Herr sagt den Jüngern, dass alles so geschehen war, wie es in dem Gesetz Moses, den Propheten und den Psalmen geschrieben steht. Sie waren Zeugen davon geworden und hatten gesehen, wie er gelitten, gestorben und wieder auferstanden war. Nun steht der Herr kurz davor, zurück in die Herrlichkeit Seines Vaters zu gehen. Er verspricht den Jüngern, dass Er den Heiligen Geist senden wird (Apg 1,5) und gebietet ihnen, in der Stadt zu bleiben. Dann geschieht etwas Wunderbares. Noch einmal offenbart der Herr sich den Jüngern, wie in dem Obersaal, indem Er die Hände hebt und sie segnet. Die Hände, die vor ein paar Tagen noch am Kreuz gehangen haben, wovon die Jünger noch die Wunden sehen konnten, sind jetzt gehoben, um zu segnen (Lk 24,50). Gehorsam und mit großer Freude gehen die Jünger zurück in den Tempel Jerusalems und loben und preisen Gott (Lk 24,52.53).

Zehn Tage später ist es dann soweit, dass der Heilige Geist, am Tag des Pfingstfestes, auf diese Erde kommt. Aus 3. Mose 23,15-21 können wir ableiten, dass dieser Tag der erste Tag der Woche ist. 50 Tage nach der Auferstehung des Herrn findet das seine Erfüllung, wovon auf Golgatha die Grundlage gelegt wurde: Der Heilige Geist kommt auf die Erde und durch Ihn werden alle Jünger zu dem einen Leib getauft, der Versammlung des lebendigen Gottes. Sehen wir das nicht auch, wenn wir beim Brotbrechen diesen einen Leib vor uns haben? In dem einen Brot dürfen wir alle sehen, die durch das Blut seines Kreuzes erlöst worden sind und Ihn jetzt in der Gnadenzeit angenommen haben (1. Kor 10,17). Dazu dürfen auch wir gehören, insofern wir den Herrn Jesus als unseren Herrn und Heiland angenommen haben. Dann haben auch wir den Heiligen Geist empfangen (Eph 1,13) und gehören diesem einen Leib an, der Versammlung des lebendigen Gottes. Sind wir uns bewusst, wie privilegiert und gesegnet wir sind, dass wir zu diesem Leib gehören dürfen?

Schlussbemerkungen

Wir durften sehen, was für ein herrlicher Tag der Sonntag ist. Es ist der Tag eines Neubeginns, der Tag der Auferstehung unseres Herrn, der Tag an dem der Heilige Geist auf die Erde kam und die Versammlung Gottes gebildet hat.

So wie der Herr einst bei den Jünger leibhaftig anwesend war, so ist Er auch heute persönlich, wenn auch unsichtbar, in unserer Mitte (Mt 18,20). Wir können verstehen, warum der Apostel Paulus extra einige Tage wartete, um diesen Tag mit den Gläubigen in Troas zu verbringen. Dieses Zusammenkommen hatte den einen Zweck, den letzten Wunsch des Herrn vor seinem Tod zu erfüllen.

Sonntag für Sonntag (aber natürlich auch an den übrigen Tagen), dürfen wir uns gemeinsam daran erinnern, was der Herr für uns getan hat, dass er auferstanden ist und was für herrliche Folgen das für Ihn und für uns hat. Damit soll nicht gesagt werden, dass man das Brotbrechen nicht auch an einem anderen Tag durchführen könnte. Gottes Wort schreibt uns nicht vor, dass wir den Sonntag dafür nutzen müssen. Es legt ihn aber wie oben begründet nahe.

Möge es so sein, dass wir diesen besonderen Tag wirklich als solchen halten. Es ist ein Vorrecht, ein Privileg, dass wir an diesem Tag zusammenkommen dürfen, um das Brot zu brechen und somit seinen Tod zu verkündigen.


Online seit dem 12.05.2009.