Was ist mit den "Seeungeheuern" in 1. Mose 1,21 gemeint?

Was ist mit den „Seeungeheuern“ in 1. Mose 1,21 gemeint? Sind es Krokodile, wie von Vielen behauptet wird?

Bibelstelle(n): 1. Mose 1,21; Hiob 7,12; 40,19; Psalm 74,13; 148,7; Jeremia 51,23; Hesekiel 32,2-6;

Da Gottes Wort uns nicht genau sagt, was damit gemeint ist, ist es schwierig, auf diese Frage eine genaue Antwort zu geben. Auch wird das dahinter liegende hebräische Wort tannin, oder tannim in der Bibel für unterschiedliche Tiere gebraucht:

  • Schlangen. In 2. Mose 7,8-13 soll Mose zum Pharao gehen und seinen Stab vor den Pharao auf den Boden werfen, und er würde sich zu einer Schlange verwandeln. Bei der ersten Aufforderung dies zu tun, wird ein anderes hebräisches Wort verwendet, wodurch klar wird, dass hier mit dem Wort eine Schlange gemeint ist.

  • Schakale. An verschiedenen Stellen in der Prophetie des Alten Testaments wird das Wort in der Bedeutung von „Schakal“ gebraucht (z.B. Jes 13,22; Jer 9,11). Diese würden in den Städten oder Wohnungen von bestimmten Völkern wohnen, ein Zeichen der völligen Verwüstung.

  • Ungeheuer, auch Drachen. Bezeichnend ist die Stelle in Hesekiel 32,2-6, wo der Pharao von Ägypten mit einer Seeungeheuer verglichen wird, welches in den Strömen wohnt und das Wasser mit seinen Füßen trübt und die Ströme aufwühlt. In Hiob 7,12 fragt Hiob, ob er ein Seeungeheuer sei, für das eine Wache aufgestellt wird. (Weitere Stellen: Ps 74,13; 148,7; Jer 51,34; Neh 2,13.)

In 1. Mose 1 ist die letztere Bedeutung gemeint. Was ist nun mit den Ungeheuern gemeint, die hier und auch in einigen weiteren Bibelstellen erwähnt werden? Die Erklärung, dass es Krokodile seien scheint zunächst nahe zu liegen. Sie sind gefürchtete, langgestreckte1 Tiere, die schon manchem unvorsichtigen Schwimmer zum Verhängnis geworden sind.

Doch wenn man sich die Beschreibungen in der Bibel genauer anschaut, dann scheint dies etwas zu kurz gegriffen zu sein. Insbesondere Hiobs Frage macht hier keinen Sinn, denn warum sollten Wachen für ein Krokodil aufgestellt werden, so wie man bei einem Meer wacht, ob es eine Flut gäbe (Hiob 7,12)? Wie könnte es mit seinen verhältnismäßig kleinen Füßen das Wasser trüben und mit seinem eher schlanken Körperbau die Ströme aufwühlen (Hes 32,2)? Ein Merkmal der Krokodile ist doch, dass sie sich leise und unbemerkt ihrem Opfer nahen und dann plötzlich und schnell zuschlagen.

Neben diesen Überlegungen gibt es noch einen deutlicheren Hinweis in der Bibel, was mit diesen Ungeheuern gemeint ist. In Hiob 40 und 41 lesen wir von dem Behemot und dem Leviatan, zwei ungewöhnlich gewaltige Tiere, deren Beschreibung sehr gut auf die der Dinosaurier passt. In der Beschreibung des Behemots heißt es zum Beispiel, dass er einen Schwanz „wie eine Zeder“ hat, Knochen wie „Röhren aus Kupfer“ und Gebeine wie „Barren von Eisen“.2

Beide werden als Tiere beschrieben, die in oder an Gewässern leben. In Hiob 40,23 heißt es über den Behemot: „Siehe, der Strom schwillt mächtig an – er flieht nicht ängstlich davon; er bleibt wohlgemut, wenn ein Jordan gegen sein Maul hervorbricht“, und in Hiob 41,23 über den Leviatan: „Er lässt die Tiefe sieden wie einen Topf, macht das Meer wie einen Salbenkessel.“

Tiere wie diese beiden, also Dinosaurier, werden also mit diesem Begriff „Seeungeheuer“ in 1. Mose 1,21 gemeint sein. Ein Vers aus Hiob 40 macht dies nun ganz deutlich: „Er [der Behemot] ist der Anfang der Wege Gottes; der ihn gemacht hat, hat ihm sein Schwert beschafft“ (Hiob 40,19). Hier wird also ganz klar gesagt, dass der Behemot zu den ersten der von Gott geschaffenen Lebewesen gehört, und das sind nach 1. Mose 1 keine anderen, als die Seeungeheuer. Sicherlich kann man die Krokodile auch noch unter den Begriff fassen, doch werden diese gegen die Dinosaurier wie harmlose kleine Echsen gewirkt haben.

Nicht alle Dinosaurier werden in diesem Vers gemeint sein. Doch viele von ihnen lebten nach moderner wissenschaftlicher Auffassung in flachen Gewässern und Sumpfgebieten und können sehr gut unter diesem Begriff „Seeungeheuer“ verstanden werden. So schreibt auch Dr. Stefan Drüeke in seinem Buch „Zurück in die Zeit der Dinosaurier“ über den Behemot: „Alle diese Merkmale passen auf kein heute lebendes Tier, wohl aber auf etliche pflanzenfressende Dinosaurier wie z.B. Brachiosaurus oder Iguanodon. Der Behemoth wird als der Erstling Gottes bezeichnet. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht waren das die Wassertiere, die am fünften Schöpfungstag als die ersten Tiere erschaffen wurden.“3

Wenn wir diese gewaltigen Tiere betrachten, dann dürfen wir doch wissen, dass Gott auch sie bezwingt. In Psalm 74,13.14 lesen wir, dass er die Häupter der Wasserungeheuer zerbrach und die Häupter des Leviatans zerschmetterte. Er hat alles geschaffen und alles untersteht ihm. Und so wie er stärker ist als diese mächtigen Tiere, die kein Mensch bezwingen konnte (Hiob 40,24; 40,25-32; 41,1-2.5.17-21), kann und wird er einmal die Mächte der Bosheit unterwerfen, bis sich am Ende jedes Knie vor ihm beugen und ihn verherrlichen wird (Phil 2,9-11; vgl. Ps 148,7; Jes 27,1).


Online seit dem 25.09.2007.

Fußnoten

  • 1 Die Fußnote in der Elberfelder Übersetzung gibt in 1. Mose 21 zu dem Wort „Seeungeheuer“ an: „Eig. die Langgestreckten“.
  • 2 In der Vergangenheit hat man verschiedentlich versucht, diese Beschreibungen auf Elefanten oder Krokodile anzuwenden. Vermutlich stammt daher auch die Annahme über die Seeungeheuer in 1. Mose 1.
  • 3 Drüeke, Stefan: Zurück in die Zeit der Dinosaurier, S. 67. Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen, ww.csv-verlag.de.

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