Was sind unsere geistlichen Segnungen?

Im Epheserbrief lesen wir, dass wir "gesegnet sind mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus" (Kap. 1, 3). Könnten Sie mir einige dieser Segnungen aufzählen?

Bibelstelle(n): Epheser 1,3

Der Charakter der geistlichen Segnungen

Um die Tragweite und die Fülle dieser "geistlichen Segnungen" zu erfassen, wird es vorerst notwendig sein, den Charakter derselben zu verstehen. Mit Recht ist im Hinblick auf die Erklärung dieser Stelle immer wieder darauf hingewiesen worden, dass Israel mit irdischen, materiellen Segnungen und die Kirche, des Herrn Gemeinde, mit geistlichen, himmlischen Segnungen gesegnet sei. Es trifft dies aber bei Israel nur teilweise zu, denn auch Israel hat geistliche Segnungen genossen. Denken wir an Nehemia, wenn er sagt: "Die Freude an dem HERRN ist eure Stärke" (Neh 8,10). Das ist ohne Frage eine rein geistliche Segnung. Wenn der Psalmist singt: "Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist" (Psalm 32,1), dann hat das wiederum mit Materiellem nichts zu tun. Diese Reihe könnten wir, wie jeder Kenner des Alten Testaments weiß, in die Länge fortsetzen. Dennoch müssen wir festhalten, dass Israel all seine geistlichen Segnungen als ein Volk genoss, das in Verbindung mit der Erde und mit der Schöpfung stand. Das wird auch bei seiner Wiederherstellung in zukünftigen Tagen der Fall sein. Wohlfahrt, Reichtum, Gedeihen in Familie, Feld, Garten und Weinberg usw. war und ist ihm verheißen; sich aber nur mit Nahrung und Bedeckung zu begnügen, wie das der christlichen Zeitperiode gesagt ist (1. Tim 6,8), das würde einem Juden wie ein Fluch vorkommen.

Geistliche Segnungen im Gegensatz zu den irdischen

Nun könnte aber jemand einwenden, dass dann die Segnungen der Kirche weit hinter denen von Israel zurückstehen. O nein, herrliche Segnungen sind uns gegeben, aber sie stehen nicht in Verbindung mit dieser Erde und dieser Schöpfung, ja, in gewissem Sinne nicht einmal mit der Gegenwart, sondern mit dem Himmel. Allerdings genießen wir, als heute schon in die himmlischen Örter Versetzte, diese Segnungen im Vorgeschmack, aber solange wir in des „Leibes Hütte“ sind, werden wir die Fülle derselben nie ergründen, noch erfassen können, noch werden wir imstande sein, uns von ihnen ein wahres, vollkommenes Bild zu machen. Es scheint uns, dass wir den Schwerpunkt in der Erklärung genannten Verses auf die Wörtchen "mit jeder" und "in Christus" legen müssen. "Mit jeder" will wohl sagen, dass gar keine Segnungen denkbar sind, mit denen die Gläubigen der Kirche nicht gesegnet waren, und das Geheimnis der Größe, Herrlichkeit und Schönheit dieser Segnungen ist in der Person unseres Erlösers und Heilandes verankert.

Einige der geistlichen Segnungen

Von diesen Segnungen ist ohne Frage die Gabe des Heiligen Geistes, und dieser wieder als "Tröster", als "Fürsprecher" usw. eine solche. Dann eine Heimatstätte im Himmel zu haben, wer ermisst die Tragweite dieser Segnung.

Das alles sind Segnungen, die typisch der Versammlung gegeben sind. Was wusste Israel von Entrückung, von der Hinwegnahme der Kirche, die, ohne den Tod zu schmecken, in das Vaterhaus gebracht werden soll? Ewig in dieser bevorzugten Stellung als des Herrn Gemahlin, – das ist dem Alten Testament völlig unbekannt. Mit dieser herrlichen Stellung sind aber all unsere Segnungen verbunden; wer könnte ihre Zahl ermessen, wer sie aufzählen, wer sie definieren und erklären?! Es sind himmlische Segnungen, und das Diesseitige wird nie das Jenseitige, das Zeitliche nie das Ewige völlig erfassen können.

Vor allem ist eine dieser Segnungen unsere Gotteskindschaft. Kein Jude konnte sich rühmen, das Kind des himmlischen Vaters zu sein. Der "Geist der Sohnschaft" (Röm 8,15; Gal 4,6) ist das Privileg der Kinder. Gottes Kinder allein können in der ganzen Tragweite des Wortes rufen: "Abba, Vater!" So ist nun auch das "Abendmahl" oder der "Tisch des Herrn" ebenfalls ein - wenn auch nur für die Pilgerschaft auf der Erde gedachtes - besonderes Vorrecht der Versammlung Gottes. Er ist unser "Altar der Anbetung" geworden; der Vorgeschmack ewiger Anbetung.

Im "hohenpriesterlichen Gebet"1 (Joh 17) erwähnt der Herr immer wieder "gleichwie wir", oder "gleichwie ich", damit zeigend, in welch hohe Stellung gleicher Wesensart wir mit Ihm und in Ihm gebracht sind, eine Stellung, die weit über das hinaus geht, was David im 27. Psalm gesungen, erfleht und ersehnt hat (Ps 27,4). Die Himmelsstadt wird das irdische Jerusalem an Glanz und Herrlichkeit weit übertreffen. Welch ein Vorrecht, in ihr wohnen zu dürfen! Die Bewohner der Gottesstadt werden all die geistlichen Segnungen in ungeahnter Herrlichkeit und Größe genießen.

So ahnen wir die Herrlichkeiten geistlicher Segnungen in den himmlischen Örtern, doch kein Sterblicher wird imstande sein, dieselben vollständig aufzuzählen, aber wir dürfen auf unsere Angesichter fallen und den preisen und anbeten, der uns zu solch hohen, alle Erkenntnis übersteigenden Segnungen geführt hat und noch führen wird.


Online seit dem 11.02.2007.

Fußnoten

  • 1 Eig. das Gebet des Sohnes zum Vater (Anm. der Redaktion).

Ihre Nachricht