Liegt zwischen 1.Mose 6, 5-7 und 8,21 nicht ein Widerspruch?

Liegt zwischen 1. Mose 6, 5-7 und 1. Mose 8,21 nicht ein Widerspruch? Warum verdirbt Gott das eine Mal, während Er das andere Mal mit derselben Begründung erhält?

Bibelstelle(n): 1. Mose 6,5-7; 8,21

Das ist keineswegs ein Widerspruch, sondern im Gegenteil eine wunderbare göttliche Logik. Die Situation war eben vor Gott nicht in beiden Fällen die gleiche. In 1. Mose 6 war die Gottergebenheit der Menschen auf den höchsten Gipfel gestiegen, so dass Gott zum Einschreiten im Gericht gezwungen war, sollten nicht Seine herrlichen Ratschlüsse zunichte werden. Bis dahin hatte Gott zugesehen, versucht, mit den Menschen zu "rechten", d.h. sie zur Einsicht zu bringen (vgl. Jes 1,18). Aber jetzt war es so weit gekommen, dass der Zustand des Menschen hoffnungslos war und reif zum göttlichen Gericht. Doch Gott wollte nicht auf Seine Ratschlüsse verzichten; darum erfolgte das Gericht durch die Sintflut und nicht durch verzehrendes Feuer. Gericht durch Wasser enthält in Gottes Wort zugleich den Gedanken eines Neuanfangs des Lebens (vgl. 2. Pet 3). Darum wurde Noah aus den Fluten errettet und darum floss auch aus Jesus' Wunde Wasser und Blut, d.h. mit dem Tod zugleich Leben.

In 1. Mose 8,21 nun befinden wir uns auf einer durch die Flut gereinigten Erde, und das erste, was Noah tat, war die Darbringung eines Brandopfers für Gott. Da roch Gott dessen lieblichen Geruch, d.h. Er sah darin Christus, den Erfüller Seiner Ratschlüsse, und dies bestimmte Gottes Haltung. Durch dieses Opfer auf einer gereinigten Erde konnte Gott die Menschen in Christus sehen, konnte der Menschheit, die ja an sich keine andere geworden, sondern dieselbe sündige geblieben war – wie schon Noah bewies – in Gnaden entgegenkommen. An und für sich wäre die Entwicklung der Menschen allerdings wieder zum gleichen Ende gekommen wie vorher; wiederum wäre das unerbittliche Gericht erforderlich gewesen, aber wie hätten dann die Ratschlüsse Gottes durch Christus erfüllt werden können? Darum erhielt Gott jetzt die Menschen mit derselben Begründung wie Er vorher das Gericht über sie verhängte. Gott wollte damit sagen, dieses Geschlecht sei unveränderlich böse und könne nichts Gutes hervorbringen, es bleibe daher nichts anderes übrig als das stellvertretende Sühnungswerk am Kreuz, und damit dies ermöglicht würde, müsse die Menschheit erhalten bleiben.


Online seit dem 25.12.2006.


Ihre Nachricht