Mose, Das fünfte Buch – Bibel-Lexikon

Dieses Bibelbuch wird auch „Deuteronium" genannt, was so viel heißt wie „das zweite Gesetz". Diese Bezeichnung beschreibt es aber nicht sehr passend, da die Zehn Gebote und der Name des HERRN sowie sein am Horeb geschlossener Bund die Grundlage der Belehrungen dieses Buches bilden. Auch die Bezeichnung „Wiederholung des Gesetzes" gibt nicht den richtigen Gedanken wieder, weil einige Teile dieses Buches vorher nicht mitgeteilt wurden. Es wird Gottes Bundesbeziehung mit Israel unter neuen Umständen beschrieben. Sie waren an die Grenze des verheißenen Landes gekommen und standen gerade im Begriff es in Besitz zu nehmen, und zwar nicht auf Grund ihrer Treue dem Gesetz gegenüber, sondern gemäß dem Bund, den Gott mit ihren Vätern geschlossen hatte (5. Mo 9,4.5). Es werden einige Dinge hinzugefügt, die in der Wüste keine Anwendung finden konnten, wozu auch der Hinweis auf einen möglichen König über das Volk gehört.

Der Stil des Buches unterscheidet sich von dem der vorhergehenden. Ein gewaltiges System von Vorbildern wird in den drei vorausgehenden Büchern dargestellt, während der Geist Gottes sich in diesem Buch mit den tatsächlichen Umständen beschäftigt, die mit dem Besitz des verheißenen Landes in Verbindung standen. Nahezu alles, was im fünften Buch Mose niedergelegt ist, brachte Mose dem Volk zu Gehör. So „fing Mose an, dieses Gesetz auszulegen" (5. Mo 1,5). Er rief ganz Israel und sprach zu ihnen: „Höre, Israel, die Satzungen und die Rechte" (5. Mo 5,1). Das Buch mag ansonsten in drei Teile unterteilt werden, und zwar folgendermaßen: Kapitel 1-11: Mose ruft den Weg, den der Herr die Kinder Israel geführt hatte, ins Gedächtnis, ebenso den mit ihnen am Horeb geschlossenen Bund, ihren Ungehorsam, die Wiederaufnahme von Gottes Beziehung zu ihnen auf der Grundlage der Vermittlung Moses und das Hineinlegen der Gesetzestafeln in die Bundeslade. Kapitel 12-29: Verschiedene Gebote werden gegeben, wobei hinzugefügt wird, was im Falle des Befolgens bzw. Nichtbefolgens derselben geschehen würde. Kapitel 30-34: Zukünftige Dinge, das Lied Moses und seine Segnung der Stämme.

Kapitel 1

Es wird festgestellt, dass es vom Horeb auf dem Weg des Gebirges Seir bis nach Kades-Barnea an der Südgrenze des Landes eine Reise von nur elf Tagen war. Dennoch hatten sie angesichts mancher Vor- und Rückwärtsbewegungen in diesem Gebiet fast 40 Jahre für diese Strecke gebraucht. Mose erinnert sie dann an die Last und den Hader, die auf ihn fielen, da sie so ein großes Volk waren, und an das Regierungssystem, das unter ihnen eingesetzt worden war. Zudem weist er darauf hin, dass sie selbst dafür gesorgt hatten, dass Spione ausgesandt wurden, um das Land auszukundschaften. Dies scheint mit 4. Mose 13,1.2 in Widerspruch zu stehen, wo es heißt: „Der HERR redete zu Mose und sprach: Sende dir Männer aus, dass sie das Land Kanaan auskundschaften." Die zwei Abschnitte zeigen, dass das Volk diese Sache vorschlug, Mose damit einverstanden war (es war gut in seinen Augen, vgl. 5. Mo 1,23) und Gott die entsprechende Anordnung gab. Gottes erste Botschaft war: „Zieh hinauf, nimm in Besitz", aber das Volk zögerte und sagte, dass sie Spione senden wollten (5. Mo 1,21-23). Ihre Auflehnung und ihre Wüstenwanderung waren das Resultat.

Kapitel 2 und 3

Mose fährt mit der Geschichte des Volkes nach den vielen Tagen der Wüstenwanderung fort. Ihnen war gesagt worden, dass sie sich nicht mit den Edomitern, den Nachkommen Isaaks durch Esau, noch mit den Moabitern und Ammonitern, den Nachkommen Lots, vermischen sollten. Sihon, der Amoriter, war unterworfen worden. Letzteres geschah, nachdem sie auf die Ostseite des Toten Meeres gezogen waren. Die Verse 10-12 bzw. 20-23 von Kapitel 2 sind als Einschaltungen zu betrachten, welche wertvolle historische Hinweise liefern. Og, der König von Basan, war besiegt und seine Städte waren eingenommen worden - ein Unterpfand des völligen Sieges über die Nationen Kanaans, den der Herr schenken würde. Den zweieinhalb Stämmen wurde ihr Erbteil östlich des Jordan zugewiesen. Mose sollte das Land sehen, durfte aber nicht über den Jordan gehen. Josua sollte sein Nachfolger sein.

Kapitel 4

Mose ruft das Volk dazu auf, auf die Satzungen zu hören, die er ihnen gegeben hatte, damit sie leben und in das Land eingehen und es besitzen könnten. Das Volk sollte auf der Hut sein, dass sie kein Bild des HERRN, der zu ihnen gesprochen hatte, machten und so Verderben über sich brachten.

Kapitel 5 und 6

Mose geht noch einmal auf den Bund vom Horeb ein und verknüpft dies mit einer Ermahnung zum Gehorsam. Außerdem weist er eindringlich auf die große Wahrheit hin, deren Zeugen sie waren: „Der HERR, unser Gott, ist ein HERR!" (5. Mo 6,4). Ihm sollte jede Zuneigung zufließen.

Kapitel 7 und 8

Das Volk wird davor gewarnt, mit dem Volk des Landes einen Bund zu schließen, denn sie waren ein heiliges Volk. Gott hatte sie „aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind", als ein Eigentumsvolk erwählt (5. Mo 7,6). Sie werden an die ganze Güte Gottes ihnen gegenüber erinnert, damit sie ihn nicht vergäßen. Er hatte sie gedemütigt und erprobt, um ihnen an ihrem Ende Gutes zu tun.

Kapitel 9 bis 11

Mose erklärt, dass Gott sie nicht auf Grund ihrer eigenen Gerechtigkeit oder der Geradheit ihres Herzens ins Land bringen würde, sondern weil er seine Verheißungen gegenüber Abraham, Isaak und Jakob erfüllen würde. Mose sagt ihnen deutlich: „Widerspenstige seid ihr gegen den HERRN gewesen von dem Tag an, da ich euch kenne" (1. Mo 9,24). Er schildert ihr Versagen und Gottes Güte sowie dessen Sicherung des Bundes in der Bundeslade.

Kapitel 12 und 13

Die Götzenaltäre und die Ascherim, die sie im Land finden würden, sollten zerstört werden. Es gab nur einen Ort, wohin alle Opfer gebracht werden sollten und wo der HERR seinen Namen wohnen lassen würde. Nur hier sollten die geheiligten Dinge gegessen werden. Sie sollten nicht nach den Göttern der Heiden fragen, damit sie nicht dadurch in einen Fallstrick gerieten. Es wird vor starker Verführung gewarnt - wenn ein Zeichen eines Propheten eintrat, so konnte dies zu ihrer Erprobung sein. Sie durften einem solchen nicht in den Götzendienst folgen, noch sollten sie den nächsten Verwandten schonen, der sie von der Anbetung des HERRN, ihres Gottes, abbringen wollte.

Kapitel 14 bis 19

Viele der Gesetze, die im vorherigen Teil des Pentateuchs aufgeführt wurden, werden erneut genannt. Falls sie einen König haben würden, musste er von Gott auserwählt worden sein. Zudem werden die Pflichten eines solchen Königs genau beschrieben.

Kapitel 20

Es werden Anweisungen hinsichtlich des Auszugs in die Schlacht und der Kriegsführung gegeben. Dabei wird darauf eingegangen, welche Städte geschont und welche Personen vollständig vernichtet werden sollten.

Kapitel 21 bis 25

Verschiedene Gebote werden vor dem Volk näher ausgeführt.

Kapitel 26

Wenn jemand nach dem Einzug ins Land kam, um anzubeten, sollte er bekennen: „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater" (5. Mo 26,5). Dann sollte die Güte Gottes gepriesen werden, die sich an ihnen erwies, als Gott sie aus Ägypten erlöste und in das verheißene Land brachte. Sie sollten sich an all dem Guten erfreuen, das Gott ihnen gegeben hatte. Danach sollte die Gnade hinausfließen zu den Waisen und Witwen. Gehorsam sollte die Folge sein und jede Verunreinigung sollte vermieden werden. Für ganz Israel sollte Segen erbeten werden.

Kapitel 27

Das Gesetz sollte auf große Steine geschrieben werden und diese Steine sollten auf dem Berg Ebal aufgerichtet werden. Hier sollte auch ein Altar aus ganzen Steinen erbaut werden, auf dem sowohl Brand- als auch Friedensopfer dargebracht werden sollten. Auf diesem Berg standen später einige Stämme, um Flüche auszusprechen, während andere Stämme auf dem Berg Gerisim standen, um zu segnen. Die Segnungen werden jedoch im Gegensatz zu den Flüchen nicht konkret genannt, da das Volk tatsächlich unter dem Fluch war. Dies hing damit zusammen, dass sie unter Gesetz standen, wie der Apostel im Brief an die Galater zeigt, wenn er sich mit dem Prinzip des Gesetzes beschäftigt.

Kapitel 28

Dem unter der Regierung Gottes stehenden Volk werden die Folgen des Gehorsams bzw. des Ungehorsams in Form von Segnungen und Flüchen aufgezeigt, wobei letztere in der darauffolgenden Geschichte des Volkes Wirklichkeit wurden.

Kapitel 29 und 30

Es wird auf die ernste Tatsache hingewiesen, dass der Herr ihnen trotz aller Zeichen und Wunder, die sie gesehen hatten, keine Augen, zu sehen, noch Ohren, zu hören, noch ein Herz, zu erkennen, gegeben hatte (vgl. Joh 3,2.3). Sie standen an jenem Tag alle vor dem Herrn, ihrem Gott, und er schloss den Bund mit ihnen. 5. Mose 30,15 drückt dies in wenigen Worten aus: „Siehe, ich habe dir heute das Leben und das Glück, und den Tod und das Unglück vorgelegt." Es wird auf den verborgenen Plan Gottes Bezug genommen: Wenn unter dem Gesetz alles zerstört sein würde, würde der Grundsatz der Gerechtigkeit durch Glauben eingeführt werden.

Kapitel 31 und 32

Das Gesetz sollte dem Volk alle sieben Jahre vorgelesen werden. Josua wurde der Befehl erteilt, das Volk in das Land zu bringen. Mose lehrte das Volk ein Lied, welches teilweise prophetische Züge trägt, da die Zukunft des Volkes vorhergesagt wird. Gott würde sie durch die Nationen zur Eifersucht reizen, wie auch in Römer 10,19 gesagt wird, würde sie letztendlich aber segnen. Mose sehnte sich danach, über den Jordan zu gehen und das Land zu sehen, aber es wurde ihm verwehrt, weil er eine Anweisung Gottes nicht befolgt hatte. (Vom Blickwinkel der Haushaltungen aus gesehen stellt Mose das Gesetz dar und dieses konnte sie nicht ins verheißene Land bringen.)

Kapitel 33

Mose segnet die zwölf Stämme. Als Jakob sie in 1. Mose 49 segnete, beinhalteten seine Aussprüche eher ihre prophetische Geschichte in der damaligen Zukunft. Hier steht mehr die Beziehung zu Gott in seinen Regierungswegen mit ihnen im Vordergrund, wenn sie im Zuge der endgültigen Segnungen zu seinen Füßen sitzen und seine Worte hören werden. Simeon wird ausgelassen - sein Erbteil befand sich im äußersten Südwesten des Landes, nahe der Wüste. Wir lesen sehr wenig von diesem Stamm, als ob er im Land verloren gegangen wäre. Die Zahl zwölf wurde durch die zwei Söhne Josephs vervollständigt. Dennoch finden wir, dass Simeon zu den zwölf Stämmen gezählt wird, die in Offenbarung 7 gesegnet werden und bei der zukünftigen Verteilung des Landes zugegen sind (Hes 48,25).

Kapitel 34

Es wird berichtet, dass Mose starb und Gott ihn an einem unbekannten Ort begrub, sodass sein Grab nicht als ein Heiligtum verehrt werden konnte. Seitdem „stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der Herr gekannt hätte von Angesicht zu Angesicht" (5. Mo 34,10).

Schlussbemerkungen

Das fünfte Buch Mose ist kurz gesagt gekennzeichnet durch Ermahnungen zum Gehorsam durch ein Volk, das in Gottes Land gebracht wurde. Dieses Buch wird im N.T. häufig zitiert - so auch dreimal durch den Herrn, als er vom Teufel versucht wurde. Bei einigen dieser Zitate wird darauf hingewiesen, dass dieses Buch von Mose geschrieben wurde (Rö 10,19; 1. Kor 9,9). Die Schrift widerlegt demnach vollständig jene, die es einem unbekannten Schreiber späteren Datums zuschreiben wollen. Natürlich bildet das letzte Kapitel eine Ausnahme, es mag von Josua hinzugefügt worden sein.


Verweise auf diesen Artikel

Deuteronium

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