Gilgal – Bibel-Lexikon

Bedeutung des Namens
Gilgal = Kreis, Bezirk

1. Ort westlich des Jordan, „an der Ostgrenze von Jericho" (Jos 4,19), wo die Israeliten sich nach der Durchquerung des Flusses lagerten. Hier wurden die zwölf Gedenksteine aufgestellt, die aus dem Jordan genommen worden waren. Außerdem wurden die Israeliten hier beschnitten, was ein Bild von dem „Ausziehen des Leibes des Fleisches" (Kol 2,11) ist und demnach die Trennung von dem System, in dem der Mensch im Fleisch lebt, symbolisiert (vgl. Kol 3,3-5). Hier wurde die Schande Ägyptens „abgewälzt" (weshalb der Ort auch Gilgal, „Abwälzung", genannt wurde), und die Israeliten hatten im Bilde Gemeinschaft mit dem Tod Christi im Passah. Am darauffolgenden Tag aßen sie „vom Erzeugnis des Landes" (Jos 5,11) - ein Bild von Christus, welcher den Mittelpunkt der himmlischen Dinge darstellt, von denen sich der Christ ernährt (Jos 4,19.20; 5,2-11). Gilgal war nicht nur der Ausgangspunkt für die Inbesitznahme des Landes, sondern auch der Ort, zu dem Josua immer wieder zurückkehrte - es war der Ort der Stärke (Jos 9,6; 10,6-15; 14,6). Hier wurde Saul zum König gemacht (1. Sam 11,14.15), und er brachte hier Opfer dar (1. Sam 13,4-15). Zudem hieb Samuel an diesem Ort Agag in Stücke (1. Sam 15,12).

Als David nach dem Sturz und dem Tod Absaloms zurückkehrte, sammelte sich Juda in Gilgal, um den König zu treffen und ihn über den Jordan zu führen (2. Sam 19,15). In den Tagen Jerobeams wurde Gilgal durch Götzendienst verunreinigt (Hos 4,15; 9,15; Amos 4,4; 5,5). In Josua 15,7 heißt es, dass sich die Grenze von Judas Erbteils nach Gilgal „wandte", was gut damit übereinstimmt, dass es nahe bei Jericho lag. In Josua 18,17 wird derselbe Ort jedoch Gelilot genannt, welcher nicht ausfindig gemacht werden kann. Es gibt verschiedene Vorschläge, wo Gilgal genau gelegen haben könnte. Möglicherweise handelt es sich um das heutige Khirbet el Mafjir, 2 km nordöstlich von Jericho. In Nehemia 12,29 taucht der Name Beth-Gilgal, „Haus von Gilgal", auf, welcher sich auf denselben Ort beziehen mag. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eines der Dörfer, die in der Umgebung von Jerusalem gebaut worden waren.

2. Ein Ort, der mit der Schlussszene von Elias Leben verbunden ist und an dem Elisa eines seiner Wunder tat (2. Kön 2,1; 4,38). Die beiden Propheten gingen „hinab" von Gilgal nach Bethel, wohingegen, wenn auf den unter 1. genannten Ort Bezug genommen wird, immer von einem „Hinaufgehen" in die Umgebung von Bethel die Rede ist, was darauf hinzudeuten scheint, dass es sich um verschiedene Orte handelt. Heute trägt der Ort den Namen Dschildschilja, 32° 2‘ N, 35° 13‘ O. (Es ist jedoch anzumerken, dass, wenn die Identifizierung der unter 1. und 2. genannten Orte korrekt ist, das zweitgenannte Gilgal in Wirklichkeit nicht höher liegt als Bethel, obwohl es so erscheint, da es sich auf einem hohen Hügel befindet und ein Tal durchquert werden muss, um es zu erreichen. Es liegt auf einer Höhe von 744 m, Bethel dagegen auf einer Höhe von 881 m über NN. Das erstgenannte Gilgal liegt unterhalb des Meeresspiegels, was das „Hinaufgehen" von dort nach Bethel offensichtlich macht.)

3. Ein Ort, dessen König „der König von Gojim (o. der Nationen) in Gilgal" genannt wird. Er wurde unter Josua getötet. Da der Ort im Zusammenhang mit Dor und Tirza genannt wird, handelt es sich wohl um ein drittes Gilgal (Jos 12,23). Es ist heute unter dem Namen Dschildschulije, 32° 10‘ N, 34° 57‘ O, bekannt.

4. Als Mose in 5. Mose 11,30 von den Bergen Gerisim und Ebal spricht, fragt er: „Sind sie nicht … im Land der Kanaaniter, die in der Ebene wohnen, Gilgal gegenüber, bei den Terebinthen Mores?" Diese Ortsangabe stimmt mit keinen der oben genannten überein. Möglicherweise handelt es sich um das heutige Chirbet Dschuledschil, welches 4 km südöstlich von Sichem liegt.


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