Micha, Das Buch – Bibel-Lexikon

Es werden keine persönlichen Angaben über den Propheten Micha gemacht. Er weissagte während der Regierung Jothams, Ahas‘ und Jehiskias, der Könige von Juda. Damit lebte er zeitgleich mit Jesaja und Hosea. Seine Prophezeiung betraf Samaria und Jerusalem. Gott sprach aus seinem heiligen Palast, und der Prophet rief aus: „Hört, ihr Völker alle" (Mich 1,2). Er sprach also zu allen Völkern, indem er sagte: „Höre zu, du Erde". Die ganze Erde wurde in das Gericht mit einbezogen, das Gott über sein auserwähltes Volk zu bringen beabsichtigte. Es ist eine ernste Sache, wenn das Volk Gottes, anstatt ein Zeugnis zu sein, die Gerichte Gottes auf die Welt herabbringt. Die Zeit war gekommen, dass das Gericht am Haus Gottes beginnen musste.

Die Weissagung scheint sich von selbst in drei Abschnitte zu gliedern, die jeweils durch den Aufruf „Höre" eingeleitet werden:

  1. Kapitel 1 bis 2
  2. Kapitel 3 bis 5
  3. Kapitel 6 bis 7

Kapitel 1 und 2

Diese Kapitel können als Einleitung angesehen werden. Auf Samaria sollten Gerichte kommen, ihre Wunde war unheilbar. Aber die Gerichte sollten auch Juda und Jerusalem erreichen. Der Assyrer ist dabei das besondere Werkzeug in diesen Gerichten.

Kapitel 2

Der Prophet spricht über den moralischen Zustand des Volkes, der Gericht erforderte. Sie dachten sich gewalttätige Pläne aus, um ihre Begierden zu befriedigen. Sie hatten sich vom Zeugnis abgewandt, und nun sollte es ganz von ihnen genommen werden. In ihrer Bosheit verschonten sie weder Frauen noch Kinder. Es gab einen Aufruf aufzustehen und fortzugehen, weil das Land der Verheißung verunreinigt war (Mich 2,10). Trotzdem gibt Gott sein Vorhaben bezüglich Israel nicht auf, er wird sie wieder sammeln, um sie am Ende der Tage zu segnen. Es wird einen „Durchbrecher" geben, durch den er jedes Hindernis beseitigen wird (Mich 2,13).

Kapitel 3

Die Fürsten und die Propheten werden wegen ihrer Ungerechtigkeit angeklagt. Dagegen war der Prophet Micha selbst voll Kraft, um die Sünde Israels öffentlich festzustellen (Mich 3,8). Als Folge dessen sollte „Zion als Feld gepflügt werden, und Jerusalem [...] zu Trümmerhaufen" werden (Mich 3,12). Diese Weissagung hat sich buchstäblich erfüllt.

Kapitel 4

Kapitel 4 wendet sich den Segnungen am Ende der Tage zu, wenn der Berg Zion eine Vorrangstellung einnehmen wird, und wenn sich viele Nationen dem Berg des Herrn nähern werden, um Gottes Wege kennenzulernen. Das Volk wird in Gerechtigkeit gerichtet werden. Es wird Frieden, Sicherheit und Überfluss geben. Aber bevor dieses alles geschehen wird, würde es noch den Verlust der in Zion aufgerichteten königlichen Macht erleben und ihre anschließende Gefangenschaft in Babylon. Aber sie sollten errettet werden. Schlussendlich werden viele Nationen gegen Zion ausziehen, aber die Tochter Zions wird sie in Stücke zerschlagen und ihre Beute dem HERRN widmen, dem Herrn der ganzen Erde (Mich 4,13; vgl. Ps 83; Jes 17,12–14; Sach 14,2).

Kapitel 5

Bevor die abschließenden Segnungen Israels ihnen zuteil werden können, müssen noch ein anderer Gegenstand und eine andere Person eingeführt werden. Und zwar ist es der Messias, der „Richter Israels" (Mich 4,14), dessen Ausgänge „von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her sind". Micha 5,1 berichtet, wo Christus geboren werden würde. Diese Weissagung wurde von den religiösen Führern angeführt, als Herodes sich bei ihnen betreffs seiner Geburt erkundigte. Wenn man diesen Vers als einen Einschub liest, so wird der Zusammenhang klarer. Denn der Richter Israels wurde mit einem Stab auf die Wange geschlagen, und „darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel" (Mich 4,19; 5,2). Das heißt, sie werden nicht mehr länger der Kirche hinzugefügt werden, wie es in Apostelgeschichte 2,47 1 beschrieben ist. „Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden wohnen" (Mich 5,3).

Am Ende wird der Assyrer erscheinen, aber nur um vernichtet zu werden, denn der HERR wird seine Verbindung mit Israel erneuert haben. Der Überrest Jakobs wird dann mächtig wie ein Löwe sein (Mich 5,7). Pferde und Wagen werden zerstört werden, und ebenso alle geschnitzten Bilder und Bildsäulen. Gott wird Rache ausführen an denen, die vorher nicht gehört haben (Mich 5,14).

Kapitel 6

Kapitel 6 beschäftigt sich wieder mit dem moralischen Zustand des Volkes und mit dem Gericht, das darauf folgen muss. Der HERR apelliert traurig an sein Volk. Er zählt nochmals auf, was er für sie getan hat, und fragt, womit er sie ermüdet hat. Sie sollten Zeugnis gegen ihn ablegen (Mich 6,3). Er stellt wieder ihre Sünden vor, und die Bestrafungen, die folgen müssen.

Kapitel 7

Der Prophet nimmt die Stellung eines Fürsprechers ein. Er rechtet mit Gott für das Volk, indem er ihren Zustand beklagt. Aber im Glauben sagt er: „Ich aber will ausschauen nach dem HERRN, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören" (Mich 7,7). Diejenigen, die sich über Israels Drangsal freuten, werden wie Kot niedergetreten werden (Mich 7,10). Die Stadt wird wieder aufgebaut werden, und das Volk wird von weither geholt werden, zum Erschrecken der Nationen, die bestürzt sein werden, sie in Macht wiederzusehen. In den abschließenden Worten des Buches drückt der Prophet seinen Glauben an den Gott, der vergibt, aus. Er vertraut darauf, dass Gott an Jakob Wahrheit [oder: Treue] und an Abraham Barmherzigkeit erweisen wird, die er ihren Vätern von den Tagen der Vorzeit her geschworen hatte (Mich 7,20).

Fußnoten

  • 1 Anm. der Red.: Die Anmerkung zu Apg 2,47 in der alten Fassung der Elberfelder Übersetzung ist an dieser Stelle hilfreich. Sie macht deutlich, dass mit dem Ausdruck "die gerettet werden sollten" der "Überrest aus Israel, welchen Gott vor den Gerichten retten wollte, indem er ihn der Versammlung (christl. Gemeinde) hinzufügte", gemeint ist.

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