Synagoge – Bibel-Lexikon

Bedeutung des Namens
Synagoge = eigentlich = Zusammenführung, d.h. Versammlung (bei den Juden)

Das griechische Wort συναγωγή erscheint sehr häufig in der Septuaginta, allerdings handelt es sich dabei um die Übersetzung von etwa zwanzig verschiedenen hebräischen Wörtern, deren Hauptbedeutungen „Versammlung" oder „Zusammenkunft" sind. Soweit es bekannt ist, gab es zur Zeit des A.T. keine Gebäude, die „Synagogen" genannt wurden. Man hat angenommen, dass sie nach der babylonischen Gefangenschaft entstanden, angetrieben von dem Wunsch, das vom Volk der Juden in Nehemia 8 und 9 begonnene Werk aufrechtzuerhalten. Dort hatte das Volk nämlich Esra dazu aufgerufen, ihnen aus dem Buch des Gesetzes vorzulesen, mit dem Ergebnis, dass alle Hörenden tief getroffen worden waren.

Bei der Erkundung Palästinas wurden Überreste von Gebäuden gefunden, die als ehemalige Synagogen angesehen werden. Sie sind dem Grundriss nach einheitlich und unterscheiden sich von den Ruinen der Kirchen, Tempel und Moscheen. Bei zweien von ihnen war eine hebräische Inschrift über dem Haupteingang eingraviert. Die eine stand im Zusammenhang mit einem siebenarmigen Leuchter, die andere mit Figuren des Passahlammes. Ein schlichtes rechteckiges Gebäude erfüllte bereits den Zweck, als Synagoge zu dienen. Die Errichtung dieser Gebäude wurde oft durch allgemeine Beiträge finanziert. Hin und wieder wurden sie auch von einem reichen Juden errichtet, in manchen Fällen sogar von einem Heiden, wie die von dem Hauptmann von Kapernaum errichtete Synagoge (Lk 7,5).

An ein Ende des Innenraumes der Synagoge wurde eine Lade gestellt, in die man die Heiligen Schriften hineinlegte. In der Nähe derselben befanden sich die Ehrenplätze oder die „ersten Sitze", nach denen manche sich ausstreckten (Mt 23,6; Jak 2,2.3). Nahe dem Zentrum des Gebäudes befand sich ein erhöhtes Podest mit einer Art Pult oder Kanzel, wo der Redner stand. Eine Trennwand trennte die Frauen von den Männern.

Es ist bekannt, dass ein Teil des Gesetzes und der Propheten jeden Sabbath gelesen wurde. Aus Apostelgeschichte 13,15 ist außerdem klar ersichtlich, dass demjenigen der Anwesenden, der „ein Wort der Ermahnung an das Volk" hatte, die Gelegenheit für die Weitergabe der Ermahnung eingeräumt wurde. Zweifellos wurden auch Gebete vorgebracht, aber inwieweit diese den modernen jüdischen Ritualen entsprechen, ist nicht bekannt.

Der Herr spricht von den Heuchlern, die es liebten, stehend in den Synagogen zu beten, wo sie auch prahlerisch ihre Almosen gaben (Mt 6,2.5).

Es war die Gewohnheit des Herrn, die Synagogen zu besuchen. In ihnen tat er einige seiner Wunder und belehrte das Volk (Mt 4,23). In Lukas 4 finden wir den Herrn in der Synagoge von Nazareth, wo er aufstand um zu lesen, woraufhin man ihm die Schrift des Propheten Jesaja reichte. Nachdem er einen Abschnitt gelesen hatte, der seine eigene Stellung unter ihnen darstellte (wobei er die Lesung mitten im Satz beendete), setzte er sich wieder hin und sprach „Worte der Gnade" zu ihnen. Seine Ausführungen werden uns nicht berichtet bis auf die Worte: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt" (Lk 4,21). Es wird berichtet, die Leute hätten die Gewohnheit gehabt, ihre Meinungen frei auszudrücken, wobei sie respektierten, was gelehrt worden war. Hier sagten sie nun: „Ist dieser nicht der Sohn Josephs?" In Apostelgeschichte 13,45 widersprachen die Juden „dem, was von Paulus geredet wurde, und lästerten".

Paulus wurde ebenfalls erlaubt, in der Synagoge von Damaskus zu sprechen, wo er den Juden zeigte, dass Jesus der Sohn Gottes ist (Apg 9,20). Anschließend „unterredete" (griech. διαλέγομαι) er sich häufig noch mit den Juden in ihren Synagogen (Apg 18,4.19; 19,8).

Es ist wichtig, festzustellen, dass vom Herrn selbst ein klares Zeugnis überall in ihre eigenen Gebäude hineingetragen wurde, das die Bedeutung seiner Erscheinung unter ihnen klarstellte. Später wurde das Zeugnis durch Paulus und andere fortgeführt; diesmal betraf es das Werk, das er durch seinen Tod auch für sie vollbracht hatte, sowie seine Auferstehung. Hierbei wurde stets Bezug auf die Schriften genommen, die sie - nach eigener Aussage - ehrten und denen sie folgten. Die Wahrheit des Zeugnisses wurde durch die Errettung vieler bestätigt, was diejenigen, die es abwiesen, ohne Entschuldigung zurückließ.

„Aus der Synagoge ausgeschlossen" zu werden, war die jüdische Exkommunikation. Der Herr lehrte seine Jünger, dass dies auch in ihrem Fall erzwungen werden würde (Joh 9,22; 16,2). Der einzige in der Schrift aufgezeichnete Fall ist der des blind geborenen Menschen, als er Zeugnis von Christus gab. Es war ein glücklicher Tausch für ihn, da der Herr sich ihm daraufhin als der Sohn Gottes offenbarte (Joh 9,34-38). Von anderen Menschen, den Obersten, lesen wir, dass sie auch an den Herrn glaubten, aber sich fürchteten, ihn zu bekennen, damit sie nicht ausgeschlossen würden, „denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Ehre bei Gott" (Joh 12,42.43).

Aus den Worten von Pilatus, in denen er auf den Herrn Bezug nimmt ("Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz"), wird deutlich, dass sie bestimmte Angelegenheiten richten und in begrenztem Maß auch Strafen zufügen durften (Joh 18,31). Es scheint, dass dies auch überall dort, wo sich eine Synagoge befand, vollzogen wurde. Jedoch ist nicht klar, wer die Richter waren - wahrscheinlich die in Lukas 7,3 erwähnten „Ältesten". Der Herr lehrte seine Jünger, dass sie in den Synagogen gegeißelt werden würden (Mt 10,17).

Paulus bekannte, dass er bei der Verfolgung der Versammlung die an den Herrn Glaubenden gefangen genommen und sie in jeder Synagoge geschlagen hatte (Apg 22,19). Paulus selbst erlitt zweifellos dieselbe Strafe in denselben Gebäuden (2. Kor 11,24). Ihre Stätten des Gottesdienstes wurden somit in derart unwürdiger Weise genutzt.

Die mit der Synagoge verbundenen Amtsträger waren

1. die Ältesten (hebr. zaqenim; griech. πρεσβύτεροι; vgl. Lk 7). Den Vorsitz über sie nahm der Synagogenvorsteher ein (siehe 2).

2. der Synagogenvorsteher (griech. αρχισυνάγωγος; vgl. Mk 5,22.35.36.38; Lk 8,49; 13,14; Apg 13,15; 18,8.17).

3. ein Abgesandter der jüdischen Gemeinde (hebr. sheliach), der die Funktion des obersten Lesers hatte. Er wird im N.T. nicht erwähnt.

4. der „Diener" (hebr. chazzan; griech. υπηρέτης). Er wird in der Schrift nur einmal in Verbindung mit der Synagoge genannt. Er war es, dem der Herr das Buch zurückgab, als er die Lesung beendet hatte (Lk 4,20).

5. die als „Muße-Männer" bezeichneten Anwesenden (hebr. batlanim), die Versammlungen regelmäßig beiwohnten. Jeder Synagoge gehörten mindestens zehn von ihnen an. Das war die geringste Anzahl, mit der man eine Versammlung bilden konnte (damit eine Abstimmung oder Wahl die entsprechende Gültigkeit besaß; Anm. d. Red.).

Die „Synagoge Satans" ist in der Schrift eine Bezeichnung für solche, die - wie die Juden - erklären, sie besäßen den Anspruch, auf der Grundlage des Erbrechts, als das Volk Gottes angesehen zu werden. Diese werden von der Schrift für Lügner erklärt, da sie in Wirklichkeit eine Gemeinde Satans bilden. Sie führen sein Werk aus, indem sie die Heiligen verführen, um sie von ihrem himmlischen Charakter abzulenken (Off 2,9; 3,9). An beiden Stellen mag es sich tatsächlich um Juden handeln, jedoch werden sie von Gott als solche abgelehnt.

(In der englischen Bibelübersetzung „Authorized Version" erscheint das Wort „Synagoge" ein einziges Mal im A.T. (Ps 74,8). Das dort verwendete hebräische Wort (moed) wird jedoch häufig mit „Versammlung, Zusammenkunft" übersetzt. In anderen englischen Übersetzungen und auch in der dt. Elberfelder Übersetzung wird in Psalm 74,8 allerdings das Wort „Versammlungsstätten" verwendet.)


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Judentum

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