Versammlung – Bibel-Lexikon

Dieser Begriff wird im A.T. durchgängig für die Gemeinde Israels gebraucht, und ebenso für das tatsächliche Zusammenkommen des Volkes. Jeder Nachkomme der zwölf Stämme bildete ein Teil dieser Gemeinde. Diejenigen aus anderen Nationen wurden in die Gemeinde aufgenommen, indem sie Proselyten wurden. Die Ammoniter und Moabiter durften niemals in die Versammlung des HERRN kommen, wobei es noch andere Beschränkungen gab (5. Mo 23,1-4). Für verschiedene Übertretungen konnte ein Israelit aus der Versammlung ausgeschlossen werden (2. Mo 12,19; 4. Mo 9,13). Siehe Exkommunikation. Das Wort „Versammlung" bezieht sich im A.T. auf verschiedene hebräische Wörter; manche bedeuten „eine bestimmte Versammlung", andere „ein Zusammenrufen", usw. „Die ganze Versammlung der Gemeinde" sollte das Passah essen (2. Mo 12,6), dennoch aß jede Familie es in ihrem eigenen Haus. Die Kinder Israel beschuldigten Mose, dass er sie in die Wüste gebracht hatte, um die „ganze Versammlung vor Hunger sterben zu lassen" (2. Mo 16,3); so auch an vielen anderen Stellen. Insbesondere wenn sie zu den Festen zusammengerufen wurden, wird oft von einer Festversammlung (3. Mo 23,36; 4. Mo 29,35; 5. Mo 16,8; 2. Kön 10,20; 2. Chr 7,9; Neh 8,18, usw.) bzw. einer „heiligen Versammlung" gesprochen (2. Mo 12,16; 3. Mo 23; 4. Mo 28,18.25.26; 29,1.7.12).

Bei diesen Festen war der Sabbat mit eingeschlossen, sie endeten mit dem Laubhüttenfest. „Das sind die Feste des HERRN, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen, um dem HERRN Feueropfer darzubringen" (3. Mo 23,37; siehe auch Jesaja 1,13; 4,5).

Im N.T. wird das Wort auch für versammelte Menschen gebraucht, so wie beim Aufruhr in Ephesus (Apg 19,32.39.41). In Jakobus 2,2 ist das Wort „Versammlung" wirklich die Synagoge oder der Ort des Versammelns. In Hebräer 12,23 müsste der Ausdruck „allgemeine Versammlung" in Verbindung mit Vers 22 gelesen werden: „und zu Myriaden von Engeln, der allgemeinen Versammlung". Das Wort „und" trennt die Themen. Das griechische Wort, das unter anderem in Apostelgeschichte 19,32 benutzt wird, ist εκκλησία und kommt oft im N.T. vor, wo es mit „Versammlung", „Gemeinde" oder „Kirche" übersetzt wird, wobei „Versammlung" die Bedeutung des griech. Wortes am genauesten wiedergibt.. Es bedeutet wörtlich „herausgerufen" - so ist die Versammlung ein Volk, das von Gott aus der Masse der Menschheit herausgerufen ist zu ihm selbst hin.

Das Wort wird im N.T. einmal in Bezug auf Israel (Apg 7,38) und einmal in Bezug auf eine Volksmenge von solchen aus den Nationen (Apg 19,32.41) verwendet. In Matthäus 16,18 wird es das erste Mal auf das Christentum angewandt, wo der Herr auf Petrus‘ Bekenntnis, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes sei, erwidert, dass er auf diesen Felsen seine Versammlung bauen würde. Historisch gesehen wurde dieser geistliche Bau nach seinem Tod und seiner Auferstehung begonnen, als der Heilige Geist an Pfingsten auf die Erde herabkam. Unter diesem Gesichtspunkt der Versammlung gibt es keinen Raum für irgendein Versagen, denn „die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen" (Mt 16,18). Es geht darum, was Christus durch seinen Geist in Seelen bewirkt, und es wird das volle und endgültige Ergebnis dieses Wirkens betrachtet. In 1. Petrus 2,4.5 haben wir das fortschreitende Werk: „Auch ihr selbst (werdet) als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus." Der Gedanke des Bauens setzt hier ein Werk voraus, das auf eine Weise geschieht, dass Seelen sich bewusst werden, dass sie einen Teil des Wohnortes Gottes bilden, und fähig gemacht werden, als heilige Priesterschaft geistliche Schlachtopfer darzubringen.

Aber es gibt einen anderen Gesichtspunkt der Versammlung als ein Bau, bei dem diese in Bezug auf die menschliche Verantwortung betrachtet wird und wo menschliches Versagen folglich ein unverkennbares Zeichen hinterlassen hat. In 1. Korinther 3 spricht der Apostel von sich selbst als einem weisen Baumeister, der den Grund gelegt hat, welcher Jesus Christus ist. Aber er fügt hinzu, dass andere darauf bauen, und ermahnt jeden darauf Acht zu haben, wie er dies tut. Es mag hier „Holz, Heu, Stroh" gefunden werden, ebenso wie „Gold, Silber, wertvolle Steine". Menschen mögen den Tempel Gottes verderben und leider ist dies auf allzu wirksame Weise geschehen, wovon die bekennende Christenheit das Ergebnis ist. Aber dieser Gesichtspunkt der Versammlung darf in keiner Weise mit dem Bauen Christi verwechselt werden, wo kein Versagen gefunden wird.

Die Versammlung wird zudem auch in dem Bild des Leibes und der Braut Christi veranschaulicht (Eph 1,22.23; 5,26.27). Durch einen Geist werden Gläubige zu einem Leib getauft (1. Kor 12,13). Sie sind Gottes „Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken …" (Eph 2,10). Gottes wirksame Tätigkeit äußert sich darin, dass er sie mit Christus lebendig macht, sie (Juden und solche aus den Nationen) mitauferweckt und sie mitsitzen lässt in den himmlischen Örtern in Christus (Eph 2,5.6). Sie sind durch den Geist Gottes lebendig vereinigt mit dem Haupt im Himmel. Dieser Leib ist auf der Erde, damit die Gnade des Hauptes in ihm dargestellt wird. Die Gläubigen sollen „als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut" etc. anziehen (Kol 3,12-17). Es ist das von den Zeitaltern her verborgene Geheimnis, das nun geoffenbart worden ist, damit „den Fürstentümern und den Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung kundgetan werde die mannigfaltige Weisheit Gottes" (Eph 3,9.10). Christus wird sich die Versammlung schließlich als seine Braut darstellen - ohne „Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen" (Eph 5,27). Jene, die so mit ihm verbunden sind, sind „alle von einem", was auch für ihn gilt, welcher sie heiligt; sie sind „seine Brüder" (Heb 2,11). Sie stammen von dem Weizenkorn, das in die Erde gefallen und gestorben ist und viel Frucht gebracht hat (Joh 12,24). Überdies gibt es nur eine Versammlung (Eph 4,4; 1. Kor 12,13), es gibt keine zweite.

Wenn Spaltung in jeglicher Hinsicht eingetreten ist, wie es in Korinth geschehen war, wird der Glaube nach wie vor anerkennen, dass der Leib einer ist (1. Kor 12,20), und diese Wahrheit aufrechterhalten. Gaben wurden der Versammlung gegeben und werden als solche im Glauben erkannt werden. Ihre Ausübung wird in welcher Schwachheit auch immer begrüßt werden. Wenn die Versammlung wie ein großes Haus geworden ist, wo es goldene und silberne ebenso wie hölzerne und irdene Gefäße gibt, wird der Gläubige ermutigt sich von letzteren - den Gefäßen zu Unehre - zu reinigen, um „ein Gefäß zur Ehre (zu) sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet" (2. Tim 2,20.21). Er wird in der Schrift darüber belehrt, wie er sich im Haus Gottes zu verhalten hat, „das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit" (1. Tim 3,15).

Bei sorgfältiger Betrachtung stellt man fest, dass die Versammlungen in Jerusalem, Korinth, Rom etc. keine getrennten oder unabhängigen Einrichtungen waren, wie es heute in Verbindung mit der römischen Kirche, der griechischen Kirche, der anglikanischen Kirche usw. zu sehen ist. Es gab nur eine Versammlung, die Versammlung Gottes, obwohl sie an verschiedenen Orten zum Ausdruck kam, wo es in der Tat Amtsträger, wie Älteste und Diakone, gab und wo auch Zucht örtlich ausgeübt wurde. Es herrschte völlige Einheit zwischen den Versammlungen. In dem gegenwärtigen zerteilten Zustand des Volkes Gottes wird der Mann des Glaubens mit Sorgfalt erkennen, dass jeder wahre Christ ein Teil jenes einen Leibes ist, bei dem es, wie gesagt worden ist, kein Versagen geben kann. Gleichzeitig wird er einen Weg der Absonderung gehen und „nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden (streben) mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen" (2. Tim 2,22).

Die Versammlung wird bis zur Entrückung auf der Erde bestehen (vgl. 1. Thes 4,15-18). Ebenso wie es Gläubige auf der Erde gab, bevor die Versammlung gebildet wurde, wird es auch nach der Entrückung Gläubige auf der Erde geben. Alle werden gleichermaßen errettet werden, aber sie werden alle kein Teil der Versammlung Gottes sein, wie sie in der Schrift geoffenbart ist. Diese nimmt einen wunderbar einzigartigen Platz ein, der von Gott erdacht wurde, damit die Fürstentümer und Gewalten darin schon jetzt die mannigfaltige Weisheit Gottes erfahren sollten und damit in den kommenden Zeitaltern der überragende Reichtum der Gnade Gottes „in Güte an uns" erwiesen werden sollte „in Christus Jesus" (Eph 2,7; 3,10).


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