Klagelieder 1 – Studienbibel

Unrevidierte Elberfelder Übersetzung von 1932 (Vorwort)
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1 Wie1 sitzt einsam die volkreiche Stadt, ist einer Witwe gleich geworden die Große unter den NationenNationen; die FürstinFürstin unter den Landschaften ist zinsbar geworden!

2 Bitterlich weint sie des NachtsNachts, und ihre Tränen sind auf ihren Wangen; sie hat keinen TrösterTröster unter allen, die sie liebten; alle ihre Freunde haben treulos an ihr gehandelt, sind ihr zu Feinden geworden.

3 JudaJuda ist ausgewandert vor Elend und vor schwerer Dienstbarkeit2; es wohnt unter den NationenNationen, hat keine RuheRuhe3 gefunden; seine Verfolger haben es in der BedrängnisBedrängnis ergriffen4.

4 Die Wege ZionsZions trauerntrauern, weil niemand zum FesteFeste kommt; alle ihre ToreTore sind öde; ihre PriesterPriester seufzen; ihre Jungfrauen sind betrübt, und ihr selbst ist es bitter.

5 Ihre Bedränger sind zum HaupteHaupte geworden5, ihre Feinde sind wohlgemut6; denn JehovaJehova hat sie betrübt wegen der Menge ihrer ÜbertretungenÜbertretungen; vor dem Bedränger her sind ihre KinderKinder in GefangenschaftGefangenschaft gezogen.

6 Und von der TochterTochter ZionZion ist all ihre Pracht gewichen; ihre Fürsten sind wie HirscheHirsche geworden, die keine Weide finden, und kraftlos gingen sie vor dem Verfolger einher.

7 In den Tagen ihres Elends und ihres Umherirrens gedenkt JerusalemJerusalem all ihrer Kostbarkeiten, die seit den Tagen der Vorzeit waren, da nun ihr Volk durch die Hand des Bedrängers gefallen ist und sie keinen Helfer hat: die Bedränger sehen sie an, spotten ihres Feierns7.

8 JerusalemJerusalem hat schwer gesündigt, darum ist sie wie eine Unreine8 geworden; alle, die sie ehrten, verachten sie, weil sie ihre Blöße gesehen haben; auch sie selbst seufzt und wendet sich ab.

9 Ihre Unreinigkeit ist an ihren Säumen9, sie hat ihr Ende nicht bedacht und ist wunderbar heruntergekommen: da ist niemand, der sie tröste. Sieh, JehovaJehova, mein Elend, denn der Feind hat großgetan!

10 Der Bedränger hat seine Hand ausgebreitet über alle ihre Kostbarkeiten; denn sie hat gesehen, daß NationenNationen in ihr HeiligtumHeiligtum gekommen sind, von welchen du geboten hast: sie sollen nicht in deine VersammlungVersammlung kommen!

11 All ihr Volk seufzt, sucht nach BrotBrot; sie geben ihre Kostbarkeiten für Speise hin, um sich10 zu erquicken. Sieh, JehovaJehova, und schaue, daß ich verachtet bin!

12 Merket ihr es nicht11, alle, die ihr des Weges ziehet? Schauet und sehet, ob ein Schmerz sei wie mein Schmerz, der mir angetan worden, mir, die JehovaJehova betrübt hat am TageTage seiner Zornglut.

13 Aus der HöheHöhe hat er ein FeuerFeuer in meine Gebeine gesandt, daß es sie überwältigte; ein NetzNetz hat er meinen Füßen ausgebreitet, hat mich zurückgewendet; er hat mich zur WüsteWüste gemacht, siech den ganzen TagTag.

14 Angeschirrt durch seine Hand ist das JochJoch meiner ÜbertretungenÜbertretungen: sie haben sich verflochten, sind auf meinen Hals gekommen; er12 hat meine KraftKraft gebrochen13. Der HerrHerr hat mich in Hände gegeben, daß ich mich nicht aufrichten kann14.

15 Der HerrHerr hat alle meine Starken weggerafft in meiner Mitte; er hat ein Fest15 wider mich ausgerufen, um meine Jünglinge zu zerschmettern; der HerrHerr hat der JungfrauJungfrau, der TochterTochter JudaJuda, die KelterKelter getreten.

16 Darüber weineweine ich, rinnt mein Auge, mein Auge von Wasser; denn fern von mir ist ein TrösterTröster, der meine SeeleSeele erquicken könnte; meine KinderKinder sind vernichtet16, denn der Feind hat obgesiegt.

17 ZionZion breitet ihre Hände aus: da ist niemand, der sie tröste. JehovaJehova hat seine Bedränger ringsum gegen JakobJakob entboten; wie eine Unreine ist JerusalemJerusalem unter ihnen geworden.

18 JehovaJehova ist gerecht, denn ich bin widerspenstig gegen seinen Mund gewesen. Höret doch, ihr Völker alle, und sehet meinen Schmerz! Meine Jungfrauen und meine Jünglinge sind in die GefangenschaftGefangenschaft gezogen.

19 Ich rief meinen Liebhabern, sie aber betrogen mich; meine PriesterPriester und meine Ältesten sind in der Stadt verschieden, als sie für sich Speise suchten, damit sie ihre SeeleSeele erquicken möchten.

20 Sieh, JehovaJehova, wie17 mir angst ist! Meine Eingeweide wallen18, mein HerzHerz wendet sich um in meinem Innern; denn ich bin sehr widerspenstig19 gewesen. Draußen hat mich das SchwertSchwert der KinderKinder beraubt, drinnen ist es wie der TodTod.

21 Sie haben gehört, daß ich seufzte: ich habe niemand, der mich tröstet! Alle meine Feinde haben mein Unglück gehört, haben sich gefreut, daß du es getan hast. Führst du den TagTag herbei, den du verkündigt hast, so werden sie sein wie ich.

22 Laß alle ihre Bosheit vor dein Angesicht kommen und tue ihnen, wie du mir getan hast wegen aller meiner ÜbertretungenÜbertretungen; denn viele sind meiner Seufzer, und mein HerzHerz ist siech.

Fußnoten

  • 1 Im Hebr. bestehen die beiden ersten Lieder aus dreizeiligen Strophen (mit Ausnahme von Kap. 1,7 und Kap. 2,11), deren Anfangsbuchstaben der alphabetischen Reihenfolge entsprechen
  • 2 Eig. vor vieler Dienstarbeit
  • 3 O. Ruhestätte
  • 4 Eig. zwischen den Bedrängnissen erreicht
  • 5 Vergl. 5. Mose 28,44
  • 6 O. sorglos, sicher
  • 7 And.: ihres Untergangs
  • 8 Eig. zu einer Unreinheit; so auch V. 17
  • 9 O. Schleppen
  • 10 W. um die Seele
  • 11 Eig. Kommt es nicht an (bis zu) euch?
  • 13 Eig. zu Fall gebracht
  • 14 O. vor welchen ich nicht bestehen kann
  • 15 O. eine Festversammlung, näml. der Feinde; vergl. Kap. 2,22
  • 16 Eig. verwüstet
  • 17 Eig. daß
  • 18 Eig. gären; so auch Kap. 2,11
  • 19 O. trotzig