Einführung in das Buch der Richter

Teil 1: Grundsätzliche Bemerkungen

Einführung in das Buch der Richter

1. Die Bücher Josua und Richter

Das Buch Richter schließt zeitlich direkt an das Buch Josua an. Beide Bücher sind miteinander verbunden. Ein Vergleich zwischen dem Ende des Buches Josua und dem Anfang des Buches der Richter macht das sofort klar. Das erste Kapitel des Buches der Richter könnte ebenso das letzte Kapitel des Buches Josua sein. In beiden Fällen wird vom Tod Josuas berichtet. Das Buch Josua beginnt mit der engen Verbindung Josuas zu Mose, und es endet mit dem Tod Josuas. Außerdem berichtet es über die Zeit nach der Wüstenreise, den Einzug in das Land, dessen Eroberung und die Verteilung des Erbes. Es schließt mit einem flammenden Schlussappell Josuas am Ende seines Lebens (Jos 23 und 24).

Das Buch Josua ist also einerseits mit den fünf Büchern Mose (dem Pentateuch) verbunden, andererseits ebenso mit dem Buch der Richter. Die Geschichte Israels, so wie sie im Buch Josua berichtet wird, setzt sich im Buch der Richter fort. Es wird deshalb mit Recht als das zweite geschichtliche Buch betrachtet1. Ein Teil dessen, was zu Beginn des Buches (in Kapitel 1 und 2) beschrieben wird, muss noch zu Lebzeiten Josuas stattgefunden haben.

Beide Bücher beginnen sehr ähnlich, nehmen jedoch einen völlig unterschiedlichen Verlauf. In Josua 1,1 heißt es: „Und es geschah nach dem Tod Moses, des Knechtes des Herrn ...“ In Richter 1,1 heißt es: „Und es geschah nach dem Tod Josuas...“

2. Der geschichtliche Hintergrund

Josua hatte in seiner bemerkenswerten Abschiedsrede das Volk Israel vor den Folgen gewarnt, wenn sie das unter ihm begonnene Werk nicht fortsetzen und sich stattdessen mit den Völkern des Landes vermischen würden. Er hatte gesagt:

„So haltet denn sehr fest daran, alles zu beachten und zu tun, was im Buch des Gesetzes Moses geschrieben ist, damit ihr weder zur Rechten noch zur Linken davon abweicht, damit ihr nicht unter diese Nationen kommt, diese, die bei euch übrig geblieben sind, und den Namen ihrer Götter nicht erwähnt und nicht bei ihnen schwört und ihnen nicht dient und euch vor ihnen nicht niederwerft! Sondern dem Herrn, eurem Gott, sollt ihr anhangen, so wie ihr getan habt bis auf diesen Tag. ... So achtet sehr auf eure Seelen, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebt! Denn wenn ihr euch irgend abwendet und euch an den Rest dieser Nationen hängt, an die, die bei euch übrig geblieben sind, und ihr euch mit ihnen verschwägert und unter sie kommt und sie unter euch: So wisst bestimmt, dass der Herr, euer Gott, nicht fortfahren wird, diese Nationen vor euch zu vertreiben; und sie werden euch zur Schlinge werden und zum Fallstrick und zur Geißel in euren Seiten und zu Dornen in euren Augen, bis ihr umkommt aus diesem guten Land, das der Herr, euer Gott, euch gegeben hat“ (Jos 23,6–13).

Josua muss geahnt haben, was passieren würde, und genauso kam es. Anders als bei Mose hatte Gott für Josua keinen Nachfolger bestimmt. Das Volk war im Land angekommen und hatte es – zum Teil – besetzt und eingenommen. Nun sollten sie – unter der Leitung Gottes – die restlichen Feinde vernichten und den Segen des Landes genießen. Doch genau das taten sie nicht. Die Feinde waren im Land und sie blieben im Land. Es kamen sogar neue Feinde hinzu.

Statt von Sieg zu Sieg zu gehen, folgte nun Niederlage auf Niederlage. In sieben Zyklen beschreibt der Autor den geistlichen Niedergang, der in der Berichterstattung mit Simson seinen Höhepunkt erreicht. Das erste Buch Samuel schließt nahtlos an das Buch der Richter an. Es beginnt mit der Geschichte Samuels, des letzten Richters (vgl. Apg 13,20), der dem Volk schließlich auf ihre Begehren hin einen König gibt. Diese Ereignisse fallen zwar in die Zeit der Richter, werden jedoch in diesem Buch nicht beschrieben.

Das Buch der Richter ist somit ein wichtiges Bindeglied zwischen der früheren Geschichte Israels und der Zeit der Monarchie, die mit Saul begann. Das Buch ist nicht sehr lang, umfasst dabei jedoch einen deutlich größeren Zeitraum als die meisten geschichtlichen Bücher im Alten Testament, nämlich ca. 325 Jahre.

Es ist zum Verständnis des Buches wichtig anzumerken, dass Israel in dieser Zeit politisch anders organisiert war als die übrigen Völker Kanaans. Es gab keinen nationalen Führer (wie Mose und Josua) und (noch) keinen König. Das Volk Israel war in dieser Zeit auf der Grundlage der Stämme Jakobs organisiert. Es glich einer lockeren Staatenvereinigung (einem Völkerbund) ohne zentrale Regierung. Was die Israeliten zusammenhielt, waren das Heiligtum in Silo (Kap 18,31) und das mosaische Gesetz. Autorität wurde an einzelnen Orten durch Älteste ausgeübt oder durch die Richter, die regional auftraten.

Das Buch nennt uns auch die Feinde des Volkes Israel, die sie eigentlich hätten vertreiben sollen, allerdings nicht vertrieben haben. In Kapitel 3,1–5 werden einige von ihnen mit ihren Göttern genannt, nämlich die Philister, die Kanaaniter, die Sidonier, die Hewiter, die Hethiter, die Amoriter, die Perisiter, und die Jebusiter. Im weiteren Verlauf sehen wir, dass sich Israel mit einigen von ihnen besonders auseinandersetzen musste. Wir finden die Mesopotamier (Kap 3,7–11), die Moabiter (Kap 3,12–30), die Philister (Kap 3,31), die Kanaaniter (Kap 4–5), die Midianiter (Kap 6,1–10,5), die Ammoniter (Kap 10,6–12,6) und noch einmal die Philister (Kap 13–16). Wenn man die Philister doppelt zählt, sind es sieben Feinde, mit denen es konkrete Auseinandersetzungen gab2.

Die feindlichen Nationen hatten ihre eigenen Götter, die für Israel zu einem Fallstrick wurden. Genannt werden vor allem:

  • der Baal: Der Name bedeutet „Herr“ oder „Besitzer“. Er galt als der Hauptgott der Kanaaniter und wird sehr häufig erwähnt (auch in anderen Büchern des Alten Testamentes). Er wurde als der mächtigste Gott der Nationen im Land angesehen.
  • die Aschera: Sie soll die Frau von El, dem Haupt und Vater der Götter gewesen sein. Sie war damit Mutter der Götter und zugleich die Göttin des Meeres.
  • die Astarot (oder Astarte): Sie galt als weibliche Fruchtbarkeitsgöttin und zugleich als Göttin der Liebe und des Krieges, die als Gefährtin eng mit Baal verbunden war und somit als Hauptgöttin galt.
  • Dagon: Dagon war der Hauptgott der Philister. Manche haben den Namen auf eine Fischart zurückgeführt, andere verbinden Dagon mit Korn und sehen in ihm einen Gott der Landwirtschaft.

Gott hatte seinem Volk ausdrücklich verboten, andere Götter neben Ihm zu haben. Sie sollten diese Götter nicht verehren, mehr noch, Gott hatte gesagt, dass sie die Altäre der Götter niederreißen, ihre Bildsäulen zerbrechen, ihre Ascherim umhauen und ihre geschnitzten Bilder mit Feuer verbrennen sollten (5. Mo 7,5). Damit sind die wesentlichen kultischen Elemente der kanaanitischen Religion beschrieben. Sie bestanden aus Altären (zum Opfern), aus Bildsäulen (meistens aufrecht stehende Steinsäulen), aus Ascherim (meistens Kultsäulen aus Holz oder Bäumen)3 und geschnitzten Bildern. Im Gegensatz zu dem ägyptischen Gottesdienst, in dem es keine Kindesopfer gab, praktizierten die Kanaaniter in ihrem Götzendienst sehr wohl diese im Gesetz Moses für die Kinder Israel ausdrücklich verbotene Handlungsweise. Leider zeigt das Buch der Richter, dass Israel selbst in diesem Punkt von der Religion der Kanaaniter beeinflusst wurde (Ri 11,31–40).

3. Die Richter

Das Buch trägt den Namen „Richter“, und es beschreibt die Zeit der Richter in Israel. Nun ist das Wort nicht ausschließlich in dem uns bekannten (juristischen) Sinn zu verstehen. Das hebräische Wort für „Richter“ stammt von einem Wort ab, das eine doppelte Grundbedeutung hat:

  1. Nach innen gerichtet: Es geht um Regieren und Richten, also um mehr als juristisches Urteilen (vgl. 5. Mo 16,18; 17,9; 19,17).
  2. Nach außen gerichtet: Es geht darum, Leiterschaft zu praktizieren und vor Gefahren zu retten.

Die Richter hatten militärische, bürgerliche und religiöse Aufgaben. Ihre Tätigkeit schließt die allgemeine administrative Autorität ebenso ein wie die militärische Verteidigung gegenüber den Feinden. Richter waren Führer im Volk Gottes, die mit exekutiven (einschließlich militärischen) und judikativen Aufgaben betraut waren.

Das Buch selbst nennt zwölf Männer konkret mit Namen. Von sieben Richtern wird gesagt was sie taten und welche Rettung sie brachten. Es sind: Otniel, Ehud, Schamgar, Barak, Gideon, Jephta und Simson. Ihre Geschichte wird unterschiedlich ausführlich berichtet. Fünf weitere Richter werden lediglich mit Namen genannt (Tola, Jair, Ibzan, Elon und Abdon). Ihre Taten werden nicht berichtet. Hinzu kommt mit Debora eine Frau. Abimelech (Kap 9) wäre gerne Richter (und sogar König) geworden. Er zählt jedoch nicht zu den von Gott gegebenen Richtern. Eli und Samuel waren ebenfalls Richter, sie werden jedoch in diesem Buch nicht erwähnt.4

Die Richter waren nicht nur militärische Helden, sondern es waren zugleich Glaubenshelden. In Hebräer 11,32 werden Gideon, Barak, Simson, und Jephta namentlich erwähnt. Sie kamen aus neun verschiedenen Stämmen (Juda, Benjamin, Naphtali, Manasse, Issaschar, Sebulon und Dan) und hatten einen sehr unterschiedlichen Hintergrund. Sie wirkten zum Teil zeitgleich und an ganz verschiedenen Orten vom äußersten Norden bis zum äußersten Süden des Landes.

Jedes Mal war es Gott, der einen Richter erweckte. Er wählte seine Werkzeuge sehr individuell aus. Er entschied, wen Er einsetzen konnte und wen nicht. Menschen hätten sehr wahrscheinlich eine andere Wahl getroffen. Gott tut es in seiner Weisheit und nach seinem Maßstab. Er erwählt nicht die Begabtesten, sondern Er begabt die Ausgewählten. Man kann die Wahl der Richter sehr gut mit den Worten aus 1. Korinther 1,26–29 zusammenfassen: „Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt [und] das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichtemache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme“ (1. Kor 1,26–29).

In der Tat waren die meisten Richter nicht das, was man sich nach menschlichem Ermessen unter Heerführern vorstellt. Im Gegenteil, viele von ihnen hatten sogar gewisse Handicaps:

  • Ehud war Linkshänder, was damals durchaus als ein Manko galt
  • Schamgar hatte nur einen Rinderstachel und keine übliche Waffe
  • Debora war eine schwache Frau und Jael (Ri 4,17–22) – wenn auch keine Richterin – war ebenfalls eine Frau
  • Barak war feige
  • Gideon war von geringer Herkunft und kämpfte mit ungleichen und sehr unkonventionellen Waffen
  • Jephta war das Kind einer Hure
  • Simson hatte eine notorische Schwäche für Frauen

4. Zur Chronologie

Es ist nicht ganz einfach, das Buch der Richter chronologisch einzuordnen – und es ist natürlich nicht die wichtigste Frage. Es ist zweifelsfrei, dass das Buch der Richter die Zeit zwischen dem Tod Josuas und dem Beginn des Königtums unter Saul beschreibt. Schwieriger ist es hingegen, diese Zeit genau festzulegen. Saul wurde – darüber besteht unter den Auslegern weitgehend Einigkeit – um 1051 v. Chr. König über Israel. Dieses Datum markiert das Ende der Richterzeit. Schwieriger ist es, das Todesdatum Josuas – und damit den Beginn der Richterzeit – eindeutig festzulegen. Der Grund ist eine gewisse Unsicherheit über den exakten Zeitpunkt des Auszuges der Kinder Israel aus Ägypten. Die meisten konservativen Ausleger gehen davon aus, dass dies im Jahr 1446 v. Chr. geschah. Berücksichtigt man die 40 Jahre Wüstenwanderung und die Dienstzeit Josuas (30 bis 40 Jahre), dann würde die Zeit der Richter etwa um das Jahr 1375 v. Chr. begonnen und um das Jahr 1050 geendet haben. Somit kommt man auf eine Gesamtzeit von etwa 325 Jahren, die für die Richterzeit zu veranschlagen ist5.

Das stimmt sehr gut mit einer Zeitangabe in 1. Könige 6,1 überein. Dort wird eine Zeitspanne von 480 Jahren zwischen dem Auszug Israels aus Ägypten und dem vierten Regierungsjahr Salomos genannt. Zieht man die 40 Jahre Wüstenreise und die Zeit unter Josua ab und berücksichtig man weiter die Regierungszeiten von Saul und David (insgesamt 80 Jahre) und die ersten 3 Jahre von Salomo, dann verbleiben für die Richterzeit tatsächlich etwa 325 Jahre zwischen dem ersten Richter Otniel und dem letzten in diesem Buch genannten Richter Simson.

Allerdings treten zwei Schwierigkeiten auf:

  1. Addiert man die relativ häufigen Jahresangaben im Buch der Richter, kommt man auf eine deutlich längere Zeit. Allerdings ist eine solche simple Addition nicht zulässig, denn die Richter lebten zum Teil gleichzeitig und richteten an verschiedenen Orten in Israel. Das Buch ist nicht chronologisch geschrieben.
  2. In Apostelgeschichte 13,19.20 wird eine Zeit von etwa 450 Jahren genannt, die dort auf den ersten Blick mit der Richterzeit verbunden wird. Allerdings scheint es so zu sein, dass man – guten Handschriften folgend – diese 450 Jahre nicht auf die Richterzeit beziehen darf, sondern auf die Zeit vorher, d. h., es geht um die Zeitspanne von den Patriarchen bis zur Zeit der Richter. Geht man von 1375 v.Chr. als Beginn der Richterzeit aus, müsste diese Zeitspanne 1825 v. Chr. begonnen haben. Zu diesem Zeitpunkt lebte Joseph als einer der letzten Patriarchen noch (er starb wahrscheinlich um 1805 v.Chr.)6

5. Verfassungszeit, Autor und Stellung im biblischen Kanon

  1. Verfassungszeit: Es gibt keine genauen Angaben, wann das Buch geschrieben wurde. Allerdings gibt es im Buch selbst einige Hinweise, die den Zeitraum eingrenzen und zeigen, dass es in der frühen Zeit der Könige gewesen sein muss. Es wird im Buch der Richter viermal gesagt, dass in jenen Tagen kein König in Israel war (Ri 17,6; 18,1; 19,1; 21,25). Daraus folgt, dass es beim Schreiben des Buches der Richter offensichtlich anders war, dass es einen König gab. Zudem wird der Tod Simsons – des letzten Richters in dem Buch – beschrieben, d. h., es muss nachher geschrieben worden sein. Nach „hinten“ gibt es ebenfalls zwei Begrenzungen. Erstens lesen wir in Richter 1,29, dass sich die Stadt Geser noch in kanaanitischer Hand befand. In 1. Könige 9,16 hingegen bekam eine der Frauen Salomos die Stadt Geser als Mitgift geschenkt. Zweitens lesen wir in Richter 1,21 dass die Jebusiter noch in Jerusalem lebten, die erst von David vertrieben wurden (2. Sam 5,6–8). Drittens wird Sidon mehrmals als eine Stadt der Phönizier genannt, während Tyrus gar nicht erwähnt wird. Zur Zeit der Könige war jedoch Tyrus bedeutender als Sidon. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass das Buch der Richter jedenfalls nach der Inthronisierung Sauls und vor der Einnahme Jerusalems durch David geschrieben wurde. Es könnte also sehr wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1051 v.Chr. und 1004 v.Chr. gewesen sein.
  2. Autor: Der Verfasser wird ebenfalls nicht genannt. Allgemein nimmt man an, dass es der Prophet Samuel gewesen ist. So lautet jedenfalls die jüdische Überlieferung7. Die Frage ist allerdings nicht sehr wichtig. Gott hat dafür gesorgt, dass dieses Buch ein Teil seines inspirierten Wortes ist. Das Buch ist von Anfang an als zum Alten Testament gehörend betrachtet worden.
  3. Stellung im biblischen Kanon: Es hat unter den Juden nie den geringsten Zweifel gegeben, dass das Buch der Richter ein Teil des Wortes Gottes ist, und es gibt bis heute keinen Grund, daran zu zweifeln. In den uns geläufigen Bibelübersetzungen ist es – nach dem Buch Josua – das zweite historische Buch. Die hebräische Bibel kennt keine „historischen Bücher“, sondern teilt die Bücher des Alten Testamentes in drei Hauptteile ein, erstens das Gesetz, zweitens die Propheten (frühere und spätere) und drittens die Schriften. Das Buch der Richter gehört zu den früheren Propheten und ist nach Josua dort das zweite Buch. Die beiden Bücher schließen sich – wie in den uns geläufigen Übersetzungen – dem Gesetz (den 5 Büchern Mose) an.

6. Inhalt

Das Buch der Richter beschreibt das Auf und Ab im damaligen Volk Gottes und konzentriert sich dabei vor allem auf drei Themen:

  1. Die Anpassung Israels an die Kanaaniter: Genau davor hatte Josua sie gewarnt, und genau in diese Falle tappten sie. Es war erstens eine natürliche und in der Folge davon eine religiöse Vermischung. Kapitel 3,5.6 sagt uns: „Und die Kinder Israel wohnten inmitten der Kanaaniter, der Hethiter und der Amoriter und der Perisiter und der Hewiter und der Jebusiter; und sie nahmen sich deren Töchter zu Frauen und gaben ihre Töchter deren Söhnen und dienten ihren Göttern“. Sie handelten damit entgegen den Anweisungen Gottes und mussten die Konsequenzen tragen.
  2. Der Kampf Israels mit den Völkern des Landes und innerhalb des eigenen Volkes. Es gibt eine Vielzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen bis hin zum Bruderkrieg. Es waren in erster Linie militärische Kämpfe, doch es gibt ebenso geistliche Kämpfe, die ausgetragen wurden. Der Charakter dieser Konflikte ist anders als im Buch Josua. Dort sollte das Land eingenommen werden. Im Buch der Richter steht die Verteidigung des Besitzes im Vordergrund, weil die Feinde ihnen das Land immer wieder abnahmen.
  3. Das Handeln Gottes im Gericht und in Gnade: Gott sah nicht einfach zu, als das Volk sich von Ihm abwandte. Er selbst sandte die Feinde gegen sein Volk, um es zu bestrafen. Darin sehen wir die Heiligkeit Gottes. Doch zugleich leuchtet seine Gnade auf, weil Er sich immer wieder erbitten ließ und seinem Volk Richter erweckte, die es retteten. Vor dem dunklen Hintergrund des Abweichens und der Degeneration leuchtet das Licht der Gnade und Treue Gottes besonders hell.

Man kann dem Buch der Richter also eine negative und eine positive Seite abgewinnen. Negativ deshalb, weil es dem Leser den Spiegel des menschlichen Fehlverhaltens vorhält. Wir lesen allein siebenmal, dass die Kinder Israel taten, „was böse war in den Augen des Herrn“ (Kap 2,11; 3,7.12; 4,1; 6,1; 10,6; 13,1). Positiv deshalb, weil es uns zeigt, wie Gott zu seinem Volk steht, es nicht im Stich lässt und immer wieder eine Erweckung schenkt. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die gesamte Zeit der Richter. Das Buch warnt damit jeden, der es liest, und es macht zugleich Mut.

Von der Einleitung und dem Epilog abgesehen, beschreibt uns das Buch in der Hauptsache sieben Zyklen (oder Kreisläufe) von Niedergang und Rettung. Es sind:

  1. Rettung durch Otniel gegen Kuschan Rischataim aus Mesopotamien (Kap 3,8–11)
  2. Rettung durch Ehud und Schamgar gegen die Moabiter und Philister (Kap 3,12–31)
  3. Rettung durch Deborah und Barak gegen Jabin, den König von Harzor (Kap 4–5)
  4. Rettung durch Gideon gegen Midian (Kap 6–8)
  5. Rettung durch Tola und Jair (Kap 10,1–5)
  6. Rettung durch Jephta Ibzan, Elon und Abdon gegen Ammon und die Philister (Kap 10,6–12,15)
  7. Rettung durch Simson gegen die Philister (Kap 13–16)

Fast alle Zyklen folgen einem bestimmten Muster, das man sehr gut in fünf Phasen einteilen kann:

  • Phase 1: Israel rebelliert gegen die Anweisungen Gottes und verletzt die Bundesvereinbarungen. Meistens ist diese Phase mit der Verehrung fremder Götter verbunden.
  • Phase 2: Gott richtet sein Volk, indem Er Feinde gegen sie erweckt, die sie besiegen.
  • Phase 3: Das Volk fleht nach einer gewissen Zeit der Unterdrückung zu Gott um Hilfe und Befreiung. Dieser Hilferuf ist manchmal mit Buße und Reue verbunden.
  • Phase 4: Gott erweckt einen Retter (Richter), der das Volk von der feindlichen Unterdrückung befreit.
  • Phase 5: Das Volk erlebt eine Zeit der Ruhe und des Friedens, die wiederum in einer neuen Rebellion des Volkes endet.

Es fällt auf, dass die Kraft der Richter mit jedem Zyklus abnimmt. Der schwächste Richter war – wenngleich der stärkste Mann, den es gegeben hat – Simson. Obwohl er großartige Siege errang, gab es in seiner Zeit keine wirkliche Befreiung von den Feinden. Sein Ende ist traurig.

7. Gliederung

Das Buch der Richter lässt sich relativ leicht in drei Teile, nämlich Einleitung, Hauptteil und Epilog, gliedern.

Teil 1: Einleitung: Beginn der Rebellion und des Niedergangs Israels nach dem Tod Josuas (Kap 1,1 – 3,7)

  1. Israel versagt und vermischt sich mit den Bewohnern des Landes (Kap 1)
  2. Das Volk in Bochim und der Tod Josuas (Kap 2,1–10)
  3. Israel bricht mit seinem Gott und wendet sich den Götzen zu (Kap 2,11–3,7)

Teil 2: Hauptteil: Sieben Phasen der Unterdrückung durch die Feinde und Rettung durch Gott (Kap 3,8–16,31)

  1. Otniel (Kap 3,5–11)
  2. Ehud und Schamgar (Kap 3,12–31)
  3. Debora und Barak (Kap 4,1–5,31)
  4. Gideon (und Abimelech) (Kap 6–9)
  5. Tola und Jair (Kap 10,1–5)
  6. Jephta, Ibzan, Elon und Abdon (Kap 10,6–12,15)
  7. Simson (Kap 13–16)

Teil 3: Epilog: Das religiöse, moralische und zivile Verderben in Israel (Kap 17–21)

  1. Michas Götzendienst und Gewalttat (Kap 17–18)
  2. Israels sittlicher Zustand und moralisches Verderben sowie der Bruderkrieg gegen Benjamin (Kap 19–21).

Die im Epilog beschriebenen Ereignisse fanden während der Zeit der Richter statt und nicht am Ende oder etwa danach. Die Geschichte Michas spielte sich vermutlich zu Lebzeiten Simsons ab, während der Bruderkrieg mit Benjamin deutlich früher stattfand.

8. Die typologische und prophetische Bedeutung

Während die fünf Bücher Mose und das Buch Josua voll von typologischer Bedeutung sind, ist dies im Buch der Richter anders. Es gibt deutlich weniger Bilder und Ereignisse, durch die neutestamentliche Wahrheiten vorgeschattet werden. Das Buch der Richter besticht vielmehr durch seine praktische Bedeutung, auf die wir in Teil 2 ausführlicher eingehen werden.

8.1. Typologische Bedeutung

Die vorbildliche (typologische) Bedeutung ergibt sich aus der engen Anbindung an das Buch Josua. Das Buch Josua zeigt uns, wie das Land in Besitz genommen wird. Für uns spricht das von den himmlischen Segnungen, die wir in Christus geschenkt bekommen und die wir praktisch genießen müssen (Eph 1,3). Das Buch der Richter zeigt uns, wie schnell die Kenntnis und der Genuss dieser Segnungen durch die Vermischung mit der Welt verloren gehen kann und welche geistliche Anstrengung es kostet, sie wieder neu zu erfassen. Die Feinde des Volkes Israel sind in ihrer geistlichen Bedeutung unsere Feinde, nämlich der Teufel und seine Engel gegen uns, die Welt um uns und das Fleisch in uns. Sie setzen alles daran, uns die Freude an unserem geistlichen Erbe zu nehmen, und wenn es ihnen gelungen ist, kostet es Mühe, den alten Zustand wiederherzustellen. Der Kampf im Buch der Richter ist kein direkter Offensivkampf (keine Eroberungszüge), sondern es geht darum, den Besitz und das Erbe zu verteidigen und die nationale Existenz zu bewahren. Für uns geht es im Bild dieses Buches nicht primär um die Verbreitung des Evangeliums, sondern vielmehr darum, „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“ (Jud 3).

Es gibt im Buch der Richter drei große Gruppen von Feinden:

  1. die Nationen, die ursprünglich im Land Kanaan wohnten (die Kanaaniter). Sie sprechen in ihrer typologischen Bedeutung von den geistlichen Mächten der Bosheit in den himmlischen Örtern (Eph 6,12).
  2. die Philister, die zwar im Land wohnten, sich jedoch dort von außen angesiedelt hatten. Sie sprechen vorbildlich von natürlichen Menschen, die sich christlich geben, nur keine echten Christen sind. Sie symbolisieren die sogenannte „Namenschristenheit“.
  3. die Nomadenvölker (Beduinen), die in der Wüste zu Hause waren und sich dort wohlfühlten und das Volk Gottes von außen zu attackieren versuchten. Dazu zählen z. B. Midian, Amalek und die Söhne des Ostens. Sie symbolisieren die Welt, die für Christen eine Wüste sein sollte, es jedoch häufig im täglichen Leben nicht ist. Die Lust des Fleisches und der Augen, sowie der Hochmut des Lebens(1. Joh 2,16) sind für das Fleisch (die alte Natur) permanent attraktiv und gefährlich.

Hinter den feindlichen Mächten steht immer der Teufel, der unser Widersacher ist. Der Teufel benutzt die Welt, um unser Fleisch anzureizen und uns mit der Welt zu vermischen. Trotz dieser mächtigen Feinde ist es möglich, als Christ ein Leben als Überwinder zu führen (Röm 8,37). Es liegt an uns, ob wir Sieger oder Verlierer sind. Und wenn wir abgewichen sind, ist eine Rückkehr immer möglich. Jede einzelne Rettung, die im Buch der Richter beschrieben wird, ist für uns das Bild einer geistlichen Erweckung, die inmitten einer untreuen und schlafenden Christenheit durch das Wirken des Heiligen Geistes hervorgebracht wird.

8.2. Prophetische (kirchengeschichtliche) Bedeutung

Das Buch Josua weist auf die herrliche Zeit des Anfangs der Christenheit hin. Josua ist einerseits als Nachfolger Moses (Jos 1,1) ein deutlicher Hinweis auf Christus, der jetzt im Geist bei uns ist, damit wir unsere typisch christlichen Segnungen (die geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern) genießen können. Ohne den Heiligen Geist wäre das unmöglich. Andererseits ist Josua – wenn wir es kirchengeschichtlich betrachten – als Führer des Volkes ein Hinweis auf die geistlichen Führer des Anfangs (die Apostel des Neuen Testamentes). Sie haben uns die christliche Wahrheit im Auftrag Gottes offenbart. Doch so wie Josua gestorben ist (Jos 1,1), sind die Apostel nicht mehr da. Eine apostolische Nachfolge gibt es nicht. Dennoch sind wir nicht ohne Hilfsquellen, denn wir haben das vollendete Wort Gottes in Händen. Es liegt an uns, das Erbteil zu bewahren.

Das neutestamentliche Gegenstück zum Buch Josua ist der Epheserbrief. Doch ausgerechnet in Ephesus gab es wenige Jahre später gravierendes Fehlverhalten. Der Herr muss gerade dieser Versammlung (Gemeinde) vorwerfen, dass sie ihre erste Liebe verlassen hatte (Off 2,4). Das führt uns zum Buch der Richter. So wie es im irdischen Volk Gottes immer weiter bergab ging, so war es in der Geschichte der Versammlung als verantwortlicher Leuchter auf der Erde nicht anders. Der Vergleich mit den sieben „Sendschreiben“ in Offenbarung 2 und 3 drängt sich förmlich auf.

Der Schlussappell Josuas am Ende seines Buches (Jos 24) erinnert an die Abschiedsrede von Paulus in Apostelgeschichte 20. Josua spricht ausführlich von der Gnade, und genau das tut Paulus auch. So wie es für Josua keinen Nachfolger gab, gibt es in der Christenheit keine apostolische Nachfolge. Paulus sagt den Ältesten von Ephesus: „Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das vermag, aufzuerbauen und das Erbe zu geben unter allen Geheiligten“ (Apg 20,32). Zugleich warnt er sie vor gefährlichen Einflüssen von außen und von innen (Apg 20,29.30). Davon sprechen die Feinde, die wir im Buch der Richter finden. Wie Josua sah er die Gefahren, und was er vorausgesagt hatte, passierte sehr bald. Das neutestamentliche Gegenstück zum Buch der Richter ist – unter diesem Blickwinkel – der zweite Brief an Timotheus, der sich gerade in Ephesus aufhielt. Dieser Brief spricht – wie das Buch der Richter – von Niedergang und Verfall und zeigt zugleich die Treue Gottes, der sich selbst nicht verleugnen kann (2. Tim 2,13) und der uns selbst in einer schwierigen Zeit siegreich sein lässt.

Jean Muller schreibt sehr treffend: „Das Buch Josua findet sein Gegenstück im Epheserbrief, der die Gedanken Gottes über Christus und seine Versammlung offenbart. Zudem stellt dieser Brief den geistlichen Kampf des Erlösten in den himmlischen Örtern vor, durch den er im Glauben die himmlischen Segnungen in Christus ergreift, um sie zu genießen. Dem Buch der Richter dagegen entspricht der zweite Brief an Timotheus, der nur einige Jahre nach dem Epheserbrief geschrieben wurde. Dieser Brief zeigt uns, dass das Haus Gottes auf der Erde seinen Charakter als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit damals bereits größtenteils verloren hatte“8.

9. Die Personen der Gottheit im Buch der Richter

Wo immer wir das Alte Testament aufschlagen, finden wir etwas über unseren Gott und besonders über Christus. Die Schriften zeugen von Ihm (Joh 5,39). Das ist im Buch der Richter nicht anders, obgleich es nicht so auffällig ist wie z. B. im Buch Josua.

  1. Das Buch der Richter spricht von Gott: Wir finden Ihn 178 Mal als den Bundesgott Jahwe, den Herrn (d. h. den Unveränderlichen) erwähnt und 62 Mal als Elohim (den über alles erhabenen Schöpfer in seiner Hoheit).
  2. Das Buch der Richter spricht von Christus: Selbst wenn es auf den ersten Blick keine direkten Hinweise gibt, fällt auf, dass kein anderes Bibelbuch so oft von dem „Engel des Herrn“ spricht. Dieser Titel kommt im Alten Testament 59 Mal vor, davon allein 19 Mal im Buch der Richter. Hinzu kommt, dass dreimal von dem „Engel Gottes“ die Rede ist. Dieser „Engel des Herrn“ weist auf die Person des Sohnes Gottes hin, in der Er sich auch im Alten Testament offenbart9. Darüber hinaus erkennen wir in den Richtern – bei aller Schwachheit und allen Fehlern – doch immer wieder Charakterzüge, die auf Christus hinweisen.
  3. Das Buch der Richter spricht über den Geist Gottes: Viermal wird in diesem Buch gesagt, dass der Geist Gottes über eine Person kommt, um sie für eine bestimmte Aufgabe mit Kraft auszustatten. Es sind Otniel (Kap 3,10), Gideon (Kap 6,34), Jephta (Kap 11,29) und Simson (Kap 14,6.19).

10. Schlüsselverse

Abschließend zum ersten Teil möchte ich drei Schüsselverse nennen, die das gesamte Buch prägen:

  1. Richter 2,16: „Und der Herr erweckte Richter; und sie retteten sie aus der Hand ihrer Plünderer“.
  2. Richter 2,17: „Aber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht, denn sie hurten anderen Göttern nach und warfen sich vor ihnen nieder; sie wichen schnell ab von dem Weg, den ihre Väter gewandelt waren, indem sie den Geboten des Herrn gehorchten; sie taten nicht so“.
  3. Richter 21,25: „In jenen Tagen war kein König in Israel; jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (vgl. Kap 17,6).

Bezeichnend sind darüber hinaus zwei Fragen, die gestellt werden. Am Anfang des Buches fragen die Kinder Israel, wer gegen die Feinde ziehen soll (Kap 1,1). Am Ende fragen sie, wer gegen Benjamin zum Bruderkrieg ziehen soll (Kap 20,18). Man wird dabei an Galater 3,3 erinnert, wo Paulus die Gläubigen fragt, ob sie, nachdem sie im Geist angefangen hatten, nun im Fleisch vollenden wollten. Sie begannen mit dem Kampf gegen einen gemeinsamen Feind und endeten mit dem – leider nicht zu vermeidenden – Kampf gegeneinander. Das sollte uns zu denken geben.

Fußnoten

  • 1 In der hebräischen Bibel ist es nach Josua das zweite Buch der sogenannten „früheren Propheten“.
  • 2 Die Philister waren ohnehin ein besonderen Feind des Volkes Israel in der Zeit der Richter und der Zeit des ersten Königs, Saul. Sie gehörten nicht zu den ursprünglichen Bewohnern des Landes und werden weder in 4. Mose 14 noch in 5. Mose 1 erwähnt. Selbst im Buch Josua werden sie nur zweimal genannt (Jos 13,2.3). In Amos 9,7 gibt es einen Hinweis, dass Gott die Philister aus Kaphtor heraufgeführt hat (vgl. Jer 47,4). Man nimmt an, dass Kaphtor eine alte Bezeichnung für Kreta ist. Von dort sollen die Philister stammen, und nach einem erfolglosen Angriff gegen Ägypten sollen sie sich im Land Kanaan angesiedelt haben (oder von den Ägyptern dort angesiedelt worden sein). Die heute geläufige Bezeichnung „Palästina“ ist von dem Wort „Philister“ abgeleitet. Deshalb werden die heute in dieser Region lebenden Araber u. a. als „Palästinenser“ bezeichnet. Ihre Hauptstädte waren Gaza, Askalon, Asdod, Ekron und Gat.
  • 3 Deshalb konnten die Bildsäulen zerschlagen und die Ascherim umgehauen und verbrannt werden (vgl. 5. Mo 12,3; 2. Kön 23,14)
  • 4 Eli war einer der schwächsten Richter überhaupt, während Samuel als der letzte der Richter eigentlich der einzige war, dessen Einfluss sich auf das gesamte Volk erstreckte. Unter ihm gab es darüber hinaus eine wirkliche geistliche Erweckung, die zwar nicht lange andauerte, jedoch das ganze Volk erfasste und sich deutlich von dem unterschied, was im Buch der Richter beschrieben wird (1. Sam 7). In 1. Samuel 7,4 brechen die Kinder Israel mit dem Götzendienst und dienen dem Herrn allein (kirchengeschichtlich sehen war darin das, was in Offenbarung 3 über die Gemeinde in Philadelphia gesagt wird).
  • 5 Es fällt auf, dass die Phase des Niedergangs unter den Richtern etwas 10 Mal länger war als die kurze Blütezeit unter Josua.
  • 6 Siehe dazu A. Remmers: Chronologie der 5 Bücher Mose in: Die Bibel im Überblick
  • 7 Vgl. das talmuidsche Traktat Babba Bathra 14b-15a. Dort wird gesagt, dass Samuel die Bücher Richter, Samuel und Ruth verfasst habe. Es ist gut möglich, dass es so ist, könnte jedoch ebenso anders sein.
  • 8 J. Muller, Kommentar zum Buch der Richter
  • 9 Engel sind „dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst“ (Heb 1,14). Sie sind Boten Gottes (das bedeutet ihr Name), die in seinem Auftrag handeln. „Der Engel des Herrn“ (nicht ein Engel des Herrn) hingegen ist ein Hinweis auf Christus vor seiner Menschwerdung, in dem Gott sich im Alten Testament offenbart. Das wird deutlich, wenn wir Stellen wie 1. Mose 16,13 („Gott der mich sieht“); 1. Mose 22,16 („der Herr“); 1. Mose 48,15.16 („der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter, Abraham und Isaak, gewandelt sind, der Gott, der mich geweidet hat, seitdem ich bin bis auf diesen Tag“); 2. Mose 3,2-4 („der Herr“) und andere miteinander vergleichen. Im Neuen Testament finden wir diesen „Engel des Herrn“ nicht mehr, denn jetzt ist Gott im Fleisch offenbart (in der Inkarnation Jesus). Es ist klar, dass dieser „Engel des Herrn“ kein Geschöpf ist. Er ist Gott selbst.
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