Das Matthäusevangelium - Eine Auslegung

Die prophetische Endzeitrede des Herrn (Mt 24.25)

IX. Die prophetische Endzeitrede des Herrn (Mt 24.25)

Damit kommen wir zu der letzten der fünf großen Reden Jesu, die Matthäus für uns aufgeschrieben hat. Die erste dieser Reden in den Kapiteln 5–7 beschreibt die Grundsätze des Königreichs der Himmel. In der letzten schildert der Herr den „geschichtlichen Weg“, den dieses Königreich nehmen sollte und noch nehmen wird, bis Christus seine Herrschaft antreten wird. Der Herr Jesus beschreibt in diesen beiden Kapiteln, anfangend von der damaligen Zeit bis hin zu seinem zweiten Kommen in großer Macht, was auf dieser Erde alles passieren würde.

Er tritt dabei als der große Prophet auf, von dem Mose schon gezeugt hatte: „Einen Propheten, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird der Herr, dein Gott dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören.“ Gott bestätigte diese Worte von Mose: „Einen Propheten, gleich dir, will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erwecken; und ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird alles zu ihnen reden, was ich ihm gebieten werde. Und es wird geschehen: Der Mann, der nicht auf meine Worte hört, die er in meinem Namen reden wird, von dem werde ich es fordern“ (5. Mo 18,15.18.19).

Petrus und Stephanus beziehen diese Worte im Alten Testament ausdrücklich auf den Herrn Jesus (Apg 3,22; 7,37). Und doch bleibt wahr, dass der Herr Jesus nicht nur ein Prophet gleich Mose ist, sondern weit erhaben über diesem steht (vgl. Heb 3,5.6). Denn Er wusste aus sich selbst heraus, was Er an Prophetie den Jüngern weitergab, ja Er diktiert die in der Prophetie festgehaltenen Ereignisse. Mose dagegen wurden die Worte von Gott gegeben, ohne dass er ihre Bedeutung immer erkennen konnte. Er war auch nicht in der Lage, Einfluss auf die Geschichte künftiger Tage auszuüben.

Diese beiden Kapitel (Mt 24.25) sind aus damaliger Sicht vollständig Weissagung gewesen. Sie beziehen sich auf Ereignisse, die damals alle in der Zukunft lagen. Bis auf den Teil, der mit unserer christlichen Zeit zu tun hat, sind die Ereignisse auch heute noch zukünftig.

Weissagungen in der Bibel

Weissagung setzt Abweichen im Volk Gottes voraus. Denn Gott hat immer dann Propheten zu seinem Volk geschickt, wenn dieses von den Geboten Gottes abgewichen ist. Daher ist zum Beispiel in Apostelgeschichte 3,24 von Samuel als dem ersten Propheten die Rede. In seiner Zeit war das erste grundsätzliche, gravierende und dauerhafte Abweichen des Volkes Israel vom Weg Gottes zu verzeichnen. Es ging nicht nur um praktisches Versagen, sondern um ein prinzipielles Wegwenden von Gott. Deshalb sandte Gott seinen Propheten. Gott wendet sich durch Weissagung also an solche, mit denen Er eine Beziehung eingegangen ist, die sich aber von Gott abgewandt bzw. ihre Lebensausrichtung in eine falsche Richtung verändert haben. Gott hat dann immer wieder Propheten benutzt, um die Seinen in ihrem praktischen Leben wieder zurück zu dem Ausgangspunkt ihres Glaubenslebens zu führen.

Prophetie verurteilt das Abweichen und ruft zur ursprünglichen Stellung des Glaubens zurück. Sie gibt das Ziel an, zu dem Gott sein Volk wieder führen möchte. Oft kehrt zwar daraufhin nicht das ganze Volk um. Aber vielfach gibt es einen Teil des Volkes Gottes, der über diesen Zustand des Ruins und des Bösen trauert. Diese Gläubigen werden Überrest oder Übriggebliebene genannt (vgl. 2. Kön 19,4; Jes 1,9.10; Röm 9,27; 11,5). Die Weissagung ist somit eine Art Hoffnungstür. Gott lässt sein Volk nicht ohne Warnung und Aufruf zur Umkehr verderben. Leider zeigen diese prophetischen Verse und viele Bibelstellen im Alten und Neuen Testament, dass das Volk der Juden der Warnung nicht Folge leisten wird. Es wird weiteres Abweichen vorhergesagt, auch das darauffolgende Gericht durch Gott.

Dennoch bleibt diese Hoffnungstür bestehen, nicht nur, um das Verderben zu verhindern, sondern auch, um künftige Rettung anzukündigen. Daher stellt der Herr Jesus den Seinen an dieser Stelle auch den künftigen Segen und die künftige Herrlichkeit vor. Weissagung beruht daher immer auf einem neuen Grundsatz der Gnade. Deshalb bezieht Prophetie notwendigerweise das Kommen Christi mit ein, denn die Herrlichkeit ist untrennbar mit Christus verbunden. Zudem wird nur durch Ihn aus Ruin ein neuer Weg der Rettung.

In der Weissagung unseres Herrn hier in Matthäus 24.25 sehen wir die Bestätigung eines großen Grundsatzes, den Gott immer wieder in der Schrift angewendet hat: Er führt die Gerichte über die Widerspenstigen nicht aus, bis die Sünde sich nicht zu einem Vollmaß entwickelt und sich der vollständige Ruin offenbart hat. Zum Beispiel sehen wir bei Henoch, dass er erst weggenommen wird und Ihm zugleich diese weitreichende Weissagung anvertraut wird (vgl. Jud 14.15), nachdem das Maß der Sünde voll geworden war (vgl. 1. Mo 6,11). Gott schenkt Weissagung gerade dann, wenn der Mensch in seiner Verantwortung vollkommen versagt hat. So auch hier: Der Herr musste das ganze jüdische System verurteilen und dann ankündigen, dass das Haus Israels öde gelassen würde (Mt 23,38). In dieser Verbindung spricht Er diese große Weissagung über die Zukunft Israels aus. Dieser sogenannte Ölbergdiskurs ist im Übrigen die letzte große Äußerung des Königs in diesem Evangelium vor dem Kreuzestod.

Phasen der Endzeit

Bevor ich auf die Einzelheiten dieser Rede eingehe, möchte ich einen kurzen Überblick geben über die Phasen der Endzeit, wie wir sie in der Schrift finden. Diese Endzeit beginnt in den Augen Gottes mit der Entrückung der Gläubigen der alt- und neutestamentlichen Zeit, von der wir in 1. Thessalonicher 4,15–17 lesen. Erst danach wird die prophetische Uhr wieder eingeläutet, so dass „das Ende kommen“ kann (vgl. Mt 24,14). Der Ausleger Henri Rossier beschreibt in seinem Heft „Die Zeiten des Endes“ („Les Temps de la Fin“), das leider nur in französischer Sprache vorliegt, diese Endzeit in sehr anschaulicher Weise.

Die erste Phase ist der Anfang der Wehen (Mt 24,8), die nach einigen weiteren Ereignissen schließlich in den Tag des Herrn einmünden wird (2. Thes 2,2). Dieser wird im Alten Testament Tag des Herrn oder Tag Jahwes (Jehovas) genannt. Noch einmal: Diese gesamte Zeitperiode ist für uns noch zukünftig.

Heute: der Tag des Heils

Natürlich gibt es schon heute für Christen Verfolgungen und Prüfungen, die in der Schrift auch Versuchungen genannt werden. Hier ist Ausharren auf unserer Seite nötig. Dazu wird uns die Langmut des Herrn Jesus als Vorbild genannt (vgl. 2. Pet 3,15). Paulus spricht in 2. Korinther 1,6 davon, dass wir Ausharren zeigen sollen in Bedrängnissen. Auch hier ist uns der Herr Jesus das Vorbild. Daher sollen wir unsere Blicke auf das Ausharren des Christus richten (2. Thes 3,5).

Heute ist die Zeit der Gnade, oder, wie Paulus es einmal ausdrückt, der Tag des Heils (2. Kor 6,2). Diese Periode ist dadurch gekennzeichnet, dass Gott keine Ansprüche mehr an den Menschen stellt. Bis zur Kreuzigung Jesu stand der Mensch unter Verantwortung, Gott zu gefallen. Das war in der Zeit, als Gott seinem Volk das Gesetz gegeben hat. Der natürliche Mensch hat sich als vollkommen unfähig erwiesen, Gottes Ansprüche zu erfüllen. Der Gipfelpunkt der Bosheit war, dass wir Menschen Gott selbst, gekommen im Fleisch, ans Kreuz gebracht haben. Damit war bewiesen: Der Mensch kann Gottes Anforderungen nicht entsprechen. Daher bietet Gott jedem Menschen heute das Heil im Herrn Jesus in grenzenloser Gnade an. Der Mensch wird nicht mehr wie in früheren Zeiten auf die Probe gestellt, ob er bereit ist, Gott zu gehorchen. Gott schenkt den Menschen seine ganze Liebe und seine Zuwendung. Der Mensch muss diese Gnade allerdings annehmen, sonst geht er ewig verloren.

Phase 1: Stunde der Versuchung.

Die Zeit der Gnade findet ihren Abschluss mit der Entrückung der Gläubigen. Dann beginnt das, was der Herr Jesus in seinem Brief an Philadelphia die Stunde der Versuchung nennt, die über den ganzen Erdkreis kommen wird (vgl. Off 3,10). Wir können nicht genau sagen, ob diese Phase unmittelbar mit der Entrückung beginnt. Es ist auch möglich, dass zwischen Entrückung und dieser Periode, die eine direkte Versuchung für die ungläubigen Menschen ist, noch eine kurze Zeit liegen wird. Auf jeden Fall betrifft diese Versuchungszeit besonders die Menschen, die in der Gnadenzeit nicht bereit waren, das Heil im Herrn Jesus anzunehmen. Sie werden keine zweite Chance erhalten, Jesus als Retter anzunehmen. Denn es gilt: „Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Kor 6,2) – dann ist es für immer zu spät.

Gott wird für die Menschen, die in der christlichen Zeit den Herrn Jesus Christus abgelehnt haben, „eine wirksame Kraft des Irrwahns senden, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2. Thes 2,11.12). Es gibt keine zweite Chance für Menschen, die Jesus bewusst abgelehnt haben. Gott wird die Herzen der ungläubigen Menschen verhärten. So hat Er es auch mit dem Pharao gemacht, nachdem dieser sich dauerhaft geweigert hat, sich Gottes Willen zu beugen.

Die Stunde der Versuchung ist ein recht allgemeiner Ausdruck und betrifft die gesamten sieben Drangsalsjahre, von denen Daniel in Daniel 9,27 spricht. In den Versen 24–27 ist dort von insgesamt 70 Wochen (7+62+1 Wochen) die Rede. Ein Vergleich mit 3. Mose 25,8 legt nahe, dass es bei den „Wochen“, die man auch als „Siebener“ übersetzen könnte, nicht um Wochen von sieben Tagen geht. Gott spricht hier Wochen von sieben Jahren an (auch das sind „Siebener“).

Ohne an dieser Stelle auf weitere Einzelheiten einzugehen, lernen wir in diesen Versen, dass der Messias nach den 69 Jahrwochen (also 483 Jahren) weggetan werden sollte. Wir wissen, dass Christus, der Messias, am Kreuz gestorben ist und damit Daniel 9,26a erfüllt hat. In Daniel 9,27 ist dann aber noch von einer (letzten) Woche die Rede. Das ist die 70. Woche, von der Daniel zuvor gesprochen hat. Diese wurde offensichtlich von den 69 Wochen abgespaltet. Denn das Volk Israel verwarf seinen Messias gemäß dieser Weissagung nach 69 Wochen. Der Vergleich dieses Verses mit Matthäus 24,15 zeigt, dass diese abschließende Woche von sieben Jahren noch zukünftig ist. Die Stunde der Versuchung (Off 3,10) nun bezieht sich genau auf diese sieben Jahre. Sie hat allerdings besonders die ersten dreieinhalb Jahre im Fokus, wie wir noch sehen werden.

Manche Theologen und Bibelausleger meinen, dass der Tag des Zorns des Lammes heute schon da ist (Off 6,17). Aber dieses Gericht steht noch aus. Der Verweis auf Daniel 9 sowie der Zusammenhang im Matthäusevangelium zeigen, dass diese Zeit des Endes jüdischer und nicht christlicher, kirchlicher Natur ist (vgl. Mt 24,6). Zu dieser Zeit gehört auch der Zorn des Lammes.

Phase 2: Der Tag des Zorns

Die Stunde der Versuchung mündet in den Tag des Zorns. Dieser beginnt, wenn Satan, der Verkläger der Brüder, auf die Erde geworfen werden wird (vgl. Off 12,7–12). Das ist die Person, die den ganzen Erdkreis verführen wird (Vers 9). Aus Offenbarung 12,6 kann man schließen, dass dieses Entfernen Satans aus dem Himmel genau in der Mitte der 7 Drangsalsjahre passieren wird. Denn von da an gibt es 1.260 Tage, in denen gläubige Juden von Gott beschützt werden. Diese 1.260 Tage entsprechen 42 Monaten oder dreieinhalb Jahren.

Der Tag des Zorns ist somit die Epoche der Herrschaft der beiden Tiere, von denen man in Offenbarung 13,1.11 lesen kann. Das erste Tier dort stellt den künftigen Herrscher des Römischen, das heißt des europäischen, Reiches dar. Das zweite Tier ist ein Symbol des falschen Propheten, des Antichristen. Zusammen mit der alten Schlange, Satan, werden diese Personen eine satanische Dreieinheit bilden. Es handelt sich zugleich um die Epoche, in der die falsche Frau, die abgefallene Christenheit, gerichtet wird. Sie wird in der Offenbarung (Kapitel 17.18) als große Prostituierte und großes Babylon bezeichnet (17,1.3.7.18; 18,2.3).

Der Tag des Zorns ist kein Tag von 24 Stunden. Verschiedene Male steht der Ausdruck „Tag“ symbolisch für eine Zeitperiode. Das gilt für den Tag des Heils genauso wie für den Tag des Zorns. Dieser Tag des Zorns ist nichts anderes als die große Drangsal (Mt 24,21) oder auch die Zeit der Drangsal für Jakob (Jer 30,7). Diejenigen, die in dieser Zeit „auf der Erde wohnen“ werden (Off 3,10; 6,10; 8,13; 11,10; usw.), sind Menschen, die dem Evangelium der Gnade nicht geglaubt haben. Sie sind unrettbar verloren. Sie werden die Zornesschalen Gottes sogar noch zum Anlass nehmen, Gott weiter zu lästern (Off 16,1.9).

In dieser Zeit wird der Herr Jesus einen gläubigen Überrest in Juda bilden, welcher der künftige Kern seines irdischen Volkes Israel sein wird (Jes 10,21.22). Zugleich wird in derselben Zeit durch die Predigt des Evangeliums des Reiches eine große Volksmenge unter den Nationen gerettet werden, die Christus zuvor noch nicht kannten.

Der abschließende Akt dieser dritten Periode wird sein, dass Christus aus dem Himmel kommen wird, um seine Feinde mit eiserner Rute etc. zu schlagen (Off 19,15.16).

Phase 3: Das 1.000-jährige Friedensreich – der Tag des Herrn

Damit beginnt der Tag des Herrn, wie er im Alten Testament genannt wird (vgl. Jes 13,6.9; Joel 1,15; 2,1; usw.), oder der Tag des Herrn im Neuen Testament (vgl. 1. Thes 5,2; 2. Thes 2,2). Nach 2. Petrus 3,10 wird Gott ihn durch gewaltige Naturereignisse einleiten. Aus anderen Stellen wie Matthäus 24 lernen wir, dass es sich ganz besonders um Gerichtshandlungen Gottes handeln wird. Auch dieser Tag des Herrn ist kein Tag von 24 Stunden, sondern eine Periode, die über 1.000 Jahre reicht.

Phase 4: Der Tag Gottes

Am Ende dieser Zeit steht das Gericht der Toten (Off 20,11) und das Auflösen der Elemente (2. Pet 3,12). Letzteres leitet schließlich den Tag Gottes (2. Pet 3,12) ein. Man kann diesen auch als ewigen Zustand bezeichnen. Er bedeutet in seinem Wesen die in gewisser Hinsicht unveränderliche Ewigkeit, in der Gott alles in allem ist (1. Kor 15,28).

Gegenüberstellung der Begriffe

Zum Abschluss dieses Teils möchte ich noch kurz einige konkrete Begriffe gegenüberstellen. Das ist insofern nützlich, als wir in der Offenbarung diese Endzeit in erster Linie im Hinblick auf die Christenheit finden. Dort finden wir besonders die Gerichte über die westliche, christliche Welt. In Matthäus 24 und im Alten Testament dagegen wird diese Gerichtsperiode schwerpunktmäßig im Blick auf die Juden und Israel genannt.

Die „Stunde der Versuchung“ (Off 3,10) betrifft besonders die christliche Welt, man könnte auch sagen, die Erde im Allgemeinen. Das wird uns in Offenbarung 6–9 berichtet. Für die Juden heißt diese Zeit der „Anfang der Wehen“ (Mt 24,8) oder die ersten dreieinhalb Jahre der 70. Jahrwoche Daniels (vgl. Dan 9,27).

Die zweite Phase wird für die Welt im Allgemeinen und die christuslose Christenheit im Besonderen der „Tag des Zorns“ Gottes und des Lammes genannt (vgl. Off 6,16.17; 14,10). Für Israel heißt diese Phase „große Drangsal“ (Mt 24,21) oder „Zeit der Drangsal für Jakob“ (Jer 30,7).

Das Ganze mündet dann in das 1.000-jährige Königreich für diese Welt (vgl. Off 20,2–7) oder für Israel das Königreich der Himmel bzw. Gottes. An dessen Ende steht der ewige Zustand bzw. der Tag Gottes (2. Pet 3,12), in dem es außerhalb der Versammlung Gottes als Hütte Gottes nur noch Menschen gibt. Das Volk Israel wird dann keine gesonderte Stellung mehr einnehmen (vgl. Off 21,3).

Phasen Jüdischer Teil Allgemeiner/Christlicher Teil
Heute Lo-Ammi (nicht Volk) Tag des Heils
Übergang Entrückung der alttestamentlich Gläubigen (auch Juden, Israeliten) Entrückung der Versammlung
Phase 1
(3 ½ Jahre)
Anfang der Wehen Stunde der Versuchung
Phase 2
(3 ½ Jahre)
Große Drangsal/Drangsal Jakobs Tag des Zorns
Übergang Ankunft des Herrn auf dem Ölberg 2. Phase des 2. Kommens des Herrn
Phase 3 Reich Gottes/Tag des Herrn 1.000-jähriges Reich
Phase 4 Tag Gottes Tag Gottes

Einteilung von Kapitel 24.25

Damit komme ich zu den beiden vor uns stehenden Kapiteln. Sie enthalten drei große Teile:

1. Kapitel 24,1 -44: Die Weissagung über Israel
Hier finden wir die große Weissagung über die Zukunft Israels und der treuen Übriggebliebenen in Juda, die auf ihren Messias warten. Es geht in erster Linie um die sieben Jahre größter Drangsale. Deren Ende wird durch das zweite Kommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit bewirkt. In diesem Abschnitt finden wir ab Vers 3 nicht die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus, wie sie von Lukas (Kapitel 21,20–23) vorhergesagt wird. Vielmehr weist der Herr Jesus auf eine Zeit hin, die auch für uns noch zukünftig ist.

2. Kapitel 24,45 -25,30: Die Weissagungen über die christliche Epoche
Hier lesen wir von Entwicklungen und Merkmalen der heutigen, christlichen Zeit.

3. Kapitel 25,31–46: Das Gericht und die Regierung über die Nationen
In diesem dritten Teil lesen wir von der Erscheinung des Sohnes des Menschen und dem Richten der Nationen künftiger Tage. Das Gericht hängt davon ab, ob die nichtjüdischen Menschen das Evangelium des Königreichs angenommen haben oder nicht. Die einen gehen ein in das herrliche Reich. Die anderen werden gerichtet und dem ewigen Feuer, der Hölle, übergeben.

Diese drei Teile unterscheiden sich auch in der Art und Weise, in welcher der Herr Jesus spricht. Beim ersten Teil handelt es sich um eine direkte Weissagung über künftige Ereignisse auf der Erde. Er handelt von historischen (künftigen) Geschehnissen. Der zweite Teil über die Christenheit wird in der aus Kapitel 13 bekannten, geheimnisvolleren Weise von Gleichnissen geschildert. Insgesamt drei Gleichnisse vervollständigen das Bild, das der Herr Jesus insbesondere in Kapitel 13 bereits durch die dort geschilderten sieben Gleichnisse gemalt hat. Im dritten Teil finden wir schließlich die Beschreibung eines Sitzungsgerichts, das in Verbindung mit dem Wiederkommen Jesu stattfinden wird.

Übrigens ist auch die Reihenfolge der drei großen Abschnitte in Übereinstimmung mit derjenigen aus Matthäus 13. Wir hatten dort in einer Auslegungslinie gesehen, dass es um drei Gruppen von Gläubigen geht: um die treuen übriggebliebenen Juden, um die Versammlung und um die Nationen. Genau diese Reihenfolge verwendet der Herr auch an dieser Stelle. Er spricht zunächst von den Juden. Die Jünger sind als Kern des damaligen jüdischen Überrestes zugleich ein Bild der in Zukunft auf der Erde lebenden gläubigen Juden. Die Zeit, die der Herr hier zunächst übergeht, ist die christliche Zeit. Er behandelt sie dann als zweites. Zum Schluss kommt Er auf die am Ende der Tage durch die Juden zum Glauben geführten Menschen aus den Heiden zu sprechen.

Eines ist im Übrigen allen drei Teilen zu eigen. Sie alle handeln vom Kommen des Herrn Jesus. In allen drei Teilen ist dabei das zweite Kommen des Herrn, vor allem das in Macht und Herrlichkeit, gemeint. Man könnte dies auch die zweite Phase des zweiten Kommens nennen. Die erste Phase ist nur für die Gläubigen der heutigen Zeit, die Versammlung Gottes, sowie die alttestamentlich Gläubigen erfahrbar. Dieses Ereignis der Entrückung behandelt der Herr an dieser Stelle nicht (auch wenn sie in den Gleichnissen teilweise enthalten ist). Denn Er spricht in erster Linie von der Verantwortung der auf der Erde lebenden Menschen. Damit aber steht die Entrückung nie in Verbindung. Sie ist ein Akt reiner Gnade und Barmherzigkeit.

Man kann die Frage stellen, warum der Herr in diesen drei Teilen nicht einfach in chronologischer Reihenfolge vorgeht. Die Antwort mag daran liegen, dass Er zunächst die Jünger vor sich sieht, die dem jüdischen Bereich entstammen. Ihnen (und ihren geistlichen und nationalen Nachkommen) möchte Er notwendige Belehrungen geben. Er tut das getrennt von den beiden anderen Bereichen, weil Er die besonderen Kennzeichen jeder Zeit deutlich erkennbar machen und unterscheiden möchte.

Man hat auch noch eine etwas andere Einteilung dieser Endzeitrede vorgenommen. Wieder gibt es drei Teile, die dann aber mehr nach der Art des Textes und nicht nach der „Zielgruppe“ der jeweiligen Abschnitte gewählt werden:

1. Kapitel 24,1 -31: Geschichtliche Ereignisse, die in und um Israel stattfinden werden.
In diesen Versen beschreibt der Herr die prophetischen, geschichtlichen Ereignisse, die in und in Verbindung mit Israel stattfinden werden, bis zu seinem Erscheinen (Vers 31).

2. Kapitel 24,32 -25,30: Ermahnung an Jünger
Der zweite Teil ist dann ermahnender Natur. Hier behandelt der Herr keine prophetischen, geschichtlichen Ereignisse, sondern wendet sich direkt an das Herz und Gewissen von solchen, die Jünger Christi sein wollen – seien sie aus dem Judentum (24,32–44) oder aus dem christlichen Bereich (24,45–25,39).

3. Kapitel 25,31–46: Geschichtliche Ereignisse in Verbindung mit den Nationen
In diesem dritten Teil nimmt der Herr den geschichtlichen Faden aus Kapitel 24,31 wieder auf. Er schließt direkt an seine dort genannte Erscheinung wieder an, um die prophetischen, geschichtlichen Ereignisse zu schildern, die in Verbindung mit den Nationen stattfinden werden.

Matthäus 24.25 im Vergleich zu Lukas 21 und Markus 13

Nicht nur Matthäus, sondern auch Markus und Lukas geben uns die Endzeitrede des Herrn wieder. Wie so oft gibt es allerdings wichtige Unterschiede, die mit dem jeweiligen Ziel der Schreiber bzw. des Geistes Gottes, der sie inspirierte, zu tun hat.

Markus betont in seinem Bericht in Kapitel 13, dass das Zeugnis Gottes hier auf der Erde abgelegt werden kann. Die Jünger sollen mit Kraft und Entschiedenheit ausgestattet werden für die Zeit, in der Christus nicht mehr auf der Erde wäre. Dazu wird die Zerstörung Jerusalems, von der Matthäus nur in Kapitel 24,2 spricht, direkt mit Ereignissen verbunden, die auch heute noch zukünftig sind und die das Hauptthema bei Matthäus bilden. Es fällt auch auf, dass nur Markus die vier Jünger nennt, die dem Herrn Jesus Fragen stellten und vermutlich die Empfänger seiner prophetischen Rede waren: Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas. Alles dreht sich hier um den Dienst der Jünger, der sich nicht auf die kommende Endzeit beschränkt, sondern für die gesamte Abwesenheit Jesu ausgeführt wird. Daher verbindet Markus auch die Belehrungen des Herrn aus Matthäus 10 und 24 miteinander. Insgesamt ist der Bericht von Markus wieder deutlich kürzer als der von Matthäus, auch wenn er einige Einzelheiten nennt, die wir nur bei ihm finden.

Lukas in Kapitel 21 wendet sich besonders an Menschen, die aus den Nationen stammen. So spricht er mehr als Matthäus und Markus von der Zeit kurz nach der Himmelfahrt Jesu und insbesondere von der Zerstörung des Tempels (Verse 20–24). Die Wegführung unter alle Nationen und das Zertreten Jerusalems beziehen sich auf die damalige Zeit; die Folgen sind bis heute sichtbar. Noch immer leben wir in den von Lukas genannten „Zeiten der Nationen“ (Vers 24). So stellt er in aller Deutlichkeit die Nationen und ihre Zeit der Oberherrschaft während der langen Erniedrigungszeit Israels heraus. Nur Matthäus spielt direkt auf das „Ende des Zeitalters“ an. Das wird der große Wendepunkt für die Juden sein, der in das herrliche Königreich Christi münden wird.

Matthäus stellt zudem den damals noch zukünftigen christlichen Teil sehr umfassend dar. Er spricht von dem, was Jünger als Bekenner des Namens Christi während seiner Verwerfung durch Israel kennzeichnet. Matthäus zeigt uns somit nicht nur die Folgen der Verwerfung des Messias für Israel, sondern erneut auch den Wechsel der Haushaltung (Epoche). Das ist neben Verfolgungen, denen die Juden als Volk ausgesetzt sind und sein werden, eine wichtige Konsequenz, die aus ihrem Widerstand gegen ihren Messias und Herrn hervorkommt.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht