Das Matthäusevangelium - Eine Auslegung

Kapitel 2

Christus ist da – und wie wird Er aufgenommen?

Der angekündigte König ist geboren. Das erste Kapitel hat bewiesen, dass Er Anspruch auf den Thron Davids hat, da Er das Siegel Gottes und das Siegel der alttestamentlichen Schriften besitzt. Wie wird Er von seinem Volk empfangen werden?

Wenn heute eines der Königshäuser Nachwuchs erwartet – ganz besonders, wenn es um den Thronfolger geht – wird dies gebührend gefeiert. Sogar viele Gäste werden zu der ersten größeren Feier eingeladen, um den Thronfolger zu hofieren, zu begutachten und zu empfangen. Wie war das bei dem höchsten Thronerben, den diese Welt je gesehen hat und sehen wird? Wie würde Ihn sein Volk empfangen?

Verse 1–12: Die Magier und ihre Geschichte

In den ersten zwölf Versen dieses Kapitels lesen wir die Geschichte der Magier. Es ist bemerkenswert, dass Gott diesen Menschen aus dem fernen Orient solche Aufmerksamkeit widmet, wo wir doch gerade gesehen haben, dass der Messias zu seinem Volk, zu Israel, kam, um es von ihren Sünden zu retten!

Sicher ist dieses Ereignis zugleich ein Hinweis darauf, dass – wie die Königin von Scheba in salomonischer Zeit (1. Kön 10) – auch in zukünftiger Zeit, wenn das 1000-jährige Reich beginnen wird, viele Menschen aus dem Heidentum nach Israel kommen werden, um dem Messias zu huldigen. Dann allerdings werden sie einem Volk Israel begegnen, das aus Gerechten bestehen wird (vgl. Jes 59,21; 60,21.22) und das nicht, wie zur Zeit der Geburt Jesu, in Sünde liegt.

Verse 1.2: Nicht Juden, sondern Heiden machen sich auf den Weg

Man hätte eigentlich erwarten können, dass die Juden den lange erwarteten und erhofften Messias mit offenen Armen empfangen würden. War Er nicht angekündigt worden als der Kommende?

Es ist ernüchternd zu lesen, dass nicht Juden, sondern Heiden aus einer ganz entfernten Region die ersten und (hier im Matthäusevangelium) die einzigen sind, die sich aufmachen, den König Israels zu empfangen. Damit beginnen die Leiden des Herrn – nicht erwünscht, nicht wirklich erwartet zu werden von dem Volk, zu dessen wahrer Rettung Er gekommen war. Unser Heiland hat das in seinem Leben sofort tief empfunden – denn auch als Kind war Er derjenige, der als Gott alles überblickte.

Doch Gott gab seinem Sohn auch solche, die Ihm zur Freude und Erfrischung dienten: Johannes der Täufer zeigt später, dass es wirklich manche gab, die auf den „Kommenden“ gewartet haben: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3). Dies hatte seine Berechtigung, denn Daniel und andere hatten konkret von dem Kommen des Messias gesprochen: „So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen“ (Dan 9,25; vgl. auch Stellen wie Jes 32,1; 33,17.22; Jer 23,5; usw.). Hätten die Schriftgelehrten in Israel nicht, wenn sie ein echtes Interesse an dem wahren König und innere Gottesfurcht gehabt hätten, wissen können, wann der Messias kommen würde?

Manche hatten auf Ihn gehofft und gewartet: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle“ (Lk 24,21) sagten seine Jünger beispielsweise – aber diese Hoffnung war offenbar mehr wage und nicht konkret in den Herzen der meisten im Volk Israel gewesen. Dennoch gab es vereinzelt treue Herzen in Israel, die – wenn auch mit wenig Verständnis – doch den Herrn Jesus erwartet hatten.

Dies enthält auch für uns eine Belehrung. Ist es nicht auch eine Gefahr für uns Christen, was die angekündigte, baldige Wiederkunft unseres Herrn und Retters, Jesus Christus, betrifft? Ja, wir erwarten Ihn aus den Himmeln (1. Thes 1,10). Aber ist diese Erwartungshaltung wirklich konkret in unser Herz, in unser Leben eingraviert?

In der Stadt Davids geboren: Bethlehem

„Als aber Jesus in Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen Herodes, des Königs, siehe, da kamen Magier vom Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Verse 1.2).

Im ersten Kapitel haben wir noch nicht gehört, wo Jesus geboren wurde – hier finden wir das: in Bethlehem. Und das ist wunderbar! Denn genau auf diesen Ort hin gab es viele Weissagungen im Alten Testament. Die erste finden wir vielleicht in Ruth 4,11 – diesem Segenswunsch für Ruth und Boas: „Der Herr mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und wie Lea, die beide das Haus Israel erbaut haben; und werde mächtig in Ephrata und stifte einen Namen in Bethlehem!“ Mit Bethlehem wird „der Name“ verbunden, der Israel erbauen sollte, der zur wahren Hilfe werden sollte. Wir denken zurück an die Worte, dass der Herr Jesus sein Volk erretten soll.

Aus Lukas 2,4 und Johannes 7,42 wissen wir, dass Bethlehem auch die Stadt Davids war, wo dieser große König geboren worden ist. Und genau in dieser Stadt, nach der Weissagung Michas, die später noch angeführt wird von den Schriftgelehrten in Jerusalem, wird auch Jesus geboren. Er erfüllte die Weissagungen des Alten Testaments Punkt für Punkt!

An dieser Stelle dürfen wir sehr dankbar für eine gute Übersetzung sein. Es heißt hier: „Als aber Jesus in Bethlehem in Judäa geboren war“ – ein spezieller Zeitpunkt wird nicht festgelegt. Es ist also keine Rede davon, dass Jesus soeben geboren worden war, dass sich diese Dinge in direktem Umfeld mit seiner Geburt abspielten, sondern einfach: Jesus war geboren, wann auch immer der genaue Tag war, in diesem Zeitraum, in den Tagen Herodes, kamen die Magier nach Jerusalem. Später sehen wir, dass die konkrete Begegnung Monate später stattfand. Das ist in dieser allgemeinen Zeitform inbegriffen.

Das Volk Israel sucht seinen König nicht

Es waren die Tage Herodes’, in denen der Messias geboren wurde. In der Einleitung (siehe S. 40) haben wir schon gesehen, dass es sich bei diesem König Herodes um einen gottlosen, brutalen Mann handelte, der keine Skrupel besaß, auch Familienangehörige zu ermorden, wenn er es für die Festigung seines eigenen Throns für opportun hielt. Herodes war ein Edomiter und hatte damit überhaupt keinen Anspruch auf den Königsthron in Israel. Wie würde dieser König reagieren, wenn der wahre, rechtmäßige König zur Welt kam?

Zunächst einmal erkennen wir, dass er überhaupt nicht reagierte, weil er von der Geburt Jesu nichts wusste und keine Notiz nahm. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass Matthäus keine Angaben über die ersten Stunden, Tage und Monate nach der Geburt des Herrn macht. Jedenfalls nicht, was nationale Geschehnisse in Israel selbst betreffen. Das wird durch Kapitel 2,16 deutlich. Diese Verse spielen sich also nicht direkt nach der Geburt Jesu ab, sondern deutlich später, als Jesus zwischen einem und zwei Jahren alt war. Insofern müssen wir – wie schon erwähnt – die Begebenheiten aus Lukas 2 zwischen Matthäus 1 und 2 einordnen.

Simeon und Anna im Unterschied zu den Führern des Volkes Israel

Man könnte sich darüber wundern, dass wir gerade im Matthäusevangelium von niemandem aus dem irdischen Volk Gottes lesen, der sich für den Mensch gewordenen Sohn Gottes interessierte. Dies fällt auf, weil wir dies im Gegensatz dazu bei Lukas finden, der den Herr Jesus besonders als den wahren Menschen darstellt. Lukas erzählt nämlich, dass es doch gläubige Menschen in Jerusalem gab, die dem Herrn die Ehre erwiesen (Simeon und Anna), die sozusagen die Übriggebliebenen (Überrest) des Volkes Juda repräsentieren, die auf den Messias wirklich gewartet hatten.

Ein Grund hierfür mag sein, dass wir in Matthäus die Repräsentanten des Volkes als solches finden – das sind die Führer. Diese wollten von ihrem verheißenen König nichts wissen. Für sie war er eher eine Bedrohung. Aber in dem Evangelium, das unseren Meister in seiner Menschheit zeigt, lernen wir, dass doch einige auf Ihn warteten und die so eine Freude für das Herz dessen waren – selbst wenn Er dort noch ein Baby war – der gekommen war, eine ewige Errettung zu vollbringen.

Die Geschichte der Magier

Dann beeindruckt uns die Geschichte der Magier. Wir lesen nicht, wie viele hier kamen. Manche Traditionen sprechen von drei bzw. 14 Männern. Gott ist dieser Punkt nicht so wichtig, als dass Er ihn uns mitteilen wollte. Jedenfalls kann man annehmen, dass hier ein großer Zug ankam, vermutlich also nicht die immer kolportierten drei Könige – von Königen lesen wir hier ohnehin nichts – sondern eine größere Anzahl von Magiern mit ihren Assistenten. Diese Magier waren orientalische Sternkundige und Priester, die vermutlich einer hochgestellten Priesterkaste angehörten. Früher waren sie bei den Persern und Medern bekannt und bildeten dort den geheimen Rat des Königs. Sie beschäftigten sich mit Astronomie, Medizin und geheimer Naturkunde und waren zugleich oftmals als Priester bei den heidnischen Völkern tätig.

Wahrscheinlich sind die in Jeremia 39,3.13 genannten Fürsten des Königs von Babel solche Magier. Die im Buch Daniel genannten Weisen – Wahrsagepriester, Sterndeuter, Magier und Chaldäer (Dan 2,2.10.12) waren sicher Menschen dieser Art. Daniel wurde später über sie gestellt (Dan 2,48). Das zeigt, dass Weisheit und Religion in der damaligen Zeit eng miteinander verbunden waren (vgl. auch Jes 44,25; 47,9.12 ff.).

Dabei müssen wir nicht meinen, dass diese Männer einfach Experten der Astrologie 1 waren, also einer der Esoterik zuzurechnenden anthropozentrisch-mythologischen Deutung der Stellung bestimmter Himmelskörper (insbesondere der Gestirne des Sonnensystems), denen wir heute zum Beispiel in Horoskopen begegnen. Es handelt sich um Fachleute der Astronomie, welche die Gesetzmäßigkeit der Gestirne erforschten und im weitesten Sinn Wissenschaftler der damaligen Zeit waren.

Die Magier und Bileam

Die Magier lassen eine gewisse Parallele zum Alten Testament erkennen. Bileam war ein Prophet (2. Pet 2,16). Aber zugleich war er ein Wahrsager (4. Mo 24,1) – ja er war ein Ungläubiger, wie wir aus den drei Stellen wissen, die im Neuen Testament über ihn sprechen. Wie die Magier aus dem Morgenland, also dem Osten, verband er das Wahre mit der Wahrsagerei.

Aber diese Parallele ist nicht die einzige. Denn in Bileams vierter Weissagung, die er aus freien Stücken und nicht beauftragt durch den moabitischen König Barak ausspricht, sagt er: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich schaue ihn, aber nicht nahe; ein Stern tritt hervor aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel und zerschlägt die Seiten Moabs und zerschmettert alle Söhne des Getümmels...“ (4. Mo 24,17).

Dieser Prophet, der in Mesopotamien lebte (am Euphrat, 4. Mo 22,5), bekam durch Gott eine Weissagung darüber, was viele Hundert Jahre später stattfinden würde. Ein Stern – ein prophetischer Hinweis auf den Herrn Jesus, würde hervortreten und eine universelle Königsherrschaft antreten. Anscheinend hat sich diese Weissagung unter den Weisen gehalten und wurde von Generation zu Generation weitergegeben – so dass auch die Magier aus dem Morgenland davon wussten.

Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass die Weissagungen Daniels, die dieser in Babel bzw. im medo-persischen Reich ausgesprochen hatte, im Orient gänzlich unbekannt waren. Daniel 9,23–27 enthält zudem außerordentlich genaue Vorhersagen über die Zukunft, die auch den Namen und das Auftreten bzw. Verwerfen des Messias konkret enthält (Verse 25.26). Ob sich die Magier damit beschäftigt hatten, im Unterschied zu den Juden in Israel?

Die Kenntnis dieser Weisen mag auch damit zusammenhängen, dass der Tempel in Jerusalem und die Macht des Volkes Israel unter Königen wie David und Salomo weithin bekannt war und auch in den Jahrhunderten danach noch Erwähnung fand – nicht zuletzt durch Proselyten (Heiden, die Juden geworden sind) und durch gottesfürchtige Heiden, die nach Jerusalem zu den Festen kamen (vgl. Joh 12,20; Apg 8,27).

Wenn Steine schreien

Jedenfalls hatten diese Männer sich nicht gescheut, eine solch lange Reise zu unternehmen, um zu demjenigen zu kommen, dessen Stern sie im Morgenland gesehen hatten. Man kann wohl kaum erklären, warum sie diesen Messias erwartet haben. Offensichtlich handelte es sich um wirklich gottesfürchtige Männer, die nicht nur die Bedeutung dieses Sterns kannten, sondern die selbst auf die Ankunft des Messias mit Spannung gewartet hatten.

Wenn man das Verhalten des Volkes, zu dem der Messias gekommen war, und das der Heiden aus dem Osten miteinander vergleicht, muss man unwillkürlich an die Worte von Johannes dem Täufer denken: „Ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag“ (Mt 3,9). Wenn diejenigen, zu denen der Herr gekommen war, in tiefem geistlichen Schlaf lagen und nicht bereit waren, sich vor Ihm niederzuwerfen, dann konnte Gott wahre Kinder Abrahams hervorbringen. Das wären dann Heiden, solche, die von Juden als tote „Steine“ angesehen wurden. „Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien“ (Lk 19,40), musste der Herr Jesus später zu den Pharisäern sagen.

Genau das geschah hier. Die Führer des Volkes Israel versagten dem Messias ihre Huldigung – doch nicht nur das; wir werden sehen, dass sie das Gegenteil taten. Aber dann bewirkte Gott, dass Menschen aus götzendienerischen und heidnischen Gegenden kamen, um sich vor dem „König der Juden“ – dem Titel des Herrn später am Kreuz! – niederzuwerfen, vor demjenigen, dem das Volk Israel später Steine nachwerfen würde. Die Magier sind es, die Ihm ihre Huldigung darbringen wollen. Sie erwarteten den Stern; sie wussten, dass das, was Gott gesagt hatte, wahr ist. Als der Stern in wunderbarer Weise erschienen war, hatten sie sofort erkannt, dass hier derjenige geboren worden war, der das Siegel Gottes selbst besaß. Sie hatten mehr Glauben als die Führer Israels; ihr Herz war auf den kommenden König Israels gerichtet.

Dabei fällt auf, dass sie das geborene kleine Kind schon sofort „König der Juden“ nennen. Normalerweise wird niemand als König geboren. Ein Baby mag in seinem Leben von Geburt an einen Anspruch auf den Thron haben – aber es wird als Prinz geboren. Dann, wenn der Vater stirbt oder (freiwillig) zurücktritt, um dem Thronfolger Platz zu machen, wird aus dem Prinzen der König. Bei Christus war das anders. Er hatte nicht nur den Anspruch auf den Thron, um ihn später zu besteigen. Er war von Anfang an der König! Jedenfalls in den Augen Gottes – und in den Augen dieser scheinbar fremden Heiden. Sie waren Gott näher, als die Führer des Volkes es je geworden sind! Sie erkannten in diesem Neu-Geborenen denjenigen, von dem die Schrift sagt: „König der Könige und Herr der Herren“ (Off 19,16).

Unkenntnis über die Geburt des Königs

Man kann davon ausgehen, dass diese Magier erstaunt waren, in Jerusalem keine große Kenntnis von der Geburt dieses Königs vorzufinden. Sie hatten diese lange und aufwändige Reise hinter sich gebracht, um in Jerusalem – hier vermuteten sie in der Hauptstadt das „Königsbett“ – den König anzubeten. Berechtigterweise erwarteten sie, den König in einer für ihn angemessenen prächtigen Stätte anzutreffen. Aber nichts fanden sie – nicht einmal der König des Landes, Herodes, wusste darum.

Geht es nicht, um eine Anwendung zu machen, auch heute vielen Menschen so? Da kommen Moslems nach Europa, um das Christentum kennen zu lernen. Und was treffen sie an? Niemanden, der sich wirklich für die biblische Botschaft und die christliche Wahrheit interessiert. Im Gegenteil! abschreckende Gottlosigkeit finden sie vor. Würden sie bei uns erkennen, was wahres Christentum ausmacht? Die Magier lassen sich aber davon nicht beeindrucken und zurückschicken. Sie fragen nach und werden ihr Ziel erreichen!

Verse 3–6: Die Führer erkennen die Sprache Gottes – aber lehnen diese ab

„Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm; und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie aber sagten ihm: in Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben: Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die Geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel weiden wird‘“ (Verse 3–6).

Wenn ein unrechtmäßiger König auf dem Königsthron sitzt und davon hört, dass Menschen kommen, um dem wahren König des Landes zu huldigen, ist es nachvollziehbar, dass er einen Schrecken bekommt, wenn nicht er damit gemeint ist. Genau das geschah mit Herodes. Wir können davon ausgehen, dass hier ein größerer Zug angekommen ist. Wie viele Magier auch immer kamen, sie hatten zweifellos ihre Diener und ihren Hof dabei. So erweckten sie natürlich Aufsehen, als sie in Jerusalem eintrafen.

Aber nicht nur Aufsehen! Der König Herodes bekam es mit der Angst zu tun, als er die ungeheure „Neuigkeit“ seines Landes von Ausländern hörte. Er hatte Sorge, dass ihm ein Nebenbuhler erwachsen würde, der das Volk auf seine Seite bringen und ihn selbst absetzen könnte. Gerade, wenn die Geburt dieses neuen Königs sogar Menschen aus großer Entfernung dazu brachte, nach Jerusalem zu kommen, musste diese Person etwas Besonderes sein.

Dass Herodes sich fürchtete, können wir gut verstehen. Aber dass auch „ganz Jerusalem mit ihm“ bestürzt war, ruft unser Erstaunen hervor. Hatten sie sich so sehr an Herodes gewöhnt, dass sie keine Veränderung wollten? Wir wissen, dass die Herrschaft von Herodes wirtschaftlich und kulturell durchaus angenehm war. Wo aber blieb der Glaube an Gott? Sah man hier eigene Privilegien auf dem Spiel? Schon unmittelbar nach der Geburt, als die Hirten anderen mitteilten, was sie in Bethlehem gesehen hatten, lesen wir: „Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was von den Hirten zu ihnen gesagt wurde“ (Lk 2,18). In Jerusalem ist jetzt – einige Monate danach – nicht nur Verwunderung, sondern Bestürzung entstanden. Außerdem wundern wir uns über diese Bestürzung, weil doch eigentlich das Volk Gottes auf seinen Messias wartete, der – wie sie meinten – sie endlich von der Herrschaft der Römer befreien sollte! Doch ihre Reaktion zeigt ihren Zustand: Finsternis. Das Licht kam in diese Welt und stand im Begriff, jeden Menschen ins Licht Gottes zu stellen (vgl. Joh 1,9). So bloßgestellt zu werden ist dem Menschen unangenehm.

Wir wollen nicht vergessen: Auch diese Bestürzung seines Volkes hat der Herr Jesus empfunden und darunter gelitten. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Der falsche König wurde hofiert – der wahre wurde von Beginn an abgelehnt.

Der Ungehorsam der Priester

Der politische Führer tut das aus seiner strategischen Position heraus einzig Richtige: Er zieht Erkundungen ein. Dazu bedient er sich der religiösen Elite des Volkes Israel – der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Von ihnen erhofft er sich Klarheit, wo der Messias, von dem die Magier gesprochen hatten, geboren werden sollte.

Es ist auffällig, dass Herodes die Tatsache der Geburt des Christus überhaupt nicht in Zweifel zieht. Vielleicht hatte er schon gehört, auch wenn es ihm bislang nicht wichtig war, dass nach den „Schriften der Juden“ einmal ein vorhergesagter König kommen würde, welcher der Gesalbte des Volkes Israel sein sollte. Aber wo er geboren werden sollte, wusste er nicht. So genau also war er nicht in den Schriften (des Alten Testaments) bzw. in den Traditionen verwurzelt. Daher die Frage an die „Fachleute“. Mit der richtigen Antwort könnte er seinen Konkurrenten sofort töten lassen.

An dieser Stelle wird sofort deutlich, dass der Zustand der religiösen Führung des Volkes nicht in Ordnung sein konnte. Denn nie finden wir im Alten Testament einen Hinweis auf „die Hohenpriester“ – also eine Mehrzahl von Hohenpriestern. In Zeiten des Übergangs (bei David), als die beiden Linien von Eleasar und Ithamar parallel die Priesterschaft ausmachten, gab es eine gewisse Koexistenz. Aber danach war es immer nur ein Hoherpriester, der vor dem Herrn stand. Hier – und durchgehend in den Evangelien – lesen wir von Hohenpriestern bzw. von einem Hohenpriester, der in diesem oder jenem Jahr im Amt war. Das war schlicht Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, wo immer nur von dem Hohenpriester die Rede war.

Die religiösen Führer Israels wussten – aber wollten nicht!

Die Antwort der Hohenpriester und Schriftgelehrten erstaunt sehr. Sie wissen genau, dass der Christus in „Bethlehem in Judäa“ geboren werden sollte. Wenn sie die Schriften so genau kannten, dann sollte ihnen auch nicht entgangen sein, dass Daniel den Zeitpunkt seines Kommens vorhergesagt hatte. Warum waren sie dann nicht längst auf dem Weg, um den König – ihren eigenen Messias – in würdiger Weise in Empfang zu nehmen?

Spätestens jetzt waren sie aufgefordert, Ihn zu suchen, um Ihm zu huldigen. Zwar standen sie der Geburt des Königs nicht gleichgültig gegenüber, sonst wären sie nicht bestürzt gewesen. Aber dass sie sich aufraffen würden, zu dem Christus zu gehen, das war sozusagen zu viel verlangt. Aber wie hätten sie das tun können, wo sie doch – wie wir oben mehrfach gesehen haben – in absoluter moralischer Finsternis lagen? Vor diesem Hintergrund sind wir über ihre Untätigkeit gar nicht erstaunt, nein, leider war dies die normale, logische Folge ihres Zustandes.

Wie schlimm ist es, wenn Menschen mit ihrem Verstand alles wissen – und diese religiösen Führer waren offensichtlich genau im Gesetz unterrichtet – und dennoch nicht bereit sind, den Christus in ihre Herzen aufzunehmen, sich vor Ihm zu demütigen und vor Ihm niederzufallen. Auch heute gibt es Menschen, die alles wissen, und dennoch nicht bereit sind, sich vor dem Herrn Jesus Christus zu beugen und Ihn als Retter anzunehmen.

Selbst bei Gläubigen ist es möglich, dass man vieles mit dem Verstand weiß, das Herz aber weit entfernt ist, sich in Liebe dem Wort des Herrn unterzuordnen. Diesen gilt das Wort aus Epheser 5,14: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten! Das Wissen allein nützt nichts – es erhöht nur die Verantwortung. Das Verwirklichen des Wissens in einem reinen, aufrichtigen und gehorsamen Herzen ist dem Herrn Jesus dagegen wohlgefällig und ehrt Ihn.

Die Prophetie Michas

Die Kenntnis der religiösen Führer wird durch ihren Verweis auf Micha 5 deutlich. Dabei fällt auf, dass dieser Prophet sehr frei angeführt wird. Eigentlich heißt es dort: „Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her... Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des Herrn, in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde. Und dieser wird Friede sein“ (Mich 5,1.3.4).

Diese Verse werden auch nicht – wie sonst oft üblich – aus der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, zitiert, sondern einfach sehr frei wiedergegeben. Ob damit die liberale Haltung der religiösen Elite gegenüber den wirklichen Gedanken Gottes angedeutet werden soll? Auch wenn die Pharisäer in vielen Punkten erzkonservativ insbesondere in Bezug auf die eigenen Überlieferungen waren, so war ihnen der eigentliche Gedanke Gottes oft nicht wichtig, ja regelrecht fremd.

Augenscheinlich gibt es auch noch einen Bezug zu 2. Samuel 5,2 (vgl. auch 1. Chr 11,2), wo wir davon lesen, wie das Volk zu David spricht: „Schon früher, als Saul König über uns war, bist du es gewesen, der Israel aus- und einführte; und der Herr hat zu dir gesagt: Du sollst mein Volk Israel weiden, und du sollst Fürst sein über Israel.“

Den religiösen Führern war also durchaus bewusst, dass der Christus ganz in der Linie Davids, des großen Königs stand. Sie sahen in Ihm den einen, wahren Führer, der sein Volk in guter Weise regieren würde. Aber zu tun haben wollten sie mit Ihm nicht.

Der Hoffnungsruf in Micha 5

Micha 5,1 selbst stellt eine Einschaltung im Textverlauf dar. In Micha 4,95,8 spricht der Prophet über die beiden großen Feinde Israels, die in der Hand Gottes als Instrumente des Gerichts eingesetzt werden:

  1. Babel (4,9–13)
  2. Assyrien (4,14–5,8)

Mitten im zweiten Teil, in dem von einer Belagerung und dem Schlagen des Richters Israels die Rede ist, erschallt der Hoffnungsruf, dass in Israel doch ein Herrscher kommen wird, der „von den Tagen der Ewigkeit her“ ist – also längst vor Babel und Assyrien existierte und sie überdauern wird.

Zunächst spricht Gott, der Herr, und ruft den Assyrer zum Gericht auf („Nun dränge dich zusammen, Tochter des Gedränges“, 4,14). Dann spricht der gläubig gewordene Teil des in der Zukunft in Israel wohnenden Volkes: „Man hat eine Belagerung gegen uns gerichtet.“ Schließlich spricht der Prophet über die Sünden des Volkes, die den Heiland der Welt ans Kreuz gebracht hatten: „Mit dem Stab schlagen sie den Richter Israels auf die Wange.“ Wir denken zum Beispiel an folgende Stellen: „Dann spien sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen ihm ins Angesicht... Und sie spien ihn an, nahmen den Rohrstab und schlugen ihm auf das Haupt“ (Mt 26,67; 27,30).

Es ist bemerkenswert, dass Micha genau in diesem Zusammenhang von einer ganz anderen Seite dieses Richters spricht, des Propheten für das Volk, der verworfen wurde: Er wird herrschen. Aber geboren wird Er in einer Stadt, die eher gering geachtet wird.

Benjamins Geburt und der Tod Rahels

Es scheint so, dass der Geist Gottes unsere Gedanken in Micha 5 auf die Geburt von Benjamin lenken will, die ja zu dem Tod von Rahel führte (1. Mo 35,16–19). Aus 1. Mose 48,7 wissen wir, dass es tatsächlich Bethlehem war, wo dies geschah. So können wir das freie Zitat in Matthäus 2 folgendermaßen verstehen: Es spricht nicht von Ephrata, sondern von Bethlehem und dem Land Juda. Benjamin ist der „Sohn der Rechten“, das heißt des Glücks. An anderer Stelle wird er der „Liebling des Herrn“ genannt (5. Mo 33,12).

Doch ist Bethlehem „zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein“. Bethlehem gehörte zum Gebiet Judas, war aber im Vergleich zu Jerusalem und anderen Städten nur eine Kleinstadt. Aber es gefiel Gott, gerade diesen kleinen Ort als Geburtsort für seinen Sohn zu erwählen. Auf diese Weise sorgte Gott vor, dass es für den Menschen und auch für sein ganzes Volk keinen Anlass gab, auf diesen nach menschlichem Ermessen unbedeutenden kleinen Ort stolz zu sein. Aber dennoch war es die Stadt Davids (Lk 2,4). So musste auch der wahre David dort geboren werden.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum es gerade Bethlehem-Ephrata war, wo der Messias geboren werden sollte. Denn gerade dort starb Rahel, die Frau der besonderen Liebe Jakobs. So stellt dieser Ort symbolisch dar, dass jede Lebenshoffnung für Israel verloren war – aber in dem Messias, in Jesus, plötzlich wieder aufkommt. Aber eben nur in Ihm! Er ist dieser Spross, von dem wir in der Einleitung schon ausführlich gesprochen haben, der den Segen Gottes und zugleich Frucht für Gott hervorbringt.

Kein anderer König – auch nicht David und Salomo – waren solche, die gänzlich nach dem Herzen Gottes waren. Sie konnten dem Volk zeitweise Rettung schenken, die aber nach und nach wieder verloren ging. Aber derjenige, der von dem Volk geschlagen und misshandelt wurde, ist zugleich derjenige, dessen Ursprünge und Ausgänge ewiger Natur sind.

Der Unterschied zwischen Micha 5 und Matthäus 2

Letztlich genau darauf wiesen die Hohenpriester und Schriftgelehrten hin, die nicht die Absicht hatten, diesem König Gehorsam zu leisten. Aber sie stellten hier dem von ihnen später auch öffentlich verworfenen Messias ein wunderbares Zeugnis aus. Während es in Micha von Bethlehem heißt, dass dieser Ort zu klein sei, „um unter den Tausenden von Juda zu sein“, heißt es in Matthäus 2,6: Du bist keineswegs die Geringste unter den Fürsten Judas. Denn der, der in Bethlehem geboren werden sollte und jetzt geboren war, würde mit seinem Glanz diesen Ort erstrahlen lassen. Seine Herrlichkeit ist so gewaltig, dass sogar sein Geburtsort davon erleuchtet wurde.

Außer Micha 5,1 wird in Matthäus 2 auch noch der dritte Vers und ein Zitat aus 2. Samuel 5,2 verarbeitet, das dort die fast intime Beziehung zwischen dem Herrn und David zeigt. Diese ungläubigen Führer des Volkes sprechen unwissend von dieser innigen Beziehung zwischen Gott und dem gerade geborenen König.

Wir fragen uns: Warum hat man sich nur nicht von Ihm weiden lassen und seine echte und bleibende Nahrung angenommen? Erst in Zukunft werden die sogenannten Übriggebliebenen (Überrest) dieses Versäumnis erkennen, wenn sie durch extreme Drangsale dazu geführt werden, ihren Messias als den zu erkennen, der als Jesus von Nazareth hier auf der Erde gelebt hat und den sie ans Kreuz gebracht haben (Jes 53). Dann erst wird das Volk erkennen, dass in Ihm wahre Kraft und Hoheit ist und dass Er wahren Frieden bringt.

Verse 7.8: Herodes plant den Mord an Jesus, dem König Israels

„Dann rief Herodes die Magier heimlich zu sich und erfragte von ihnen genau die Zeit der Erscheinung des Sterns; und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kind; wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige“ (Verse 7.8).

Zunächst fällt auf, dass Herodes die Magier keiner Antwort für würdig hält. Sie hatten gefragt, wo der König der Juden sei. Seine Erkundigungen gibt Herodes jedoch nicht weiter. Er hat seine eigene Agenda, die ihm wichtig ist. Und diese sucht er abzuarbeiten.

Die klare Aussage der Hohenpriester und Schriftgelehrten, dass der König Israels in Bethlehem geboren werden sollte, hat Herodes’ Beunruhigung über die Geburt seines „Nebenbuhlers“ nicht weggenommen. Er befragt jetzt die Magier, was sie wissen. Er tut dies „heimlich“. Das zeugt von unlauteren Beweggründen und seiner Angst vor dem König, zeigt aber auch, dass er offenbar bereits Pläne geschmiedet hatte, um die Gefahr durch diesen „neuen“ Königs abzuwenden. Zudem möchte er sich sicher nicht als ein Unwissender präsentieren.

Dass seine Pläne fest stehen, zeigt sich an seiner Frage, wann „genau die Zeit der Erscheinung des Sterns“ gewesen ist. Er will das genaue Alter des Kindes erfahren. Wenn man Vers 16 mit einbezieht, so wird deutlich, dass der Herr Jesus sich in dieser Zeit in einem Alter zwischen ein und maximal zwei Jahren befand. Das zeigt deutlich, dass die sogenannte Weihnachtsgeschichte und die Weihnachtsfeiertage, die seit 336 nach Christus belegt sind, mit der damaligen Realität nichts zu tun haben. Die in Lukas 2,8–38 genannten Begebenheiten fanden vermutlich in unmittelbarer Verbindung mit der Geburt Christi statt.

Der eigentliche Wohnort von Joseph und Maria war Nazareth (Lk 2,4). Wegen der Einschreibung, die durch Kaiser Augustus verordnet worden war (Vers 1), gingen Joseph und Maria nach Bethlehem, um sich dort einzuschreiben. Zwar fand die tatsächliche Einschreibung erst verspätet statt (Vers 2), aber die Verordnung des Augustus führte dazu, dass der Herr Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren wurde. Aus Kapitel 2,39 wissen wir, dass Joseph, Maria und ihr Kind, Jesus, nach den Pflichten, die ihnen vom Gesetz auferlegt wurden, wieder zurück nach Nazareth in Galiläa gingen.

Wie aber kam es, dass sie jetzt auf einmal wieder in Bethlehem waren? Die Antwort auf diese Frage findet sich in Lukas 2,41: „Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem.“ Offenbar sind sie bei dieser Gelegenheit auf dem Weg wieder in seiner Geburtsstadt Bethlehem eingekehrt.

Exkurs: Weihnachten und die Geburt Jesu

An dieser Stelle möchte ich in einem Exkurs kurz auf die Geburt Christi eingehen, die seit langer Zeit zu „Weihnachten“ gefeiert wird. In der Bibel finden wir weder das Wort „Weihnachten“ noch einen Hinweis, dass der Tag der Geburt Jesu gefeiert werden soll.

Darüber hinaus kann man relativ leicht erklären, dass diese Geburt nicht Ende Dezember – oder wie ursprünglich gefeiert, Anfang Januar – stattgefunden haben kann. Es ist wohl kaum daran zu denken, dass in einer solchen Winterzeit eine Volkszählung durchgeführt werden konnte (vgl. Lk 2,1–7), für die viele Menschen größere Reisen im gesamten Römischen Reich hätten unternehmen müssen (Vers 1: „den ganzen Erdkreis“). In Verbindung mit der Einschreibungsreise fand nach Lukas 2,6.7 die Geburt Jesu in Bethlehem statt.

Können wir wissen, wann Christus geboren wurde?

Es gibt noch einen zweiten deutlichen Hinweis auf das ungefähre Datum der Geburt. Aus 1. Chronika 24,1–19 wissen wir, dass David den Dienst der Priester in 24 aufeinander folgende Abteilungen einteilte. Diese 24 Priesterklassen wurden – so wird es verschiedentlich überliefert – zweimal im Jahr jeweils für eine Woche in den Dienst gestellt. Bei bestimmten Festwochen wie zum Beispiel bei dem Passah und dem Laubhüttenfest waren alle Priesterklassen gefordert, weil mit großen Besuchermengen zu rechnen war, die jeweils priesterlich zu bedienen waren.

Zacharias gehörte zu der Abteilung Abias (Lk 1,5), deren Dienst der achten Abteilung zugerechnet wurde (1. Chr 24,10). Da das jüdische Jahr im Monat Abib bzw. Nissan begann (vgl. z. B. 2. Mo 13,4; 5. Mo 16,1) – das ist ungefähr unser März/April 2 – hatte Zacharias wohl Mitte Juni seinen einwöchigen Dienst 3. Die Woche danach war dann wieder ein gemeinsamer Dienst aller Priester bei dem Pfingstfest, so dass Zacharias vermutlich Ende Juni nach Hause kam. Die Erscheinung des Engels muss vermutlich am Anfang seines Dienstes gewesen sein (vgl. Lk 1,23).

Seine Frau Elisabeth wurde unmittelbar nach seinem Dienst schwanger (Lk 1,24), also etwa Anfang Juli. Somit wurde Johannes der Täufer ungefähr Mitte April geboren. Als Elisabeth im 6. Monat schwanger war (Lk 1,26), kam der Engel Gabriel zu Maria – also im Dezember – um ihr die Geburt von Christus anzukündigen. Die Geburt unseres hochgelobten Herrn dürfte somit neuneinhalb Monate später – also im Oktober des Folgejahres stattgefunden haben. Unser Retter ist somit vermutlich im Oktober geboren worden – nicht im Dezember oder Januar, wenn wir diesem Bericht des Evangelisten Lukas folgen.

Fehlte uns etwas, wenn die Geburt Jesu im Oktober wäre?

Fehlt uns denn etwas, wenn die Geburt Jesu nicht „an Weihnachten“, sondern in den Herbsttagen des Oktobers stattgefunden hat? Natürlich nicht. Abgesehen davon fällt die Einführung des Weihnachtsfestes, das sich ja erst seit 336 als kirchlicher Feiertag in Rom nachweisen lässt, in die kirchengeschichtliche Zeit, die in Offenbarung 2 durch die Versammlung (Gemeinde, Kirche) Pergamus dargestellt wird. Wie heißt es dort: „Aber ich habe ein weniges gegen dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Fallstrick vor die Söhne Israels zu legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben“ (Off 2,14). Pergamus war da, „wo der Thron des Satans ist“ (Vers 13).

Die Krippenspiele und der Adventskranz sind seit dem 11. Jahrhundert und das Beschenken seit dem 16. Jahrhundert bzw. später bekannt. Das 11. Jahrhundert fällt in die Zeit des Mittelalters, die in Offenbarung 2 durch die Versammlung Thyatira repräsentiert wird. Das ist die Zeit, in der die römisch-katholische Kirche ihre Hochzeit hatte und die Päpste zu Weltherrschern aufstiegen. Wie wird diese Epoche charakterisiert? „Aber ich habe gegen dich, dass du die Frau Jesabel duldest, die sich eine Prophetin nennt, und sie lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzendopfer zu essen“ (Off 2,20).

Nicht immer kann man sagen, dass eine falsche Entstehung auch dauerhaft negativ auf einer Sache lastet. Ein Beispiel sind die Entstehung von „Städten“ und von Kultur, die aus der Linie Kains entstanden sind. Aber jeder muss für sich selbst die Frage beantworten, ob Weihnachten, mal abgesehen davon, dass es das falsche Datum trifft, nicht doch nach wie vor etwas von Götzendienst enthält. Es ist bemerkenswert, dass es gerade diese Tage sind, wo die Kirchen von Menschen gefüllt sind, die mit einem persönlichen Glauben an Jesus Christus oft nicht viel zu tun haben.

Für uns Christen ist es wichtig, an dem tatsächlichen biblischen Bericht festzuhalten. Letztlich ist das spezielle Datum – wir wissen es ohnehin nicht ganz genau – nicht entscheidend. Aber es hat doch den Anschein, dass die Geburt Jesu im Oktober oder in dieser Zeit stattfand. Dies passt auch in wunderbarer Weise zu einem Vorbild, das wir durch ein Fest des Alten Testamentes dargestellt finden. Denn im Oktober fand in Israel das sogenannte Laubhüttenfest statt. Wir wissen durch die verschiedenen Vorkommen des Laubhüttenfestes im Alten Testament, dass dieses Fest als ein Hinweis auf das 1000-jährige Reich zu verstehen ist, in dem der Friede Gottes durch die Person des Herrn Jesus hier auf dieser Erde herrschen wird.

Jesus – die Erfüllung des Laubhüttenfestes

Dieses Fest der Laubhütten darf uns zunächst daran erinnern, dass der Herr Jesus auf diese Erde kam, um hier zu wohnen. „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater) voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Tatsächlich steht für das Wort „wohnen“ wörtlich im Grundtext: zelten. Der Schöpfer der Welt zeltete als Mensch hier auf der Erde – beginnend mit dem Fest der Laubhütten.

Es ist interessant, dass in Johannes 1,4 für wohnen (zelten) das Verb des Wortes steht, das in 3. Mose 23 als Hauptwort (Hütten bzw. Laubhütten) mehrfach verwendet wird (3. Mo 23,34.42.43). Auch das unterstreicht, dass der Herr Jesus die wahre Erfüllung dieses Festes ist.

Können wir so nicht auch gut verstehen, dass es in der Herberge keinen Platz gab? Es war ja das Laubhüttenfest, an dem das ganze Volk nach Jerusalem gehen musste (5. Mo 16,13–16). Daher werden wohl alle Herbergen in der näheren Umgebung Jerusalems belegt gewesen sein.

Herodes’ Lüge

Damit kehren wir wieder zurück zu Matthäus 2. Herodes wollte die Erscheinung des Sterns wissen, um das Alter des Kindes zu kennen. Denn er interessierte sich nicht dafür, warum die Magier auf den Stern gewartet hatten. Er interessierte sich auch nicht dafür, was es mit dem Stern überhaupt auf sich hatte. Er wollte schlicht den Zeitpunkt der Erscheinung kennenlernen, um daraus auf den Zeitpunkt der Geburt des Messias schließen zu können.

Im folgenden achten Vers fordert er die Magier zur genauen Erforschung auf. Das verbindet er mit einer Lüge: „damit auch ich komme und ihm huldige.“ Das Gegenteil war in seinem Herzen; aber er wollte es noch verbergen. Tatsächlich wäre die Huldigung sein persönliches Lebensglück gewesen! Aber er wollte das Kind umbringen lassen, statt es anzubeten – um den Preis seines Lebens.

Bis heute kann sich jeder Mensch vor dem Herrn Jesus niederwerfen, um Ihm zu huldigen. Natürlich ist Christus jetzt nicht auf der Erde. Aber wer sich innerlich vor dem Christus der Schriften verbeugt und Ihn als Retter annimmt, bekommt ewiges Leben geschenkt (vgl. 1. Joh 5,12.13).

Verse 9–11: Die Magier finden den wahren Stern und huldigen diesem

„Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war. Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe“ (Verse 9–11).

Gott war diesen Magiern durch einen Stern erschienen, den sie im Morgenland gesehen hatten. Wir können kaum annehmen, dass es sich um einen Kometen, eine Supernova oder eine Planetenkonjunktion 4 gehandelt hat. Denn zum Beispiel ein normales Himmelsereignis hätten auch die Römer zweifelsfrei erkannt. Wir dürfen also davon ausgehen, dass Gott hier ein Wunder gewirkt hat und tatsächlich einen Stern leuchten ließ, den wir nicht kennen und den man auch astronomisch nicht weiter zuordnen kann. 5 Ich erinnere noch einmal an die Worte Bileams: „Ein Stern tritt hervor aus Jakob“ (4. Mo 24,17). Gott hat nicht nur Christus in einer wunderbaren Weise gezeugt – Er hat auch diesen Stern auf wunderbare Weise leuchten lassen – einen Stern, der direkt von Christus spricht.

Gott benutzte also einen Stern, um diese Menschen zu leiten. Sie waren vermutlich nicht mit dem damals zur Verfügung stehenden Wort Gottes – also dem Alten Testament – vertraut. Aber Gott weist ihnen auf eine andere, einzigartige Weise den Weg bis zum Haus des Christus. Diese Magier verstehen: Der König ist in Israel geboren – in dieser Richtung leuchtete der Stern. Also gehen sie nach Jerusalem, nicht, weil der Stern direkt auf Jerusalem leuchtet, sondern weil sie davon ausgehen mussten, dass der König Israels in Jerusalem, der Hauptstadt Israels, geboren werden würde.

Als sie in Israel angekommen waren, gab Gott ihnen zunächst kein weiteres Sternwunder. Denn die heiligen Schriften standen ihnen in Israel ja zur Verfügung. Diese sollten auch dazu führen, den Magiern den weiteren Weg zu weisen.

Das Wort und der Geist Gottes

Hier lernen wir einen Grundsatz, der auch heute noch Gültigkeit hat: Gott gibt uns sein Wort nicht unabhängig von der Leitung durch den Geist Gottes. Und der Geist Gottes leitet uns nicht unabhängig von seinem Wort! Beides gehört untrennbar zusammen. Viele Dinge können wir durch das Wort Gottes verstehen – da schenkt uns Gott kein Wunderzeichen. Aber viele unserer Fragen werden auch nicht endgültig durch das Wort Gottes direkt beantwortet, das einfach kein Lexikon von A bis Z ist. Gott möchte uns durch seinen Heiligen Geist leiten.

Wenn wir das Wort Gottes als einzigen Führer unseres Lebens akzeptieren, die persönliche Leitung des Geistes Gottes dagegen vernachlässigen, wird unser Bekenntnis zu einem toten Christentum – wie bei den Pharisäern. Wenn wir die Leitung des Geistes Gottes als alleinigen Führer für unser Leben für uns beanspruchen, aber das Wort Gottes vernachlässigen, werden wir ein äußerst subjektives, emotionales und abgehobenes Christentum führen, das letztlich charismatisch wird.

Die Magier hatten beides erfahren: Der Geist Gottes leitete sie mittelst des Sterns nach Israel; das Wort Gottes richtete ihren Weg konkret nach Bethlehem. Wir lernen also, dass der Geist Gottes nie unabhängig von dem Wort Gottes führt und nie entgegen der biblischen Wahrheit handelt! Nein, Wort und Geist haben ein perfektes Zusammenwirken: Der Heilige Geist macht die Wahrheit des Wortes Gottes lebendig und wendet sie auf die Alltagssituation an. Zugleich führt Er uns in eine ganz konkrete Abhängigkeit von dem Herrn, die wir nur durch das intensive und vertraute Gebet erleben können. So wird unser Christenleben lebendig, wirklichkeitsnah und immer wieder herausfordernd.

Der Stern begleitet die Magier

Aus Vers 10 lernen wir, dass der Stern die Magier nicht die ganze Strecke vom Orient an begleitet hatte, wie man landläufig sagt. Nein, er hatte ihnen nur deutlich gemacht, dass sie nach Israel gehen sollten. Sie hatten ihn als eine Erscheinung gesehen – daraufhin hatten sie ihre Vorbereitungen für die lange Reise getroffen und waren nach Jerusalem losmarschiert. In Jerusalem angekommen erhielten sie den Hinweis, dass das Kind in Bethlehem zu finden sei. Und da liefen sie wieder los. In diesem Augenblick erschien ihnen der Stern wieder 6 – was für eine Freude für sie, was für eine Ermunterung und Bestätigung ihrer langen Reise! Jetzt ging dieser Stern tatsächlich vor ihnen her.

Offenbar gingen sie – nach orientalischer Sitte – des nachts los, so dass sie den Stern deutlich leuchten sahen. Sie sehen, dass der Stern in Bethlehem stehen bleibt, gerade an dem Ort, wo Christus mit Maria, seiner Mutter, und Joseph wohnte. Es ist ein weiteres Wunder Gottes, dass der Stern diesen Wohnort des Messias so deutlich kennzeichnet, dass für die Magier keine Frage über den Zielort offen blieb. Er bezeichnete nicht nur die Stadt Bethlehem, sondern sogar den genauen Ort, wo sich der König Israels befand! Um so verständlicher ist ihre Reaktion.

Wir können diese Freude gut verstehen, denn diese Männer hatten keine kleine Reise gemacht und nicht geringe Anstrengungen unternommen, um den König der Juden zu finden. Auch uns wird der Herr Jesus solche Ermunterungen immer wieder schenken, wenn wir auf dem Weg sind, Ihm zu huldigen und zu dienen. Manche Steine mögen uns in den Weg gelegt werden – mancher Spott mag vorhanden sein. Wenn aber dann wieder der „Stern leuchtet“, dann wissen wir, dass sich jede Entsagung und jede Anstrengung gelohnt hat. Es ist für unseren Retter!

Die Huldigung der Magier gilt Jesus allein

Als die Magier in das Haus gegangen waren, sahen sie Jesus und Maria, seine Mutter. Es fällt auf, dass von Joseph keine Rede ist. Ob er bei dieser Gelegenheit nicht zu Hause war, ob er einfach deswegen nicht erwähnt wird, weil er nicht der leibliche Vater Jesu war oder weil das Augenmerk ganz auf das kleine Kind gerichtet werden soll, wissen wir nicht. Von Joseph lesen wir in diesen Versen immer dann, wenn es um Träume geht, und diese stehen in Verbindung mit seiner Verantwortung für das Kind, wegzugehen oder an einer bestimmten Stelle zu bleiben.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal einen Hinweis auf den Bibeltext geben. Normalerweise würde man erwarten, dass von der „Mutter und dem Kind“ gesprochen wird. Hier jedoch ist es anders. Der Evangelist spricht unter der Leitung des Geistes Gottes fünfmal von dem „Kind und seiner Mutter“. So großartig die Stellung und Aufgabe von Maria war. Hier ging es um das Kind, um Jesus, um Emmanuel. Angesichts seiner Person muss jeder andere zurückweichen!

Dazu passt, dass in dem, was die Magier jetzt tun, ihre geistliche Sensibilität, ja, das erstaunliche geistliche Verständnis dieser Männer auffällt. Sie fallen nicht vor der Mutter nieder – nein, vor dem Kind fallen sie auf den Boden und huldigen Ihm! Wir erinnern uns, dass der alte, gottesfürchtige Simeon mit derselben Einsicht zwar das Baby Jesus auf die Arme nimmt. Aber er lobt Gott und segnet die Eltern (Lk 2,28.34). Simeon segnet nicht das Kind – das würde man erwartet haben. Aber offenbar ist er sich bewusst, wen er vor sich hat. Nach Hebräer 7,7 wird der Geringere von dem Höheren gesegnet – und auch wenn Jesus hier noch ein Baby war, so war Er zugleich der Ewige, der Sohn Gottes. Dessen war sich der alte Simeon bewusst.

So auch die Magier. Sie fallen nicht vor Maria nieder, im Unterschied zu einer großen Kirche heute, die nicht so einsichtsvoll ist; die Magier huldigen dem kleinen Kind, und nur diesem. Sie hätten allen Grund gehabt, auf den Vater des Kindes zu warten – normalerweise galt ihm die Ehre. Aber sie warten nicht, sie wollen nicht den Eltern huldigen. Sie fallen vor dem kleinen Jungen nieder. Sie tun dies ganz offensichtlich mit einer äußerlichen, angemessenen Verbeugung vor dem Kind. Wie lange sie in dieser Haltung verharrt haben, wissen wir nicht; das ist auch nicht so wichtig. Gott teilt uns mit, dass sie es getan haben.

Die Gaben der Magier: Gold, Weihrauch, Myrrhe

Das Niederfallen vor dem Kind blieb nicht ihre einzige Huldigung. Die Magier hatten auch Schätze mitgebracht, was der damaligen, orientalischen Sitte entsprach, vor Fürsten nicht ohne Geschenke zu kommen (vgl. 1. Mo 43,11; 1. Sam 10,27; 1. Kön 10,1.2.10). Was sie darbringen, zeigt zunächst einmal die hohe Wertschätzung, die sie dem König der Juden entgegenbringen. Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold ist ein Zeichen des Reichtums, Weihrauch und Myrre sind besondere Wohlgerüche, die im Orient verwendet werden. Diese Männer zeigten ihre Hingabe und Verehrung für den Herrn Jesus und ihre Freude an der Geburt des Messias.

Doch darüber hinaus haben die dargebrachten Gaben eine geistliche Bedeutung. Die Magier haben diese damals wohl nicht erfasst, was diese Sichtweise jedoch nicht ausschließt. Dasselbe gilt für die Materialien der Stiftshütte. Auch dort verstanden die Israeliten die einzelnen, symbolischen Bedeutungen nicht. Aber Gott sah darin einen Wert – und wir dürfen Gemeinschaft mit Ihm darin haben.

Gold ist immer wieder ein Hinweis auf die göttliche, die höchste Herrlichkeit. Man denke an die Bundeslade, die aus Holz war, ganz mit reinem Gold überzogen – ein Bild von der vollkommenen Menschheit (Holz) und zugleich der vollkommenen Göttlichkeit des Herrn Jesus (vgl. auch Hiob 37,22; Ps 29,9). Hier nun geht es um die göttlich-königliche Herrlichkeit des Messias, der zugleich Emmanuel, Gott mit uns, ist.

Weihrauch wurde besonders in Verbindung mit dem Speisopfer verwendet (vgl. u. a. 3. Mo 2,1.2.15.16), aber auch als Teil des Räucherwerks (2. Mo 30,34), das auf dem goldenen Räucheraltar Gott geopfert wurde. Es scheint ein Hinweis auf den Wohlgeruch zu sein, den der Herr Jesus als Mensch in sich selbst für Gott darstellte, der sich aber besonders auf dem „Altar“ entfaltete – also unter dem Feuer der Leiden des Kreuzes des Herrn. Wenn Gott auch über das göttlich vollkommene Leben seines Sohnes mehrfach bezeugte, dass Er „sein geliebter Sohn“ sei, der sein ganzes Wohlgefallen gefunden hatte – so wird der Wohlgeruch des Herrn für seinen Gott doch in besonderer Weise am Kreuz in der Hingabe des Sohnes deutlich (vgl. Eph 5,2).

Das wird auch durch die Art und Weise, wie der Weihrauch gewonnen wird, unterstrichen. Den Weihrauchbäumen werden in der Erntezeit an Stamm und Ästen Schnitte zugefügt, aus denen der Weihrauchharz austritt. Der besondere Wohlgeruch wird dann beim Räuchern erzielt, wenn also das Harz der Hitze ausgesetzt wird.

Die Myrrhe wird ebenfalls aus einer Pflanze gewonnen, einem Balsambaumgewächs. Ähnlich wie beim Weihrauch wird sie durch das Verletzen des Baums geerntet. Auch sie erzielt ihren besonderen Duft durch das Räuchern.

In der Bibel wird sie das erste Mal als Teil der Salbenmischung erwähnt, mit der die Stiftshüttenteile zu reinigen waren. Von selbst ausgeflossene Myrrhe besaß darum einen besonderen Wert (2. Mo 30,23). Nikodemus brachte Myrrhe als ein Teil der Begräbnissalbe für den Herrn (Joh 19,39). Myrrhe bedeutet übersetzt „bitter“ und ist ein Hinweis auf die Leiden des Herrn.Durch seine Leiden kam ein Wohlgeruch für den Herrn hervor, der für Ihn von besonderem Wert war.

So dürfen wir in den drei Geschenken drei Seiten der (moralischen) Herrlichkeit unseres Herrn sehen – und in unseren Herzen vor Ihm niederfallen. Wir dürfen ihn nicht nur – wie die Magier – als den kennen, der als König geboren worden ist. Nein, unsere Beziehung zu Ihm geht weit darüber hinaus. Wir kennen Ihn als den Sieger von Golgatha, den Retter der Welt, als unseren Herrn und Retter, der sich für uns hingegeben hat – Gott zu einem duftenden Wohlgeruch (vgl. Eph 5,2).

Abschließend sei noch kurz erwähnt, wie passend diese Begebenheit der Magier für den Evangelisten Matthäus ist. Wem wird auf diese Weise gehuldigt? Diese Weisen waren nicht gekommen, um einem – wenn auch besonderen – Menschen ihre Huldigung zu geben (Lukas). Sie waren auch nicht zu Ehren eines Dieners gekommen (Markus). Nein, sie hatten von dem König gehört – Ihn wollten sie durch ihre Gegenwart beehren. Letztlich ehrte sie der König selbst durch seine Gegenwart. Wenn es um den Sohn Gottes geht (Johannes), dann brauchte dieser keine solche Ehre. Er besitzt jede Herrlichkeit in sich selbst!

Die Geschenke der Königin von Scheba

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf die Geschenke hinweisen, welche die Königin von Scheba mitbrachte, als sie Salomo besuchte. Er war ein gestandener König, als die heidnische Königin zu ihm kam. Zu Jesus kamen die Magier, als Er ein kleines Kind war. Aber wir wissen, dass Salomo ein Vorbild auf den Herrn Jesus ist. Die Königin ist nicht nur eine Vorbotin im Hinblick auf die Magier, sondern beide zusammen sind Vorbilder auf die Nationen, die einmal im 1000-jährigen Friedensreich zum Herrn Jesus kommen werden.

Das finden wir in Jesaja 60,5.6: „Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird beben und weit werden, denn die Fülle des Meeres wird sich zu dir wenden, der Reichtum der Nationen zu dir kommen. Eine Menge Kamele wird dich bedecken, junge Kamele von Midian und Epha. Sie alle werden aus Scheba kommen, Gold und Weihrauch bringen, und sie werden das Lob des Herrn fröhlich verkündigen.“ Durch diese Verse, die deutlich von der zukünftigen Herrlichkeit der Nationen sprechen, die Israel gebracht werden wird, ist die Verbindung zur Königin von Scheba deutlich.

Interessanterweise wird in Jesaja 60 genauso wie in 1. Könige 10,2: „Und sie kam nach Jerusalem mit einem sehr großen Gefolge, mit Kamelen, die Gewürze und Gold trugen in sehr großer Menge, und Edelsteine“ nur von Gold und Weihrauch 7 gesprochen. Warum fehlt aber in Jesaja 60 die Myrrhe, und in 1. Könige 10 wird sie nicht ausdrücklich unter den Gewürzen erwähnt? Vielleicht liegt die Ursache darin, dass beide Stellen von der zukünftigen Herrlichkeit sprechen, die von dem Herrn Jesus in dem 1.000-jährigen Friedensreich zu sehen ist. Da ist von Leiden und vom Tod des Herrn keine Rede mehr, auch wenn wir als Gläubige Ihn immer als das Lamm wie geschlachtet sehen werden (vgl. Off 5,6).

Das 1.000-jährige Friedensreich spricht von Herrlichkeit und Schönheit, von Freude und Macht, nicht jedoch von Leiden. Die Magier dagegen haben ihre Geschenke vor den Leiden und dem Tod des Herrn Jesus dargebracht. Denn seiner sichtbaren Herrlichkeit gingen die Leiden voraus. Dem trugen diese weisen Männer – unter der Vorsehung Gottes – unwissentlich Rechnung.

Vers 12: Gott bekennt sich zu den Magiern und weist ihnen den Weg

„Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land“ (Vers 12).

Die ersten beiden Kapitel sprechen mehrmals davon, dass Gott im Traum eingreift. Einerseits ist dies ein Hinweis auf die Distanz zwischen Gott und seinem Volk. Andererseits zeigen uns diese Interventionen, dass Gott über den Dingen steht und alles lenkt. So auch hier.

Gott lässt es nicht zu, dass die Magier Herodes dadurch ehren, dass sie ihm von ihrem Besuch beim angekündigten König Bericht erstatten dürfen. Außerdem soll auch die ganze Bosheit des Herodes im weiteren Verlauf der Geschichte um so klarer zum Vorschein kommen. Die Magier erhalten eine göttliche Weisung – Gott selbst greift ein! – auf einem anderen Weg nach Hause zu gehen. Sie sind gehorsam – und gehen zurück in ihr Land.

Nie wieder hören wir von ihnen. Wir dürfen sicher sein, dass sie von dem, was sie erlebt hatten, erfüllt waren. Es ist zu vermuten, dass wir sie einmal aufgrund ihrer Gottesfurcht in der Herrlichkeit wiedersehen werden – im Gegensatz zu Herodes und den religiösen Führern der damaligen Zeit. Gott bekennt sich immer zu denen, die auf seine Stimme hören und in Hingabe seinem Sohn gegenüber ihr Leben führen. Das haben diese Männer bewiesen.

Verse 13–23: Was macht Israel mit seinem König?

Wir haben jetzt gesehen, wie Menschen dem Herrn Jesus gehuldigt haben, die von weit her kamen. Sie scheuten keine Kosten, um Ihm, dem man äußerlich sicherlich nicht ansehen konnte, dass Er der Herr der Herren und der König der Könige ist, jede Ehre zu erweisen.

Nun stellt sich die Frage, ob diese Haltung und diese Tat irgendwie auf sein irdisches Volk Israel abfärben würde, auf die Menschen, in deren Mitte er geboren war. Zu ihnen war der Messias gekommen. Wie würden sie jetzt reagieren?

Verse 13–15: Christus beginnt die Geschichte Israels von Neuem

„Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägypten, und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es umzubringen. Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter bei Nacht zu sich und zog hin nach Ägypten. Und er blieb dort bis zum Tod Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: ‚Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen‘“ (Verse 13–15).

Zum zweiten Mal in diesem Kapitel und auch in der Geschichte Josephs erscheint ihm ein Engel im Traum. Wir werden weiter sehen, dass auch in diesem Abschnitt Joseph (und nicht Maria, wie bei Lukas) im Vordergrund steht. Er ist der Nachkomme Davids, der Sorge trägt, dass der wahre Sohn Davids vor den Angriffen bewahrt bleibt, soweit dies in seinen Händen liegt.

Es ist schon eine besondere Situation: Er, der den wahren Anspruch auf den Königsthron besaß, muss jetzt fliehen. Manche Herrscher mussten einmal ins Exil fliehen. Hier aber handelt es sich um ein kleines Kind von nicht einmal zwei Jahren! Was für eine Gefahr sollte von diesem eigentlich ausgehen?

Wir sehen in diesen Versen, wie Gott in seiner Gnade zugunsten von Joseph und Maria Vorsorge trifft, bevor Herodes seinen Angriff starten kann. Es ist auffallend, dass zuerst der Traum und die Flucht nach Ägypten kommt, bevor Herodes aktiv werden kann. Gott weiß längst, was Herodes in seinem Herzen beschlossen hat. So warnt er Joseph und trägt ihm auf, zusammen mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen. Darin dürfen wir eine gewisse Erfüllung der Worte des Herrn in Psalm 121 erkennen: „Siehe, der Hüter Israels, er schlummert nicht und schläft nicht... Der Herr wird dich behüten vor allem Bösen, er wird behüten deine Seele“ (Verse 4.7). Auch über seinen Sohn wachte der Herr und ließ nicht zu, dass Herodes Ihn verderben durfte.

Später finden wir, dass die Versammlung in Jerusalem auf diese Gelegenheiten zurückkommt und betet, sich auf Psalm 2 beziehend: „Die Könige der Erde traten auf, und die Obersten versammelten sich miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Christus. Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels“ (Apg 4,26.27). Natürlich ist der in der Apostelgeschichte genannte Herodes ein Sohn von Herodes dem Großen. Aber der erste Vers zeigt doch, wie sich (von Anfang an) alle gegen den Herrn Jesus verschworen. Das taten sie, bis sie Ihn am Ende auch ans Kreuz genagelt hatten.

Vorbild und Erfüllung

Abraham hatte damals keinen Auftrag nach Ägypten vor der Hungersnot zu fliehen (1. Mo 12,10). Er ging dennoch – zu seinem Schaden. In den Tagen Jeremias war es die starrköpfige Auflehnung gegen das Wort Gottes, welche die Übriggebliebenen Judas dazu brachte, in dieses Land zu fliehen (Jer 43,1–7). Jakob allerdings erhielt in 1. Mose 46,2–4 den Auftrag Gottes, nach Ägypten zu gehen. So auch hier: Joseph bekommt den Auftrag, genau an den Ort zu fliehen, wo das Volk Israel viele Jahrhunderte vor diesem Zeitpunkt bedrückt worden war. Er ist gehorsam und geht dorthin.

Joseph flieht bei Nacht – ein deutlicher Beweis, dass es sich wirklich um eine Flucht handelt 8. Aber es zeigt uns auch etwas seinen Charakter der Ängstlichkeit. Auch in Vers 22 kommt dieser wieder zum Vorschein. Aber Gott bekennt sich zu jedem, der sich seiner eigenen Schwachheit bewusst ist. Hier hilft Er Joseph, der dieses ja nicht leichte Unternehmen mit seiner Familie aufgetragen bekommt.

Bemerkenswert ist dann die Anführung von Hosea 11. Zunächst einmal ist Jesus zu diesem Zeitpunkt gerade einmal in Ägypten angekommen. Von einem „Rückruf“ ist hier zunächst noch keine Rede. Aber dieses Zitat zeigt, dass von Anfang an klar war, dass der Herr nicht in Ägypten bleiben konnte.

Das Zitat ist aber auch noch in anderer Hinsicht interessant. Hosea tat diesen Ausspruch rund 700 Jahre nach dem Auszug Israels aus Ägypten (2. Mo 14.15) und rund 700 Jahre vor der Geburt des Herrn. Man wird die erste Bedeutung zu Recht auf das aus Ägypten gerufene Volk Israel beziehen. Das allerdings war bei Hosea bereits eine vergangene Tatsache und keine Prophezeiung. Gottes Wort zeigt hier jedoch in Matthäus 2, dass dieser Ausspruch auch eine prophetische Ankündigung war, deren Erfüllung gerade in Christus – wie Er uns hier in Matthäus 2 geschildert wird – stattgefunden hat 9.

Hosea 11,1

Wer sich Hosea 11 genauer anschaut, kann wie gesagt zunächst nur zu dem Schluss kommen, dass hier Israel gemeint ist: „Als Israel jung war, da liebte ich es, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“. Es war die Liebe Gottes zu seinem erwählten Volk, die Ihn dazu trieb, das große Volk aus der Drangsal und dem Gefängnis Ägyptens durch die Hand Moses zu befreien. Diese Beziehung der Liebe wird dadurch unterstrichen, dass Gott sein Volk „meinen Sohn“ 10 nennt. Das Volk Israel war Ihm nicht egal, es war für Ihn wie ein Sohn (vgl. auch 2. Mo 4,22; Jer 31,9).

Aber damit ist der Text in Hosea noch nicht zu Ende: „Sooft sie sie riefen, gingen sie von ihrem Angesicht weg: Sie opferten den Baalim und räucherten den geschnitzten Bildern...“ (Vers 2). Gerade dieser Vers macht deutlich: Es handelt sich um dieses widerspenstige Volk, das sich immer wieder im Götzendienst und in Unzucht verlor.

Wie kommt es nun, dass gerade dieser Vers auf den Herrn Jesus angewendet wird, ja mehr noch, seine Erfüllung in Christus finden kann? Ist Christus denn das wahre Israel? Es gibt nur eine Erklärung: Ja, so ist es! Er ist der wahre Sohn, von dem Gott so gerne spricht. Der Geist Gottes hat Christus immer vor Augen, Ihn will Er groß machen, auch im Alten Testament. Nicht, dass wir ohne weiteres jeden Vers auf den kommenden Messias anwenden könnten. Aber viel öfter, als wir uns das bewusst machen, ist es der Herr Jesus, auf den mancher Vers des Alten Testaments hinweist.

Wie wir wissen, versagte das Volk oft. Dies beschreibt auch schon der folgende Vers in Hosea 11. Trotzdem musste sich Christus mit diesem Volk eins machen. In der Taufe würde Er das kurze Zeit später sichtbar tun (Mt 3,15.16). In Christus begann die Geschichte des Volkes Israel von Neuem – letztlich sogar die Geschichte der Menschheit insgesamt. Er war bereit, sich nach Ägypten bringen zu lassen.

Christus musste in allem versucht werden wie das Volk (auch wie wir) – natürlich ausgenommen von der Sünde, die nicht in Ihm war! Aber so musste Er auch ihre Verfolgung in Ägypten teilen und in der Wüste versucht werden. Auch wurde er von Satan in der Wüste versucht, allerdings unter viel schlechteren Bedingungen, als sie Adam und Eva bei den Versuchungen Satans kannten, denn sie waren in herrlicher Umgebung im Garten Eden. Er kann aus eigener Erfahrung bei allen Prüfungen mitempfinden, die das Volk Israel hatte und einmal haben wird. Dasselbe gilt in Bezug auf unsere Prüfungen.

Jesaja 49

Ein weiteres bekanntes Beispiel, das in dem Zusammenhang der Verbindung von Christus und Israel immer wieder angeführt wird, findet sich in Jesaja 49,3. Dort lesen wir, wie Gott zu dem Propheten Jesaja spricht und ihn seinen Knecht nennt. Jesaja steht hier und an anderen Stellen für Israel: „Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich mich verherrlichen werde.“ Wie schon gesagt: Hier meint Gott sein Volk Israel, sieht es jedoch in Jesaja personifiziert.

In Vers 4 kommt dann die Antwort: „Ich aber sprach: Umsonst habe ich mich abgemüht...“ Das sagt der Prophet, der trotz der Ablehnung und der vergeblichen Arbeit auf den Herrn vertraut. Was ist die Antwort des Herrn? „Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat“ – damit werden die Worte von Vers 1 noch einmal aufgegriffen – es geht immer noch um den Knecht Gottes – um Israel (Vers 3). In Vers 5 heißt es dann weiter: „um Jakob zu ihm zurückzubringen.“ Damit kommen wir zu einem interessanten Punkt. Kann damit gemeint sein, dass Israel, der Knecht, das Volk Israel zurückbringt zu Gott? Dies wird wohl kaum damit gemeint sein.

Die Lösung finden wir wieder in der Entdeckung, dass Christus als der wahre Knecht Gottes sich mit seinem Volk einsmacht. Sein Volk sollte auch Knecht sein, aber der wahre Knecht ist Christus! Die abschließende Antwort Gottes lautete: „Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde“ (Vers 6). So kann nur vom Messias, dem wahren Knecht Gottes, gesprochen werden.

Was für eine große Gnade, dass Christus sich auf diese Weise mit seinem Volk einsgemacht hat. Er tat dies, obwohl es sich um ein irrendes und sündiges Volk handelte. Denselben Gedanken finden wir in Verbindung mit dem Weinstock (vgl. Ps 80,9.15; Jes 5). Israel war der Weinstock Gottes. Aber das Volk brachte keine Frucht – da kam Christus auf diese Erde als „der wahre Weinstock“ (Joh 15,1) – er nahm die Stelle des wahren Israels ein. Ja wirklich, der Herr liebt Israel ewig (1. Kön 10,9).

Keine Wunder für Christus!

Abschließend ist noch ein Punkt wichtig. Im Laufe seines Lebens hier auf der Erde hat der Herr Jesus viele Wunder getan. Aber Er bewirkte kein einziges Wunder zu seinem eigenen Vorteil. Er war immer nur für andere tätig. Als Ihn in der Wüste hungerte, hätte Er die Steine ohne Schwierigkeiten in Brot verwandeln können, aber Er hat es nicht getan! Denn für sich wollte Er keine Wunder tun. Als der große Sturm auf dem See war, wirkte der Herr Jesus kein Wunder zur eigenen Ruhe, sondern nur, weil die Jünger umzukommen meinten.

So auch hier: Kein Wunder tötet Herodes oder verhindert den Übergriff auf Jesus. Nein, seine Familie muss fliehen. Er hat sich so sehr erniedrigt, dass Christus sogar diese Verfolgungen auf sich nahm, ohne in göttlicher Autorität einzugreifen. Wir bewundern die Selbstlosigkeit unseres Retters!

Verse 16–18: Ein grausamer Mord und trauriges Klagen

„Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, dass er von den Magiern hintergangen worden war; und er sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern genau erfragt hatte. Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht: ‚Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht mehr sind‘“ (Verse 16–18).

Gottes Wort deckt weiter schonungslos auf, wes Geistes Kind Herodes war. Mit Grausen lesen wir, was er tat, nachdem er feststellen musste, dass die Magier nicht zu ihm zurückkehrten. Es ist zu vermuten, dass er einige Wochen gewartet hatte – er konnte ja nicht wissen, dass die Magier nicht zurückkehrten. Dann aber wurde ihm klar, dass die Magier seiner Bitte nicht Folge geleistet hatten. Dies erweckte seinen Zorn.

Dabei „vergisst“ er allerdings, dass er die Magier ebenfalls hintergangen und belogen hatte. Denn er hatte davon gesprochen, nach ihnen zur Huldigung des Kindes gehen zu wollen. Aber jetzt zeigt er sein wahres, satanisches Gesicht. So wird er zum Vorbild des Antichristen, des Antikönigs, der sich in der Endzeit in den Tempel setzen wird, um sich dort als Gott anbeten zu lassen (2. Thes 2,4). Er wird die „wahren“ Juden in Israel, die gläubigen Übriggebliebenen, grausam verfolgen – nur wer das Mahlzeichen des ersten Tieres aus Offenbarung 13, des Römischen Herrschers, annehmen wird, kann noch überleben.

Herodes lässt dann in grausamer Manier alle Kinder töten, die bis zu zwei Jahren alt waren. Wie viele unschuldige Kinder werden in dieser Gegend ermordet worden sein? Das ist „nur“ eine seiner vielen, grauenvollen Taten während seiner Regierung. Dieser Mann wird sich dafür einmal vor dem Richterstuhl des Christus (2. Kor 5,10) verantworten müssen – also vor dem Mann, den er ohne Erfolg umzubringen suchte.

Gott tötete Herodes wegen seiner Bosheit

Auch aus der Geschichte wissen wir, dass Herodes nicht sehr lange nach dieser letzten Tat gestorben ist. Sie offenbart ihn als ein Instrument Satans. Gott hatte zur Schlange gesagt: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (1. Mo 3,15). Auch hier unternahm Satan den Versuch, den Herrn Jesus zu töten. Ja, er würde bald seine Ferse zermalmen. Aber Gott wachte über seinen Sohn und ließ es hier nicht zu.

Nach den weiter oben vorgestellten Überlegungen müsste der Herr Jesus bei dieser Gelegenheit ungefähr eineinhalb Jahre alt gewesen sein (vom Laubhüttenfest des Vorvorjahres bis zum Passahfest). So „verstehen“ wir die Vorsichtsmaßnahme von Herodes, lieber alle Kinder bis zu zwei Jahren umbringen zu lassen, um sicherzustellen, dass der ihm gefährlich werdende König auf keinen Fall entkam. Trauriger Egozentriker, der nur an seine eigene Ehre und Macht dachte, dabei aber sein wahres Glück verlor. Gott würde ihn bald dafür strafen.

Wir erinnern uns an die Geschichte in Ägypten, wo der Pharao alle Säuglinge der Israeliten umbringen ließ, die männlich waren. Damals ging es nicht um einen bestimmten Menschen – es sollte einfach die Kraft des Volkes Israel als Bedrohung für Ägypten dezimiert werden. Jetzt kam der, der das „wahre“ Israel ist. Er sollte, zwar nicht von einem Ägypter, wohl aber von einem anderen Feind des Volkes umgebracht werden, von einem Edomiter, der inzwischen König in Israel war. Aber wie damals Mose durch die Vorsehung Gottes und die Treue seiner Eltern bewahrt wurde, konnte der Feind auch jetzt dem kleinen Kind, Jesus, nichts anhaben. Gott wachte darüber, und seine Eltern verhielten sich dem Wort Gottes treu gegenüber.

Jeremias Wehklage – eine Prophezeiung wird angewendet

In den Versen 17 und 18 finden wir dann, dass diese Morde durch Herodes und die damit einhergehenden Klagen im Alten Testament prophetisch verankert sind. Allerdings handelt es sich hier um eine Erfüllung in allgemeinerem, das heißt weitläufigerem Sinn (vgl. S. 72). Die eigentliche Erfüllung wird erst in der Zukunft erfolgen, in der großen Drangsalszeit.

In Jeremia 31,15 heißt es: „So spricht der Herr: Eine Stimme wird in Rama gehört, Wehklage, bitteres Weinen. Rahel beweint ihre Kinder; sie will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, weil sie nicht mehr sind.“ Dann sagt der Herr ihr, dass sie nicht mehr weinen soll, da es Lohn gebe für ihre Arbeit, also Hoffnung, und dass ihre Kinder aus dem Land des Feindes zurückkehren würden. Die in Gefangenschaft geführten Kinder – also sowohl Benjamin (mit Juda) als auch Joseph mit dem Zehnstämmereich (das sind die beiden Söhne Rahels und ihre Stämme) würden wieder zusammengebracht und „in ihr Gebiet zurückkehren“.

Das war ihre Hoffnung – daher sollte sie nicht mehr weinen. Aber bis es soweit sein wird, wird die Wehklage Rahels gehört werden, und zwar besonders angesichts der schrecklichen Drangsale, die über das Volk kommen werden in der sogenannten großen Drangsal, nachdem die Versammlung (Gemeinde, Kirche) entrückt sein wird. Außerdem wird die Wehklage gehört werden, wenn Gott schreckliche Gerichte über diese Erde bringen wird, damit diese vorbereitet wird auf das Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit (vgl. das Buch der Offenbarung).

Rama und Rahel

Dieser Vers scheint darüber hinaus aber auch Bezug auf die Geburt zu nehmen, bei der Rahel starb (1. Mo 35,16–20). Sie nannte Benjamin Benoni, Sohn meiner Not, meiner Schmerzen. Denn ihr Begräbnisort war der Landstrich Rama. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang wohl auch, dass ein großer Bruderkampf zwischen Benjamin (und Juda) sowie Joseph mit den anderen Stämmen in Rama stattfand (1. Kön 15,17). Das alles würde zur Wehklage Rahels führen.

Diese Prophetie wird nun auf die Situation in Matthäus 2 angewendet. Die Tatsache, dass dort viele Kinder umgebracht wurden, ist grausam. Sie stellt eine Vorerfüllung dessen dar, was einmal während der Drangsalszeit passieren wird – das muss furchtbar sein. Denn das Weinen in Matthäus 2, so schlimm es gewesen sein muss, ist vergleichsweise „schwach“, wenn man an diese Zukunft denkt. In Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren durch die Morde des Herodes mehr als nur eine Stimme zu hören, die den grausamen Mord an ihren Kindern beweinten. Wir können gut verstehen, dass man sich da nicht mehr trösten lassen wollte.

Verse 19–21: Gott bereitet den Weg zur Rückkehr des Messias

„Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und zieh in das Land Israel; denn die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind gestorben. Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter zu sich und zog in das Land Israel“ (Verse 19–21).

Gott lässt sich nicht spotten. Derjenige, der seinen Sohn aus Israel vertrieben und einen Kindermord begangen hat, kommt nicht lange danach zu Tode. Nicht, dass Gott ein Wunder für seinen Sohn bewirkt hätte, um Ihn vor der Flucht zu bewahren. Aber als Konsequenz seiner Taten kommt der Spötter Herodes um. Wir wissen, dass Herodes an einer sehr schmerzhaften Krankheit litt und dann auch daran umkam.

Das war im Jahr 4 vor Christus. Vielleicht ist mancher darüber erstaunt, weil wir unsere Zeitrechnung ja an der Geburt Christi ausrichten. Aber das hängt mit dem Entstehungsvorgang des römischen bzw. Julianischen Kalenders zusammen, was an dieser Stelle nicht weiter behandelt werden soll. Jedenfalls hat dies dazu geführt, dass das Geburtsjahr von Jesus Christus vermutlich im Jahr 5/6 vor Christus liegt (+/-).

Nachdem Herodes gestorben war, erschien Joseph zum dritten Mal ein Engel – wieder im Traum in der Nacht. Wenn nun Joseph auch wieder im Vordergrund steht, so wird doch durch die Tatsache, dass die Begegnung in der Nacht durch einen Traum stattfand, noch einmal die Distanz betont, die wir durch die Haltung des Volkes Israel und seiner Führer – die wir in unserem Kapitel gesehen haben – sehr gut nachvollziehen können. Joseph konnte persönlich für diese Haltung nichts. Aber da er zu diesem Volk gehörte, trafen die Folgen dieser Gesinnung des Volkes auch ihn.

Gott hatte Joseph von Anfang an gesagt, dass er nicht dauerhaft in Ägypten wohnen bleiben sollte, sondern, „bis ich es dir sage“ (Vers 13). Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo die sicherlich beschwerliche Rückreise anzutreten war. Denn die Verfolger waren gestorben, so dass das Leben des Knaben bis auf weiteres nicht mehr bedroht war. Wie lange die Familie in Ägypten geblieben ist, wissen wir nicht.

Bemerken wir noch, dass es hier nicht heißt: „Nimm Deine Frau und das Kind“, sondern: „Nimm das Kind und seine Mutter…“. Nicht Maria als seine Mutter stand im Vordergrund, sondern das Kind Jesus. Es ist schön zu sehen, wie Gott sogar bei solch einfachen Aufforderungen und obwohl – menschlich gesprochen – der Herr Jesus noch ein kleines Kind war, darüber wacht, dass sein geliebter Sohn der Mittelpunkt der Ereignisse ist; Er hat Ihn zuallererst vor Augen. Geht es auch uns immer zuerst um Ihn?

Das Land Israel

Wohin sollte die Reise gehen? „In das Land Israel“ – so heißt es zweimal. Man liest leicht über diesen Ausdruck hinweg, dabei hat er eine große Bedeutung. Der Herr sollte nicht einfach in eine Stadt des Landes ziehen wie Bethlehem. Nein, Er sollte in das Land Israel gehen. Israel war nicht einfach ein Land wie Ägypten oder China. Joseph sollte in das Land zurückkehren, auf dem die ganzen Verheißungen Gottes lagen.

Wir erinnern uns noch einmal an die Eingangsworte dieses Buches. Es geht um den, der nicht nur Sohn Davids war, sondern zugleich auch „Sohn Abrahams“. Für Abraham waren die Verheißungen mit dem Land Kanaan, mit dem Land Israel verbunden. In dieses Land göttlichen Segens, selbst wenn Gott ihn wegen der Sünde des Volkes nur hier und da geben konnte, sollte Joseph mit Maria und Jesus jetzt wieder ziehen. Denn Gott wollte, dass sein Sohn auf diesem Boden des dem Abraham verheißenen Landes sein Leben führte, wo Er später von dem Volk ans Kreuz gebracht würde.

Joseph ist gehorsam. Er tut genau das, was Gott ihm aufträgt und zieht in das Land Israel. Ob auch wir immer einen solchen Gehorsam an den Tag legen und unseren Herrn dadurch ehren, selbst wenn es beschwerlich ist und wir es uns eigentlich leichter machen könnten?

Verse 22.23: Der Nazaräer

„Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrsche anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen; als er aber im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in das Gebiet von Galiläa und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: ‚Er wird Nazaräer genannt werden.‘“ (Verse 22.23).

In Ägypten hatte Joseph durch einen Traum erfahren, dass der grausame Herodes nicht mehr am Leben war. Unterwegs hörte er, dass aber an Herodes Stelle in Judäa dessen Sohn Archelaus an der Macht war. Dieser Mann ist in der Geschichte als Herodes Archelaus bekannt. Er hat wohl einen Aufruhr der Pharisäer blutig niedergeschlagen. Aufgrund seiner schlechten Regierung wurde er jedoch schon im Jahr 6 nach Christus abgesetzt und nach Vienna in Gallien (Frankreich) versetzt.

Zurück nach Nazareth

Wir lesen, dass Joseph sich fürchtet, was mit seinem uns bisher geschilderten Charakter übereinstimmt. Aber wir wollen nicht geringschätzig über seine Furcht denken, da wir solche Umstände hier nicht kennen und in Deutschland derzeit überhaupt nicht mit einer spürbaren Verfolgung zu rechnen haben. Das allerdings kann sich sehr schnell ändern, wenn Gott uns nicht weiter die Güte eines ruhigen und stillen Christenlebens schenkt und bewahrt (vgl. 1. Tim 2,2).

Wieder kommt Gott Joseph zu Hilfe, wie Er jedem helfen wird, der in Aufrichtigkeit vor Gott lebt und seine eigene Schwachheit anerkennt. Wohlgemerkt – es gibt niemanden und bestimmt keinen Christen, der nicht in dem einen oder anderen Punkt seines Lebens „schwach“ wäre. Grenzen besitzen wir alle, und Schwachpunkte ebenfalls. Jeder weiß das selbst von sich am besten!

Joseph darf nach Nazareth ziehen, das zum Gebiet Galiläas gehört. Wie wir schon gesehen haben, gab es ohnehin keine Bereitschaft, den König in dem Gebiet der Hauptstadt Israels, Jerusalem, aufzunehmen. Das Volk hatte noch keine zubereiteten Herzen – und der Dienst des Herrn, um diese zu bewirken, stand auch noch nicht unmittelbar vor der Tür. So wird Joseph geleitet, in den Norden Israels zu ziehen.

Nazareth 11 war, wie wir vorher bereits gesehen hatten, die Wohnstadt von Joseph und Maria, bevor sie nach Bethlehem wegen der Einschreibungspflicht ziehen mussten. Auch die ersten Monate im Leben Jesu hat die Familie dort zugebracht (Lk 2,39). So verstehen wir gut, dass die Familie dort auch wieder hinziehen wollte.

Der verachtete Nazaräer

Nachdem das Stichwort „Nazareth“ gefallen ist, lesen wir im heiligen Text, dass damit alttestamentliche Weissagungen der Propheten erfüllt wurden. Wir haben weiter oben schon von verschiedenen „Erfüllungsarten“ der Prophetie gesprochen. Die hier benutzte Form deutet an, dass Vorhersagen in gewissem Umfang, in gewisser Hinsicht erfüllt werden. Man wird vergeblich im Text des Alten Testaments nach einem „Nazaräer“ suchen.

Was ist also damit gemeint, dass die Propheten gesagt haben: „Er wird Nazaräer genannt werden“? Nazareth war der verachtetste Ort in Israel. Erstens lag er in Galiläa, einem Landstrich, der von den Leuten aus Judäa verachtet wurde. Zweitens schauten sogar die Galiläer selbst geringschätzig auf Nazareth herab. Wir erinnern uns an die Worte des Galiläers Nathanael, von dem der Herr Jesus sagen konnte: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist“ (Joh 1,47): „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ (Vers 46). Also selbst für solche treue Juden, die man zu den gläubigen Übriggebliebenen rechnen kann, die also auf den Messias warteten, war dieser Ort verachtenswert.

So können wir diesen Titel „Nazaräer“ als ein Synonym für „Verachteten“ auffassen. Und davon sprechen die Propheten des Alten Testaments tatsächlich. An früherer Stelle haben wir schon gesehen, wie die Juden mit ihrem Messias, mit ihrem Richter umgehen würden: „Mit dem Stab schlagen sie den Richter Israels auf die Wange“ (Micha 4,14).

Bekannt sind auch die Worte des Propheten Jesaja: „Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet“ (Jes 53,3). Schließlich denken wir an die Worte des Propheten David: „Und sie gaben in meine Speise Galle, und in meinem Durst gaben sie mir Essig zu trinken“ (Ps 69,22).

Was für ein Hinweis am Ende dieses ersten Teils, eigentlich der Einleitung des Matthäusevangeliums! Der König, um den es in diesem Buch geht, war schon im Alten Testament als der Leidende angekündigt worden, der verachtet und hinweggetan werden würde. Dieser König war von Gott anerkannt, aber verworfen von den Menschen.

Wir bewundern Ihn, dass Er unter diesen Vorzeichen gekommen ist. Dabei bedenken wir: Er selbst hat diese Prophezeiungen gegeben und aussprechen lassen. Er wusste das Ende von Anfang an, unser hochgelobter Retter und Herr!

Auf der anderen Seite ist es schön, eine Weissagung Jesajas einzubeziehen, die später in diesem Evangelium auch zitiert wird (4,15–17). Es ist gerade dieses Nazareth, das zum Gebiet Sebulons und Naphtalis gehört, das „ein großes Licht gesehen“ hat. „Die da wohnen im Land des Todesschattens, Licht hat über ihnen geleuchtet“ (Jes 9,1).

Gerade in der Finsternis lässt Gott sein Licht leuchten – dort wird es am ehesten angenommen. Hier in Sebulon wird das Licht des Messias aufgehen. Wer wird es annehmen?

Die Namen und Titel des Königs in Kapitel 1 und 2

Am Ende dieses Teils möchte ich gerne den Vorschlag des Auslegers F. B. Hole aufgreifen, der die verschiedenen Namen des Herrn Jesus nennt, die sich bereits in den ersten beiden Kapiteln dieses Evangeliums finden.

  1. Jesu Christi (1,1.18): die Person, die als Mensch hier auf der Erde lebte, aber zugleich der von Gott geschenkte Messias (Christus) war. Von Ihm spricht dieses Evangelium.
  2. Sohn Davids (1,1): derjenige, der Anspruch auf den Thron Davids hat, weil Er rechtmäßiger Erbe und Nachkomme ist.
  3. Sohn Abrahams (1,1): der Träger der Verheißungen, die Abraham gegeben worden sind: Der Segen besteht sowohl aus Personen, die Ihm geschenkt werden, als auch aus dem Land, über das Er herrschen wird.
  4. Jesus (1,16.21.25): das Kind, das Baby, das dort im Stall geboren wurde und so unscheinbar war – und doch wohnte von Beginn an die Fülle der Gottheit leibhaftig in diesem kleinen Kind.
  5. Der Christus (1,16.17; 2,4): der von Gott Gesalbte, von dem Psalm 2 sagte: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
  6. Herr (1,22; 2,15): Jesus Christus ist niemand anderes als der Herr des Alten Testaments, der Jahwe, der Ewige.
  7. Emmanuel (1,23): der Mensch, der „Gott mit uns ist“. Gott ist Mensch geworden, ohne aufzuhören, Gott zu sein. Gott hat den Menschen besucht, Er ist „mit uns“ in der Person seines Sohnes, unseres Herrn.
  8. König der Juden (2,2): Von Geburt an war Christus der wahre König, dem Gott das Zepter über sein irdisches Volk gegeben und anvertraut hat.
  9. Führer (2,6): Der Herr Jesus besitzt Autorität in sich selbst, aber auch die Weisheit, ein ganzes Volk zu Gott zu bringen.
  10. Mein Sohn (2,15): Gott hat eine ganz persönliche Beziehung zu dem Herrn Jesus. Er ist sein Sohn.
  11. Kind (2,9.13.20.21): Man sah ein unscheinbares Kind – aber was für eine Herrlichkeit kann und konnte derjenige in Ihm sehen, der Ihn liebt!
  12. Nazaräer (2,23): Christus ist zugleich der Verachtete, mit dem man nichts zu tun haben will. Was kann aus Nazareth Gutes kommen?

Fußnoten

  • 1 Wobei es wahr ist, dass es auch eine zweite Gruppe von Magiern gab, die als Zauberer umher gingen. Aber darum scheint es sich in diesem Fall nicht zu handeln.
  • 2 Das Passahfest des Jahres 8 v. Christus begann am 4. April (7 v. Chr.: am 25. März, 6 v. Chr.: am 12. April).
  • 3 Das ist die 9. Woche, weil in der Passahwoche alle Priesterklassen Dienst hatten. Die 10. Woche – also die Woche nach dem Dienst von Abia – war die Woche des Wochenfestes (Pfingstfest), bei der wieder alle Dienst hatten, also auch Zacharias.
  • 4 Von einer Konjunktion zweier Planeten spricht man, wenn sie sich am Sternhimmel scheinbar begegnen, aus der Perspektive eines Menschen auf der Erde.
  • 5 Andere glauben, dass in der Zeit der Geburt Jesu zwei oder mehr Himmelskörper (Jupiter, Saturn, Mars, Merkur und Venus) eine solche Konstellation hatten, dass sie zusammen ein helles Leuchten verursacht haben (möglicherweise in einem bestimmten Sternbild). Ein solche Konjunktion zwischen den Planeten Jupiter und Saturn gab es in der Tat 7/6 v. Chr., deshalb soll in dem Jahr die Geburt des Herrn Jesus stattgefunden haben. Doch allen Theorien haftet der Mangel an, dass sie eine mehr oder weniger natürliche Erklärung für ein von Gott geschenktes Wunder darstellen.
  • 6 Die einmalige Erscheinung und das neue Erscheinen sprechen sowohl gegen einen Meteor als auch gegen andere Planeten- oder Sternkonstellationen. Gott hat in wunderbarer Weise angesichts der wunderbaren Geburt und Kindheit des Herrn Jesus eingegriffen.
  • 7 Weihrauch ist sicher nicht im engeren Sinn ein Gewürz. In Verbindung mit 2. Mose 20,34 und Hohelied 3,6 kann man den Weihrauch jedoch vielleicht unter diese Gruppe fassen.
  • 8 Eine interessante Anlehnung an diese Flucht findet sich auch in der Offenbarung. In Offenbarung 12,5.6 wird von der Flucht der Frau (ein Bild von Israel) und der Entrückung des Kindes (das ist Christus) gesprochen – alles Hinweise auf die Verfolgung des vorhergesagten Nachkommen.
  • 9 Zu der Frage, was für eine Art von Erfüllung hier gemeint ist, verweise ich auf die Erklärung zu Matthäus 1,23.
  • 10 An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Hinweis auf den Text geben, den Matthäus zitiert. Oftmals wird im Neuen Testament in den Zitaten des Alten Testaments die griechische Übersetzung des hebräischen Textes, die sogenannte Septuaginta, zitiert. Das ist nicht durchgängig so. Von den 57 Zitaten, die Matthäus aus dem Alten Testament anführt, sind 9 der Septuaginta entnommen (vgl. Arend Remmers, Das Neue Testament im Überblick, S. 183). In dem Fall von Hosea 11,1 ist dies von besonderer Bedeutung, da die Septuaginta von „seinen Kindern“ spricht. Im hebräischen Text ist dagegen von „meinem Sohn“ die Rede. Nur das kann man auf den Herrn Jesus beziehen! So genau zitiert der Heilige Geist, der als einziger das Recht besitzt, die Version zu zitieren, die seiner Zielrichtung entspricht.
  • 11 In Nazareth herrschte übrigens nach dem Ableben von Herodes ein anderer von dessen Söhnen: Herodes Antipas. Das ist der Mann, der sich in seine Schwägerin und Nichte verliebte und ihretwegen Ehebruch beging. Johannes der Täufer hielt Herodes diesen Ehebruch öffentlich vor und wurde ins Gefängnis geworfen und später dann enthauptet (vgl. Mt 14,1 ff.). Es war auch dieser Herodes Antipas, der angesichts der Ereignisse um die Verurteilung des Herrn Freund von Pilatus wurde (Lk 23,7 ff.).
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