Das Matthäusevangelium - Eine Auslegung

Kapitel 1

Kapitel 1 und 2: Der König kommt zu seinem Volk

Damit kommen wir zur konkreten Betrachtung dieses wunderbaren Evangeliums. Ziel ist es dabei zunächst, den Herrn Jesus in seiner Herrlichkeit – auch in seiner Erniedrigung – als König Israels besser kennen zu lernen. Daneben wollen wir erforschen, inwieweit sich dieses Evangelium von den anderen drei Evangelien unterscheidet. Schließlich wird uns beschäftigen, was wir, die wir treue Jünger des Herrn Jesus Christus sein wollen, für unsere Nachfolge hinter Christus her lernen können.

Aus den ersten beiden Kapiteln erkennen wir, wie der Herr Jesus zu seinem Volk Israel, hauptsächlich beschränkt auf Juda und Benjamin, kommt. Woher wissen wir, dass Jesus Christus wirklich der verheißene König ist? Wer ist dieser König eigentlich? Und wie nimmt Ihn sein eigenes Volk auf? Gibt es Reaktionen von anderen Ländern der Welt? Das sind wichtige Fragen, die in den ersten beiden Kapiteln beantwortet werden.

Kapitel 1: Christus, der König, tritt in diese Welt ein

Vielfach ist dem Volk Israel im Alten Testament sein König angekündigt worden: „Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: Gerecht und ein Retter ist er, demütig und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, einem Jungen der Eselin“ (Sach 9,9). „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter... Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit“ (Jes 9,5.6). „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich David einen gerechten Spross erwecken werde; und er wird als König regieren und verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land“ (Jer 23,5). Das sind drei Beispiele unter vielen anderen, die das Kommen des Messias ankündigten. Das Volk erwartete also seine Erscheinung.

Ist Jesus der verheißene Messias?

Als Jesus in diese Welt kam, stellte sich das Volk die Frage: Ist dieser Jesus aus Nazareth möglicherweise der Christus1, also der Messias des Volkes Israel, der erwartete König? Denn dafür gab es Anzeichen! Wenn ja, stellt sich die weitere Frage: Warum hat Er dann nicht sofort sein Königreich in Israel aufgerichtet und angetreten? Ist seine Mission gescheitert, oder gibt es andere Gründe, die das Aufrichten des Reiches aufgeschoben haben?

Beide Fragen werden im Verlauf dieses Evangeliums ausführlich behandelt und beantwortet. Sogar im ersten Kapitel findet man die wesentlichen Antworten, die man auf diese Fragen geben kann.

Anforderungen des Alten Testaments an den Messias

Wenn jemand als der wahre und verheißene König erkannt werden wollte, musste er mehrere Bedingungen des Alten Testaments erfüllen. Er musste – wie wir weiter oben schon gesehen haben – „durch die Tür des Alten Testaments“ zu seinem Volk kommen, das heißt, das Alte Testament musste ihn als den Messias bestätigen. In dem ersten Kapitel werden folgende Bedingungen behandelt:

  1. Der wahre König muss aus der Königslinie der zwölf Stämme Israels kommen. Diese war in Israel der Stamm Juda. Jakob macht das in seinem Segen deutlich: „Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis Schilo [das heißt der Ruhebringende, oder der Friedenschaffende] kommt, und ihm werden die Völker gehorchen“ (1. Mo 49,10). Aber auch das reichte nicht. Der wahre König konnte nicht irgendwie von David abstammen – Er musste Nachkomme Salomos, Nachkomme Rehabeams..., Nachkomme Hiskias,... Nachkomme Josias usw. sein. Die Auswahl wird also immer enger!
  2. Wenn der Messias in positiver Hinsicht ein Nachkomme der aufgezählten Könige sein musste, so durfte Er jedoch kein leiblicher Nachkomme von Jekonja sein, denn von diesem wurde geweissagt: „So spricht der HERR: Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, der kein Gelingen hat in seinen Tagen; denn von seinen Nachkommen wird nicht einer auf dem Thron Davids sitzen und fortan über Juda herrschen“ (Jer 22,30). Aufgrund der Untreue der Könige Judas und der Gottlosigkeit Jekonjas sollte keiner seiner Nachkommen auf dem Thron sitzen.
  3. Die erste Bedingung bedeutet implizit – und dieser Punkt ist vor dem Hintergrund der nächsten Bedingung nicht ganz unwichtig – dass der verheißene König als Nachkomme Davids Mensch sein musste.
  4. Zugleich durfte der verheißene König jedoch nicht einfach leiblicher Nachkomme der Königslinie Davids sein, denn der Messias sollte mehr als ein Mensch sein. Als Jesaja dem ungläubigen Ahas auftrug, ein sichtbares Zeichen für die angekündigte Rettung zu fordern, wollte dieser diesem Auftrag nicht folgen. So gab der HERR durch Jesaja selbst ein Zeichen: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen“ (Jes 7,14). Es wird deutlich: Derjenige, der Messias über Israel werden sollte, musste von einer Jungfrau geboren werden – das heißt, er müsste eine übernatürliche Geburt bzw. Zeugung erleben. Denn eine Jungfrau kann unter normalen Umständen kein Kind gebären.
  5. In der Konsequenz heißt dies, dass der Messias von Gott selbst gezeugt werden und daher Gott sein muss, wie es auch durch den Namen deutlich wird: Immanuel, das heißt, Gott mit uns. Bestätigt wird dies durch Psalm 2: „‚Habe ich doch meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!‘ Vom Beschluss will ich erzählen: Der HERR hat zu mir gesprochen: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“ (Ps 2,6.7).

Es ist vollkommen klar, dass diese Bedingungen zusammen – menschlich gesprochen – unerfüllbar waren. Wie konnte jemand Nachkomme der königlichen Linie Davids sein und zugleich kein Nachkomme des Königs Jekonja? Wie konnte jemand Mensch und zugleich Gott sein? Damit waren die Anforderungen an den Messias so unerreichbar hoch, dass niemand ihnen entsprechen konnte. Doch, es gab einen! Nämlich derjenige, der in diesem Evangelium eingeführt wird als der Sohn Davids und der Sohn Abrahams, als Mensch und Gott in einer Person, als der von Gott Gesandte und als Mensch Geborene, als der Nachkomme Davids in der Königslinie (da Joseph Ihn als Sohn angenommen hat) und doch als der, der „nur“ von Maria geboren wurde, die zwar Nachkomme Davids war, nicht jedoch mit natürlicher Abstammung von David und Jekonja in der Königslinie.

Vers 1: Die Überschrift des Matthäusevangeliums

Den ersten Vers kann man wie eine Überschrift über das gesamte Evangelium setzen:

„Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“

Gott leitet dieses erste von vier Evangelien mit drei Namen bzw. Titeln seines Sohnes ein. Es ist ein Buch des Geschlechts. Während Markus sein Buch „Evangelium“ Jesu Christi nennt – also eine Botschaft über und von Jesus Christus –, spricht Lukas von einem „Bericht“ über das Leben des Herrn. Johannes beginnt sein Evangelium ganz unvermittelt, indem er auf eine Zeit zurückgreift, die sich unseren Vorstellungen entzieht und nach unseren Maßstäben nicht einmal Zeit genannt werden kann.

Matthäus dagegen will uns das „Geschlecht Jesu Christi“ in seinem Buch darlegen. Damit wird die Wichtigkeit der Vorfahren und zugleich dieser Hauptperson betont. Darüber hinaus verbinden wir mit dem Ausdruck „Geschlecht“ aber auch die Geburt und das Leben dieser Person – sogar die Nachkommen, in diesem Fall geistliche Nachkommen, die es immer geben wird. So ist es sicher nicht von ungefähr, dass gerade dieses Evangelium damit endet, dass es eigentlich gar nicht endet – es geht in der Vollendung der Zeitalter auf. Auch dann wirkt diese herrliche Person noch immer, deren Geschlecht hier beschrieben wird.

Das Buch dieses Geschlechts steht auch im Gegensatz zu dem ersten Buch, das wir in der Bibel finden – gleich nach der Schöpfung und dem Sündenfall. Es handelt sich um das „Buch von Adams Geschlechtern“ (1. Mo 5,1) – ein trauriges Buch voller Versagen und Feindschaft gegenüber Gott. Hier in Matthäus 1 haben wir dagegen das Geschlecht einer einzigartigen Person, dem letzten Adam (1. Kor 15,45).

Um wen handelt es sich? Christus wird von Matthäus genannt:

Die ersten Namen des Königs im Matthäusevangelium

  • Jesus Christus – der Mensch, der hier auf der Erde der wahre Messias ist – denn Christus ist, wie gesagt, die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Messias. Matthäus darf über denjenigen schreiben, welcher der von Gott gesandte und gesalbte König über Israel sein soll – ja einmal auch der von dem Volk Israel und von allen Völkern anerkannte Gesalbte sein wird.
  • Sohn Davids – der rechtmäßige Erbe des Königsthrones Davids. Er wird dieses Erbe antreten, wenn Er wiederum in diesen Erdkreis eintreten wird (vgl. Heb 1,6). Es gab viele Könige in Israel – aber es gibt nur den Einen, welcher der wahre König in Gerechtigkeit über Israel ist.
  • Sohn Abrahams – der Erbe und damit Träger der Verheißungen, die weit über Israel hinausgehen und sich mit den Sternen des Himmels genauso verbinden wie mit dem Sand des Meeres. Er ist der Erbe aller Verheißungen, seien sie himmlischer oder irdischer Natur, betreffen sie das Volk oder auch das Land. Christus besitzt sie sowieso als der ewige Sohn Gottes – aber sie sind Ihm auch verheißen als dem Sohn des Menschen. Als solcher wird Er sie ausüben, denn Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde.

Sohn Davids – Sohn Abrahams

Die Person, von der man in diesem ersten Kapitel und im ganzen Evangelium lesen kann, ist also der wahre Salomo (Sohn Davids) und der wahre Isaak (Sohn Abrahams). Natürlich sind diese beiden Söhne nicht „als historische Personen“ gemeint. Dies wird aus dem Bibeltext deutlich, da der Artikel vor „Sohn“ jeweils fehlt. Aber man denkt, wenn von dem Sohn Davids und Sohn Abrahams gesprochen wird, unwillkürlich auch an Salomo und Isaak.

Salomo war der Geliebte des HERRN (2. Sam 12,25) und auch der geliebte Sohn Davids. Das ist ein treffender Hinweis auf den Herrn Jesus als König, geliebt von seinem Gott und zugleich der friedenbringende und der in Frieden regierende König (das ist die Bedeutung des Namens Salomo).

Isaak war der eine, geliebte Sohn seines Vaters, mit dem dieser auf dem Weg nach Morija in einmaliger Weise Gemeinschaft hatte. Spricht das nicht davon, dass der Herr Jesus als der ewige Sohn Gottes auch hier auf der Erde der geliebte Sohn des Vaters war, der in Gemeinschaft mit Ihm sein Leben führte und den Weg mit Ihm hin nach Golgatha ging? Alles das hat der Herr Jesus als der Messias erfüllt. So ist Christus derjenige, in dem sich die Verheißungen Davids und Abrahams, des Sohnes Davids und des Sohnes Abrahams erfüllen.

Es ist im Übrigen nicht von ungefähr und erst recht kein Fehler, dass David vor Abraham genannt wird. Auch wenn Abraham früher gelebt hat als David, fängt der Herr Jesus im Vorwort mit David an. Der Grund liegt auf der Hand, wir haben schon darüber nachgedacht: Es geht in diesem Evangelium besonders um den König – und der Prototyp für den König war David. Als sein Nachkomme, obwohl Christus zugleich auch im Alten Testament sein Herr genannt wird, tritt der Herr Jesus vor unsere Augen. Wir Menschen hätten sicher die andere Reihenfolge gewählt. So finden wir – Punkt für Punkt – Beweise der bewundernswerten Inspiration der Bibel!

Doch sogleich folgt Abraham, der dann im Geschlechtsregister natürlich an der ersten Stelle steht. Denn auch in diesem Evangelium lernen wir, dass der Herr Jesus seinen Segen nicht auf Israel beschränkt. Ganz besonders nicht, nachdem Er als der verheißene König von Anfang an (Kapitel 2) von seinem Volk und besonders des Obersten des Volkes abgelehnt, verworfen, ja aus dem Ihm gehörenden Land hinausgeworfen wird. Durch die Erwähnung Abrahams schon im ersten Vers werden dessen weitläufigen Segnungen und Anrecht auf das Land Christus ebenfalls zugesprochen. Auch wenn der Christus abgelehnt wird, bleiben die über die Grenzen Israels hinausgehenden bedingungslos gegebenen Verheißungen Abrahams dennoch bestehen und werden in Christus erfüllt. Diese schließen eben die Nationen mit ein (vgl. auch Jes 49,6). So ist der Herr Jesus nicht nur König in und über Israel, sondern zugleich der Herrscher in dieser Welt, dem alle Nationen huldigen werden und müssen (vgl. Phil 2,9–11).

Im ersten Vers wird also schon der Anspruch Christi deutlich, der wahre Sohn Davids zu sein und auf dessen Thron ein Anrecht zu besitzen. Letzteres – das Recht auf die Herrschaft – wird in den nächsten 16 Versen geklärt. Denn ein König braucht als Nachweis seines Anspruchs auf den Thron ein Geschlechtsregister.

Verse 2–17: Das königliche Geschlechtsregister – mit 5 Frauen

Ein König kann durch den Hinweis auf seine Abstammung seinen Anspruch auf den Thron beweisen. Oftmals wird er ein entsprechendes Geschlechtsregister zugleich als Hinweis auf seine ehrwürdigen Vorfahren verstanden wissen wollen. War das bei Christus ebenso? Wir werden die Antwort bei der Betrachtung dieses Verzeichnisses finden.

Ein Vergleich mit den anderen Evangelien

Bevor wir zu den Einzelheiten gehen, wollen wir noch einen kurzen Blick auf die anderen Evangelien werfen.

Ein Diener braucht seine Vorfahren nicht hervorzuheben – daher finden wir bei Markus kein Geschlechtsregister. Sein Evangelium zeigt von Anfang an, dass der Diener ausschließlich unterwegs ist, um zu dienen.

Der ewige Sohn Gottes kann kein Geschlechtsregister haben, denn Er ist derjenige, der geschaffen hat, welcher der Anfang und das Ende ist – Vorfahren sind bei Ihm undenkbar. Daher beginnt Johannes mit einem Blick in die „Zeit“ vor Grundlegung der Welt, als der Ewige als das Wort schon immer war.

Lukas wiederum beschäftigt sich mit dem Herrn Jesus in seiner Menschheit. Da ist es passend, dass gezeigt wird, dass seine Linie wirklich bis auf Adam, ja den Schöpfer-Gott, der Adam geschaffen hat, zurückzuführen ist. Wir bewundern Ihn dabei – denn der, der als Mensch auf die Erde kam, ist zugleich derjenige, der als der Schöpfer Adam geschaffen hat... Dabei fällt natürlich auf, dass Lukas das Geschlechtsregister nicht an den Anfang seines Evangeliums stellt. Warum tut der Geist Gottes dies? Lukas wendet sich in seinem Evangelium nicht so sehr an Juden, sondern an Menschen aus den Nationen. Diese waren im Unterschied zu den Juden nicht auf Geschlechtsregister fixiert. So zeigt ihnen Lukas erst etwas über die Person, über die er schreiben würde. Dann zeigt er, dass diese Person nicht einfach mitten in die Geschichte hineingeboren wurde, sondern wirklich in einer Linie zurückzuführen ist bis auf Adam, also ein wahrer „Sohn des Menschen“ ist. Daher hat sein Geschlechtsregister auch die umgekehrte Reihenfolge wie bei dem, das wir hier bei Matthäus finden.

Ein weiterer Unterschied zwischen dem Geschlechtsregister bei Lukas und dem bei Matthäus ist, dass, da es bei Lukas nicht um die Thronfolge geht, auf Maria und nicht auf Joseph der Schwerpunkt liegt. Es führt zwar auch zu David – aber über die Linie Nathans, wahrscheinlich des dritten Sohnes von Bathseba (vgl. 1. Chr 3,5). Manche Ausleger haben das Geschlechtsregister in Lukas die „Linie der Gnade“ genannt, das in Matthäus „die Linie des Gesetzes“, nämlich der gesetzlichen Erbfolge. Da das Verzeichnis bei Matthäus Abraham als Ursprung hat, ist es zugleich die Linie der Verheißung, die über Jahrhunderte hin verborgen, endlich ihre wahre Erfüllung in der Geburt Jesu findet. Es ist das Geschlechtsregister von Joseph, dem Mann der Maria, der den Herrn Jesus als Sohn annahm (Mt 1,24), ohne leiblicher Vater Jesu zu sein.

3x 14 Geschlechter

„Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder; Juda aber zeugte Perez und Serach von der Tamar; Perez aber zeugte Hezron, Hezron aber zeugte Ram, Ram aber zeugte Amminadab, Amminadab aber zeugte Nachschon, Nachschon aber zeugte Salmon, Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Isai, Isai aber zeugte David, den König.

David aber zeugte Salomo von der, die Urias Frau gewesen war; Salomo aber zeugte Rehabeam, Rehabeam aber zeugte Abija, Abija aber zeugte Asa, Asa aber zeugte Josaphat, Josaphat aber zeugte Joram, Joram aber zeugte Ussija, Ussija aber zeugte Jotham, Jotham aber zeugte Ahas, Ahas aber zeugte Hiskia, Hiskia aber zeugte Manasse, Manasse aber zeugte Amon, Amon aber zeugte Josia, Josia aber zeugte Jekonja und seine Brüder zur Zeit der Wegführung nach Babylon.

Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jekonja Schealtiel, Schealtiel aber zeugte Serubbabel, Serubbabel aber zeugte Abihud, Abihud aber zeugte Eljakim, Eljakim aber zeugte Azor, Azor aber zeugte Zadok, Zadok aber zeugte Achim, Achim aber zeugte Elihud, Elihud aber zeugte Eleasar, Eleasar aber zeugte Matthan, Matthan aber zeugte Jakob, Jakob aber zeugte Joseph, den Mann der Maria, von der Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird.

So sind nun alle Geschlechter von Abraham bis auf David vierzehn Geschlechter, und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter, und von der Wegführung nach Babylon bis auf den Christus vierzehn Geschlechter“ (Mt 1,2–17).

Dieses königliche Geschlechtsregister ist von Verfall gezeichnet! Es ist schon erstaunlich, dass Matthäus sein Evangelium gleich mit der traurigen, von Verfall geprägten Geschichte des Volkes beginnt. Und das sogar mittels einer eigentlich „neutralen“ Aufzählung der Geschlechter! Aber das geschieht – wie alles von Gott Gegebene – mit bestimmter Absicht.

Die grundsätzliche Einteilung dieser Geschlechter gibt Matthäus in Vers 17 selbst an. Das Geschlechtsregister ist in drei wichtige Zeitperioden des irdischen Volkes Israel aufzuteilen. Diese Epochen kennzeichnet jeweils ein bestimmter Charakter, auf den wir später näher eingehen wollen:

  1. die Zeit von Abraham bis David: Verheißung ist der vorherrschende Gedanke dieser Epoche.
  2. die Zeit von David bis zur Wegführung nach Babylon ist gekennzeichnet von Niedergang.
  3. die Zeit nach der Wegführung bis zur Geburt des Herrn: Finsternis zeichnet sie aus.

Aber wie so oft: Wenn die Finsternis groß ist, scheint das Licht umso heller hervor: Die Finsternis musste weichen, als das Licht in diese Welt kam (vgl. Joh 1,4.5).

Warum sind es jeweils 14 Geschlechter?

Ganz offensichtlich ist die göttliche Absicht, jeweils 14 Personen den drei Zeitperioden zuzuordnen. Das fällt deshalb auf, weil zumindest in den beiden ersten Zeitabschnitten sogar Generationen weggelassen wurden, um – unter anderem – auf jeweils 14 Generationen zu kommen; da wir aus der dritten Periode kaum jemanden kennen, kann dies für diese Personengruppe nicht beurteilt werden.

Bekanntermaßen kann man die Zahl 14 in 2x7 aufteilen.

Die Zahl 7 wird in Verbindung mit dem Volk Israel immer wieder betont: 70 Jahre Gefangenschaft in Babel (Jer 25,12; 29,10; Dan 9,2); 70 Jahrwochen (Dan 9,24); 70 Seelen des Hauses Jakob (1. Mo 46,27).

Immer wieder stellen wir fest, dass die Zahl 7 in der Schrift darüber hinaus mit einer Vollkommenheit bzw. Vollständigkeit verbunden wird. Wenn wir den Herrn Jesus anschauen, ist es eine Vollkommenheit im Guten (Off 5,6; die sieben Aussprüche Jesu am Kreuz, usw.). Aber es gibt auch eine negative Vollkommenheit, wenn man an den Teufel in Offenbarung 12,3 oder an das erste Tier (den kommenden Herrscher des Römischen Reiches) in Offenbarung 13,1 denkt. In Matthäus 1 scheint die negative Bedeutung ebenfalls eine Rolle zu spielen: Das Volk Israel hat in Vollkommenheit (Zahl 7) gezeigt und bewiesen, dass es unfähig ist, den verheißenen König zu stellen.

Die Zahl 2 spricht oft von Zeugnis ablegen: Dies erkennen wir etwa bei den beiden Gesetzestafeln, wo zwei Zeugen für eine Verurteilung erforderlich waren.

Zugleich aber sehen wir das Zeugnis (Zahl 2) göttlicher Vollkommenheit (Zahl 7). Denn Er gab sein Volk dennoch nicht auf und trug es über die drei Zeitperioden hinweg in Gnade, um die königliche Linie trotz schrecklichen Versagens aufseiten des Volkes und seiner Führer aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass der verheißene König geboren werden konnte 2. Man kann dabei nur an die Worte von Römer 5,20 erinnern: „Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden“ – in Christus Jesus!

Von Abraham bis zum König David

Die erste Zeitperiode umfasst die Zeit, in der die Verheißungen Gottes von einer Person an die nächste weitergetragen wurden, bis der König nach dem Herzen Gottes (1. Sam 13,14) auf den Thron kam. Neben der Erwähnung von drei Frauen – darauf kommen wir im Anschluss an diesen Teil zurück – fallen weitere Besonderheiten auf:

  • Gott nennt Jakob bei seinem alten Namen, also nicht „Israel“. Auch wenn es um das Geschlechtsregister des Königs von ganz Israel geht, sieht Gott doch auch die einzelne Person. Jakob trug allerdings auch noch nicht den Namen „Israel“ (1. Mo 32,28), als er Juda und seine Brüder zeugte, was ein weiterer Grund für die Erwähnung seines alten Namens ist.
  • Juda wird als Sohn Jakobs nicht für sich allein genannt, sondern „Juda und seine Brüder“. Das macht deutlich, dass es in diesem Geschlechtsregister wirklich um die Abstammung des verheißenen Königs und um seinen Bezug zu dem ganzen Volk Israel geht. Das Volk wurde gebildet aus den zwölf Stämmen, nicht nur aus dem Stamm Juda, auch wenn er als Königsstamm sicherlich eine besondere Stellung hatte.
  • Als Söhne von Juda werden sowohl Perez als auch Serach erwähnt. Damit weist der Heilige Geist wohl auf die Umstände dieser Zeugung – die Sünde von Juda und Tamar – hin.
  • Der Schlusspunkt und sicher zugleich Höhepunkt dieser ersten Gruppe sowie des gesamten Geschlechtsregisters (wenn man von der Erwähnung der Geburt Jesu absieht) ist David. Er wird als einziger König genannt. Nicht Salomo, nicht Hiskia, usw., nur David erhält diese Ehrenbezeichnung. Damit wird noch einmal Bezug auf Vers 1 genommen und zugleich unterstrichen: Es geht um das Geschlechtsregister des Königs, des Messias, des Christus!
  • Zwischen der Geburt von Perez und der von David liegen deutlich mehr als 800 Jahre. Dennoch werden hier nur 10 Geschlechter genannt. Offensichtlich werden hier Generationen übergangen, wie auch schon am Ende des Buches Ruth 3. Hier wird noch einmal deutlich: Gott wollte jede Zeitperiode mit 14 Geschlechtern angeben und lässt daher bewusst eine Reihe von Generationen aus. Es handelt sich nicht um einen Fehler des Matthäus in dieser Aufzählung! 4

Die Zeitperiode von David bis zur babylonischen Gefangenschaft

Im zweiten Zeitabschnitt fällt besonders das Fehlen von drei Königen auf: Zwischen Joram und Ussija fehlen die Könige Ahasja, Joas und Amazja. Warum werden sie nicht genannt? Zunächst geht es wieder darum, dass der Heilige Geist diese Zeit ebenfalls auf 14 Generationen beschränken wollte. Aber Er kürzte diesen Teil nicht einfach um drei Geschlechter am Ende, sondern wählte genau diese drei aus. Eine mögliche Ursache des Fehlens der genannten drei Könige ist ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter- Athalja. Diese böse Frau war eine Schwester Ahabs, des gottlosen Königs Israels von dem es heißt, dass er „tat, was böse war in den Augen des HERRN, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren... Und Ahab tat mehr, um den HERRN, den Gott Israels zu reizen, als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren“ (1. Kön 16,30.33). Athalja hatte sich selbst des Königtums Judas bemächtigt und zuvor alle königlichen Nachkommen (bis auf ihren Enkel Joas, bei dem es ihr nicht gelang) umgebracht.

Joram selbst war ein Nachkomme Davids – aber die Nachkommen Athaljas, der Ehefrau Jorams und Schwester Ahabs, werden bis in das dritte Glied nicht genannt. Athalja trägt anti-christliche (anti-messianische) Züge. Daher wollte sich Gott ihren Kindern, auch wenn ein Teil von ihnen einen zeitweise gottesfürchtigen Lebenswandel zeigte, nicht in Verbindung gebracht werden. So sehr hasste Gott den Götzendienst Ahabs und die Bosheit Isebels (vgl. Off 2,20–23).

Zwischen Josia und Jekonja fehlen zudem Joahas und Jojakim (Eljakim) und nach Jekonja fehlt Zedekia. Offenbar war es der Wille Gottes, von diesen vier Königen gerade Jekonja (Jojakin) in diese Reihe der Vorfahren Jesu aufzunehmen. Sicherlich nicht, weil er lange regiert hätte, denn seine Regierungszeit dauerte gerade einmal drei Monate und zehn Tage (2. Chr 36,9). Aber es gibt mehrere Gründe, warum es gerade Jekonja (Konja, Jojakin) sein sollte, der hier genannt wird:

  • Erstaunlicherweise wird im Propheten Hesekiel die Zeitrechnung gerade auf diesen Mann bezogen (Hes 1,2; 33,21; 40,1) – nicht auf Zedekia oder einen anderen weggeführten König. Aus diesem Grund wird er möglicherweise auch hier erwähnt.
  • Wie schon weiter oben angeführt, gibt es einen wichtigen Bezug von Jekonja zum verheißenen Messias, und zwar durch einen Fluch Gottes auf jenen Mann: „So spricht der HERR: Schreibt diesen Mann auf als kinderlos, als einen Mann, der kein Gelingen hat in seinen Tagen; denn von seinen Nachkommen wir nicht einer auf dem Thron Davids sitzen und fortan über Juda herrschen“ (Jer 22,30). Trotz dieser Prophezeiung steht Jekonja im Geschlechtsregister des Herrn – wir haben den Grund schon gesehen: eine der Bedingungen, die der Messias erfüllen musste, war, kein leiblicher Nachkomme des verfluchten Jekonjas zu sein. Diese Bedingung war in dem Herrn Jesus erfüllt. Jekonja „musste“ daher zum Beweis, dass der Herr Jesus der Messias war, im Geschlechtsregister erwähnt werden.

Die Zeitperiode von der Wegführung bis auf Christus

Den dritten Zeitabschnitt kann man nur als eine finstere Zeit bezeichnen. Bis auf Jekonja, Schealtiel und Serubbabel spricht Gottes Wort von niemanden aus dieser Zeit, die wir in der Einleitung schon als die 400 stummen Jahre bezeichnet haben. Sie waren aber nicht nur stumm, sondern auch finster in moralischer Hinsicht. Sie glichen einer Nacht, die durch das Erscheinen des Morgensterns beendet wird. Die Nacht dieser dritten Zeitperiode, die nicht dunkler hätte sein können, wird durch ein Licht durchflutet: Christus, der verheißene König, kommt zu seinem Volk.

Wenn wir so über die moralische Nacht der 400 Jahre nachdenken, bemerken wir, dass unsere heutigen Tage dieser Zeit sehr ähneln. So ist es oft in Gottes Wort. Manche Entwicklung, die wir in der Geschichte des Volkes Israel im Alten Testament lesen, wiederholt sich in der Zeit der Christenheit. Unsere Tage werden dunkler und dunkler. Die prophetischen Teile des Neuen Testaments zeugen davon. Aber auch unser Morgenstern, Christus, wird kommen und die Gläubigen in den Himmel holen (Off 22,16). Danach wird Er als die Sonne der Gerechtigkeit hierher zurückkommen und Licht auf dieser Erde verbreiten (Mal 3,20).

Doch kommen wir am Schluss nochmals auf die drei Zeitepochen mit ihren jeweils 14 Geschlechtern zurück. Es fällt auf, dass man bei dem letzten Zeitabschnitt nur dann auf 14 Geschlechter kommt, wenn man Jekonja in dieser Gruppe noch einmal als eigenständiges Geschlecht rechnet. Das war bei David als Verbindungsglied der ersten zur zweiten Gruppe anders. Vielleicht können wir daraus schließen, dass das Ereignis der Wegführung in die Gefangenschaft in den Augen Gottes so dramatisch war, dass Er Jekonja als verantwortlich für diese Wegführung auch in der letzten Gruppe noch einmal mitzählt. Außerdem zeichnet sich diese letzte Gruppe dadurch aus, dass es keinen König in ihrer Mitte gab, ja geben konnte wegen des Fluches über Jekonja. Bis auf den Höhepunkt des Geschlechtsregisters, Christus... 5

Zusammenfassung

Kommen wir jetzt auf unsere Frage zurück, die wir uns vor der Betrachtung des Geschlechtsregisters gestellt haben: Wollte Christus sein königliches Geschlechtsregister zugleich als Hinweis auf seine „ehrwürdigen“ Vorfahren verstanden wissen?

Nach der Betrachtung des Geschlechtsregisters ist die Antwort eindeutig: Nein. Es handelt sich um eine Aufzählung von Personen, die immer wieder und immer mehr durch Versagen, durch eine Abwendung von Gott und teilweise sogar durch Götzendienst geprägt waren. Von den letzten Personen wissen wir überhaupt nichts – ihre Existenz wird ausschließlich in diesem Register erwähnt. Sonst wären sie vollkommen in Vergessenheit geraten.

Warum aber hat sich Gott entschieden, dieses Geschlechtsregister zu wählen, sich solche Vorfahren „auszusuchen“? Wir können in dieser Auswahl nur die göttliche Barmherzigkeit bewundern, finden wir doch schon in diesen Versen einen Hinweis darauf, dass Gott Mensch geworden ist und zu Sündern gekommen ist – zu solchen, die sein Geschlecht bildeten. Wenn Er bereit ist, seine gesetzesmäßigen Vorfahren, die sündig waren, zu akzeptieren, wird Er dann nicht auch alle Menschen, die bereit sind, sich als Sünder anzuerkennen, aufnehmen?

Die fünf Frauen im Geschlechtsregister des Messias

Diese Gedanken finden noch ihre besondere Betonung, wenn wir feststellen, dass fünf Frauen in dem Geschlechtsregister erwähnt werden. Allein die Tatsache, dass überhaupt Frauen aufgeführt sind, ist sehr bemerkenswert, da es ganz und gar unüblich für jüdische Geschlechtsregister ist. Wenn wir uns dann aber näher mit den fünf Frauen – besonders den vier in den Versen 3–6 genannten – beschäftigen, können wir uns noch mehr wundern: Wie konnte der Herr der Herren solche Frauen als Vorfahren nennen, die ein König normalerweise am liebsten aus seinem Geschlechtsregister gelöscht hätte? Dies alles deutet darauf hin, dass der Heilige Geist gerade mit diesen Frauen Gedanken verbindet, die es wert sind, erforscht zu werden.

Zunächst würde man erwarten, dass – wenn schon sogar Frauen in das Geschlechtsregister des Messias Aufnahme finden – diese einen hellen Glanz auf Christus werfen. Aber auch diese Frauen finden – wie auch das Geschlechtsregister insgesamt – keine Erwähnung, weil sie besonders rühmlich für Christus gewesen wären. Dennoch tragen sie zur Herrlichkeit des Herrn Jesus bei, wie wir noch sehen werden! Auch wenn in einer anderen Weise, als man das zunächst erwartet.

Personen der Verachtung

Doch werfen wir zuerst einen Blick auf die Frauen selbst: Tamar, die Schwiegertochter Judas, Rahab, die Hure aus Jericho, Ruth, die Moabiterin, Bathseba, die Frau von Uria und Maria, die Frau von Joseph.

Die Lebensumstände dieser Frauen im Alten Testament – Maria nimmt als unmittelbare Mutter Jesu eine Sonderstellung ein – bieten weiteren Anlass zur Verwunderung. Es sind keine Heldinnen wie Sara, Rebekka und vielleicht noch Lea oder Rahel. Nein, es sind Frauen, die sicher kein Zeitgenosse des Herrn oder auch kein König vor Ihm für nennenswert gehalten hätte. Ob wir ebenfalls hier die Sicht und Einsicht unseres Herrn teilen?

Drei von ihnen waren Nicht-Israelitinnen 6 – Tamar 7, Rahab und Ruth. Keine von ihnen hatte daher ursprünglich ein Anrecht auf die Verheißungen Israels – geschweige denn die Möglichkeit, in die Linie des Messias aufgenommen zu werden. Tamar war Kanaanitin; Rahab ebenfalls; Ruth war Moabiterin.

Drei von ihnen waren nicht nur Sünder, wie alle Menschen, sondern hätten aufgrund ihrer Unzucht nach den Vorschriften Gottes eigentlich sofort zum Tode verurteilt werden müssen (auch wenn das Gesetz auf sie teilweise noch keine Anwendung fand):

  • Tamar – denn ihr Kind, wodurch sie in das Geschlechtsregister hineinkam, war das direkte Ergebnis ihrer Unzucht;
  • Rahab – sie war eine Prostituierte;
  • Bathseba – sie kam durch Ehebruch und Unzucht mit David in die Königsfamilie.

Zwei der vier Frauen kamen direkt durch ihre Sünde in die Königslinie des Herrn: Tamar und Bathseba, auch wenn Juda und David die eigentlich Schuldigen vor Gott waren: Sie wollten sich die schnelle Befriedigung sexueller Begierden auf Kosten des Gehorsams gegenüber Gottes Wort gönnen – das war in ihrem Fall Unzucht.

Auch waren Tamar und Bathseba nicht die ersten (und alleinigen) Partner ihrer Männer: Tamar war überhaupt nicht mit Juda verheiratet – dieser hatte Schua geheiratet – und Bathseba war vermutlich die achte Frau Davids.

Die Nachkommen von drei der vier Frauen waren nicht die Erstgeborenen der Familie und damit ungewöhnlicherweise in der „Thronfolge“:

  • Vor Tamars Sohn Perez kam eigentlich Schela, der dritte Sohn Judas, in den Genuss des Erstgeburtsrechts;
  • Ruths Sohn Obed hätte eigentlich ihrem ersten Mann, Machlon, oder sogar dessen Vater Elimelech, zugerechnet werden müssen;
  • Bathsebas Sohn Salomo war vermutlich der zehnte, nicht jedoch der erste Sohn Davids.

Nur die souveräne Wahl Gottes führte sie also ins Geschlechtsregister des Herrn.

Bei drei der vier Frauen können wir annehmen, dass sie deutlich jünger waren als die Väter ihrer Kinder (teilweise ihre Ehemänner):

  • Tamar war die Schwiegertochter Judas;
  • Ruth dürfte deutlich jünger als der wohlhabende Boas gewesen sein (vgl. z.B. Rt 3,10), der zudem im Tor saß und bekannt war;
  • Bathseba war die Enkeltochter Ahitophels, der wohl kaum zwei Generationen älter als David war.

Somit wären diese Frauen normalerweise nicht in den Genuss gekommen, die Hauptlinie der Nachkommen „zu bestimmen“.

Maria nimmt eine Sonderstellung ein

Maria unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den anderen vier Frauen:

  • Sie selbst stammte offenbar aus dem Stamm Juda und aus der Linie Davids, war also eine Israelitin;
  • sie kam auch nicht durch Unzucht in die Königslinie des Messias;
  • sie war keine Hure – ganz im Gegenteil: Als sie den Herrn empfangen durfte, war sie eine unberührte Jungfrau, wenn auch mit Joseph verlobt. Sie war in dieser Hinsicht ein besonders auserwähltes Gefäß, als sie den Retter der Welt gebären durfte, wenn sie auch wie jeder Mensch eine Sünderin war.

Die Herrlichkeit Christi erstrahlt

Doch kommen wir jetzt auf unsere Frage zurück: Wie konnte der Herr der Herren solche Frauen als Vorfahren nennen, die ein König normalerweise am liebsten aus seinem Geschlechtsregister gelöscht hätte? Denn – wie gesagt – in den Augen der Juden waren es keine Frauen, die besondere Ehre auf den Namen des Herrn brachten. Aber wir Menschen irren in solch einem Urteil, wenn wir nicht die moralische Herrlichkeit des Herrn selbst vor unseren Herzen haben!

Die Herrlichkeit des Messias erstrahlte bei seinem ersten Kommen nicht in majestätischem Glanz. Es war vielmehr eine moralische, verborgene Schönheit, die der Glaube in Ihm erblicken durfte. Johannes spricht davon, dass das Wort Fleisch wurde (Joh 1,14). Matthäus nennt es „Emmanuel“, Gott mit uns (Mt 1,23). Gott wurde Mensch – das allein ist ein Akt unbegreiflicher Barmherzigkeit. Aber Gott wurde nicht Mensch, indem Er ein prachtvolles Leben unter den Besten der Menschen führte. Er kam zu den Armen – und war nicht auch Maria eine solche, eine Arme?

„Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken; ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße“ (Lk 5,31.32). Der ewige Sohn hat sich so sehr erniedrigt, dass Er sich mit den Kranken, den Sündern und Verlorenen eins machte. Das lernen wir bereits in den ersten Versen des Berichts über „sein Geschlecht“. Er war keiner von ihnen – sondern rein, heilig, vollkommen. Er wurde nicht zu einem Sünder – das ist unmöglich! – aber Er erniedrigte sich so sehr, dass er Mensch wurde und als Mensch ihre Sünden auf sich nahm. Was für eine Gnade!

Von uns Menschen kann sich in dieser Weise keiner erniedrigen – wir alle sind nichts als Sünder gewesen. Aber der, der weit über uns erhaben ist und nicht eine Spur unseres erbärmlichen Daseins hätte an sich tragen müssen, ist in unsere Lebensumstände eingetreten. Das macht seine moralische und sittliche Würde so unantastbar groß und huldvoll – Ihn aber zugleich sichtbar, anschaubar, betastbar (1. Joh 1,1).

Genau hierin liegt die beeindruckende Antwort auf unsere Frage: Gerade in diesen vier, ja fünf Frauen erstrahlt die ganze Gnade und Barmherzigkeit dessen, der nicht nur König sondern auch Erretter ist (Mt 1,21). Diese Frauen erzählen eine ganze Geschichte davon, was Errettung wirklich bedeutet, was göttliche Gnade ist. Nur durch Ihn und seine Errettung sind sie fähig geworden, Teil „seiner Geschichte“ zu werden. Jede einzelne spiegelt gewissermaßen eine leuchtende Farbe des Regenbogens wider, der von dem Gericht und der Gnade im Werk Christi zeugt. Jede einzelne von ihnen ist sozusagen ein Denkmal, ein Monument seiner Gnade.

Strahlen der Gnade in den Biographien Gottes

Besonders die vier ersten Frauen zeigen uns die rettende Gnade Gottes im Leben von Menschen. Wenn diese Vorfahren des Herrn seine Barmherzigkeit erfuhren, werden die Geschlechter nach Ihm nicht die gleiche souveräne Gnade erleben dürfen? Die Geschichte der Frauen spricht eine lebendige Sprache unserer eigenen Geschichte – und der Huld Gottes in dem Herrn Jesus, die uns geschenkt wurde – aus reiner Gnade.

Bevor wir die einzelnen Frauen in ihrer Bedeutung streifen, möchte ich kurz die Hauptlinie angeben. Es geht um die Geschichte des Menschen, wie Gott ihn zurück zu sich holt: Tamar zeigt uns das Bild der Sünde des Menschen – wir alle sind Sünder, seit Adam und Eva. In Rahab finden wir dann den Glauben, der sich die Gnade Gottes aneignet, indem er sich genau darauf stützt. In Ruth sehen wir, dass die Gnade das Gesetz mit seinen Ansprüchen beiseite setzt. Wer auf das Gesetz zur Rettung setzt, wird das Ziel nicht erreichen. Wer auf die Gnade vertraut – ohne Gesetz – wird von Christus angenommen. Durch die Frau Urias lernen wir, dass Gnade durch Züchtigung sogar aus Versagen Segen hervorbringen kann – auch im Leben des Gläubigen. Dann lernen wir durch Maria, wenn sie auch ein wenig getrennt steht von den vier anderen Frauen, dass derjenige, der die Gnade an sich erleben durfte, zugleich ein von Gott auserwähltes Gefäß ist.

So hält die Geschichte dieser vier Frauen eine Ansprache an uns alle, auch, wenn wir schon an den Herrn Jesus glauben. Im Folgenden möchte ich noch kurz auf die besondere Bedeutung jeder der vier bzw. fünf Frauen eingehen:

Tamar

In Tamar sehen wir das Bild ungeschminkter Sünde, sündiger Taten. Sie sündigte vorsätzlich – hatte es sich also in ihrem Herzen vorgenommen. Ihr Schwiegervater, der Vater ihres Kindes, trug allerdings die größere Verantwortung und war in diesem Sinn „noch schuldiger“. Er hatte ihr das ihr zustehende Recht einer Ehe mit seinem dritten Sohn versagt. Jetzt wollte er sich einfach seinen Begierden hingeben. Schon seine Frau Schua war nicht nach den Gedanken Gottes. Eine Sünde folgt der nächsten. Sünde führt in den Tod (vgl. Röm 6,23), in das ewige Gericht Gottes. Das sehen wir auch bei Tamar, der das Gericht der Verbrennung angekündigt wird (1. Mo 38,24), was allerdings dann nicht vollzogen wird.

Gibt es keine Hoffnung für solch eine Sünderin? Doch! Wenn sie in Verbindung mit dem Gesalbten des HERRN kommt. Dafür hat Gott gesorgt – im Bilde durch dieses Geschlechtsregister. Ihr wird dann das Leben geschenkt (vgl. Röm 6,23). Nur so ist ein Mensch in der Lage, Frucht für Gott zu bringen (vgl. Rt 4,12).

Rahab

In Rahab sehen wir das Bild der sündigen Natur eines Menschen. Sie hatte sich nicht nur einmal der Unzucht hingegeben, nein das war ihr Beruf, ihr Lebenswerk, es war sozusagen Teil ihrer Natur geworden. Als solch eine Person war sie bekannt geworden. Deshalb lesen wir immer wieder von Rahab, der Hure.

Gibt es keine Hoffnung für eine solche Frau? Doch! Der Glaube, den Gott in einem Menschen bewirken will, führt den Sünder dazu, Gott zu erkennen (Heb 11,6.31), Ihn ernst zu nehmen und zu erkennen, dass Er ein Volk hier auf der Erde hat, zu dem man zählen muss, wenn man neues Leben besitzen möchte. Denn unter dem Volk Gottes beginnt für Rahab ein vollkommen neues Leben, ein Leben mit Werken des Glaubens (vgl. Jak 2,25).

Ruth

In Ruth sehen wir das Bild einer Fremden (Eph 2,17), einer Feindin Gottes. Sie war Moabiterin, und die Moabiter waren die Feinde des Volkes Gottes und damit Feinde Gottes selbst. Diese Frau hatte kein Recht auf irgendwelche Verheißungen in Israel. Selbst das zehnte Geschlecht ihrer Nachkommen konnte nicht in die Versammlung Israels kommen (5. Mo 23,4) – Nehemia macht deutlich, was dies beinhaltet (vgl. Neh 13,1): überhaupt niemand – ewig von den Segnungen des Volkes Gottes ausgeschlossen.

Gibt es keine Hoffnung für eine solche Person? Doch! Versöhnung (vgl. Eph 2,16) kommt durch die Gnade – unverdiente Gunst Gottes – die ein Mensch im Glauben annehmen muss (Eph 2,8). Bei Ruth war dieser Glaube vorhanden – „dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott“, sagt sie – und doch war es diese unverdiente Gnade Gottes durch den Mann Boas, die aus der Fremden die geliebte Ehefrau Ruth machte, welche die Mutter Davids und des Sohnes Davids werden durfte. Das Gesetz war unfähig dies zu vollbringen: Kein David wäre je auf den Thron Israels gekommen – die Gnade aber war imstande, Unmögliches möglich zu machen. Dazu war neben der Gnade auch die Lösung, die Erlösung (Eph 1,7) nötig. Ruth hat sie erfahren!

Bathseba

In Bathseba sehen wir ein doppeltes oder sogar dreifaches Bild. Zunächst einmal fällt auf, dass nicht ihr sondern der Name ihres früheren Mannes genannt wird. Manche Ausleger haben darauf hingewiesen, dass diese Sünde von David mit Bathseba so abscheulich in den Augen Gottes war, dass Bathseba hier nur „die Urias Frau gewesen war“ genannt werden kann 8. Ein anderer Gedanke scheint jedoch auch von Bedeutung zu sein. Das Augenmerk soll nicht so sehr auf Bathseba selbst, sondern auf die schlimme Sünde ihres Liebhabers und späteren Ehemanns, David, gerichtet werden. Das in dieser Linie vielleicht größte moralische Vorbild auf den Herrn Jesus – gerade den verworfenen Messias – wird hier durch eine gravierende Sünde befleckt. Der in moralischer Hinsicht wohl erhabenste König und Vorfahre des Herrn ist in gewisser Hinsicht ein schlimmerer König als alle anderen nach ihm. Dieser Gegensatz zwischen David und dem Sohn Davids wirft ein großartiges Licht auf Christus, Wurzel und zugleich Geschlecht Davids.

Bathseba selbst (wie gesagt in Verbindung mit David) stellt uns vielleicht den Menschen in seiner Schuld vor Gott dar – denn beide waren dieses Vergehens und des anschließenden Mordes schuldig.

Gibt es keine Hoffnung für eine solche Person? Doch! Es gibt das Bekenntnis in Verbindung mit Buße, und dann Vergebung. Das sehen wir in 2. Samuel 12,13. Zugleich finden wir dort den Gedanken der Stellvertretung – denn der unschuldige Sohn, dessen Name uns interessanterweise auch nicht genannt wird – muss stellvertretend für David (und Bathseba) sterben.

Bathseba und David sind in einer zweiten Hinsicht Vorbilder von Gläubigen. Denn sowohl David als auch Bathseba hatten durchaus eine Verbindung zu Gott. Leider ist es so, dass auch Gläubige sündigen können. Auch für Gläubige gibt es in Bezug auf diese Erde Vergebung (1. Joh 2,1.2).

Schließlich
lernen wir eine weitere Wahrheit aus dieser Begebenheit von David mit Bathseba. Aus dem Tod kommt Leben hervor. Das erste Baby – entsprungen aus der Sünde der Unzucht – stirbt und anschließend kommt das Leben der Nachkommenschaft in Salomo hervor. Ebenso entspringt aus dem Tod des Herrn Leben für Gott (vgl. 1. Joh 5,6–12).

Maria

Dann bleibt noch Maria, die wie bereits erwähnt eine Sonderstellung einnimmt. Maria war ein Mensch wie jeder andere auch – ein Sünder. Aber hier ist sie das Bild einer Begnadigten (Lk 1,28), die durch souveräne Auswahl Gottes zum „Gefäß“ ausersehen wurde, das den Retter der Welt zur Welt bringen durfte.

Beim Rückblick über die Betrachtung erkennen wir dankbar, dass Gott für jeden Missstand, der sich bei diesen Frauen fand, eine passende göttlich Antwort hatte, die alle Bedürfnisse erfüllte. Diese vielen Veränderungen in und an den Menschen sind letztlich nichts anderes als Strahlen der Herrlichkeit unseres Herrn. Er selbst ist es doch, der diese Veränderungen in den Frauen hervorgerufen hat. Ist nicht Er derjenige, der Menschen mit sich selbst in Verbindung bringt? Ist es nicht seine Person, die Glauben bewirkt und neues Leben schenkt? Wer ist der Erlöser und die Erscheinung der Gnade hier auf der Erde? Wer schenkt Leben aus dem Tod und Vergebung, wer ist der Versöhner? Ist nicht Gott – hier als Sohn vor uns – derjenige, der auserwählt hat? Alles dient nur zu seinem Preis!

Zusammenfassung

Wir lernen aus diesem Geschlechtsregister, dass der Herr Jesus wirklich der Sohn Davids, der rechtmäßige Erbe der Verheißungen Abrahams und der rechtmäßige Thronfolger Davids ist. Er hat einen Anspruch auf diesen Thron.

Zugleich aber verstehen wir schon etwas von der Bestimmung, die dieser König auf der Erde haben würde. Er verbindet sich mit Sündern, mit Sündern der ganz besonders schlimmen Sorte. Denn „der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Was für ein Messias! Schon das Geschlechtsregister macht deutlich: Der von Gott bestimmte Messias, der Gesalbte, macht sich eins mit dem sündigen, oft versagenden königlichen Samen.

Verse 18–25: Der Messias wird geboren

Die Geburt des Messias selbst wird uns dann im zweiten Teil des ersten Kapitels geschildert.

Vers 18: Der Messias ist mehr als ein irdischer König!

„Die Geburt Jesu Christi aber war so: Als Maria, seine Mutter, mit Joseph verlobt war, fand es sich, ehe sie zusammengekommen waren, dass sie schwanger war von dem Geist“ (Vers 18).

Wie wichtig sind diese Verse in Bezug auf den Herrn Jesus. Wenn wir nur die ersten 17 Verse hätten, würden wir zwar anerkennen, dass der Herr einen Anspruch auf den Thron Davids hat. Aber nur mit dem Geschlechtsregister wäre Er nicht derjenige gewesen, der von Sünden erlösen und retten konnte. Dafür musste Er mehr sein als nur der Nachkomme Davids, Er musste ein vollkommener, sündloser Mensch inmitten von Menschen sein, die mit Sünde behaftet sind – und genau das finden wir jetzt im Folgenden.

Zunächst einmal wird der aufmerksame Leser, der Lukas 1 und Matthäus 1 miteinander vergleicht, feststellen, dass in Lukas Maria im Vordergrund steht – wenn man von der eigentlichen Fokussierung auf den Herrn Jesus einmal absieht –, während in Matthäus 1 das Augenmerk mehr auf Joseph liegt. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: In Lukas geht es darum, dass Jesus wirklich Mensch ist und von einer Frau geboren wurde. Daher werden im Lukasevangelium besonders die Umstände Marias erwähnt, ohne dass allerdings die Betonung aufgegeben würde, dass das in ihr Gezeugte vom Heiligen Geist ist (vgl. Lk 1,35). Ein Mensch wird von einem Menschen geboren; ein Mensch kann keinen Engel, keinen Geist oder eine andere Art von Person zur Welt bringen 9. Diesen Teil, der auch die Geburt des Vorläufers des Herrn betrifft, finden wir nicht bei Matthäus.

Im Matthäusevangelium nun geht es darum, dass Jesus der Christus ist, der rechtmäßige Thronerbe. Diese Linie läuft, wie wir in den ersten 17 Versen gesehen haben, über Joseph. Daher steht Joseph in diesem Abschnitt im Vordergrund.

Von dem Heiligen Geist

Der Evangelist teilt uns hier mit, dass Jesus tatsächlich nicht einfach ein normaler Mensch unter Menschen war. Es gab zwei Menschen, die weder Vater noch Mutter hatten: Adam und Eva. Sie wurden von Gott erschaffen (1. Mo 1 und 2). Es gibt einen Menschen, der keinen Menschen zum Vater hat: Jesus Christus. Dieser Punkt ist nicht unwichtig. Denn wir hatten als dritte und vierte Bedingung für den verheißenen König gesehen, dass er kein leiblicher Nachkomme von David und seinem Samen sein durfte, und dass Er eine übernatürliche Geburt haben sollte. Denn es war ja nach Jesaja 7 vorhergesagt worden, dass der verheißene König von einer Jungfrau kommen würde.

Diese Bedingung erfüllt der Herr Jesus bei seiner Geburt. Sein Kommen war das Ergebnis einer übernatürlichen Zeugung, die wir nicht physisch erklären können. Maria war von dem Heiligen Geist schwanger, das heißt, Gott selbst hat durch ein Wunder in die natürlichen, biologischen Abläufe Marias eingegriffen und den Keim für ein menschliches Wesen gelegt, das mehr als ein Mensch ist. Wir stehen hier auf sehr heiligem Boden und erkennen anbetend, dass Gott selbst in der Zeugung dessen tätig war, der Gott und Mensch in einer Person ist. Menschen können dies nicht ergründen. „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater“ (Mt 11,27) – das bleibt in seiner Absolutheit immer bestehen.

Vers 19: Die edlen Überlegungen Josephs

„Da aber Joseph, ihr Mann, gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, gedachte er, sie heimlich zu entlassen“ (Vers 19).

Wir können gut verstehen, dass Joseph erschrocken war, als er mitbekam, dass seine verlobte Frau Maria schwanger war. Er musste annehmen, dass sie durch einen anderen Mann schwanger geworden war.

Verlobung zur Zeit Jesu

Dabei ist es gut, zunächst einmal zu verstehen, dass eine Verlobung in der damaligen Zeit etwas anderes war als in der heutigen. Der Ehevertrag wurde bereits mit der Verlobung geschlossen. Aber erst in dem Moment, als der verlobte Ehemann seine Frau zur Hochzeit abholte, waren sie nicht mehr verlobt, sondern verheiratet. Der Ehebund wurde also schon geschlossen, bevor Mann und Frau „zusammengekommen waren“, also zusammen in einem Haus wohnten (vgl. Spr 2,17; Mal 2,14).

Natürlich stellt sich die Frage, warum Joseph von der wunderbaren Veränderung in Maria nichts wusste. Die Erklärung finden wir vielleicht in Lukas 1: Dort lesen wir, wie Maria ein Engel erschien, der ihr alles ankündigte (Lk 1,26–38), woraufhin sie „mit Eile“ zu ihrer Verwandten, Elisabeth, ging (Lk 1,39). Dort blieb sie ungefähr drei Monate (Lk 1,56) – also genau die Zeit, nach der man eine Schwangerschaft deutlicher erkennen kann. Wir können nur annehmen, dass sie in der Zwischenzeit keinen Kontakt mit Joseph hatte und diesem somit auch nicht von ihren Erlebnissen erzählen konnte.

Die Gedanken Josephs

Als sie nun das nächste Mal mit Joseph zusammentraf – sie wohnten ja nicht zusammen (Mt 1,20), erkannte er sofort die Veränderung bei Maria. Wir dürfen davon ausgehen, dass Maria ihm dann die Erscheinung des Engels Gabriel erzählte. Das muss ihm sicher unglaublich vorgekommen sein, so dass wir gut verstehen können, dass Joseph diese Dinge, die er ja nicht persönlich erlebt hatte, nicht glaubte. Daher gedachte er, Maria heimlich zu entlassen. Hätten wir mehr Glauben gehabt in Bezug auf diese – aus menschlicher Sicht – unglaubliche Geschichte?

Aber Joseph war ein „gerechter“ Mann. Er war gottesfürchtig und schätzte Maria. Daher wollte er ihr nicht wegen Unzucht einen Scheidebrief ausstellen, was er hätte tun können (vgl. Mt 5,31; 19,7). Es hat den Anschein, dass es in der Zeit Jesu nicht mehr üblich war, eine Frau, die Ehebruch begangen hat, zu steinigen (vgl. 5. Mo 22,23.24; Joh 8,5). Aber er wollte ihr einen allgemeinen Scheidebrief geben, um ihr ein Zusammenleben mit dem Mann zu ermöglichen, durch den sie schwanger geworden war, wie er glaubte.

Gott sah diese inneren Übungen sowie die edlen Überlegungen im Herzen Josephs, Maria gegenüber. Gott wusste, wie schwer es für Joseph sein musste, diese übernatürliche, göttliche Zeugung eines Kindes als wahr anzunehmen. Daher kommt er Joseph zur Hilfe.

Vers 20: Gott kommt zur Hilfe – aber mit einer gewissen Distanz

„Als er aber dies überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist“ (Vers 20).

Wie bereits angedeutet, ist es in diesen Versen Joseph, der im Vordergrund steht. Gott wendet sich durch einen Engel 10 nicht an Maria, sondern an Joseph. Dieser ist hier der Handelnde – und daher kommt Gott ihm in seiner inneren Not zur Hilfe. Auch zu Maria war ein Engel gekommen, aber im Unterschied zu Maria ist hier eine gewisse Distanz zu spüren. Denn ihr erscheint der Engel wahrhaftig, in einer Gestalt (vgl. Lk 1,26.28), während es bei hier Joseph „nur“ im Traum ist.

Woher kommt diese Distanz? Wir dürfen nicht annehmen, dass sie mit Unglauben aufseiten Josephs zu tun hat; denn Zacharias in Lukas 1 fehlt mehr Glauben, dennoch erscheint ihm ein Engel im Tempel. Vielmehr scheint es, dass Gott durch diese weniger persönliche Erscheinung bei Joseph seine Distanz zu dem königlichen Geschlecht ausdrücken möchte, dessen Repräsentant Joseph war. Denn das Volk als solches hatte sich von Gott abgewendet – das sehen wir ja schon im nächsten Kapitel, wenn es um die Führer des Volkes geht. Aber besonders das Haus Davids war mehr und mehr von dem klaren Weg Gottes abgekommen. Nicht zuletzt führte auch der Fluch über Jekonja zu einer besonderen Distanz. Das Volk lag zudem in der Sünde (Mt 1,21).

Die Ansprache des Engels

Der Engel kommt zu Joseph, um ihm zu bestätigen, dass Maria nicht durch einen Menschen, sondern durch Gott selbst bewirkt schwanger geworden ist. Die Worte, die der Engel wählt, sind auffallend:

  • Joseph: Er spricht Joseph mit seinem Namen an und macht dadurch deutlich, dass er eine ganz persönliche Botschaft für ihn hat.
  • Sohn Davids: Der Engel erinnert Joseph an seinen Vorfahren und bestätigt dadurch, dass der in Maria gezeugte Sohn als sein Nachkomme diesen Thron besitzen soll. Zugleich erklärt diese Anrede noch einmal, warum in Matthäus 1 die Rolle von Joseph so betont wird. Er war der Nachkomme Davids – und in seine Rechte musste Jesus eintreten (können), um wahrer Sohn Davids zu sein.
  • Fürchte dich nicht 11: Joseph brauchte in der Tat Mut, um eine schwangere Frau, die aber nicht von ihm ein Kind erwartete, zu sich zu nehmen. Er sollte aber keine menschlichen Überlegungen anstellen, sondern einfach durch die Ermutigung Gottes gehorsam sein.
  • Maria ist wirklich seine verlobte Frau. Als solche sollte Joseph sie betrachten, auch wenn sie noch nicht zusammengekommen waren.
  • Das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist: Joseph musste lernen, dass Gott selbst bewirkt hatte, dass ein Kind in Maria aufwuchs. Es war zwar ein Mensch, aber göttlichen Ursprungs.

Verse 21–23: Die Ankündigung: Gott kommt zu den Menschen

„Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden. Dies alles geschah aber, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: ‚Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen‘, was übersetzt ist: Gott mit uns (Verse 21–23).

Der Engel macht durch seine weiteren Worte ganz klar, wer von Maria geboren werden würde. Es handelt sich um einen Sohn, und zwar um einen, der vorher angekündigt worden war – nicht um irgendein Kind. Dieser Sohn sollte einen Namen bekommen, der eine weitreichende Bedeutung für sein Leben haben würde.

Der Name Jesus ist der griechische Name für Josua bzw. Jehoschua. Dieser Name bedeutet: Der HERR (Jahwe, Jehova) ist Rettung. Der Engel unterstreicht diese Bedeutung dadurch, dass er hinzufügt, dass Jesus wirklich zur Rettung werden würde – und zwar für das Volk Israel, aber nicht in der Weise, wie das Volk seinen Retter erwartete. Nein, Er sollte sie erretten von ihren Sünden. Denn genau diese Art von Rettung hatten sie nötig.

Das war nicht die Erwartung der Juden. Immer wieder finden wir bei den Jüngern und auch danach, dass man den Messias und damit den Herrn Jesus als Befreier von den Römern erwartete. Aber das war nicht das Anliegen Jesu. Er musste ein „Grundbedürfnis“ des Volkes und letztlich aller Menschen stillen: Frieden mit Gott zu haben durch die Vergebung der Sünden.

So erkennen wir hier, wie passend das Geschlechtsregister der ersten 17 Verse war. Es war mit Menschen gespickt, die sich als Sünder „auszeichneten“. Ja – gerade für Sünder ist Gott Mensch geworden. Sünder, die zunächst einmal zu seinem Volk gehörten. Denn Christus ist zunächst zu seinem Volk gekommen – das ist die Botschaft unseres Evangeliums. In diesem Vers lesen wir zunächst zwar noch nichts davon, dass Er als der verheißene König zu seinem Volk kommen sollte. Aber er war gekommen, um sein Volk von ihren Sünden zu erretten. Auch wenn das Volk diese Notwendigkeit nicht sah – Gott lässt von Anfang an mitteilen, dass dies die Aufgabe Christi sein würde.

Es ist zu Herzen gehend, dass Gott zugleich klar macht, dass Er dieses Volk nach wie vor als „sein Volk“ anerkannte. Jesus ist auf diese Erde zu „seinem Volk“ gekommen. Er ist nicht einfach zu irgendeinem Volk gekommen. Er hatte Zuneigungen und Beziehungen gerade zu diesem Volk, das Er sich selbst aus der Mitte vieler Völker (5. Mo 7,6) erwählt hatte. Wenn Er als Jesus, der Retter, zu diesem Volk kam, dann nicht ohne das tiefe Empfinden, dass dies sein eigenes Volk war.

Wer ist dieser Retter Jesus? Der Name deutet darauf hin, dass der Jahwe des Alten Testaments, der dem Volk Israel immer wieder Rettung geschenkt hat, in diese Welt kam. Gerade in diesem Namen des demütigen und niedrigen Jesus finden wir also die Herrlichkeit des ewigen „Ich bin“ wieder, des HERRN des Alten Testaments. Er kam als Mensch auf diese Erde. Gott selbst ist der Retter seines Volkes, indem Er als Mensch diese Rettung auf dem Kreuz von Golgatha bewirkt hat. Ohne dieses Kreuz ist daher schon das erste Kapitel dieses Evangeliums nicht zu verstehen – denn warum würde er sonst als Retter von Sünden bezeichnet werden?

Christus – die Erfüllung von Jesaja 7,14

Es gibt keinen Zweifel, dass die Geburt Jesu zugleich die Erfüllung einer alttestamentlichen Vorhersage war. Der Evangelist verweist dazu auf den Propheten Jesaja, der als Sprecher Gottes dieses Zeichen gegeben hatte (vgl. Jes 7,14). Das Besondere dieses Zeichens ist nicht, dass der Messias von einer Frau geboren werden sollte. Das war seit dem Fluch über die Schlange in 1. Mose 3,15 bekannt: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen“ – die erste messianische Prophezeiung in der Schrift.

Das besondere an der Weissagung Jesajas war, dass die Frau eine unverheiratete Frau – also eine Jungfrau – sein würde. Diese außergewöhnliche Vorhersage findet in der Geburt Jesu ihre Erfüllung. Wunderbares Wunder Gottes!

Formen der „Erfüllung“ von Weissagungen im Matthäusevangelium

In diesem Zusammenhang ist es nützlich, die drei verschiedenen Formen der „Erfüllungen“ im Matthäusevangelium zu streifen:

  1. „damit erfüllt wurde“: Die Weissagung wird an der angegebenen Stelle erfüllt (Beispiele: 1,22; 2,15.; 4,14; 12,17; 21,4; 26,56; vielleicht gehört auch 26,54 in diese Kategorie).
  2. „damit erfüllt wurde“12: Die Weissagung erfüllt sich in einer gewissen Hinsicht, in einem gewissen Umfang (Beispiele: 2,23; 8,17; 13,35).
  3. „da wurde erfüllt“: Es findet eine Erfüllung der Weissagung in einem weiteren, allgemeinen Sinn statt, auch wenn sich die Weissagung im engeren Sinn auf eine andere geschichtliche Situation bezieht (Beispiele: 2,17; 27,9).

Die Weissagung aus Jesaja 7,14 ist also genau auf die Geburt des Herrn Jesus hin ausgesprochen worden. Dort fand sie ihre einzigartige Erfüllung!

Der göttliche Emmanuel

Wir haben schon gesehen, dass der Herr Jesus als Mensch auf eine einzigartige und göttliche Weise gezeugt worden ist. Durch die Weissagung aus Jesaja 7,14 erfahren wir zudem, das Gott selbst in der Person des Herrn Jesus zu den Menschen gekommen ist. Denn der Name des Sohnes sollte „Emmanuel“ sein – Gott mit uns. Durch diesen von Maria geborenen Menschen wollte Gott selbst mit seinem Volk und mit den Menschen sein.

Was für ein Wunder ist das! Bislang war Gott verborgen hinter dem Scheidevorhang im Tempel. Aber jetzt würde Gott zu seinem Volk kommen, um inmitten des Volkes zu leben und zugleich der Erretter seines Volkes zu werden. Dieser Retter ist Gott selbst – Gott mit uns.

Wir erkennen in diesen Worten zugleich die Erfüllung von Psalm 2: „Habe ich doch meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg! Vom Beschluss will ich erzählen: Der HERR hat zu mir gesprochen: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“ (Verse 6.7). Diese Verse verbinden die Königswürde des Messias mit der Tatsache, dass Er der von Gott gesandte Sohn ist – Gott selbst. Der Messias, Sohn Davids, ist also niemand anderes als der Sohn Gottes, und damit Gott selbst.

Das können wir auch mit Jesaja 9,5.6 verbinden: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun.“ Diese Verse zeigen uns noch einmal etwas von der Würde, von der Größe, von der Gottheit desjenigen, der als Kind geboren werden sollte.

Wir sehen also, dass nicht nur Johannes in seinem Evangelium von dem ewigen Sohn Gottes spricht. Auch Lukas und Matthäus zeigen, dass der Herr Jesus Gott ist. Lukas unterstreicht, dass dieser Mensch, der dort unter Menschen aufwachsen sollte, niemand anderes als Gott selbst ist. Matthäus macht deutlich, dass derjenige, der zu seinem Volk und zu den Sündern gekommen ist, um Retter zu werden, der aus dem Himmel kommende Gott ist, der „mit seinem Volk“ sein wollte. Er reiht sich in seiner Herablassung in die Sünder des königlichen Samens ein. Aber Er ist kein Sünder, Er ist Gott selbst, der sein Volk besucht. Das zeigt Erhabenheit und Erniedrigung in einer direkten Verbindung. Wer Jesus zurückwies und verwarf, würde nicht einfach David verwerfen. Er würde den Sohn Gottes, ja Gott selbst zurückweisen. Das wäre zum eigenen, ewigen Schaden desjenigen, der sich dazu erdreistete!

Was mag Joseph davon verstanden haben – und was haben wir in unserem Glauben davon schon in Besitz genommen? Jedenfalls hatte das Volk einen anderen Messias erwartet – einen, der mit dem Römischen Reich aufräumen würde. Sie hatten nicht wirklich verstanden, was der Geist Gottes durch Jesaja aufschreiben ließ. Daher erwarteten nur ganz wenige den „Gott mit uns“ – denjenigen, der Gott und Mensch in einer Person sein sollte. Wir finden solche Ausnahmen im Lukasevangelium in Simeon und Anna – Matthäus kann niemanden davon aufzählen.

Verse 24–25: Josephs Gehorsam – die Geburt Jesu

„Joseph aber, vom Schlaf erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich; und er erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus“ (Verse 24.25).

Es ist schön zu sehen, das Joseph im Gehorsam das tat, was ihm der Engel befohlen hatte. Er nahm seine Frau zu sich.

Das ist von großer Bedeutung. Denn wenn Jesus Christus auch nicht der natürliche Nachkomme von Joseph und damit von David sein durfte, um Jesaja 7,14 und die Vorhersage zur Nachkommenschaft von Jekonja in Jeremia 22,30 erfüllen zu können, so musste er doch – in gesetzlicher Hinsicht – Joseph zugerechnet werden. Genau das geschah. Joseph nahm seine verlobte Frau zu sich. Das muss man so verstehen, dass sie von jetzt an einen Haushalt bildeten.

Aber er erkannte seine Frau nicht, bis das Kind geboren wurde – er hatte also bis zur Geburt des Herrn keinen intimen Verkehr mit Maria. Dieser Hinweis bewahrt vor der manchmal anzutreffenden extremen Auffassung, Maria sei nie von Joseph „erkannt“ worden, habe nie intimen Verkehr mit ihrem Ehemann gehabt. Das Gegenteil ist der Fall! Aus Psalm 69,9, Matthäus 13,55.56 und Johannes 7,5 sowie manchen anderen Stellen in den Evangelien dürfen wir mit Recht schließen, dass Maria weitere Kinder bekommen hat – Halbbrüder und -schwestern Jesu, weil diese von Joseph gezeugt worden sind.

Wenn man Vers 25 mit Lukas 2,21 vergleicht, stellt man fest, dass im Matthäusevangelium Joseph es ist, der dem Kind den Namen „Jesus“ gibt. Im Lukasevangelium wird dies offengelassen. Dort steht Maria im Vordergrund – aber sie war es nicht, die den Namen gab. Im Matthäusevangelium hat jedoch Joseph die Verantwortung als der Träger der Verheißungen der Linie Abrahams und Davids. Daher ist er es, der den Namen gibt.

Damit wird in diesen Versen erneut bestätigt, dass Jesus Christus der rechtmäßige König ist:

  • Er entstammt der gesetzlichen, erblichen Königslinie, da Joseph ihn als Sohn annimmt – Er ist der Sohn Davids.
  • Er ist ein Mensch, von einer Frau geboren. Wir erinnern uns an die Worte in Galater 4,4: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz.“ Das ist die herablassende Gnade unseres Meisters und Herrn!
  • Er ist mehr als ein Mensch, denn Er wurde von Gott selbst gezeugt.
  • Er ist das Kind einer Jungfrau.
  • Er ist kein direkter Nachkomme von Jekonja – daher hat Er den Anspruch, auf dem Thron Davids zu sitzen.

Wenn wir bedenken, dass der Herr später verhöhnt wurde, weil Er keinen leiblichen Vater hatte (Joh 8,41), dann erkennen wir, dass die Menschen sich durchaus bewusst waren, dass die Geburt des Herrn einen besonderen Hintergrund trug. Was für ein trauriges Bild des Menschen: Er benutzt in seiner Bosheit diese Auszeichnung des Herrn, um Ihn zu verhöhnen. Bedarf es noch eines weiteren Beweises der Verderbtheit des Menschen?

Emmanuel oder Jesus?

Abschließend bleibt noch die Schwierigkeit, warum der Sohn „Emmanuel“ genannt werden sollte, hier jedoch auf Geheiß des Engels „Jesus“ genannt wird. Manche meinten, Matthäus damit einen Fehler nachweisen zu können. Dabei wäre es – menschlich gesprochen – leicht gewesen, dieses Zitat aus Jesaja 7 einfach wegzulassen. Nein, der inspirierte Text ist vollkommen.

Emmanuel bedeutet „Gott mit uns“. Jesus bedeutet „Der HERR ist Rettung“. Der Gott, der Rettung ist, war zu seinem Volk in der Person Jesu gekommen. Er „war mit dem Volk“, indem Er es rettete, und zwar von seinen Sünden. Das war der Beweis, dass Gott wirklich mit dem Volk Gottes war. Und eines dürfen wir nicht vergessen: Gott kann nicht bei uns sein, ohne uns von unseren Sünden zu erretten, weil die Sünde trennend zwischen dem Menschen und Gott steht. Deshalb kam Er zu seinem Volk – um es wirklich zu retten. Beide Namen stimmen also insofern überein, als das „Gott mit uns“ unweigerlich mit Rettung verbunden sein musste!

Ob sie sich zu Ihm bekennen und sich retten lassen würden? Diese Frage wird das zweite Kapitel beantworten.

Fußnoten

  • 1 Messias ist das hebräische Wort für den griechischen Ausdruck Christus und das deutsche Wort König.
  • 2 Andere schlagen vor, die Zahl 14 in 10 (Verantwortlichkeit des Menschen) und 4 (Vollkommenheit der Anordnungen Gottes) aufzuteilen. Dann sprechen die drei Zeitperioden jeweils von der Erprobung des verantwortlichen Menschen.
  • 3 Rahab wird hier als Urgroßmutter von David aufgeführt, lebte aber knapp 400 Jahre vor ihm.
  • 4 Das Auslassen von einzelnen Kettengliedern in Geschlechtsregistern ist in der Bibel nichts Besonderes und stellt damit keinen Fehler dar. Bei dem Priester Esra war es beispielsweise von größter Wichtigkeit, nach dem Exil in Babylon genau nachweisen zu können, dass er Nachkomme Aarons ist: Hat er einige Kettenglieder vergessen in Esra 7,1–5 (vgl. 1. Chron 6,3–15)? Natürlich nicht! Jede Auslassung hat eine Bedeutung, auch wenn wir nicht in der Lage sind, jede Einzelheit zu erklären. Aber wir dürfen Gott freudig vertrauen, dass alles in seinem Wort göttlich vollkommen geordnet ist.
  • 5 Es ist offensichtlich, dass sich die Linien im Lukasevangelium und im Matthäusevangelium von Salomo/Nathan an aufwärts unterscheiden. Daher sind manche auf das Problem gestoßen, warum Schealtiel und Serubbabel auf einmal in beiden Registern auftauchen. Die Antwort kann nur sein, dass es sich um verschiedene Personen handelt. Serubbabel heißt übersetzt „in Babel geboren“ – das dürfte vermutlich kein seltener Name gewesen sein. Dass sich die beiden Geschlechtsregister in diesen zwei Personen kreuzen, vorher und nachher dann auseinandergehen, erscheint wenig einleuchtend. Manche gehen davon aus, dass die Ursache für eine (tatsächliche) Kreuzung beider Linien in der Leviratsehe liegt (5. Mo 25,5.6). Nach 1. Chronika 3,18.19 war Serubbabel der Sohn von Pedaja. Manche vermuten, dass Jekonja nur eine Tochter hatte, die den in Lukas genannten Neri heiratete, der aus der Linie Nathans kommt. Aus dieser Ehe sei dann Schealtiel entsprossen, der Jekonja aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zugerechnet werden müsse. Da Schealtiel früh gestorben sei, habe sein Bruder Pedaja nach 5. Mose 25 die Witwe geheiratet, und sein Sohn Serubbabel werde dann Schealtiel zugerechnet, was schon Esra so in seinem Buch schreibt (Esra 3,2). Jedenfalls wird der in 1. Chronika 3,17 genannte Assir ebenfalls – wie in den anderen Teilen des Geschlechtsregisters – nicht in der Aufzählung in Matthäus 1 eingefügt.
  • 6 Von Bathseba wissen wir die Volks-Herkunft nicht genau. Manche nehmen an, dass sie – genauso wie die anderen drei genannten Frauen – nicht aus dem Volk Israel stammt. Ihr Großvater war wohl Ahitophel, der Giloniter (Gilo – heutiges Kurbet Jala – liegt auf dem Gebirge Juda, rund 10 km nördlich von Hebron, vgl. Jos 15,51), denn Bathseba war die Tochter Eliams (2. Sam 11,3), welcher der Sohn Ahitophels, des Giloniters war (2. Sam 23,34). Zumindest Bathsebas Mann, Uria, war ursprünglich kein Israelit sondern Hethiter.
  • 7 Vermutlich war Thamar wie ihre Schwiegermutter eine Kanaaniterin.
  • 8 Könnte es nicht sogar sein, dass Gott die Ehre ihres Mannes hervorhebt, der für seine Frau, für ihre Sünde gestorben ist? Ist nicht auch das ein Bild dessen, was Christus getan hat? Von seiner Hingabe und Treue her wäre dieser Mann sogar besser geeignet gewesen, Vorfahre des Herrn zu werden, als es David in diesem Punkt sein konnte. Gott ehrt diesen Mann, indem Er ihn als einzigen, der nicht zu den Vorfahren des Messias gehört, in das Geschlechtsregister aufnimmt.
  • 9 Natürlich ist der Herr Jesus mehr als ein Mensch – Er ist Gott, gepriesen in Ewigkeit! Aber die Geburt ist die Geburt eines Menschen, nicht die Geburt Gottes! Damit würden wir Gott auf die Ebene von Menschen ziehen; das wäre nichts anderes als Lästerung.
  • 10 Es ist auffallend, dass sich Gott nach seinem Schweigen von ungefähr 400 Jahren in Verbindung mit der Geburt Jesu siebenmal durch Engel auf direkte oder indirekte Weise an Menschen richtet (Lk 1,13.30; Mt 1,19; 2,13.19; Lk 2,10.13). Das zeigt die Bedeutung dieser Zeit in den Augen Gottes, dass er nicht irgendwen, sondern seine Engel, besonders Gabriel, zu den Treuen in Israel schickt.
  • 11 Es ist wunderbar, in den ersten drei (und in der sechsten) Ansprachen Gottes nach ungefähr 400 Jahren des Schweigens jedes Mal das „Fürchte dich nicht“ zu hören. Das Volk hatte vollkommen versagt und war nicht mehr bereit, auf die Stimme Gottes zu hören. Daher konnte Gott sich nicht mehr an sein Volk wenden. Als Er es aber dann in Verbindung mit der Geburt Jesu tat, hören wir nicht zuerst die Gerichtsandrohung – Johannes der Täufer würde zur Buße aufrufen und das Gericht ankündigen – sondern den Gnadenruf: Fürchte dich nicht (vgl. Lk 1,13; 1,30; Mt 1,19; Lk 2,10).
  • 12 Leider kann man im Deutschen hier keinen Unterschied erkennen. Im griechischen Grundtext werden jedoch für „damit“ zwei verschiedene Worte verwendet.
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