Was passiert beim Sterben, Wachkoma und Hirntod?

1) Wann ist der Zeitpunkt, wo Seele und Geist den Körper verlassen. Ist es die Zeit, wenn das Gehirn tot ist?
2) Ist Seele und Geist wirklich eine Einheit – gehen sie zusammen zum Vater? Man denke an solche Menschen, die lange Zeit im Wachkoma liegen. Ist Seele und Geist schon weg? Oder nur der Geist?

Bibelstelle(n): 3. Mose 17,11; 5. Mose 12,23; Prediger 12,7; 1. Thessalonicher 5,23; Lukas 23,43

Zu 1): Gottes Wort spricht weder vom Hirntod noch vom Wachkoma. Wir müssen daher sehr vorsichtig sein, wenn wir medizinische Begriffe zur Bestimmung des Zeitpunkts der Trennung von Seele und Geist vom Körper des Menschen heranziehen wollen.  Gottes Wort sagt uns: „... die Seele des Fleisches ist im Blut“ (3. Mo 17,11); „... das Blut ist die Seele“ 1 (5. Mo 12,23). Daraus ergibt sich, dass der Tod dann eintritt, wenn das Blut nicht mehr seine Funktion als Träger des Lebens (Sauerstofftransport) erfüllen kann. Das ist u.a. der Fall

  • bei einer Verblutung durch Unfall oder Hinrichtung;
  • bei einer inneren Verblutung durch Aortenruptur;
  • bei Blutarmut durch Leukämie oder Strahlenschaden;
  • bei Herzstillstand durch Herzinfarkt;
  • bei Störung der äußeren Atmung durch Strangulation oder Ertrinken;
  • bei Störung der inneren Atmung durch CO-Vergiftung.

Kurze Zeit nach dem Eintritt solcher Ereignisse tritt auch der Hirntod ein, während andere Zellen des Körpers noch viele Stunden danach aus dem toten Körper isoliert werden können und in einem geeigneten Kulturmedium noch lebensfähig sind. Dennoch sind Geist und Seele nach dem Eintritt des Todes nicht mehr an den Körper gebunden. Über die Trennung von Körper und Geist lesen wir:„... und der Staub zur Erde zurückkehrt, so wie er gewesen ist, und der Geist zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat“ (Pred 12,7).    

Zu 2): Der Mensch besteht aus dem Körper, der mit Seele und Geist verbunden ist:  „... euer ganzer Geist, Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Thes 5,23). Gott hat unseren Körper aus den Bestandteilen dieser Erde gebildet. Durch das Einhauchen Seines Odems hat er dem Menschen eine Seele gegeben: „Und Gott der HERR bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele“ (1. Mo 2,7). Auch der Geist wurde ihm von Gott gegeben: „... und der Geist zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben“ (Pred 12,7). Seele und Geist sind beide von Gott gegeben und haben gemeinsam, dass sie nicht aus Materie bestehen.

Die Begriffe Seele und Geist werden in Gottes Wort nebeneinander gebraucht, aber dabei meist deutlich unterschieden:

  • „Denn das Wort Gottes ist lebendig ... und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist“ (Heb 4,12).
  • „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland“ (Lk 1,46–47);
  • „Euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“ (1. Thes 5,23).

Obwohl Seele und Geist eine Einheit im Leben und im Tod darstellen, sollen einige Unterschiede aufgezeigt werden: Die Seele ist der Sitz der Gefühle und Empfindungen: Die Seele kann betrübt (Spr 31,6; Hes 27,31), erbittert (1. Sam 30,6; Hiob 3,20), dürstend (Ps 63,2; Ps 107,9), lechzend (Spr 25,25), satt und hungrig (Spr 27,7) sein. Die Empfindungen der Seele können unterdrückt werden durch Kasteien (4. Mo 30,14), durch Worte jedoch kundgetan werden. Die Seele eines Menschen kann durch den HERRN aber auch durch Menschen erfreut (Ps 86,4) und erquickt (Ps 23,3; Ruth 4,15) werden. In besonderer Weise dient dazu das Wort Gottes (Ps 19,8).

Der Geist des Menschen kann als das denkende Bewusstsein bezeichnet werden: Der Verstand (Hiob 38,36) ermöglicht das logische Denken und damit die Beurteilung der Dinge, die wir mit unseren Sinnesorganen wahrnehmen. Wir können einen Baum an seiner Frucht erkennen (Mt 12,33) oder das Aussehen des Himmels beurteilen (Mt 16,3). Mit unserem Geist können wir auch Überlegungen anstellen (Mk 8,17), nachsinnen, forschen (Ps 77,7) und Entscheidungen treffen (Apg 24,22). Manche Menschen besitzen sogar die Gabe, Kunstwerke zu ersinnen (2. Chr 2,13). Mit dem Geist sind wir in der Lage, das von Gott Erkennbare in der Schöpfung wahrzunehmen (Röm 1,19–20). Der Verstand kann aber auch verfinstert sein (Eph 4,18), deshalb werden wir aufgefordert: „stütze dich nicht auf deinen Verstand“ (Spr 3,5).

Wie bereits oben angeführt, tritt in der Regel – d.h. unter Ausschluss der modernen Medizintechnik – der Tod des Leibes mit dem letzten Atemzug, bzw. dem Kreislaufstillstand, ein. Die Seele befindet nach dem Tod im Scheol (Ps 16,10) oder Hades (Lk 16,23) oder im Schoß Abrahams (Lk 16,22) bzw. im Paradies (Lk 23,43). In gleicher Weise wird uns mitgeteilt, dass der Geist zu Gott zurückkehrt (Pred 12,7). Der Herr Jesus konnte sagen: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Als er aber dies gesagt hatte, verschied er“ (Lk 23,46). Als Stephanus gesteinigt wurde, „betete er und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! ... Und als er dies gesagt hatte, entschlief er“ (Apg 7,59–60).

Im Gegensatz zum Hirntod, bei dem ein irreversibler Ausfall aller Hirnfunktionen besteht und das Leben des Körpers nur mit Hilfe der Medizintechnik aufrecht erhalten wird, ist der Patient beim erwähnten Wachkoma – auch Coma vigile oder apallisches Syndrom genannt – noch am Leben, obwohl er nicht in der Lage ist, sich auf irgend eine Weise zu äußern. Es liegt eine Bewusstseinsstörung vor, bei der die Augen geöffnet sind, jedoch keine Blickfixierung möglich ist. Der Patient kann jedoch selbstständig atmen, die Kreislaufregulation ist intakt. Das Wachkoma kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Bei manchen Ursachen ist eine Wiederherstellung der Hirnfunktionen noch nach Monaten möglich. Sicherlich können wir in solchen Fällen nicht annehmen, dass der Geist bereits bei dem Herrn ist, während sich die Seele noch im Körper befindet.

An einem selbst erlebten Beispiel soll dieses veranschaulicht werden: Ein Bruder in Christo fühlte sich über längere Zeit matt und kraftlos, bis eines Tages eine Bewusstseinstrübung eintrat. Er kam in eine Nervenklinik, wo ein Hirntumor festgestellt wurde. Wir haben ihn besucht, aber hatten keine Möglichkeit, auf irgendeine Weise mit ihm zu kommunizieren. Auf unsere Fragen erhielten wir keine Antworten. Unter der eingeleiteten Therapie erlangte er nach einiger Zeit wieder das Bewusstsein und berichtete uns, dass er unseren Besuch wahrgenommen und unsere Fragen verstanden hat, aber nicht in der Lage war, auf irgendeine Weise darauf zu reagieren. Wir können daraus erkennen, dass nicht nur die Seele sondern auch der Geist noch im Körper unseres Bruders anwesend war. Wir müssen daher bei Kranken, die sich nicht mehr äußern können, sehr vorsichtig mit unseren Worten sein und sollten, soweit dies möglich ist, durch Gottes Wort, Lied und Gebet etwas sagen, was zur Erquickung der Seele dient.      


Online seit dem 05.03.2009. Zuletzt bearbeitet am 02.09.2019.

Fußnoten

  • 1 das Leben.

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