Dichtkunst – Bibel-Lexikon

Die Bücher Hiob, Psalmen, Sprüche, Hohelied und einige Teile der Propheten sind poetisch. Es ist nicht leicht hebräische Dichtkunst zu definieren. Es scheint klar, dass die Zeilen nicht mit sich reimenden Lauten enden und man kann auch nicht erkennen, worin der Rhythmus besteht, da die ursprüngliche Aussprache der Sprache verloren gegangen ist. Ewald schlussfolgerte, dass in der hebräischen Dichtung ein gedachter und kein klingender Rhythmus vorlag.

Eine ihrer erkennbaren Stile ist ein alphabetisches Gedicht. Es besteht aus 22 Zeilen oder Strophen, oder Zeilensystemen, deren Zeilen oder Strophen mit den Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge beginnen: Zuerst mit A, dann mit B, und so weiter. Es liegt zweifellos eine intellektuelle Aussagekraft in dieser Anordnung: Zum Beispiel intensive menschliche Anstrengung, Emotionen unter der Leitung des Heiligen Geistes. Sie dienten wahrscheinlich auch als Gedächtnisstütze - zumindest in den Psalmen - wenn sie gesungen wurden. Diese Art von Gedicht findet man in Psalm 25; 34; 37; 111; 112; 119; 145; Sprüche 31,10-31; Klagelieder 1; 2; 3; 4.

In einigen Strophen, die man „zusammengesetzt" nennt, stimmt ein Teil mit dem vorangehenden überein, indem es entweder dasselbe ausdrückt oder den ersten Teil erklärt: wie

"'Nein, sondern auf Rossen wollen wir fliegen';
darum werdet ihr fliehen;
und: 'Auf Rennern wollen wir reiten';
darum werden eure Verfolger rennen." (Jes 30,16).

Andere Strophen werden „antithetisch" genannt. Dort ist die zweite Hälfte das Gegenteil der Ersten: wie z.B:

"Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen,
aber der Name der Gottlosen verwest." (Spr 10,7).

Ausgehend von diesen Beispielen variiert die Form der Strophen auf vielfältige Weise. Das erste Beispiel finden wir bei dem, was Lamech seinen Frauen sagt. Es scheint ein Parallelismus oder eine Übereinstimmung zu sein.

"Ada und Zilla, hört meine Stimme;
Frauen Lamechs, horcht auf meine Rede!
Einen Mann erschlug ich für meine Wunde
und einen Jüngling für meine Strieme!
Wenn Kain siebenfach gerächt wird,
so Lamech siebenundsiebzigfach." (1. Mo 4,23.24).

Gegen Ende des AT sang Habakuk (Hab 3,18.19), als alle irdischen Segnungen dahin waren:

"Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken,
will jubeln in dem Gott meines Heils.
Der HERR, der Herr, ist meine Kraft
und macht meine Füße denen der Hirschkühe gleich
und lässt mich einherschreiten auf meinen Höhen."

 


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