Prediger, Der – Bibel-Lexikon

Die ersten zwei, drei Verse geben den Gegenstand des Buches an. „Eitelkeit der Eitelkeiten, spricht der Prediger; Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist Eitelkeit. Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?" Dieser Ausdruck „unter der Sonne" kommt nicht weniger als 28 Mal in den zwölf Kapiteln vor und weist auf den Charakter des Buches hin. Es beschreibt das Leben „in Adam", und sucht eine Antwort auf die Fragen: Was ist für den Menschen das Beste? und: Wie sollte er sein Leben verbringen, um auf der Erde glücklich zu sein? Der Schreiber spricht wie ein menschlicher Philosoph auf seiner Wanderschaft. Manchmal kommt er der Wahrheit nahe, aber ein andermal ist er weit von ihr entfernt. Deshalb geben manche Stellen falsche Rückschlüsse des Menschen an (vgl. z. B. Pred 3,18-20; 7,16.17; 8,15). Die direkte göttliche Belehrung ist in den letzten paar Versen des Buches enthalten. Die beiden letzten Verse beantworten das Forschen von Prediger 1,13; 2,3.

Salomo, der Schreiber, geht durch seine Erfahrungen der Weisheit, des Reichtums, der Arbeit und alles dessen, was sein Herz als Mensch wünschen könnte (und wer kann dem König hierin gleichkommen?). Er schildert dies durch Inspiration des Heiligen Geistes. Wenn er also beweist, dass alles Eitelkeit und Verdruss des Geistes ist, so handelt es sich also nicht um die Äußerung eines enttäuschten Menschen, sondern um eine göttlich aufgezeichnete Überzeugung. Die Handlungen des Menschen werden dadurch charakterisiert, dass sie „unter der Sonne" geschehen, ohne dass daran gedacht wird, diese gottgemäß auszuführen. Der Mensch wird nicht als in direkter Verbindung zu Gott stehend betrachtet, jedoch als seinem Schöpfer verantwortlich. Der Name des HERRN kommt nicht vor.

Kapitel 1 und 2

„Das Auge wird des Sehens nicht satt, und das Ohr nicht voll vom Hören." Deshalb erforschte Salomo sein Herz im Hinblick auf Fröhlichkeit (Pred 1,13.16; 2,1.3), Wein, Weisheit, Torheit und große Werke. Sein Herz war verzweifelt, und er schloss daraus, dass nichts besser für einen Menschen wäre, als sich an seiner Arbeit und an allen Gaben Gottes zu erfreuen.

Kapitel 3

Der Mensch wird in seinem zeitlichen Zustand gezeigt. Alles hat eine Zeit „unter dem Himmel", aber nur „eine Zeit". Gott macht zu seiner Zeit alles wunderbar. „Er hat die Ewigkeit" in das Herz des Menschen gelegt, „ohne dass der Mensch das Werk, das Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag" (Pred 3,11). Gott bewirkt sein eigenes Ende während dieses zeitlichen Zustandes. Der Mensch lebt in der Zeit, aber was Gott tut, wird für immer sein. Gott wird die Gerechten und Ungerechten richten, aber gemäß der wahren menschlichen Erkenntnis stirbt der Mensch, ebenso wie ein Tier stirbt. Das ist die einzige Schlussfolgerung, die er daraus zieht, wenn er sieht, was unter der Sonne stattfindet.

Kapitel 4

Trauer wird ausgedrückt über die Bedrückung und die Ungerechtigkeit, die in einer sündigen Welt bestehen, ohne einen wirksamen Trost und ohne ein Heilmittel. Es wird von den Armen, den Reichen und den Faulen gesprochen, und das Böse entsteht aus der Torheit in privaten Angelegenheiten (Pred 4,7-11) und im politischen Leben (Pred 4,13-16).

Kapitel 5

Die Ehrfurcht wird vorgestellt und das Verhalten im Haus Gottes, Vorsicht vor Gelübden und ein Aufruf, Gott zu fürchten. Er steht über jeder Bedrückung auf der Erde und nimmt von allem Kenntnis. In Prediger 5,9-17 wird das landwirtschaftliche Leben dem kommerziellen Leben mit seinen Ängsten und unterschiedlichen Schicksalen gegenübergestellt. Wieder schließt der Schreiber daraus, dass es gut und angenehm ist zu essen und zu trinken, und sich des Guten, das Gott gibt, zu erfreuen.

Kapitel 6

Hier steht Eitelkeit in Verbindung mit Reichtum und der Unfähigkeit, sich an demselben zu erfreuen. Was die Kinder, das Alter und das Umherirren der Wünsche des Menschen angeht, so gilt: Das Leben ist wie ein Schatten.

Kapitel 7

Hier werden verschiedene Dinge miteinander verbunden: die besseren Dinge sind ein guter Name, Traurigkeit, die Zurechtweisung des Weisen, sowie das Ende einer Sache und Weisheit. Die befremdende Sicht in Pred 7,15 ließ den Schreiber versuchen, einen Mittelweg zwischen Gutem und Bösem zu finden, und doch eine gewisse Furcht Gottes zu bewahren. Aber auf diesem Mittelweg war er falsch: Die Weisheit war weit von ihm entfernt. Weisheit hat ihre Schwierigkeiten, welche der Mensch nicht lösen kann. Er lernt, dass es nicht einen gerechten Menschen auf der Erde gibt, der nicht sündigt. Gott bildete den Menschen aufrichtig, doch sie suchten viele Ränke.

Kapitel 8

Könige müssen anerkannt werden: sie sind Gottes Diener, um das Böse zu unterdrücken. Die Sünder und die Gerechten werden einander gegenübergestellt, und es steht wohl mit dem, der Gott fürchtet. Aber das Werk Gottes, der vorausschauend handelt, ist geheimnisvoll und kann nicht ergründet werden.

Kapitel 9

Die Dinge stellen sich für den Gerechten und den Bösen gleich dar: beide sterben. Deshalb empfiehlt der Schreiber ungerechterweise ein Leben der Selbstgefälligkeit, denn Gott scheint gleichgültig zu sein gegenüber allem, was getan wird. Ein „armer weiser Mann" befreite eine Stadt durch seine Weisheit, aber er wurde vergessen.

Kapitel 10

Beobachtungen in Bezug auf Weisheit und Torheit. Weisheit hat Vorteile für dieses Leben, sowohl für den Weisen selbst, als auch für andere. Es ist nicht gut für ein Land, wenn der König ein Kind ist und die Fürsten unfähig.

Kapitel 11

Es werden Ermahnungen gegeben, bei allen Gelegenheiten und an jedem Ort das „Brot" hinzuwerfen und „Samen zu säen", es wird nicht alles verloren gehen. Die Werke Gottes können nicht völlig erkannt werden: je mehr davon gekannt sind, desto mehr zeigt sich, wie vieles davon unbekannt ist. Es ist, als ob der Weiseste eine leere Wand erreicht, hinter der alles unbekannt ist. Dem jungen Menschen wird geraten, sich während seines Lebens zu freuen, aber Gott wird ihn für alles ins Gericht bringen.

Kapitel 12

Man soll sich des Schöpfers erinnern in den Tagen der Jugendzeit. Altersschwäche und Tod werden beschrieben. Der Mensch wird von dem Tod eingeholt, ehe er wahre Weisheit gefunden hat. In Prediger 12,8 ist das Tasten des Philosophen unter der Sonne vorüber, er kommt zurück zu seinem Ausgangspunkt. „Eitelkeit der Eitelkeiten, spricht der Prediger, alles ist Eitelkeit". Es folgt eine eindeutige Trennung. Der Sünder kann keine Glückseligkeit erwarten außer in Gott. „Der ganze Mensch" soll „Gott fürchten und seine Gebote halten". Gott wird jedes Werk ins Gericht bringen.

Schlussbemerkungen

Dies ist ein kurzer Abriss des Inhalts des Buches des Predigers. Es ist darin keine Rede von Gnade oder Erlösung. Es ist die Erfahrung eines Menschen - eines Königs mit Weisheit und Reichtum, der hinsichtlich des menschlichen Lebens alles Unnormale, das in der Welt existiert, zu erklären versucht, während er es „unter der Sonne" betrachtet. Es kann nur durch die Weisheit von oben erklärt werden oder bedenkenlos unerklärt bleiben. Erst im N.T. heißt es, dass wir eine „neue Schöpfung" bekommen, die über der Verwirrung des gefallenen Menschen steht und „ewiges Leben" offenbart, das in dem Sohn Gottes ist.

Das Buch des Predigers war für viele Gelehrte ein großes Rätsel. Sie konnten nicht verstehen, wie ein König wie Salomo solche Erfahrungen haben konnte, oder gar solch ein Buch schreiben konnte. Sie urteilten, dass es viel später geschrieben wurde, nämlich, als sich die Juden unter der Herrschaft der Perser befanden, und dass der Schreiber sich nur als Salomo ausgab. Es kann in ihren Argumenten leicht festgestellt werden, dass sie übersehen haben, was das ganze Buch durchzieht und was der Schlüssel zu seinem Verständnis ist, nämlich dass alles vom Standpunkt des Menschen aus betrachtet wird, was durch den Ausdruck „unter der Sonne" verdeutlicht wird. Wenn Salomo sich über dies erhebt, wie er das in dem Buch der Sprüche tut, sehen wir eine ganz andere Erfahrungsebene und die Offenbarung göttlicher Weisheit. Dort spricht er viel von dem HERRN, dem Namen der Beziehung, welcher, wie oben gesagt, in unserem Buch nicht vorkommt.

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