Die Bibel - Das Buch Gottes

Die Bibel ist ein Buch für die gegenwärtige Zeit, ein Buch für heute. Sie ist das Buch Gottes, seine vollkommene Offenbarung. Seine eigene Stimme spricht zu jedem von uns. Sie ist ein Buch für alle Zeiten, für alle Länder, für alle Klassen von Menschen, hoch und niedrig, reich und arm, gelehrt und ungelehrt, alt und jung. Sie spricht eine so einfache Sprache, dass ein Kind sie verstehen kann, und doch so tief, dass der schärfste Verstand sie nicht zu ergründen vermag. Zudem spricht sie unmittelbar zu dem Herzen des Menschen. Sie dringt hinab bis zu den verborgensten Quellen unserer Gedanken und Gefühle und ergründet die geheimsten Winkel unseres Seins. Sie richtet und beurteilt uns durch und durch. Kurz, das Wort Gottes ist, wie der Apostel sagt, „lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens“ (Heb 4,12). Wie wunderbar passend ist alles für unseren eigenen Zustand und für jeden Tag unseres Lebens! Das Wort redet zu uns mit einer Frische, als wenn es ausdrücklich für uns und im gegenwärtigen Augenblick geschrieben worden wäre. Es ist kein veraltetes Schriftstück, das von einem Zustand der Dinge und der menschlichen Gesellschaft berichtet, der längst vergangen und in das Grab der Vergessenheit gesunken ist.

Auch ruft es unsere Bewunderung hervor, wie allumfassend dieses Buch ist. Es behandelt die Gewohnheiten, Sitten und Grundsätze unseres Jahrhunderts mit derselben Bestimmtheit und Schärfe wie die früheren Perioden des menschlichen Daseins. Es entfaltet eine vollkommene Bekanntschaft mit dem Menschen in jedem Abschnitt seiner Geschichte. Wir sehen in diesem wunderbaren Buch, das Gott uns so gnädig zu unserer Unterweisung gegeben hat, das Bild der menschlichen Geschichte auf jeder Stufe ihrer Entwicklung von einer Meisterhand gezeichnet. Welches Vorrecht, ein solches Buch zu besitzen, eine göttliche Offenbarung in unseren Händen zu halten, Zugang zu einem Buch zu haben, von welchem jede Zeile durch göttliche Inspiration eingegeben ist, eine göttliche Schilderung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu besitzen! Wer könnte ein solches Vorrecht genügend schätzen?

Doch dieses Buch richtet den Menschen und seine Wege, beurteilt die Gedanken und Überlegungen seines Herzens. Es sagt ihm die Wahrheit über sich selbst. Deshalb liebt der Mensch Gottes Buch nicht. Er zieht eine Zeitung, eine „Illustrierte“ oder einen Roman der Bibel weit vor. Er liest noch lieber einen Bericht über irgendeine interessante Gerichtsverhandlung, als ein Kapitel aus dem Neuen Testament. Deshalb auch seine fortwährenden Anstrengungen, es von dem Platz zu stoßen, den es behauptet. Es ist heute nicht anders als zu den Zeiten der Apostel als „etliche böse Männer vom Gassenpöbel“ und „anbetende und vornehme Frauen und die Ersten der Stadt“ (zwei in gesellschaftlicher wie sittlicher Hinsicht so unterschiedliche Klassen) in der Verwerfung des Wortes Gottes und derer, die es predigten (Apg 13,50; 17,5), im Grunde des Herzens übereinstimmten. In gleicher Weise erfahren wir auch heute, dass die Menschen, mögen sie sich in allem anderen noch so fern stehen, sofort einig sind, wenn es sich um den Widerspruch gegen die Bibel handelt. Um andere Bücher kümmert man sich wenig. Niemand denkt daran, bei Virgil, Livius, Homer und Herodot 1 nach Fehlern und Widersprüchen zu suchen. Nur die Bibel kann den Menschen nicht ruhig lassen, weil sie ihm die Wahrheit sagt über sich und die Welt, zu der er gehört.

Genauso war es mit dem lebendigen Wort, dem Sohne Gottes, dem Herrn Jesus selbst, als er auf Erden unter den Menschen wandelte. Sie hassten ihn, weil er ihnen die Wahrheit sagte. Alle anderen Menschen konnten ungehindert ihres Weges gehen. Er aber wurde auf Schritt und Tritt bewacht und belauert. Die Führer und Leiter des Volkes „suchten ihn in seiner Rede zu fangen“ (Lk 20,20), suchten eine Gelegenheit, um ihn der weltlichen Macht überliefern zu können. So war es während seines ganzen Lebens. Und als es endlich dem menschlichen Hass gelungen war, den Herrn der Herrlichkeit ans Kreuz zu bringen, ihn zwischen zwei Mördern ans Fluchholz zu nageln, fielen die Schmähungen der Vorübergehenden nicht etwa auf diese. Für sie, die wegen ihrer Schandtaten Schmach und Spott verdient hatten, mochte es vielleicht noch einen mitleidigen Blick, ein bedauerndes Achselzucken geben. Wenigstens dachten die Hohenpriester und Schriftgelehrten nicht daran, in grausamem Spott über sie den Kopf zu schütteln. Alle Beschimpfung, aller Spott, aller Hohn und alle Herzlosigkeit galten dem, der an dem mittleren Kreuze hing, dem reinen fleckenlosen Lamm Gottes.

Doch was ist die eigentliche Quelle alles Widerspruches gegen das Wort Gottes, sowohl gegen das lebendige als auch gegen das geschriebene Wort? Der Hass des Teufels gegen das Wort Gottes. Er hasst es mit vollkommenem Hass, und bedient sich der Gelehrsamkeit ungläubiger Männer in der Weise, dass er sie Bücher schreiben lässt, die beweisen sollen, dass die Bibel nicht Gottes Wort sei, dass sie es nicht sein könne, weil es Irrtümer und Widersprüche in ihr gebe. Ja, jene Gelehrten behaupten, dass wir im Alten Testament Gesetze und Verordnungen, Gewohnheiten und Gebräuche fänden, die eines gnädigen und wohlwollenden Wesens ganz und gar unwürdig seien.

Auf alle Beweisführungen dieser Art haben wir nur eine kurze und bestimmte Antwort: Alle diese ungläubigen Gelehrten wissen und verstehen nichts von der ganzen Sache, mögen sie im Übrigen noch so gelehrt, befähigt und wohl bewandert sein in der allgemeinen Literatur.

Nichts verdient unsere Verachtung mehr, als jene Bücher, welche von Ungläubigen gegen die Bibel geschrieben werden. Jede Seite, jeder Abschnitt, ja, jeder Satz beweist die Wahrheit der Worte des Apostels Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther, dass „der natürliche Mensch nicht annimmt, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1. Kor 2,14). Das ist entscheidend. Paulus spricht von dem Menschen in seinem natürlichen Zustande, von Gelehrten und Ungelehrten. Und da heißt es einfach: „Er kann nicht erkennen, was des Geistes Gottes ist.“ Wie kann ein solcher Mensch nun wagen, zu beurteilen, was Gottes würdig und was seiner unwürdig sei? Wie kann er ein Urteil fällen über das Wort Gottes, wie zu Gericht sitzen über Gott selbst? Seine Beweise sind unhaltbar, seine Meinungen und Behauptungen wertlos. Menschliche Gelehrsamkeit und menschliche Weisheit, so umfassend und tief sie auch sein mögen, können einen Menschen nicht befähigen, sich ein Urteil über Gottes Wort zu bilden. Ein Gelehrter kann ohne Zweifel die alten Handschriften der Bibel kritisch auf ihren Text hin prüfen und vergleichen. Er kann sogar sehr fähig sein, sich ein Urteil über die richtige oder unrichtige Lesart einer besonderen Stelle zu bilden. Aber das ist etwas ganz anderes, als wenn ein ungläubiger Schriftsteller es unternimmt, die göttliche Offenbarung selbst zu beurteilen, die Gott uns in seiner unendlichen Güte gegeben hat. Die Heiligen Schriften können allein durch den Heiligen Geist verstanden und gewürdigt werden, durch denselben Geist, der sie eingegeben hat. Das Wort Gottes muss auf seine eigene Autorität hin aufgenommen werden. Wenn der Mensch es mit seiner Vernunft beurteilen könnte, dann wäre es nicht Gottes Wort. Der Mensch ist ebenso wenig befugt, die Schrift zu beurteilen, wie über Gott Selbst zu Gericht zu sitzen. Die Schrift beurteilt den Menschen, nicht aber der Mensch die Schrift. Schon vor ungefähr sechstausend Jahren ist durch die alte Schlange im Garten Eden die Frage aufgeworfen worden, die durch alle Jahrhunderte hindurch von allen Zweiflern, Vernunftgläubigen und Ungläubigen wiederholt wurde: „Hat Gott wirklich gesagt?“ (1. Mo 3,1). Wir erwidern mit inniger Freude und Wonne: Ja! gepriesen sei sein heiliger Name! Er hat gesprochen, zu uns gesprochen! Er hat uns seine Gedanken offenbart; er hat uns sein Wort, die Heiligen Schriften, gegeben. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt“ (2. Tim 3,16.17). „Denn alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, auf dass wir durch ... die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben“ (Röm 15,4). Der Herr sei gepriesen für solche Worte! Sie versichern uns, dass alle Schrift von Gott eingegeben und geschenkt ist. Welch eine kostbare, gesegnete Verbindung der Seele zu Gott! Welche Zunge vermöchte deren Wert auszusprechen? Gott hat gesprochen.

Das Wort Gottes ist ein Fels, an dem die Wogen ungläubiger Meinungen und Lehren machtlos zerschellen. Sie vermögen seine göttliche Kraft und ewige Dauer nicht zu erschüttern. Durch nichts kann das Wort Gottes angetastet werden. Es steht in der ihm eigenen Herrlichkeit und Kraft unerschütterlich da, trotz aller Angriffe seiner zahlreichen Feinde. „In Ewigkeit, Herr, steht dein Wort fest in den Himmeln“ (Ps 119,89). „Du hast dein Wort groß gemacht über deinen Namen“ (Ps 138,2). Was bleibt uns nun zu tun übrig? Nur das eine: „In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, auf dass ich nicht wider dich sündige“ (Ps 119,11). Darin liegt das tiefe Geheimnis des Friedens. Das Herz ist verbunden mit dem Throne, ja, mit dem Herzen Gottes selbst vermittelst des kostbaren Wortes und besitzt dadurch einen Frieden, den die Welt weder geben noch nehmen kann. Was können alle Meinungen und Beweise der Ungläubigen bewirken? Nichts. Für den, der durch die Gnade wirklich gelernt hat, auf das Wort Gottes zu vertrauen, auf der Autorität der Heiligen Schrift zu ruhen, sind alle Bücher der Ungläubigen, so viele je geschrieben wurden, völlig wert- und kraftlos. Sie zeigen ihm nur die Unwissenheit und Anmaßung ihrer Schreiber. Aber das Wort Gottes werden sie lassen, wo es immer gewesen ist und in Ewigkeit sein wird, „fest in den Himmeln“, so unerschütterlich wie der Thron Gottes selbst 2. So wenig die Angriffe der Ungläubigen den Thron Gottes zu erschüttern vermögen, ebenso wenig können sie sein Wort erschüttern, und ebenso wenig vermögen sie, gepriesen sei sein Name!, den Frieden anzutasten, der jedes Herz erfüllt, das auf dieser feststehenden Grundlage ruht. „Große Wohlfahrt haben die, die dein Gesetz lieben, und kein Fallen gibt es für sie“ (Ps 119,165). „Das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit“ (Jes 40,8). „Alles Fleisch ist wie Gras, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und seine Blume ist abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dies aber ist das Wort, welches euch verkündigt worden ist“ (1. Pet 1,24.25).

Hier haben wir wieder dasselbe kostbare Band. Das Wort Gottes, das uns in der Form einer guten Botschaft erreicht hat, ist das Wort des Herrn, welches „bleibt in Ewigkeit“. So sind auch unsere Errettung und unser Friede auf das festeste gegründet, weil sie auf diesem unerschütterlichen Felsen-Wort gegründet sind. Wenn alles Fleisch wie Gras ist und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume, was sind dann die ganzen Beweise der Ungläubigen wert? Sie sind wertloser als verdorrtes Gras oder eine verwelkte Blume, und wer solche Beweise aufstellt oder sich dadurch beeinflussen und leiten lässt, wird ihre Wertlosigkeit früher oder später erkennen müssen. Welch eine sündhafte Torheit ist es, wider das Wort Gottes zu streiten - wider das einzige, was in dieser Welt dem armen, müden Menschenherzen Trost und Ruhe geben kann, was armen, verlorenen Sündern die frohe Botschaft der Errettung bringt, unmittelbar von dem Herzen Gottes her!

Vielleicht ist hier am Platze, einer oft aufgeworfenen Frage zu begegnen, die schon viele beunruhigt hat. Es ist die Frage: „Wie können wir wissen, dass das Buch, das wir die Bibel nennen, Gottes Wort ist?“ Unsere Antwort hierauf ist einfach: Der, welcher uns in seiner Gnade dieses gesegnete Buch geschenkt hat, kann uns auch allein die Gewissheit geben, dass es von ihm ist. Derselbe Geist, der die verschiedenen Schreiber der Heiligen Schriften inspiriert hat, kann heute noch in uns die Erkenntnis bewirken, dass diese Schriften wirklich die Stimme Gottes sind, die zu uns redet.

Diese Erkenntnis kann aber nur durch den Heiligen Geist hervorgebracht werden, wie wir bereits gesehen haben. „Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird“ (1. Kor 2,14). Wenn der Heilige Geist uns nicht die Erkenntnis und die Gewissheit gibt, dass die Bibel Gottes Wort ist, so ist überhaupt keine Gewissheit zu erlangen; denn kein Mensch vermag sie uns zu verschaffen. Andererseits aber, wenn er sie uns gegeben hat, so bedürfen wir sicherlich keines menschlichen Zeugnisses mehr.

Wenn über dieser großen Frage auch nur ein Schatten von Ungewissheit läge, so wäre das für uns das größte Unglück. Doch wer kann uns Gewissheit geben? Gott allein. Wenn alle Menschen auf der Erde eins wären in ihrem Zeugnis über die Autoritäten der Heiligen Schriften, wenn alle Kirchenversammlungen, die je abgehalten wurden, alle Lehrer, die je gelehrt, alle Väter, die je geschrieben haben, der Lehre von der Inspiration ihre Zustimmung gegeben hätten, wenn die ganze Kirche, wenn alle Parteien in der Christenheit die Wahrheit bestätigt, dass die Bibel in der Tat Gottes Wort sei, so würde uns dies doch alles keinen festen Grund der Gewissheit geben. Wenn unser Glaube auf einer solchen Autorität ruhte, so wäre er völlig wertlos. Gott allein kann uns die Gewissheit geben, dass er gesprochen hat. Wenn er sie aber gibt, dann sind alle Beweise, alle Untersuchungen der alten und neuen Ungläubigen gleich dem Schaum auf den Wogen des Meeres. Der wahre Gläubige verwirft alles dieses als völlig wertlosen Staub und ruht in heiligem Seelenfrieden auf der unvergleichlichen Offenbarung, die unser Gott uns gegeben hat.

Es ist von größter Wichtigkeit, Klarheit über diese Frage zu besitzen, um einerseits vor den Einflüssen des Unglaubens und andererseits vor den Verirrungen des Aberglaubens bewahrt zu bleiben. Der Unglaube erkühnt sich zu sagen, Gott habe uns keine schriftliche Offenbarung seiner Gedanken gegeben, habe sie nicht geben können. Der Aberglaube behauptet, Gott habe zwar eine solche Offenbarung gegeben, aber man könne dies ohne eine menschliche Autorität nicht sicher wissen, noch auch die Offenbarung ohne menschliche Auslegung verstehen. Es liegt auf der Hand, dass beide uns in gleicher Weise die kostbare Gabe des Wortes rauben wollen. Und das ist gerade das Ziel, das Satan verfolgt. Er wünscht uns des Wortes Gottes zu berauben, und er kann diesen Zweck ebenso gut durch den Aberglauben erreichen, der demütig und ehrerbietig weise und gelehrte Menschen als Autoritäten anerkennt, wie durch den Unglauben, der alle göttliche und menschliche Autorität frech verwirft.

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Vater schreibt an seinen im Ausland weilenden Sohn einen liebevollen Brief, berichtet ihm von seinen Plänen und Anordnungen; er schreibt ihm über alles, was den Sohn angeht und was die Liebe eines Vaterherzens zu ersinnen vermag. Als der Sohn am Postschalter nach dem Brief fragt, antwortet der Beamte ihm, wie er nur so töricht sein könne zu glauben, sein Vater habe ihm geschrieben, da er gar nicht schreiben, noch ihm seine geheimen Gedanken mitteilen könne. Da tritt ein anderer Beamter hinzu und sagt: „Ja, es ist doch ein Brief für sie angekommen, aber sie können ihn unmöglich verstehen, nicht einmal richtig lesen; wir werden ihnen die wichtigen Stellen übersetzen und ihnen diese erklären.“ Beide wollen den Sohn der kostbaren Mitteilungen des Vaters berauben. Was würde der Sohn ihnen erwidern? Er würde ihnen kurz und bestimmt antworten: „Mein Vater hat mir seine Gedanken mitgeteilt, und er allein kann mir seine Mitteilungen verständlich machen. Deshalb gebt mir sofort den Brief heraus! Er ist an mich adressiert, und niemand hat ein Recht, mir ihn vorzuenthalten“ 3

Ebenso entschieden wird der einfältige Christ der Anmaßung des Unglaubens und der Unwissenheit des Aberglaubens entgegentreten und diese Werkzeuge Satans unserer Tage zurückweisen. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“ (2. Tim 3,16). Und „alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben“ (Röm 15,4). Gott sei Dank, dass er uns diese herrliche Antwort für jeden Feind seines unvergleichlichen und kostbaren Wortes gegeben hat!

Wir müssen um jeden Preis treu und standhaft die unbedingte göttliche Autorität, sowie die Vollkommenheit des Wortes Gottes für alle Zeiten, Orte und Umstände aufrechterhalten. Wir müssen unverrückbar daran festhalten, dass die Schriften, „von Gott eingegeben“, vollkommen sind in der höchsten und vollsten Bedeutung des Wortes, dass sie nicht nötig haben, durch menschliche Autorität beglaubigt oder durch menschliche Zeugnisse gültig gemacht zu werden. Sie sprechen für sich selbst und tragen ihre Beglaubigung in sich selbst. Alles, was wir zu tun haben, ist, zu glauben und zu gehorchen, nicht zu vernünfteln und zu streiten. Gott hat gesprochen. An uns ist es, zu hören und seinen Worten einen rückhaltlosen und ehrerbietigen Gehorsam zu erweisen.

In der Geschichte der Kirche hat es nie eine Zeit gegeben, in der es dringender geboten gewesen wäre, dem Gewissen des Menschen die Notwendigkeit eines unbedingten Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes vorzustellen, als gerade jetzt. Leider wird das so wenig gefühlt. Der größte Teil der bekennenden Christen scheint es als Recht zu betrachten, den eigenen Gedanken, der eigenen Vernunft, dem eigenen Urteil oder dem eigenen Gewissen zu folgen. Man glaubt nicht mehr, dass die Bibel ein göttliches und in allen Einzelheiten des Lebens leitendes Buch ist. Man denkt, es gebe viele Dinge, in denen man seiner eigenen Entscheidung folgen müsse. Daher die zahllosen Sekten, Parteien, Glaubensbekenntnisse und Richtungen. Wenn menschliche Meinungen überhaupt anerkannt werden, dann hat selbstverständlich der eine so gut ein Recht, der seinigen zu folgen, wie der andere, und so ist es gekommen, dass die bekennende Kirche wegen ihrer Zersplitterung zu einem Sprichwort geworden ist.

Und welches ist das einzige wirksame Mittel gegen diese allgemein verbreitete Krankheit? Es ist, wie schon oben gesagt, eine unbedingte und vollständige Unterwerfung unter die Autorität der ganzen Heiligen Schrift. Nicht dass der Mensch an das Wort Gottes herantreten sollte, um seine Meinungen und seine Ansichten darin bestätigt zu finden, sondern er sollte es mit der Absicht lesen, die Gedanken Gottes über alle Dinge zu erfahren, und er sollte sein ganzes Sein unter die göttliche Autorität des Wortes beugen. Das ist die dringende Notwendigkeit für die Tage, in welchen wir leben. Ohne Zweifel gibt es große Unterschiede in dem Maße unseres geistlichen Verständnisses und in der Art und Weise, wie wir die Schriften erfassen und wertschätzen. Aber was wir allen Christen dringend ans Herz legen möchten, ist jener Zustand der Seele, der sich in den Worten des Psalmisten ausgedrückt findet: „In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, dass ich nicht wider dich sündige“ (Ps 119,11). Eine solche Herzensstellung ist sicherlich Gott angenehm. „Aber auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, und der da zittert vor meinem Worte“ (Jes 66,2).

Hierin liegt auch das Geheimnis unserer Sicherheit in geistlicher Beziehung. Unsere Kenntnis der Schrift mag sehr beschränkt sein; aber wenn wir eine tiefe Ehrfurcht vor dem Wort hegen, werden wir dennoch vor tausend Irrtümern und Fallstricken bewahrt bleiben. Es wird dann auch ein stetes Wachstum zu bemerken sein. Wir werden wachsen in der Erkenntnis Gottes, in der Erkenntnis Christi und des geschriebenen Wortes. Wir werden mit Freude und Wonne aus den unergründlichen Tiefen des lebendigen Wortes schöpfen und durch jene grünen Auen wandern, die eine unbegreifliche Gnade für die Herde Christi aufgeschlossen hat. Das Leben aus Gott wird auf diese Weise genährt und gekräftigt; das Wort Gottes wird unseren Seelen von Tag zu Tag köstlicher, und wir werden durch die Macht des Heiligen Geistes immer mehr in die Tiefe, Fülle, Majestät und Herrlichkeit der Heiligen Schrift eingeführt werden.

Fußnoten

  • 1 Dichter und Geschichtsschreiber der alten Römer und Griechen
  • 2 Welch eine traurige, niederdrückende Tatsache ist es, dass wir heute die bei weitem gefährlichsten ungläubigen Schriftsteller unter denen zu suchen haben, die sich Theologen nennen! Wenn man früher das Wort „ungläubig“ hörte, dachte man an einen Voltaire. Heute aber sind es Professoren und Lehrer der bekennenden Kirche, die als Feinde des Wortes Gottes auftreten und sein göttliche Autorität leugnen.
  • 3 Der Mensch hat nicht allein das Recht des Anspruchs auf Gottes Wort in allem, was seinen Nächsten betrifft, hinsichtlich der Rechte des Gewissens, er besitzt ein noch viel heiligeres Recht darauf, wenn man es ihm entzieht. Denn Gott ist es, der das Recht hat, dem Geiste der Menschen mitzuteilen, was er will, und da er dies getan hat, so greifen diejenigen in seine Rechte ein, die den Menschen das offenbarte Wort wegnehmen wollen, und sie verkennen die Machtvollkommenheit Gottes, der ihnen sein Wort gesandt hat. - Wenn ich z.B. Diener habe und ihnen meine Befehle zusende, so greift derjenige, welcher sie an dem Empfang dieser Befehle hindert, offenbar nicht nur in ihre sondern auch in meine Rechte ein; das ist hier der wesentliche Punkt.

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