Gottes Rettung
Die Rechtfertigung des Sünders und die Befreiung des Gläubigen

Der heidnische Moralist

Unterabschnitt (c), (Kapitel 2,1–16)

Der Moralist steht unter dem Gericht

Auch für jemanden, der den Zustand der Dinge um sich her verurteilte, gab es keine Entschuldigung, denn, indem er andere richtete, verurteilte er sich selbst, weil er, während er andere richtete, dieselben Dinge tat. Außerdem wird er gar nicht aufgefordert zu richten (denn Gott wird richten), sondern Buße zu tun. Nun, wir als Christen wissen, dass Gottes Gericht gegenüber denen, die sich so verhalten, mit Tatsachen zu tun hat. Solch eine Person sollte dem Gericht Gottes auch nicht entfliehen. Denn in Wirklichkeit tat sie nichts anderes, als Gottes Güte und Langmut zu verachten, die eigentlich dazu führen sollten, sich selbst zu richten und Buße zu tun, statt andere wie ein Pharisäer zu verurteilen. So würde sich jemand nur selbst Zorn aufhäufen in der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der in göttlicher Gerechtigkeit jedem nach seinen Werken vergelten wird: denen, deren beharrliches Ziel inmitten der Schande, Unehre und Verdorbenheit von Kapitel 1 Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit war, ewiges Leben. Den übrigen allen gleichermaßen Drangsal und Angst: dem Juden jedoch zuerst, der mit größeren Privilegien auch in erster Linie Verantwortung trug, denn es gibt kein Ansehen der Person bei Gott. Dann würden die Nationen, die nicht unter dem Bund mit Gott standen, denen das Gesetz nicht gegeben worden war, wenn sie sündigten, wie es ja alle getan haben, ohne Gesetz gerichtet werden; aber der Jude, der das Gesetz hatte, würde durch dies gerichtet werden an dem Tag, da Gott die Geheimnisse der Menschen durch Jesus Christus richten wird gemäß dem Evangelium von Paulus. Denn wie Gott nach Wahrhaftigkeit suchte, werden nicht bloß Hörer des Gesetzes, sondern Täter davon gerechtfertigt werden – nicht dass es solche gäbe, wie das nächste Kapitel klar beweist, sondern Paulus wollte bloß einen Fall annehmen, der der Aussage entspricht: „Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben.“ Aber es gab keinen derartigen Menschen, denn „dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn ‚der Gerechte wird aus Glauben leben‘. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben“ (Gal 3,11.12). Denn die Nationen, die das Gesetz nicht haben und doch von Natur die Dinge tun, die das Gesetz anordnet, sind sich selbst ein Gesetz und zeigen das Werk des Gesetzes geschrieben in ihren Herzen, wobei ihr Gewissen mit Zeugnis ablegt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen, je nachdem was ein Fall verlangt. Beachte, dass der Apostel sagt: „das Werk des Gesetzes geschrieben in ihren Herzen“, nicht das Gesetz, wie gesetzliche Leute vergeblich zu beweisen versucht haben; denn das Gesetz wurde niemals den Nationen gegeben; sie haben kein Gesetz, auch ist es nicht in ihren Herzen geschrieben, obwohl es in den letzten Tagen auf die Herzen Israels geschrieben werden wird (Jer 31,33).

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