Prophetische Übersicht über die Psalmen

Psalm 9-15

Diese Serie von Psalmen beginnt mit der Not des gottesfürchtigen Überrestes in der Drangsal und blickt bis auf die Zeit, wenn er unter der Regierung Christi im 1000-jährigen Reich im Tempel auf dem heiligen Berg Zion stehen wird.

Psalm 91

Dieser Psalm umreißt die Hoffnung der Juden des gottesfürchtigen Überrestes in der Zeit ihrer größten Prüfung, der Drangsal. Er zeigt das Warten des Überrestes auf das Kommen des Messias zum Gericht über die Gottlosen, zur Befreiung seines Volkes und zur Aufrichtung seiner Herrschaft in Gerechtigkeit über die Welt.

Während der Überrest Verfolgung durch seine ungläubigen Brüder erleidet (Ps 9,14), wartet er auf die Befreiung, über welche er den Herrn preisen wird (Ps 9,2–3). Diesen erwartend, sieht er das Gericht, das seine Feinde ereilen wird, voraus (Ps 9,4–7). Darüber hinaus sieht er bereits, wie der Thron des Herrn zum Gericht aufgestellt werden wird, von dem aus Er über den Erdkreis in Gerechtigkeit regieren wird (Ps 9,8–11). Daher freut er sich schon auf das Lob, das jenen Tag erfüllen wird, an dem der Herr in Zion wohnen und der Überrest mit ihm dort verbunden sein wird (Ps 9,12–15). Zuletzt sieht er das Ende der gottlosen Juden und der Nationen, die Gott vergessen haben, im Gericht (Ps 9,16–19).

Psalm 10

Während der gottesfürchtige jüdische Überrest das Kommen des Herrn zur Aufrichtung des Reiches in Gerechtigkeit erwartet, muss er den Aufstieg des Antichristen (des Gottlosen2) im Land mit ansehen. Dieser Psalm beginnt nicht mit Lobpreis, sondern mit einem dringenden Ruf zu dem Herrn wegen der unumschränkten Macht des Antichristen. Aus seiner Bedrängnis fragt der Überrest den Herrn, warum Dieser so lange wartet, sie zu befreien (Ps 10,1). Er beschreibt den moralischen Charakter des „Menschen der Sünde“ (des Antichristen) in all seinem arroganten Hochmut und seiner Auflehnung gegen Gott. Diesen kennzeichnet es, sich im Stolz durchzusetzen (Ps 10,2–4) und nicht auf den „Gott seiner Väter“ zu achten (Ps 10,4; Dan 11,37). Aufgrund seines Erfolgs denkt er, er sei unbezwingbar für seine Feinde (Ps 10,5–6). seine Sprache ist sittenlos (Ps 10,7). Und nicht zuletzt verfolgt er den gottesfürchtigen „Elenden“ (Ps 10,2.8–11). Der Überrest schreit zu dem Herrn, dass Dieser erscheinen und den Menschen der Sünde vernichten solle (Ps 10,12–15). Er freut sich im Glauben auf die Zeit, in welcher der Herr kommen wird, um als König zu herrschen und die Erde in Gerechtigkeit zu richten, und in welcher der Antichrist („der Mensch, der von der Erde ist“) vernichtet werden wird (Ps 10,16–18).

Psalm 11

In dem im vorherigen Psalm beschriebenen Aufstieg des Antichristen sieht der Überrest die „Grundpfeiler“ der Moral und Gottseligkeit umgerissen. Er sucht Zuflucht bei dem Herrn (Ps 11,1). Seine ungläubigen Brüder („die Gottlosen“ in der Mehrzahl), welche dem Antichristen im Bösen folgen, beteiligen sich gerne an der Verfolgung. Vergleiche Daniel 11,39. Der Überrest schaut auf zum Himmel, seiner einzigen Hoffnung. Im Glauben erinnert er sich daran, dass der Herr alles von oben sieht und alles jenes als eine Erprobung für ihn bestellt hat (Ps 11,3–5a). In der Gewissheit, dass die Gottlosen in ihrer Gewalt nicht fortfahren können, spricht er von dem Gericht, dass der Herr an ihnen ausüben wird (Ps 11,5b–7).

Psalm 12

Die Juden des gottesfürchtigen Überrestes leben weiterhin in der Abhängigkeit zu dem Herrn und setzen ihr Vertrauen auf Ihn. Als die Verfolgung zunimmt, schreien sie zu ihm um Hilfe. In den vorherigen Psalmen wurden Morde an Gerechten im Geheimen verübt (Ps 10,8–10; Ps 11,2), jetzt aber wird ihr Märtyrertum offen zur Schau gestellt („der Fromme ist dahin“ Ps 12,2). Der Überrest breitet das Böse jener Tage vor dem Herrn aus (Ps 12,3). Doch seine Zuversicht, dass der Herr seinen Fall richten und die Gottlosen ausrotten wird, bleibt unerschütterlich (Ps 12,4–5). Gott antwortet auf den Schrei des Überrestes mit dem Versprechen, den gottesfürchtigen Überrest sicher zu bewahren (Ps 12,6).3 Voll Vertrauen auf die „Worte des Herrn“ ist der Überrest zuversichtlich, auch in dieser Zeit der Erprobung sicher bewahrt zu werden (Ps 12,7–9).

Psalm 13

Als Leiden und Verfolgung der Drangsal immer weiter andauern, beginnt der Glaube des Überrests ins Wanken zu geraten. Unter dem Druck seiner Umstände kehrt er in sich, beschäftigt sich nur noch mit sich selbst und wird von einer Woge der Entmutigung niedergedrückt. Er denkt, der Herr habe ihn ganz und gar vergessen. Daher zweifelt er an den Wegen Gottes, die diese Erprobung weiterhin zulassen. Er fragt: „Bis wann, HERR, willst du meiner vergessen immerdar?“ (Ps 12,2–5). Doch als er sich seine früheren Glaubensübungen mit dem Herrn wieder in Gedächtnis ruft, erlangt sein Herz erneut Gewissheit, dass der dieser ihn befreien wird. Als er sich schließlich im Glauben auf den Herrn ausgerichtet hat, kann sich der Überrest wieder freuen (Ps 12,6).

Psalm 14

Die Zustände unter dem Antichristen erreichen ihren tiefsten Punkt. Zügellose Gesetzlosigkeit und Abfall greifen im Land ungehindert um sich. Der Überrest sieht die abgefallene Masse („den Tor“) vollständig dem Bösen verfallen („alle sind abgewichen“ Ps 14,3). Als der Höhepunkt der Bosheit erreicht und die Welt reif zum Gericht ist, schaut Gott in der Absicht im Gericht zu handeln herunter auf die Menschenkinder (Ps 14,1–3)4. Den bösen Zustand betrachtend rechnet der Überrest mit einem raschen Eingreifen Gottes, bei der die Gottesfürchtigen sich über die Rettung durch ihn freuen werden (Ps 14,4–7).

Psalm 15

Angesichts der gewaltigen Ausmaße, die das Böse annimmt, stellt der Überrest die folgende Frage: „Wer wird durch die Verfolgungen unter der Herrschaft des Antichristen bewahrt werden, um die Segnungen des Reiches zu genießen, die aus dem heiligen Berg Zion hervorfließen werden?“ (vgl. Ps 15,1). Dieser Psalm beantwortet diese Frage, indem er die moralischen Eigenschaften der Gottesfürchtigen vorstellt (Ps 15,2–5). Am Ende wird der Herr solche haben, die in das Reich eingehen werden, um vor Ihm zu stehen und seine Gegenwart zu genießen. In dieser Serie von Psalmen werden zwei Geschlechter erwähnt: Das Geschlecht der Gottlosen (Ps 12,8) und das Geschlecht der Gerechten (Ps 14,5). Wenn der Herr zur Rettung des Überrestes einschreiten wird, werden die Gottlosen gerichtet werden. Dann wird das Geschlecht der Gerechten das Reich ererben.

Fußnoten

  • 1 Dieser ist der erste der akrostichonen Psalmen. Es gibt insgesamt neun: Psalm 9, Psalm 10, Psalm 25, Psalm 34, Psalm 37, Psalm 111, Psalm 112, Psalm 119 und Psalm 145. Es handelt sich dabei um Psalmen, deren Versanfänge den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets entsprechen. Jeder Vers bzw. jeder Abschnitt beginnt mit einem anderen Buchstaben.
  • 2 Wird der Ausdruck „der Gottlose“ in der Einzahl gebraucht, bezieht er sich auf den Antichristen, den falschen Messias der abgefallenen Juden. Wird „Gottlose“ in der Mehrzahl (z. B. in Ps 11) verwandt, bezieht es sich auf die abgefallenen Juden selbst, die dem Antichristen folgen und durch ihn geprägt sind.
  • 3 Der jüdische Überrest, der dem Evangelium des Reiches während der siebenjährigen Drangsalszeit glauben wird, besteht aus zwei Teilen. Es gibt auf der einen Seite den bewahrten Teil (Off 7,1–8; 14,1–5), der aus der Drangsal kommend auf der Erde in das 1000-jährigen Reich eingehen wird und es gibt anderseits einen Teil bestehend aus Märtyrern (Off 6,9–11; 15,2–4; Jes 57,1–2; Dan 7,21; Mich 7,2), welche während dieses Zeitabschnitts sterben, aber später auferweckt werden, um mit Christus im 1000-jährigen Reich über die Erde zu regieren (Off. 20,4). Der Teil der Märtyrer beinhaltet sowohl diejenigen, die während der ersten 3,5 Jahre unter der Regierung der Frau (die falsche Kirche; Off 6,9–11) sterben als auch diejenigen, die während der letzten 3,5 Jahre unter der Verfolgung des Tieres und des Antichristen sterben (Off 15, 2–4).
  • 4 Vergleiche mit 1. Mos 6,5; 11,5; 18,16; 2. Mos 14,24. Jedesmal als der Herr im Gericht handelte, sah er zuvor herunter, um die Szene zu beurteilen.
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