Der Dienst der Propheten und das prophetische Wort
Der Dienst der Propheten und das prophetische Wort

Propheten und ihr Dienst

Im Alten wie im Neuen Testament lesen wir von Propheten und von ihrem Dienst. Es wird daher nützlich sein, die Frage zu beantworten, was genau ein Prophet eigentlich ist, welche Aufgaben er wahrnimmt und was ein prophetisches Wort ist.

Propheten sagen die Zukunft voraus

Landläufig besteht die Auffassung, dass sich ein Prophet überwiegend mit der Voraussage von zukünftigen Ereignissen beschäftigt. Wenn jemand etwas „prophezeit“ oder „weissagt“ dann erwartet man, dass er etwas über die Zukunft sagt1. Tatsächlich finden wir diesen Aufgabenbereich der Propheten sowohl im Alten wie im Neuen Testament. Propheten haben im Auftrag Gottes geweissagt und über Dinge gesprochen, die sie bisher nicht kannten und sich erst später erfüllt haben2.

Die älteste Prophezeiung (oder Weissagung), die in der Zeit ausgesprochen worden ist, stammt sogar von Gott selbst3. Sie zeigt uns zugleich den größten Gegenstand prophetischer Aussagen, nämlich die Person des Herrn Jesus selbst. Nach dem Sündenfall des ersten Menschenpaares sagte Gott zu Adam: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (1. Mo 3,15). Das ist ein deutlicher prophetischer Hinweis auf den Sieg des Herrn Jesus am Kreuz, als Er dem Teufel durch den Tod die Macht des Todes genommen hat (Heb 2,14). Diese Weissagung ist von Gnade geprägt, denn ohne das Werk vom Kreuz wären wir alle verloren. Die älteste Weissagung durch einen Menschen hingegen handelt von Gericht: „Es hat aber auch Henoch, der Siebte von Adam, von diesen geweissagt (prophezeit) und gesagt: Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende“ (Jud 14). Damit ist Henoch der erste Prophet, von dem wir in der Bibel lesen, ohne dass er direkt ein Prophet genannt wird.

Petrus erinnert seine Briefempfänger in seinem ersten Brief daran, dass die Propheten im Alten Testament nachsuchten und nachforschten, „… auf welche oder welcherart Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte“ (1. Pet 1,11). Das zeigt erneut den großen Gegenstand biblischer Prophetie und Weissagung im Alten Testament. Es geht um die Leiden und die Herrlichkeiten des Herrn Jesus. Damit waren die Propheten im Alten Testament beschäftigt und deshalb ist ihre Botschaft bis heute aktuell und wichtig.

In seinem zweiten Brief erwähnt Petrus das prophetische Wort: „Und so besitzen wir das prophetische Wort umso fester, auf das zu achten ihr wohl tut, als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen“ (2. Pet 1,19). Biblische Prophetie im Sinn der Voraussage von zukünftigen Ereignissen steht immer – direkt oder indirekt – mit der Person des Herrn Jesus in Verbindung. Gottes prophetischer Kalender läuft auf den Punkt hinaus, wo im 1000-jährigen Reich dem Herrn Jesus alle Ehre auf dieser Erde werden wird. Für uns ist dieses prophetische Wort wie eine Lampe, das uns hilft, den Zeitgeist besser zu verstehen und zur Ehre Gottes zu leben. Deshalb ist es für uns wichtig, solche Bibelbücher ebenfalls zur Kenntnis zu nehmen, die in diesem Sinn prophetisch sind (z.B. die Offenbarung im Neuen Testament oder die Bücher einiger Propheten im Alten Testament).

Propheten reden im Auftrag eines anderen

Dennoch ist die Voraussage zukünftiger Ereignisse keinesfalls das einzige herausragende und kennzeichnende Merkmal eines Propheten. Wenn Propheten im Alten Testament über die Zukunft gesprochen haben, dann häufig in Verbindung mit der Person des kommenden Messias oder auch als Androhung von Gericht oder als Ermunterung für solche, die ihrem Gott treu sein wollten.

Das hebräische Wort für Prophet (im Alten Testament) kann mit „Sprecher“, „Redner“ oder „Vortragender“ übersetzt werden und genau das ist die wesentliche Aufgabe dieser Menschen, die so bezeichnet werden. Das griechische Wort (im Neuen Testament) setzt sich aus dem Wort „pro“ (zuvor, im Voraus) und „phemi“ (die Idee oder den Gedanken eines anderen erklären) zusammen. Das geht in die gleiche Richtung. Deshalb ist ein Prophet jemand, der anderen eine Botschaft übermittelt. Er handelt dabei im Auftrag für einen Dritten. Es ist entweder – und in den meisten Fällen – eine Botschaft Gottes an Menschen oder die Botschaft von Menschen an Gott oder an andere Menschen.

Die Bibel spricht erstens von echten Propheten Gottes, die tatsächlich von Gott gesandt waren. Wir finden sie im Alten und im Neuen Testament. Sie spricht zweitens von falschen Propheten, die nur vorgaben, einen Auftrag Gottes zu haben. Sie spricht drittens von heidnischen Propheten, die für ihre Götter sprachen4. Speziell im Neuen Testament wird das Wort „Prophet“ häufig mit Bezug auf die alttestamentlichen Propheten und deren Bücher gebraucht. So finden wir z.B. den Ausdruck „das Gesetz und die Propheten“ (Mt 7,12; Lk 16,16; Röm 3,21) oder „Mose und die Propheten“ (Lk 16,29.31)5. Darüber hinaus gibt es jedoch auch neutestamentliche Propheten bzw. solche, die den Dienst eines Propheten tun (vgl. z.B. Apg 13,1; 15,32; 1. Kor 12,28.29; 14,29.32; Eph 2,20; 4,11).

Fußnoten

  • 1 Das Wort, das im griechischen Grundtext steht, kann mit „Prophezeiung“ oder „Weissagung“ wiedergegeben werden. Beide Worte werden im Folgenden synonym gebraucht.
  • 2 Es gibt eine Fülle solcher Prophezeiungen – besonders im Alten Testament –, die sich zu einem Teil bereits erfüllt haben und sich zu einem anderen Teil noch erfüllen werden. Das Studium der erfüllten Prophezeiungen ist sehr lohnenswert. Die Tatsache, dass sich sehr viele Voraussagen des Alten Testamentes bereits erfüllt haben gibt uns die Sicherheit, dass sich die noch nicht erfüllten Aussagen ebenfalls zuverlässig erfüllen werden.
  • 3 Es geht hier nicht um den ewigen Ratschluss Gottes, den Er in der Ewigkeit vor der Zeit gefasst hat, sondern um ein Wort Gottes, das Er in der Zeit gesprochen hat.
  • 4 Ein Beispiel dafür sind die Propheten des Baal in 1. Könige 18, die von Elia getötet wurden.
  • 5 Beim Lesen der Bücher der Propheten merken wir sehr schnell, dass sie nicht nur zukünftige Ereignisse vorausgesagt haben. Häufig haben sie unmittelbar in die Lebenssituation der Empfänger hinein gesprochen.
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