Prophetische Zeitzeichen: Israel und seine arabischen Nachbarstaaten – Schatten prophetischer Ereignisse

2. Die Geschichte Israels im Überblick: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Wir beginnen mit einigen wenigen Daten und Fakten zu Israel selbst. Israel ist das irdische Volk Gottes. In 2. Mose 3,7 nennt Gott die Nachkommen Abrahams zum ersten Mal „mein Volk“. Im weiteren Verlauf finden wir diese Bezeichnung weit über 200-mal. Israel war Gottes Eigentumsvolk (5. Mo 14,2). Gott bezeichnet dieses Volk unter anderem als seinen erstgeborenen Sohn (2. Mo 4,22), als sein Erbteil (Jes 19,25), als seinen Knecht (Jes 41,8), als seinen Berufenen (Jes 48,12), als die Herde seiner Weide (Hes 34,31). Das alles zeigt uns die große Liebe Gottes zu seinem irdischen Volk.

2.1. Vergangenheit

Die interessante und wechselvolle Geschichte dieses Volkes wird den meisten Bibellesern gut bekannt sein. Sie geht auf Abraham zurück, den Gott auserwählt und dem Er besondere Segnungen versprochen hatte. Die Geschichte dieses Volkes beginnt mit folgenden Worten: „Und der Herr hatte zu Abram gesprochen: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und du sollst ein Segen sein! Und ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1. Mo 12,1–3). Das ist gleich zu Beginn ein deutlicher Hinweis auf das Ziel: Der Segen des Tausendjährigen Reiches, in dem Israel gesegnet sein wird und in dem gleichzeitig alle Geschlechter der Erde (das sind die Nationen) gesegnet sein werden. Es war nichts als Gnade und Liebe, dass dieses Volk von Gott auserwählt wurde. Verdient hatten sie das nicht (5. Mo 7,7).

Die Geschichte Israels – so wie sie im Alten Testament aufgezeichnet ist – ist eine lange und traurige Geschichte, die hier nicht wiederholt werden soll. Oft hat sich das Volk gegen seinen Gott versündigt. Immer wieder hat Gott in Liebe versucht, das Volk zu sich zurückzubringen. Dazu schickte Er ihnen seine Propheten (2. Chr 36,15).

Zweimal hat dieses Volk durch besondere Sünden ein spezielles Gericht auf sich gezogen:

a) Durch ihren furchtbaren Götzendienst, besonders unter den Königen von Juda und Israel. Gott gab daraufhin zuerst die zehn Stämme in die Hand ihrer Feinde, die Assyrer (722 v.Chr.). Gut 100 Jahre später traf es die zwei verbliebenden Stämme Juda und Benjamin. Jerusalem wurde durch die Babylonier besiegt und zerstört (605 v.Chr.). Die Herrlichkeit Gottes verließ den Tempel in Jerusalem. Hesekiel 9–11 gibt davon eine ausführliche Beschreibung. Das Volk der Juden wurde nach Babylon deportiert und die 70-jährige Gefangenschaft begann. Dieses Ereignis ist ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Bis dahin hatte Gott von Jerusalem aus regiert. Jetzt wurde die Regierung in die Hand heidnischer Regenten gegeben. Die „Zeiten der Nationen“ begannen (Lk 21,24). Obwohl ihnen ihre Herrschaft von Gott übertragen wurde, sind diese Regenten Ihm für ihr Tun und Lassen voll verantwortlich.

Mit diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte der vier Weltreiche, über die der Prophet Daniel ausführlich schreibt. Die „Zeiten der Nationen“ dauern an, bis Christus sein Reich auf dieser Erde gründen wird. Gott bezeichnet das Volk Israel in dieser gegenwärtigen Zeitperiode nicht mehr als sein Volk (in Hosea 1,9 wird es „Lo-Ammi“ genannt, das bedeutet „Nicht-mein-Volk“). Israel ist seitdem – und bis heute – direkt oder indirekt von der Macht und dem Wohlwollen anderer Nationen abhängig.

b) Durch die Tatsache, dass die Juden den von Gott gesandten Messias abgelehnt und gekreuzigt haben. Obwohl Er in Liebe zu seinem Volk kam, um sie von ihren Sünden zu retten (Mt 1,21) und dann das Reich zu gründen (Mt 4,17), hat sein Volk Ihn nicht gewollt (Joh 1,11). Als Antwort darauf hat Gott dieses Volk für eine Zeit ganz an die Seite gestellt, d. h., sie hörten auf, als Volk überhaupt zu existieren. Der Herr Jesus selbst hatte angekündigt, dass Jerusalem erneut zerstört werden würde (Mt 24,2). Im Jahr 70 n. Chr. kamen die Römer unter Titus, dem Sohn Vespasians, nach Jerusalem. Sie eroberten und zerstörten in schweren Straßenkämpfen die aufständische Stadt. Israel war schon vorher „Lo-Ammi“ (d.h. nicht mein Volk; Hos 1,9), doch durch die Kreuzigung des Messias und die anschließende Zerstörung von Jerusalem ist es für eine lange Zeit ganz zur Seite gestellt. Als Nation hat Israel für viele Jahrhunderte schlichtweg aufgehört zu existieren.

Palästina1 wurde nach der Tempelzerstörung durch Titus im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Nationen besetzt. Vor der Neugründung des Staates Israel 1948 war Palästina seit 1516 zunächst Teil des Osmanischen Reiches. Arabische Beduinen und Bauern prägten das Gesicht des Landes. Um 1900 gab es in Palästina etwa 500.000 Araber und nur etwa 60.000 Juden. Die Sprache war überwiegend arabisch, die Kultur orientalisch und die Religion islamisch. Das Land war Heimat der palästinensischen Araber2. Kurz nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im Jahr 1918 wurde der Nahe Osten in zwei große Zonen aufgeteilt. Das heutige Israel sowie Jordanien, Gaza und das Westjordanland wurden britisches Mandatsgebiet. Die übrigen Gebiete standen unter französischer Kontrolle. Die Araber lehnten das britische Mandat als völkerrechtswidrig ab, für die Juden war es der Anfang einer intensiven zionistischen Aufbauphase.

2.2. Wiederbelebt

Bibelleser wissen, dass Gott seine Zusagen einlöst. Deshalb hat Israel eine Zukunft (Röm 11,1–29). Das Endziel – das tausendjährige Friedensreich unter dem Messias – wird kommen. Gott hat das Volk Israel nie aus den Augen verloren. In der Zukunft wird es wieder eine entscheidende Rolle spielen. Viele Völker waren – und sind – vom Antisemitismus geprägt und haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder versucht, die Juden zu vernichten.3 Es ist ihnen nicht gelungen. Gott hat seine Hand darüber gehalten. Die erneute Existenz des Volkes und des Staates Israel ist einer der vielen schlagenden Beweise für die Wahrheit des Wortes Gottes4.

2.2.1. Die Staatsgründung

Mehr als 100 Jahre vor der Staatsgründung im Jahr 1948 war es bereits das Bemühen der Vordenker des Zionismus5, eine Rückkehr von Juden in das „gelobte Land“ und einen eigenen souveränen Nationalstaat möglich zu machen. 1896 weckte vor allem der Österreicher Theodor Herzl6 die Sehnsucht der Juden nach einem jüdischen Staat in ihrem Land. Jüdische Siedler kamen in großen Scharen nach Palästina. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es bereits erste jüdische Siedlungszentren. 1909 wurde die Stadt Tel Aviv gegründet. Verfolgungen in verschiedenen Ländern der Welt veranlassten immer mehr Juden zur Rückkehr und Einwanderung in „ihr“ Land. 1936 gab es in Palästina etwa 950.000 Araber, aber immerhin bereits etwa 400.000 Juden.

1918 – am Ende des Ersten Weltkrieges – besetzte Großbritannien Palästina. Kurz darauf wurde Großbritannien mit der Verwaltung großer Teile Palästinas (u.a. Israel) beauftragt. Großbritannien hatte damit die schwierige Aufgabe übernommen, einerseits dem jüdischen Volk in Palästina eine Heimat zu gewährleisten und andererseits dafür Sorge zu tragen, dass die Rechte der bereits bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften nicht beeinträchtigt wurden. Konflikte waren damit vorprogrammiert.

In den Folgejahren zwischen den beiden Weltkriegen gab es bereits mehrfach militante Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern. Überfälle auf Einrichtungen der britischen Mandatsbehörden waren ebenfalls nicht selten. Es gelang Großbritannien nicht, eine für beide Seiten (Juden und Araber) akzeptable Lösung zu finden, so dass das Problem schließlich den Vereinten Nationen7 übergeben wurde. Im November 1947 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen – u.a. gegen den Widerstand der sechs arabischen Mitgliedstaaten – für die Errichtung von zwei Staaten (einen jüdischen und einen arabischen) auf dem Gebiet des britischen Mandatsgebietes (UN Teilungsplan). Im Mai 1948 endete das britische Mandat über Palästina.

Unmittelbar danach, am 14. Mai 1948, kurz vor Beginn der Sabbatruhe, wurde in einem Museum in Tel Aviv von eingewanderten jüdischen Siedlern der Staat Israel ausgerufen. Der Vorsitzende der Zionistischen Weltorganisation, David Ben Gurion8 (1886–1973), verlas die Unabhängigkeitserklärung des neuen Staates Israel. Israel begann wieder zu existieren. Trotz größter Feindschaft vom ersten Tag an existiert der Staat Israel bis heute und spielt in der biblischen Prophetie eine große Rolle.

2.2.2. Die weitere Entwicklung zwischen Krieg und Frieden

Die Geschichte des Staates Israel seit 1948 ist eine sehr bewegte Geschichte, die von politischen und militärischen Auseinandersetzungen einerseits und von Friedensbemühungen andererseits gekennzeichnet ist. Noch in der Gründungsnacht des Staates Israel erklärten die arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak, Syrien und Saudi-Arabien Israel den Krieg. Israel gewann diesen 15 Monate dauernden Unabhängigkeitskrieg9 gegen eine scheinbare Übermacht und konnte nicht unerhebliche territoriale Gewinne erzielen. Diese Auseinandersetzung war der Beginn der Flucht und Vertreibung vieler palästinensischer Araber – ein Problem, das den Nahen Osten (und vor allem Israel) von diesem Zeitpunkt an mehr oder weniger begleitet hat. 1949 wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.10 Damit waren die Küstenebene Galiläa und der gesamte Negev unter der Kontrolle Israels. Judäa und Samaria (das Westjordanland) kamen unter jordanische Kontrolle und der Gazastreifen unter ägyptische Verwaltung. Die Stadt Jerusalem wurde geteilt, und zwar in einen jordanisch kontrollierten Ostsektor (mit der Altstadt) und einen israelisch kontrollierten Westsektor. Im gleichen Jahr wurde Israel Mitglied der Vereinten Nationen.

Trotz des Waffenstillstands standen die Nachbarstaaten Israel weiterhin feindlich gegenüber. Der Unabhängigkeitskrieg, das Bevölkerungswachstum und ein weitgehender Boykott durch die arabischen Staaten sorgten einerseits für wirtschaftliche Schwierigkeiten, förderten andererseits die starke politische und wirtschaftliche Bindung des Staates Israel an die westliche Welt (Nordamerika und Europa). Besonders aus den USA gab es massive Finanz- und Wirtschaftshilfen, die vor allem in den Wohnungsbau, die Landwirtschaft, die industrielle Entwicklung, die Infrastruktur und in die Verteidigung investiert wurden. Trotz Schwierigkeiten und massivem Druck von außen wuchs die Bevölkerung.

Zehn Jahre nach der Staatsgründung hatten sich die industrielle Produktion in Israel verdoppelt, der Export von Industriegütern sogar vervierfacht. Israel war darüber hinaus in den meisten Grundnahrungsmitteln zum Selbstversorger geworden. Die Bevölkerung war um nahezu eine Million Menschen angewachsen.

Es folgten jedoch weitere militärische Auseinandersetzungen. Dabei ging es fast immer um die zentrale Frage, wem das Land gehört. Israel erhob seinen Anspruch ebenso wie die arabischen Nachbarn. Zu den Kriegen zählen insbesondere:

  • Die Suezkrise 1956, in der neben Ägypten und Israel auch Frankreich und Großbritannien involviert waren. Diese Krise wurde durch die Vereinten Nationen gelöst.
  • Der sogenannte Sechstagekrieg im Jahr 1967 zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und Syrien. In dieser kurzen und heftigen Auseinandersetzung besetzte Israel das Westjordanland, Ost-Jerusalem, die Golanhöhen und den Gazastreifen. Das Staatsgebiet Israels verdreifachte sich damit. Erneut flüchteten mehrere 100.000 Palästinenser und verschärften damit das Palästinenser-Problem für Israel.
  • Der Jom-Kippur Krieg im Jahr 1973 zwischen Ägypten, Syrien und Israel.11 Auslöser für diesen Überraschungskrieg waren Ägypten und Syrien, die in den Jahren vorher besonders mit der Hilfe der Sowjetunion militärisch nicht unerheblich aufgerüstet hatten. Die Verluste auf israelischer Seite waren zunächst groß, mit der Unterstützung der USA gelang es jedoch, eine erfolgreiche Gegenoffensive zu starten. Letztlich war Israel auch in diesem Konflikt der Sieger.
  • Der Libanonkrieg im Jahr 1982 zwischen Israel, Libanon und Syrien. Dieser Krieg war eine Reaktion Israels auf die Ermordung seines Botschafters in London sowie auf Überfälle der PLO12 auf israelische Siedlungen in Galiläa. Unter dem Druck der USA und der Sowjetunion wurde zwar ein Waffenstillstand vereinbart, der jedoch nur zum Teil hielt. 11.000 PLO-Kämpfer mussten schließlich Beirut (die Hauptstadt des Libanon) verlassen. 1983 schlossen Israel und der Libanon ein Friedensabkommen.
  • In den Jahren 1987 bis 1993 gab es anhaltende gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. Man spricht von der ersten Intifada13. Dem schloss sich von 2000 bis 2005 die zweite Intifada an.
  • 2006 brach ein weiterer Libanonkrieg aus. Hier ging es vor allem um Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah14 und Israel.
  • 2008 startete die israelische Armee die Operation „gegossenes Blei“. Es handelte sich um eine Militäroperation gegen Einrichtungen und Mitglieder der Hamas15 im Gazastreifen

Parallel zu den ständig neu aufflackernden militärischen Auseinandersetzungen hat es immer wieder Friedensbemühungen gegeben, in der vor allem die USA als Vermittler aufgetreten sind. Als Folge des Jom-Kippur-Krieges bemühte sich der damalige Außenminister der USA, Henry Kissinger, um eine diplomatische Lösung. 1973 wurde auf der Genfer Nahostkonferenz ein erstes Interimsabkommen zwischen Israel und Ägypten sowie zwischen Israel und Syrien unterzeichnet.

1977 unternahm der ägyptische Präsidenten Anwar as-Sadat – gegen den heftigen Widerstand anderer arabischer Staaten – den Versuch, einen Friedensprozess in Gang zu setzen. Als Folge dieser Bemühungen wurde mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin der israelisch-ägyptische Friedensvertrag ausgehandelt. Dieser Vertrag beinhaltete u.a. die Rückgabe des Sinai an Ägypten. Er führte zu einer weitgehenden Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten – und das gegen den Widerstand anderer arabischer Nachbarn.16 Es folgten weitere Bemühungen wie z.B. 1991 die Konferenz von Madrid unter Beteiligung Israels, Syriens, des Libanon und einer jordanisch-palästinensischen Delegation. Diese Konferenz war der Anfang verschiedener Gespräche und führte zur Beendigung des arabischen Wirtschaftsboykotts gegen Israel. Es dauerte jedoch zwei Jahre, bis greifbare Ergebnisse erzielt wurden. 1993 wurde das erste Osloer Abkommen getroffen. Dieses Abkommen sollte die Grundlage für die Einrichtung einer palästinensischen Selbstverwaltung sein. Es folgte 1995 das zweite Osloer Abkommen, in dem die palästinensische Selbstverwaltung ausgeweitet wurde. Im Jahr 2000 scheiterten die in Camp David unter Vermittlung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton geführten Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern. Damit zerbrach zugleich das in Oslo vereinbarte Abkommen. Terroranschläge der Palästinenser in Israel ließen die Friedensbemühungen scheitern. Die Fronten verhärteten sich erneut.

Einige der Abkommen und Verträge haben zumindest teilweise und vorübergehend zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und einigen Nachbarstaaten beigetragen. Dennoch bleibt die Lage insgesamt brisant und viele Fragen sind ungeklärt. Die Anerkennung des Existenzrechtes Israels durch andere arabische Staaten (außer Ägypten) ist bisher nicht erfolgt. Ob die von einigen favorisierte und von anderen abgelehnte Zweistaatenlösung deeskalierend wirken würde, bleibt eine offene Frage.

Die Republik Israel ist heute eine parlamentarische Demokratie. In Jerusalem befinden sich der Sitz des Parlaments und der Sitz der Regierung. Israel hat gut 8 Millionen Einwohner, davon sind ca. 75 % jüdischer Herkunft. Die Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch. Traditionell bestehen politisch und wirtschaftlich gute Beziehungen vor allem zur westlichen Welt.

2.3. Drei Gruppen

Wenn wir in diesem Zusammenhang und dann in den weiteren Überlegungen von „Israel“ oder von den „Juden“ sprechen, müssen wir zum besseren Verständnis drei Gruppen unterscheiden:17

  1. Die Juden, die bis jetzt nach Palästina gezogen sind und dort leben. Was sie getan haben, ist ohne jede Frage unter der Zulassung und Vorsehung Gottes passiert. Dennoch ist es weitgehend im Unglauben geschehen. Die Masse des jüdischen Volkes lehnt den Gedanken ab, dass der historische Jesus ihr Messias ist. Was wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben und gegenwärtig noch erleben, ist nichts anderes als das „Ausschlagen des Feigenbaums“. Davon hat der Herr Jesus gesprochen (Lk 21,29–31). Hier werfen zukünftige Ereignisse deutlich ihre Schatten voraus. Die ersten Verse von Jesaja 18 machen klar, dass andere Nationen außerhalb des Nahen Ostens geholfen haben, dass die Juden wieder in ihrem Land wohnen.18 Gott wird bei alledem nicht erwähnt – obwohl Er natürlich hinter der Szene steht. „Denn so hat der Herr zu mir gesprochen: Ich will still sein und will zuschauen in meiner Wohnstätte, wie heitere Wärme bei Sonnenschein, wie Taugewölk in der Ernteglut“ (Jes 18,4).
    Hesekiel 37 zeigt sehr deutlich, dass es ein äußeres Werk ist – zunächst ohne echtes Leben. In Vers 4 lesen wir von verdorrten Gebeinen. Die toten Gebeine sind zusammengerückt. Sie sind mit Sehnen und Fleisch überzogen. Dennoch ist noch kein Leben darin. Das Volk an sich befindet sich im Unglauben. Über dieses Volk im Unglauben wird der Antichrist einmal seine Herrschaft ausüben. Wir können also mit Recht von einer nationalen Wiederherstellung Israel sprechen. Die geistliche Wiederherstellung Israels als Volk ist jedoch noch zukünftig. Dann wird der Feigenbaum nicht nur ausschlagen, sondern dann wird er zur Freude Gottes herrliche Früchte tragen. Davon spricht der Prophet Hesekiel ebenfalls. Die Totengebeine werden nicht nur zusammenrücken und mit Sehnen, Fleisch und Haut überzogen werden, sondern der Odem Gottes wird in sie gehaucht. So werden sie zum Leben erweckt (Hes 37,9–14). Das ist nichts anderes als eine geistliche Neugeburt.19
    In diesem Zusammenhang ist es interessant, zu bemerken, dass sich aktuell knapp die Hälfte der israelischen Juden selbst nicht als religiös, sondern als „weltlich“ (säkular) bezeichnet. Hinzu kommen etwa 20 Prozent, die sich zwar traditionell nennen, nicht jedoch religiös. Der weitaus kleinste Teil der israelisch-jüdischen Bevölkerung kann also überhaupt als religiös bezeichnet werden. Ihr Anteil an der Bevölkerung hat in den letzten Jahren nicht zugenommen.
  2. Der zum Glauben kommende Überrest der Juden in der Zukunft.20 Davon spricht die Bibel deutlich. Es wird in der Zukunft (d.h. nach der Entrückung der Gläubigen) unter den Juden solche geben, die in Wahrheit und mit innerer Überzeugung zu Gott umkehren. Jesaja 10,20–22 macht klar, dass dieser Überrest Gott vertrauen, umkehren und gerettet werden wird. Diejenigen, die diesen Überrest bilden, bekennen ihre Sünden und warten darauf, dass der Messias kommt, um sie zu befreien und das Reich zu gründen (Sach 12,10). Sie werden durch große Leiden gehen. Ihre inneren Übungen finden wir besonders in den Psalmen vorgestellt.
    Es wird also in dieser noch zukünftigen Zeit wiedergeborene Gläubige geben, die jedoch keine wiedergeborenen Christen sind. Alle wiedergeborenen Christen sind zu diesem Zeitpunkt bei ihrem Herrn im Himmel.21 Die Gläubigen, die dann auf der Erde leben, sind zunächst solche aus den Juden, die das Evangelium des Reiches (vgl. den Ausdruck in Mt 24,14) angenommen haben. Dieses Evangelium beinhaltet, dass der König bald kommen wird, um die Feinde zu besiegen, den bedrängten Überrest zu befreien und sein Reich auf dieser Erde zu gründen. Um in dieses Reich eingehen zu können, ist jedenfalls die neue Geburt nötig.
  3. Bisher haben wir überwiegend von den Juden gesprochen. In Zukunft – im Tausendjährigen Reich – wird es allerdings wieder ein geeintes Israel geben. Die zehn Stämme sind seit ihrer Wegführung in die assyrische Gefangenschaft (2. Kön 17,23.24) völlig von der Bildfläche verschwunden. Doch Gott wird sie einmal finden und am Ende der Zeit – wenn das Tausendjährige Reich gegründet wird – ebenfalls nach Palästina zurückbringen. Die von neuem geborenen zerstreuten Israeliten aus den zehn Stämmen werden erst mit Beginn des Reiches von Gott gesucht, gefunden und in das Land gebracht. Das ist die große und endgültige Sammlung des Volkes Israel, von der Gott wiederholt gesprochen hat (z. B. Jes 14,1; Jer 16,15; Hes 20,34–38; 34,13; 37,21; Sach 10,6–12). Davon spricht Paulus in Römer 11: „Und so wird ganz Israel errettet werden“ (Röm 11,26). „Ganz Israel“ meint nicht, dass buchstäblich alle Juden und Israeliten gemeint sind, die je gelebt haben. Es geht vielmehr darum, dass diejenigen aus Israel, die ihren Messias annehmen und eine neue Geburt erleben, für „ganz Israel“ darstellen. Es ist dieser Überrest aus seinem irdischen Volk – aus den zwei Stämmen (Juda und Benjamin und aus den zehn Stämmen).

2.4. Die Zukunft Israels

Obwohl das erklärte Ziel viele Feinde Israels ist, sie zu vernichten, werden sie dieses Ziel nicht erreichen. Israel hat eine Zukunft. Das Volk wird durch große Leiden und Trübsale schließlich in den Segen des von Gott versprochenen Tausendjährigen Reiches eingehen. Es ist hier nicht vorgesehen, darüber detailliert zu schreiben (ich verweise auf gute Literatur dazu). Ich konzentriere mich lediglich auf zwei Punkte:

2.4.1. Der Antichrist

Das Haupt der Juden, die im Unglauben nach Palästina zurückgekehrt sind, wird der Antichrist sein. Er ist eine schillernde – und zugleich vom Teufel besessene – Persönlichkeit. Über diesen Mann hat es in der Vergangenheit manche Spekulationen gegeben. Manches ist über ihn geschrieben worden, das sich biblisch nicht begründen lässt. Viele Diktatoren dieser Welt sind zu Unrecht als „der Antichrist“ bezeichnet worden (wenngleich sie durchaus den einen oder anderen Charakterzug dieses Menschen offenbart haben). Fakt ist, dass dieser Mann bisher nicht offen in Erscheinung getreten ist (2. Thes 2,3).

Was sagt nun die Bibel über diesen Mann? Der Name Antichrist bezeichnet zunächst einmal einen Widersacher Christi – und das in zweifacher Weise:

  • „Anti“ bedeutet erstens „gegen“. Er ist gegen Christus. Er ist neben dem Teufel einer der besonderen Gegenspieler des Herrn Jesus.
  • „Anti“ bedeutet zweitens „anstelle von“. In Johannes 5,43 sagt der Herr Jesus, dass man Ihn, der im Namen des Vaters gekommen war, ablehnte. Den, der in seinem eigenen Namen kommen würde – das ist der Antichrist –, wird man hingegen annehmen. Er ist ein falscher Christus.

Obwohl der Name „Antichrist“ in der Bibel nur fünfmal erwähnt wird (ausschließlich Johannes benutzt diesen Ausdruck in seinem ersten und zweiten Brief), ist die Bezeichnung relativ bekannt. Die Person an und für sich finden wir – unter anderen Bezeichnungen – allerdings sowohl im Alten als auch im Neuen Testament häufiger.

Es gibt keinen Zweifel, dass der Antichrist ein gebürtiger Jude ist. In Offenbarung 13,11 wird er vorgestellt als das Tier, das aus der Erde kommt. Er steht damit im Gegensatz zu dem Tier aus dem Meer (Off 13,1). Das Meer weist auf das Völkermeer hin (z.B. Jes 17,12). Das Tier aus dem Meer ist der europäische (römische) Weltherrscher.22 Die Erde weist an dieser Stelle auf Israel hin. Somit kommt der Antichrist aus Israel. Er ist ein Jude. Daniel 11,37 spricht ebenfalls von dem Antichristen. Dort wird gesagt, dass er nicht auf den Gott seiner Väter und auf die Sehnsucht der Frauen achten wird. Das weist ihn eindeutig als einen Juden aus. Darauf deuten ebenso die anderen Namen hin, die dieser Mann trägt (z. B. der Prophet und Hirte).

Der volle Wortlaut aus Offenbarung 13,11–17 lautet:

„Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde heraufsteigen: Und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. Und die ganze Gewalt des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es bewirkt, dass die Erde und die, die auf ihr wohnen, das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, dass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabkommen lässt vor den Menschen; und es verführt die, die auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde, indem es die, die auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tier zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig wurde. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Odem zu geben, damit das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten. Und es bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Knechte, dass sie ein Malzeichen annehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn; und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, der das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.“

Dieser Mann wird sehr mächtig sein. Die Hörner weisen auf Kraft und Stärke (Jer 48,25) und zugleich auf Arroganz hin (Ps 75,5.6). Der Antichrist ist ein Meister der Verführung, und man wird ihm Glauben schenken. Wer ihm nicht folgt, muss mit dem Tod rechnen.

Wenn wir die verschiedenen Stellen besehen, in denen er vorgestellt wird, und die Namen, unter denen er auftritt, erkennen wir, dass er einen zweifachen Charakter hat:

  1. Sein religiöser Charakter: Der Antichrist leugnet erstens, dass Jesus der Christus (der Messias, der Gesalbte) ist (1. Joh 1,22a), wie es alle ungläubigen Juden tun. Er leugnet zweitens den Vater und den Sohn und damit das Fundament des christlichen Glaubens: die Offenbarung des Vaters im Sohn und durch den Sohn (1. Joh 2,22b). Stattdessen wird er in seinem Herrschaftsbereich eine okkulte Religion etablieren. Er wird sich in den Tempel Gottes setzen und sich und den europäischen Herrscher als Gott verehren lassen. Er wird ein Götzenbild aufstellen, das man anbeten muss (Dan 12,11; Mt 24,14; Off 13,13 ff.). An anderer Stelle wird er der „falsche Prophet“ genannt (Off 16,13). Er redet nicht die Worte Gottes, sondern kommt mit einer eigenen und satanischen Botschaft. Er ist gleichzeitig der törichte und nichtige Hirte (Sach 11,15.17). Er gleicht äußerlich einem Lamm, redet aber wie ein Drache (Off 13,11). Das zeigt, dass er Christus imitiert (das Lamm), und gleichzeitig mit dem Drachen (dem Teufel) verbunden ist.
  2. Sein politischer Charakter: Der religiöse Einfluss des Antichristen wird dominant sein. Dennoch tritt er ebenso politisch auf, und zwar eng mit dem europäischen Herrscher verbunden. Er bindet sich an diesen Regenten. Unter seiner Regie werden die Juden („die Vielen“) einen Bund (Vertrag) mit dem europäischen Herrscher machen (vgl. Dan 9,27; Jes 28,15). Dieser Bund soll sie vor den Feinden Israels im Nahen Osten schützen (besonders vor dem „König des Nordens“, d. h. einer Macht, die im Norden Israels liegt23). Man könnte den Antichristen durchaus als eine Art Religions- und Propagandaminister des europäischen Herrschers bezeichnen. Gleichzeitig ist er selbst der Führer (König) der Juden (Jes 30,33; 57,9; Dan 11,36).

Daniel 11,36–39 gibt uns eine relativ ausführliche Beschreibung dieses Mannes. Sie deckt sich in vielen Einzelheiten auf erstaunliche Weise mit den Aussagen aus Offenbarung 13,11–17. Die ganze Arroganz und Überheblichkeit des Antichristen wird deutlich: „Er wird sich erheben ... über jeden Gott“ (Dan 11,36).

In 2. Thessalonicher 2,3–8 wird er ebenfalls beschrieben. Dort lernen wir weitere Einzelheiten über seinen wahren Charakter kennen. Er offenbart sich besonders dann, wenn Satan in der letzten Hälfte der sieben Jahre vor dem sichtbaren Erscheinen Christi aus dem Himmel geworfen worden sein wird (Off 12,9). Er wird genannt:

  • der Mensch der Sünde: Er ist eine „Inkarnation des Bösen“. In ihm zeigt sich die vollkommene Offenbarung alles Bösen in einem Menschen.
  • der Sohn des Verderbens: Er ist völlig von der Sünde und vom Verderben gekennzeichnet und wird die Ewigkeit in der Hölle zubringen (Off 19,20; 20,10).
  • der Gesetzlose: Er ist in seiner Bosheit nichts und niemand unterworfen. Er erkennt keinerlei Autorität über sich an.

Wann wird dieser Mann auftreten? Darüber ist viel spekuliert worden. Niemand weiß es genau. Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob diese Person heute schon lebt oder nicht. Tatsache ist erstens, dass der Antichrist noch nicht offenbart ist (2. Thes 2,3).24 Tatsache ist zweitens, dass er erst offenbart werden wird, wenn die Gläubigen der Gnadenzeit (in der wir jetzt leben) von dieser Erde in den Himmel entrückt sind. 2. Thessalonicher 2,6.7 spricht von etwas, was zurückhält, und von jemand, der zurückhält, bevor der Antichrist offenbart wird und seinen wahren Charakter zeigt. Das, was zurückhält, sind die Gläubigen der Gnadenzeit,25 die jetzt noch auf der Erde sind. Der, der zurückhält, ist der Heilige Geist, der so lange auf der Erde bleibt, wie sich die Gläubigen der Gnadenzeit noch hier auf der Erde befinden.

Es wird immer wieder der Gedanke geäußert, dass der Antichrist einmal die ganze Welt beherrschen wird. Doch wenn wir das prophetische Wort aufmerksam lesen, stellen wir fest, dass das nicht sein kann. Sein politischer Herrschaftsbereich ist auf das Volk Israel und auf das Land Palästina beschränkt. Dort übt er die Macht des europäischen Tieres aus. Sein religiöser Einflussbereich geht allerdings weiter. Durch die Macht des Teufels wirkt er große Wunder und zwingt die Menschen in Europa (und vielleicht zum Teil darüber hinaus) zur Anbetung des europäischen Herrschers und Diktators.

2.4.2. Zwei große Phasen

Die Zukunft Israels lässt sich – den Hinweisen der Bibel folgend – in zwei große Perioden teilen:

  1. Zunächst wird es eine Periode von sieben Jahren geben. Das ist die letzte Jahrwoche Daniels (Dan 9,24–27), die noch in der Zukunft liegt. Die Bibel nennt diese Zeit von sieben Jahren eine „Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird“ (Off 3,10). In dieser Zeit wird die gesamte Erde von furchtbaren Gerichten heimgesucht werden. Viele Menschen werden in Naturkatastrophen und militärischen Auseinandersetzungen ihr Leben verlieren. Ganz besonders wird es die ehemals christlichen Länder (hier vor allem Europa) und den Nahen Osten treffen. Im Brennpunkt des Geschehens steht das Land Israel. Es wird besonders für Israel eine furchtbare Zeit sein. Der Herr Jesus selbst spricht in Matthäus 24,3–14 über diese Zeit.
    Beim Studium der Jahrwochen Daniels (Dan 9,24–27) wird deutlich, dass sich diese letzte Jahrwoche Daniels (sieben Jahre) wiederum in zwei Hälften von je 3 ½ Jahren aufteilt. Kennzeichnend für die erste Hälfte ist ein fester Bund Israels (wahrscheinlich bereits unter der Führung des Antichristen) mit dem politischen Führer Europas. Es handelt sich um ein politisches Bündnis zwischen beiden Seiten zum Schutz Israels vor seinen Feinden – hier besonders vor Bedrohungen seitens der Macht aus dem Norden (es wird sich sehr wahrscheinlich um Syrien handeln). Dieser Bund wird allerdings nicht halten, was er verspricht. Er wird zunichtewerden (Jes 28,18). Der Angriff des Königs aus dem Norden wird nicht verhindert werden können. Die Belagerung und Besetzung Israels durch den König des Nordens geschieht in der zweiten Hälfte dieser letzten Jahrwoche Daniels. Kennzeichnend für die zweite Hälfte ist weiterhin die Tatsache, dass es keinen Opferdienst mehr im Tempel geben wird. Stattdessen wird im Tempel ein Gräuelgötze aufgestellt werden. Beides sind religiös motivierte Handlungen. Damit beginnt die eigentliche Drangsal für den gläubigen Überrest aus Israel (vgl. Jer 30,7), die im Buch Daniel wiederholt die „Zeit des Endes“ genannt wird (vgl. Dan 8,17.19; 11,35.40; 12,4.9).26 Von dieser Zeit spricht der Herr Jesus in Matthäus 24 ab Vers 15. Er sagt dort u.a.: „... denn dann wird große Drangsal sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nicht wieder sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden“ (Mt 24,21.22).
    Kennzeichnend für das Ende der letzten Jahrwoche ist die Verwüstung Jerusalems und des Landes Israel wegen des Götzendienstes durch den Aggressor, der aus dem Norden kommt (u. a. Dan 11,40.41). Wenn die Krise dem Höhenpunkt zustrebt, wird Christus selbst vom Himmel erscheinen und alle Feinde Israels vernichten. Einen ausführlichen Bericht dazu finden wir u. a. in Sacharja 14 und in Offenbarung 19,11–21. Dann wird auch der Antichrist zu seinem Ende kommen. Er wird – zusammen mit dem europäischen Führer – in den Feuersee geworfen werden (Off 19,20). Die beiden sind somit die Ersten, die an diesen Ort der nie endenden Qual kommen.
  2. Danach beginnt die zweite Periode, die sich über einen Zeitraum von 1000 Jahren erstreckt. Es ist die wunderbare Zeit des Tausendjährigen Reiches. Das Alte Testament spricht an vielen Stellen von dem kommenden König und von seinem Reich auf der Erde.27 Immer wieder hatte Gott den treuen Überrest seines Volkes damit ermuntert, dass einmal die Zeit kommen würde, in der der Messias sie von ihren Feinden befreien würde. Seine Herrschaft würde sich nicht nur über Israel, sondern über die ganze Erde erstrecken. Auch das Neue Testament spricht von dieser Zeit. Es ist die „Fülle der Zeiten“ (Eph 1,10), in der alles unter einem Haupt in dem Christus zusammengebracht werden wird. Dass es tatsächlich tausend Jahre sein werden, war im Alten Testament nicht bekannt. Es geht jedoch aus Offenbarung 20,2–7 eindeutig hervor. Dort werden die tausend Jahre sechsmal erwähnt. Diese Zeit wird eine Zeit des Segens für die ganze Erde, besonders aber für das Volk Israel sein. Israel wird der herrliche Mittelpunkt dieser gesegneten Zeit sein. Alle Zusagen Gottes an sein irdisches Volk werden sich dann erfüllen. Dann wird Christus als König anerkannt sein und in Gerechtigkeit herrschen (Jer 23,5; Ps 72,2). Seine Herrschaft wird zugleich eine Friedensherrschaft sein (Ps 72,3; Jes 9,6; 66,12; Hag 2,9).

Fußnoten

  • 1 Der Name Palästina leitet sich ursprünglich von dem hebräischen Wort „Pleschet“ ab und wird zum ersten Mal in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments gebraucht. Dort wird mit Palästina die Küstenebene südlich der Stadt Joppe (Jaffa) bezeichnet, wo die Philister beheimatet waren. Im 20. Jahrhundert haben vor allem die Engländer das Land Israel als „Palästina“ (Völkerbundsmandat) bezeichnet. Statt Palästina kann man auch vom „Land Israel“ sprechen. Der Völkerbund war die Vorgängerorganisation der Vereinten Nationen (UNO)
  • 2 Das sind diejenigen, die wir im Alten Testament unter der Bezeichnung „Philister“ finden. Heute sind es gerade die „Palästinenser“, mit denen Israel in dauerhaftem Konflikt liegt. Der historische Grund für diesen Konflikt liegt auf der Hand. Beide Seiten erheben territoriale Ansprüche auf dasselbe Land.
  • 3 Dabei müssen wir in der Verantwortung zwei Seiten unterscheiden, die parallel bestehen. Erstens die Verantwortung der Völker, die die Juden bedrängt und zum Teil verfolgt haben. Zweitens die Verantwortung der Juden selbst, die damals ausgerufen haben, dass das Blut Jesu Christi über sie und ihre Kinder kommen sollte (Mt 27,25). Diese beiden Seiten dürfen nie gegeneinander ausgespielt werden.
  • 4 König Friedrich der Große von Preußen (1712–1786) wollte einmal von seinem gläubigen General Ziethen einen Beweis dafür haben, dass Gott existiert. Ziethen soll kurz und knapp geantwortet haben: „Majestät, die Juden“
  • 5 Der Zionismus bezeichnet eine Nationalbewegung von Juden, deren Interesse es war, in Palästina einen eigenen Nationalstaat zu gründen. Der Name leitet sich vom dem Namen Zion (Tempelberg in Jerusalem) ab.
  • 6 Theodor Herzl (1860–1904) war österreichischer Schriftsteller und Begründer des politischen Zionismus. 1896 schrieb er anlässlich antisemitischer Tendenzen in Frankreich sein damals bekanntes Buch „Der Judenstaat“. Seine politischen Aktivitäten sowie das Buch setzten eine Entwicklung in Gang, die wesentlich zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 beitrugen.
  • 7 Die 1945 gegründeten vereinten Nationen (UN = United Nations oder UNO = United Nations Organization) sind ein Zusammenschluss von heute fast 200 Staaten. Hauptziel ist die Sicherung des Weltfriedens, die Erhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit.
  • 8 David Ben Gurion wurde 1886 als David Grün in Polen geboren. 1906 wanderte er nach Palästina aus. Dort beteiligte er sich am Aufbau der jüdischen Untergrundorganisation Haschomer. Er arbeitete als Journalist. Als Politiker nahm er den Namen „Ben Gurion“ an. Schon bald war er Führer der jüdischen Arbeiterbewegung. Später wurde er israelischer Staatsmann und einer der Gründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Israels. Von 1948 bis 1963 war er Parteivorsitzender. 1949 wurde er zum ersten Premierminister des Staates Israel ernannt. Mit Unterbrechungen hatte er dieses Amt bis 1963 inne. In seine Amtszeit fielen unter anderem Projekte zur Urbarmachung und Entwicklung des Landes sowie zur Ansiedlung von Juden aus der ganzen Welt.
  • 9 Von den Arabern „El Nakba“ (die Katastrophe) genannt.
  • 10 Zu einem Frieden kam es nicht, weil die arabischen Staaten direkte Verhandlungen mit Israel ablehnten.
  • 11 Die arabische Seite nennt diesen Krieg Ramadan-Krieg oder Oktoberkrieg, weil er während des islamischen Fastenmonats Ramadan stattfand.
  • 12 PLO ist die Abkürzung für „Palestine Liberation Organisation“ (Palästinensische Befreiungsorganisation). Sie wurde 1964 auf Initiative Ägyptens gegründet, um eine Vertretung des arabischen Volkes im Rahmen der arabischen Bewegung zu schaffen. Die Organisation ist untrennbar mit dem Namen von Jassir Arafat verbunden. Er war von 1969 bis zu seinem Tod 2004 Vorsitzender. Die PLO versteht sich als Dachverband verschiedener nationalistischer Fraktionen. Sie strebt die Vertretung aller Palästinenser an. Nicht alle Araber erkennen die PLO jedoch als ihre „Vertretung“ an (so z. B. die islamische Widerstandsbewegung Hamas oder der Islamische Dschihad).
  • 13 Intifada (arabisch: Aufstand) bedeutet eigentlich „abschütteln“ oder „sich erheben“. Damit wird der Versuch beschrieben, die israelische Besatzung abzuschütteln.
  • 14 Die Hisbollah wurde offiziell 1985 gegründet. Sie ist eine schiitische Partei und Miliz im Libanon. Sie ist aus einer im Untergrund operierenden paramilitärischen Organisation und als Reaktion auf den Libanonkrieg 1982 entstanden. Die Hisbollah ist heute im Libanon ein anerkannter militärischer, sozialer und politischer Machtfaktor und seit 1992 in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. An der Spitze stehen „geistliche Gelehrte“ und als oberste Autorität gilt der Revolutionsführer des Iran (!). Israel (ebenso wie die USA und Kanada) halten die Hisbollah für eine Terrororganisation.
  • 15 Die Hamas ist eine islamische Widerstandsbewegung, die 1987 gegründet wurde. Sie hat u. a. das Ziel, den Staat Israel mit militärischen Mitteln zu bekämpfen und zu beseitigen, um in Palästina einen islamischen Staat zu gründen. Der militärische Arm der Hamas verübt Terroranschläge in und auf Israel und seit 1993 auch vermehrt Selbstmordattentate. Viele Staaten stufen sie als terroristische Vereinigung ein
  • 16 Begin und Sadat erhielten dafür 1978 gemeinsam den Friedensnobelpreis.
  • 17 Dabei sprechen wir ausdrücklich nicht von solchen aus den Juden, die in der Zeit der Gnade Jesus Christus als ihren persönlichen Retter angenommen haben. Sie gehören selbstverständlich zum weltweiten Gemeinde Gottes. Paulus beschreibt diese Menschen so: „Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3,28; vgl. Kol 3,11).
  • 18 Es ist denkbar, dass dies ein verborgener Hinweis auf weiter weg liegende Länder ist (in der ersten Phase besonders England, später vor allem die USA und andere Nationen).
  • 19 Darauf spielt der Herr Jesus in seinem Gespräch mit dem Theologen Nikodemus an, als Er mit ihm über die Notwendigkeit der Neugeburt spricht. Sie ist die Voraussetzung für das Eingehen in Gottes Reich (Joh 3,1ff.).
  • 20 Dieser Überrest ist nicht mit denen zu verwechseln, die sich heute als „messianische Juden“ bezeichnen. In der gegenwärtigen Zeit (Haushaltung) der Gnade ist man entweder als wiedergeborener Christ ein Teil der weltweiten Gemeinde Gottes oder man gehört zu denen, die in der Bibel als „Ungläubige“ bezeichnet werden. Der glaubende Überrest aus Israel wird jedenfalls erst nach der Entrückung der wahren Gläubigen gebildet werden.
  • 21 Darin sind selbstverständlich die Juden inbegriffen, die heute das Evangelium der Gnade hören und annehmen. Sie gehören nicht zu dem jüdischen Überrest, sondern sind Teil der Gemeinde. Bei der Entrückung werden sie auferweckt bzw. verwandelt werden. Ihr Teil ist das Vaterhaus.
  • 22 Der Antichrist ist eindeutig von dem europäischen Weltherrscher zu unterscheiden. Es handelt sich um zwei verschiedene Personen, die allerdings sehr eng zusammenarbeiten werden. Manche Ausleger haben in der Vergangenheit diesen Unterschied nicht beachtet und damit beträchtliche Verwirrung gestiftet. Offenbarung 13 spricht von zwei verschiedenen Tieren. Es sind zwei Personen. Es ist wichtig, das klar zu erkennen.
  • 23 Der Ausdruck „König des Nordens“ kommt nur im Buch Daniel vor (Kapitel 11) und bezeichnet einen Feind, der von Norden kommt. In der historischen Beschreibung der Kamphandlungen zwischen dem König des Südens (das ist zweifelsfrei Ägypten) und dem König des Nordens kann es sich dabei nur um Syrien handeln. Es ist deshalb folgerichtig, davon auszugehen, dass es sich bei dem „König des Nordens“ auch in der Zukunft um Syrien handelt. Aus Daniel 8,24 lernen wir, dass dieser „König des Nordens“ nicht in eigener Macht handelt. Hinter ihm steht eine weitaus größere Macht, die ihn unterstützt. Viele Bibelausleger gehen davon aus, dass es sich dabei um Russland handelt. Zu dieser Annahme gibt es gute Gründe.
  • 24 Der Geist des Antichristen (1. Joh 4,3) ist nicht mit dem Antichristen selbst zu verwechseln. Dieser Geist ist bereits heute in der Welt wirksam. Das erleben wir sehr deutlich.
  • 25 Es gibt Ausleger, die in dem, was zurückhält, nicht so sehr die Gläubigen der Gnadenzeit sehen, sondern die Macht Gottes, die auf dieser Erde in den von Gott gegebenen Obrigkeiten (Staatsgewalten) wirksam wird, die ihre Gewalt von Ihm haben. Nach der Entrückung der Gläubigen wird es diese „Bremse“ in der Tat nicht mehr geben.
  • 26 Der Ausdruck „Zeit des Endes“ bezieht sich in der Tat konkret auf die letzten 3 ½ Jahre vor der sichtbaren Erscheinung des Messias auf dieser Erde. In den ersten 3 ½ Jahren geht es um weltweite Katastrophen (Stunde der Versuchung für den ganzen Erdkreis). In den letzten 3 ½ Jahren geht es nicht mehr allein um die Welt (und insbesondere die abgefallene Christenheit), sondern besonders um Israel.
  • 27 Zu diesen Stellen gehören unter anderem Psalm 45; 72; 110; 111; 132; 133; 145; Jesaja 2,2–4; 4,2–6; 9,6.; 11,6–16; 25,6–8; 32,1–5; 32,15.18; 33,17–20; 35,1–10; 66,10–14; 66,18–24; Jeremia 31,31–40; Hosea 14,4–8; Amos 9,11–15; Micha 4,1–5; Haggai 2,-7–9; Sacharja 8; 14,6–21. Eine besondere Beschreibung haben wir in Hesekiel 40–48, wo der neue Tempel im Reich ausführlich beschrieben wird.
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