Vorträge über den Brief an die Epheser

Kapitel 5

„Seid nun Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Eph 5,1–2).

Wie ist es mir als ein einfacher Mensch möglich, den Menschen auf der Erde mit so etwas wie Liebe anzusehen? Was kann das Herz ergreifen und Liebe hervorbringen? Man keine Liebe im Herzen haben, ohne sie zu den Menschen übergehen zu lassen (Joh 3,16). Sie ist Teil der Wahrheit, die mit der neuen Schöpfung verbunden ist. Sie liegt nicht in der Natur – diese ist kalt‒, sondern sie wächst aus der Liebe heraus, die Gott für uns hatte. Gibt es einen Gläubigen, ein Kind Gottes, der nicht weiß, dass Christus sich selbst als Lösegeld für uns gegeben hat? Der die Liebe des Vaters zu den Kindern nicht kennt? Der Glaube, der dem Kind gegeben ist, verbindet es mit dem Vater. Hat Er gewartet, bis ich Ihn geliebt habe? Könnte ich Ihm auch nur ein einziges Wort über meine Liebe sagen, außer „Ich liebe Ihn, weil Er mich zuerst geliebt hat“? Was ist meine Stellung als Gläubiger? Ich habe den Vater, und Er hat einen eingeborenen Sohn, und der Geist hat von meinem Herzen und von einer Vielzahl von Herzen hier auf der Erde Besitz ergriffen. Liebe erzeugt Liebe, und eine Person kann die Liebe Gottes nicht richtig empfinden, wenn sie nicht ein gewisses Interesse im Herzen für die hat, die in der gleichen Stellung sind. Und sie muss Liebe Gottes armen Sündern weitergeben ‒ es gibt noch immer viele, die im Strom der Welt dahintreiben.

Die neue Schöpfung ruft die Einheit mit Ihm ins Leben, und dieses Leben fand seinen Ausdruck, als Er ihre Sünden tilgte und sie in die vollkommene Freiheit und den Frieden der Gegenwart Gottes versetzte. Dass wir Kinder des Lichts sind, strömt aus unserer göttlichen Natur hervor. Wer könnte diese Wahrheit festhalten als den Ausdruck der Gefühle Gottes für uns und nicht selbst ins Licht gestellt sein und gleichzeitig alles für sich finden? Er, der sein Angesicht nicht mit einem Schleier verdeckt, kann die Schleier der Herzen armer Sünder zerreißen, sodass das ganze Licht Gottes in ihre Herzen leuchten kann, sodass alles in ihnen und um sie herum ihnen selbst offenbart werden kann.

„Hurerei aber und alle Unreinheit oder Habsucht werde nicht einmal unter euch genannt, wie es Heiligen geziemt“ (Eph 5,3).

Wer könnte im Licht dieser Gemeinschaft nicht sehen, dass der Leib für den Herrn ist? Ich bin wie ein gebundener Mann. Seine Liebe zwingt die Seinen, dass sie „nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2. Kor 5,15). Daher können sie über ihre Leiber nicht selbst verfügen und für sich selbst leben, sondern für Ihn. Obgleich Er zur Rechten Gottes sitzt, will Er, dass wir für Ihn leben – sowohl der Ärmste als auch der Reichste kann dies tun.

„Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts“ (Eph 5,8).

„Licht in dem Herrn“ – ist das nicht Licht? Oh, es ist Licht in seiner reinsten Form.

„Darum seid nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn sei“ (Eph 5,17).

Ein Mensch, der freie Sicht hat, nimmt seinen Weg nicht so wahr, wie ein Blinder, der sich über die Straße tastet. Wenn man so jemanden sieht, neigt man dazu, gut zu schauen, ob eine Kreuzung oder irgendeine Gefahr in der Nähe ist. Aber wenn man jemanden, dessen Auge klar ist, so entlanggehen sieht, geht man davon aus, dass er betrunken ist und geht ihm so schnell wie möglich aus dem Weg. Das ist der Platz, in den du gestellt bist – Wahrheit, Liebe und Licht. Und die Werke sind Wahrheit, Licht und Liebe, dargestellt in Christus, dem Haupt des Leibes im Himmel.

„Und berauscht euch nicht mit Wein, in dem Ausschweifung ist, sondern werdet mit dem Geist erfüllt, redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn in eurem Herzen, danksagend allezeit für alles dem Gott und Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus, einander untergeordnet in der Furcht Christi“ (Eph 5,18–21).

Es mag falsche Kraft geben, aber sie kann nicht anhalten. Paulus geht nun weiter zur Wirkung des Lichtes. Es erzeugt Freude im Herzen. Wenn du und ich uns dauerhaft im Licht aufhalten würden, wie selbstverständlich wäre dann das Wort aus Philipper 4,4: „Freut euch in dem Herrn“ ‒ wenn wir uns im Licht der Herrlichkeit aufhalten. Es ist für uns da. Wir haben die Grundsätze, die uns mit Ihm verbinden, aber, wenn wir uns in diesem Licht, das uns entgegenströmt, aufhalten würden, dieser segensreichen Freude in Christus, die in unsere Herzen strömt, würden wir auch einen Weg suchen, sie auszudrücken, indem wir dem Herrn in unserem Herzen singen.

Vers 20 sagt, dass wir für alles danksagen sollen. Auch das ist die Wirkung. Ein großer Teil der Gläubigen sagt: „Oh ja, aber ich finde, die Wüste ist ein sehr unbequemer Ort. Ich bin sehr ermüdet, ich finde es lästig, mit einer Gemeinschaft von Gläubigen zusammen zu sein, und ihr Fleisch und mein Fleisch kommen nicht sehr gut miteinander zurecht.“ Was führte Paulus dazu, in allem dankzusagen? Er hielt sich in dem Licht auf. Er sah all die Widrigkeiten als Gelegenheiten zur Entfaltung der Liebe Gottes an. Wir müssen durch diese kleine Wüste gehen und das in uns unterdrücken, was böse ist. Aber wir denken nicht, dass Gott diese Wüste selbst geschaffen hat. Gott wollte als der ewige Liebhaber seines Volkes die Gelegenheit haben, mit Israel allein zu sein. Er kannte seine Schwierigkeiten; Gott war mit seinem Volk. „Sie haben kein Wasser – sie sind durstig; ich werde Freude daran haben, ihnen den Felsen zu öffnen. Haben sie ihre Lektion gelernt? Rufen sie mich an? Ich führte sie hinaus, damit sie in meinem Handeln mit ihnen lernen sollen, dass ich Gott bin. Ich muss ihnen noch mehr Schwierigkeiten in den Weg stellen. Ich habe sie nicht über das Rote Meer geführt, um sie dann fallenzulassen. Ich bin mit ihnen und behüte sie, damit ich sehe, dass ich den ersten Platz in ihren Herzen habe.“

Gott eiferte für seinen erstgeborenen Sohn (vgl. 2. Mo 4,22). Sollte nicht der Vater sich die Zuneigung seines Kindes wünschen? Er brachte die Israeliten in die Wüste, damit Er sie dies lehren konnte. Geliebte, ich werfe hiermit keinen Stein auf irgendjemanden. Wenn das jemand so empfindet, so hoffe ich, dass er es dennoch im Stillen erwägt. Es ist eine sehr großartige Sache, allezeit für alles dankzusagen. Da ist etwas, das alle meine Hoffnungen enttäuscht. Nun, Gott steht dahinter, ich muss Ihn dort finden. Es hat Gott nicht an das Ende seiner Möglichkeiten gebracht. Je mehr ich in dem Licht bin, desto mehr sehe ich, dass dort oben mein Himmel ist, und alles, was mit dieser herrlichen Person in Verbindung steht, wird selbst in mir, dem schwächsten Glied hier, behütet ‒ denn ich kann danksagen. Du musst im Licht sein, um immer danksagen zu können. Ich sage nicht, dass ich das tue. Wir tun es nicht immer, weil es Unabhängigkeit gibt, und dann sehen wir Gott in unseren Umständen nicht. Wir sind in der Schule; aber, wenn wir in das Haus des Vaters heimkehren, wird es so etwas nicht mehr geben. Wenn du dich Gott unterordnen würdest, würde es dir ein Leichtes sein, in allem dankzusagen. Jeder Tag bringt Dinge mit sich, die uns widrig erscheinen, aber für Gott sind sie nicht widrig, sondern Möglichkeiten, seine Liebe zu uns zu zeigen. Es gibt also nicht Lieblicheres, als wenn alles der Natur entgegensteht, zu sagen: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“ Ich werde deinen Willen in diesen Dingen annehmen und damit zufrieden sein, meinen eigenen Willen loszulassen.

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