Betrachtung über Lukas (Synopsis)

Einleitung

Betrachtung über Lukas (Synopsis)

In dem Evangelium Lukas wird uns der Herr unter dem Charakter des Sohnes des Menschen dargestellt, der Gott in befreiender Gnade unter den Menschen offenbart. Zunächst finden wir Ihn allerdings (und dies gerade, weil Er als Mensch und in Gnade gegen die Menschen geoffenbart werden soll) in einer Art Einleitung, - in der wir ein äußerst schönes Bild von dem göttlichen Überrest haben, - Israel vorgestellt, dem Volke, dem Er verheißen worden, und mit dem Er, als Er in diese Welt kam, dem Fleische nach verwandt war. Hernach aber stellt uns dieses Evangelium sittliche Grundsätze dar, die sich auf den Menschen beziehen, wer er auch sein mag, obwohl es für den Augenblick Christum inmitten jenes Volkes offenbart. Diese Macht Gottes in Gnade wird in ihrer Anwendung auf die Bedürfnisse der Menschen auf mancherlei Weise entfaltet.

Nach der Verklärung, die uns in Lukas früher als in den anderen Evangelien mitgeteilt wird 1, finden wir das Gericht derer, die den Herrn verwarfen, sowie den himmlischen Charakter der Gnade, die sich, weil sie Gnade ist, ohne besondere Rücksicht auf die Juden, an die Nationen, an die Sünder wendet, indem sie die gesetzlichen Grundsätze überströmt, durch die die Juden in Verbindung mit Gott zu sein behaupteten. Danach finden wir das, was zufolge der gerechten Regierung Gottes den Juden widerfahren sollte, und am Ende die Mitteilung über den Tod und die Auferstehung des Herrn, wodurch das Werk der Erlösung vollbracht wurde. Es ist zu bemerken, dass Lukas - der das jüdische System moralisch beiseitesetzt und den Sohn des Menschen einführt als den Menschen vor Gott, indem er Ihn als Den darstellt, der erfüllt ist mit der ganzen Fülle Gottes, die leibhaftig in Ihm wohnt, als den Menschen vor Gott nach Seinem eigenen Herzen, und daher als Mittler zwischen Gott und dem Menschen, und als Mittelpunkt eines viel umfangreicheren Systems als dasjenige des Messias in der Mitte der Juden) - es ist zu bemerken, wiederhole ich, dass Lukas, der sich mit diesen neuen Beziehungen beschäftigt (die allerdings, was die Ratschlüsse Gottes betrifft, alt sind), viel mehr als die anderen Evangelisten die Tatsachen entwickelt, die sich auf die Verbindung des Herrn mit den Juden, die Er in dem frommen Überrest dieses Volkes anerkennt, beziehen; und dass er ferner viel mehr Beweise gibt von der Sendung Christi an dieses Volk, als Er in die Welt kam - Beweise, die die Aufmerksamkeit Israels hätten anziehen und auf das Kind lenken sollen, das ihnen geboren wurde.

Wir fügen noch hinzu, dass das, was die Erzählung des Lukas vornehmlich charakterisiert und diesem Evangelium sein besonderes Interesse verleiht, in der Darstellung dessen besteht, was Christus Selbst ist. Es ist nicht Seine amtliche Herrlichkeit oder eine hierauf bezügliche Stellung, die Er eingenommen hatte; noch ist es die Offenbarung Seiner göttlichen Natur an und für sich, noch auch Seine Sendung als der große Prophet. Wir sehen Ihn Selbst, wie Er war, einen Menschen auf der Erde - die Person, der wir, würden wir damals in Judäa oder Galiläa gelebt haben, täglich hatten begegnen können.

Ich möchte über die Schreibweise des Lukas noch eine Bemerkung einschalten, die dem Leser das Studium dieses Evangeliums ein wenig erleichtern dürfte. Er bringt oft eine Menge von Ereignissen in einer kurzen, allgemeinen Darstellung und verweilt dann schließlich lange bei einer einzelnen Tatsache, in der sich sittliche Grundsätze und die Gnade entfalten.

Fußnoten

  • 1 d. h. im Blick auf den Inhalt des Evangeliums. Im 9. Kapitel beginnt die letzte Reise Jesu nach Jerusalem und wird im letzten Teil des 18. Kapitels fortgesetzt, wo in Vers 31 Sein Hinaufgehen nach jener Stadt erwähnt wird. Der Evangelist gibt hauptsächlich eine Reihe von moralischen Belehrungen und teilt die Gnadenwege Gottes mit, die jetzt eingeführt werden. Im 35. Verse des 18. Kapitels wird schon der Blinde von Jericho erwähnt als der Anfang des letzten Besuchs des Herrn in Jerusalem.
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