Der Arbeiter ist seines Lohnes wert
Einige Gedanken über die Versorgung von Geschwistern, die vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten

Teil 1: Vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten

Der Arbeiter ist seines Lohnes wert

Wir lesen in der Bibel viel von den Werken Gottes. Wir lesen viel von den Werken, die der Herr Jesus getan hat. Den Ausdruck „Werk des Herrn“ finden wir allerdings im Neuen Testament nur zweimal.

In 1. Korinther 16,10 spricht Paulus davon, dass er und Timotheus am „Werk des Herrn“ arbeiteten. Bei diesem Ausdruck denken wir in der Regel an Geschwister, die ihren irdischen Beruf aufgeben, um ganz für ihren Herrn zu arbeiten. Das Arbeitsfeld kann in ihrer unmittelbaren Umgebung liegen oder sich auf ihr ganzes Heimatland beziehen. Oder sie sind ins Ausland gegangen, um dort in der Mission1 tätig zu werden. In diesem Fall sprechen wir meistens von „Missionaren“2.

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir den grundsätzlichen Gedanken an das „Werk des Herrn“ keineswegs auf Geschwister beschränken können, die ihren irdischen Beruf aufgegeben haben und dem Herrn „vollzeitig“ dienen. Das geht eindeutig an dem vorbei, was die Bibel dazu sagt. Im Gegenteil: Alle Kinder Gottes haben eine Aufgabe im „Werk des Herrn“. Das zeigt ganz deutlich die zweite Stelle, wo das Wort vorkommt: „Daher, meine geliebten Brüder, seid ... allezeit überströmend in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn“ (1. Kor 15,58).

Ausgangspunkt für diese Aussage von Paulus ist der Sieg des Herrn Jesus, den Er am Kreuz von Golgatha über den Tod errungen hat und der bei der Wiederkunft des Herrn Jesus für die Seinen an uns zur Vollendung gebracht werden wird. Zwischen diesen beiden Punkten spielt sich das Leben des Christen ab. In diesem Leben hat jeder von uns die Möglichkeit, Gott auf der Erde zu dienen. Unter „Werk des Herrn“ müssen wir daher alles verstehen, was in dieser Zeitperiode für den Herrn Jesus getan wird. In diesem Sinn geht „Werk des Herrn“ jeden Gläubigen etwas an – Brüder und Schwestern.

Nun lautet der Untertitel dieser Ausarbeitung ja: „Einige Gedanken über die Versorgung von Brüdern und Schwestern, die vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten“. Es geht hier also speziell um solche Geschwister, die ihren irdischen Beruf aufgegeben haben und sich selbst mit ihrer ganzen Zeit dem Herrn Jesus und seinem Werk zur Verfügung stellen. Im Alten wie im Neuen Testament finden sich hierfür Beispiele.

Biblische Beispiele

Das irdische Volk Gottes war als Ganzes dazu berufen, Gott zu dienen (2. Mo 7,16). Dennoch gab es im Volk Israel einen ganzen Stamm, den Gott speziell dazu berufen hatte, Ihm zur Verfügung zu sein. Das war der Stamm Levi. Die Leviten gehörten Gott. In 5. Mose 21,5 sagt Gott: „Und die Priester, die Söhne Levis, sollen herzutreten; denn sie hat der Herr, dein Gott, erwählt, ihm zu dienen.“ In 5. Mose 10,8 lesen wir: „In jener Zeit sonderte der Herr den Stamm Levi dazu aus, die Lade des Bundes des Herrn zu tragen, um vor dem Herrn zu stehen, um ihm zu dienen.“ Der Stamm Levi nahm also eine gewisse Sonderstellung unter den 12 Stämmen ein. Die Söhne der Leviten sollten nicht zum Kriegsdienst gemustert werden (4. Mo 1,49). Außerdem sollten sie unter den Kindern Israel kein Erbteil bekommen, weil Gott selbst ihr Erbteil war (5. Mo 18,2). Sie waren sozusagen „vollzeitig“ im Werk Gottes tätig und Gott sorgte dafür, dass sie versorgt wurden.

Im Neuen Testament ist jeder Gläubige ein Priester Gottes. Wir sind eine heilige Priesterschaft und eine königliche Priesterschaft (1. Pet 2,5.9). Es gibt keine „auserwählte Elite“, die Gott dazu bestimmt hat, Ihm speziell zu dienen. Es ist vielmehr die Aufgabe jedes Christen, Gott zu dienen (Röm 12,1; Phil 3,3). Dennoch finden wir z. B. in den Evangelien Menschen, die der Herr speziell aus ihrem irdischen Beruf herausnahm. Er tat das, um sie in seine Nachfolge und in seinen Dienst zu berufen. Das gilt zunächst für die Jünger, die dem Herrn auf dieser Erde nachfolgten. Einige von ihnen waren von Beruf Fischer. In Markus 1,16–18 lesen wir: „Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder Simons, die in dem See Netze auswarfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen; und sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm nach.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass es nicht andere Jünger gab, die dem Herrn ebenfalls nachfolgten. Die 12 nahmen jedoch zweifellos eine besondere Stellung ein.

Dem Herrn vollzeitig dienen ist etwas anderes als einem irdischen Arbeitgeber zu dienen und einer üblichen Berufstätigkeit nachzugehen. Jemand hat einmal treffend gesagt: „Für den Herrn arbeiten ist nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung.“ Dazu ist ein besonderer Auftrag vom Herrn nötig. Das Beispiel der Jünger, die der Herr berief, macht klar, dass eine gesunde Bewährung im irdischen Beruf der vollzeitigen Tätigkeit im Werk des Herrn unbedingt vorausgeht. Man kann kaum davon ausgehen, dass jemand, der sich nicht vorher in einem irdischen Beruf bewährt hat, sich im Werk des Herrn bewähren wird. 1. Timotheus 3,6 spricht – allerdings im Zusammenhang mit einem Aufseher – davon, dass es kein „Neuling“ sein sollte. Der Herr Jesus hat selbst einmal gesagt: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu“ (Lk 16,10). Das ist ein wichtiges Prinzip, das wir nicht übersehen sollten.

Petrus erinnert den Herrn einmal im Rückblick an den Augenblick ihrer Berufung und sagt: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt“ (Lk 18,28). Darauf bekam er die herrliche Antwort: „Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen, der nicht vielfach empfängt in dieser Zeit, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben“ (Lk 18,29.30).

In der Apostelgeschichte finden wir dann die Apostel (Jünger) wieder, wie sie ganz im Dienst des Herrn standen. Nichts deutet darauf hin, dass sie wieder in ihren irdischen Beruf zurückgekehrt wären3. Der Herr hatte sie berufen, die Botschaft in die Welt hinauszutragen. Diesem Auftrag kamen sie nach. Sie waren einerseits missionarisch tätig und brachten verlorenen Menschen das Evangelium der Gnade Gottes. Andererseits kümmerten sie sich um das Wohl und das Wachstum der zum Glauben Gekommenen. Diese beiden großen Bereiche im Werk des Herrn gibt es bis heute.

Später sehen wir dann in der Apostelgeschichte, wie andere Brüder hinzukamen, die sich ebenfalls ganz in den Dienst ihres Herrn stellten. Wir denken an Männer wie Barnabas und Paulus oder Timotheus und Titus. Dabei verkennen wir nicht, dass Paulus zeitweise durchaus in seinem irdischen Beruf als Zeltmacher tätig war (Apg 18,3), um seinen Geschwistern nicht finanziell zur Last zu fallen. In 1. Korinther 9 spricht er von den Aposteln und gesteht ihnen das Recht zu, nicht zu arbeiten, d. h. nicht in einem irdischen Beruf zu arbeiten. Dieses gleiche Recht hatten er und Barnabas ebenfalls (1. Kor 9,6), selbst wenn Paulus davon nicht immer Gebrauch machte. Er begründet das in seiner Abschiedsrede an die Ältesten von Ephesus wie folgt: „Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man, so arbeitend, sich der Schwachen annehmen und der Worte des Herrn Jesus gedenken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen“ (Apg 20,34.35).

Aufgabenfelder

Es entspricht also den Gedanken Gottes, wenn Brüder (und Schwestern) in besonderen Fällen ihren irdischen Beruf aufgeben, um sich vollzeitig dem Herrn zur Verfügung zu stellen4. Das mögliche Aufgaben- und Arbeitsfeld ist dabei sehr groß. Wir sahen bereits, dass die zwei großen Bereiche der Arbeit im Werk des Herrn (ob vollzeitig oder nicht) einerseits die ungläubigen Menschen und andererseits die Gläubigen betrifft. Paulus war z. B. einerseits ein Diener des Evangeliums und gleichzeitig ein Diener der Versammlung5 (Kol 1,23.25).

1. Es gibt bis heute Brüder, denen der Herr die Gabe des Evangelisten gegeben hat und die sich Ihm damit vollzeitig zur Verfügung stellen (andere tun es mit gleicher Hingabe neben ihrer üblichen Berufstätigkeit). Es gibt solche, die das Evangelium öffentlich predigen. Es gibt andere, die das persönliche Gespräch suchen oder in Hauskreisen arbeiten. Wieder andere kümmern sich um spezielle Altersgruppen (alte Menschen, kranke Menschen, junge Menschen, Kinder usw.) oder sehen ihre Aufgabe in der Kolportage und der regelmäßigen Büchertischarbeit. Wieder andere kümmern sich um Menschen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen (Gefängnisarbeit, Arbeit an Drogen- und anderen Suchtabhängigen, Arbeit an Migranten, Flüchtlingen usw.). Manche arbeiten in ihrer unmittelbaren Umgebung. Andere empfinden den Ruf des Herrn, Ihm im Ausland zu dienen. Schließlich können wir an solche denken, die sich im schriftlichen Dienst engagieren und Traktate, Broschüren, Kalenderzettel und anderes schreiben und veröffentlichen. Die modernen Medien und Kommunikationsmittel eröffnen ebenfalls ein weites Arbeitsfeld für evangelistische und missionarische Aktivitäten. Wenn es um die öffentliche Verkündigung (Predigt) des Wortes geht, wird sich der Dienst auf Brüder beschränken. In vielen anderen Bereichen kann der Herr hingegen genauso gut (manchmal sogar besser) Schwestern einsetzen. Dies gilt speziell in der Auslandsmission oder für die Arbeit an Kindern und Kranken.

2. Für den Dienst an Gläubigen hat der verherrlichte Herr seiner Versammlung ebenfalls Gaben gegeben (Eph 4,8). Dazu gehören neben den Evangelisten besonders die Hirten und Lehrer. Ziel des Dienstes aller Gaben ist die „Vollendung der Heiligen, ... das Werk des Dienstes, ... die Auferbauung des Leibes des Christus“ (Eph 4,11.12). Sie können von Brüdern ausgeübt werden, die gleichzeitig einem irdischen Beruf nachgehen. Sie können ebenso gut von Brüdern getan werden, die ihren Beruf aufgegeben haben. Erneut denken wir an den Dienst der öffentlichen Verkündigung, z. B. Lehrvorträge oder erbauliche Vorträge. Wir denken an den Dienst bei Konferenzen und Freizeiten oder an den schriftlichen Dienst. Dann gibt es die persönliche Seelsorge, die Arbeit an alten, kranken oder jungen Geschwistern sowie an Kindern und Familien. Wie bei der Arbeit im Evangelium sind hier die Schwestern nicht ausgeschlossen, solange ihr Dienst sich in dem vom Neuen Testament vorgegebenen Rahmen bewegt, d.h. sie nicht lehren und über den Mann „herrschen“ (1. Tim 2,12; 1. Kor 14,34 u.a.)6.

3. Wir empfinden deutlich, dass einerseits die Aufgaben vielfältig sind und andererseits nur relativ wenig Gläubige da sind, die sich dem Herrn zur Verfügung stellen (ob vollzeitig oder nicht vollzeitig). Der Herr Jesus hatte das schon vorausgesehen. Er sagte einmal zu seinen Jüngern: „Die Ernte zwar ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende“ (Lk 10,2). Das gilt für die Mission im Ausland ebenso wie für die Arbeit „vor Ort“ – sei es im Evangelium oder im Dienst für die Gläubigen. Wir sollten diese Bitte mehr kennen und aussprechen.

Keine Elite

Vor einer Gefahr sei hier ganz deutlich gewarnt. Wir sind dankbar für jeden Bruder und für jede Schwester, die sich ganz dem Herrn zur Verfügung stellt. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass solche, die vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten, etwas „Besonderes“ wären. Das ist nicht der Fall. Sie sind Brüder unter Brüdern und Schwestern unter Schwestern. Es gibt viele Glaubensgeschwister, die neben ihrer normalen Berufstätigkeit sehr fleißig im Werk des Herrn tätig sind, die darin allezeit „überströmen“. Wir erinnern uns noch einmal daran, dass Paulus dies in 1. Korinther 15,58 allen Korinthern schreibt. Wir wissen nicht einmal, ob es in Korinth überhaupt Gläubige gab, die „vollzeitig“ im Werk des Herrn arbeiteten.

Die Gefahr besteht übrigens auf zwei Seiten. Die eine ist die Seite derjenigen, die dem Herrn vollzeitig dienen. Sie könnten der Versuchung erliegen, sich innerlich über die zu stellen, die nicht vollzeitig für den Herrn tätig sind. Das ist die Gefahr der Überheblichkeit. Die Folge davon kann eine Form von Klerikalismus sein. Die andere Seite betrifft diejenigen, die nicht vollzeitig im Werk des Herrn arbeiten. Sie könnten der Gefahr erliegen zu denken, sie wären geringwertiger und ihr himmlischer Lohn wäre geringer, weil ihr Dienst geringer ist. Vor beiden Gefahren will der Herr uns bewahren. In seinem Werk kann es nur ein glückliches Miteinander aller Diener geben. Ob jemand vollzeitig arbeitet oder nicht, macht ihn nicht zu einem wertvolleren Arbeiter. Es geht im Dienst immer um die Treue, mit der wir ihn tun (Mt 25,21.23).

Ein göttlicher Auftraggeber

Hier möchte ich gerne vier Punkte nennen:

1. Arbeit im Werk des Herrn bedeutet, dass niemand anders als Er selbst der Auftraggeber ist. In 1. Korinther 12,4–6 erinnert Paulus daran, dass die Ausübung einer Gnadengabe mit dem Heiligen Geist zu tun hat, dass der Dienst in Verbindung mit dem Herrn steht und dass Gott für die Ergebnisse sorgt. Jeder Dienst für Ihn muss deshalb unbedingt in Ihm seinen Ursprung finden. Diener im Werk des Herrn empfangen ihre Aufträge nicht von Menschen oder von einer örtlichen Versammlung und schon gar nicht von irgendeiner Organisation. Sie bekommen ihre Aufgabe von dem Herrn selbst. Er sendet aus. Kurz vor seiner Himmelfahrt hat der Herr Jesus selbst seinen Jüngern den Auftrag gegeben, in die Welt hinauszugehen (Mk 16,15). Diesem Auftrag sind sie nachgekommen. In der Apostelgeschichte haben wir das Beispiel von Barnabas und Saulus. Wir lesen dort: „Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe“ (Apg 13,2). Knechte des Herrn warten auf das, was der Herr ihnen zu tun gibt.

Es versteht sich von selbst, dass ein solcher Dienst, wenn er wirklich vom Herrn ausgeht, gleichzeitig in Harmonie ist mit den Geschwistern der Heimatversammlung7 und darüber hinaus. Timotheus hatte beispielsweise ein gutes Zeugnis von den Brüdern in Lystra und Ikonium (Apg 16,2). Später erinnert Paulus ihn daran, dass er seine Gnadengabe (das ist seine Aufgabe zum Dienst) durch Weissagung bekommen hatte, jedoch mit Auflegen der Hände der Ältestenschaft (1. Tim 4,14). Die Gnadengabe des Timotheus kam von Gott. Die Ältesten der örtlichen Versammlung hatten sich jedoch mit ihm verbunden, indem sie ihm die Hände auflegten. Es versteht sich ebenfalls von selbst, dass ein Dienst, selbst wenn er letztlich vom Herrn bewertet und belohnt wird, doch von den Geschwistern gesehen und beurteilt wird.

2. Arbeit im Werk des Herrn bedeutet, dass der Herr nicht nur der Ursprung jedes Dienstes ist, sondern dass Er gleichzeitig die Kraft dazu gibt. Alles, was im Werk des Herrn für Ihn getan wird, kann nur in seiner Kraft und unter seiner Kontrolle geschehen. Daraus wird deutlich, wie wichtig es ist, ständigen Kontakt und Gemeinschaft mit dem verherrlichten Herrn im Himmel zu haben.

3. Arbeit im Werk des Herrn bedeutet, dass Er das Ziel jeder Bemühung ist. Wenn der Herr Ursprung und Kraft des Dienstes ist, dann ist Er gleichzeitig dessen Ziel. Alles kommt von Ihm, alles wird durch Ihn ausgeführt, alles wird für Ihn getan. Niemand arbeitet für sich selbst oder für andere, sondern nur für den Herrn. Deshalb sucht der wahre Diener nicht seine eigene Ehre, sondern ist darauf bedacht, dass sein Auftraggeber gesehen und verherrlicht wird. Der treue Diener verbirgt sich selbst, damit sein Herr gesehen wird. So tat es der Herr Jesus, als Er selbst als Diener auf dieser Erde lebte. Er ist unser unübertroffenes Vorbild und Beispiel.

4. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass man es im Werk des Herrn etwas ruhiger angehen lassen könnte als bei einer gewöhnlichen Berufstätigkeit. Das Werk des Herrn ist jedenfalls mit Mühe verbunden. Bei dem Wort „Werk“ denken wir in erster Linie an das, was getan wird. Bei dem Wort „Mühe“ denken wir mehr daran, wie es getan wird. Vollzeitig im Werk des Herrn zu arbeiten, lässt sich nicht mit einem bequemen und ruhigen Leben vereinbaren. Ohne Zweifel hat jeder Diener Zeiten der Ruhe nötig, um im Lesen des Wortes und im Gebet Gemeinschaft mit Gott zu haben. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass das Werk des Herrn mit Aktivität verbunden ist. Im Alten Testament finden wir dazu ein ernstes Wort: „Verflucht sei, wer das Werk des Herrn lässig treibt“ (Jer 48,10).

Lohn

Der Auftraggeber ist also der Herr Jesus selbst. Demzufolge ist der Diener zuerst seinem Herrn für das, was er tut und lässt, verantwortlich. Er ist ein Diener und Knecht Jesu Christi. Damit wird gleichzeitig klar, wer für den Lohn „zuständig“ ist. Es ist der Herr. Im Alten Testament lesen wir den schönen Vers: „Ihr aber, seid stark und lasst eure Hände nicht erschlaffen, denn es gibt Lohn für euer Tun!“ (2. Chr 15,7). Wenn Paulus den Korinthern sagt, dass ihre Mühe nicht vergeblich sein wird, dann fügt er hinzu „im Herrn“ (1. Kor 15,58). Jede Bemühung in seinem Werk kann in dem festen Wissen geschehen, dass der Einsatz nicht vergeblich, d. h. nicht umsonst oder wertlos ist. Der Herr wird nichts, was aus Liebe für Ihn in seinem Werk getan worden ist, unbelohnt lassen.

Wir erinnern an die beiden Seiten, die dabei zu unterscheiden sind: Zum einen geht es um die Frucht für den Herrn, die jeder Dienst mit sich bringt. Das sind die Ergebnisse eines Dienstes. Zum anderen geht es um die Versorgung der materiellen Bedürfnisse derer, die sich Ihm zur Verfügung stellen. Diese Brüder und Schwestern haben – genauso wie alle anderen – materielle Bedürfnisse. Sie haben Lebensunterhaltungskosten wie jeder andere. Gott möchte nicht, dass seine Diener in dieser Hinsicht Mangel leiden. Er will sie versorgt sehen. Wie Er das tut, soll uns jetzt im zweiten Teil beschäftigen.

Fußnoten

  • 1 Im allgemeinen Sprachgebrauch beziehen wir „Mission“ auf den Einsatz im Ausland (meistens in Ländern der Dritten Welt). Das Wort „Mission“ bedeutet wörtlich „ausgesandt“. Dabei geht es darum, dass der Herr einen Bruder oder eine Schwester aussendet (und nicht irgendjemand anders, wie z.B. eine örtliche Gemeinde oder eine Missionsgesellschaft). Eine solche „Aussendung“ kann mit einem Dienst im Ausland zu tun haben. Ebenso kann es ein Dienst im eigenen Land oder am eigenen Ort sein. Man sollte „Mission“ nicht auf Auslandseinsätze beschränken, selbst wenn es im allgemeinen Sprachgebrauch häufig so getan wird.
  • 2 Wir verkennen nicht, dass wir in einer „post-christlichen Zeit“ leben und unsere ehemals christlichen Länder (das sogenannte christliche Abendland) inzwischen selbst zu „Missionsländern“ geworden sind, in denen missionarische Arbeit mehr denn je gefragt ist. Um „missionarisch“ zu arbeiten, muss man heute nicht mehr zwingend ins Ausland (meistens ein Land der „Dritten Welt“) gehen. Der Ausdruck „Mission“ geht übrigens auf den sogenannten „Missionsauftrag“ des Herrn Jesus an seine Jünger zurück, den wir am Ende jedes der vier Evangelien und zu Beginn der Apostelgeschichte finden. Beim Vergleich dieser Stellen, insgesamt fünf Stellen, wird schnell deutlich, dass wir diesen Begriff nicht auf die Arbeit in Ländern der Dritten Welt beschränken können. Das „Missionsfeld“ des Christen beginnt nach der Belehrung der Bibel im eigenen Haus und vor der eigenen Haustür. Danach kennt es allerdings keine Grenzen. Es geht bis an das „Ende der Erde“ (Apg 1,8).
  • 3 Das muss allerdings im Umkehrschluss nicht zwingend bedeuten, dass jemand, der dem Herrn vollzeitig dient, nicht zu einem späteren Zeitpunkt erneut teilweise oder ganz einen irdischen Beruf ausübt. Es ist denkbar, dass der Herr jemanden für eine ganz bestimmte Aufgabe für eine bestimmte Zeit beruft.
  • 4 Eine solche vollzeitige Tätigkeit für den Herrn wird nicht der Regelfall, sondern die Ausnahme sein. Ein Blick in das Neue Testament zeigt uns, dass es keine Aufforderung an die Gläubigen gibt, den Beruf aufzugeben, um dem Herrn besser dienen zu können. Alle Gläubigen – egal in welchem Stand sie sich befinden – sollen ihrem Herrn dienen. Dennoch zeigen uns die Apostelgeschichte und die Briefe, dass vollzeitige Arbeit für den Herrn für Einzelne eine Option sein kann. Wer diesen Ruf vom Herrn hört, darf und soll ihm folgen.
  • 5 Wenn in diesem Text wiederholt von „Versammlung“ ist Rede ist, so ist damit ausdrücklich keine Gruppe von gläubigen Christen gemeint, die sich durch diesen Namen von anderen gläubigen Christen unterscheidet. Die Bibel versteht unter „Versammlung“ (wörtlich übersetzt bedeutet das „Herausgerufene“) alle Gläubigen, die in der Zeit der Gnade an den Herrn Jesus glauben und mit dem Heiligen Geist versiegelt sind. Andere übersetzen das zugrunde liegende griechische Wort mit „Gemeinde“ oder „Kirche“.
  • 6 Die Begrenzungen für Schwestern im öffentlichen Dienst tragen keinen diskriminierenden Charakter, sondern begründen sich aus der Schöpfungsordnung Gottes heraus. Sowohl in 1. Korinther 11,1–16 und in 1. Timotheus 2,9–15 bezieht sich Paulus auf die ursprünglichen Gedanken Gottes in der Schöpfungsordnung. Die beiden genannten Stellen zeigen, dass es nicht nur darum geht, dass Schwestern in den Zusammenkünften der Gläubigen schweigen sollen, sondern dass sie sich in ihrem Dienst generell innerhalb des von Gott gesteckten Rahmens bewegen.
  • 7 Der Ausdruck wird im Folgenden einige Male gebraucht. Er bezeichnet die örtliche Versammlung (Gemeinde) der Gläubigen, mit denen sich der Bruder oder die Schwester bisher regelmäßig versammelt hat, bevor der Ruf in die Arbeit des Herrn erfolgte. Im Fall von Timotheus war das z.B. die Versammlung von Lystra (oder Ikonium). Im Fall von Auslandseinsätzen wird die Heimatversammlung normalerweise verlassen. Bei Einsätzen vom Heimatort aus ist das nicht der Fall.
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