Elisa, der Prophet

Die vier Aussätzigen

Es ist höchst bemerkenswert, welche der hungerleidenden Personen Samarias zuerst die Güte Gottes ihnen gegenüber erfahren würden – vier Aussätzige! Diese armen Geschöpfe saßen am Eingang des Tores, kraftlos und ausgezehrt, den Tod vor Augen. Sie dachten bzw. sagten sich, dass wenn sie in die Stadt gehen würden, sie dort vor Hunger umkommen würden, wenn sie bleiben würden, wo sie waren, war ihnen der Tod sicher. Es schien nur noch einen Weg für sie zu geben: auf die Gnade der Syrer zu hoffen. „Wenn sie uns am Leben lassen, so leben wir, und wenn sie uns töten, so sterben wir“ (2. Kön 7,3–4). Überlegungen der Verzweiflung. Für die Menschen in der Stadt waren sie Ausgestoßene, für die Menschen außerhalb Feinde. Doch genau diesen Männern zeigte der Herr als erstes seine Rettung.

Wir werden an 1. Korinther 1,26–30 erinnert. In der Zeit der Gnade, sind es nicht die Weisen, die Mächtigen, die Edlen, die berufen sind, sondern Gott hat das Törichte, das Schwache, das Unedle und Verachtete und das, was nicht ist, auserwählt, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Er, in seiner Gnade, liebt es, sich denen zuzuwenden, die keine Hilfe und Hoffnung haben, den Verlorenen und Zerbrochenen. Indem Er das tut, zeigt Er ganz deutlich, dass seine Rettung nur aus Gnade ist. Sehen wir nun die armen samaritischen Aussätzigen, die sich im Licht der Dämmerung zu dem syrischen Lager aufmachten. Zwischen Furcht und Hoffnung erreichen sie die Zelte der Feinde und finden zu ihrem größten Erstaunen niemanden vor. Der furchterregende Feind ist weg! Wer hatte ihn wohl vertrieben? Menschen? Nein, Gott war das. Er war es, der den Sieg bewirkt hatte. Er hatte die Syrer einen gewaltigen Lärm hören lassen, wie das Getöse von Wagen und Pferden. Der Lärm kam sowohl von Norden als auch von Süden. Panik breitete sich aus, man vermutete, der König von Israel habe die Hethiter und die Könige von Ägypten als Verstärkung angeworben. Vermeintlich eingeschlossen zwischen zwei Armeen, flohen die Syrer auf dem einzigen Weg, der für sie offen zu sein schien – nach Osten, Richtung Jordan. Als man der Sache nachging, stellte man fest, dass auf der Straße zum Fluss etliche Kleidungsstücke und Gefäße lagen, die die Syrer bei ihrer Flucht fallen gelassen hatten. Doch der Jordan floss zwischen Israel und ihren Feinden.

Der Jordan ist für uns ein Bild vom Tod Christi. Durch seinen Tod sind alle unsere Feinde für immer besiegt worden. Die Sünde ist gesühnt und die Macht Satans und des Todes zunichtegemacht. Der Tod Christi steht, wie früher der Jordan, zwischen uns und all dem, was gegen uns ist. Unser Gott ruft gerne den Hilflosen zu: „Fürchtet euch nicht! Steht und seht die Rettung des Herrn“ (2. Mo 14,13).

Die armen Aussätzigen konnten nur die Früchte des großen Sieges des Herrn genießen. So ist es auch bei uns, jetzt und in alle Ewigkeit. Die Aussätzigen „gingen ... in ein Zelt und aßen und tranken; und sie nahmen daraus Silber und Gold und Kleider und gingen hin und verbargen es“. Ihre dringenden Bedürfnisse wurden somit vollkommen erfüllt. Zuerst „aßen und tranken“ sie. Jeder arme Sünder, der zu Gott kommt, kommt als Hungriger, wie der verlorene Sohn in Lukas 15. Eine christuslose Welt ist ein Ort des Hungers für alle, die mit ihr zu tun haben. Aber der Ruf der Gnade lautet: „He, ihr Durstigen alle, kommt zu den Wassern! Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft ein und esst! Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!“ (Jes 55,1). Das gemästete Kalb ist nicht zu schade – nach Gottes Maßstab – um damit die Umkehr eines Sünders zu feiern.

Die Aussätzigen fanden auch Kleidung. Sehr wahrscheinlich trugen sie nur Lumpen. Unsere eigene Gerechtigkeit wird in der Schrift mit einem „unflätigen Kleid“ (Jes 64,5) verglichen. Was sind dann erst unsere Sünden? Wie schön, den Vater sagen zu hören: „Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an“ (Lk 15,22). Das beste Gewand ist Christus. In Ihm steht der Gläubige für immer gerechtfertigt da. Der Apostel, der aus eigener Erfahrung den Unterschied zwischen einer Gerechtigkeit durch menschliche Bemühungen und Gottes Gerechtigkeit durch Glauben kannte, verachtete die eine wegen der Vortrefflichkeit der anderen (Phil 3,9).

Die Aussätzigen nahmen außerdem Gold und Silber. Es wurden also nicht nur ihre dringlichsten Bedürfnisse erfüllt, sondern auch für ihre Zukunft gesorgt. Sie würden nie wieder betteln gehen müssen und von der Wohltätigkeit ihrer Mitmenschen abhängig sein. Wenn das Gewand von der „Gabe der Gerechtigkeit“ spricht, ist das Gold und Silber ein Bild von der „Überfülle der Gnade“, die damit einhergeht (Röm 5,17). Gott macht die, die Er aufnimmt, reich für die Ewigkeit. Ein Mensch mag einem Übeltäter vergeben oder einem Bettler eine Gabe geben, es entspricht jedoch nicht seiner Art, einen von ihnen reich zu machen, im Gegensatz zu der wunderbaren Gnade Gottes. Er beschenkt die Seinen für alle Zeiten mit allen Segnungen Christi. Kein Wunder, dass der Apostel ausruft: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus“ (Eph 1,3).

Nachdem sie nun satt und zufrieden waren, dachten die vier Männer an andere. Sie sagten einer zum anderen: „Wir tun nicht recht. Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft“. Dann machten sie sich auf, um die Sache dem Torwächter zu berichten, und schließlich erreichten die Neuigkeiten den König selbst. Die von Gott Gesegneten haben eine große Verantwortung. Sind wir uns dessen bewusst, dass die Welt dem Verderben entgegengeht, weil sie nicht das Wissen haben, wie wir es haben? Die vier Aussätzigen empfanden, dass sie selbst nicht im Überfluss schwelgen und die anderen ihrem Schicksal überlassen konnten.

Was haben wir für ein Empfinden diesbezüglich? Manchmal kommt es vor, dass die am besten genährten Gläubigen die bequemsten Arbeiter sind. Sie ziehen endlose Bibellesungen einer lebendigen Evangeliums-Verkündigung vor. Ist das richtig? Petrus und Johannes waren so überzeugt von der Wichtigkeit des Evangeliums, dass sie, als ihnen die Verkündigung verboten wurde, sagten: „Uns ist es unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden“ (Apg 4,20). Wenn man solchen Männern gebietet, zu schweigen, könnte man genauso gut die Sonne bitten, nicht mehr zu scheinen und dem Wasser in den Flüssen sagen, es solle nicht mehr fließen. In 2. Korinther 4,13 nennen Paulus und Timotheus den Grund für ihr Predigen: „So glauben auch wir, darum reden wir auch“. Wie wir wissen, hatte Paulus einen besonderen göttlichen Auftrag, den er jedoch in dem zitierten Vers nicht erwähnt. Jeder Gläubige sollte fähig sein, das gleiche zu sagen. Geschwister, glauben wir wirklich? Sind die gewaltigen Tatsachen des Christentums nur einzelne Punkte eines Glaubensbekenntnisses für uns oder haben sie unsere Herzen in Besitz genommen? Glauben wir, dass „Christus für Gottlose gestorben“ ist? Glauben wir, dass Gott „ihn aus den Toten auferweckt“ hat? Glauben wir, dass „durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird“? Wenn dem so ist, lasst uns nicht „schweigen“, dies ist ein Tag guter Botschaft.

Der König war skeptisch als er die Neuigkeiten erfuhr, er vermutete darin eine Strategie des Feindes, um die Stadt einzunehmen. Obwohl Elisa bei seiner Anhörung explizit erwähnt hatte, dass „morgen um diese Zeit ... ein Maß Feinmehl einen Sekel wert sein (wird), und zwei Maß Gerste einen Sekel im Tor von Samaria“, zögerte er dennoch, dies zu glauben, als es tatsächlich so eintrat. Es schien zu schön, um wahr zu sein. Diese Haltung des Unglaubens – so bedauerlich sie auch ist –, ist verzeihlich, andernfalls könnte keiner von uns bestehen! Wie oft zögern wir, Dinge im Wort Gottes anzuerkennen! Wie häufig versagen wir, fest an das zu glauben, was Er gesagt hat! Vieles in der Schrift wird von uns so behandelt, als sei es beinahe zu schön, um wahr zu sein. Das ist genau der Punkt, an dem die zwei Jünger standen, als sie ihre ganze Enttäuschung auf dem Weg nach Emmaus kundtaten (Lukas 24). Sie zweifelten zwar nicht öffentlich an dem Bericht der Frauen, dass der Herr lebe, aber sie konnten es nicht im Glauben annehmen.

Ganz anders der Unglaube des Anführers, auf dessen Hand der König sich stützte, als Elisa seine Vorhersage der Gnade kundtat. Obwohl er mit den Worten begann „so spricht der Herr“, sagte der Mann zu dem Propheten: „Siehe, wenn der Herr Fenster am Himmel machte, würde dies wohl geschehen?“ Das war Geringschätzung, er verachtete das Wort des Herrn. Wer Gottes Wort verachtet, wird seinem sicheren Schicksal entgegengehen. Das war zu allen Zeiten so. So verkündet auch Elisa sein Urteil: „Siehe, du wirst es mit deinen Augen sehen, aber du wirst nicht davon essen“. Und so geschah es. Innerhalb von 24 Stunden, wie der Prophet es vorhergesagt hatte, gab es noch einmal Überfluss in Samaria „nach dem Wort des Herrn“ (2. Kön 7,16). Aber der ernste Teil dieser Prophetie wurde ebenso exakt erfüllt. Der Ansturm auf das Essen war so gewaltig, dass jemand zur Aufsicht und Organisation eingesetzt werden musste. Dieses Amt wurde dem spöttischen Anführer übertragen, der von der hungrigen Meute schlicht und ergreifend zu Tode getrampelt wurde.

„Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“ (Heb 10,31). Seine Strafe ist so sicher wie seine Wohltaten. Jedes seiner Worte wird sicher eintreten. Der spöttische Anführer musste die buchstäbliche Erfüllung dieser Worte erfahren: „Siehe, du wirst es mit deinen Augen sehen, aber du wirst nicht davon essen“. In sehr ähnlicher Weise warnt der Herr Jesus die ungläubigen Männer seiner Zeit: „Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten sehen werdet in dem Reich Gottes, euch aber hinausgeworfen“ (Lk 13,28). Schrecklicher Gedanke! Zu sehen, wie andere gesegnet werden und sie selbst sind davon ausgeschlossen, für alle Ewigkeit.

Heutzutage ist es üblich, von dem Gericht Gottes verächtlich zu reden. Der Thron des Gerichts und der Feuersee sind praktisch aus dem Vokabular der Christenheit verschwunden. Aber ungeachtet aller Skeptiker, seien sie religiös oder nicht: Gottes Wort bleibt wahr, trotz ihres Unglaubens.

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