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Botschafter des Heils in Christo 1863

Ein Leib und ein Geist

Es ist der Wille Gottes, dass seine Kirche oder Versammlung eins sein soll, nicht nur im Geist, sondern auch in ihrer äußerlichen Gestalt, um einen Leib an jedem Ort, und einen Leib in der ganzen Welt darzustellen (Joh 11,52; 17,11.21; Apg 2,44; Röm 12; 1.Kor 1; 10; 12; Eph 2; 4; 1.Tim 3,15). Er wird dieses in Vollkommenheit vollenden bei der Ankunft Christi (Joh 17,21–22; Eph 5,27; Heb 12,23; Off 19,7; 21,9). Inzwischen aber liegt es allen Gläubigen ob, diese heilige und offenbarte Vereinigung zu suchen, und alles aus dem Weg zu räumen, was sie verhindert. Wir mögen freilich, um unserer gemeinschaftlichen Verantwortlichkeit zu entsprechen, ebenso schwach sein, wie wir es auch im Entsprechen unserer persönlichen Berufung zur Heiligkeit sind; aber dennoch bleibt in Bezug auf beides, und trotz aller Schwierigkeiten, unsere Pflicht klar, höchst wichtig und unausweichlich. Doch ist bei der Masse der Christen dieser heilige, unwiderrufliche Punkt der Lehre und der Ausübung sehr vernachlässigt und vergessen worden.
Ein großer Teil der Christenheit erkennt zwar den Grundsatz der kirchlichen Einheit an; aber nach einer ganz fleischlichen Weise. Ein anderer Teil maßt sich das Recht an, seine Verfassungsformen, seinen Ritus und seine Zeremonien dem Willen seiner Kirchen Regenten anzupassen, die dann in den verschiedenen Zeiten und Gegenden verschieden sind. Außerdem gibt es noch eine Menge kleinerer Parteien, die sich von der großen Masse getrennt haben, und gewöhnlich gebildet worden sind, entweder nach einem selbsterdachten Plan irgendeiner bestimmten Person, ohne dass solchen Stiftern gerade jedes Mal der Gedanke, eine Kirche sein zu wollen, vor Augen schwebte, oder in Folge der zu einseitigen Ansichten von Schriftwahrheiten, welche die Gläubigen zerstreuen, anstatt sie vereinigen.

Der Hauptirrtum auf der einen Seite ist die uneingeschränkte Öffnung der Tür, um grundsätzlich die ganze Bevölkerung, ohne nach einem lebendigen Glauben zu fragen, zu den feierlichsten Handlungen des Gottesdienstes und der christlichen Gemeinschaft zu zulassen. Jener auf der anderen Seite ist, im Gegenteil das sektiererische zuschließen der Tür vor wahren Christen, welche nicht das Schibboleth der Partei auszusprechen vermögen; wodurch dann viele Brüder ausgeschlossen sind. Das charakteristische Übel der Ersten ist, dass sie viele als Christen behandeln, welche durchaus nicht als solche anerkannt sind. Dahingegen ist das gleichfalls charakteristische Übel der Letzten, dass sie viele nicht als Christen behandeln, die als solche anerkannt sind. Das eine System macht die Grenzen weiter, das andere enger als die Glänzen Gottes. In beiden Fällen aber sind die wahren Gedanken der Schrift über die Kirche tatsächlich zerstört. Während die einen den wahren Charakter der Kirche als Leib Christi ganz aus dem Auge verloren haben, befestigen die anderen kräftiglich, dass sie nicht ein Leib ist. Gott aber will, dass seine Kinder nicht getrennt seien, sondern sich im Namen Jesu versammeln. Dies ist aber augenscheinlich bei Seite gesetzt, wenn man solche als Brüder in Christus vereinigt, die getrennt sein sollen, – nämlich jene, welche offenbar von dieser Welt sind, {Die evangelische Allianz, – welche, wie ich glaube, ein, wenn auch unvollkommenes Zeugnis des gegenwärtigen Verfalls der Kirche ist – ist in der Tat ein Geständnis, dass es keine solche anerkannte und verwirklichte Vereinigung in der gegenwärtigen Christenheit gibt; denn anders würde kein Bedürfnis für die evangelische Allianz dagewesen sein.} oder welche, wenn sie Christus bekennen, Ihn durch böse Lehren oder Werke verleugnen; oder wenn man solche trennt, die vereinigt sein sollen, nämlich alle, die aus richtigen Gründen für wahre Christen gehalten werden.

Es mag vielleicht erwidert werden, dass, obschon ohne allen Zweifel, dies die Anordnung des Heiligen Geistes in den ersten Tagen der Kirche war, jetzt aber die Zeiten und Umstände verändert sind. Die Gaben der Heilung, die Wirkungen der Wunderwerke, die verschiedenen Arten von Sprachen bestehen nicht mehr, wie sie es früher taten. Dies alles ist freilich wahr; aber ich frage: Ist solch ein Körper, wie die Kirche, {Wenn wir von dem Verfall der Kirche sprechen, so ist damit nicht gemeint, dass die Kirche nicht mehr auf der Erde existiere. Im Gegenteil, wenn sie nicht mehr auf der Erde bestände, so könnte sie nicht in solchem Zustand sein. Der Ausdruck ist dem ähnlich, den man auf einen Mann anwendet, der sein Vermögen verloren hat. Man sagt: „Er ist ein ruinierter Mann.“ Natürlich ist damit verstanden, dass der Mann selbst noch existiert. Ebenso ist es mit dem gegenwärtigen Zustand der Kirche. Jener Zustand gibt ohne Zweifel Veranlassung zu Schwierigkeiten; denn viele Dinge sind nicht, wie sie sein sollten, noch wie sie einst waren. Aber das Wort und der Geist sind für einen immerwährenden Dienst, und genügen für alle vorkommenden Fälle. „Wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.“ Dem demütigen und gehorsamen Herzen wird niemals die göttliche Leitung fehlen.} jetzt nicht mehr auf der Erde? Ist er noch da, so ist auch der Geist Gottes selbst noch persönlich auf der Erde, ebenso gewiss, wenn auch nicht so augenscheinlich, wie im Anfang; denn Er ist die bildende Kraft und der Leiter der Kirche. Er war es, der die Juden und Heiden zu einem Leib taufte. Er war es, welcher immerdar bleibt. Zu jener Zeit trat die Kirche als eine erfüllte Tatsache in die Erscheinung; (siehe Apg 1,5; 1.Kor 12,13). denn ich spreche nicht von dem verborgenen Ratschluss Gottes. Auf Pfingsten sah man sie zuerst mit der Verheißung des Vaters ausgestattet. Natürlich gab es, wie wir wissen, auch vorher Gläubige, von Abel abwärts; aber obschon belebt vom Geist, so waren sie doch nicht durch Ihn getauft; sie hatten Ihn nicht in sich wohnend, wie die Heiligen nach Pfingsten. Dies war das köstliche Vorrecht, welches den Heimgang Christi zum Vater notwendig machte: „Denn wenn ich nicht hingehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen. Wenn ich aber hingehe, werde ich Ihn zu euch senden“ (Joh 16,7). Es konnte nicht eher geschehen, als bis Christus verherrlicht war (Joh 7,39). Aber vom Himmel hernieder gesandt, war der Geist der Wahrheit in ihnen, und bleibt immerdar bei ihnen. „Und ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass Er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht steht, noch Ihn kennt. Ihr aber kennt Ihn; denn Er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh 14,16–17). Die Anerkennung des Heiligen Geistes, als der wirklich gegenwärtige, alleinige und genügende Regent in der Kirche, während der Abwesenheit unseres Herrn, ist ein besonderer Teil unserer Verantwortlichkeit, und sollte stets ein leitender Zug in unserem Zeugnis sein.

Diese Hauptwahrheit von der Gegenwart des Heiligen Geistes in und mit der Kirche, hat diese zwei unendlich wichtigen Folgerungen:

1. Es ist nicht durch die Kindertaufe, oder durch die Taufe der Erwachsenen, {Es ist nicht zu leugnen, dass die Tauft das äußere Zeichen, oder das Offenbarwerden eines Bekenners Christi war. Nur ist es wichtig, zu bemerken, dass ein Gläubiger nicht als ein Glied einer besonderen Kirche oder Versammlung getauft wurde. Anerkannt durch die Taufe als ein Bekenner Christi, suchte er natürlich da Gemeinschaft, wo er sich befand, vorausgesetzt, dass dort eine Versammlung war; und das Abendmahl des Herrn war das beständig wiederkehrende Symbol der Verewigung oder Gemeinschaft. „Denn ein Brot – Ein Leib sind wir, die vielen; denn wir alle sind des einen Brotes teilhaftig“ (1.Kor 10,17). Es mag hier hinzugefügt werden, dass jene, welche predigten, in keinerlei Weise die Taufe oder des Herrn Abendmahl als eine gottesdienstliche Handlung betrachteten, die notwendiger Weise durch sie verwaltet werden musste. So befahl Petrus, den Kornelius und seine Freunde im Namen des Herrn zu taufen; (Apg 10,43). und Paulus schreibt, das Christus ihn nicht gesandt habe, zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen (1.Kor 1,17). Er sagt dies vornehmlich in Bezug auf die Korinther. Da wir nun wissen, dass viele von ihnen glaubten und getauft wurden (Apg 18,9), so werden jedenfalls andere Brüder diesen Dienst vollzogen haben. In Betreff des Abendmahls des Herrn ist diese Sache ebenso klar, wenn nicht noch klarer. In der Tat kommt die Idee von einer bevollmächtigten Person zum Austeilen oder Brechen des Brotes nirgends vor, ja, nicht irgendetwas im Neuen Testament, soviel ich weiß, dass auch nur einen Schatten davon gäbe. Siehe Apostelgeschichte 20,7, sowie 1.Korinther 11, wo selbst, wenn je unter welchen Umständen, eine etwaige Einschränkung notwendig erscheinen möchte, weil die Korinther den Tisch zu einer fleischlichen Freiheit gebrauchten. Während aber der Geist das Übel rügt und den heiligen und feierlichen Charakter des Festes einschärft, lässt Er die Weise seiner Feier so uneingeschränkt, wie immer. Bei ihm sind es die Heiligen als ein Leib, und nicht eine bevorzugte Klasse, welche die Verwaltung, als ihr Recht, in Anspruch nimmt.} es ist nicht durch die Annahme dieses oder jenes Artikels des Glaubensbekenntnisses, sondern es ist „durch einen Geist“, den Heiligen Geist, durch welchen wir alle – d. h. alle Gläubigen – zu einem Leib getauft sind (1.Kor 12,13). Die Taufe des mit Blut gewaschenen Heiligen durch den Heiligen Geist selbst ist, wenn man so mit Ehrfurcht sagen darf, die höchste Befähigung, welche Gott uns mitteilen kann, um ein Glied des einen Leibes, des Leibes Christi zu werden. Aber dieses ist das Vorrecht aller wahren Christen. Nur eine Grenze, die grundsätzlich alle Christen, und nur Christen, einschließt, kann den Glauben befriedigen, weil diese allein den Geist Gottes befriedigt. Wenn gesagt wird: „nur Christen“, so ist damit gemeint, insoweit der Mensch, geleitet durch das Wort und den Geist Gottes, unterscheiden kann. Wenn sie Heuchler sind, so werden sie zu seiner Zeit offenbar gemacht werden.

2. Nachdem der Apostel über die Anerkennung der Oberherrschaft Jesu durch den Heiligen Geist (1.Kor 12,3), welche hier die Grundlage von allem ist, gesprochen hat, zeigt er, dass da Verschiedenheiten von Gaben sind, aber derselbe Geist; Verschiedenheiten von Diensten, aber derselbe Herr; und Verschiedenheiten von Wirkungen, aber derselbe Gott, wirkend alles in allem. Alsdann, in Vers 7–11, geht er auf die Einzelheiten dieser Offenbarung des Geistes ein. Sie ist einem jeden zum gemeinsamen Nutzen gegeben; sei es die Rede der Weisheit, die Rede der Erkenntnis usw. Es sind verschiedene Offenbarungen; „aber alle diese Dinge wirkt ein und derselbe Geist, Jeglichem ins besondere austeilend, wie Er will.“ Während es nun völlig anerkannt ist, dass einige oder viele der äußeren Gaben nicht mehr gefunden werden, so muss jedoch auf das bestimmteste behauptet werden, dass dieses nicht im Geringsten die Wahrheit verneint, dass der Geist selbst bleibt. Wenn Er aber bleibt, hat Er dann etwa seine Funktionen niedergelegt? Wenn sogar in diesen Tagen, wo der Hochmut den geistigen Verfall, den er so gern zu leugnen sucht, nicht bemänteln kann, – wenn jetzt ein Christ „die Rede der Weisheit“ und ein anderer „die Rede der Erkenntnis“ hat, ist es durch den Geist Gottes, oder durch einen anderen Geist? „Denn wer von den Menschen weiß die Dinge des Menschen, als der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand die Dinge Gottes, als der Geist Gottes“ (1.Kor 3,11). Ist es jetzt nur die Weisheit des Menschen, oder gibt es wirklich noch eine Belehrung durch den Heiligen Geist? Ich halte mich davon überzeugt, dass die Christen, die dieses Schriftchen lesen, glauben, dass es gegenwärtig noch eine wirkliche Kraft gibt, um der Welt das Evangelium zu predigen und die Kirche zu erbauen. Wenn dies aber der Fall ist, woher kommt sie? Der natürliche Mensch kennt nichts als nur die natürlichen Dinge, und kann weder die Dinge des Geistes Gottes empfangen, noch mitteilen. Die wahre geistliche Macht ist von Ihm selbst. Wer von uns Gläubigen ist nicht ein Zeugnis, dass diese Macht noch fortbesteht? – Geschwächt und abgestumpft ist sie leider; denn Er, welcher wirkt, ist durch all die Sünde, durch all die Verwirrung und Verwüstung um Ihn her betrübt. Jedoch bleibt Er, und seine Macht bleibt; und die Art und Weise, in welcher Er handelt, ist gemäß der oben angeführten Stelle: „Jeglichem insbesondere austeilend, wie Er will.“ Das ist klar; und selbstredend gebraucht Er den, welchen Er für passend findet. Es ist keine menschlich abgesonderte Kaste, die Er dazu verwendet, um der enge und ausschließliche Kanal seiner Segnungen zu sein. Nein; Er tritt seine Oberherrschaft nicht ab. Es ist daher nicht das Gutdünken eines Predigers, noch einer Synode von Predigern, noch einer Versammlung, noch einer Sekte, ja sogar nicht der wahren Kirche, viel weniger der weltlichen Macht; – es ist der Geist Gottes. Und Er teilt aus, wie Er will. Wiederum: Er teilt einem jeden, oder jedermann aus – d. h. innerhalb der Kirche oder Versammlung – nicht nur diese oder jene besondere Gabe, sondern teilt etwas für das gemeinsame Wohl aus: – „Jeglichem insbesondere, wie Er will.“ Daher hängt die Ordnung und Handlungsweise der Kirche, wie sie in der Schrift mitgeteilt ist, allein von der Gegenwart und der Wirkung des Heiligen Geistes ab. Und wenn Ihm freier Raum gelassen wird, um zu wirken, so geschieht es, wenn wir in Wahrheit dem Wort Gottes folgen, nach jenem Muster: „Der Glieder viele, der Leib aber einer.“ Er handelt in der Einheit des ganzen Leibes. Auf diese Weise werden wir sein Zeugnis angeordnet finden, wie es deutlich aus der Apostelgeschichte und den Briefen hervorgeht, sei es nun innerhalb der Kirche, d. i. in der Mitte der Gläubigen, oder außerhalb derselben.

Was das Zeugnis gegen die, welche draußen sind, betrifft (vgl. Apg 8,1.4; 11,20; 18,24–28; Phil 1,14). Der größte Teil der Kirche, die bei der Verfolgung nach der Steinigung des Stephanus zerstreut wurde, ging überall hin und predigte das Evangelium. Unter ihnen war Philippus besonders hervorragend, sowohl in Samaria als auch anderswo. Wenn gesagt wird, dass er öffentlich angestellt war, so ist die Antwort: Er war es, aber nur um den Tischen zu dienen, und nicht, um das Wort Gottes zu predigen. Jener Dienst war angeordnet, damit die zwölf Apostel, der Sorge dieses Geschäfts überhoben, ungehindert im Gebet und im Dienst des Wortes verharren konnten. Wenn Philippus mit Macht predigte, wenn Stephanus mit unwiderstehlicher Weisheit redete, und wenn beide Wunder wirkten, so war dies alles nicht vermöge einer Einsetzung, da diese sich nur einfach und ausschließlich auf den täglichen Dienst bezog (vgl. Apg 6,6 mit 4,35). Ferner reisten Einige jener Zerstreuten bis Phönizien, Zypern und Antiochia, indem sie zu niemanden das Wort verkündigten als allein zu den Juden. Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene, die, als sie nach Antiochia kamen, zu den Griechen redeten und ihnen die gute Botschaft von dem Herrn Jesus brachten. Maßten sich diese Brüder etwas an, was ungerechtfertigt war? Wurden sie durch die Kirche zu Jerusalem getadelt, wo doch so viele stets bereit waren, um das zu verurteilen, was unregelmäßig erschien? „Es kam aber die Rede von ihnen bis zu den Ohren der Versammlung, die zu Jerusalem war; und sie entsandten Barnabas, um bis nach Antiochia zu gehen. Als dieser hinkam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, mit Herzens – Entschluss bei dem Herrn zu verharren. Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens, und eine zahlreiche Menge ward dem Herrn zugetan“ (Apg 11,22–24). Und später lesen wir: „Apollos redete und lehrte sorgfältig die Sache des Herrn;“ und dies sogar, als er nur von der Taufe Johannes wusste. Und genauer unterrichtet durch einen Gläubigen und sein Weib, die ebenso wenig bevollmächtigt waren, wie er selbst, finden wir ihn bald nachher wirksamer und angesehener als je, „indem er den Glaubenden durch die Gnade sehr behilflich war; – denn kräftig widerlegte er öffentlich die Juden, indem er durch die Schriften bewies, dass Jesus der Christus ist.“ – Ebenso zu Rom, wo mehrere Brüder im Herrn, indem sie durch Paulus Banden Vertrauen gewonnen hatten, viel kühner waren, furchtlos das Wort zu reden. Es ist wahr, die Beweggründe waren nicht bei allen gut; aber dies ist eine Gefahr, welche keine menschliche Einschränkung abwehren kann. Ach! sogar niedrigere Beweggründe, als diese, wurden unfehlbar eingeführt, als der so genannte Dienst Christi zu einem geregelten, ansehnlichen und in einigen Fällen einträglichen Beruf hinabsank. Es war nicht also in den apostolischen Tagen. Damals gab es sowohl solche, die Christus aus Neid und Streit predigten, als auch andere, die Ihn aus gutem Willen predigten. – „Was denn?“ sagt der weitherzige Apostel. Schlägt er etwa vor, jene gesegnete Freiheit zu fesseln, weil sie durch diese unheiligen Gefühle verkehrt angewandt wurde? Nichts der Art. „Wird doch aus alle Weise“ – sagt er – „sei es aus Vorwand, sei es in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich“ (Phil 1,18). Es wird nicht nötig sein, noch andere, weniger direkte Schriftstellen anzuführen, die aber gleichfalls zeigen, dass die Lehre, und nicht die Ordination, der göttliche Prüfstein für die Verwerfung oder Annahme derer ist, welche bekennen, Diener Christi zu sein. Es ist klar, dass jene angeführten Stellen beweisen, dass solche Christen, welche befähigt sind, nicht nur die Freiheit, sondern sogar die Verantwortlichkeit haben, das Evangelium zu predigen. Nicht eine Schriftstelle kann vorgebracht werden, die diesem Grundsatz widerspricht, ihn begrenzt oder einschränkt. Die Schrift spricht niemals von einer menschlichen Vollmacht, als einer notwendigen Einführung zu diesem Werk. Im Gegenteil, das Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25 zeigt uns durch sein ernstes Gericht die Gefahr, auf eine andere Ermächtigung zu warten, als auf die Tatsache, dass der Herr den Dienern seine Güter übergeben hat, womit zu handeln sie verantwortlich sind. An der Gnade des Herrn zweifeln – sich fürchten, weil man nicht die Vollmacht derer hat, die sich anmaßen, dazu berechtigt zu sein, mit seinem Recht scherzen oder das Talent in die Erde vergraben, heißt nach der Weise des bösen und faulen Knechts handeln. Denn der Herr der Ernte, um ein anderes Gleichnis zu gebrauchen, hat allein das Recht, seine Arbeiter auszusenden (vgl. Mt 10; Röm 10). Mit einem Wort, die Frage ist nicht, ob alle Christen von Gott befähigt sind, das Evangelium zu predigen, sondern ob jene, die dazu befähigt sind, nicht predigen dürfen, bevor sie irgendeinen menschlich autorisierten Ruf empfangen haben. Die heilige Schrift, wie wir gesehen haben, entscheidet, dass sie es nicht nur dürfen, sondern sogar müssen.

Was nun das Zeugnis gegen die sich innerhalb der Kirche oder Versammlung Befindenden betrifft, so zeigt uns 1. Korinther 14 ganz klar, dass die einzige Beschränkung zur Ausübung der Gaben der Gläubigen diese war: „Lasst alles zur Erbauung geschehen.“ Den Weibern war auf das Bestimmteste verboten, in den Versammlungen zu reden. Anderswo waren sie verantwortlich, die ihnen vom Herrn zugeteilte Gabe, in der Unterwürfigkeit unter sein Wort, zu benutzen. Also nahm Priszilla, nicht weniger als Aquila, den Appollos zu sich, und sie legten ihm noch genauer den Weg Gottes aus (Apg 18,26), und die vier Töchter des Philippus prophezeiten; (Apg 21,9). aber nicht in den Versammlungen. Der Heilige Geist verbot dieses in 1.Korinther 14,34–35. Einem Weib war nicht erlaubt zu lehren, auch nicht den Mann zu beherrschen (1.Tim 2,12). Aber alle die Brüder, als ein Ganzes, wurden auf diese Weise ermahnt: „Strebt nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, am meisten aber, dass ihr weissagt.“ Und natürlich sollten sie ihre Gaben ausüben, wie Gott sie bevollmächtigte, so dass alles anständig und in Ordnung geschah. Deswegen sagt Jakobus in Kapitel 3,1: „Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder“ – eine Ermahnung, die im Allgemeinen in den gegenwärtigen, kirchlichen Einrichtungen ebenso wenig Anwendung erleidet, als sie in den Umständen derer, an welche sie gerichtet, angemessen und notwendig war – eine Ermahnung, die offenbar voraussetzt, dass dort eine offene Dienstleistung war, welche sehr leicht durch das Fleisch auf eine falsche Weise benutzt werden konnte, die aber der Apostel, anstatt sie zu beseitigen oder einzuschränken, für das Beste ihrer Seelen anwandte, indem er ihnen ihre direkte Verantwortlichkeit vor Gott darstellte. Auf der anderen Seite ist das ganze Haus Gottes ermahnt, nicht jeglichem Geist zu glauben, sondern die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind; „denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen“ (1.Joh 4). Sogar wird zu jener „auserwählten Frau“ in 2.Johannes 10 gesagt, dass, wenn jemand komme, und nicht die Lehre von Christus bringe, diesen nicht in ihr Haus aufzunehmen. Sowohl jene, welche hören, als auch jene, die da lehren, haben nötig, auf ihrer Hut zu sein. Die Verantwortlichkeit ist nach allen Seiten hin geblieben, und keiner kann ihr entgehen.

In Römer 12 haben wir dieselbe Sache, obschon von einem anderen Gesichtspunkt betrachtet. „Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, einem jeden unter euch, nicht höher von sich zu halten als sich es zu halten gebührt, sondern (von sich) also zu denken, dass er mäßig gesinnt sei, wie Gott einem jeglichen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleich wie wir in einem Leib viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht dasselbe Geschäft haben, also sind wir viele ein Leib in Christus, aber je einer des anderen Glieder, aber Gnadengaben habend, verschieden nach der Gnade, die uns gegeben ist: Es sei Weissagung, (so lasst uns weissagen) nach dem Maß des Glaubens; es sei Dienst, (so lasst uns bleiben) in dem Dienst, es sei der Lehrer, – in der Lehre; es sei der Ermahner, – in der Ermahnung; der da mitteilt, – in Einfalt; der Vorstehende, – in Fleiß; der Barmherzigkeit Übende, – in Freudigkeit.“ – Man hatte auf die Handlungsweise Gottes mit jedem zu sehen, und nicht auf eine rein menschliche Vollmacht oder Übertragung an einen oder an Einige. Daher kam der Glaube hinein, und ein jeder ist ermahnt, mäßig von sich zu denken, und das, was Gott ihm gegeben hat, zu benutzen, anstatt sich mehr anzumaßen. Es ist nicht ein Glied, das alle Gaben in sich vereinigt oder andere hindert, sondern es sind viele Glieder und doch nur ein Leib, der verschiedene Gaben hat; und jene sind ermahnt, diese Gaben anzuwenden, nicht nur in Liebe, weil wir ein jeder, einer des anderen Glieder sind, sondern auch um der Gnade willen, die uns von Seiten Gottes gegeben ist. So in Epheser 4,4–16. „Ein Leib, und ein Geist ... Einem jeglichen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe des Christus gegeben, ... aus welchem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und zusammenbefestigt, durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß eines jeglichen Teiles, das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe schafft.“ In Kolosser 2,19 finden wir dieselbe Sache: – „Das Haupt, von welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande Darreichung empfangend, und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst.“ Ebenso macht es 1.Petrus 4,10–11 zu einem Gegenstand bestimmter Verpflichtung, dass, „je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat“, sie damit einander dienen sollen. So, und nicht anders, würden sie gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes sein. „Wenn jemand redet, (so rede er) als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, (so sei es) als aus der Kraft, welche Gott darreicht, damit in allem Gott durch Jesus Christus verherrlicht werde, welchem ist die Herrlichkeit und die Stärke in die Zeitalter der Zeitalter! Amen!“

Kann irgendetwas deutlicher zeigen, dass die durch Menschen erlangte Befähigung von keinem Wert ist, und dass ebenso sehr die Idee einer menschlichen Einschränkung völlig ausgeschlossen ist? Das, was von Gott kommt, und nichts anderes, ist ohne weitere Bestätigung zu benutzen und anzunehmen, damit in allem Gott durch Jesus Christus verherrlicht werde.

Von diesen Schriftstellen lernen wir also, dass die Gaben von oben zur Segnung des ganzen Leibes Christi sind; und nicht die eine für diese, und eine andere für jene Abteilung der Kirche, sondern alles frei und offen für die ganze Kirche oder Versammlung und die ganze Kirche offen für alle.

Gemäß des göttlichen Planes bin ich also, wenn ich überhaupt ein Glied der Kirche bin, ein Glied der Kirche überall. Wenn ich in irgendeinen Teil der Welt gehe, wo Heilige den Namen Christi unseres Herrn, anrufen, da bin ich ein Glied, nicht durch Erlaubnis oder Höflichkeit, sondern durch die allgemeine Anerkennung seitens der Gläubigen, nach dem Recht, welches mir die Gnade gegeben hat. Getauft durch den Geist, bin ich ein Glied des Leibes Christi, wo immer ich sein mag. In den Tagen der Apostel war überall nur diese Vereinigung, und keine andere gekannt. Es mögen verschiedene Ansichten geben; es mag das Wort nötig sein: „Doch wohin wir gelangt sind, lasst uns nach derselben Regel wandeln, gleich gesinnt sein.“ Einige mögen „Gemüse“ essen, und andere „feste Speise;“ aber der Geist sagte und sagt noch: „Darum nehmt euch untereinander an, gleich wie auch der Christus euch angenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit“ (Röm 15,7). Nun aber ist die Herrlichkeit Gottes nicht mit einigen, sondern mit allen Gliedern des Leibes Christi vereinigt. Wenn daher das schwächste Glied ausgeschlossen wäre, ausgenommen in dem Fall der notwendigen, schriftgemäßen Zucht, so würde insoweit jene Herrlichkeit vergessen oder verachtet sein; und deshalb sollten jene, die, wenn nicht aus Unkenntnis, eine solche Ausschließung hervorrufen, gemieden werden, als Urheber von Zwiespalt und Ärgernissen, entgegen der Lehre, die wir gelernt haben.

Wie nun der Grund der Vereinigung oder Gemeinschaft ist, so ist auch der des Dienstes. Er ist von dem Geist Gottes. Wenn nicht, so ist es nichts oder gar noch schlechter, und sollte als solches von allen denen behandelt werden, die Gott lieber ehren, als den Menschen. Wenn ein Christ ein Evangelist ist, so ist er es überall, und ist nicht nur auf diesen oder jenen Bezirk, auf diese oder jene Volksversammlung oder Kapelle beschränkt. Wenn er ein Lehrer oder Hirte ist, oder beides, so übt er natürlich seine Gaben da aus, wo er wohnt. Aber er ist alsdann nicht der Lehrer, sondern ein Lehrer; und er ist ein Lehrer in der Kirche, {In der Versammlung zu Antiochia waren zum wenigsten fünf Propheten und Lehrer (Apg 13,1)} und nicht in einer Kirche. „Wir“, sagt der Apostel, indem er an weit entfernte Heilige schreibt, welche er bis dahin noch nicht gesehen hatte – „wir sind viele ein Leib in Christus; aber.je einer des anderen Glieder“ (Röm 12,5). Er spricht nicht von dem, was im Himmel sein wird, sondern was gegenwärtig auf der Erde war – von der Einheit des Leibes Christi hier unten. „Aber Gnadengaben habend, verschieden nach der Gnade, die uns gegeben ist usw.“ Ebenso drückt der Apostel in 1.Korinther 3, indem er dem fleischlichen, weil ausschließenden Vorziehen des einen Dieners Christi vor dem anderen begegnet, die weite und gesegnete Wahrheit aus: „Denn alles ist euer; – es sei Paulus, oder Apollos, oder Kephas usw.“ Es war ein satirischer Geist, in Bezug auf jene, die im Werk des Herrn dienten, den Paulus tadelte. Es ist derselbe Grundsatz in 1.Korinther 12,18–28: „Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, ein jegliches derselben am Leib, wie Er gewollt hat. Wenn aber alle ein Glied wären, wo wäre der Leib? Nun sind aber der Glieder viele, der Leib aber einer. Das Auge kann nicht zu der Hand sagen: Ich habe dich nicht nötig; – oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich habe euch nicht nötig. Vielmehr aber sind die Glieder des Leibes, welche schwächer zu sein, scheinen, notwendig; und welche uns die unehrbaren des Leibes zu sein dünken, diese umgeben wir mit reichlicherer Ehre; und unsere unanständigen empfangen desto reichlichere Wohlanständigkeit. Unsere wohlanständigen bedürfen es nicht. Aber Gott hat den Leib passend zusammen verbunden, indem Er dem mangelhafteren reichlichere Ehre gegeben hat; damit nicht eine Trennung an dem Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge für einander haben. Und sei es, dass ein Glied leide, so leiden alle Glieder mit; sei es, dass ein Glied verherrlicht werde, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi, und Glieder in Sonderheit. Und Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt, aufs erste Apostel, aufs zweite Propheten, aufs dritte Lehrer, danach Wunderkräfte, dann Gnadengaben von Heilungen, Hilfsleistungen, Regierungen, (verschiedene) Arten von Sprachen?“ – „Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt“, – nicht in einer Versammlung. Als Versammlungen betrachtet, konnten nur in wenigen Apostel sein. Es war keiner in der Versammlung oder Kirche zu Korinth als Paulus schrieb. Die Lehrer standen offenbar auf demselben Grund: – Apostel in der Versammlung, Lehrer in der Versammlung. Wiederum sehen wir in Epheser 4,11–16, dass, seien es nun Apostel oder Propheten, Evangelisten oder Hirten und Lehrer, sie nicht von Christus gegeben sind, um die alleinigen Beamten einer Denomination oder Benennung zu sein, sondern „zur Vollendung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen usw.“ Der 16. Vers sagt uns, dass es „der ganze Leib, wohl zusammengefügt, ist“, – nicht in Sekten zerteilt, sondern der ganze Leib – „zusammenbefestigt durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maß eines jeglichen Teiles;“ – es ist eine Wirklichkeit, und nicht nur eine Theorie – eine Sache, die in der Kirche oder Versammlung, während sie auf der Erde ist, ausgeführt werden sollte, und die sich nicht auf den Himmel bezieht. Dort werden wir eine solche Verwaltung nicht bedürfen. In jener Stelle gibt es auch, worauf ich noch aufmerksam machen möchte, eine Berechtigung zu dem Glauben, die Fortdauer der Gaben Christi zu erwarten, bis sein Leib vollendet ist. Und wahrlich, Er hat nie gefehlt während der vielen, vielen Jahre des Verfalls, in denen seine Gaben fast unterdrückt waren indem sie zu tatsächlich und auf eine zu traurige Weise missbraucht wurden. Denn ich erkenne völlig an, dass es zu jeder Zeit, selbst in den finsteren Jahrhunderten des Mittelalters, Solche gegeben hat, die durch Gottes Gnade die Gaben besaßen, sein Volk aufzuerbauen und den Namen Christi inmitten der Sünder auszubreiten. – Aber zu gleicher Zeit verneine ich es ebenso bestimmt, dass irgendwelche Gaben von Christus vorhanden waren kraft der Vollmacht eines oder einiger Menschen, welches Ansehen sie auch genießen mochten, wie auch, dass andere Gaben nicht von Ihm waren, denen eine solche Vollmacht fehlte. Wollte Gott, dass die zarte Liebe Christi, der die Versammlung wie sein eigenes Fleisch pflegt, eine Saite in allen seinen Gliedern berühren möge, die uns antreibe, über unsere gemeinschaftliche Sünde zu weinen und Zugleich uns zusammen zu erfreuen, indem wir die Gnade erheben, die umso überströmender gewesen ist.

Es ist nötig, einen Unterschied zu beachten, der ohne Schaden nicht vergessen werden kann. Sobald der Leib, als solcher, zusammenkam, war die Versammlung unter der Leitung des Heiligen Geistes. Es würde ein Eingriff in die Rechte Christi sein, wenn irgendeine Person, wie begabt sie auch immer sein möge, die Einrichtung in ihre eigene Hand nähme. Der Geber ist da, und wir haben auf Ihn zu sehen, und nicht nur auf die Gabe. Die Ordnung einer solchen Versammlung ist entscheidend in der heiligen Schrift niedergelegt (1.Kor 14). „Denn ihr könnt alle einzeln weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden.“ „Wenn sich jemand dünkt, er sei Prophet oder geistlich, der erkenne, was ich euch schreibe, dass es Gebote des Herrn sind. Ist aber jemand unwissend, so sei er unwissend. Also, Brüder, eifert um die Weissagung und wehrt nicht, in Sprachen zu reden. Lasst aber alles anständig und in Ordnung geschehen.“
Da ist noch ein anderer Grundsatz, welcher einen Diener des Herrn bei Ausübung irgendeiner Gabe, die ihm anvertraut ist, leiten soll. Er verschuldet Christus eine unmittelbare und persönliche Verantwortlichkeit, mit der empfangenen Gabe zu handeln. Er mag den Unbekehrten predigen, er mag den Kindern Gottes den Weg genauer auslegen, oder beides tun, wenn er beide Gaben besitzt; – er ist es seinem Meister schuldig, alles auszuüben, was er zum Besten der Seelen empfangen hat, ohne sich durch sonst jemanden hindern zu lassen oder zu hindern. Jeder Diener, sei seine Gabe groß oder klein, hat dieselbe Freiheit und dieselbe Verantwortlichkeit. Zwei oder Mehrere mögen es für gut finden, sich im Dienst zu vereinigen; doch erinnern wir uns, dass, als Paulus den Silas erwählte, „der Gnade Gottes befohlen“, während Barnabas den Markus mitnahm, wir nicht lesen, dass dieser auf eine solche Weise wie jener von Gott geehrt wurde, die Versammlungen zu befestigen (Apg 15,36–41).

Diese Gaben aber, lasst es uns nicht vergessen, müssen unterschieden werden von den Diensten oder Ämtern an einem Ort, wie die der Ältesten {In Apostelgeschichte 11,30 sind die Neuesten zum ersten Male erwähnt; aber dort nur in Verbindung mit der Versammlung zu Jerusalem. Sie sind hervorragend bei der Zusammenkunft in Kapitel 15; aber in Bezug auf diese finden wir in der ganzen Apostelgeschichte keine Andeutung über ihre Einsetzung, wenn sie wirklich ordiniert worden sind. Auch Jakobus (Kap 5,14). erwähnt die Nettesten; und Petrus (1.Pet 5,1). und Johannes (2. und 3. Brief). nennen sich selbst Netteste; aber sie sagen nichts von einer amtlichen Einsetzung. Dies scheint bestätigt zu sein durch die Art und Weise in welcher in 1. Petrus 5,1–5 die Ältesten den Jüngern entgegengesetzt werden. Es handelte sich mehr um die Erfahrung als um ein Amt.} oder Presbyter der Schrift, die an verschiedenen Stellen auch Bischöfe oder Aufseher genannt werden. Die Dienste oder Ämter hatten es nur mit einer Versammlung zu tun, und waren eingesetzt durch irgendeinen Apostel, oder durch einen Bevollmächtigten, der zu dem Zweck einen direkten und besonderen Auftrag von einem Apostel hatte. Solch ein Bevollmächtigter war Titus. Aber die Schrift deutet nirgendwo an, dass die Autorität zur Einsetzung der Ältesten fortbestehen solle. Wir haben gesehen, dass die Gaben Christi da sein sollen, bis „wir alle hingelangen usw.“, aber die Schrift erwähnt sie niemals mit den Diensten oder Ämtern an einem Ort, obschon beide völlig in ein und derselben Person vorhanden sein konnten. Wir wissen, dass dies bei Philippus der Fall war; er war einer von den Sieben, und außerdem ein Evangelist.

Das Hirtenamt, um jetzt näher darauf einzugehen, ist eine Gabe; (Eph 4,11). das Ältestenamt ist ein Dienst; aber die Gabe, die Herde Gottes zu weiden – weit davon entfernt, um mit dem Dienst eines Ältesten oder Bischofs unvereinbar zu sein – war offenbar eine der wichtigsten Eigenschaften, welche man bei jenen suchte, die das gute Werk begehrten. So ermahnt Paulus (Apg 20,28). die Ältesten zu Ephesus, Acht zu haben auf sich selbst und auf die ganze Herde, in welche der Heilige Geist sie als Aufseher gesetzt hatte, die Versammlung Gottes zu hüten, welche Er sich durch das Blut seines Eigenen erworben hat. „Hütet die Herde Gottes“, – sagt ein anderer Apostel – „welche unter euch ist, und führt die Herde nicht aus Zwang, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, noch als herrschend über die Erbgüter, sondern Muster der Herde werdend“ (1.Pet 5,2–3). {Der Unterschied zwischen Volk und Geistlichkeit ist wesentlich ein jüdisches Element, welches später in die Kirche einschlich und sie untergrub. Zu jener Zeit war das christliche Volk die Geistlichkeit. Sie dienten zum gegenseitigen Nutzen – ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hatte; (1.Pet 4). aber es gab nur einen Leib und nicht zwei Kasten. Dieses ach! ist nicht der einzige Teil der Worte des Apostels, wovon wir bekennen müssen, dass es bald vernachlässigt und praktischer Weise zerstört worden ist.} In der ersten Brief an Timotheus, Kapitel 3, finden wir die Tüchtigkeit zu lehren und die Fähigkeit, für die Gemeinde Gottes Sorge zu tragen, mit anderen Erfordernissen zusammengestellt. Ebenso wurde dem Titus in Kapitel 1,5–9 befohlen, nur solche anzustellen, welche dem treuen Wort, welches der Lehre gemäß ist, anhingen, damit sie fähig seien, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widersacher zu überführen. Aber es würde sicher zu weit gegangen sein, daraus zu schließen, dass alle Ältesten notwendiger Weise in dem öffentlichen Dienst des Wortes gearbeitet hätten. Sie wurden eingesetzt, um eine göttlich väterliche Sorgfalt über die Versammlung auszuüben; aber in dem Wort und in der Lehre zu arbeiten war nicht unumgänglich notwendig. Deshalb sagt der Apostel in 1.Timotheus 5,17: „Die Ältesten, welche wohl vorstehen, sind doppelter Ehre würdig zu achten, besonders die, welche sich im Wort und in der Lehre bemühen.“ Sowohl in der einen als auch in der anderen Weise waren die Ältesten da, um die Herde zu weiden; aber es gaben solche unter ihnen, die nicht in dem Wort, wenigstens nicht öffentlich, dienten.

Noch eine andere Bemerkung muss bei der Frage über die Führer oder Vorsteher gemacht werden. – Paulus, indem er an die Heiligen zu Rom schreibt, ermahnt: „Es sei der Vorstehende – in Fleiß.“ Alle Beweisführung, die wir haben, zeigt uns, dass es zu Rom noch keine offizielle Ernennung gab, wenn es dort je eine solche gegeben hat. Der Vorrang des Petrus ist nur Einbildung. Die heilige Schrift bestätigt auf eine bestimmte Weise, dass er vorzugsweise der Apostel für die Beschneidung, wie es Paulus für die Vorhaut war. Damals hatte der Letztere die Gläubigen in der Hauptstadt der Heiden noch nicht besucht. Demnach gibt es nicht ein Wort, welches voraussetzt, dass dort Älteste eingesetzt waren. Nichtsdestoweniger ist es offenbar, dass jene zu Rom, gleich dem übrigen Teil der Kirche, Gnadengaben in ihrer Mitte hatten – Prophezeiung, Dienst, Lehre, Ermahnung usw. Diese Gaben konnten sie besitzen, und sie sind ermahnt, sie fleißig auszuüben; aber nicht ein Wort ist über die Ältesten gesagt. Es ist schon bemerkt worden, dass in den Briefen an die Korinther von keinen Ältesten die Rede ist, und doch sind die Brüder ermahnt, sogar solchen, die sich selbst den Heiligen zum Dienst verordneten und jedem, der mitwirkte, und sich bemühte, untertan zu sein (1.Kor 16,15–16). Ebenso in 1.Thessalonicher 5,12–13: „Wir bitten euch aber Brüder, dass ihr die kennt, die sich unter euch bemühen und euch im Herrn vorstehen und euch ermahnen; und dass ihr sie über die Maßen in Liebe, um ihres Werkes willen, achtet, und untereinander in Frieden seid.“ – Geben uns nicht die Ermahnungen, „dass ihr die kennt“, die sich bemühen, vorstehen und ermahnen, deutlich zu verstehen, dass es nicht eine Klasse von öffentlich Eingesetzten war? Diese würden von selbst offenbar gewesen sein, und also eine Ermahnung, Solche zu kennen, nutzlos machen. Die Achtung und Liebe war um ihres Werkes willen. Auf eine öffentliche Stellung ist gar nicht hingedeutet worden. In Hebräer 13,7.17.24. sind gewisse angesehene Männer genannt – Führer oder Leiter – aber da ist nichts, was auf eine äußerliche Einsetzung schließen lässt. Es ist höchst wahrscheinlich, dass es solche Personen waren, deren Alter, Charakter Und geistliche Begabung sie eine besondere Stellung einnehmen ließ. Wenn jemand in unseren Tagen genügende, d. h. schriftgemäße Beweise geben könnte, dass er ein apostolisch Bevollmächtigter wäre, so würde sicher seine Einsetzung von Ältesten geschätzt werden, wenigstens von allen, deren Augen allem auf den Herrn in dieser Sache gerichtet wären. Wenn aber solche Beweise fehlen, so sollten sie entschieden nicht anerkannt werden. Wenn wir daher in der Schrift keine Ältesten durch irgendjemand, ausgenommen durch die Apostel oder deren Bevollmächtigte, eingesetzt finden, können dann die Kirchen oder Versammlungen unserer Tage ihre betreffenden Einsetzungen durch das Wort Gottes rechtfertigen? Die apostolische Nachfolge, worauf viele sich berufen, scheint hierin die einzig folgenrechte Verteidigung in ihrer Anmaßung zu sein – in ihrer Anmaßung, sage ich, denn in Wahrheit existiert eine solche Nachfolge nicht; – es ist judaisiertes Christentum, oder besser christliches Judentum.

Der Fall bei Paulus in Apostelgeschichte 13, welcher zuweilen angeführt wird, um die Notwendigkeit einer menschlichen Vollmacht oder Übertragung zu beweisen, zeigt in der Tat das Gegenteil. Wenn dem aber wirklich so wäre, dann würde es sehr befremdend sein, in Galater 1,1 zu sehen, dass der Apostel sich solche Mühe gibt, um darzutun, dass er ein Apostel war, „nicht von Menschen“, d. i. in Betreff der Quelle, „noch durch einen Menschen“, d. h. in Betreff des Kanals. Er hatte jahrelang vor seiner Absonderung durch den Geist zu dem besonderen Werk, welches in Apostelgeschichte 13 und 14 mitgeteilt ist, gepredigt. Auch waren jene, welche gefastet und gebetet und auf ihn und Barnabas ihre Hände gelegt hatten, durch sie gepflegt und belehrt worden, als durch solche, die über ihnen in dem Herrn waren. Gegen solch eine Auslegung der Hände weiß ich keinen Einwurf. Sie maßt sich weder eine Gabe noch eine Autorität an, sondern ist eine einfache Anbefehlung der Gnade Gottes, welche, wie es scheint, wiederholt werden kann (Apg 15,40). Ist da ein Zug in Verbindung mit der Ordination unserer Tage?

Es ist oft vergessen worden, dass Matthias auf eine jüdische Weise durch das Los gewählt war, ehe der Heilige Geist vom Himmel hernieder gesandt war, um die Gläubigen zu taufen. Die Kirche, eigentlich gesprochen, war noch nicht offenbart. Seine Erwählung daher, kann keinen vorhergehenden Beweis für einen Zustand der Dinge liefern, welcher durch die Gegenwart des Geistes näher bestimmt und geleitet wurde. Nie lesen wir nachher von dem Gebrauch des Loses.
In dem Fall des Timotheus waren Prophezeiungen vorhergegangen (1.Tim 1,18), und eine wirkliche Gabe durch Prophezeiung mit Auslegung der Hände der Ältesten mitgeteilt (Kap 4,14), und durch die Auslegung der Hände des Paulus (2.Tim 1,6), ein Fall, dessen Nachahmung ohne einen Apostel oder ein apolostolisches Presbyterium, um nicht einmal von Prophezeiungen zu sprechen, nicht nur unausführbar ist, sondern auch, wenn die Macht, Gaben zu erteilen, wie sie damals wirklich erteilt wurden, nicht vorhanden ist, eine verderbliche Anmaßung sein würde. O möchte Gott sein Volk von jener Sprache: „Ich bin reich und habe reichlich und bedarf nichts“, völlig freimachen!

Endlich ist es in 2.Timotheus 2,2 augenscheinlich, dass es sich nicht um die Autorität handelt, Nachfolger einzusetzen, sondern um die Mitteilung der Dinge, welche Timotheus von dem Apostel durch viele Zeugen gehört hatte. Es war nicht, um einen Geistlichen einzusegnen, sondern um die gesunde Lehre treuen Männern anzuvertrauen, welche tüchtig sein würden, auch andere zu lehren.
Auf der anderen Seite ist der Grundsatz von der Erwählung eines Pastors rein menschlich, nicht einmal vom Judentum abgeleitet, noch viel weniger vom Christentum. Lasst uns das Zeugnis von jemand hören, der selbst also erwählt war. Er sagt: „Nur mit Erstaunen können wir eine Gemeinde nach der heutigen Form eine so folgenschwere Handlung vollziehen sehen, wie die, sich einen Pastor oder Lehrer zu setzen oder zu erwählen, ohne fähig zu sein, aus dem Neuen Testament irgendeinen Befehl oder eine Vollmacht zu jener Handlung oder wenigstens ein Beispiel, sei es nun befriedigend oder unbefriedigend, beizubringen. Nach weltlichen Grundsätzen kann nichts einfacher oder vernünftiger sein, als dass jene, welche bezahlen, auch zu befehlen haben; und bei dem jetzigen Charakter der Menschenkinder, besonders in gewissen Kreisen, mag es beinahe unausführbar sein, die Unterwerfung durch irgendein anderes Gesetz zu sicheren. Nichtsdestoweniger kommt die ernste Frage uns noch einmal: Ist dies das Gesetz oder der Grundsatz, der als die Grundlage der kirchlichen Verfassung im Neuen Testament anerkannt ist? Wir sind gezwungen zu antworten, dass es nicht also ist!“ – Dennoch haben Einige geglaubt, dies in Apostelgeschichte 14,23 zu finden. „Als sie ihnen aber in jede Versammlung Älteste gewählt hatten.“ Aber dieses beweist nicht, dass die Kirche, sondern dass sie, d. i. Paulus und Barnabas, die Ältesten erwählten. Einige machen Schlüsse aus der Wortbedeutung; aber der Gebrauch und nicht die Wortbedeutung ist der einzig sichere Leiter. Das griechische Wort bedeutet ursprünglich „die Hand ausstrecken.“ Daher wurde es beim Abgeben seiner Stimme oder beim Wählen in dieser Weise angewandt und nachher einfach für das Wählen gebraucht, ohne auf die Weise deuten zu wollen. Also ist in Apostelgeschichte 10,41 dasselbe Wort, verbunden mit einer Präposition, auf die Wahl Gottes angewandt, wo die Meinung von dem Wählen der Kirche durch Stimmenmehrheit natürlich ausgeschlossen ist. Wenn es sich um eine gute und umsichtige Bedienung der Tische oder dergleichen handelte, wie in Apostelgeschichte 6 und 2.Korinther 8,19, so wählte die Versammlung oder die Versammlungen, obgleich selbst in der Apostelgeschichte als die Menge der Jünger sieben treue Männer ausersehen hatten, die Apostel es waren, die sie in ihre Beschäftigung einsetzten. Kurz, wenn Gott eine Gabe erteilt, so erwählt Er. Wenn die Kirche gibt oder spendet, was sie kann, so mag sie dazu Werkzeuge benutzen, die sie dafür passend hält. Da sie aber nicht eine Gabe zum Dienst erteilen kann, so sollte sie auch nicht wählen, sondern alle jene annehmen, die Gott zu ihrem Besten gegeben hat.

Was also die Ältesten betrifft, so erwählt sie ein Apostel (Apg 14,23). oder er lässt für eine Zeit einen Bevollmächtigten zurück, um sie einzusetzen (Tit 1,5–9), oder beschreibt einem anderen die erforderlichen Eigenschaften (1.Tim 3,2–7). In keinem Fall aber ist die Kirche aufgefordert, sie zu erwählen. Sie hatte nie eine solche Autorität, selbst nicht in ihren schönsten Tagen.

Keine Brief, gerichtet an eine Kirche oder Versammlung, berührt diese Frage, weil es unnötig war. Es war nicht ihre Mission. Titus war ausdrücklich in Kreta zurückgelassen, um das, was der Apostel unerledigt gelassen hatte, in Ordnung zu bringen, und in jeder Stadt Netteste zu ordinieren, sowie der Apostel ihm vorgeschrieben hatte, und sonst niemand. Nachher sollte er zu dem Apostel nach Nikopolis kommen (Tit 3,12). das ist alles, was die Schrift sagt; und es würde Anmaßung sein, darüber hinauszugehen. Der Apostel sah auf die Ankunft des Herrn, als die unmittelbare Hoffnung der Kirche, und lehrt auch sie also. Dies erweckt natürlich Eifer und hindert in keiner Weise, gegenwärtig für die Schafe Sorge zu tragen; aber es ist unvereinbar mit stets fortdauernden, öffentlichen Werkzeugen für die kommenden Zeitalter. Deshalb finden wir auch keine solche Anordnungen in den Briefen. Was aber die Gaben betrifft, so ruhen diese auf einem ganz anderen Grund: nicht auf Aposteln, welche hinweggetan werden konnten, sondern auf Christus welcher niemals aufhört, das Haupt und die Quelle der Ernährung zu sein, und welcher nicht anders kann, als seinen Leib, d. i. die Versammlung, lieben und Pflegen. Diese Gaben bedurften niemals der Bestätigung eines Menschen, selbst nicht als die Apostel noch vorhanden waren. Christus erteilt sie, ohne irgendjemandes Vermittlung, so dass das, was Paulus von seinem eigenen Apostelamt sagte, dem Grundsatz nach von allen gesagt werden konnte. – „Nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der Ihn aus den Toten auferweckt hat.“ Ich spreche natürlich von der Art und der Quelle der Gaben, und nicht von ihrem Maß.

In Betreff der Zucht ist es von der höchsten Wichtigkeit, daran zu denken, dass sie von keinen Gaben oder Diensten oder irgendeiner anderen Sache abhängt, sondern allein von der gesegneten Tatsache, dass der Leib, die Kirche oder Versammlung, welche der Leib Christi ist, in seinem Namen versammelt ist, und in ihrer Mitte den Heiligen Geist hat, um sie zu leiten und seinen Regungen Kraft zu verleihen. Er ist, so können wir sagen, die Seele dieses heiligen und himmlischen Leibes. Die völligste Anweisung in Betreff der Zucht sowohl im Ausschließen als auch im Wiederaufnehmen, war der Kirche zu Korinth gegeben, wo, wie es scheint, zu jener Zeit keine Ältesten waren. Dass da Versammlungen ohne Ältesten sein konnten und waren, geht deutlich aus Apostelgeschichte 14,23 und Titus 1,5 hervor. Die Versammlungen bestanden bevor irgend solche Ämter eingesetzt waren. Die Ältesten waren ohne Zweifel für die Verwaltung einer Versammlung wünschenswert; aber auf keine Weise zu ihrem Bestehen unumgänglich notwendig. Gewiss ist es, dass weder in den beiden Briefen noch sonst irgendwo etwas von den Ältesten in Korinth erwähnt worden ist, und dass die Unordnungen, die daselbst ausbrachen, der Versammlung nahegelegt wurden; auch schob der Geist ihre Wirksamkeit, als Versammlung, im Verbessern ihrer Missbräuche nicht auf, bis Älteste ordnungsmäßig eingesetzt waren.

Handelt es sich also um den höchst feierlichen Akt der Ausschließung, oder um die würdige Feier des Abendmahls des Herrn, so ist es die Versammlung, welche angeredet, getadelt und beauftragt ist, in all diesen ernsten Einzelheiten das Böse hinweg zu tun, und würdig zu wandeln. Und dies ist umso auffallender, indem es doch solche unter ihnen gab, die „in keiner Gnadengabe zurück waren“ (1.Kor 1,7), und sogar das Haus des Stephanas sich selbst den Heiligen zum Dienst verordnet hatte, {Es mögen jene, die kein Bedenken tragen „die Selbstverordnung“ zu verspotten, diese Stelle wohl erwägen, und bedenken, dass das, was sie verachten wie es auch einige fleischliche Korinther getan haben mögen, der Heilige Geist durch den Apostel bestimmt und ungeschwächt anempfiehlt. Wenn sie Gott gehorchen wollen, so haben sie sich einfach solchen zu unterwerfen.} zu deren Unterwürfigkeit die Gläubigen im Allgemeinen ermahnt sind. Es sind also nicht, ich wiederhole es, die Arbeiter, sondern es ist die Versammlung, welche beauftragt ist, in Dingen zu urteilen, welche die verfallene Kirche zum Beruf der amtsmäßigen Ordnung gemacht hat.

Wo Aufseher waren, wie zu Philipp: und Ephesus, da werden sie ohne Zweifel, falls sie eine göttliche Sorge ausübten, ganz natürlich und richtig einen großen Anteil an den praktischen Einzelheiten gehabt haben; und umso mehr, da eine Aufforderung an die Versammlung die letzte und schmerzlichste Zuflucht ist (Mt 18,15–17). Der Hauptzweck ist, die Seele wiederherzustellen, wenn es in dem Herrn möglich ist. Aber die erkannte Sünde eines Christen betrifft das Gewissen der Versammlung; denn es ist ein Leib, und wenn sie nicht gerichtet wird, so durchsäuert ein wenig Sauerteig die ganze Masse. Wenn der Sünder das Übel auf eine göttliche Weise betrauert und hinweg tut, so ist er wiederhergestellt, und alle erfreuen sich. Wenn er aber in dem, was Christus vermehrt, fortfährt, so muss die Versammlung gereinigt werden, mag es kosten, was es will (1.Kor 5,7–8). „Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr eine neue Masse werdet, gleich wie ihr ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist für uns geschlachtet. Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, noch mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuertem (Brot) der Lauterkeit und Wahrheit.“ „Denn was habe ich die, welche draußen sind, zu richten? Ihr, richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, wird Gott richten; tut den Bösen aus eurer Mitte.“

Ferner behandelt die heilige Schrift mit noch größerer Strenge die falsche Lehre, weil sie listig und in ihren Wirkungen umso verderblichen ist, und auch den Herrn selbst unmittelbarer berührt, als ein schlechter Wandel. Sie ist immer ein Werk des Fleisches, und kann noch weit nachdrücklicher ein Werk Satans sein, als eine bloß fleischliche Handlungsweise (Siehe Gal 5,9–21; Röm 16,17–18; 1.Tim 1,18–20; 6,3–5; 2.Tim 2,17–18; 3,6; 4,3–4; Tit 3,9–11; 1.Joh 4,1–6; 2.Joh 1,10–11; Off 2,14–15.23.24).

Wie es die Versammlung ist, welche ausschließt, so liegt es ebenfalls der Versammlung ob, unter der Leitung dessen, der darin wohnt, wiederaufzunehmen. Gott aber kann solche Werkzeuge gebrauchen, die Er für Passend hält, um die Versammlung aufzuwecken, und zwar durch Erinnerung an die Heiligkeit Christi beim Ausschließen eines Bösen (1.Kor 10). und durch Erinnerung an die Gnade beim Vergeben und Wiederaufnehmen eines gedemütigten Bruders (2.Kor 2). In beiden Fällen ist es die gewissenhafte Handlung der Versammlung, die der Herr erwartet. Wenn aber alle Aufmunterung vergeblich ist, – wenn trotz dem beharrlichen Zeugnis die Versammlung im Tun und Bemänteln des Bösen, und also im Verunreinigen des Namens des Herrn fortfährt, so wird der Anspruch, sein Leib zu sein, null und nichtig. Es ist eine völlig verdorbene Masse, und der Geist, welcher Christus liebt, erwartet, dass wir uns davon trennen, anstatt unsere Kräfte in der Anstrengung zu verschwenden, das Unverbesserliche oder Unheilbare – das, was nur auf das Gericht des Herrn wartet – zu verbessern.

Jetzt bleibt uns aber noch eine Schwierigkeit zu erwägen und aus dem Weg zu räumen. Es ist aufgestellt worden, dass die Behauptung von dem Verfall der Kirche uns nötige, zu sagen, dass wir in diesen letzten Tagen von dem Brief an die Korinther usw. keine Anwendung mehr machen könnten, und uns nichts anders übrigbliebe, als uns auf die Verheißung zu stützen: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ Das gegenwärtige Schriftchen ist schon eine hinreichende Antwort auf eine Beschuldigung, wie sie kaum härter gemacht werden könnte. Es ist bewiesen worden, dass die verschiedenen kirchlichen Parteien die Grundsätze ihrer Vereinigung oder ihrer Ämter durch solche Schriftabschnitte wie 1. Korinther 1; 3;10; 11;12; 14;16; Epheser 4. usw. nicht verteidigen können. Die große Wahrheit der Versammlung, dass sie ist die Behausung Gottes im Geist, der die einzige Kraft und der Austeiler der Gaben Christi in der Einheit des ganzen Leibes ist, ist durch keine derselben anerkannt; ja, sie könnte von ihnen nicht einen Augenblick praktisch anerkannt werden, ohne sich selbst in allen ihren Abweichungen zu verurteilen. Sind mm alle die Heiligen verantwortlich, diese Wahrheit anzuerkennen, was auch immer die Folgen ihres Bekenntnisses sein mögen? Wenn sie es nicht sind, so lasst es uns offen gestehen. Aber wenn vormals die Kirche im Verwirklichen der Segnungen einer solchen Stellung lebte, sich erfreute und litt, wo und was sind wir denn jetzt? Haben wir von all dem erkannten Bösen, das sich in dem bekennenden Körper ausgebreitet hat und ihn zu einem Zeugen wider Christus und nicht für Ihn gemacht hat, nichts zu fühlen, nichts zu bekennen, nichts damit zu tun? Wenn ich finde, dass ich als die Kirche Gottes eine Gesellschaft oder ein System verehrt habe, deren Gesetze mit den leitenden Schriftgrundsätzen jener Kirche unvereinbar sind, habe ich nicht meine Sünde zu bekennen, und von dem unreinen Zustand auszugehen? Oder habe ich zubleiben und fort zu sündigen, damit die Gnade überströme? Dies ist die wahre Frage. Es wird jetzt von vielen Christen, die einigermaßen einsichtsvoll und geistlich sind, eingeräumt, dass die bestehende klerikale Stellung nicht zu verteidigen ist, wenn wir sie mit dem Wort Gottes vergleichen. Nicht nur ist sie in den Einzelheiten falsch, sondern auch in ihren Fundamental – Grundsätzen. Deshalb haben einige hervorragende Namen in der religiösen Welt mit aller Kühnheit behauptet, dass das Wort Gottes, obschon vollkommen in Betreff der persönlichen Rechtfertigung, die Bildung und Regierung der Kirche der Einsicht der Menschen überlasse; d. i. mit anderen Worten: Wir dürfen für ihre gegenwärtige Leitung nicht mehr unsere Zuflucht zu solchen Briefen wie 1. Korinther usw. nehmen. Ein Teil ist befriedigt mit den Dingen, wie sie sind; ein anderer sehnt sich nach einer Kirche der Ankunft, wo alles auf eine viel herrlichere Weise erwartet wird. Wenn aber der Heilige Gottes vor solch einem schrecklichen Grundsatz, wie das Hinwegtun des Wortes Gottes, welches die Untreue der Kirche in Bezug auf ihre Berufung darstellt und anzeigt, zurückbebt, was hat er zu tun? Kann er noch einen Augenblick darüber Bedenken haben? Hat er nicht sogleich von dem Übel, das er fühlt, abzulassen und sich vor Gott zu demütigen – vor Gott, sowohl wegen seiner eigenen Fehler als auch der der Kirche? Und wenn er zwei oder drei Jünger im Namen Christi versammelt weiß, bei denen die Tür weit geöffnet ist, so dass der Heilige Geist frei und völlig wirken kann, gemäß des gesegneten Wortes, das Er hat niederschreiben lassen und durch welches Er wirken will – wird Er sich nicht glücklich daselbst fühlen? Werden nicht die also Versammelten, die Matthäus 18,20 nicht als eine Genehmigung betrachten zu tun, was in ihren eigenen Augen recht ist, zu ihrer Freude lernen, dass Jesus immer treu ist? Werden sie nicht Gott loben für die Autorität und Allgenügsamkeit seines Wortes? Und wird es irgendeinen Unterschied in Betreff des erfahrenen Trostes und der lebendigen Anwendbarkeit der Schriften geben, von denen ihre Widersacher sagen, dass sie nicht angewandt werden können? Werden sie Ihm nicht wiederholt für die Gegenwart des Heiligen Geistes danken der ebenso gern in dem ganzen Leib, als auch in den einzelnen Gliedern zur Verherrlichung des Herrn Jesus wirkt? Gott ist es, den wir bedürfen; es ist der lebendige Gott, mit dem wir es zu tun haben, und nicht nur mit Grundsätzen. Seine Gegenwart allein, wenn auch die Grundsätze in sich selbst noch so richtig sind, kann Kraft und Segen geben. Dies ist es, was wir suchen, wissend, dass die Ankunft des Herrn nahegekommen ist.

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