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Der erwachsene Christ
Gedanken über geistliches Wachstum

Arend Remmers

Einleitung


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Wer ist ein „erwachsener“ oder „vollkommener“ Christ? Ist es jemand, der eine große Kenntnis der Bibel, des Wortes Gottes, besitzt? Oder ein Christ, zu dem andere emporblicken, weil er eine hervorragende geistliche Gabe besitzt, packende und zu Herzen gehende Predigten hält oder außergewöhnliche Glaubenswerke tut? Oder vielleicht jemand, der – vermeintlich – eine Stufe in seinem Leben erreicht hat, wo er nicht mehr sündigt?

Nichts davon trifft zu! Dennoch meinen viele – besonders neu bekehrte – Kinder Gottes, ein „erwachsener“ Christ sei durch Bibelkenntnis, aktiven Dienst für seinen Erlöser und besondere Glaubenstaten gekennzeichnet. Sie strengen sich deshalb anfänglich sehr an, in dieser Richtung zu „wachsen“, aber nach einiger Zeit müssen sie feststellen, dass sie sich ein Ziel gesteckt haben, das sie nicht erreichen können. Die Folge ist häufig, dass sie niedergeschlagen werden und zu verzagen beginnen.

Wenn Kinder gläubiger Eltern sich bekehren, ist manchmal das Gegenteil der Fall. Sie sagen sich: „Hauptsache: bekehrt!“ und geben sich damit zufrieden. Sie gehen zwar regelmäßig in die Zusammenkünfte der Gläubigen, denken aber, das reiche aus, jetzt „dazuzugehören“. Sie erwerben sich im Lauf der Zeit auch gewisse Kenntnisse des Wortes Gottes und des christlichen Lebens, aber das ist noch kein geistliches Wachstum.

In beiden Fällen zeigt sich eine oberflächliche Betrachtungsweise dessen, was wahres Wachstum im Glauben ist. Das Erste und Wichtigste im Glaubensleben ist und bleibt, nahe bei dem Herrn Jesus zu leben und Ihn und Sein Werk mehr und mehr kennenzulernen. Das Verständnis Seines Erlösungswerkes gibt wahren und tiefen Frieden für Gewissen und Herz, und die Erkenntnis Seiner wunderbaren Person als des jetzt verherrlichten Menschen im Himmel, der einst auf der Erde war, führt zu dem Wunsch, Ihm im praktischen Leben ähnlicher zu werden, und lässt uns Ruhe für die Seele finden. Zwei wesentliche Schritte des Glaubens finden wir in Matthäus 11,28–30:

„Kommt her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Der Herr Jesus möchte uns als Seine Erlösten in erster Linie nahe bei sich haben, damit wir in Ihm Frieden und Freude finden. Wenn wir geschmeckt haben, wie gütig unser Herr ist, können wir bei Ihm lernen und wirklich wachsen. Dadurch bekommen wir auch die geistliche Kraft, etwas für Ihn zu tun. Alles andere läuft in der Praxis leicht auf Aktionismus oder aber auf eine gewisse Gesetzlichkeit hinaus, wobei man meint, dies oder jenes tun zu müssen, um ein guter Christ zu sein. Der Apostel Paulus betete jedoch dafür, dass die Gläubigen „Frucht bringend und wachsend durch die Erkenntnis Gottes“ sein sollten (Kol 1,10). Echtes geistliches Wachstum bringt Frucht für Gott hervor; aber das Wachstum hört dadurch nie auf, sondern geht immer weiter, solange wir auf der Erde leben.

Das Wesentliche ist jedoch, den Herrn Jesus als verherrlichten Menschen zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit kennenzulernen und zu wissen, was es bedeutet, „in Christus“ zu sein, das heißt, begnadigt oder angenehm gemacht zu sein in dem Geliebten des Vaters (siehe Eph 1,6). Im Neuen Testament werden von neuem geborene Menschen im Blick auf ihre geistliche Entwicklung als „erwachsen“ oder „vollkommen“ (griech. teleios) bezeichnet, wenn sie in Christus zur Ruhe gekommen sind und an Ihm allein genug haben. Sie haben im Glauben erfasst, dass sie durch Sein Erlösungswerk aus der Welt herausgenommen und in Ihm, dem verherrlichten Menschen zur Rechten Gottes, schon jetzt in eine neue, wunderbare, himmlische Stellung versetzt sind. Das ist die höchste Stufe, die wir in unserem praktischen Christenleben erreichen können, ganz abgesehen von allem, was wir für Ihn tun.

Viele Kinder Gottes sind jedoch noch mehr oder weniger weit davon entfernt, geistlich „erwachsen“ zu sein. Für sie sind diese Zeilen in erster Linie bestimmt. Wer sie aufmerksam liest, wird feststellen, dass wir als Christen allesamt noch wachsen müssen. Genau das wünscht der Apostel Petrus seinen Lesern am Anfang seines ersten und am Ende seines letzten Briefes: „Seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst zur Errettung, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist“ (1. Pet 2,2.3). – „Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit sowohl jetzt als auch auf den Tag der Ewigkeit! Amen“ (2. Pet 3,18).

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