Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Wie kann man „Arbeit“ definieren?

Das Berufsleben des Christen

Bei dem Begriff „Beruf“ denkt man in der Regel an die bezahlte Tätigkeit einer Person, die in einem bestimmten Unternehmen angestellt ist. So eng grenzen wir diesen Begriff jedoch nicht ein. Denn wir haben schon gesehen, dass man seinen Beruf sowohl außerhalb des eigenen Hauses als auch im eigenen Haus bzw. in der eigenen Wohnung ausüben kann.

Arbeit gegen Bezahlung

In diesem Buch verstehen wir unter „Arbeit“ bzw. „Beruf“ eine körperliche oder geistige Tätigkeit. Diese Definition finden wir schon in 1. Mose 2,15.19. Nach 1. Korinther 9,6.71 erhält man für diese berufliche Tätigkeit materiellen Lohn: „Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von dessen Frucht? Oder wer weidet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?“ Paulus spricht hier also davon, dass jede Art von beruflicher Tätigkeit entlohnt werden soll, auch dann, wenn man keinen weltlichen Beruf, sondern eine geistliche Tätigkeit ausübt. Arbeit und Lohn gehören somit auch nach Gottes Wort zusammen.

Schon im Gesetz hatte Gott angeordnet: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden“ (5. Mo 25,4). Diese alttestamentliche Anweisung behandelt das Verhalten gegenüber dem Ochsen, der beim Trampeln (Dreschen) des Korns auch von diesem Korn fressen können soll. Dieses Gebot führt der Apostel Paulus im Neuen Testament mehrmals an (vgl. 1. Kor 9,9; 1. Tim 5,18), um zu verdeutlichen, dass auch geistliche Arbeit ihren Lohn wert ist. Gott war nie allein um Tiere besorgt, sondern Ihm ging es vor allem darum, dass Menschen, die in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen, nicht ausgenutzt werden. Es war Ihm wichtig, dass arbeitende Menschen einen angemessenen Arbeitslohn empfangen. Dieses göttliche Prinzip hat sich bis heute nicht geändert.

Und dennoch dürfen wir Arbeit nicht auf „bezahlte Arbeit“ verengen. Denn dann wäre Arbeit nur wertvoll, wenn sie angemessen vergütet würde. Das aber ist nicht Gottes Gedanke. Das zeigt der bereits genannte Beginn der Arbeit. Adam und Eva wurden im Garten Eden für das Bebauen und Bewahren nicht „bezahlt“. Natürlich konnten sie so den Segen der Natur als Nahrung genießen. Aber Gott stellt in 1. Mose 1 und 2 keinen Zusammenhang zwischen Arbeit und Bezahlung her. Auch wir sollten als solche, die arbeiten, nicht in erster Linie auf Lohn und Bezahlung schielen.

Arbeit ohne Bezahlung

Auch aus diesem Grund verstehen wir in diesem Buch das berufliche Engagement im eigenen Haus neben dieser entgeltlichen Arbeitsleistung als „Arbeit“. Dabei geht es uns nicht in erster Linie um das Arbeiten zu Hause als Selbstständiger. Dass man diese Tätigkeit als „Arbeit“ klassifiziert, versteht sich von selbst.

Es muss die Frage erlaubt sein: Ist nicht gerade die unermüdliche Tätigkeit von Ehefrauen und Müttern beeindruckend? Auch wenn sie dafür keine Bezahlung erhalten, sind sie Tag und Nacht für ihre Ehemänner und Kinder, für ihre Familien tätig. Daher verstehen wir diesen Einsatz als berufliche Leistung. Der Gedanke, dass auch die Ehefrauen und Mütter mit ihrer Arbeit zu Hause „beruflich tätig sind“, mag in unserer Gesellschaft unmodern geworden sein. Sogar gläubige Männer können ein Stück weit zu verheimlichen suchen, dass ihre Ehefrauen keinem Beruf außer Haus nachgehen. Und auch gläubige Frauen könnten sich in dieser Hinsicht verstecken wollen …

Gott aber sieht dies anders. Daher sollten wir uns seine Sichtweise zu eigen machen. Gott hat die Arbeit in Haus und Familie schwerpunktmäßig für Frauen vorgesehen. Das lernen wir aus Titus 2,5. Paulus wies seinen Mitarbeiter Titus an, älteren gläubigen Frauen aufzutragen, die jüngeren Frauen darin zu belehren. Die jungen Frauen sollten „ihre Männer lieben, ihre Kinder lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, den eigenen Männern untergeordnet sein, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde“. In Gottes Augen ist die Arbeit einer Frau und Mutter zu Hause sehr wertvoll.

Frauen in der Arbeitswelt

Unsere moderne Gesellschaft erwartet, dass Frauen und damit auch Mütter so früh und so lange wie möglich eine Arbeitsstelle bei einem Wirtschaftsunternehmen, bei der Stadt, dem Land usw. antreten. Damit sollen sie zum Bruttosozialprodukt des Staates beitragen. „Verkauft“ wird ihnen das damit, dass sie sich auf diese Weise am besten „selbst verwirklichen“ könnten. Ziel der Politik ist, im beruflichen Dasein eine vollständige Gleichstellung von Frau und Mann zu erzielen (vgl. Frauenquote usw.). So kam mit der Emanzipationsbewegung der Trend auf, dass Frauen nicht zu Hause bleiben, sondern einer außerhäuslichen Arbeit nachgehen sollten.

In der Bibel werden wir anders belehrt. Dort lernen wir, dass die verheiratete Frau eine außerordentlich vornehme Aufgabe hat: Sie soll ihren Mann und – wenn Gott Kinder geschenkt hat – auch ihre Kinder lieben und im Haushalt tätig sein. Darauf soll ihr Augenmerk gerichtet werden.

Das ist keine Degradierung oder ein „Abstellen“ am Herd und in der Küche im Sinne der oft spöttisch genannten KKK (Kinder, Küche, Kirche – im Gegensatz zum heute propagierten: Körper, Kohle, Konsum), sondern eine Aufgabe mit höchstem Managementanspruch und Koordinationsaufwand. Das Beispiel der tüchtigen Frau in Sprüche 31 ist dazu aus unserer Sicht richtungsweisend. Es ist im Übrigen zum Segen der gläubigen Frau selbst, zum Segen des Ehemanns und der Kinder, ja des ganzen Hauses, wenn die Frau – auch im 21. Jahrhundert – bereit ist, sich dieser von Gott gewollten Arbeitsteilung zu stellen und für den Mann und die Kinder liebend zu sorgen. Es dient dem Frieden und führt oft zu einer Atmosphäre der Liebe in der Familie.

Wer einmal als Ehemann und Vater versuchen musste, die kranke Ehefrau zu ersetzen, weiß, dass dies fast unmöglich ist. Vielleicht ist es notwendig, dass Ehemänner und Väter einmal in eine solche Zwangssituation kommen, damit Männer die Leistung ihrer Ehefrauen in angemessener Weise wertschätzen.

Es gibt noch ein anderes Thema, das junge Frauen im Blick auf ihre Ausbildung bedenken sollten. Sie wissen nicht von vornherein, ob sie überhaupt heiraten werden. Daher ist es angebracht und richtig, wenn sie eine Ausbildung absolvieren. Der Hinweis auf Priszilla, die zusammen mit ihrem Mann einem Beruf nachging (vgl. Apg 18,3), zeigt, dass sich Frauen auch in der apostolischen Zeit ausbilden ließen, auch wenn man die damalige Ausbildung sicher nicht mit der heutigen vergleichen kann. Diese Zeltmacher-Tätigkeit gingen sie auch nach, wenn sie keine Kinder hatten bzw. nicht verheiratet waren. Wir lesen beispielsweise an keiner Stelle, dass Aquila und Priszilla Kinder hatten; und von Tabitha, die Kleider machte (Dorkas, Apg 9,36 ff.), sowie von Lydia, einer Purpurhändlerin (Apg 16,14) lesen wir nicht, dass sie verheiratet waren.

Fußnoten

  • 1 „Oder haben allein ich und Barnabas nicht das Recht, nicht zu arbeiten? Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von dessen Frucht? Oder wer weidet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?“ (1. Kor 9,6.7).
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